Schriften – eine Probe

Man sollte einige Zeilen schreiben,

mit Unterlängen und querfeldein [Athelas] —

Alle Schriften sind in der Größe 14 wiedergegeben. Sie sollen gut lesbar sein: Ober- und Unterlängen aufweisen, die Buchstaben sollen nicht zu dicht stehen, nicht so verschnörkelt wie diese [Apple Chancery] sein:

Athelas

Avenir (Next)

Book Antiqua

Bookman Old Style

Cambria Math

Cochin

Comic Sans SM

Didot

Futura zu fett?

Garamond etwas größer?

Iowan Old Style

Meyrio

Optima

Palatino

Palatino Linotype

Perpetua größer?

Thonburi

Trebuchet MS

YuMincho

Diese Schriften habe ich in die nähere Wahl gezogen – wenn man öfter probiert, kommen immer andere Ergebnisse heraus [YuMincho].

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Neue Iglu-Studie: Ergebnisse für das Lesen

Deutsche Grundschüler fallen beim Lesen international zurück“, kann man heute im „Tagesspiegel“ lesen: http://www.tagesspiegel.de/wissen/neue-iglu-studie-deutsche-grundschueler-fallen-beim-lesen-international-zurueck/20670744.html. Das ist das Ergebnis der Iglu-Studie von 2016. Der Beitrag im „Tagesspiegel“ ist sehr informativ. Weiterer Bericht: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/studie-20-prozent-der-viertklaessler-koennen-nicht-richtig-lesen-15325389.html

Das ist sicher einmal das Ergebnis einer Bildungs-Sparpolitik sowie einer ideologischen Aufweichung elementarer Einsichten dessen, was in der Schule geübt werden muss. Es ist aber auch ein Versagen der Eltern: Unsere beiden Töchter konnten lesen, ehe sie in die Schule kamen – und das nicht deshalb, weil wir etwas erzwungen oder gedrillt hätten. Die ältere Tochter hat das Lesen mittels der Beschriftung auf Milchflaschen gelernt (von sich aus, durch Fragen), die jüngere wollte auf einmal nicht mehr die einzige im Haus sein, die nicht lesen kann, und hat es innerhalb zweier Wochen von der älteren gelernt.

Ich sehe oft, wenn ich ins Fitness-Studio gehen, Kinder, die mit ihren Eltern zur logopädischen Betreuung gehen und dort mit Bauklötzen spielen, während die Mutter daneben sitzt: Kann man nicht auch zu Hause mit seinem Kind mit Bauklötzen spielen? Oder im Wartezimmer: Mama starrt auf ihr iPhone, das Kind sitzt isoliert daneben – sie gehen zur Logopädie: Wen wundert es, dass das Kind nicht richtig sprechen kann, wenn Mama lieber mit der Maschine als mit ihrem Kind spricht?

Kurt Tucholsky: Gedichte – für die Schule

Im Gedicht „Die geschiedene Frau“ (1929) denkt diese zum Schluss:

     „Aber das ist schließlich überall

     der erste Mann ist stets ein Unglücksfall.

     Die wahre Erkenntnis liegt unbestritten

    etwa zwischen dem zweiten und dem dritten.

Dann weißt du. Vom Wissen wird man nicht satt,

aber notdürftig zufrieden, mit dem, was man hat,

Amen.“

Diese weise Resignation ist herrlich, aber Schüler können sie so noch nicht verstehen. Das ist ein Kriterium dafür, manche Gedichte Tucholskys hier nicht aufzunehmen, auch wenn sie gut sind. Das zweite Kriterium: Wenn ein Gedicht stark auf tagespolitische Ereignisse der Vergangenheit bezogen ist, kann man es selbst als Lehrer kaum, als Schüler nicht verstehen – also streichen! Von den verbleibenden Gedichten habe ich die ausgewählt, die mir gefielen und die ich für die Schule für geeignet hielt: auf dass es neben Kästner auch Kurt Tucholsky als einen Repräsentanten der Neuen Sachlichkeit bzw. der Weimarer Republik gebe. Ich habe mich bei der Auswahl an den Gedichten orientiert, wie sie auf der Seite textlog.de angeboten werden (http://www.textlog.de/tucholsky-deutschland.html); sämtliche Gedichte Tucholskys sollte man auf der Seite https://tucholsky.de/gedichte/ finden, wo sie aber alphabetisch geordnet sind – textlog.de ordnet sie (grob) nach dem Datum der Veröffentlichung, und da genauer als die Seite tucholsky.de.

Nach dieser schönen Vorrede nun die Liste der Gedichte, die man vielleicht in der Schule (Kl. 10-13) lesen könnte:

Die Schule

Wider die Liebe

Auf ein Frollein

Park Monceau

Zu tun! Zu tun!

Zweifel

Nächtliche Unterhaltung (?)

Zwei Seelen

An meinen Sohn

Der Rhein und Deutschlands Stämme

Das Ideal

Nebenan

Masse Mensch“

Liebespaar am Fenster

Bürgerliche Wohltätigkeit

Augen in der Großstadt (parallel: Fahrgäste)

Danach

Die Redensart

Stationen

Die Gefangenen

Also wat nu – ja oder ja?

Warte nicht!

Die Herren Eltern (dazu Frau Schnier in Böll: Ansichten eines Clowns)

Weitere Seiten mit Tucholsky-Gedichten:

http://gedichte.xbib.de/gedicht_Tucholsky.htm

https://www.gedichte.com/gedichte/Kurt_Tucholsky

Eine Rezension schreiben

Zunächst einige Beispiele aus meiner Feder:

https://norberto42.wordpress.com/2017/06/25/p-von-matt-fertig-ist-das-angesicht-gelesen-2/

https://norberto42.wordpress.com/2016/11/05/willemsen-das-hohe-haus-2014-besprechung/

https://also42.wordpress.com/2017/06/23/ch-taylor-das-sprachbegabte-tier-2017-rezension/

http://re-visionen.net/rezension-thomas-steinfeld-herr-der-gespenster/

Was man im Netz unter „Rezension schreiben“ oder „Rezension Aufbau“ findet:

http://www.schreibsuchti.de/2013/03/28/buchrezension-schreiben-so-geht-s-tipps-fuer-aufbau-und-sprache/ (Anleitung, mit Beispiel)

http://www.dr.von-goeler.de/Leitfaden_Buchrezension.pdf (umfangreiche Anleitung)

https://www.textbroker.de/wie-sie-eine-gelungene-rezension-verfassen

http://www.literaturzeitschrift.de/rezension/

https://lehrerfortbildung-bw.de/u_sprachlit/deutsch/gym/bp2004/fb3/02_feld/3_form/1_rezension/1_bspl/ (Anleitung, wie Lehrer ihre Schüler befähigen sollen, Rezensionen zu schreiben – kann man auch unabhängig vom Lehrer durcharbeiten)

Mit Herrn Löhr, dem Eigentümer der Seite re-visionen, konnte ich mich nicht einigen, ob die Ich-Form für eine Rezension angebracht ist (Dr. von Goeler sagt: nicht ausufern lassen!); ich meine, es sei ehrlicher, sich nicht hinter einer scheinbaren Allgemeingültigkeit („man“, „der Leser“) zu verstecken, zumal da man mit seinem Namen für die Rezension geradesteht. Herr Löhr stritt das ohne weitere Begründung ab.

Ich habe daraufhin geprüft, was andere Leute sagen:
https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/deutsch-abitur/artikel/rezension
 (keine Äußerung zur Form)

http://www.fachdidaktik-einecke.de/9c_Meth_Textproduktion/rezension.htm (mit „ich“)

http://www.schreibsuchti.de/2013/03/28/buchrezension-schreiben-so-geht-s-tipps-fuer-aufbau-und-sprache/ („ich“ gebraucht)

https://de.wikipedia.org/wiki/Literaturkritik :

Weit populärer [als fachwissenschaftliche Rezensionen, N.T.] sind jedoch die kleineren publizistischen Formen, die ihren Niederschlag in Fachzeitschriften und vor allem im Feuilleton von Zeitungen und Zeitschriften finden:

  • in Literaturrezensionen, die als essayartige Abhandlungen analog zum literaturwissenschaftlichen Ansatz für ihre noch sehr weitgehende, Quellen kennzeichnende und mehrere Seiten umfassende Analyse eines Werkes jedoch eine literarische Ausformung suchen, meist in zuspitzender Pointierung, bei negativer Bewertung zuweilen sogar als Polemik. Autoren solcher Literaturkritiken machen sich selbst dabei als Person durchaus kenntlich und nutzen für diese Art der Rückschau auf ein literarisches Werk zumeist die Ich-Perspektive.
  • in Literaturrezensionen bzw. Buchbesprechungen, die vergleichsweise knapp den Inhalt eines Werkes nur noch andeuten – ohne z. B. das Ende zu verraten – und dem dann eine etwas ausführlichere Bewertung des Gesamteindrucks anfügen. Sie umfassen in der Regel ein bis drei Normseiten, als Kurzhinweise zuweilen weit weniger. Autoren solcher Literaturkritiken bleiben als Person im Hintergrund. Selbst ihre namentliche Signatur am Ende ihrer Artikel wird bei Zitaten nicht selten unterschlagen und nur noch das sie veröffentlichende Printmedium genannt. Sehr große Verbreitung finden Literaturrezensionen im Internet, wobei hier inzwischen vermehrt auch auf reine Kundenmeinungen abgehoben wird.“

Äußerungen einzelner Fachleute zur Streitfrage:

  • also, Beispiele für subjektive Rezensionen gibt es en masse (Heinrich Böll etwa). Die These Ihres redakteurs ist schon mal literaturhistorisch haltlos“ (Hartmut Finkeldey)
  • Lieber Herr Tholen,das liegt in Ihrem Ermessen und dem Ihrer Redaktion. Es ist in den Feuilletons eher unüblich, aber durchaus manchmal gerechtfertigt. Wenn es für einen privaten Blog ist, dann würde ich so schreiben, wie es Ihnen in der Feder liegt. Wichtig ist, unabhängig von Ich-Form, ohnehin die Argumentation und Begründung.“ (Insa Wilke)
  • Sehr geehrter Herr Tholen, Rezension ist ja ein Sammelbegriff für verschiedene, eher kreative Textsorten, es kommt auf den Kontext an, sowohl auf das besprochene Werk als auch auf das Publikationsorgan, in das sich die Rezension stimmig einfügen (und doch darin etwas Besonderes darstellen) muss. Grundsätzlich ein Ja, auch wenn es eher unüblich ist, daher sollte ein Grund, weshalb ein Ich spricht, erkennbar werden. Sie sollten es (aus dem Werk oder dem Kontext heraus) motivieren (was nicht explizit sein muss und nur für den geübten Leser erkennbar sein kann).“ (Prof. Dr. Stefan Neuhaus)
  • Ich-Texte sind jedenfalls kein Standard. Erste Anregungen zum Thema finden Sie vielleicht schon hier in meiner Kolumne von 2011 zum Thema: https://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13109870/I-wie-Ich.html(Marc Reichwein) [Diese Kolumne ist ausgesprochen geistreich und lesenswert!]

Kästner-Gedichte für die Schule

Folgende 20 Kästner-Gedichte schlage ich für die Lektüre (und das laute Sprechen!) in der Schule vor:

Die Tretmühle

Herr im Herbst

Der Scheidebrief

Die Zunge der Kultur reicht weit

Mädchens Klage

Sachliche Romanze

Das Gebet keiner Jungfrau

Kurt Schmidt, statt einer Ballade

Misstrauensvotum

Ansprache an Millionäre

Sogenannte Klassefrauen

Gewisse Ehepaare

Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag

Konferenz am Bett

Von faulen Lehrern

Die Entwicklung der Menschheit

Der Handstand auf der Loreley

Der synthetische Mensch

Der geregelte Zeitgenosse

Und wo bleibt das Positive, Herr Kästner?

Die Reihenfolge hier entspricht im Wesentlichen der Abfolge, wie sie in Kästners Gedichtbänden veröffentlicht sind; nur „Und wo bleibt das Positive, Herr Kästner?“ ist bewusst an den Schluss gestellt, weil der Autor sich darin mit der Kritik an seinen Gedichten auseinandersetzt. „Mädchens Klage“ und „Das Gebet keiner Jungfrau“ stellen ausgezeichnete Alternativen zur „Sachliche[n] Romanze“ dar!

Ich habe die Gedichte sowohl nach ästhetischen wie nach thematischen Gesichtspunkten ausgewählt; fortgelassen sind die, welche allzu zeitgebunden waren: So ist die Kritik am Militarismus heute für die BRD überholt. „Sachliche Romanze“ habe ich gegen mein ästhetisches Empfinden aufgenommen, weil es in allen Lesebüchern für Klasse 8/9 steht, obwohl die Schüler in diesem Alter das Ende einer achtjährigen Liebesbeziehung nicht nachvollziehen können.

Da Kästners Gedichte für Erwachsene (oder die Zeitschrift „Jugend“ und damit für Jugendliche) geschrieben sind, schlage ich vor, sie nicht vor Klasse 9 zu lesen; manche sind sogar erst ab Kl. 10 oder 11 zu verstehen – den Wettlauf um „möglichst früh“ sollte man nicht mitmachen!

Man sollte Kästners „Prosaische Zwischenbemerkung“ über seine Gebrauchslyrik kennen, wenn man sich mit seinen Gedichten beschäftigt (in „Die literarische Welt“ vom 28. März 1929, https://nellydeutsch.files.wordpress.com/2014/01/kaestner-gebrauchslyrik.docx = http://www.stiftikus.de/lyrik/kaestbem.doc).

Einen Sachtext zusammenfassen – Beispiel

Auf der Seite des ISB (http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26704) findet man u.a. folgendes Aufgabenbeispiel: Zusammenfassen eines Sachtexts in Form der Textproduktion (ich verändere die Typografie und kürze Erläuterungen, um anschließend meine Lösung und die vorgegebene Musterlösung zu diskutieren):

Zusammenfassung eines Sachtextes in Form der Textproduktion

Aufgabenstellung: Fasse den Text in eigenen Worten zusammen. Stelle eine vorinformierende Einleitung voran.

Claudia Wolters, Iss das Richtige – aber was?

Wenn Familien mit übergewichtigen Kindern ihre Ernährung umstellen, dann hilft nur eines: alle müssen mitmachen, die Eltern als Vorbilder sowieso und Geschwister auch, als Unterstützer. Alles andere würde das übergewichtige Kind in der eigenen Familie zum Außenseiter machen. Außerdem ist hier ja keine Diät angesagt, die irgendwann anfängt und irgendwann auch wieder aufhört und dann kehrt man zu den alten Gewohnheiten zurück. Im Gegenteil: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist für die ganze Familie sinnvoll und soll ja auch dauerhaft beibehalten werden. Zudem ist in vielen Familien das Problem Übergewicht ein Familienproblem und nicht nur das eines einzelnen Kindes.

Ziel ist es, die Nahrungsauswahl und das Essverhalten dauerhaft so zu verändern, dass ein Gleichgewicht entsteht zwischen dem Energieangebot und der tatsächliche verbrauchten Energie. Weder Kalorienzählen noch FdH (Friss die Hälfte) ist bei Kindern angebracht. Obst, Gemüse und Vollkornprodukte machen satt, vor allem, wenn ausreichend Wasser dazu getrunken wird und die Ballaststoffe dadurch aufquellen können. Schon dadurch essen Kinder insgesamt weniger.

Ein Glas Wasser zu Beginn der Mahlzeit bremst den Hunger. Außerdem sollte gutes und langsames Kauen trainiert werden. Jeden Bissen vor dem Runterschlucken gründlich kauen. Ablenkungen am Tisch sollten vermieden werden, z.B. durch Spielzeuge oder gar durch Fernsehen. Sowieso ist eine gemeinsame Mahlzeit an einem nett gedeckten Tisch die Basis für ein gesundes Ernährungsverhalten.

Überhaupt: eine wichtige Regel beim Essen heißt: höre auf das eigene Sättigungsgefühl und lass Essen stehen, auch wenn der Teller noch nicht leer ist. Vorbei sein sollten die Zeiten, in denen aufgegessen werden muss, was auf den Teller kommt. Kindern sollte zugestanden werden, dass sie das Einschätzen erst noch lernen müssen. Auch wenn die Augen manchmal größer sind als der Appetit. Auch Nachtisch sollte es unabhängig davon geben, ob der Teller leer ist oder nicht. Solche altertümlichen Tischregeln gehören in die Mottenkiste.

[…] „5 am Tag“ ist optimal, was Obst und Gemüse anbelangt. Dabei entspricht eine Portion ungefähr einer Kinderhand voll, am besten dreimal Gemüse und zweimal Obst. Obst und Gemüse sollten ungefähr 35% der kindlichen Ernährung ausmachen. Dadurch ist gewährleistet, dass es ausreichend mit Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen versorgt wird. Zudem sind Obst und Gemüse fast fettfrei und eignen sich hervorragend als kleine Zwischenmahlzeiten. Möhren, Gurken, Kohlrabi, Paprika sind als Rohkost eine lecke Alternative, die auch vielen Kindern schmeckt, z.B. für Gemüsemuffel als kleine bunte Spieße, oder als Gemüsestäbchen mit Dip. Ein Teller mit einer Obst-Blüte aus verschiedenen Obstsorten, Apfel, Banane, Kiwi, Mandarine als Blütenblätter oder was die Jahreszeit gerade hergibt ist eine gerne akzeptierte Zwischenmahlzeit und wirkt am besten, bevor die Frage nach den Süßigkeiten kommt. Lieber gesunde und leichte Zwischenmahlzeiten, als Heißhunger entstehen lassen.

[…]

Da Genuss und seelisches Wohlbefinden nicht zu kurz kommen sollen, sind auch Süßigkeiten in Maßen erlaubt. Gerade hier hängt das Essverhalten aber entscheidend mit der Verfügbarkeit zusammen. Wenn mein Kind weniger Süßes essen soll, aber genau weiß, das ganze Süßigkeitendepot, die Schublade oder der Schrank, ist voll mit verführerischen Leckereien, dann ist es natürlich umso schwerer, weniger davon zu essen. Je weniger im Haus ist, desto einfacher ist der Süßigkeitenkonsum einzuschränken. Einmal am Tag eine Kleinigkeit, einige Gummibärchen oder statt der ganzen Tafel Schokolade nur einige Stückchen, können aber durchaus drin sein. Etwa 10% der täglichen Energie in Form von Süßigkeiten sind akzeptabel. Süßigkeitenkalender können vielleicht helfen und je mehr das Kind zu tun hat, desto unwichtiger werden die Naschereien zwischendurch. Wer tobt, klettert oder intensiv spielt, eine Radtour macht oder angelt, ist weit weg von den Süßigkeitendepots und anderweitig beschäftigt. Langeweile oder fernsehen hingegen sind verführerisch für Knabbern ohne Maß.

Die Lehrer in den Schulen stellen verstärkt fest, dass Süßgetränke wie Eistee oder Limonade zum Standard in der Pausenverpflegung gehören. Obwohl viele Schulen bereits Mineralwasser als Alternative anbieten, bringen etliche Kinder in ihrem Ranzen die süßen Getränke mit. Dabei ist Wasser der beste Durstlöscher, ob in der Schule oder Zuhause. Saftschorlen (im Verhältnis 1:1) oder ungesüßte Tees sind ebenfalls in Ordnung. Limonade, Cola, Eistees oder reine Säfte sind wegen ihres hohen Zuckergehaltes wenig geeignet. Und den Durst löschen sie eigentlich auch nicht, sondern machen nur Lust auf mehr. Kinder haben pro Kilogramm Körpergewicht einen viel höheren Flüssigkeitsbedarf als Erwachsene. Sieben- bis neunjährige sollten mindestens einen Liter pro Tag trinken. Ein Glas der üblichen Süßgetränke hat in etwa den gleichen Energiegehalt wie eine Scheibe Brot. Bei einem Liter dieser Getränke hat das Kind schon einen großen Teil seines Tagesenergiebedarfs gedeckt. Und das ist einfach zuviel.

Beispiel für einen Schreibplan:

1   Essensumstellung der ganzen Familie herbeiführen

2   Wasser vor jeder Mahlzeit trinken

3   Auf langsames Kauen achten

4   Keine Ablenkung beim Essen erlauben

5   Sättigungsgefühl beachten

6   Auf das Gleichgewicht von Energiebedarf und Energieaufnahme achten

7   Gut ein Drittel Obst und Gemüse essen

8   Süßigkeiten in geringen Mengen erlauben

9   Süßigkeiten wegschließen

10 Für Bewegung der Kinder sorgen

11 Mineralwasser statt Süßgetränke anbieten

 

Mein erster Lösungsversuch:

In dem WDR-Beitrag „Iss das Richtige – aber was?“ aus dem Jahr 2004 gibt Claudia Wolters Ratschläge, worauf bei einer gesunden Ernährung übergewichtiger Kinder zu achten ist.

Wichtig sei, dass die ganze Familie ihre Ernährung zusammen mit dem Kind umstellt. Es solle dauerhaft ein Gleichgewicht zwischen Ernährung und Energieverbrauch hergestellt werden; Frau Wolters gibt eine Reihe von Tipps, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Obst und Gemüse sollten mehrmals täglich gegessen werden. Auch Süßigkeiten seien in geringem Umfang erlaubt. Trinken dürfe ein Kind aber nur Wasser, Saftschorle oder ungesüßten Tee.

Diskussion:

  1. a) Wenn man das „Beispiel für einen Schreibplan“ (s.o.) als Musterlösung in Stichworten ansieht, muss man Nr. 2-5 streichen; denn das sind bloß Einzelheiten (gleichwertig mit „nicht Reste aufessen“ oder „nicht zur Strafe Nachtisch entziehen“, welche aber fehlen); das Gleiche gilt für Nr. 9 und 10 sowie für die Angabe „ein Drittel“ in Nr. 7. Nr. 11 ist dagegen (wegen „Mineralwasser“) zu eng gefasst; besser wäre „Wasser oder energiearme Getränke“.
  2. b) In meiner Lösung kann man den letzten Satz als zu sehr in die Einzelheiten gehend kritisieren. Besser ist vermutlich: „Trinken dürfe ein Kind reichlich Wasser oder energiearme Getränke.“

Im Einleitungssatz habe ich neben Autor, Titel und medialem Ort genannt: die Textsorte (gibt Ratschläge) und das Thema (worauf … zu achten ist). Für das Thema gibt es m.E. keine Alternative. Im Hauptteil habe ich genannt

die Bedingung des Gelingens (Familie macht mit)

das Ziel der Umstellung (dauerhaft Gleichgewicht herstellen)

die praktischen Tipps nicht (da „Einzelheiten“) – wesentlich ist die Unterscheidung zwischen Tipps und Grundsätzen

die drei Grundsätze gesunder Ernährung (Obst, Süßigkeiten, Getränke); es fehlt der Grundsatz „Höre auf das eigene Sättigungsgefühl!“.

Ein abschließender Satz ist nicht erforderlich; ein Hinweis auf den umgangssprachlichen Stil gehört nicht in eine Zusammenfassung, sondern in eine Analyse. Frage ist, ob der Begriff „Grundsätze“ in der Zusammenfassung auftauchen darf oder muss (etwa: „Folgende Grundsätze sollten für die gesunde Ernährung gelten:“). Ohne diesen Satz lautet meine endgültige Lösung:

In dem WDR-Beitrag „Iss das Richtige – aber was?“ aus dem Jahr 2004 gibt Claudia Wolters Ratschläge, worauf bei einer gesunden Ernährung übergewichtiger Kinder zu achten ist.

Wichtig sei, dass die ganze Familie ihre Ernährung zusammen mit dem Kind umstellt. Es solle dauerhaft ein Gleichgewicht zwischen Ernährung und Energieverbrauch hergestellt werden; Frau Wolters gibt eine Reihe von Tipps, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Grundsätzlich sollte man auf das eigene Sättigungsgefühl hören. Obst und Gemüse sollten mehrmals täglich gegessen werden. Auch Süßigkeiten seien in geringem Umfang erlaubt. Trinken dürfe ein Kind reichlich Wasser oder energiearme Getränke.

 

Weitere Einsichten:

Es gehört, wenn das eine Aufgabe für Kl. 7 ist, eine Reihe schwieriger Wörter erklärt, z.B. „gehören in die Mottenkiste“, „anbelangen, gewährleisten“ u.a.

Die Fehler im Text müssten korrigiert werden, die Umgangssprache bleibt selbstverständlich erhalten (Stil der Autorin bzw. des Beitrags).

Für die Textsorte „Ratschläge geben“ sind die sprachlichen Handlungen „Tipps geben“ und „Grundsätze aufstellen“ wesentlich.

Referiert werden Inhalte im Konjunktiv I.

Für komplexere Texte kommen weitere sprachliche Handlungen in Betracht: „unterscheiden, aufzählen, einschränken“ usw., siehe meine Überlegungen zur Textanalyse (https://norberto68.wordpress.com/2013/11/07/analyse-theoretischer-texte/), die evtl. erweitert werden müssten: Ein umfangreicher oder komplexer Text kann nicht ohne Textanalyse und die Bezeichnung sprachlich-gedanklicher Handlungen zusammengefasst werden.

Neben der Form der Textproduktion ist auch die Form einer Auflistung als Zusammenfassung möglich, siehe das zweite (resp. erste) Beispiel auf der Seite des ISB.

Literaturportale im Netz

Es gibt verschiedene Portale, die europäische Literatur und anderes anbieten, ohne dass man etwas zahlen oder sich anmelden müsste – leider erst dann, wenn das Urheberrecht erloschen ist:

http://www.zeno.org/ (sehr übersichtlich, aber kleine Schrift)

http://gutenberg.spiegel.de/ (größere Schrift, aber nicht übersichtlich: Man kann nur Seite für Seite umblättern!)

https://www.offenesbuch.com/ (übersichtlich und große Schrift)

http://archive.org/search.php? (viele digitalisierte Bücher, auch Erstdrucke, deutsche Bücher oft in Frakturschrift)

Vgl. ferner

https://wiki.zum.de/wiki/Literaturportale

https://bbb.neteler.org/buecher/

http://www.poetenladen.de/litlinks3.html

http://www.wikiservice.at/buecher/wiki.cgi?LiteraturPortale

http://www.oezb-verlag.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1&Itemid=82

Auslegen und Einlegen

Nicht selten ist das Auslegen ein Einlegen des Erwünschten, oder des Zweckmäßigen, und viele Ableitungen sind eigentlich Ausleitungen. Ein Beweis, daß Gelehrsamkeit und Spekulazion der Unschuld des Geistes nicht so schädlich sind, als man uns glauben machen will. Denn ist es nicht recht kindlich, froh über das Wunder zu erstaunen, das man selbst veranstaltet hat?

(F. Schlegel, Fragment 25, in Athenaeum. Ersten Bandes Zweytes Stück, 1798)

Über den Nutzen von Hilfsverben – in „Tristam Shandy“

In „Leben und Ansichten von Tristam Shandy, Gentleman“ habe ich (allerdings in der modernen Walter-Übersetzung) eine köstliche Passage über den Nutzen der Hilfsverben gefunden. Tristams Vater hat sich Gedanken über die Erziehung seines Sohnes gemacht, hält sie in einem Buch fest und trägt sie hier seinen staunenden Zuhörern vor. Ich gebe sie leicht gekürzt wieder:

Ich bin überzeugt davon, Yorick, fuhr mein Vater fort, indem er halb las, halb frei sprach, daß es auch in der intellektuellen Welt eine nordwestliche Durchfahrt giebt, und daß die Seele des Menschen einen kürzeren Weg einschlagen kann, um zum Wissen und zum Erkennen zu gelangen, als den gewöhnlichen. – Aber ach! nicht neben jedem Acker läuft ein Fluß, oder ein Bach – nicht jedes Kind, Yorick, hat einen Vater, der ihm diesen Weg zeigen könnte.

Das Ganze beruht – dies sagte mein Vater mit leiserer Stimme – auf den Hülfszeitwörtern.

Hätte Yorick auf Virgils Natter getreten, er hätte nicht erschrockener aussehen können. – Ich erstaune selbst darüber, rief mein Vater, der es bemerkte, und halte es für einen der beklagenswerthesten Uebelstände unseres Bildungsganges, daß die, welchen die Erziehung unserer Kinder anvertraut ist, deren Geschäft es sein sollte, ihren Geist zu entwickeln und ihn mit Ideen zu befruchten, damit die Einbildungskraft sich frei bewege, bis jetzt so wenig Nutzen von den Hülfszeitwörtern gezogen haben, wie es der Fall ist, mit Ausnahme etwa von Raymond Lullius und dem ältern Pellegrini, welcher Letztere sich in dem Gebrauche derselben bei seinen Gesprächen eine solche Fertigkeit erworben hatte, daß er einen jungen Mann in wenigen Lehrstunden dahin bringen konnte, über jeden beliebigen Gegenstand ganz plausibel pro und contra zu reden und Alles, was darüber gesagt oder geschrieben werden konnte, zu sagen oder zu schreiben, ohne sich in einem Worte verbessern zu müssen, worüber Alle, die es sahen, erstaunt waren.

Ich möchte das gern ganz begreifen, unterbrach Yorick meinen Vater. – Sie sollen es, erwiederte dieser. – Die höchste Anwendung, deren ein Wort fähig ist, ist als bildlicher Ausdruck, – wodurch meiner Ansicht nach die Vorstellung gemeiniglich eher abgeschwächt, als verstärkt wird – doch lassen wir das; hat nun der Geist diese Anwendung davon gemacht, so ist die Sache zu Ende; – Geist und Vorstellung sind mit einander fertig, bis eine zweite Vorstellung auftritt u.s.w.

Nun sind es aber die Hülfsverben, welche die Seele in den Stand setzen, das ihr zugeführte Material selbstständig zu behandeln, und durch die Beweglichkeit der großen Maschine, um die es läuft, neue Wege der Untersuchung zu eröffnen und jede einzelne Vorstellung millionenfach zu vervielfältigen.

Sie erregen meine Neugierde im höchsten Grade, sagte Yorick. […]

Die Hülfsverben, von denen hier die Rede ist, fuhr mein Vater fort, sind sein, haben, werden, mögen, sollen, wollen, lassen, dürfen, können, müssen und pflegen in den verschiedenen Zeiten der Gegenwart, Zukunft oder Vergangenheit und in Verbindung mit dem Verbumsehen angewandt. Als positive Frage: Ist es? Was ist es? Kann es sein? Konnte es sein? Mag es sein? Mochte es sein? – Als negative Frage: Ist es nicht? War es nicht? Soll es nicht sein? – Oder affirmativ: es ist – es war – es muß sein, – oder chronologisch: Ist es je gewesen? Kürzlich? Wie lange ist es her? – oder hypothetisch: Wenn es war? Wenn es nicht war? Was würde daraus folgen? Wenn die Franzosen die Engländer schlagen sollten? Wenn die Sonne aus dem Thierkreis treten würde?

Würde nun eines Kindes Gedächtniß durch den rechten Gebrauch und die rechte Anwendung dieser Formen geübt, fuhr mein Vater fort, so könnte keine Vorstellung in sein Gehirn eintreten, und wäre es auch noch so unfruchtbar, ohne eine unendliche Menge von Begriffen und Folgerungen daraus zu ziehen. – Habt Ihr schon einmal einen weißen Bären gesehen? rief mein Vater und kehrte sich rasch nach Trim um, der hinter seinem Stuhle stand. – Nein, Ew. Gnaden, erwiederte der Korporal. – Aber Ihr könntet darüber reden, Trim, sagte mein Vater, wenn es sein müßte? – Wie wäre denn das möglich, Bruder, sagte mein Onkel Toby, wenn er nie einen gesehen hat. – Das brauch‘ ich gerade, erwiederte mein Vater, Du sollst sehen, daß es möglich ist:

Ein weißer Bär! Sehr wohl, habe ich je einen gesehen? Könnte ich jemals einen sehen? Werde ich jemals einen sehen? Dürfte ich jemals einen sehen? oder – sollte ich jemals einen sehen?

Ich wollte, ich hätte einen weißen Bären gesehen! (wie könnte ich mir sonst einen vorstellen?)

Sollte ich einen weißen Bären sehen, was würde ich dazu sagen? Wenn ich nie einen weißen Bären sehen sollte, was dann?

Wenn ich nie einen weißen Bären habe sehen können, sollen, dürfen, – habe ich vielleicht ein Fell von ihm gesehen? Habe ich einen abgebildet, geschildert gesehen? Habe ich je von einem geträumt?

Haben mein Vater, meine Mutter, mein Onkel, meine Tante, mein Bruder oder meine Schwestern je einen weißen Bären gesehen? Was würden sie darum geben? Wie würden sie sich dabei betragen? Wie würde der weiße Bär sich dabei betragen? Ist er wild? zahm? schrecklich? struppig? glatt?

Ist es der Mühe werth, einen weißen Bären zu sehen?

Oder eine weiße Bärin?

Ist es keine Sünde?

Ist es besser, als eine schwarze?

(5. Buch, Kap. 42 und 43, bzw. in der hier benutzen Ausgabe http://www.zeno.org/Literatur/M/Sterne,+Laurence/Roman/Tristram+Shandy: Zweiter Band, Kap. 42 und 43)

Neben dem satirischen Seitenhieb auf mehr oder weniger sinnvolle grammatische Übungen und leeres rhetorisches Stroh erkenne ich hier eine Parodie auf die Fragen des Beichtspiegels.