Die indirekte Rede

Die indirekte Rede

Überall, wo etwas berichtet wird (Zeitung usw.), wird die indirekte Rede gebraucht. Wenn man die Äußerung eines anderen Menschen (A) wiedergibt, kann man das (als Sprecher S) wörtlich oder eben indirekt tun. Der Unterschied ist folgender:

  • Wenn man die Äußerung des A wörtlich (also buchstäblich genau, mit Anführungs- und Schlusszeichen) wiedergibt, ist man für deren Wahrheit nicht verantwortlich:

    (1) Hans sagte vorgestern: „Ich fahre heute noch nach Berlin.“

  • Wenn man die Äußerung des A indirekt, also ohne Anführungszeichen wiedergibt, distanziert man sich davon im Konjunktiv I, und man bezieht den Inhalt der Äußerung perspektivisch auf den eigenen Standpunkt:

    (1)‘ Hans sagte vorgestern, er fahre noch am gleichen Tag nach Berlin.

  • Das gilt nicht nur für Personen und Zeit, sondern auch für den Ort:

    (2) Hans sagte gestern bei seiner Oma: „Hier bin ich richtig zu Hause.“

    (2)‘ Hans sagte gestern bei seiner Oma, dort sei er richtig zu Hause.

  • Frage- und Befehlssätze werden bei der Wiedergabe umgeformt:

    (3) Anna sagte: „Gebt Tanja bitte Bescheid!“

    (3)‘ Anna sagte, sie sollten Tanja [bitte] Bescheid geben.

    (4) Ben fragte: „Kommt Tanja auch mit?“

    (4)‘ Ben fragte, ob Tanja auch mitkomme.

Aus dem Ich-Hier-Jetzt des A wird bei der indirekten Rede des S also Er-Dort-Damals; wie man das jeweils sprachlich ausdrücken kann, muss man im Einzelfall prüfen.

S verändert die Äußerung des A, wenn er sie indirekt wiedergibt; das muss er fairerweise kenntlich machen, indem er die Äußerung A.s in den Konjunktiv setzt. (Wenn aber im Bericht des S nach einem Verb des Sagens klar ist, dass es sich um eine Äußerung A.s handelt, kann S auch auf den Konjunktiv verzichten; der Übung halber soll das jetzt nicht geschehen.) Wenn eindeutige Formen des Konjunktivs I zur Verfügung stehen, sind diese vorzuziehen; andernfalls weicht man auf den Konjunktiv II aus.

Für die indirekte Wiedergabe einer Äußerung A.s kann S auch einen dass-Satz nehmen:

(2)‘‘ Hans sagte gestern bei seiner Oma, dass er dort richtig zu Hause sei.

(3)‘‘ Anna sagte, dass sie Tanja Bescheid geben sollten.

Fragesätze kann man nicht in dass-Sätze umwandeln.

Wie die Konjunktivformen gebildet werden: http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/deutsch/sprache/grammatik/konjunktiv/konjunktivbildung_neu.pdf

Winterhoff: Wie geht richtige Erziehung?

Problem: Heute haben Eltern und auch Großeltern oft Angst vor Konflikten. Sie denken, dass sie nicht mehr geliebt werden, wenn sie mal Nein zum Kind sagen.

Folge: Das Kind entwickelt sich zu einem lust- orientierten Egoisten, dem es schwer fällt, wenn sich nicht alles nach ihm richtet. Als Erwachsene scheitern sie dann am Chef oder sind unfähig, eine Partnerschaft aufrecht zu erhalten, weil sie keine Kompromisse gewöhnt sind.

Lösung: Ein Kind darf nicht alles bekommen. Es braucht Grenzen, z.B.: „Heute darfst du nicht fernsehen.“ Diese Lenkung gibt den Kindern Schutz und stärkt die Bindung.

(Aus: Bild-Ratgeber, http://www.bild.de/ratgeber/kind-familie/kindererziehung/diese-fehler-duerfen-sie-nicht-machen-32556798.bild.html, s.u.) Die Sicht Michael Winterhoffs, des Ratgebers, eines Bonner Kinderpsychiaters, findet man in folgenden Beiträgen:

http://www.spiegel.de/spiegel/a-616055.html (Spiegel-Gespräch mitW. Bergmann und M. Winterhoff, 2009)

http://www.bild.de/ratgeber/kind-familie/kindererziehung/diese-fehler-duerfen-sie-nicht-machen-32556798.bild.html (Tipps von M. Winterhoff, BILD 2013)

Auf youtube findet man ebenfalls M. Winterhoff:

https://www.youtube.com/watch?v=qxUUNV8lTYI

https://www.youtube.com/watch?v=XOhPq2A-OIM

https://www.youtube.com/watch?v=1DdLVPqYAmI (mit anderen)

https://www.youtube.com/watch?v=XaR51RlFzOQ

https://www.youtube.com/watch?v=DYMtfwi2hRs („Nachtcafé“, u.a. mit M. Winterhoff)

sowie viele kleine Beiträge; er hat mehrere Bücher über Kinder(erziehung) geschrieben.

Behaghel: Die deutsche Sprache

Ich möchte auf ein Buch hinweisen, das den Reichtum der deutschen Sprache geschichtlich erschließt, von den Dialekten bis zur Wortbildung, von der Betonung über die Flexion (Deklination, Konjugation) bis zum Satzbau. Es stammt von Otto Behaghel: Die deutsche Sprache, 7. Aufl. 1923; der Autor war Professor in Gießen und ein anerkannter Fachmann, von dem man auch heute noch sehr viel lernen kann (auch wenn Einzelnes sicher wissenschaftlich überholt ist) – fast zu viel, wenn man das Buch in einem Streifen liest; dann könnte man leicht von der Fülle der Einzelheiten verwirrt werden.

Ich verlinke das Inhaltsverzeichnis, damit man sich einen Eindruck von dem machen kann, was einen bei der Lektüre erwartet – oder damit man weiß, was man wo nachschlagen kann. Dem dient dann auch das Wort- und Sachverzeichnis. Blättern kann man, indem man auf eine Seite klickt (links: zurück, rechts: vor), oder unten rechts mittels der Pfeile (Dreiecke). Mit dem dunklen Punkt unten kann man über viele Seiten hinweg springen.

https://archive.org/stream/diedeutschespr00behauoft#page/400/mode/2up (Inhalt)

https://archive.org/stream/diedeutschespr00behauoft#page/378/mode/2up (Wort- und Sachverzeichnis)

Relativsätze, Relativpronomen, relative Adverbien

  1. Beispiele für Relativsätze

(1) Der Mann, der am Fenster sitzt, kommt aus Hamburg.

(2) Ich erinnere mich noch genau [daran], worüber wir gestern gesprochen haben.

(3) Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.

(4) Du musst das Rad prüfen, welches Luft verliert.

  1. Theorie der Relativsätze
  • Sie werden durch ein Relativpronomen oder Relativadverb eingeleitet.
  • Sie sind Nebensätze, die sich auf ein Bezugswort im Hauptsatz beziehen.
  • Dieses Bezugswort muss man sich manchmal hinzudenken, siehe (2).
  • Meistens sind sie Attribute; sie können aber auch Subjekt oder Objekt sein.
  • Sie stehen in der Nähe des Bezugswortes.
  • Relativsätze sind restriktiv oder nicht-restriktiv; restriktiv sind sie, wenn sie das Bezugswort näher bestimmen (und so seine Bedeutung einschränken): (5) der Mast, der an unserer Garage steht. Nicht-restriktive Relativsätze fügen dem Bezugswort lediglich ein Merkmal hinzu: (6) unser Auto, das [bekanntlich] braun ist.
  • Relativsätze können Ergänzungen oder Angaben sein: Ergänzungen sind spezifische (notwendige) Satelliten des Nomens, sie vertreten oft den Genitivus subjectivus: (7) der Fehltritt, den der Großvater beging [= der Fehltritt des Großvaters]; Angaben sind unspezifische (beiläufige) Satelliten, sie können der gesamten Wortklasse zugeordnet werden.
  • Es gibt weiterführende Relativsätze, die sich auf den ganzen Satz beziehen: (8) Die Raupe hat stachelige Haare, was sie vor Feinden schützt.
  • Sie werden durch Komma(s) vom Hauptsatz abgetrennt.
  1. Die Relativpronomen
  • sind „der, die, das“ (aus dem Demonstrativpronomen entstanden), „welcher, welche, welches“ (eher im Schriftdeutschen), „wer, was“ („wer“ → Personen, „was“ → Sachen – beide verallgemeinernd);
  • stellen die Beziehung zu einem Nomen oder Pronomen im übergeordneten Satz her, vgl. (1): „der“ → „Der Mann“;
  • richten sich in Geschlecht und Zahl nach dem Bezugswort, vgl. (1): „der“ ist Maskulinum, Singular, wie „Der Mann“,
  • während der Fall sich nach der Funktion im Relativsatz richtet, vgl. (1): „der“ ist Subjekt im Relativsatz, steht also im Nominativ.
  1. Relative Adverbien
  • Sie können ebenfalls Relativsätze einleiten, siehe (2).
  • Sie bestehen aus den beiden Teilen „wo[r]“ + Präposition, also „woher, wofür, worüber, worauf“ usw.
  • Die Genitivverbindungen „weshalb, weswegen“ behalten ihre Form.
  • Nach Orts- und Zeitangaben kann ein relatives „wo“ stehen: (9) Es kam die Morgenstunde, wo die Entscheidung nahte.
  • Ein modaler Attributsatz kann mit relativem „wie“ angeschlossen werden: (10) Die Art, wie [= in welcher] er erzählt, gefällt mir.

Quellen: Schülerduden Grammatik (7. Aufl.); Jung/Starke: Deutsche Grammatik (1990); Ulrich Engel: Deutsche Grammatik (1988/2009). Vgl. auch http://www.zas.gwz-berlin.de/fileadmin/mitarbeiter/schwabe/teaching/4.2_Attributsaetze.pdf

Die Unterscheidungen restriktiv/nicht-restriktiv und Ergänzung/Angabe braucht man natürlich in der Sekundarstufe I nicht einzuführen; sie sind vielleicht bei stilistischen Untersuchungen in der Sekundarstufe II (für den Lehrer) hilfreich. Vgl. auch http://www.zas.gwz-berlin.de/fileadmin/mitarbeiter/schwabe/teaching/8_Nicht-restr._Relativsaetze.pdf

  1. Übungen

5.1 Die meisten Übungen bestehen aus einem Haupt- und einem Relativsatz, in dem das Relativpronomen fehlt. Hier muss man erkennen, welche Funktion das Pronomen im Relativsatz hat sowie Geschlecht und Zahl des Bezugswortes beachten: (11) In jeder Klasse gibt es einen Schüler, ______ man immer helfen muss.

5.2 Etwas schwieriger ist die Übung, in der man aus zwei Sätzen einen Haupt- und einen Relativsatz bilden soll. Hier kommt die Entscheidung für den Hauptsatz hinzu, wobei man manchmal noch das Tempus im Relativsatz verändern muss: (12) Das Mädchen lief bei Rot über die Straße. Das Mädchen wurde verletzt. → Das Mädchen, das bei Rot über die Straße lief, wurde verletzt. [Oder: Das Mädchen, das verletzt wurde, war bei Rot über die Straße gelaufen.]

5.3 Noch schwieriger ist die Übung, wenn das Bezugswort nicht wörtlich, sondern nur sinngleich im zweiten Satz repräsentiert ist: (13) Sie haben mir im Katalog einen Laserstrahldrucker für 120 Euro gezeigt. Wann ist das Gerät lieferbar? → Wann ist der Laserstrahldrucker für 120 Euro, den Sie mir im Katalog gezeigt haben, lieferbar?

5.4 Vielleicht noch schwieriger ist eine Übung, in der ein Modalverb im Relativsatz entfallen kann/muss: (14) Wo finde ich hier Steckdosen? Sie sollen eine Kindersicherung besitzen. → Wo finde ich hier Steckdosen, die eine Kindersicherung besitzen?

http://www.deutschegrammatik20.de/attribute/relativsatz/grammatikubungen-relativsaetze/

https://deutsch.lingolia.com/de/grammatik/satzbau/nebensaetze/relativsaetze

http://suz.digitaleschulebayern.de/deutsch/dunterlagen/relativsaetze.pdf

http://www.wirtschaftsdeutsch.de/lehrmaterialien/ueberblick-gra1.php#REL

http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Satz/Komplex/Funktion/Attribut/Relativ/index.html mit weiterführenden Links

(oder in der Suchmaschine „Relativsätze Übungen deutsch“ eingeben!)

 

 

Cornelsen und kein Ende

Cornelsen ist auf dem Schulbuchmarkt ein Riese; daher kann der Verlag sich jede Menge Schlamperei erlauben. Dass die Bücher weithin miserabel gemacht sind, stelle ich seit Jahren fest. Dieser Tage konnte ich es wieder am Arbeitsheft zum Deutschbuch 8, Integrierte Ausgabe, feststellen.

 

Ich möchte an einem Beispiel die Schwäche des Arbeitsheftes aufzeigen: Beispiel: S. 66, Satzglieder.

a) Im Text steht bei „von England nach Amerika“ als Bestimmung „adverbiale Bestimmung des Ortes“; in Wahrheit sind das zwei adverbiale Bestimmungen, man kann sie ohne weiteres trennen und an verschiedenen Stellen platzieren. Hier genügte eine Korrektur.

b) In der Liste der Satzglieder fehlen das Präpo-Objekt und das Prädikativ; das ist Satzlehre auf dem Niveau einer 5. Klasse! Im zu bearbeitenden Text kommen aber Präpo-Objekt und Prädikativ vor (wenn auch nicht als einzusetzende Phrasen), nur gibt es dafür laut Tabelle keinen Namen (und keine Erklärung). Wenn man also nicht nur die dafür vorgesehenen Satzglieder einsetzt, sondern auch die anderen Satzglieder im Text bestimmen will, steht man auf dem Schlauch.

Ferner: In der Spalte „Frageprobe“ stehen nur Fragewörter („Wer? Was?“ usw.); eine Frageprobe ist aber zweifellos ein ganzer Satz, in dem das zu bestimmende Satzglied durch das Fragewort ersetzt ist. Aus meiner Praxis weiß ich, dass bloße Fragewörter zu äußern sinnlos ist; da sagen/raten die Schüler irgendetwas ohne Sinn und Verstand…

Solche Fehler sind nur durch eine Neubearbeitung zu beheben. Das gilt erst recht für die Fehler bei der Einführung der indirekten Rede: Die Erklärung der indirekten Rede im Arbeitsheft 8 (zu: Deutschbuch. Differenzierende Ausgabe, Cornelsen 2015) ist nicht nur nicht richtig, sondern auch falsch. Nicht richtig ist sie, weil die perspektivische Verschiebung vom Ich-Hier-Jetzt der direkten zum Er/Sie-Dort-Damals der indirekten Rede nicht eingeführt und erklärt wird. Falsch sind die Lösungen der Aufgaben zu S. 62 im Lösungsheft: a) Der Tempusfehler aus Aufgabe 1 („erklärt“ und „beklagt“ gehören im Bericht ins Präteritum!) wird in die Aufgabe 2 übernommen (P.-P. „meint“ statt „meinte“). b) Richtig müsste die Lösung lauten: „in Deutschland und England würden die Menschen [statt: wir] die Wolken schlecht machen, weil sie [statt: wir] so viele davon hätten“; „wir“ bleibt als Fehler unerkannt wegen des Adverbials „in Deutschland und England“ – tauscht man es gegen das gleichwertige Adverbial „in Polen“ aus, sieht man direkt, dass „wir“ in „die Menschen“ umgeformt werden muss. In allen drei Beispielen ist die Lösung im Lösungsheft falsch.

Ich habe der für das Projekt Deutschbuch zuständigen Dame angeboten, dass ich für 250 Euro die Fehler des Heftes korrigieren würde. Mir wurde mitgeteilt, dass für solche außerplanmäßige Arbeit kein Geld vorhanden sei; außerdem seien die Mängel (abgesehen von den zwei adverbialen Bestimmungen) eigentlich auch gar keine Mängel, sondern didaktische Vereinfachung. So kann man es auch sehen, wenn man seinen eigenen Murx nicht korrigieren will: Er verkauft sich ja auch so – Cornelsen ist halt ein Scheißverlag, der hoffentlich bald an seiner eigenen Größe kaputt geht.

Feministische Propaganda

In einem namentlich nicht gezeichneten Artikel „Feministin nur mit Genderdiplom?“ (https://www.taz.de/!5386533/ undatiert auf taz-online, vermutlich zum Weltfrauentag 2017, also zum 8. März) steht der bemerkenswerte Satz: „Trotzdem bleibt sie beinhart beim generischen Maskulinum, der sie als Frau – zumindest sprachlich – ausschließt.“ Daran ist bemerkenswert, 1. dass die Aussage des Relativsatzes erwiesenermaßen falsch ist, 2. dass die Verfasserin anscheinend „der Maskulinum“ sagt, was ich noch nie gehört habe.

Gegen Ende des Artikels wird Folgendes berichtet: „Kog­ni­tions­forscher*innen haben herausgefunden, dass das, was in der Sprache nicht vorkommt, auch nicht gedacht und damit auch nicht gelebt wird. Wer als Kind immer nur von Trompetern, Fußballern und Taxifahrern hört, denkt irgendwann, dass nur Männer musizieren, Fußball spielen und Auto fahren können. Die oder der kommt dann nie auf die Idee, dass Frauen und Männer das Gleiche können und dafür gleich bezahlt werden müssen. Und Väter ebenso gut für ihre Kinder sorgen können wie Mütter.“ Erstens werden die Kognitionsforscher und ihre Arbeiten nicht genannt, zweitens ist das erwiesenermaßen falsch: Es muss ja wohl die ersten Fußballerinnen gegeben haben, ehe es das Wort „Fußballspielerin“ gab – wie hätte man sonst auf die Idee kommen können, als Mädchen oder Frau Fußball zu spielen [und wozu hätte man das Wort bilden sollen, wenn es noch keine Fußballerinnen gab?]? Drittens kennen Leute, die so denken, offenbar nicht die Bedeutung des generischen Maskulinums – daran sind die Feministen schuld, die das generische Maskulinum bewusst falsch verstehen, siehe oben erster Satz.

Alles nach dem Motto: Hauptsache, man hat Argumente, egal ob sie stimmen.

Verform „worden“

Nach 40 Jahren als Deutschlehrer habe ich heute erstmals über die Verbform „worden“ nachgedacht: ‚Ich bin von einem Hind gebissen worden.‘

Klar, „worden“ kommt von „werden“, aber Partizip II zu „werden“ ist „geworden“ – oder!? Nach einigem Forschen bin ich dann dahintergekommen, dass „geworden“ das Partizip des normalen Verbs „werden“ ist, „worden“ dagegen das Partizip II des Hilfsverbs „werden“. Aber wieso die Formen sich unterscheiden, ist mir nirgendwo erklärt worden.

P.S. In Weigand, Deutsches Wörterbuch II 2, 1871, findet sich unter „werden“ folgender Hinweis: „Das Part. des Prät. lautet eigentlich worden, aber schon früh-nhd. drang geworden ein. (…) Später schieden sich worden und geworden so, daß dieses concret und jenes abstract genommen, also als Participium des Hilfsverbs steht…“ Dem widersprechen noch Campe: Wörterbuch der deutschen Sprache, 1811, und Adelung, 2. Auflage: „wenn das Participium von werden das Hülfswort ist, so ist es alle Mahl mit einem andern Participio Präteriti verbunden, welches bereits sein Augment hat, daher geworden das seinige, um des Wohlklanges Willen, verlieret; ich bin geliebt worden, für geliebt geworden.“

Sanders: Wörterbuch der Deutschen Sprache, II 2, 1876, stimmt wieder mit Weigand überein: „Doch findet sich in der älteren Sprache gewöhnlich worden für das heutige geworden und so z.B. noch a) bei Eigenschaftswörtern und Adverbien: bin worden alt und grau (Chamisso)… b) mit prädikativem Hauptwort…“

Nicht immer nur googeln…

Nicht immer nur googeln…

Tipps von KollegInnen für KollegInnen

– Christian Mantsch

– Ulrike Hemmert

– Eva-Susanne Graffmann

– Renate Kuffart

– Jürgen Spitzlay

Folien des Sammelvortrags vom 18. März 2014 – 5. Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Kirchlichen Hochschulbibliotheken (AGKH) in Bamberg

http://www.pthv.de/fileadmin/user_upload/Bibliothek/Schulungen/Nicht%20immer%20nur%20googeln_2014.pdf

Rechtschreibung, Rechtschreibreform

Die sogenannte Rechtschreibreform hat nicht viel Gutes gebracht. Inzwischen gibt es die Reform der Reform und immer noch Streit. Ich nenne einige wichtige Links zum Thema:

http://www1.ids-mannheim.de/service/reform/ (Regelwerk)

http://staff-www.uni-marburg.de/~schittek/rechtsch.htm (Übersicht)

http://www.canoo.net/services/GermanSpellingChecker/Controller (Prüfer)

http://www.rechtschreibrat.com/der-rat/ (deutschsprachiger Rat)

http://sok.ch/ (Schweizer Rat)

https://www.korrekturen.de/ (Portal für Rechtschreibung)

http://sprachforschung.org/index.php (kritische Seite)

http://www.sprachforschung.org/index.php?show=archiv&rubrik=literatur (Dokumente)

http://deutschesprachwelt.de/archiv/bilanz.pdf (Bilanz)

http://www.sprache.org/bvr/index.php?f=/bvr/stellungnahmen/StGallerTb[2015917].php (Bilanz 2015)

http://www.schriftdeutsch.de/orth-akt.htm (Chronik)

http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/april-april-deutsche-rechtschreibung-wird-abermals-reformiert-11702725.html (Satire)

Vgl. auch

https://norberto68.wordpress.com/2015/05/10/rechtschreibung/

https://norberto68.wordpress.com/2013/10/13/prinzipien-der-rechtschreibung-deutsch/

https://norberto68.wordpress.com/2011/12/02/alte-rechtschreibung-regeln-und-worterbuch-worterliste/ (mit Liste der Agenturen)

Ganz holzschnittartig lässt sich Folgendes feststellen: Ein Bereich, der seit Jahrhunderten diskutiert wird, ließe sich durchaus systematisch verbessern: Die sogenannte Laut-Buchstaben-Zuordnung, insbesondere die Schreibung von Lang- und Kurzvokalen (Dehnungs-h, Doppelvokal, Doppelkonsonant). Nur: an diesem Vorhaben sind schon zahlreiche frühere Reformen gescheitert. Es führt zu einer drastischen Veränderung des Schriftbildes. Hier stößt der Reformwunsch an die Mauer des Bewusstseins, dass unsere Rechtschreibung historisch geprägt und der Dauer verpflichtet ist.

Ganz anders ist die Lage bei den beiden großen Problembereichen der jüngsten Reform: groß oder klein, getrennt oder zusammen. Sie sind das eigentliche Kernstück unserer Rechtschreibung. Die Großschreibung der Substantive hat sich als ein wirkungsvolles Instrument bewährt, das Lesen des Deutschen zu erleichtern. Durch Substantivierung (das Wandern, das Hoch, das Für und Wider) versetzten wir Verben, Adjektive, Präpositionen in eine substantivische Rolle und schreiben sie groß. Umgekehrt können Substantive verblassen, wie dies schon die allerersten Dudenregeln beschrieben (mir ist angst, er geht pleite), und verlieren ihre Großschreibung. Die Rechtschreibung folgt hier dem Sprachgebrauch. Ähnliches gilt für die zahlreichen Zusammenschreibungen wie richtigstellen, spazierengehen, wohlverdient, halbvoll usw. Der Prozess der sogenannten Univerbierung, also der Einswerdung von zwei Wörtern, vollzieht sich wortweise, ohne Systematik. Darum kann es dafür keine systematischen Regeln geben, sie verhindern geradezu die sensible Anpassung der Schreibung an den Sprachgebrauch.

Vor zehn Jahren taten sich Buch- und Zeitungsverleger, Autoren, Wissenschaftler und Lehrer in der Schweiz zusammen, „um die Einheitlichkeit und Sprachrichtigkeit der Rechtschreibung in Presse und Literatur der Schweiz wiederherzustellen“. Sie gründeten die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK), die sich seitdem um Vermittlung im Rechtschreibstreit bemüht. Die jüngsten Empfehlungen (www.sok.ch) wollen die Variantenvielfalt zugunsten der traditionellen Schreibung beseitigen. Das ist praktizierte Demokratie, von der auch die KMK lernen kann.

Horst Haider Munske: http://www.vds-ev.de/sn-mobil/71/S10A1_katzenjammer.html