Qualität von Wikipedia überprüfen

Dass es Wikipedia gibt, ist oft hilfreich; die Qualität des Artikel wird jedoch gelegentlich in Zweifel gezogen, da jeder schreiben könne, was er wolle – ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es sein kann, Fehler in der Wikipedia zu berichtigen.

Es gibt nun eine Seite, auf der man die Qualität von Wikipedia-Artikeln überprüfen kann (nicht inhaltlich, sondern statistisch nach Merkmalen des Bearbeitens): http://www.wikibu.ch/index.php. Also ganz einfach mal reinschauen!

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Über Schulreform und Weltverbesserung

Über die großen weltverbessernden Theoretiker der Schulreform, in Karl Philipp Moritz‘ Roman „Andreas Hartkopf“ (1786):

„Mögen andre für die Glücklichen sorgen, sagte Knapp zu sich selber, daß sie noch glücklicher[86] werden, durch schöne Gemählde, schöne Statüen, und schöne Gedichte – wenn ich nur etwas dazu beitragen kann, daß die Unglücklichen nach ihrer Art ein wenig glücklicher werden, durch Gesundheit, Zufriedenheit, und Arbeit – Das große Gebäude der menschlichen Glückseligkeit müssen doch auch einige von unten angreifen, wenn es nicht einmal plötzlich zertrümmern soll. –

Gesundheit, Arbeit, und Zufriedenheit sind doch die große feste Basis, worauf alle die leichtern Zierrathen von schönen Gemählden, Statüen, und Gedichten ruhen müssen, wenn wir uns ihrer mit gutem Gewissen freuen sollen – (…)

O ihr Menschenfreunde, die ihr den Willen und die Kraft habt, ausser euch zu wirken, stellt euch doch wie Knapp, und Hartknopf, und der Emeritus, und wie der gute Pestalozze in der Schweitz, unten an, wenn ihr wirken wollt – das sinkende Gebäude braucht Stützen, und nicht Statüen. (…)

Das Schlechtere was da ist, muß doch wohl mehr die Aufmerksamkeit des Weisen an sich ziehen, als das Beßre, was nicht da ist. – Aber die Afterweisen, die Weltreformatoren, die Hagebucks, schwärmen in den Zaubergefilden des Bessern was nicht da ist, mit ihrer müssigen Phantasie umher, und lassen indes auf dem verwilderten Acker des wirklichen festen Erdbodens, auf den sie treten, Dornen und Disteln wachsen.“

Erziehung und Lebenskunst

Als einen Kommentar zur letzten Strophe von Goethes Gedicht „Dauer im Wechsel“ („Danke, dass die Gunst der Musen…“) lese ich eine Bemerkung der Malwida von Meysenbug in ihren „Memoiren einer Idealistin“, Bd. 2, S. 145 (https://archive.org/details/memoireneineride00meysuoft/page/n601): „Wir sprachen über die Kunst des Lebens überhaupt und wie wenige, selbst unter den Guten, es verstehen, das Leben vor Zersplitterung, vor Aufgehen in dem ‚Verfänglichen des irdischen Geschwätzes‘ zu hüten und die flüchtige Zeit zu retten für das, was ‚allein Not tut‘ im höchsten ethischen Sinn.“ Sie kam mit dem Arzt Löwe, den man als Lebenskünstler gerühmt hatte, „überein, dass die höchste Aufgabe der Erziehung sein sollte, diese Kunst des Lebens auszubilden, damit das ganze Dasein nur ein fortwährendes Enthüllen und Ausarbeiten einer erhabenen Idee in uns würde, mit der wir uns selbst zum höchsten Kunstwerk umgestalten und das Leben von den Fesseln des ‚Nichts in ewiger Bewegung‘ erlösen könnten“.

Bereits vor über 100 Jahren: das Lernen lernen

„Was man in der Schule lernt, ist doch natürlich nur wenig, nur ein geringer Teil dessen, was man für eine fruchtbare Wirksamkeit im leben zu lernen hat.Es kommt daher besonders darauf an, daß das in der Schule Gelehrte, was es auch sein mag, in einer Weise glehrt werde, die bei dem lernenden Schüler die Lust des Lernens weckt und anregt und ihn in den Stand setzt, die Mittel des selbständigen Weiterlernens, soweit sie ihm erreichbar sind, leicht zu finden und mit Geschick und Erfolg zu benutzen, mit einem Wort, daß der Schüler in der Schule das Lernen lernt.“

Dieser kleine Auszug aus den Lebenserinnerungen von Carl Schurz, 1. Band, 1906, S. 53 f. (https://archive.org/details/lebenserinnerung11schu/page/52) zeigt, wie „alt“ manches ist, das uns als neu verkauft wurde. – Ich empfehle, die ganze Passage S. 53 – 59 und S. 67 ff. zu lesen, vielleicht sogar das ganze dritte Kapitel (S. 52 ff.)

Autobiografie des hl. Rocks von Trier – eine literarische Form

Die Selbstbiografie des heiligen Rocks zu Trier (https://archive.org/details/bub_gb_YhIDAAAAcAAJ/page/n3, durch Klicken auf die Seiten umblättern, unten rechts das Bild vergrößern) ist eine kleine Köstlichkeit – soll hier aber nur genannt werden, um auf eine Möglichkeit des Schreibens im Deutsch- bzw. Literaturunterricht hinzuweisen.

Das Schriftchen ist 1845 im Anschluss an die Polemik geschrieben worden, die der katholische Priester Johannes Ronge durch seinen offenen Brief an den Bischof von Trier 1844 losgetreten hat; in diesem Brief (https://archive.org/details/bub_gb_C75DAAAAYAAJ/page/n19 ) hat Ronge gegen die Wallfahrt zum heiligen Rock in Trier gewettert. Später wurde Ronge übrigens exkommuniziert und hat dann seinen eigenen Verein aufgemacht, aber das gehört nicht hierhin.

Sachverhalte und Dinge – ein Unterschied

Die Sprache selbst guter Medien verroht. Beispiel: „Opposition kritisiert externe Berater der Bundesregierung“ (Nachrichten der Tagesschau, 11. Dezember 2018).

Was steht da? Dass die Opposition „externe Berater“, also eine Gruppe von Menschen (allgemeiner gesprochen: Dinge, Gegenstände unserer Welt) kritisiert. Was ist dagegen gemeint? Gemeint ist, dass durch die Opposition kritisiert wird, dass externe Berater von der Bundesregierung beschäftigt werden bzw. worden sind. Kritisiert wird also die Regierung (nicht die Berater!) dafür, dass sie zusätzlich zum eigenen Personal auch noch externe Berater beschäftigt (= bezahlt, aber ihnen so auch Einfluss gewährt). Kann die Pressestelle der Tagesschau das nicht sagen? Offensichtlich kann sie es nicht – um der Kürze willen wird in Kauf genommen, dass Falsches oder zumindest Missverständliches in die Welt gesetzt wird.

Gegenstände kann man mit einem Nomen bezeichnen, Sachverhalte werden in einem (dass-)Satz ausgedrückt. Das Personal der Pressestelle der Tagesschau hat nicht mit Erfolg am Unterricht der 6. Klasse teilgenommen.

„Ein schöner Fehler“ – Fehlerkultur in der Schule?

Wenn ich im Unterricht gelegentlich zu einem Schülerbeitrag „ein schöner Fehler“ gesagt habe, haben die Schüler meistens gelacht, weil sie das als ironischen Kommentar verstanden haben. Es war aber immer ernst gemeint: Ein schöner Fehler ist ein Fehler, bei dem der Lehrer sieht, dass ein Schüler nachgedacht, aber an einer Stelle einen falschen Weg eingeschlagen hat, woran man der Klasse erklären oder mit der Klasse erarbeiten kann, wieso dieser Weg nicht zu einer richtigen Lösung führt. Ein schöner Fehler ist also ein Beitrag zum Verständnis eines Problems, ein wichtiger Beitrag zum Unterricht, weshalb ich einen schönen Fehler oft mit einer 2 benotet habe (es wäre sogar die 1 zu erwägen) – dabei habe ich selten einzelne Beiträge mit einer Note in meinem Büchlein bewertet (in jedem Fall die, in denen mich ein Schüler korrigieren konnte).

Allgemeiner gesprochen: 1. In der Schule muss eine Fehlerkultur eingerichtet werden – die Schüler müssen ermutigt werden, auf eigenen Wegen die Lösung der Probleme zu versuchen, auch wenn dabei „Fehler“ auftreten. 2. Es muss deutlich unterschieden werden zwischen einer Phase, in der man Fehler machen darf, und der Phase (speziell in Klassenarbeit oder Klausur), in der die Fehler tunlichst zu vermeiden sind. 3. Den Schülern muss der Unterschied dieser beiden Phasen und ihre Dauer resp. ihr Beginn deutlich gemacht werden – deutlicher jedenfalls, als ich das getan habe (andernfalls hätten Schüler nicht über meine Bemerkung „ein schöner Fehler“ gelacht). 4. In diesem Zusammenhang ist natürlich klar, dass ein Lehrer Schülerbeiträge nicht (nur) nach richtig und falsch sortieren darf, sondern dass er vor allem „geratene“ Lösungen von gedachten unterscheidet, also versucht zu verstehen, auf welchen Wegen Schülerbeiträge zustande gekommen sind. 5. Damit ist jede Rechthaberei – sowohl der Schüler wie des Lehrers – aus der Schule zu verbannen; jeder kann Fehler machen, und was ein Fehler ist, wird nicht durch „meine Meinung“, sondern allein durch sachliche Argumente entschieden.

Bespitzelung von Lehrern

Eine der entscheidenden Grundlagen für einen guten, lebendigen Unterricht ist bekanntlich eine charismatisch auftretende Lehrerpersönlichkeit. Eine solche Persönlichkeit muss für die Schüler menschlich erfahrbar sein. Dazu gehört selbstverständlich, dass er seine eigenen Überzeugungen und Werte vertritt und mit den Schülern darüber in ein anregendes Gespräch kommt.

Ein verstockter Geschichts- oder Deutschlehrer, eine Person ohne Eigenschaften, die nur nichts falsch machen will, ist da wenig hilfreich. Ein guter Lehrer und eine gute Schule können in wichtigen Fragen nicht neutral sein – und schon gar nicht, wenn es darum geht, sich für Menschenrechte, Demokratie und Teilhabe einzusetzen. Genau diese selbstbewusste, bestenfalls vorbildliche Lehrerpersönlichkeit stellt das AfD-Portal unterschwellig in Frage.

(Martin Klesmann: Ein perfider Schrei nach Aufmerksamkeit. Kommentar zum AfD-Lehrer-Meldeportal. Berliner Zeitung 17. 10. 2018, online https://www.berliner-zeitung.de/politik/meinung/kommentar-zum-afd-lehrer-meldeportal-ein-perfider-schrei-nach-aufmerksamkeit-31450648)

Ein ausgezeichneter Kommentar von Martin Klesmann, der mich an die Zeit erinnert, als ich 1982 in Giesenkirchen am FMG anfing und einige Eltern einen direkten Draht zum Schulleiter hatten (Herr F., Herr M., Frau Sch.) – einzig zum Zweck, ihr verkorkstes Weltbild zu retten (die Herren) und sich selbst in Szene zu setzen (Frau Sch. – Frau K. nicht zu vergessen, die Probleme mit dem Thema „Liebe“ hatte und später mit einem jungen Kerl durchbrannte), und die dabei auf sehr offene Ohren trafen. Es war für mich in dieser Hinsicht eine schreckliche Zeit.

Schreiben lernen – Fibelmethode

Wie lernt man am besten schreiben?

Es gibt eine neue Untersuchung, wonach die alte „Fibelmethode“ die beste ist und die Kinder zu einer recht sicheren Rechtschreibung anleitet. Darüber berichten

https://www.deutschlandfunk.de/lesen-und-schreiben-lernen-streit-um-die-richtige-methode.1148.de.html?dram:article_id=295898 (ausführlich)

https://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/studie-fibel-methode-am-besten-fuer-rechtschreibung-100.html

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/schreiben-nach-gehoer-immer-mehr-bundeslaender-kehren-ab-15138342.html

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/rechtschreibung-kinder-lernen-rechtschreibung-am-besten-mit-der-fibel-a-1228351.html

und so ähnlich:

https://www.news4teachers.de/2018/08/die-verbundene-schrift-erschwert-das-schreibenlernen-warum-wird-sie-grundschuelern-immer-noch-vermittelt/

Zur Sache siehe

http://www.ksl.salzburg.at/symposium10/Methoden_des_Erstleseunterrichts_punz_KsL_symp10.pdf

https://www.urbia.de/magazin/schulkind/schule-und-lernen/wie-lernt-ein-kind-am-besten-lesen

http://www.alpha-fundsachen.de/tag/methoden/