Brambach: Känsterle – Aufgaben

Überprüfe, was wirklich im Text steht:

  1. Streiche die falschen Sätze mit Bleistift durch;
  2. notiere zu den richtigen Sätzen die passende Textstelle (Zeilenangabe).

 

Sätze:

Das erzählte Geschehen spielt zwei Wochen vor dem Nikolaustag.

Das erzählte Geschehen spielt an einem Abend.

Känsterle zieht sich auf dem Speicher (Dachboden) um.

Familie Weckhammer besitzt ein vollständiges Nikolauskostüm.

Als er gestürzt ist, bleibt Känsterle lange liegen.

Als seine Frau verschiedene Reparaturen vorschlägt, hört Känsterle nicht zu.

Der „Held“ der Erzählung heißt Wallfried.

Frau Känsterle heißt mit Vornamen Elfriede.

Känsterle soll im Frühjahr Fenster anstreichen.

Im Fernsehen wird ein Fußballspiel gezeigt.

Känsterle stolpert als Nikolaus und fällt die Treppe hinunter.

Herr Hansmann wird Känsterle als Vorbild vorgehalten.

Känsterle ist schließlich so wütend, dass er seine Frau schlägt.

Er stopft Prospekte in seine Stiefel.

Seine Frau hat Geschirr gespült.

Sie hat unter anderem Coca-Cola und Äpfel gekauft.

Herr Hansmann hat Verständnis für Känsterles Zorn.

Die Nachbarn hören Lärm und kommen ins Treppenhaus.

Die Kinder freuen sich, dass auch die Eltern einmal Streit haben.

Herr Weckhammer ist kürzlich verstorben.

Känsterle will nicht für die Kinder Nikolaus spielen.

Das Nikolauskostüm ist Känsterle viel zu groß.

Frau Känsterle hat die Nikolausgeschenke eingekauft, ohne ihren Mann zu fragen.

 

Lösung

Richtige Sätze:

Das erzählte Geschehen spielt an einem Abend. (Zeile 1)

Der „Held“ der Erzählung heißt Wallfried. (1)

Känsterles Frau hat Geschirr gespült. (3 f.)

Känsterle soll im Frühjahr Fenster anstreichen. (6 f.)

Herr Hansmann wird Känsterle als Vorbild vorgehalten. (13 f.)

Herr Weckhammer ist kürzlich verstorben. (16 f.)

Familie Weckhammer besitzt ein vollständiges Nikolauskostüm. (20 ff.)

Känsterle will nicht für die Kinder Nikolaus spielen. (25 f.)

Frau Känsterle hat die Nikolausgeschenke eingekauft, ohne ihren Mann zu fragen. (29 f.)

Das Nikolauskostüm ist Känsterle viel zu groß. (33 ff.)

Känsterle zieht sich auf dem Speicher (Dachboden) um. (36 ff.)

Känsterle stolpert als Nikolaus und fällt die Treppe hinunter. (41 ff.)

Känsterle ist schließlich so wütend, dass er seine Frau schlägt. (49)

Die Nachbarn hören Lärm und kommen ins Treppenhaus. (54 ff.)

Herr Hansmann hat Verständnis für Känsterles Zorn. (57 ff.)

 

Falsche Sätze:

Im Fernsehen wird ein Fußballspiel gezeigt.

Als seine Frau verschiedene Reparaturen vorschlägt, hört Känsterle nicht zu.

Das erzählte Geschehen spielt zwei Wochen vor dem Nikolaustag.

Frau Känsterle heißt mit Vornamen Elfriede.

Sie hat unter anderem Coca-Cola und Äpfel gekauft.

Känsterle stopft Prospekte in seine Stiefel.

Als er gestürzt ist, bleibt Känsterle lange liegen.

Die Kinder freuen sich, dass auch die Eltern einmal Streit haben.


Übung zum Wortschatz (Antonyme) – zu Brambach: Känsterle

Wenn man schreibt und ein Wort wählt, hat man viele andere nicht schreiben wollen. Vor dem Hintergrund des Gegenteils (eines nicht gewählten Gegenwortes, eines Antonyms) wird die Bedeutung eines Wortes erst richtig klar. – Oft gibt es mehrere mögliche Antonyme; oft wird erst im Kontext klar, welches Antonym wirklich passt.

 

Aufgabe: Suche zu aufgelisteten Substantiven der Erzählung Brambachs das im Kontext passende Antonym und schreibe es auf. Beginne mit den Antonymen, bei denen du dir sicher bist, dass sie passen:

Feierabend   ______________________

Buben   _______________________

Küche   ________________________

Frühjahr   ________________________

Parterre   ________________________

Ferien   ________________________

Schwarz   ________________________

Herzschlag   ________________________

Witwe   _________________________

Nikolauskostüm   __________________________

Redner   __________________________

Kopf   __________________________

Konsum   __________________________

trübes Licht   __________________________

Dachboden   __________________________

Stiefel   __________________________

Sack   __________________________

Backpfeife   __________________________

Scherben   __________________________

Türen   __________________________

 

Liste der möglichen Antonyme:

Weiß, Hintern, Beutel, Anzug, Mädchen, Geschirr, Ehefrau, Fenster, Arbeitszeit, Keller, Wohnzimmer, Feinkostgeschäft, Herbst, Handwerker, Obergeschoss, Handschuhe, Zärtlichkeit, Unfall, strahlende Helle, Wochenende

„Faust“ in EinFach Deutsch – ein grausames Spiel

Heute hatte ich Gelegenheit zu sehen, wie die Gretchentragödie in „EinFach Deutsch“ verschandelt wird:

Szene „Straße“ wird auf 14 Verse reduziert (V. 2605 ff.).

Aus Szene „Abend“ (V. 2678 ff.) werden sechs Verse angehängt.

Aus Szene „Abend“ (V. 2783 ff.) wird Gretchens Monolog vor dem Kästchen (22 Verse) präsentiert.

Aus Szene „Garten“ (V. 3073 ff.) sind die Elemente ‚Marthe-Mephisto’, aber weithin auch Gretchens Bericht von der Sorge um das Schwesterchen (V. 3125 ff.) gestrichen.

Fazit: Von 600 Versen sind circa drei Viertel gestrichen, darunter die Schlüsselszene V. 2687 ff. (Fausts Monolog in Gretchens Zimmer) und das Lied vom König in Thule; die Figuren Mephisto und Marthe fehlen völlig – es ist einfach unfassbar!

Was Frau Löhrmann allein nicht schafft: das Gymnasium demolieren, das bringt EinFach Deutsch zum Abschluss – und zwar an der Marienschule in Mönchengladbach, dem heimlichen Elitegymnasium der Stadt.

Ich schlage als nächste Stufe der Reduktion des „Faust“ resp. der Gretchentragödie vor:

  • Faust lernt Gretchen kennen
  • Sie verlieben sich ineinander
  • Gretchen wird schwanger, tötet ihr Kind und wird wahnsinnig
  • Faust kann sie nicht retten und verlässt sie.

Diesen Kurztext kann eigentlich jeder verstehen, sodass dann auch jeder in NRW Abitur machen kann. Nur – was fangen wir mit solchen „Abiturienten“ an? Und was hat diese Boulevard-Kurzmeldung mit Goethes „Faust“ zu tun? Auch nicht viel weniger als die ‚EinFach Deutsch‘-Kurzfassung!

Leichte Sprache

Texte in Leichter Sprache oder Einfacher Sprache werden für Menschen, die Informationen in Alltagssprache nur schwer verstehen können, geschrieben.

Die Leichte Sprache

  • verzichtet auf Fremdwörter, Fachwörter und lange Sätze. Wenn Fach- oder Fremdwörter verwendet werden, müssen diese erklärt werden.
  • Die Ausdrucksweise ist leicht verständlich.
  • Das Layout ist einfach gestaltet.

Viele Menschen, die Bücher in leichter und einfacher Sprache lesen, haben neben der Leseschwäche auch häufig körperliche Einschränkungen. Daher werden Texte in Leichter Sprache in größerer Schrift und auf dickerem Papier gefertigt. Bilder helfen Texte zu verstehen, aber nur wenn sie zum Text passen.

Die Zielgruppe der Texte in leichter und einfacher Sprache sind Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen über eine geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen; Menschen mit Einschränkungen, Menschen, denen es schwerfällt, sich mit einem Text länger zu beschäftigen, und auch die, die Deutsch als Fremdsprache lernen wollen.
Leichte Sprache ist von vielen Bürgerinnen und Bürgern besser zu verstehen und erleichtert ihnen den Zugang zu Informationen und Literatur, damit sie selbständig am öffentlichen Leben teilhaben können.

(Text aus dem 2. Link, von mir korrigiert)

https://de.wikipedia.org/wiki/Leichte_Sprache

https://www.berlin.de/stadtbibliothek-friedrichshain-kreuzberg/bibliotheken/bezirkszentralbibliothek-frankfurter-allee/veranstaltungen-und-projekte/artikel.81026.php (mit Downloads)

http://www.komm-auf-tour.de/projekt/beschreibung/leichte-sprache/ weitere Links

http://abc-projekt.de/leichte-sprache/ (Info mit Beispielen)

http://www.mj.niedersachsen.de/startseite/leichte_sprache/pilotprojekt_leichte_sprache/pilotprojekt-leichte-sprache-in-der-niedersaechsischen-justiz-123609.html (Info mit jurist. Beispielen, die aber nicht rechtsgültig sind)

http://www.ndr.de/fernsehen/service/leichte_sprache/Nachrichten-in-Leichter-Sprache,nachrichtenleichtesprache100.html (Beispiel)

http://www.inklusion-in-sachsen.de/de/in-leichter-sprache/index.php (Beispiel)

https://www.aktion-mensch.de/leichte-sprache/magazin/projekte_leichte_sprache.html (Magazin)

http://research.uni-leipzig.de/leisa/de/ (Forschungsprojekt)

http://www.deutschlandradiokultur.de/philosoph-konrad-paul-liessmann-ueber-die-grenzen-der.976.de.html?dram:article_id=371368 (kurze kritische Erörterung)

Unter „Projekt Leichte Sprache“ findet man weitere Links.

W. Schnurre: Jenö war mein Freund – der zeitgeschichtliche Hintergrund

(Ich beziehe mich auf den Ausdruck von http://archive.mu.ac.in/arts/ling_lang/german/New%20admission%20German.pdf, S. 4-6, der bei mir 114 Zeilen umfasst. Der Text weist mehrere Schreibfehler auf; richtig ist „aus“ Z. 32, „Backenbart“ Z. 44, „Lehm“ Z. 84, „da“ Z. 104.)

Das erzählte Geschehen spielt gegen Ende des 2. Weltkriegs in Deutschland – man lernte in der Schule nichts Vernünftiges mehr (Z. 69 f. – entweder weil viele Lehrer als Soldaten eingezogen waren oder wegen des Übermaßes an Kriegspropaganda). Das sieht man auch am „Blockwart“ (Z. 95: https://de.wikipedia.org/wiki/Blockleiter), an „Kreisleitung“ (der NSdAP, Z. 95), am Einsatz von SA und SS bei der Verhaftung und Ermordung der Zigeuner (Z. 106 ff.); „später“ (Z. 94), also nach dem Kriegsende, kam vieles vom Nazitreiben ans Licht, „damals“ (Z. 113) wussten manche Leute, v.a. die Kinder nicht Bescheid, was mit den verhafteten Zigeunern passierte (vgl. Z. 108 ff. – nur die Alten wussten es).

Die Zigeuner (vgl. Z. 23 f. und später) hatten auch vor der Nazizeit einen schlechten Ruf; notiere, was du hierzu findest:

  • Jenös Kleidung (Z. 6)
  • Jenös Geruch (Z. 6 f., 30)
  • seine Essgewohnheiten (Z. 11 f., 14, 75 ff.)
  • Rauchen (Z. 17-19)
  • Geschicklichkeit (43-45; 50 ff.; 63 ff.)
  • Schulbesuch (Z. 69)
  • Begriff von Eigentum (34 -> 42; 98-104)
  • Sprache (Z. 92)

Die Lebensweise der Zigeuner findest du in Z. 6 f., Z. 68 und Z. 75 ff. erwähnt, die Besonderheit der Oma Z. 71 ff.

Dieser fremden Lebensweise entsprechen die Bedenken des Vaters (Z. 23) gegen die Freundschaft seines Sohnes mit einem Zigeunerjungen, vor allem wegen der Reaktion der anderen, der „Leute“ (Z. 26, 94 f.). Der Vater hat schließlich Verständnis sowohl für die Freundschaft wie für die andere Lebensweise und trotzt dem, was die Leute sagen und denken; notiere dazu Stichworte nach der Darstellung in Zeile

  • 27 f.
  • 31-33
  • 36-39
  • 96 f.

Heute gilt es als nicht korrekt, wenn man von Zigeunern spricht, heute soll man „Sinti und Roma“ sagen – dadurch ändert sich aber eigentlich nichts. Vgl. auch https://www.helles-koepfchen.de/zigeuner-oder-sinti-und-roma.html u.a. (z.B. http://www.gfbv.it/3dossier/sinti-rom/de/rom-de.html)

In der Datei http://luimartin.altervista.org/Schnurre%20W.pdf, S. 6 ff., findest du Text und Materialien für den Unterricht; der Text ist offenbar für italienische Schüler aufbereitet. – Du siehst, Schnurres Kurzgeschichte erfreut sich internationaler Beliebtheit.

google und Metager

sind derzeit, was das Finden neuer Beiträge angeht, die lahmsten Enten von allen großen Suchmaschinen: Nach vier Tagen finden sie meinen neuesten Beitrag in norberto42.wordpress.com oder http://dito42.blogspot.de nicht, während die anderen Suchmaschinen ihn anzeigen. Google war früher viel besser, nach einem Tag wurde dort ein neuer Beitrag präsentiert.

Metager ist sowieso der letzte Schrott: Was die alles als „Ergebnis“ anbieten, hat mit der Suchfrage nicht viel zu tun. Wer’s nicht glaubt, kann ja mal „Motiv Wort, Worte in Faust I“ bei Metager eingeben, dann bekommt er außerordentlich lustige Ergebnisse.

Meine alte Empfehlung für „seroius search“ habe ich gelöscht; es lohnt nicht, damit zu suchen.

P.S. Ein aus guten Gründen anonym bleibender „Carsten“ hat bei http://norberto42.blogspot.de/2016/11/google-und-metager.html kommentiert: „Okay, habe es bei MetaGer eingegeben: Sind doch Superergebnisse, wo ist das Problem genau?“ Das Problem ist, dass z.B. bei den ersten zehn Ergebnissen fünf überhaupt nichts mit „Faust“ zu tun haben und die übrigen fünf keine Suchergebnisse zur Frage sind. Metager findet wenigstens „Die Wortproblematik, ein Motiv in Faust I“, während google auch heute (14.11.) gar nichts findet.

Eine Erzählung verstehen – wie geht das?

Zugleich ein Beitrag zur Analyse von Borchert: Das Brot.

Am Beispiel von Borcherts Erzählung „Das Brot“ möchte ich exemplarisch untersuchen, welche Aspekte oder Dimensionen des Verstehens es dabei gibt. Ich beziehe mich auf die Textausgabe http://www.geschichte-projekte-hannover.de/filmundgeschichte/deutschland_nach_1945/ruckblickende-kurzfilme/die-filme-2/das-brot-2.html (Zeilenzählung der Seite, die nach Anklicken des Druckersymbols oben rechts angezeigt wird bzw. beim Ausdrucken vorliegt: 47 Zeilen).

  1. Die Bedeutung von Wörtern muss man kennen oder aus dem Kontext erschließen, damit man den Satz versteht. Der Satz (das Syntagma) ist die erste Dimension des Verstehens. Satz: „als sie mit der Hand über das Bett neben sich fuhr“ (Z. 2 f.); „fahren“ hat laut „Duden. Deutsches Universalwörterbuch“ (7. Aufl.) 11 Hauptbedeutungen, hier passt die Bedeutung 9.b) „[mit einer schnellen Bewegung] über, durch etwas streichen, wischen, eine schnelle Bewegung machen“. Wenn ich diese Bedeutung von „fahren“ kenne oder ahne, verstehe ich den genannten Satz (Wörter kann man also nicht verstehen, man kann nur ihre Bedeutung/en kennen).
  2. Aus den Sätzen in ihrer Abfolge kann man das erzählte Geschehen oder die beschriebene Situation verstehen (Z. 1-6, meistens aus den paradigmatischen Alternativen): wachte sie auf (eine Frau, hat geschlafen) / „Ach so!“ (personal erzählt: ihre Sicht) / in der Küche (vs. Schlafzimmer) / zu still (verlangt eine Erklärung) / das Bett neben sich … leer (hat einen Mann, der fehlt) / „Das war es“ (setzt „Ach so!“ und „zu still“ fort: Sie erklärt sich etwas.) / durch die dunkle Wohnung (bereitet „Licht“ vor) / „In der Küche trafen sie sich.“ (verfrühte Erklärung des Erzählers!) / Die Uhr… (Datierung) / „etwas Weißes“ (bereitet die Lösung vor) / „Sie machte Licht.“ (ermöglicht die Lösung) / „Sie standen sich im Hemd gegenüber. Nachts. Um halb drei. In der Küche“: Das ist die groteske Situation, in die schrittweise eingeführt wird; grotesk deshalb, weil Paare nachts normalerweise nebeneinander im Bett liegen. – Diese groteske Situation wird in zwei Schritten aufgelöst; das ergibt die Struktur der Erzählung (s.u.).
  3. In dieser Situation kann/muss man die Bedeutung von Ereignissen verstehen, d.h. verschiedene Sätze aufeinander beziehen. Beispiel: „Sie sah, dass er sich Brot abgeschnitten hatte.“ (Z. 7, mit nachfolgender Erklärung) <-> „‚Ich dachte, hier wär was’, sagte er und sah in der Küche umher.“ (Z. 11) Was die Frau sieht, widerspricht dem, was der Mann sagt (was sie hört); die Frau „sieht“ also, dass er lügt, was in Z. 17 ausdrücklich gesagt wird.
  4. „‚Ich habe auch was gehört’, antwortete sie…“ (Z. 12) – das ist ein zweideutiger Satz, weil sie damit sein Rumoren (Z. 1 f.) meint, während er das als Bestätigung seiner Lüge auffassen könnte. Der Leser kann diese Zweideutigkeit verstehen, der Mann nicht. – Die Frau wiederholt später ihren Satz (Z. 21), gibt ihm dort aber eine andere Bedeutung, was dem Leser durch die Fortsetzung „aber es war wohl nichts“ und den Erzählerkommentar „Sie kam ihm zu Hilfe (Z. 22) deutlich wird. Der Leser versteht, wie die Frau die groteske Situation entschärft.
  5. In oder aus der Situation der nächtlichen Begegnung und dem Lügen des Mannes ist es denkbar, dass einzelne Wendungen eine tiefere Bedeutung gewinnen. Ich denke dabei an die Wendung, das sie „im Hemd“ standen, was wiederholt gesagt wird (Z. 5, 12, 14). Sie finden beide, dass der jeweils andere im Hemd älter als sonst aussieht – hier wird also die Wahrheit offenbar („So alt wie er war.“, Z. 13), während der lügende Mann die Wahrheit nicht erkennt (vgl. Z. 14 f.). Die Kleidung verbirgt am Tag das wahre Alter, welches „im Hemd“ sichtbar wird.
  6. Der Erzählerkommentar „Sie kam ihm zu Hilfe.“ (Z. 22) hilft dem Leser, das Agieren der Frau zu verstehen.
  7. Die Struktur der Erzählung ist dadurch bestimmt, dass zunächst eine groteske Situation beschrieben wird (s. oben 2.), die dann in zwei Schritten (vgl. 6.) aufgelöst wird: Bis Z. 39 wird erzählt, wie die Frau sich bemüht, in der Nacht mit der Lüge ihres Mannes klarzukommen, und das auch mühsam schafft (er kann essen, sie kann schlafen, Z. 37-39). Dann wird nach einem Zeitsprung (V. 40) erzählt, welche Konsequenzen sie aus seinem heimlichen Brotdiebstahl zieht und wie sie wieder in ein normales Leben kommen.
  8. Welche Themen und Motive in dieser Struktur „arbeiten“, erkennt man am Kontrast Dunkel-Licht und am Wortfeld des Sehens: sehen, ansehen, aufsehen, aussehen. Die Kontraste und das Wortfeld sind miteinander im Zusammenspiel von Wahrheit und Lüge verschränkt, auch wenn sie hier analytisch gesondert untersucht werden: a) Zuerst ist es dunkel in der Wohnung, dann macht sie Licht (Z. 5). Im Licht erkennt man die groteske Situation und sie entdeckt die Lüge ihres Mannes; mit ihr kann sie dann leben, als sie wieder das Licht löscht (Z. 26). Am Abend ist es hell, aber sie geht von der Lampe weg (Z. 42), bis die neue Aufteilung des Brotes als richtig oder begründet von beiden akzeptiert ist – eine Konsequenz ihres Umgangs mit seiner Lüge. Dann setzt sie sich unter die Lampe an den Tisch (Z. 47). b) Die Wendungen des Sehens behandle ich kurz: „Sie sah“ (Z. 7, plus folgende Erklärung) die Wahrheit. Sie sah von dem Teller weg (Z. 10, dem Beweisstück des Diebstahls und der Lüge). Er sah (zur Bestärkung seiner Lüge) in der Küche umher (Z. 11). Sie fand, dass er im Hemd älter aussah als tagsüber (Z. 12 f.: „So alt wie er war.“). Sie sieht ziemlich alt aus, dachte er (Z. 13 f., mit falscher Erklärung). Sie sah ihn nicht an (Z. 17). Er sah sinnlos umher (Z. 19, vgl. Z. 11). Er sah zum Fenster hinaus (Z. 24, vgl. Z. 19). Sie will nicht nach dem Teller (Beweis seiner Lüge) sehen (Z. 25, vgl. Z. 10 und 17). – Als es dunkel ist (Z. 29), wird das Sehen durch das Hören ersetzt (unecht, Z. 34; sie hörte, Z. 37; sie atmete absichtlich tief und regelmäßig, Z. 37 f.). – Am Abend brennt die Lampe, aber sie ging von der Lampe weg (Z. 42, damit er sie bei ihrem Lügen nicht sah). Sie sah, wie er sich tief über den Teller beugte (Z. 44) und nicht aufsah (Z. 44, um sie nicht ansehen zu müssen). Erst nach einer Weile setzte sie sich unter die Lampe, also gut sichtbar ins Licht (Z. 47).
  9. Was wollte der Autor Borchert mit dieser Erzählung „sagen“? Das geht aus der Erzählung nicht hervor; dazu müsste man das Gesamtwerk und Äußerungen des Autors heranziehen.
  10. Was haben die Leser aus dieser Erzählung 1946 und in den folgenden Jahren gehört? Auch das geht nicht aus dem Text hervor; man könnte das Handeln der Frau vorbildlich finden (selbstloser Verzicht zugunsten des geliebten Mannes), man könnte es auch kritisch sehen (Klischee der opferbereiten Frau, Vorrecht des Mannes). Wie die Leser einen Text verstehen, kann man nur durch empirische Untersuchungen herausfinden.

Vgl. auch die Aufgaben zu dieser Kurzgeschichte (https://norberto42.wordpress.com/2016/11/08/aufgaben-zu-wolfgang-borchert-das-brot/), welche man nach dieser Analyse vielleicht überarbeiten müsste.

Jugendsprache Verlan

Zufällig habe ich dieser Tage auf Arte eine kleine Einführung in die französische Jugendsprache Verlan gesehen; sie oder er (der Verlan) beruht auf dem witzigen Prinzip, Silben oder Teile eines Wortes zu vertauschen. Es scheint, dass sie ihre Blütezeit um 1990 hatte – ich wollte hier nur darauf hinweisen, dass es so etwas gibt bzw. gegeben hat.

http://sprachennetz.org/2014/11/das-ende-kommt-zuerst-die-verdrehte-jugendsprache-verlan-im-franzoesischen/

http://www.zeit.de/1996/14/Wir_sind_die_Sprache_

http://www.univie.ac.at/linguistics/publications/wlg/752011/Humenberger

https://de.wikipedia.org/wiki/Verlan

https://de.wikipedia.org/wiki/Argot

Kultur des Durchwinkens

Es gibt eine neue Studie „Ausbildungsreife und Studierfähigkeit“ der KAS (http://www.kas.de/wf/doc/kas_44796-544-1-30.pdf?160407120128 ), darin steht ein Beitrag von Gerhard Wolf über Ursachen und Folgen einer nachlassenden Studierfähigkeit heutiger Jugendlicher (S. 10 ff.). Die WELT hat ein Interview mit Gerhard Wolf über das Thema geführt: http://www.welt.de/vermischtes/article157948609/Bewahrt-die-Schueler-vor-der-Kultur-des-Durchwinkens.html. Daraus kurz einige Auszüge:

Die Welt: Fehlt es an erlernbaren akademischen Techniken oder an Begabung?

Wolf: Oder schlicht an der Intelligenz. Man muss es differenziert sehen. Rechtschreibung und Grammatik kann man durch Übung erlernen, vor allem durch Lesen. Aber für eine wissenschaftliche Ausbildung braucht man schon eine höhere Begabung. Nimmt man zu den statistisch belegten 15 Prozent Hochbegabten noch weitere zehn Prozent Begabte in einem Abiturjahrgang hinzu, sind etwa ein gutes Viertel ohne Einschränkung für die wissenschaftliche Ausbildung geeignet. Inzwischen haben wir aber eine Studienanfängerquote von 58 Prozent eines Geburtsjahres. […]

Die Welt: Sind die Studienanfänger nicht einfach um ein bis drei Jahre zu jung?

Wolf: Es ist wahr. Die akademische Unselbstständigkeit ist enorm, und auch die Versagensangst ist größer geworden, wobei jedoch auf der anderen Seite bei den Studenten das Selbstbewusstsein, gerade bei der Organisation des Alltags, erstaunlich hoch ist. Die Studierenden sind also in einem praktischen Sinne durchaus lebenstüchtig. Große Defizite gibt es aber in puncto Selbsterkenntnis, was sich oft in grober Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten niederschlägt. […] Dümmer sind sie nicht als die früheren Generationen. Nach der Intelligenzforschung nimmt der IQ eher zu. Aber viele der Studienanfänger haben noch nicht erkannt, wofür sie in ihrem Leben am besten geeignet sind. Das müssen sie noch herausfinden. Ich hüte mich auch vor Aussagen zur Intelligenz, sondern sage meinen Studierenden: „Sie beherrschen die deutsche Grammatik nicht [hier fehlt „deshalb nicht“, N.T.], weil Sie zu dumm sind, sondern zu wenig lesen oder sich nie systematisch damit auseinandergesetzt haben.“

Die Welt: Kritiker sagen, die Universitäten haben sich durch zu gute Benotung eine Menge Probleme selbst geschaffen.

Wolf: Natürlich. Das hat sich über lange Zeit entwickelt: Die Noten wurden – nicht nur in den Geisteswissenschaften – immer besser, wie auch eine Studie des Wissenschaftsrats belegt. Demnach erreichten 80 Prozent aller Prüflinge im Jahr 2011 entweder die Note „gut“ oder „sehr gut“. Wissenschaftler optimieren eben auch und folgen der Devise: „Ein zufriedener Student macht keinen Ärger.“ […]

Die Welt: Was also können und müssen wir tun, um diesen Schaden abzuwehren?

Wolf: Man muss sich von der „Kultur des Durchwinkens“ verabschieden. Ob an der Schule oder an den Universitäten: Wir müssen unsere Aufgabe als Mentoren unserer Schüler und Studenten ernst nehmen, die Benotungen wieder an der Gaußschen Normalverteilung ausrichten und unsere Meinung über erbrachte Leistungen offen kommunizieren.

 

Die Kultur des Durchwinkens gibt es auch an den Schulen, wo sie nicht nur von Eltern begrüßt wird, sondern auch von den Schulleitern und vor allem von den Gleichheits-Politikern: Man denke an den Bohei, der vor ein paar Jahren um Sabine Czerny in Bayern gemacht wurde, die mit ihrer Einser-Inflation alle Kolleginnen ausstach: Sogar in der SZ war sie die Märtyrerin des guten schülerfreundlichen Unterrichts, sogar die katholischen Priester haben ihr als vom bösen Schulrat Verfolgte irgendeine Medaille für Zivilcourage verliehen – dabei hatte sie nur ein gute Lobby. Die Kultur des Durchwinkens gab es in Einzelfällen schon vor 30 Jahren (nicht nur) am FMG, wo Kollegen sich damit einen Freiraum schufen, um inner- und außerhalb des Unterrichts ihren Hobbies nachgehen zu können (oder eigene Unfähigkeit zu kaschieren); bei einem Lehrerwechsel hieß es dann: Mein Kind war aber vorher gut (oder sehr gut) – nein, es war nicht gut, es hatte nur eine gute Note. Ich könnte leicht die Kollegen namentlich benennen, weil ich im Fach Deutsch öfter Nachfolger solcher Kollegen war…

Indirekte Rede

Wer ist „ich“, wann ist „jetzt“ und wo ist „hier“?

Das richtet sich einzig und allein nach dem jeweiligen Sprecher: Für jeden Sprecher ist in jedem Moment: Ich – Hier – Jetzt; für einen anderen ist an seiner Stelle ebenfalls Ich – Hier – Jetzt. Man spricht hier von Deixis und Ich-Origo:

http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/deixis.html

https://www.mediensprache.net/de/basix/lexikon/index.aspx?qu=Deixis

https://de.wikipedia.org/wiki/Deixis

http://www-01.sil.org/linguistics/GlossaryOfLinguisticTerms/WhatIsDeixis.htm (englisch)

Was unterscheidet die direkte Rede von der indirekten Rede?

a) direkte Rede:

[Sprecher:] Karl sagte am Montag: „Ich bin heute krank.“

Der Sprecher hat Karl im Blick und berichtet wörtlich, was Karl am Montag sagte; Karls Äußerung ist deshalb an Karls Sicht gebunden (ich – heute).

b) indirekte (berichte) Rede (englisch: reported speech):

[Sprecher:] Karl sagte am Montag, er sei an diesem Tag krank.

Der Sprecher hat Karl im Blick und berichtet aus seinem Ich – Hier – Jetzt, was Karl am Montag sagte. Er ändert in der Äußerung deshalb „ich“ -> er, „heute“ -> an diesem Tag; er tilgt Karls Sicht in dessen Äußerung und benennt Personen, Ort und Zeit aus seiner eigenen Sicht.

Außerdem entfallen die Anführungszeichen der wörtlichen Rede, und der Modus des Verbs ändert sich (Indikativ -> Konjunktiv: Zeichen, dass die Äußerung eines anderen berichtet wird).

c) indirekte Rede als dass-Satz:

[Sprecher:] Karl sagte am Montag, dass er an diesem Tag krank sei.

[Sprecher:] Karl sagte am Montag, dass er an diesem Tag krank ist. (Mittlerweile ist im dass-Satz auch der Indikativ möglich, weil durch das Verb „sagte“ hinreichend klar ist, dass es sich um die Äußerung eines anderen handelt.)

[Sprecher:] Karl sagte am Montag, dass er an diesem Tag krank wäre. (Durch den Gebrauch des Konjunktivs II zeigt der Sprecher an, dass er selber meint, Karl habe vielleicht gelogen. – Das kann man natürlich auch ohne dass-Satz sagen:

[Sprecher:] Karl sagte am Montag, er wäre an diesem Tag krank.)

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Damit ist das Wesentliche zur indirekten Rede gesagt. Jetzt kann man noch erarbeiten,

  • Wie die Konjunktivformen der einzelnen Verben lauten
  • Wann man Konjunktiv I und wann Konjunktiv II gebraucht
  • Wie man Wünsche, Pläne, Befehle und Fragen in der indirekten Rede ausdrückt

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Auf vielen Seiten, die man im Netz findet, gibt es Fehler oder Ungenauigkeiten:

https://de.wikipedia.org/wiki/Indirekte_Rede (richtig, aber kompliziert)

https://deutsch.lingolia.com/de/grammatik/satzbau/indirekte-rede (einfacher)

http://www.dsporto.de/ubungen/indirektregeln.htm (umfangreich, richtig, komplex – mit vielen Übungen, die man online machen und überprüfen kann)

http://www.online-lernen.levrai.de/deutsch-uebungen/grammatik_5_7/30_indirekte_rede/01_regeln_indirekte_rede.htm (fast ganz richtig-praktisch, mit Tabelle Konjunktiv I)

http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/deutsch/sprache/grammatik/redewiedergabe/verbzweitsatz.html (viele Materialien, etwas unübersichtlich)

http://www.beste-tipps-zum-deutsch-lernen.com/indirekte-rede/ (einfach)

http://www.deutschseite.de/grammatik/indirekte_rede/indirekte_rede.html (für Englischsprecher, nicht ganz korrekt)

http://www.grammatiktraining.de/indirekterede/grammatikuebersicht-indirekte-rede.html (einfach, evtl. korrigieren)

http://www.suz.deutschdigital.de/deutsch/grammatik/indirekterede1.htm (AB, einfach)

http://schubert-verlag.de/aufgaben/xo/xo06_01.htm (AB einfach, Fehler im Muster)

http://www.schubert-verlag.de/aufgaben/uebungen_c1/c1_indirekte-rede1.htm (schwieriger)

http://www.udoklinger.de/Deutsch/Grammatik/IndirRede.htm (einfach, teils problematisch)

http://www.deutschegrammatik20.de/konjunktiv/umformung-direkte-indirekte-rede/ (einfach, falsch bei Ort; Zeit fehlt)

Ich empfehle, den Schülerduden Grammatik zu benutzen (7. Auflage, Nr. 94 ff. bzw. Nr. 99 ff.); da wird alles anhand von Beispielen erklärt.