Sachtext zusammenfassen (2. Beispiel: Zeitungsbericht)

30. Mai 2017| 13.20 Uhr (rp-online)

„Paddeln statt Datteln“

Medienkonsum-Studie scheitert an Jugendsprache

Düsseldorf. In den sozialen Netzwerken amüsieren sich viele User über die Präsentation der Blikk-Studie zum übermäßigen Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen. Grund sind darin enthaltene absurde Formulierungen und Bilder. Das zuständige Institut verteidigt sein Konzept.  Von Marcel Romahn

70 Prozent der Kinder im Kita-Alter nutzen das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde am Tag. Konzentrationsprobleme, Hyperaktivität und Einschlafstörungen seien die Folge. Diese beunruhigende Entwicklung zeichnet sich in der Blikk-Studie ab, die am Montag von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Das Thema ist ernst. Doch die Präsentation zur Studie, die vom Fachbereich Medizinökonomie und Gesundheit der Rheinischen Fachhochschule Köln erstellt wurde, provoziert in den sozialen Netzwerken Hohn und Spott. Denn einige Schlagworte und Bilder darin – da sind sich die User auf Facebook und Twitter einig – passen eher in die Kategorie „unfreiwillig komisch“.

Gewollter „Eyecatcher“ 

„Bicken statt Liken“ heißt es auf einer der Präsentationsseiten. Gemeint ist, dass sich Kinder eher draußen in der Natur aufhalten oder Sport machen sollten, anstatt lange Zeit mit dem Smartphone beispielsweise auf Facebook zu surfen. Der Rechtschreibfehler im englischen Wort (eigentlich: biken) führt diesen Leitsatz jedoch ad absurdum. 

Außerdem amüsieren sich viele User über den offenbar vergeblichen Versuch des Instituts, die Jugendsprache in ihre Präsentation einzubinden. „Paddeln statt Datteln“, lautet ein weiterer Schlagsatz. Gemeint ist hier offenbar das Wort „daddeln“ (umgangssprachlich für: Videospiele spielen) und nicht etwa die Frucht. „Was haben die gegen Datteln?“, spottet ein User. 

Auch die Bebilderung der Präsentation, die offenbar eine Bilderbuchfamilie in ihrem Alltag darstellen soll, wirkt in den Augen der Kritiker unrealistisch, komisch und absurd – etwa, wenn eine Familie mit breitem Grinsen beim gemeinsamen Essen oder dicht gedrängt auf der Wohnzimmercouch abgebildet wird. 

Trotz aller Kritik verteidigt das zuständige Institut für Medizinökonomie und Gesundheit der Rheinischen Fachhochschule Köln die Gestaltung der Präsentation. „Es wurden bewusst für die beiden alternativ genannten Aktivitäten zur digitalen Medien-Nutzung ‚Bicken statt Liken‘ und ‚Paddeln statt Datteln‘ falsche Schreibweisen gewählt, um bei der heutigen Informationsflut einen Eyecatcher für die Wahrnehmung unserer Empfehlungen zu generieren“, sagte Vizepräsident Rainer Riedel auf Anfrage unserer Redaktion. 

Da diese Blickfänger jedoch offenbar von der Öffentlichkeit so nicht wahrgenommen wurden, habe man sich nun dazu entschlossen, die Begriffe zu korrigieren. 

 

Meine Zusammenfassung

In der rp-online vom 30. Mai 2017 berichtet Marcel Romahn unter der Überschrift „Paddeln statt Datteln“ über Kritik an der Blikk-Studie über Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen.

Zunächst wird die Studie kurz vorgestellt: Die starke Benutzung von Smartphones führe zu Unruhe und Schlafstörungen der Kinder. Die Präsentation der Studie habe Spott und Hohn in den sozialen Netzwerken hervorgerufen, da sie oft unfreiwillig komisch wirke. An mehreren Beispielen erklärt Romahn, wieso das der Fall ist. Das zuständige Institut habe sich damit verteidigt, dass bewusst falsche Schreibweisen gewählt worden seien, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen; da dies misslungen sei, werde man die missverständlichenBegriffe korrigieren.

Marcel Romahn hat selber eine kurze Zusammenfassung seines Textes an den Anfang gestellt.

Diskussion

  • Diesmal habe ich mich entschlossen, Rohmans Zusammenfassung zu erwähnen, da es sich um eine sachliche Zusammenfassung handelt.
  • Ich habe diese Erwähnung an den Schluss gestellt, weil sie dort den Text gut abschließt; man könnte auch erwägen, sie an den Anfang zu stellen: „Am Anfang des Textes steht eine Zusammenfassung des Artikels.“ Dann kann man natürlich nicht mit „Zunächst…“ fortfahren.
  • Der Beginn der Zusammenfassung ist mit dem Adverb „Zunächst“ markiert.
  • Die Erläuterung der Kritik anhand der Beispiele wird unter dem Sammelbegriff „Beispiele“ zusammengefasst. 
  • Name und Funktion des Vizepräsidenten treten hinter der Institution des Instituts zurück, werden also nicht erwähnt.
  • Ich wechsele zwischen Verben des Sagens plus Indikativ (vorstellen, erklären) und der Wiedergabe des Inhalts in der indirekten Rede (Konjunktiv I).

Sachtext zusammenfassen (Beispiel Zeitungsbericht)

29. Mai 2017 | 13.42 Uhr (rp-online)

Studie zu Medienkonsum

Schon Kleinkinder hängen täglich am Smartphone

Berlin. 70 Prozent der Kinder im Kita-Alter nutzen das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde am Tag. Schon Säuglinge sind hyperaktiv, wenn Mama stets am Tablet hängt. Experten warnen vor den Gefahren – aber auch vor einer einseitigen Diskussion.

Konzentrationsprobleme, Hyperaktivität und Einschlafstörungen schon bei Säuglingen: Ein übermäßiger Medienkonsum gefährdet die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Das geht aus der Blikk-Studie hervor, die am Montag von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), vorgestellt wurde. Bereits Babys unter einem Jahr haben demnach Fütter- und Einschlafstörungen, wenn die Mutter parallel zur Betreuung ihres Kindes digitale Medien nutzt. Zudem benutzen schon 70 Prozent der Kinder im Kita-Alter das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich.

Zwei- bis Fünfjährige sind der Studie zufolge bei regelmäßiger Nutzung von Bildschirmmedien nicht nur zappeliger und haben Konzentrationsstörungen. Bei täglicher Mediennutzung zeigen sich zudem Störungen bei der Sprachentwicklung. Die Kinder sind außerdem oft unruhig und schnell ablenkbar.

Hyperaktiv und unkonzentriert

Auch Kinder ab etwa sieben Jahren und Jugendliche, die mehr als eine Stunde pro Tag an ihrem Smartphone oder Tablet hängen, sind oft hyperaktiv oder unkonzentriert. Sie greifen auch mehr zu süßen Getränken und Süßigkeiten und sind häufiger dick.

In die Studie, aus der Medien schon in den vergangenen Tagen zitiert hatten, wurden zwischen Juni 2016 und Januar 2017 mehr als 5500 Kinder und Jugendliche einbezogen. Grundlage sind die Vorsorgeuntersuchungen, die sogenannten U-Untersuchungen, beim Kinderarzt sowie Elternbefragungen.

In Deutschland gelten mittlerweile rund 600.000 Jugendliche und junge Erwachsene als internetabhängig und zweieinhalb Millionen als problematische Internetnutzer. „Wir müssen die gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung ernst nehmen“, erklärte Mortler. „Kleinkinder brauchen kein Smartphone.“ Sie müssten erst einmal lernen, mit beiden Beinen sicher im realen Leben zu stehen. Es sei daher dringend notwendig, Eltern beim Thema Mediennutzung Orientierung zu geben, forderte die Drogenbeauftragte.

Experten warnen vor einseitiger Diskussion

Die Würzburger Medienpsychologin Astrid Carolus warnte indes vor einer einseitigen Diskussion über die Smartphonenutzung bei Kindern und Jugendlichen. Dass der Umgang mit Smartphones negative Folgen habe, gehe aus der Studie nicht eindeutig hervor, sagte Carolus im Deutschlandfunk. Nachgewiesen worden seien lediglich statistisch signifikante Zusammenhänge, aber keine klare Beziehung zwischen Ursache und Wirkung.

Die Wissenschaftlerin sprach sich gegen Smartphoneverbote für Kinder aus. Diese gingen an der Realität vorbei. Die jungen Menschen wüchsen heute in einer digitalisierten Welt auf und müssten den richtigen Umgang mit den Geräten lernen.

(oko/AFP)

 

Meine Zusammenfassung

In der rp-online vom 29. Mai 2017 wird unter der Überschrift „Studie zu Medienkonsum“ über eine am gleichen Tag veröffentlichte Studie zum Medienkonsum von Kindern berichtet.

Es werden zunächst die gemäß der Blikk-Studie negativen Folgen übermäßiger Mediennutzung für Kinder und Jugendliche referiert: Schlafstörungen, Unruhe, Konzentrationsprobleme, schlechte Essgewohnheiten. Grundlage der Studie seien Befragungen von mehr als 5.500 Kindern und Jugendlichen sowie Elternbefragungen seit Juni 2016. Frau Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, habe auf die Risiken der Digitalisierung hingewiesen. Die Medienpsychologin Carolus habe jedoch vor einer einseitigen Interpretation der Studie gewarnt; es komme darauf an, dass Kinder den richtigen Umgang mit den Medien lernten.

Diskussion:

  • Dass die Studie am gleichen Tag veröffentlicht wurde, ergibt sich aus dem Datum des Artikels und der Datierung „am Montag“, die auf den Bericht in der am folgenden Tag erscheinenden Zeitung zielt.
  • Frage: Sollte man in den Einleitungssatz die Quellenangabe („auf der Grundlage einer Agenturmeldung“) aufnehmen? 
  • Ich habe die einleitenden Zeilen nicht berücksichtigt, weil sie [Ergebnis der voraufgehenden Analyse!] nur einige auffällige Einzelheiten herausheben, um den Leser für den ganzen Artikel zu interessieren. Genauso werden die Zwischenüberschriften und der Untertitel hier [anders als in einer Analyse!] nicht beachtet.
  • Die folgenden drei Absätze habe ich summarisch referiert, weil sie die negativen Auswirkungen (gleiches Thema) auf die verschiedenen Altersstufen darstellen.
  • Der Satz „In Deutschland gelten…“ ist ein Irrläufer, der nicht berücksichtigt wird.
  • Hier und auch im Folgenden zeigt sich, dass einer Zusammenfassung eine Analyse voraufgehen muss: Die letzten drei Absätze sind den unterschiedlichen Bewertungen von Frau Mortler und Frau Carolus gewidmet, man kann sie auf diesen Unterschied hin zusammenfassen.
  • Frau Mortler wird mit ihrer Funktion vorgestellt, weil sie die Studie veranlasst bzw. vorgestellt hat. Bei Frau Carolus sollte man den Beruf „Medienpsychologin“ nennen, weil sie damit als fachlich qualifiziert vorgestellt wird.
  • Fazit: Diese Art von Zeitungsberichten (Bericht über eine gerade veröffentlichte Studie) stellt eigentümliche Anforderungen an eine Zusammenfassung.

Einen Erzähltext zusammenfassen – Beispiel

Brüder Grimm: Hänsel und Grethel (1819)1

Aufgabenstellung: Fasse das erzählte Geschehen möglichst knapp zusammen!

1. Versuch:

Die armen Eltern zweier Kinder, Hänsel und Grethel, setzen diese im Wald aus, um selber zu überleben. Die Kinder retten sich in ein Haus, werden aber von der Hausherrin, einer Hexe, ihrer Freiheit beraubt. Es gelingt Grethel, die Hexe zu verbrennen und ihren Bruder zu befreien; mit den Schätzen der Hexe gehen sie nach Hause und leben von da an mit dem Vater frei von Sorgen.

Probleme:

1. Muss die Mutter als treibende Kraft genannt werden?

2. Muss die erste Rettung mit Hilfe der Kieselsteine Hänsels erwähnt werden?

3. Muss die unterschiedliche Behandlung der Kinder durch die Hexe erwähnt werden?

4. Muss der Tod der Mutter erwähnt werden?

Ergebnis: Der Tod der Mutter muss erwähnt werden, weil sonst der falsche Eindruck entsteht, sie lebte noch; dann muss sie auch als treibende Kraft genannt werden.

2. Versuch:

Die armen Eltern zweier Kinder, Hänsel und Grethel, setzen diese auf Betreiben der Mutter im Wald aus, um selber zu überleben. Die Kinder retten sich in ein Haus, werden aber von der Hausherrin, einer Hexe, ihrer Freiheit beraubt. Es gelingt Grethel, die Hexe zu verbrennen und ihren Bruder zu befreien; mit den Schätzen der Hexe gehen sie nach Hause und leben von da an mit ihrem Vater frei von Sorgen, während die Mutter verstorben ist.

3. Versuch:

Die armen Eltern zweier Kinder, Hänsel und Grethel, setzen diese auf Betreiben der Mutter im Wald aus, um selber zu überleben. Einmal kann Hänsel den Weg mit Kieselsteinen markieren und so nach Hause finden; ein zweiter Versuch, dies mit Brotkrumen zu erreichen, scheitert. Die Kinder retten sich jedoch in ein Haus, das von einer Hexe bewohnt wird. Hänsel wird eingesperrt; Grethel muss ihn füttern, damit die Hexe ihn schlachten kann. Es gelingt Grethel, die Hexe zu verbrennen und ihren Bruder zu befreien; mit den Schätzen der Hexe gehen sie nach Hause und leben von da an mit ihrem Vater frei von Sorgen, während die Mutter verstorben ist.

Würdigung:

Der 3. Versuch geht schon zu stark in Richtung einer Nacherzählung; der 2. Versuch stellt das Optimum einer möglichst kurzen Zusammenfassung des erzählten Geschehens dar. Frage: Welche Elemente des erzählten Geschehens sind hierbei berücksichtigt? – Fehlt der Basissatz?

1Text: https://de.wikisource.org/wiki/H%C3%A4nsel_und_Grethel_(1819), die zweite Fassung; Zugang zu allen Fassungen über die Seite https://de.wikisource.org/wiki/H%C3%A4nsel_und_Gretel. (Zugriff April 2017)

Einen Sachtext zusammenfassen – Beispiel 2

Carola Beck: Die Wissenschaft der Bionik. Die Natur als Vorbild der Technik (2010)

[…] Schon Leonardo da Vinci nahm sich im 15. Jahrhundert die Natur zum Vorbild. Der geniale Künstler und Wissenschaftler untersuchte den Flügelschlag von Vögeln und entwarf daraufhin „Schlagflügel“. Da Vinci wird oft als historischer Begründer der Bionik angeführt, da er unter anderem den Vogelflug analysierte und versuchte, seine Erkenntnisse auf Flugmaschinen zu übertragen. Damit sollte es auch dem Menschen möglich sein zu fliegen.

Bisher hatten die Wissenschaftler dies nicht umsetzen können, und auch die Modelle Da Vincis waren noch nicht flugtauglich. Der Weg war jedoch bereitet. Man forschte weiter auf diesem Gebiet, und die Fluggeräte wurden immer weiter ausgebaut. Auch Otto Lilienthal war fasziniert von der Vorstellung, durch die Luft zu gleiten. Er arbeitete ebenfalls mit dem bionischen Ansatz „der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“. Lilienthal unternahm Tausende von Gleitflügen und schaffte es, mit seinen Flugmodellen bis zu 250 Meter weit zu fliegen. Seine Leidenschaft wurde ihm allerdings zum Verhängnis: Er stürzte 1896 bei einem Gleitflug in die Tiefe. Durch starken Aufwind hatte er die Kontrolle über seine Maschine verloren. Lilienthal starb kurz darauf an den Folgen des Sturzes.

Auch moderne Flugzeugkonstrukteure nehmen sich den Vogel zum Beispiel: Im Gleitflug spreizt der Adler seine Flügelspitzen nach außen. Dadurch entstehen an den Flügelspitzen viele kleine Luftwirbel, die den Flug weniger stören. Die Flugzeuge liegen heutzutage durch die hoch gestellten Spitzen an den Flügelenden sicherer in der Luft und verbrauchen weniger Kraftstoff.

Noch ein Tier gab den Konstrukteuren einen entscheidenden Hinweis, auch wenn es sich nicht in den Lüften bewegt: der Hai. Der schnell schwimmende Meeresbewohner hat mikroskopisch feine, in Strömungsrichtung verlaufende Rillen in seiner Haut. Die Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt stellten nach dem Vorbild der Haifischhaut eine Folie her, mit der die Oberfläche moderner Flugzeuge ausgestattet wird. Bis zu drei Prozent des sehr teuren und umweltschädlichen Flugzeugtreibstoffs Kerosin können so eingespart werden. […]

(https://www.helles-koepfchen.de/artikel/1934.html)

(http://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/316034_so_04.pdf gekürzt, mit Lösung)

Aufgabenstellung:

Fasse den Text kurz zusammen. Formuliere einen einleitenden Satz, in dem du den Text identifizierst.

Textzusammenfassung (http://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/316034_so_04.pdf)

In ihrem Text „Die Wissenschaft der Bionik – Die Natur als Vorbild der Technik“, den Carola Beck im Internet-Wissensportal „Helles Köpfchen“ veröffentlichte, informiert die Autorin über die Vorbilder der Natur für den Bau von Flugzeugen.

Bereits im 15. Jahrhundert untersuchte da Vinci das Flugverhalten von Vögeln und versuchte, erste Flugmaschinen zu bauen. Auch der deutsche Forscher Otto Lilienthal entwickelte Flugmodelle, mit denen er bis zu 250 Meter weit gleiten konnte.

Noch heute nehmen sich Forscher die Natur zum Vorbild, um die Flugeigenschaften von Flugzeugen zu verbessern. So konstruieren die Forscher die Flügel vieler Flugzeuge wie Adlerflügel, um einen möglichst sicheren Flug zu ermöglichen. Der Mensch kann sich also auch heute noch die Natur als Vorbild nehmen, um neue oder verbesserte Techniken zu entwickeln.

Meine Lösung

In ihrem Beitrag „Die Wissenschaft der Bionik“ für das Internetportal „Helles Köpfchen“ von 2010 berichtet Carola Beck über Versuche von Menschen, ihren Wunsch, fliegen zu können, zu verwirklichen, indem sie von Vorbildern in der Natur lernen.

Leonardo da Vinci habe den Flügelschlag der Vögel mit seinen „Schlagflügeln“ kopiert. Otto Lilienthal habe sich ebenfalls am Vogelflug orientiert und bis 250 Meter gleiten können. Moderne Konstrukteure hätten in Anlehnung an den Bau von Adlerflügeln die Flügel von Flugzeugen mit hoch gestellten Spitzen ausgestattet; die Oberfläche von Flugzeugen sei heute wie die Haut des Hais mit feinen Längsrillen ausgestattet.

Alternative für den zweiten Absatz (als direkte Fortsetzung des 1. Satzes):

Sie zeigt an vier Beispielen, wie die Menschen im Lauf von Jahrhunderten nach anfänglichen Misserfolgen das Fliegen mit Flugzeugen gelernt und verbessert haben.

Diskussion

  • Da es sich um einen Textauszug handelt, endet meine Zusammenfassung abrupt. Der letzte Satz bei Klett hat nichts mit Becks Text zu tun, er rundet nur die eigene Zusammenfassung ab.
  • Man kann streiten, ob der 2. Absatz bei mir zu sehr in die Einzelheiten geht (→ Alternative).
  • Bei der Textzusammenfassung im Klettbuch (http://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/316034_so_04.pdf) stört der Übergang vom einleitenden Satz („informiert die Autorin“) zur inhaltlichen Zusammenfassung im Indikativ; der Bericht über das sprachliche Handeln („informiert“) muss vom Referat des Inhalts abgegrenzt werden (Konjunktiv I, indirekte Rede).
  • Die zeitliche Gliederung des Textes wird in beiden Lösungen deutlich, wenn auch unterschiedlich markiert.
  • Meine Zusammenfassung (7 bzw. 4 Zeilen) ist deutlich kürzer als die von Klett (9 Zeilen für 23 Zeilen Text). Als Zusammenfassung ziehe ich meine Lösung mit der Alternative vor (4 Zeilen), die Klett-Lösung schwankt zwischen Zusammenfassung und Nacherzählung.

  • Textsorte: informierend, historisch gegliedert (evtl. auch sachlich: anfängliche Misserfolge / spätere Erfolge)

Zusammenfassung des Unterrichts, Übersicht – ein Beispiel

In meinem Philosophieunterricht habe ich selber dreimal pro Halbjahr eine Zusammenfassung gemacht – einmal für mich selber, damit ich später bei der Formulierung der Abituraufgaben wusste, was wir „gemacht“ hatten, dann für die Schüler, damit diese beim Abitur nicht nur eine Loseblatt-Sammlung von Arbeitsblättern vor sich hatten, sondern auch eine Übersicht über den Gedankengang, den wir gemeinsam absolviert hatten. Ich stelle als Beispiel eine solche Zusammenfassung aus dem Schuljahr 1994/95 vor; ich denke, dass das Zusammenfassen eine gute Idee und Praxis war.

1. Zusammenfassung Pl 12.1, 1994/95: Ethik

Die Ethik ist mit der Frage befasst, was wir tun sollen. – Zur ersten Unterscheidung des moralisch Guten (was man tun soll) haben wir auf das gesetzlich Vorgeschriebene und das von der Sitte Geforderte zurückgegriffen. Es folgten einige Versuche, den Begriff des sittlich Guten zu demontieren:

1. Wilhelm E. Mühlmann: Überprägnante Modelle (aus dem Aufsatz: Der Mensch als Kulturwesen. In: Homo Creator, Wiesbaden 1962), begreift die moralischen Normen als Sonderfall der überprägnanten Symbole; diesem Charakter entspräche es, dass sie nicht ganz wörtlich zu nehmen wären, sondern eigentlich nur eine Tendenz des geforderten Handelns bezeichneten. Wir haben am Verbot des Lügens (am Gebot, wahrhaftig zu sprechen) diskutiert, ob Mühlmann recht hat.

2. David Hume: Über die Prinzipien der Moral (Nr. 11), sieht das Moment des öffentlichen Nutzens als Kern der moralischen Forderungen. Hume argumentiert unscharf. Wir haben versucht zu präzisieren, was Hume sagt und was überhaupt Gegenstand der moralischen Beurteilung ist: das Ziel eines handelnden Menschen – die einzelne Handlung – die Handlungsweise (das Prinzip des Handelns: einem Bettler helfen z.B.) – Folgen der Handlung? oder der Mensch selbst in seinem „Kern“ (Herzen)?

3. Friedrich Nietzsche: Zur Genealogie der Moral (Nr. 13). Nietzsche fragt, woher überhaupt die Unterscheidung „gut – böse“ stammt, welchen Wert sie hat. Er lehnt jede moralische Beurteilung des Handelns ab, da es keinen Täter „hinter“ dem Tun gebe, da der Starke nur stark sein könne…

In der Erörterung haben wir v.a. die Wahl des Beispiels (Lämmer – Adler) und die These vom täterlosen Tun diskutiert.

— Es wurden AB zur Textanalyse und zur Erörterung besprochen und der Aufsatz „Die Strategie der Kopfarbeit“ von V. Ladenthin verteilt – zum Lesen.

— Aufgrund unserer Gespräche ist der folgende Unterricht so geplant, dass jetzt die Konzeption des moralisch Guten als des für alle, des an sich Guten besprochen werden soll nebst Kants Versuch, ein oberstes Kriterium für alle moralisch richtigen Sätze (Forderungen, Grundsätze) zu finden; danach steht Georg Simmels Versuch, ein individuelles Gesetz zu denken, zur Diskussion.

Spaemann, Robert: Moralische Grundbegriffe. München 1982, unterscheidet das moralisch Gute von dem für mich oder zu etwas Guten und sagt, dass der moralische Gesichtspunkt „die richtige, die wirklichkeitsgemäße Ordnung der Sachgesichtspunkte“ ist (S. 89), also nicht irgendwie zu den sachlichen Überlegungen hinzukommt (unser Beispiel: der gute Lehrer), und dass letztlich der Mensch, nicht eine Handlung o.ä. gut ist. (Ähnlich R. Ginters: Werte und Normen, 1982, Kap. V: Der moralische Standpunkt ist der der Unparteilichkeit. Moralische Urteile müssen universal sein, können also nie für den Einzelfall gelten. Moral beginnt bei der Feindesliebe. Sittlich sein hängt nur vom eigenen guten Willen ab, so unparteiisch zu lieben.)       17.09.94

2. Zusammenfassung Pl 12.1 – 94/95 (Ethik)

Einführung in Kants Schrift: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten

Voraussetzung: Nach Kant ist nur ein guter Wille ohne Einschränkung gut. Daher untersucht er verschiedene Grundsätze und Imperative des Willens. Moral könne es nur für vernünftige Wesen (bzw. für uns insofern, als wir vernünftig sind) geben.

Tabelle: Übersicht über die drei möglichen Arten von Imperativen. Analyse des Textes BA 48-52. Fragen zu Kant:

– Woher kommen (stammen) die Gebote?

– Was leisten Kants weitere Formeln des kategorischen Imperativs?

– Was ergibt sich aus den Beispielen, in denen er den kategorischen Imperativ als Kriterium der Moralität vorführt?

1. Klausur: Über das Vergeben und das Versprechen (H. Arendt); Arendt geht im Gegensatz zu Kant davon aus, dass fehlbare Menschen mit einem unruhigen Herzen Hinweise brauchen, wie sie handeln sollen.

Wir haben dann noch die dritte Formel des kategorischen Imperativs und Kants zweites Beispiel (Darf ich mir Geld borgen…) diskutiert.

Thema: L i e b e

Peter Weiss: Fluchtpunkt (es 125), S. 180-186, vorgelesen; gegen die Skepsis, man könne nicht allgemein über Liebe sprechen, habe ich die potentiell befreiende Leistung begrifflichen Denkens verteidigt: Es löst mich aus letzter Gefühlichkeit (und damit Verantwortung/Schuld für alles Gescheiterte) heraus und zeigt, was daran Fall, fallhaft, gesetzmäßig ablaufendes Geschehen ist.

Rede des Aristophanes aus Platons „Symposion“ (Gastmahl); Begriff des Mythos; Auszüge aus Felix Schottlaender: Des Lebens schöne Mitte (1953),  S. 18-51: Arten der Liebe; Bedeutung der Übertragung; Ich-Ideal; Verzicht auf die Projektion des Seelenbildes… Im Anschluss an Schottlaender haben wir besprochen, ob Jugendliche in diese „späten“ Stadien der Liebe kommen können, ob die Erwachsenen ihnen zu viel reinreden (und ihnen eigene Erfahrungen präsentieren), ob die allgemeinen Lebenserfahrungen den Einzelfall treffen können.

Der Aufsatz von H. Schlodder sollte zeigen, wie die begriffliche Sprache (über „Beziehungen“) missbraucht werden kann, wenn sie entweder mit zu hohen Idealen (Ansprüchen an andere und sich) verbunden ist, das Ich mit seinem Gefühl und seiner Verantwortung ausschaltet oder als Waffe verwendet wird.

J.W. Goethe: Warum gabst du uns die tiefen Blicke… (1776).

Der Bericht von C.B. Sucher über Castro (SZ 28.10.94) sollte zeigen, wie die Versuche, Identität in totaler (total „authentischer“) Sexualität zu finden oder zu gründen, scheitern.

Literaturhinweise auf Tobias Brocher (1975), H.J. Gamm, Dieter Wyss, Hubert  Fichte (Wolli Indienfahrer, 1978, als Fischer 5425 in 1983 erschienen). – Roland Barthes: Fragmente einer Sprache der Liebe (1984, auch als TB), ist vermutlich zu anspruchsvoll.

Den Schluss bildeten Überlegungen, wie „eros“ unser ganzes Leben bestimmt, nicht nur das primär erotisch-sexuelle Geschehen.

a) Rede des Sokrates in Platons „Symposion“ (199 c ff.): Eros ist eine Beziehung (bzw. Relationsbegriff): Streben nach dem Schönen, nach dem Guten. Eros ist ein „Dämon“ oder ein Dämonisches: die vermittelnde Kraft, jedes Verlangen nach dem Guten, dessen (uns zugängliche) Form das Schaffen und „Zeugen“ ist; Philosophen sind Erotiker des Wissens. – Britta weist auf den verwandten libido-Begriff Sigmund Freuds hin.

b) „Dr. Pausers Werbebewusstsein: Die Brust als Geldsack“ (DIE ZEIT, 1994): In diesem Artikel wird gezeigt, welche Bedeutung das Geld (und die es vermittelnden Versicherungen – ergänze: und Banken) als vermittelndes (erotisches!) Medium heute hat (haben): Brust als Geldsack als Brust…

Schlussgedicht von Theodor Storm: Im Herbste.         19.11.94

3. Zusammenfassung Pl 12.1 – 94/95 (Ethik)

Das letzte Thema des 1. Halbjahrs (1994/95) war  V e r a n t w o r t u n g .

Z. Baumann: Wir sind wie Landstreicher (AB): Versuch einer Analyse des modernen Bewusstseins; gedacht als Folie, vor der man fragen kann: Wofür sind wir bzw. bin ich verantwortlich? Darauf haben wir „für Schwächere und für sich selbst“ geantwortet; haben gesehen, dass Verantwortung an Fähigkeiten gebunden ist; haben gefragt, woher denn Verantwortung uns zukommt.

M. Riedel: Freiheit und Verantwortung (AB), untersucht,

– wofür wir verantwortlich sind,

– dass Verantwortung in den Institutionen des Zusammenlebens gründet,

– dass ihr „letzter“ Grund in der (Notwendigkeit der) Kommunikation liegt,

– dass Verantwortung zu haben bedeutet: frei zu sein.

H. Jonas: Das Prinzip Verantwortung (AB), unterscheidet Verantwortung: für das, was man getan hat – für das, was man tun muss;

hier: rechtlich: für die Folgen des Handelns – moralisch: für die Tat.

Wir haben dann über die Verantwortung des Schülers für seine Leistungen aufgrund der Finanzierung seiner Arbeit durch die Bürger (den Staat) gesprochen; über den Sinn, für den Besuch der Sek. II Schulgeld einzuführen…

Während eine kleine revolutionäre Minderheit sich in der 2. Klausur mit dem Verständnis von Treue auseinandersetzte (E.H. Erikson vs. Schottlaender), untersuchte die Mehrheit den Unterschied zwischen Liebespaar(-Beziehung) und Ehe anhand zweier AB von R. König.

Diese Gegenüberstellung sollte zum einen unsere Überlegungen zur Liebe abrunden, zum anderen in dieser Unterscheidung die Frage nach der Verantwortung verdeutlichen. Verantwortung gibt es nach König in der  G r u p p e ; Gemeinschaft  sei (als Ausdruck innerer Verbundenheit) kein hinreichendes Medium sozialer Bindungen.

Max Weber: Politik als Beruf (Text VI.2.4 in „Gewalt-Recht-Freiheit“ = GRF) bietet mit einer Unterscheidung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik den Abschluss des Themas und die Überleitung zur Politischen Philosophie (12.2).

Weber unterscheidet das geplante Ziel des Handelns von seinen tatsächlichen  Folgen; den Zweck von den Mitteln des Handelns (und bestimmt als Mittel des politischen Handelns die Macht, die sich auf Gewaltandrohung und –anwendung stützt); den Führer mit seinen Zielen vom Gefolge mit seinen eigenen Absichten; die reine Absicht und die faktisch notwendigen Kompromisse beim Handeln, was er gerade anhand von Beispielen aus der Religionsgeschichte als notwendig zu erklären sucht. – Dazu gab es einen Test.

Wir haben uns gefragt, ob der Zweck die Mittel heiligt, und was mit dieser Frage gemeint ist, wenn man den Satz nicht zur zynischen Rechtfertigung jeder Missetat missbrauchen will. – Erst dann, wenn man das bloße momentane Handeln überschreitet (nach vorheriger Absicht – späterem Erfolg) und mit dem Begriff der Mittel auch „die Kosten“ diskutabel macht, ist eine sinnvolle Erörterung (Politik: alternative Wege für gleiche Ziele suchen und über primäre Ziele streiten) und moralische Bewertung von Handlungen möglich.

Das  G e f a n g e n e n d i l e m m a  (AB Sainsbury) war das letzte Thema dieses Halbjahrs. Nach der Diskussion, was der isolierte Gefangene denn tun sollte im Sinn einer vernünftigen Entscheidung, haben wir die Vernunft-Konzeption des Dilemmas untersucht und kritisiert (im Sinn einer menschlichen Solidarität: Kategorischer Imperativ) und dann gefragt, wie man diese richtige, wenn auch stets gefährdete humane Vernunft in ihrem Wirken sichern kann: Verfassung des Zusammenlebens. – Mir ist übrigens aufgefallen, wie Ihr bei der Diskussion Solidarität immer wieder mit der Frage verbunden habt, ob die beiden sich kennen.

Vielen Dank für die Zusammenarbeit! Tn