Übungsdiktate Klasse 7

Diese Diktate, vor einigen Jahren entstanden und teilweise in meinem Unterricht am Gymnasium erprobt, stehen unter der Idee, dass man sich beim Training der Rechtschreibung nicht an den Regeln der Rechtschreibung, sondern an realen Texten orientieren sollte. – Im Gymnasium NRW wurden in Klasse 7 nicht mehr Diktate als Klassenarbeiten geschrieben, daher fehlen solche hier. – Zur GEBRAUCHSANLEITUNG siehe https://norberto68.wordpress.com/2012/03/08/das-tagliche-ubungsdiktat-idee-gebrauchsanleitung/

Diktate für Kl. 7  (Übungsdiktate für Klasse 8-10 findet man in meinem alten Blog http.//norberto42.kulando.de, dort in der Kategorie „Übungsdiktate“. Da ich tatsächlich die Übungsdiktate (beinahe) täglich in Kl. 5-7 geschrieben habe, habe ich selber ab Kl. 8 auf diese Übung verzichtet.)
Ach, wie reizend! (Sinneswahrnehmungen: Reize)
Balladen;
Die deutsche Flagge;
Jugendliche als Verbrecher?
Reportagen – selber mittendrin;
Gleichberechtigung;
Sind Sekten gefährlich?
Die Bibliothek;
Das Auto als Verkehrsmittel;
Grundsätzliches zur Arbeit in der Schule;
Erwachsen werden;
Die Zeitstufen des Verbs

Ach, wie reizend! (Sinneswahrnehmungen)
1 Woher wissen wir, was in der Welt geschieht? Andere Menschen erzählen uns, was sie erlebt haben; es gibt Zeitungen und Bücher, das Fernsehen und das Internet. Das sind Informationsquellen, hinter denen fremde Menschen stehen.
2 Aber jeder Einzelne kann auch selber etwas von dem wahrnehmen, was in der Welt geschieht: Wir sehen, wer uns entgegenkommt; wir hören, dass im Nachbarhaus ein Hund bellt; wir fühlen, ob ein Stein in der Sonne warm oder kalt ist; wir haben Sinnesorgane.
3 Unsere Sinnesorgane sind die Augen, die Ohren, die Nase, die Zunge und die Haut; mit ihnen nehmen wir unsere Umgebung wahr. Wenn man als Wissenschaftler diese Organe betrachtet, sagt man: Wir empfangen mit ihnen Reize, die wir verarbeiten.
4 Das Wort „Reiz“ ist vom Verb „reizen“ abgeleitet. Was uns reizt, treibt uns zu etwas an; es lockt uns, es regt uns an. Das Verb kann auch ausdrücken, dass uns etwas erregt oder ärgert; das ist der Fall, wenn der Reiz zu stark für uns ist.
5 Wozu sprechen die Wissenschaftler nun von Reizen statt von Wahrnehmungen? Sie machen mit dem neuen Wort deutlich, dass wir zum Beispiel mit den Augen nicht einfach Bilder von der Welt in uns hereinlassen, sondern selber uns Bilder machen.
6 Auf der Netzhaut unserer Augen werden Bilder erzeugt; aber der Sehnerv überträgt nicht sie, sondern elektrische Impulse, die im Gehirn wieder zu einem Bild umgeformt werden. Wir verarbeiten Reize, um festzustellen, was sie für uns bedeuten.
7 Das kann man an einem Beispiel leicht einsehen: Wenn ein Kind abends über eine Straße geht und hört, dass hinter ihm etwas schlurft, muss es wissen, was das bedeutet. Folgt ihm ein Fremder? Nähert sich ein Freund? Bewegt der Wind eine Zeitung?
8 Das Kind wird sich vermutlich umdrehen; wenn ihm klar geworden ist, ob eine Gefahr droht oder nicht, kann es sich entsprechend verhalten. Alle Lebewesen müssen sich über ihre Umwelt informieren, um Gefahren ausweichen und Chancen ergreifen zu können.
9 Die Wissenschaftler betrachten uns also als bloße Lebewesen, wenn sie von einem Reiz und der Reaktion eines Organismus sprechen. Es gibt aber auch noch einige andere Gründe für diesen wissenschaftlichen Sprachgebrauch.
10 Um eine Reaktion auszulösen, muss der Reiz eine bestimmte Stärke besitzen. Ein Reiz ist zu schwach, wenn er eine Reizschwelle nicht überschreitet; er wird dann von unseren Nerven nicht weitergeleitet, obwohl er vorhanden ist.
11 Außerdem muss zwischen zwei Reizen, etwa zwei Tönen, ein bestimmter zeitlicher Abstand bestehen, damit sie als gesonderte Reize erfasst werden; Töne müssen etwa drei Tausendstelsekunden auseinander liegen, damit sie als zwei Töne gehört werden.
12 Diese beiden Beobachtungen machen deutlich, warum man als Wissenschaftler nicht einfach von Wahrnehmungen spricht, sondern von Reiz und Reaktion; der Organismus macht nämlich unmerklich aus den Reizen der Umwelt ein Bild von der Welt.
13 Wie der Organismus das nun macht, wie die Organe gebaut sind, wie Reize weitergeleitet werden, wie sie verarbeitet und aufgrund von Erfahrung oder von angeborenen Verstehensmustern gedeutet werden, das untersuchen die Biologen und Psychologen.
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Ausflug in die Sprachgeschichte:
„Reiz“ ist im 18. Jahrhundert vom Verb „reizen“ abgeleitet worden. Dieses Verb stammt seinerseits von „reißen“ ab, was ursprünglich „einen Einschnitt machen“ bedeutet hat. Althochdeutsch hieß dieses Verb ‚rizan‘, und da die Germanen Runen in Holz ritzten, hat das englische Wort (write) die Bedeutung „schreiben“.
Das Verhältnis zwischen „reißen“ und „reizen“ ist sprachlich das gleiche wie zwischen „trinken“ und „tränken“. Das abgeleitete zweite Verb wird Veranlassungswort (Kausativ) genannt; tränken = jemand zu trinken veranlassen; reizen = jemand zu reißen veranlassen.
Die Verwandtschaft der Verben „reizen“ und „reißen“ wird im normalen Sprachgefühl heute nicht mehr verspürt; nur historische Forschung deckt die Verbindung auf.

Balladen
1 Balladen sind eine bestimmte Art von Gedichten, die sich über Jahrhunderte aus französischen Tanzliedern entwickelt hat; heute versteht man darunter Gedichte, in denen in der Regel spannende Ereignisse erzählt werden.
2 Für Leser sind solche Gedichte interessant, wenn man nicht weiß, wie das erzählte Geschehen ausgeht; meistens gibt es nach der Gefährdung des Helden eine Rettung („Der Knabe im Moor“), aber es gibt auch seinen Untergang („Erlkönig“).
3 Als Helden bezeichnen wir hier die wichtigste Person, auch wenn sie keine Heldentaten vollbringt; mit einem Fachbegriff kann man sie den Protagonisten nennen. Wir kennen bisher zwei Erzählschemata: Gefahr und Rettung; Gefahr und Untergang.
4 Es gibt auch andere Erzählschemata, etwa das von „Verbrechen und Strafe“ („Die Vergeltung“); im ersten Teil der Ballade wird erzählt, wie der Passagier einen Kranken ermordet; im zweiten Teil wird angedeutet, wie er selber zur Vergeltung gehängt wird.
5 In dieser Ballade zweifelt der Passagier, als er mit den Seeräubern aufgehängt werden soll, an der Gerechtigkeit Gottes; denn er ist ja kein Seeräuber. Aber der Leser erkennt, dass Gott doch gerecht ist; denn ein Balken des Galgens ist der, von dem der Kranke fortgerissen worden war: „Batavia 510“.
6 Mit dieser Erzählung soll vermutlich dem Leser beispielhaft gezeigt werden, dass Gott gerecht ist, auch wenn man das nicht immer merkt; der Leser kann also durch den Erzähler in eine bestimmte Richtung gewiesen, sein Verständnis kann gelenkt werden.
7 Das ist auch bei der Ballade „Die Bürgschaft“ von Schiller der Fall. Da gibt es zunächst das Erzählschema von Behinderung und Gelingen: Viele Hindernisse türmen sich auf, aber der unerschrockene Freund kann sie mit Heldenmut und Glück überwinden.
8 Mit seiner freiwilligen Rückkehr vollbringt er aus Freundschaft eine unglaubliche Heldentat; er und sein Freund bekunden „Schmerzen und Freude“; auch die Leute, die das sehen, sind ergriffen; selbst der König ist gerührt, sein böses Herz „bezwungen“.
9 Der König spricht dann klar aus, was auch der Leser erkennen soll: „Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn“; zwischen einer so deutlichen Äußerung und dem verhaltenen Hinweis in „Die Vergeltung“ kann der Versuch, den Leser zu lenken, pendeln.
10 Um die Spannung zu steigern, kann der Erzähler zeigen, wie die Zeit vergeht; so muss der Freund bis zum Abend in Syrakus ankommen – und die Stunden verstreichen, wobei sich immer wieder Hindernisse vor ihm auftun, während die Sonne sinkt.
11 Auch das personale Erzählen – man kann unmerklich am Erleben des Helden teilnehmen – dient wie die Wiedergabe wörtlicher Rede dazu, den Leser das Geschehen miterleben zu lassen, also Spannung zu erzeugen; Vergleiche und Personifizierungen können ebenfalls dazu genutzt werden. [Stilmittel]
12 Ebenso können die Elemente des erzählten Geschehens zur Spannung beitragen: alle Arten von Gefahr, vor allem Lebensgefahr; alle unerklärlichen Vorgänge, dazu geisterhafte Gestalten; was im Dunkeln oder im Gewitter sich ereignet, was man nur hört, ist geheimnisvoll.
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Unterscheide den auktorialen Erzähler vom Ich-Erzähler, dazu personales Erzählen; personales Erzählen: kein Verb des Sagens; besonderer Stil desErzählens, welcher subjektives Erleben bezeugt: Fragen, unvollständigeSätze, Verb oft im Infinitv, Modalwörter wie „hoffentlich, endlich,wohl“ oder das Indefinitpronomen „man“;
Formen der Rede- und Gedankenwiedergabe: wörtliche Rede (Verb des Sagens, Doppelpunkt, Anführungszeichen); indirekte Rede (Verb das Sagens plus Konjunktiv).

Die deutsche Flagge
1 Die Flagge der Bundesrepublik Deutschland zeigt die Farben Schwarz, Rot, Gold als Querbalken. Diese Flagge ist im 19. Jahrhundert entstanden, hat aber eine lange Vorgeschichte, die bis in die Zeit des Römischen Reiches zurückgeht.
2 Ein Adler war das Symbol des römischen Weltreiches und seiner Macht. Als Karl der Große, der König des Frankenreiches, im Jahr 800 vom Papst zum Kaiser von Rom gesalbt wurde, übernahm er auch den römischen Adler als Wappentier.
3 Im Lauf der Zeit wurde die Vorstellung von Deutschland mit dem Bild des Adlers verbunden; er wurde schwarz in einem Schild mit der kaiserlichen Farbe Gold dargestellt. Seit dem 14. Jahrhundert wurden die Fänge und der Schnabel rot gemalt.
4 Als das Heilige Römische Reich Deutscher Nation kurz nach 1800 unterging, verschwand sein Adler und wurde zum Wappentier von Österreich. Erst im Jahr 1919 legte der Reichspräsident Ebert eine schlichte Form des Adlerwappens für Deutschland fest.
5 Diesen dreifarbigen Adler bestätigte Bundespräsident Heuss im Jahr 1950. Er ist schwarz, hat einen roten Schnabel und ebensolche Krallen und steht in einem goldenen beziehungsweise gelben Feld.
6 Die dreifarbigen Flaggen ohne Wappentiere sind im Gefolge der Französischen Revolution als Fahnen für republikanische Staaten aufgekommen. Die deutsche Flagge mit ihren drei Farben ist zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden.
7 Es gab ab 1816 eine Studentenverbindung, die eine rot-schwarz-rot gestreifte Fahne mit einem goldenen Eichenzweig führte. Diese Fahne erhielt eine symbolische Bedeutung, als die revolutionären Studenten im Jahr 1818 Nationalfarben suchten.
8 Dabei stießen sie auf Schwarz-Rot-Gold, weil sie diese Farben vom Reichsadler kannten und sie für die Farben des alten Reiches hielten. In den folgenden Jahrzehnten verbanden viele freiheitsliebende Bürger ihre Hoffnungen mit diesen Farben.
9 Die Frankfurter Nationalversammlung bestimmte dann im Jahr 1848 Schwarz-Rot-Gelb in waagrechten Bahnen zur Handels- und Nationalflagge. Die Revolution von 1848 scheiterte jedoch und mit ihr verschwand auch ihre Flagge.
10 In der Weimarer Republik wurde Schwarz-Rot-Gold dann als Nationalflagge eingeführt. Im Jahr 1933 wurde diese Flagge sofort von Hitler verboten und durch die Hakenkreuzfahne ersetzt; er konnte keine Fahne mit demokratischer Tradition brauchen.
11 Die alte demokratische Flagge Schwarz-Rot-Gold wurde 1949 als Bundesflagge eingeführt; die DDR übernahm sie auch, verzierte sie jedoch 1959 mit Hammer und Zirkel als Zeichen des Sozialismus. Heute ist unsere Flagge so wie 1949; das Gold wird oft durch Gelb ersetzt.
12 Seit der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 ist die Flagge der Bundesrepublik Deutschland wieder Schwarz-Rot-Gold ohne weitere Zugaben. Das Gold wird dabei durch Gelb ersetzt, wie es bei Wappen seit je üblich ist.
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* Als eine falsche Auffassung ist die Meinung anzusehen, die drei Farben der Flagge seien aus den Farben des Freikorps Lützow hervorgegangen. Das war eine Gruppe von Freiwilligen, die 1813 bis 1815 gegen Napoleon und die Franzosen kämpfte.


Jugendliche als Verbrecher?

1 Dass Jugendliche Gesetze übertreten, dass sie vom geforderten normalen Verhalten abweichen, dass sie sich im Straßenverkehr rücksichtslos bewegen oder andere belästigen, fasst man unter dem Begriff der Jugendkriminalität zusammen.
2 Jugend ist die Zeit im Leben, in der man sich auf das Leben als Frau oder Mann vorbereitet. Die Erwachsenen möchten, dass die Jugendlichen so leben, wie sie selber es für gut und richtig halten; die Jugendlichen sollen sich ihnen anpassen.
3 Die Jugendlichen möchten schon wie Erwachsene auftreten, auch wenn sie noch nicht 18 Jahre alt sind oder weniger Geld haben; sie möchten sich vor allem nichts vorschreiben lassen, sondern ihren eigenen Lebensstil finden.
4 So ist es also in einer Hinsicht verständlich, dass Jugendliche sich anders verhalten, als es von ihnen erwartet wird. Sie experimentieren mit ihrem Leben und übertreten dabei manchmal Grenzen, die man besser einhalten sollte.
5 Viele Jugendliche kommen nur einmal in ihrem Leben mit den Gesetzen in Konflikt; die Jugendrichter pflegen sie deshalb auch nicht hart zu bestrafen, wenn jene einsehen, dass sie etwas falsch gemacht haben.
6 Einige Jugendliche begehen aber nicht nur eine, sondern viele Straftaten: Sie stehlen in Geschäften Waren, berauben andere oder schlagen sie zusammen, wenn sie sich provoziert fühlen. Häufig werden Gewalttaten von mehreren gemeinsam verübt.
7 Wenn Menschen in Gruppen auftreten, handeln sie oft anders, als wenn man sie allein trifft; das gilt übrigens für Erwachsene im gleichen Maß wie für Jugendliche: Man fühlt sich stärker, zeigt weniger Hemmungen und ist nicht (allein) verantwortlich.
8 Insgesamt muss man feststellen, dass in den letzten Jahrzehnten von Jugendlichen zunehmend mehr Straftaten als früher begangen worden sind. Das Bild der Jugendlichen wird aber auch dadurch geprägt, dass die Medien gern über Straftaten berichten.
9 Wenn man zu verstehen versucht, warum die Jugendlichen heute mehr Straftaten als früher begehen, muss man viele Aspekte berücksichtigen; außerdem ist es so, dass man nie genau weiß, ob man die richtige Erklärung gefunden hat.
10 Für den einzelnen Jugendlichen gilt Folgendes: Wenn er als Kind wenig beachtet oder misshandelt worden ist, wird er leichter mit dem Gesetz in Konflikt kommen, als wenn er aus einer Familie stammt, in der alle sich verstehen.
11 Das Gleiche gilt für einen Jugendlichen, der in der Schule keine Erfolge erringt, oder für jemand, der keine Lehrstelle findet oder keinen Arbeitsplatz bekommt. Kinder armer Leute sind eher gefährdet also solche von wohlhabenden Eltern.
12 Damit ist auch schon klar, dass Kinder von Ausländern stärker gefährdet sind, die Gesetze zu übertreten, als Kinder von Deutschen; sie haben in der Schule und dann auf dem Arbeitsmarkt meistens schlechtere Chancen als ihre Altersgenossen.
13 Der letzte Gesichtspunkt zeigt besonders deutlich, wie gesellschaftliche Gründe für Jugendkriminalität zu beachten sind; es gibt soziale Entwicklungen, die über den Einzelnen einfach hinweggehen, aber ihn mit ihren Auswirkungen treffen.
14 Zu solchen gesellschaftlichen Veränderungen gehört auch, dass die Erwachsenen heute selber Probleme damit haben, welche Normen und Werte sie anerkennen wollen; sie leben jedenfalls anders als ihre Eltern und Großeltern.
15 Dass die Menschen häufiger umziehen, statt zeitlebens im Heimatort zu bleiben, oder dass immer mehr Menschen in Großstädten oder in Wohnfabriken leben, wirkt sich ebenfalls negativ aus: Man kennt die Nachbarn kaum und fühlt sich ihnen nicht verbunden.
16 Vielleicht sollte man auch bedenken, dass in den Medien gern rücksichtsloses Prügeln und Töten gezeigt und ein wildes Leben verherrlicht wird. Wer kann dann Lust bekommen, normal zu leben und seine Pflichten im Alltag zu erfüllen?

Reportagen – selber mittendrin
1 Wenn man Zeitung liest oder Fernsehen guckt, schaut man auf bedrucktes Papier oder auf eine Glasscheibe; das vergisst man zwar, aber man weiß es eigentlich doch. Die Medien sind etwas, das zwischen uns und der Wirklichkeit steht.
2 Es gibt verschiedene Möglichkeiten, uns den Eindruck zu vermitteln, wir nähmen selber direkt am Geschehen teil: Wenn bunte Bilder flott aufgemacht sind, wenn Szenen schnell und hart geschnitten sind, ist man selber mittendrin.
3 Eine Form, in der besonders lebendig berichtet wird, ist die Reportage. Bereits ihre Überschrift ist ein bisschen undeutlich und zwingt oder lockt uns, genauer hinzuschauen: „Die Freiheit riecht nach Currywurst“ – wie geht das zu?
4 Diese Schlagzeile hat eine kleine Überschrift: „Imbissbuden in Brandenburg, ein deutsches Milieu: Fritten, die Vertrauen schaffen“. Jetzt ahnt man, worum es geht: Im Bundesland Brandenburg gibt es Frittenbuden wie überall, dazu kommt Vertrauen.
5 Der Untertitel deutet ein Problem an: „Sie lieben es billig, fett und schnell, doch Bonn will den Kunden der Bratstationen an den ostdeutschen Autobahnen ihr Seelenfutter wegnehmen.“ Die Politiker in Bonn wollen also etwas ändern, was den Leuten lieb ist.
6 Was mindestens so stark wie die Überschrift auffällt, ist ein großes Foto: Im Vordergrund ein Mann, im Hintergrund Tische mit Gästen und einige Lastzüge. Man versteht das Bild nicht aus sich, sondern nur aus dem Zusammenhang mit dem Artikel.
7 Aus der Bildunterschrift erfährt man, dass hier Dieter Neumann von „Neumanns Schlemmerwagen“ bei Kilometer 113 an der Autobahn Berlin-Dresden zu sehen ist. Aber wieso ist er eine interessante Persönlichkeit? Wer kennt Dieter Neumann?
8 Damit sind wir auf ein wichtiges Prinzip der Reportage gestoßen: Es werden ganz normale unbekannte Menschen vorgestellt, deren Leben für ein Problem aufschlussreich oder typisch ist. An konkreten Menschen werden allgemeine Probleme anschaulich.
9 „Früh um sieben. Es herrscht dieses diffuse Morgenlicht, das die Gegenstände aus dem Schwarz herauslöst, ihnen aber noch keine Farbe gibt. Man erkennt den Transporter kaum. Eine Gestalt hantiert an ihm herum; ein Mann augenscheinlich.“
10 Mit diesen Sätzen beginnt die Reportage über die Brandenburger Frittenbuden. Es wird ein Eindruck geschildert, den der Reporter gehabt hat und den man selber hätte haben können, wenn man dabei gewesen wäre; solche Eindrücke vermittelt eine Reportage.
11 Es werden dann weitere Menschen ohne lange Einführung vorgestellt: Frau Uschi ist Neumanns Assistentin, Hans-Reinhard Reuter der Chef des brandenburgischen Autobahnamtes; der Ralf, Herr Berg und ein Pressesprecher tauchen ebenfalls auf.
12 Wichtig ist, dass diese Menschen selber zu Wort kommen. Die wörtliche Rede ist ein wesentlicher Bestandteil von Reportagen; meistens sind es nur kurze Äußerungen, die mitgeteilt werden, Anklagen oder grundsätzliche Aussagen.
13 Manchmal werden auch geschliffene Einsichten übermittelt. Herr Neumann erklärt dem Reporter, was es heißt, selbständig [= selbstständig] zu arbeiten: „Ganz klar: selbst arbeiten und ständig arbeiten.“ Damit hat er seine Situation im Wortspiel witzig beschrieben.
14 In der Form von Episoden werden die Lebensgeschichte von Herrn Neumann, die Pläne der Politiker und die Hintergründe des Problems vorgestellt: Warum will man Frittenbuden auf Parkplätzen an der Autobahn in Ostdeutschland verbieten?
15 Und es wird auch klargemacht, was es für alle Beteiligten bedeutet, für die Fernfahrer und die Budenbesitzer, wenn die Politiker ihre Pläne verwirklichen. Der Leser versteht es, weil er am Leben und Erleben normaler Menschen hat teilnehmen kann.
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Was lässt die Überschrift einer Reportage erwarten?
1 M – eine Stadt jagt den Betrüger
2 Dribbeln um den Stammeskrieg
3 Der Wechsel vom Polo zum Pony
4 Die Verschwörung der Verzweifelten
Ordne diesen Überschriften folgende (Ober- bzw.) Untertitel zu:
a Welche Lehren einer der umstrittensten Konzernchefs Deutschlands aus vier Jahren voller Affären, Anfeindungen und Prozessen gezogen hat
b Ein deutscher Trainer aus Dortmund führt Kenias Fussball-Nationalmannschaft – mit der Autorität der weißen Haut leistet er unverhoffte Entwicklungshilfe
c Belgrad: Die Studenten wollen jetzt Milosevic stürzen
d Wie sich der bürgerliche Widerstand gegen die Nuklear-Lagerstätte organisiert, und warum auch die friedlichsten Gegner an die Grenzen der Geduld geraten

Gleichberechtigung
1 Dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind, erscheint uns selbstverständlich; trotzdem lachen wir über Blondinenwitze und die Redewendung „Frau am Steuer“ besagt, dass man von einer Frau kein vernünftiges Autofahren erwarten kann.
2 Seit über 100 Jahren wird dafür gekämpft, dass die Frauen den Männern gleichberechtigt sind. Im Jahr 1891 traten die Sozialdemokraten als erste dafür ein, dass auch die Frauen das Wahlrecht erhielten; 1918 wurde dieses Recht in Deutschland eingeführt.
3 Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland heißt es in Artikel 3: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Niemand darf wegen seines Geschlechts (…) benachteiligt oder bevorzugt werden.“
4 In der Wirklichkeit sieht es auch heute noch anders aus. 1995 verdienten männliche Angestellte monatlich im Durchschnitt 6200 D-Mark, weibliche dagegen 4200; Rentner bekamen 1996 durchschnittlich im Monat etwa 1800 Mark, Rentnerinnen nur 1000 Mark.
5 Für solche Unterschiede gibt es viele Gründe: Frauen arbeiten weniger Stunden pro Woche im Beruf; sie sind in Leistungsgruppen eingestellt, wo weniger bezahlt wird; sie üben Tätigkeiten aus, bei denen es keine Zuschläge gibt.
6 Dadurch dass sie sich normalerweise um die Erziehung der Kinder kümmern, können sie auch nicht in gleicher Weise die Karriere im Blick haben wie Männer. Bei Ministern, Chefärzten oder Professoren gibt es deshalb wesentlich mehr Männer als Frauen.
7 Diese Unterschiede sind in der Geschichte Europas entstanden, das heißt, von Menschen gemacht worden: Da nur Frauen Kinder bekommen, wurde ihnen die Erziehung und die Hausarbeit aufgetragen; in der Öffentlichkeit hatten sie nichts zu sagen.
8 Bereits die kleinen Jungen wurden anders als die Mädchen erzogen: Sie durften wilder sein, brauchten kaum im Haushalt zu helfen und spielten mit Waffen und Baukästen; Mädchen spielten mit Puppen und lasen Mädchenbuecher.
9 In der Ausbildung wurden die Unterschiede festgeschrieben: Jungen hatten eine bessere Schul- und Berufsausbildung. Noch um 1900 gab es kaum Studentinnen, und diese wenigen wurden von vielen Professoren im Allgemeinen nicht ernst genommen.
10 Im Jahr 1994 wurde folgende Bestimmung ins Grundgesetz aufgenommen: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“
11 Zu diesem Zweck wurden in den Ländern und Kommunen Stellen eingerichtet, deren Inhaberinnen sich um die Gleichstellung der Frauen zu kümmern haben; wenn heute Arbeitsplätze angeboten werden, dürfen Frauen nicht benachteiligt sein.
12 Solche und andere Maßnahmen nützen aber nicht viel, wenn nicht grundlegende Bedingungen erfüllt sind: Es muss Kindergarten- und Hortplätze für alle Kinder geben; nach einer Erziehungspause muss man wieder Arbeit finden.
13 Männer und Frauen müssen gemeinsam im Haushalt arbeiten; damit dies möglich ist, müssen sie vielleicht verschiedene Arbeitszeiten haben oder Stellen, an denen sie in Teilzeit arbeiten können. In einer Erziehungspause müsste man sich weiterbilden können.
14 Es genügt also nicht, Gesetze zu machen, in denen die Gleichberechtigung gefordert oder festgelegt wird; in der Gesellschaft müssen wir und die anderen überlegen, wie die Geschlechter zusammen leben und arbeiten können.

Sind Sekten gefährlich?
1 Seit den siebziger Jahren gibt es Unruhe in den Religionen der Welt. Es sind neue Sekten aufgetaucht; vor allem junge Menschen wollten im Bereich dessen, was man Religion nennt, neue Erfahrungen machen und Geborgenheit erleben.
2 Wenn Menschen sich bunt kleiden oder keinen Wert auf eigenen Besitz legen, machen sie sich bei den Normalbürgern verdächtig. „Wie kann man bloß die ganze Freizeit damit verbringen, für seine Weltanschauung zu werben?“, fragen diese.
3 Wenn gar das eigene Kind oder der beste Freund sich von einem abwendet und eine neue Lebensform sucht, erschrickt man; man ist besorgt oder sogar entsetzt. Wie kann ein so netter Mensch auf einmal so komisch werden, denkt man.
4 Man kann sich nur vorstellen, er wäre verführt oder unter Druck gesetzt worden. Daraus ergibt sich dann leicht die Forderung: So etwas müsste man verbieten! Und das meinen auch die Vertreter bestehender Religionen, die auf einmal Konkurrenz bekommen.
5 Das Wort „Sekte“ ist vermutlich im Mittelalter vom lateinischen Wort secta, was etwa „befolgter Grundsatz“ heisst, abgeleitet worden. Die Fremdwörter „konsequent“ (= streng, folgerichtig) oder „Sequenz“ (= eine Abfolge) sind damit verwandt.
6 Das Wort „Sekte“ dient dazu, eine kleine religiöse Gemeinschaft zu bezeichnen; so wird aus der Sicht der großen Gemeinschaft gesprochen, von der sich die kleine absondert. In dem Sinn hat jede Religion einmal als Sekte angefangen.
7 Im Grundgesetz bestimmt der Artikel 4:
„(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte Religionsausuebung wird gewährleistet.“
8 Mit dem Artikel 4 wird also die religiöse Selbstbestimmung des Menschen garantiert. Zu dieser gehört die innere Freiheit, etwas zu glauben oder nicht zu glauben, und die äußere Freiheit, diesen Glauben zu bekennen und dafür zu werben.
9 Die Gewissensfreiheit garantiert das Recht, bei den eigenen Handlungen der inneren Überzeugung zu folgen. Wenn andere Menschen davon berührt werden, darf man seine Überzeugung nur begrenzt ausleben; anderen gegenüber muss man tolerant sein.
10 Auf die letzten Fragen, die ein Mensch sich stellen kann, gibt es nämlich keine beweisbaren Antworten: Wozu lebe ich? Kann ich mit mir selber zufrieden sein? Habe ich auf der Erde eine Aufgabe zu erfüllen? Kann ich einmal getrost sterben?
11 Wenn junge Menschen erwachsen werden und zu sich selber finden, versuchen sie auch solche Fragen zu beantworten. Dabei ist es immer möglich, dass sie sich anders als ihre Eltern oder ihre bisherigen Freunde entscheiden.
12 In Religionen und Sekten geht es auch um Macht und um Geld. Aus ihrer innersten Überzeugung heraus sind Menschen bereit, sich oder ihren Besitz ganz für eine Sache einzusetzen. Man sollte also allen Religionsverwaltern gegenüber vorsichtig sein.
13 Normalerweise ist es besser mit anderen statt über andere zu sprechen; das gilt auch für die Mitglieder sogenannter Sekten. In der Praxis zeigt sich aber, dass man weder mit frisch Bekehrten noch mit gerade Ausgestiegenen ruhig sprechen kann.
14 Für ein offenes Gespräch muss jeder bereit sein, den anderen für einen normalen Menschen zu halten; was dieser meint oder erreichen möchte, ist noch etwas Menschliches,- auch wenn man einen Weg dahin für einen Irrweg hält.

Die Bibliothek

1 Viele Bibliotheken bestehen aus drei Teilen, aus der Erwachsenenbücherei, der Jugendbücherei und dem Präsenzbestand; der enthält die Bücher, die man nicht ausleihen kann, etwa große Lexika. Sie sind oft mit einem farbigen Streifen markiert.
2 Die Jugendbücherei besteht normalerweise aus zwei Teilen; sie enthält Sachbücher und Unterhaltungsliteratur. Nach welchem System die Bücher geordnet sind, ist eigentlich gleichgültig; es gibt ein Zehner- und ein Buchstabensystem.
3 Das Buchstabensystem deutscher Bibliotheken ist auf den ersten Blick verwirrend, wenn man es nicht kennt. Im Prinzip wird allen Büchern mit einer Kombination von drei Buchstaben ein Platz zugewiesen, wobei der erste Buchstabe der wichtigste ist.
4 Mit dem ersten Buchstaben, einem Großbuchstaben, wird ein Sachgebiet bezeichnet: C ist die Erd- und Länderkunde, E Geschichte, F das Recht, M Psychologie, T Mathematik und so weiter. Für diese willkürliche Benennung gibt es eine Tabelle.
5 Mit dem zweiten Buchstaben wird das Gebiet jetzt näher eingegrenzt, mit dem dritten Buchstaben werden noch kleinere Bereiche bezeichnet. In dem so markierten Gebiet werden die Bücher alphabetisch nach den Autoren oder nach Nummern eingeordnet.
6 Unter U stehen also etwa die Naturwissenschaften; Uh ist die Zoologie (Tierkunde); Uhn heisst „Spezielle Zoologie“. Nun nimmt man noch Ziffern zu Hilfe: Unter Uhn 2 werden die Wirbeltiere, unter Uhn 21 die Fische behandelt.
7 In Wirklichkeit ist das System etwas komplizierter. Man kann nämlich ein Buch über das Grundgesetz etwa unter „Geschichte“ einordnen, und zwar unter „Geschichte Deutschlands“; man könnte es genauso gut unter „Recht“ einstellen.
8 Es gibt in einer Bibliothek meistens zwei Kataloge, den alphabetischen der Autoren und den systematischen. Mit dem systematischen Katalog kann man das Problem lösen, dass man ein Buch verschiedenen Sachgruppen zuordnen kann.
9 Die überraschend einfache Lösung sieht so aus: Das fragliche Buch wird mehr oder weniger zufällig in eine der beiden Sachgruppen eingereiht („Geschichte“); in der anderen erhält es aber auch ein Kärtchen mit dem Verweis auf Autor, Titel und Standort.
10 Von den Autoren wird zuerst der Familien-, dann der Vorname genannt, dann der Buchtitel (also: Kästner, Erich: Das doppelte Lottchen). Es folgt ein Hinweis, in welcher Büchergruppe das Buch eingeordnet ist.
11 Manche Bibliotheken besitzen noch einen Schlagwortkatalog; den braucht man, wenn zu einem bestimmten Begriff oder Problem Literatur sucht, also etwa über „Umwelt“; dann sind dort die Bücher genannt, welche die Bibliothek zu diesem Thema hat.
12 Wahrscheinlich gibt es ein Merkblatt, worin alles Wichtige über eure Bibliothek erklärt wird. Das solltest du genau lesen; wenn du noch Fragen dazu hast, hilft dir vermutlich die Dame oder der Herr von der Auskunftsstelle.
13 Was man über die Öffnungszeiten, den Leserausweis und die Leihfrist wissen muss, steht im Merkblatt. Man kann die Ausleihfrist auch (bitte rechtzeitig!) verlängern lassen; wer das vergisst, muss eine Mahngebühr bezahlen.
14 Wer ein Buch beschädigt oder verliert, muss den Schaden selbstverständlich ersetzen. – Eine Bibliothek ist so etwas wie ein Werkzeug; man muss lernen damit umzugehen. Wenn man mit einem System umgehen kann, begreift man auch leicht andere.
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Dieses Diktat stammt noch aus der guten alten Zeit, wo die Buchbestände nicht im Computer erfasst waren und keine modernen Medien ausgeliehen wurden. Was ist jetzt anders als in diesem Diktat?

Das Auto als Verkehrsmittel
1 Mit seinem vollständigen Namen heißt das Auto Automobil. Das ist ein Kunstwort aus den Bestandteilen „auto“, was „selbst“ heißt, und „mobil“, was „beweglich“ bedeutet. Das Auto ist eine Maschine, die sich selbst bewegt, sagt der Name.
2 In Wirklichkeit bedeutet das Auto aber viel mehr. Wer ein Auto hat, braucht sich nicht um die Fahrpläne und -zeiten der Bahnen und Busse zu kümmern; er braucht auch nicht auf das Wetter zu achten wie die Radfahrer und Fußgänger.
3 Da man den Führerschein mit 18 erwerben kann, muss praktisch jeder ihn auch mit 18 haben – sonst wäre man ja nicht richtig erwachsen! Und wenn man ihn hat, braucht man auch ein Auto, schon deshalb, weil man dann von den Eltern unabhängig ist.
4 Nicht nur Menschen werden mit dem Auto transportiert; es gibt mehrere hunterttausend Lastwagen, die täglich Rohstoffe und Waren durch Deutschland ans Ziel bringen. Manche Firmen kalkulieren die Anlieferung so genau, dass sie kaum noch Lager brauchen.
5 Für die Volkswirtschaft ist auch die Produktion von Autos enorm wichtig. In Deutschland ist die Autobranche der größte Wirtschaftszweig; er setzt weit über 100 Milliarden Euro pro Jahr um, indirekt hängt jeder siebte Arbeitsplatz vom Auto ab.
6 Welche Probleme später aufträten, konnte niemand ahnen, als Carl Benz 1885 seinen ersten Motorwagen und Gottlieb Daimler 1886 eine Motorkutsche vorführten. Was für den einzelnen eine Erleichterung bedeutet, kann für alle eine Belastung sein.
7 Inzwischen gibt es so viele Autos in Deutschland – über 40 Millionen -, dass sie sich gegenseitig oft im Weg sind. Das wirkt sich beim Fahren als Stau aus und beim Abstellen als Suche nach einem Parkplatz.
8 Davon abgesehen produzieren die vielen Autos nicht nur Lärm, sondern auch Abgase, vor allem Kohlendioxid; dieses Gas trägt dazu bei, dass sich die Atmosphäre wie ein Treibhaus aufheizt, was für das Klima unvorhersehbare Folgen hat.
9 Von den vielen Mitteln, mit denen man die Probleme des wachsenden Autoverkehrs zu lösen versucht, soll zunächst der Öffentliche Nahverkehr genannt werden: Wenn die Leute mit Bus oder Bahn fahren, brauchen sie kein Auto.
10 Um den Öffentlichen Nahverkehr attraktiv zu machen, muss man ihm Vorteile gegenüber dem Autofahren verschaffen: Er muss billig sein, man darf auf die Fahrzeuge nicht lange warten, vor allem sollten sie mindestens so schnell wie das Auto sein.
11 Ein anderes Mittel, um die Verkehrsströme besser zu lenken, sind große Verkehrsleitsysteme; wenn man weiß, wie viele Autos durch welche Straßen fahren, könnte man einen Teil von ihnen durch Straßen lenken, die wenig befahren sind.
12 Damit das klappt, brauchen die Autos ein Empfangsgerät für die Informationen der Leitzentrale; wenn nun aber zu viele Fahrer den Empfehlungen der Leitzentrale folgen, könnte es eintreten, dass gerade die empfohlenen Straßen verstopft werden.
13 In Heidelberg hat man seit 1990 versucht, die Fußgünger, die Rad- und Autofahrer gemeinsam überlegen zu lassen, wie man in der Stadt die Verkehrsprobleme lösen kann. Im Verkehrsforum haben die Bürger für die meisten Fragen eine Lösung gefunden.

Zur Arbeit in der Schule
1 In der Schule arbeiten heißt: Fähigkeiten und Fertigkeiten erwerben. Das bedeutet zum einen, vorhandene Fühigkeiten zu erweitern, zum anderen, noch nicht vorhandene zu erwerben; es heißt in jedem Fall: sich ändern.
2 Dies erreicht man nur, wenn man selbständig [= selbstständig] und regelmäßig arbeitet; wenn man übt; wenn man eigene Lösungen überarbeitet; wenn man wirklich selber arbeiten will. Der Lehrer sollte einem dabei helfen.
3 Wer etwas nicht versteht, soll fragen. Einen Fehler zu machen ist nicht schlimm, wenn er auf eigenem Nachdenken beruht – er zeigt nur, wie jemand denkt. Wer Unterricht versäumt, muss den Stoff selbständig [selbstständig] nacharbeiten (einschließlich der Hausaufgaben).
4 Nicht der Lehrer oder das Buch hat Recht, sondern das bessere Argument zählt allein. Wir suchen gemeinsam die Lösung der Probleme, die im Unterricht anstehen. Niemand wird ausgelacht, wenn er Fehler macht oder Eigenheiten aufweist.
5 Die Vorstellung, man könne kurz vor der Klassenarbeit noch schnell „Kenntnisse erwerben“, ist deshalb falsch, weil man erfolgreich nur über längere Zeiträume lernt. Das steht in vielen Bücher über die richtige Arbeitsweise.
6 Grundsätzlich soll man alles, was man schreibt, datieren und mit einer Überschrift versehen; stets die Aufgabenstellung aufschreiben; Hausaufgaben ausformulieren und nicht stichwortartig anfertigen; einen breiten Rand für Korrekturen lassen.
7 Wer Hausaufgaben beim besten Willen nicht anfertigen konnte, soll es sagen – nicht die Eltern einspannen oder abschreiben! Man sollte sich angewöhnt haben, ein Wörterbuch zu benutzen; im Fach Deutsch darf es in Klassenarbeiten benutzt werden.
8 Wenn ein neuer Fachlehrer eine Klasse übernimmt, liegt eine neue Lernsituation vor; das heißt, dass die Leistungen eines Schülers anders sein können als bisher; normal wäre es, wenn einige Schüler besser und einige schlechter als bisher würden.
9 Die Leistung eines Schülers zu bewerten ist nicht einfach. Soll seine Leistung einfach mit der der anderen oder einer allgemeinen Norm verglichen werden? Oder soll der Lehrer nur die Fortschritte bewerten, den der jeweilige Schüler gemacht hat?
10 Auch geht die Leistung der ganzen Klasse immer in die Noten ein. In einer guten Klasse fallen gute Leistungen nicht weiter auf; aber unter Blinden ist der Einäugige König, wie es im Sprichwort heißt.
11 Doch selbst im Fach Deutsch ist die Beurteilung nicht so subjektiv, wie man oft meint; denn derselbe Lehrer, der unterrichtet, stellt auch die Aufgaben und bewertet die Ergebnisse (einmal unterstellt, er plane seinen Unterricht).
12 Einige Grundstze sollten den Umgang miteinander bestimmen: Jeder hat prinzipiell ein Recht auf Respekt, Schüler wie Lehrer; als Schüler kann man also darum bitten, an einem Tag einmal in Ruhe gelassen zu werden, und als Lehrer auch.
13 Wenn man ermahnt wird, soll man nicht palavern, sondern sich entschuldigen. Ermahnungen gelten dann nicht nur für den einen, dessen Name (zufällig) genannt wird; auch stellen sie keinen Vorwurf dar, sondern eine Bitte um Aufmerksamkeit.
14 Wenn wir miteinander Probleme haben, sollten wir sie auch miteinander lösen. Das geht leichter, wenn man sich gegenseitig ruhig anspricht und vielleicht um einen Termin für ein Gespräch bittet: „Wann kann ich Sie einmal sprechen?“
15 Wenn das nicht klappt, solltet ihr zum Klassenlehrer gehen, danach zum Vertrauenslehrer; vielleicht könnte man zu diesem Zeitpunkt auch ein offenes Gespräch in der Klasse führen. Danach erst sollte man die Eltern vorschicken.
16 Anderseits hat ein Lehrer das Recht, die Eltern anzurufen oder anzuschreiben, wenn Gespräche mit euch und dem Klassenlehrer nichts nützen; statt des Vertrauenslehrers gibt es für ihn noch die Klassenkonferenz und wie für euch die Instanz des Schulleiters.

Erwachsen werden
1 Wann ist man erwachsen? Wenn man es ganz wörtlich nimmt, ist man erwachsen, wenn man ausgewachsen ist. Aber dazu gehört mehr, als dass der Körper an Länge nicht mehr zunimmt – doch worin genau besteht dieses Mehr?
2 Mit 12 Jahren darf man im Auto vorne sitzen und im Kino auch einmal einen Krimi sehen; mit 14 Jahren ist man religionsmündig und strafrechtlich bedingt verantwortlich. Dem Jugendlichen wird also Einsicht in das, was er will und tut, zugetraut.
3 Ab 16 muss jeder einen Personalausweis besitzen; man kann ein Testament machen, vor Gericht unter Eid aussagen und aus wichtigen Gründen seinen Namen ändern. Vor allem aber darf man tanzen gehen, rauchen und Alkohol trinken – außer Branntwein.
4 Mit 18 ist man volljährig, sozusagen erwachsen: Man bekommt das Wahlrecht, kann Geschäfte abschließen und heiraten; für die jungen Männer begann früher die Wehrpflicht. Doch auch das Erwachsensein kann noch gesteigert werden.
5 Erst ab 24 kann man den Meistertitel in einem Handwerk führen und selber Lehrlinge ausbilden, ab 27 kann man Beamter auf Lebenszeit werden, ab 40 Bundespräsident; weil das nur wenige wollen, ist dieser Einschnitt aber nicht so wichtig.
6 Wenn man nicht länger ein Kind sein will, denkt man, die Erwachsenen hätten viele Vorrechte; sie brauchten sich nichts mehr sagen zu lassen und hätten es nicht nötig, sich Ausreden und Notlügen auszudenken, wenn sie abends länger ausgehen wollen.
7 Das stimmt so aber nur zum Teil; denn einerseits sagt einem vielleicht der Lebenspartner, was er erwartet, zum anderen muss man sich alles selber sagen: „Denke an den Arzttermin, kaufe noch Brot ein, steh‘ morgen zeitig auf!“
8 Am einfachsten wäre es natürlich, wenn man alle Rechte von Erwachsenen hätte, ohne ihre Pflichten übernehmen zu müssen; wenn man Geld hätte, ohne zu arbeiten, wenn man eine eigene Wohnung besäße, ohne sie sauber halten zu müssen.
9 Viele junge Leute versuchen heute, im Hotel Mama als Halberwachsene zu leben; vielleicht überlegst du selber einmal, was für und was gegen eine solche Lebensweise spricht: Man gehört nirgendwo richtig hin, aber man ist auch ohne größere Verpflichtungen.
10 Wenn man erwachsen wird, muss man sich der Frage stellen: Was kann ich von den anderen erwarten und was können diese von mir erwarten, und zwar auf lange Sicht? Diese lange Sicht, ein umsichtiges und zielstrebiges Handeln macht den Erwachsenen aus.
11 Um das am Beispiel zu zeigen: Was kann ich von den anderen erwarten, wenn ich längere Zeit ernsthaft krank werde? Was billige ich einem anderen zu, wenn er keine Arbeit findet? Welche meiner Eigenheiten soll ein Partner auf Dauer ertragen?
12 Solche Fragen kann man verbindlich nur beantworten, wenn man sich selber gefunden hat beziehungsweise sich für eine Lebensform entschieden hat; sich selber suchen und mit Lebensformen experimentieren, das macht die Jugend aus.
13 Deshalb kann kein Erwachsener einem wirklich erklären, wie das Erwachsensein ist; richtig ausprobieren kann man es nicht, weil eine Probe nicht der Ernstfall ist. Jeder macht seine Erfahrungen und sucht den eigenen Weg.
14 In einer fiktiven Ansprache vor jungen Leuten sagt Erich Kästner: „Jeder Mensch gedenke immer seiner Kindheit!“ Er erklärt, was das heißt: „plötzlich und ohne langes Überlegen wieder wissen, was echt und falsch, was gut und böse ist.“
15 Erst wenn man erwachsen ist, versteht man diesen Rat Kästners ganz. Man hat dann viele Kompromisse gemacht; aus Rücksicht auf den Chef oder die Nachbarn hat man seinen Mund gehalten, und das war gut so – aber manchmal muss man ihn auch aufmachen.

Die Zeitstufen des Verbs
1 Um Verwirrung zu vermeiden, sollte man zunächst einige Begriffe klären. Der Ablauf der Zeit ist das, was man mit der Uhr messen kann; die drei Zeitstufen sind die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.
2 Die drei Zeitstufen gibt es immer nur mit Bezug auf jemand, der „jetzt“ etwas tut und sagt. In der deutschen Grammatik gibt es aber sechs Tempora oder Tempusformen; sie können also nicht einfach den drei Zeitstufen entsprechen.
3 Noch komplizierter wird es dadurch, dass jede einzelne Tempusform mehrere Bedeutungen haben kann; fangen wir mit dem Präsens an. Mit dem Präsens wird das bezeichnet, was gerade zum Zeitpunkt des Sprechens oder Schreibens geschieht.
4 Dabei darf man auch größere Zeiträume als gegenwärtig ansehen:
(a) Elsa ist seit acht Jahren meine Frau.
Auch was allgemein gilt, wird im Präsens ausgedrückt:
(b) Die Erde dreht sich um die Sonne.
5 Ebenso kann eine energische Aufforderung im Präsens stehen:
(c) Du gehst jetzt sofort ins Bett!
Mit einer entsprechenden Zeitangabe wird im Präsens auch Zukünftiges ausgesagt:
(d) Morgen fällt der Unterricht aus.
6 Schließlich wird das Präsens gebraucht, wenn man besonders lebhaft von etwas Vergangenem sprechen will:
(e) Ich ging in aller Seelenruhe durchs Dorf; plötzlich steht ein riesiger Wolfshund vor mir.
Man spricht hier vom historischen oder dramatischen Präsens.
7 Mit dem Präteritum drücken wir aus, dass etwas vergangen ist. Vor allem braucht man es, wenn man Vergangenes zusammenhängend erzählt oder berichtet. In der Alltagssprache werden einzelne vergangene Ereignisse auch im Perfekt wiedergegeben:
(f) Ich habe heute Morgen Brötchen gekauft.
8 Das Perfekt wird mit dem Partizip II und einer Form der Hilfsverben „sein“ oder „haben“ gebildet:
(g) Ich bin schon zum Bäcker gegangen und habe Brötchen gekauft.
Mit dem Perfekt wird signalisiert, dass ein Vorgang abgeschlossen ist.
9 Die vollendete Handlung steht aber im Bezug zur Gegenwart:
(h) Ich habe gute Mitarbeiter gefunden. (Deshalb klappt es gut.)
Im Zusammenhang zweier Sätze drückt das Perfekt die Vorzeitigkeit zu einer Präsensform aus:
(i) Ich sehe noch einmal nach, was Anna geschrieben hat.
10 Das Plusquamperfekt wird seltener gebraucht. Meistens drückt es die Vorzeitigkeit zu einer Präteritum-Form aus:
(j) Als ich die Arbeit abgeschlossen hatte, war ich erleichtert und ging zuerst einmal unter die Dusche.
11 Das Futur I wird mit dem Hilfsverb „werden“ und dem Infinitiv eines Verbs gebildet, um eine Erwartung auszusprechen oder etwas vorherzusagen:
(k) Die Kinder werden sich im Gebirge gut erholen.
Eine feste Zusicherung kann gleichfalls im Futur I stehen:
(l) Dem werde ich etwas anderes sagen!
12 Das Futur II wird mit dem Hilfsverb „werden“ und dem Infinitiv Perfekt eines Verbs gebildet; mit ihm wird eine Vermutung über etwas Vergangenes ausgedrückt:
(m) Er wird wohl nach Haus gegangen sein.
13 Um die Vorzeitigkeit zu etwas Künftigem zu bezeichnen, wird normalerweise das Perfekt gebraucht:
(n) Ich werde dich anrufen, wenn ich die Unterlagen noch einmal geprüft habe (statt: geprüft haben werde).
14 Man könnte die Untersuchung des Tempusgebrauchs noch genauer betreiben. Neben dem Bezug auf die Zeitstufe drücken die Tempora aus, wie energisch jemand etwas meint oder wie sicher der Sprecher bei einer Aussage ist; sie modifizieren einen Satz.
(Dieses Diktat resp. die Behandlung der Tempusformen ist nicht an Klasse 7 gebunden!)

Übungsdiktate Klasse 6

Zur GEBRAUCHSANLEITUNG siehe https://norberto68.wordpress.com/2012/03/08/das-tagliche-ubungsdiktat-idee-gebrauchsanleitung/

Wiederum cum grano salis: Diktate gehören primär zu Themen, nicht zu Klassenstufen:

Erzählungen;
Neue Wörter bilden;
Andersen: Hexenfieber (Jugendbuch, auch für Kl. 7)
Das Satzgefüge und die Konjunktion „dass“;
Elemente von Märchen;
Verben werden konjugiert;
Von der Freundschaft;
Aus einer anderen Perspektive erzählen;
Vergleichen;
Bildhafte Sprache in Gedichten;
Wie war es in der Steinzeit?
Theater spielen;
Beschreiben, was man tun muss;
Attribute;
Eine Figur (einen Menschen) bewerten;
Berichten;
Untersuchen, vergleichen, erklären;

Diktate als Klassenarbeiten:
Über bildhaftes Sprechen
Bildhaftes Sprechen/Wortbildung
Märchen lesen
Wie neue Wörter entstehen
Über Schriftsysteme (zu Kl. 8)

Erzählungen
1 Die Menschen erzählen einander, wenn sie etwas Ungewöhnliches, Merkwürdiges oder Lustiges erlebt haben. Die Hauptfigur ist gewöhnlich der Erzähler selbst; er übertreibt gelegentlich das Ungewöhnliche oder Gefährliche ein bisschen.
2 Es gibt aber auch literarische Erzählungen: Ein Autor denkt sich eine Geschichte aus. Zu Beginn der Erzählung wird normalerweise angedeutet, wer der Held ist sowie wann und wo er gelebt hat.
3 Wenn der Erzähler auf vergangene Ereignisse zurückblickt, kann er beinahe so erzählen, als wäre er allwissend; er kann einzelne Menschen oder Taten bewerten oder andeuten, was sich daraus später noch ergeben wird.
4 Es kann auch aus der Perspektive eines (erfundenen) Ichs erzählt werden, das vom Geschen überrascht wird, weil es mitten darin steht und alles selber gerade erlebt. Dies bedeutet, dass das Ich nicht wissen kann, was ihm noch alles bevorsteht.
5 Das Tempus des literarischen Erzählens ist normalerweise das Präteritum; mit dem Gebrauch dieser Zeitform wird der Abstand betont, der zwischen dem erzählten Geschehen und dem Zeitpunkt besteht, an dem es „jetzt“ erzählt wird.
6 Wenn erzählt wird, was schon vor den erzählten Ereignissen geschehen ist, gebraucht man das Plusquamperfekt (Ich hatte geweint; ich war gelaufen.). – Wenn man den Zuhörer am Erzählten stärker teilnehmen lassen will, verwendet man das Präsens.
7 Der Held erlebt etwas. Er kann verschiedenen Leuten begegnen, sich mit ihnen anfreunden oder von ihnen betrogen werden; er kann von Ort zu Ort reisen oder im Wald übernachten – wichtig ist, wie er damit fertig wird.
8 Die anderen Figuren können dem Helden (dem Protagonisten) helfen oder ihm Schwierigkeiten bereiten; oft geben sie dem Helden auch nur Gelegenheit, etwas Kluges zu sagen oder sich in Szene zu setzen.
9 Der „Held“ muss aber nicht immer heldenhaft oder vorbildlich handeln. Oft ist es so, dass er unsicher ist, zwiespältig im Fühlen und Handeln, vielleicht sogar ängstlich oder gemein. Er kann also ein ganz normaler Mensch sein.
10 Beim mündlichen Erzählen steuert man meistens schnell auf den Höhepunkt zu; literarische Erzählungen sind oft kunstvoll komponiert und werden durch Beschreibungen, Gedanken oder Gespräche angereichert.

Neue Wörter bilden
1 Es gibt verschiedene Gründe, warum man neue Wörter braucht. Als der Computer erfunden wurde, war das eine Maschine, die es bisher nicht gegeben hatte; mit dem Computer haben wir auch seinen amerikanischen Namen übernommen.
2 Früher kümmerte sich der Bürgermeister auf dem Amt mit seinem Sekretär um die Gemeinde. Mit der Anzahl der öffentlichen Aufgaben wuchs auch die Zahl der Ämter; heute gibt es das Bauamt, das Arbeitsamt, das Gesundheitsamt und andere.
3 Die Wörter für die Ämter werden so gebildet, dass dem Grundwort „Amt“ jeweils ein anderes Wort vorangestellt wird, womit die besondere Aufgabe dieses Amtes bezeichnet wird; das vorangestellte Wort ist das Bestimmungswort.
4 Wenn man die Verbindung der zusammengesetzten Wörter nicht gut aussprechen kann, wird die Fuge zwischen den Wörtern gefüllt: Arbeit + Amt -> Arbeitsamt; der Zusatz ‚s‘ heißt Fugenzeichen.
5 Man kann auch den Stammvokal eines Wortes abwandeln (Ablaut), um neue Wörter (Wortart oder Bedeutung) zu gewinnen: schließen – Schluss – Schlosser. Alle so miteinander verwandten Wörter nennt man eine Wortfamilie.
6 An diesem Beispiel sieht man auch, dass es neben dem Ablaut weitere Möglichkeiten gibt, ein Wort zu verändern: Man hängt vorn oder hinten eine unselbstständige Silbe an und nennt diese dann Vorsilbe (Präfix) oder Nachsilbe (Suffix).
7 Eine Reihe von Suffixen kennzeichnet einen bestimmten Aspekt: lehren -> Lehrer; ‚-er‘ bezeichnet hier den, der etwas tut; warnen -> Warnung; ‚-ung‘ bezeichnet hier einen Vorgang oder sein Ergebnis.
8 Auch durch Präfixe werden neue Wörter gebildet: Wolke -> Gewölk; bellen -> Gebell; treten -> zertreten. Man kann ferner Wörter in verschiedenen Bedeutungen gebrauchen: (a) etwas einweihen; (b) jemand in etwas einweihen.
9 Neue Wörter gewinnt man auch, indem man sie aus anderen Sprachen übernimmt, etwa aus dem Lateinischen oder Englischen; manchmal werden auch ganz neue Wörter erfunden. Wer die Wortbildung versteht, kann Wörter eher richtig schreiben.
10 Zum Schluss soll noch einmal betont werden, dass es nicht für jedes Ding ein Wort oder umgekehrt gibt: Fortgehen ist das Gleiche wie weggehen; aber der Ton in einem Lied ist etwas anderes als der Ton in der Töpferei.

Andersen: Hexenfieber
1 Das Jugendbuch „Hexenfieber“ ist von dem Dänen Leif Esper Andersen verfasst. Das erzählte Geschehen spielt im Mittelalter in Dänemark, und zwar am Limfjord; das erkennt man an dem Ort Skive, der im Roman eine Rolle spielt.
2 Die beiden Hauptfiguren sind Esben, ein Junge von etwa 15 Jahren, und Hans, ein älterer Mann. Der Junge ist aus seinem Heimatort geflohen, weil seine Mutter als Hexe verbrannt worden ist, und findet bei Hans Zuflucht.
3 Bei Hans lernt er, wie man am Fjord leben kann, wie man Fische fängt und schwimmt; er erlebt auch, wie Hans mehrere Kranke behandelt. Esben gewinnt Vertrauen zu Hans und erzählt ihm die Geschichte von der Hinrichtung seiner Mutter.
4 Einen wichtigen Faden (Erzählstrang) bilden die Gespräche, in denen Hans den Jungen darüber belehrt, warum Menschen andere als Hexen verfolgen und wie man mit seiner eigenen Angst umgehen soll und kann.
5 Der Erzähler ist allwissend (auktorial); er kennt sogar die innersten Gefühle der Figuren. Manchmal scheint er sich in die Nähe einer Figur zu stellen; er kann aber zur gleichen Zeit auch bei verschiedenen Personen sein.
6 Das als gerade ablaufend erzählte Geschehen umfasst zunächst etwa eine Woche im Sommer, wobei drei Tage ausgelassen sind (Kap. 1-13). Nach einem Sammelbericht (Kap. 14) wird dann von einem Tag im Spätherbst erzählt, an dem Hans gefangen genommen wird.
7 Das Thema ist die Reifung oder das Erstarken Esbens, der am Ende für sich selbst sorgen kann, der aber auch verstanden hat, warum es zwar keine Hexen gibt, aber die Angst der Menschen vor ihnen und die Verfolgung anderer.
8 Was Esben erklärt bekommt und versteht, bekommen in gewisser Weise auch die Leser erklärt. Der Erzähler gebraucht gern Symbole: An Dingen oder Vorgängen zeigt er, was im Innern der Menschen vorgeht (Rauch, Gewitter).
9 Der Schluss der Buches wird oft von Schülern als unbefriedigend erlebt. Wir können also darüber sprechen, welchen Schluss ihr lieber hättet und wie solche Erwartungen bei euch (vermutlich) zustande kommen.

Das Satzgefüge und die Konjunktion „dass“
1 Bisher haben wir immer einfache Sätze untersucht. Sie bestehen aus Satzgliedern, die bei der Verschiebeprobe erhalten bleiben:
(a) Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt.
(a)‘ An sich selbst denkt der brave Mann zuletzt.

2 In Wirklichkeit sprechen und schreiben wir oft anders; wir verbinden zwei oder mehr Sätze miteinander. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten; die einfache ist die, dass man Sätze nebeneinander stellt.
3 In diesem Fall werden die Sätze oft durch ein kleines Wort miteinander verbunden; solche Bindewörter heißen Konjunktionen.
(b) Hans möchte ins Kino gehen und Klaus will Schach spielen.
Das Bindewort „und“ kann durch ein Komma ersetzt werden.
4 Oft sind Sätze auch so zusammengefügt, dass der eine ein Teil bzw. Satzglied des anderen ist:
(c) Wer ein braver Mann ist, denkt an sich selbst zuletzt.
(c)‘ An sich selbst denkt zuletzt, wer ein braver Mann ist.

5 Der eine Satz heißt Gliedsatz oder Nebensatz, der andere Hauptsatz. Zusammen sind sie ein Satzgefüge. Man fragt: Wer oder was denkt an sich selbst zuletzt? „Wer ein braver Mann ist“ ist das Subjekt des ganzen Satzes.
6 Alle Satzglieder außer dem Prädikat können durch einen Nebensatz gebildet werden:
(d) Peter weiß, was seine Mutter gekocht hat.
Wen oder was weiß Peter? (Objekt oder Angabe)
(e) Die Blätter fallen ab, wenn es Herbst wird.
Wann fallen die Blätter ab? (adverbiale Ergänzung)
7 Von den Nebensätzen gelten folgende Regeln: Die Personalform des Verbs steht normalerweise am Ende des Nebensatzes. Der Nebensatz wird durch ein Komma vom Hauptsatz abgetrennt, der eingeschobene Nebensatz durch zwei Kommas.
8 Das Wort /das/ wird „dass“ geschrieben, wenn es Konjunktion eines Nebensatzes ist; es hat keine inhaltliche Bedeutung. In einem dass-Satz werden Sachverhalte ausgesagt, die jemand meint, sieht, hört und so weiter.
9 Oft werden auch Wendungen wie „die Tatsache, dass…“ oder „der Grund dafür, dass…“ gebraucht. Von der Konjunktion „dass“ ist das Relativpronomen „das“ zu unterscheiden; dieses kann sinngemäß durch „welches“ ersetzt werden.
10 Dann gibt es noch den Artikel: das Haus, das Kind. Und es gibt noch das Demonstrativpronomen: „Das habe ich ja gleich gesagt.“ Hier steht „das“, im Sinn von „es“, für einen ganzen anderen Satz.

Elemente von Märchen
1 In der Überschrift wird angedeutet, dass viele Märchen aus den gleichen Elementen bestehen; wie bei einem Baukasten kann man aus wenigen gleichartigen Elementen ganz verschiedene Gebilde bauen, eben die Märchen.
2 Das wichtigste Element ist der Held oder die Hauptfigur. Oft hat er einen Gegenspieler (Gegner); auch ein Mädchen oder eine Frau kann die Heldin sein. Daneben gibt es weitere Figuren mit verschiedenen Funktionen.
3 Meistens kommt der Held nicht ohne einen oder mehrere Helfer aus; das ist der Fall, wenn er vor einer großen Aufgabe steht – und solche Aufgaben zu lösen ist sozusagen der Hauptberuf des Helden.
4 Er kann sich an seinen Aufgaben bewähren, weil er ein guter, fleißiger oder hilfsbereiter Mensch ist; manchmal ist er klug. Wenn das alles nicht reicht, weil die Aufgabe zu schwer ist, muss er von jemandem besondere Hilfsmittel bekommen.
5 Wer sich im Märchen an einer Aufgabe bewährt, wird grundsätzlich belohnt. Er kann auch mehrere Aufgaben und mehrere Belohnungen bekommen; solche Wiederholungen sind für volkstümliche Erzählungen typisch.
6 Wenn jemand vor einer Aufgabe versagt, kann das verschiedene Gründe haben: Er versagt schuldlos oder unabsichtlich; dann bekommt er eine neue Aufgabe, an der er sich bewähren kann.
7 Wer dagegen aus Bosheit, Faulheit oder Habgier versagt, gilt im Märchen als schlechter Mensch; er gehört bestraft. Er bekommt in der Regel auch nicht die Gelegenheit, sich an einer anderen Aufgabe zu bewähren.
8 Ein wesentliches Element der Märchen ist es, dass manche Figuren über eine zauberhafte Macht verfügen; diese wird von Feen und ihren Kolleginnen zum Guten, von Hexen und ihren Genossen zum Bösen verwendet.
9 In den Märchen ist die Welt ganz einfach und klar aufgebaut: Wer gut ist, bewährt sich; wer sich bewährt, wird belohnt. Die Bösen versagen und werden bestraft. Beides ist im wirklichen Leben oft anders.
10 Vielleicht sind die Märchen trotzdem nicht sinnlos; sie leben von der Freude, dass auch gute Menschen es zu etwas bringen können, und von der Hoffnung, dass es eine ausgleichende Gerechtigkeit gibt.

Verben werden konjugiert

1 Wenn wir mit jemand etwas besprechen, unterscheiden wir zwischen dem Sprecher, dem Angesprochenen und allen anderen: Ich gehe; du gehst; er geht. Diese Formen kommen auch im Plural vor; wir nennen sie die 1., 2. und 3. Person.
2 Es gibt nur eine Wortart, bei der diese Personalformen verwendet werden; das sind die Verben. In der Regel ist es wichtig, wer etwas getan hat oder tun soll; deshalb wird sprachlich zwischen den drei Personen unterschieden.
3 Wenn die Personen markiert werden, wird die Endung eines Verbs verändert; der Wortstamm ‚geh‘ bleibt erhalten. Es gibt Verben, in denen der Wortstamm bei manchen Formen verändert wird: Ich ging nach Hause; ich bin nach Hause gegangen.
4 Mit diesen beiden neuen Formen des Wortstamms werden verschiedene Tempora gebildet; im Beispiel ist es das Präteritum und das Perfekt. Man nennt „gehen; ging; gegangen“ die Stammformen des Verbs.
5 Mit diesen drei Stammformen kann man alle Tempora (Zeitformen oder Zeitstufen) bilden. – Die meisten deutschen Verben bilden ihre Stammformen auf folgende Weise:
(a) sagen; sagte; gesagt;
(b) lachen; lachte; gelacht.

6 Wenn die Stammformen auf diese Art gebildet werden, spricht man von der regelmäßigen oder schwachen Konjugation. Das Präteritum erhält als Tempuszeichen ein ‚t‘, das Partizip II erhält das Präfix ‚ge-‘ [und das Suffix ‚t‘].
7 Die starke Konjugation liegt vor, wenn der Stammvokal des Verbs in den Stammformen geändert wird. Neben diesen beiden Möglichkeiten, ein Verb zu konjugieren, gibt es viele Mischformen; diese interessieren uns jetzt nicht.
8 Neben den Personalformen des Verbs gibt es drei Formen, die nicht nach der Person bestimmt sind; das sind die infiniten Formen Infinitiv, Partizip I und Partizip II:
(c) weinen; weinend; geweint;
(d) gehen; gehend; gegangen.

9 Der Infinitiv ist die Grundform des Verbs; sie steht im Wörterbuch. Mit dem Infintiv kann man eine Menge anfangen:
(e) Wir beschließen, nach Köln zu ziehen.
(e)‘ Wir beschließen, dass wir nach Köln ziehen.

10 Im Beispiel (e) ersetzt die Infinitiv-Phrase einen Nebensatz. Man kann den Infintiv auch wie ein Nomen gebrauchen:
(f) Das regelmäßige Rauchen ist schädlich.
Die wichtigste dritte Möglichkeit zeigt das Beispiel:
(g) Ich muss zu Hause bleiben.
11 Mit dem Partizip I kann das Verb wie ein Adjektiv gebraucht werden; diese Verbform ist also im strengen Sinn ein Adjektiv:
(h) Die blühenden Bäume stimmen mich fröhlich.
(i) Die laufenden Unkosten sind zu hoch.
12 Mit dem Partizip II werden die Tempora Perfekt und Plusquamperfekt, auch auch alle Passivformen gebildet: ich bin gelaufen; er wird verprügelt. Außerdem kann es wie ein Adjektiv gebraucht werden: Das vergangene Schuljahr war ziemlich kurz.

Von der Freundschaft
1 Wenn man in der 6. oder 7. Klasse ist, kann man eine neue Erfahrung machen: Man findet als Mädchen eine Freundin; die Jungen gewinnen ihre Freunde meistens erst später, auch wenn ihnen das jetzt nicht gefallen mag.
2 Spielkameraden hat man schon vorher gehabt, im Kindergarten und in der Grundschule. Oft hat man da auch eine beste Freundin oder einen Freund gehabt; aber diese Kleinkinderfreundschaften waren doch etwas anderes.
3 Mit den Kinderfreunden hat man gespielt, sich gezankt und sich vertragen; dann war es gut. Mit der neuen Freundin ist „man“, oder besser ein Mädchen, in tiefem Vertrauen verbunden; man hat gemeinsam Geheimnisse.
4 Zum ersten Mal begegnet man einem fremden Menschen außerhalb der Familie, um ihm das eigene Innere zu öffen; dabei bildet sich auch die Persönlichkeit, wenn man sich auf das vertraute fremde Mädchen einlässt. Gerne gehen beide Hand in Hand.
5 Da hat man also ein Du getroffen, das anders ist als ich selbst; dieses Du zu kennen macht einen reicher. Gemeinsam kann man sich gegen Erwachsene abgrenzen und eine eigene Welt schaffen; man kann sich zärtlich umarmen.
6 Man versteht sich, auch ohne viel zu sagen; die Seelen sind miteinander verwandt. Nach außen wird man die Freundin immer verteidigen; im Stillen kann man sie auf etwas hinweisen, was sie falsch gemacht hat.
7 Entscheidend ist, dass man sich durch Kritik nicht angegriffen fühlt; man traut der Freundin keine Berechnung zu. Wichtig ist,
dass nicht verrechnet wird, was man einander gibt; Freundschaft ist eine Art Liebe.
8 Normalerweise wird man sich versöhnen, wenn Streit entstanden ist; das elementare Vertrauen leidet nicht darunter. Wenn eine solche Freundschaft zerbricht, trifft einen das im Herzen, und es bleibt lange Zeit eine Wunde zurück.
9 Bei den Jungen setzen solche Freundschaften ein, zwei Jahre später ein. Sie sind Zeichen dafür, dass man seelisch vom Kind zum Jugendlichen gereift ist. Manchmal bleiben solche Freundschaften Jahre bestehen.

Aus einer anderen Perspektive erzählen
1 Wir leben als Menschen nicht nur neben anderen, sondern auch mit ihnen. Wir können uns in ihre Lage versetzen und die Welt mit ihren Augen sehen; wir können ihren Standpunkt einnehmen.
2 Deshalb können wir auch Erzählungen so umformen, dass wir die Perspektive verändern, in der die Ereignisse gesehen werden. Meistens verändern wir sie so, dass der Standpunkt des unbeteiligten Erzählers aufgegeben wird.
3 Stattdessen nehmen wir den Standpunkt einer am Geschehen beteiligten Person ein. Wir müssen uns dann etwa fragen, wie der Bauer den Betrug erlebt; wir können uns das leicht vorstellen, weil wir solche Vorfälle kennen.
4 Der Bauer ist klüger als seine Frau und merkt sogleich, dass diese vom Studenten betrogen worden ist; er schimpft sie aus und will das ergaunerte Gut dem frechen Studenten wieder abnehmen.
5 Dabei fällt er selber auf den listigen Beträger herein, den er für einen Arbeiter gehalten hat; er erkennt auch dessen zweiten Betrug, gesteht aber vor seiner Frau nicht ein, dass er selber vom Studenten ausgetrickst worden ist.
6 Wir können uns leicht in die Situation eines Menschen versetzen, der nicht dumm ist, aber von einem klügeren hereingelegt wird. Was erfährt und erlebt der Bauer? Wie erlebt er das alles? Das können wir aus seiner Sicht erzählen.
7 Der vorgegebene Text muss gekürzt werden, wenn der Ich-Erzähler etwas nicht weiß oder bemerkt; wenn er aber etwas Wichtiges, Bedrohliches oder Aufregendes erlebt, kann der Text auch erweitert oder gedehnt werden.
8 Was die erzählende Person selber sagt, fühlt, denkt und erlebt, wird in der 1. Person formuliert: „ich“ und „wir“ sind die Personalpronomen der 1. Person; die Pronomen „mein“ und „unser“ zeigen den Besitz an.
9 Von Bedeutung ist, wem und bei welcher Gelegenheit der Bauer die Geschichte erzählt. Einem guten Freund wird er seine Dummheit vielleicht eingestehen, vor anderen sie wohl eher entschuldigen: Wie schlecht doch heutzutage die Studenten sind!
10 Irgendwann, nicht unbedingt zu Beginn muss angedeutet werden, wann das Geschehen sich ereignet hat. Wenn man bedenkt, wem der Bauer seine Geschichte bei welcher Gelegenheit erzählt, wird man leicht den Anfang finden.

Vergleichen
1 Zuerst sollen einige Möglichkeiten vorgestellt werden, wie man verschiedene Größen miteinander vergleichen kann:
(a) Mein Bruder ist so alt wie du, ich bin zwei Jahre älter.
(b) Die Wolken gleichen weißen, zart getuschten Zeichen.

(c) Er sieht aus, als hätte er Kopfschmerzen
2 Du findest hier zuerst die Partikel „wie“, dann den Komparativ des Adjektivs „alt“, anschließend das Verb „gleichen“ und zum Schluss die Satzkonjunktion „als (ob)“ + Konjunktiv II; das sind die wichtigsten Formen des Vergleichens.
3 Zunächst musst du erkennen, was mit wem verglichen wird. Es können Eigenschaften von Dingen, die Dinge oder Personen selber sowie ihre Tätigkeiten miteinander verglichen werden – grammatisch gesprochen: Adjektive, Nomina, Verben, Satzkerne.
4 Wichtig ist, dass du den Grad der Gleichheit bemerkst, der im Vergleich festgehalten ist: Die verglichenen Dinge oder Eigenschaften können als völlig gleich – ziemlich gleich – kaum gleich – ungleich dargestellt sein.
5 Du musst auch verstehen, was der Vergleich leisten soll:
– Wird etwas Unbekanntes vorgestellt oder erklärt?
– Wird etwas bewertet, dass es so gut wie etwas anderes oder besser als etwas anderes ist?
6 Manchmal leistet ein Vergleich nicht viel. Gewählte Vergleiche, wie sie oft in Gedichten zu finden sind, können poetische Kraft besitzen und etwas Schönes oder Besonderes in einer schwebenden Weise ausdrücken.
7 Was hier vom Vergleich gesagt ist, gilt insgesamt auch von der Metapher, die oft nur ein verkürzter Vergleich ist. Man kann auch sagen: Als Metapher wird ein Wort in einem ihm sonst fremden Zusammenhang gebraucht.
8 Hier einige Beispiele für Metaphern:
(d) Da kommt der junge Gott (= der schöne Mann).
(e) Du meckerst den ganzen Tag.
(f) Das Mädchen hatte eine glockenreine Stimme.

9 Bei Vergleichen und Metaphern gibt es ein gewissen Spielraum des Verstehens; dieser Ausdruck „Spielraum“ ist wieder eine Metapher. Wer solche Unschärfen völlig vermeiden will, muss alles wiegen und messen und in Maßzahlen ausdrücken.

Bildhafte Sprache in Gedichten
1 Wer dichtet, spielt mit der Sprache und freut sich, wenn es ihm gelingt, den Klang und die Betonung der Wörter auszunutzen. Oft sucht ein Dichter auch kunstvolle Wendungen und Vergleiche, um etwas eindrucksvoll zu sagen.
2 Wir wollen jetzt verschiedene Formen bildhaften Sprechens kennen lernen [kennenlernen]: den Vergleich, die Metapher, die Personifikation, das Bild. Wir können untersuchen, was mit diesen Formen im Einzelfall ausgedrückt oder angedeutet wird.
3 Wenn man etwas Unbekanntes vorstellt, kann man es mit etwas Bekanntem vergleichen. Oft soll ein Vergleich helfen, dass man sich etwas bildlich vorstellen kann. Wenn aber der Himmel „wie aus blauem Porzellan“ ist, wird er etwas Wunderbares.
4 Wenn man sagt, eine Lehrerin sei für die Klasse eine richtige Mutter, gebraucht man eine Metapher; man meint, sie sei für die Klasse wie eine Mutter. Man kann also die Metapher als verkürzten Vergleich betrachten.
5 Wenn durch eine Metapher ein Gegenstand oder ein Tier in den menschlichen Bereich gerückt wird, spricht man von einer Personifikation: „Das Auto ruht sich aus.“ Dadurch wird der Abstand zwischen Ding und Mensch oder Tier und Mensch verringert.
6 Wenn gesagt wird, dass das Auto sich ausruht, klingt das eher lustig. Ein Eselchen, das nachdenkt, ist uns dadurch vertraut und nahe. Wenn Menschen in die Nähe der Tiere gerückt werden, kann man sie aber auch als unmenschlich kritisieren.
7 Es kommt also darauf an, dass wir spüren, was die bildhafte Ausdrucksweise jeweils leistet. Dazu prüft man, wie die Wendung sich in normaler Sprache anhört: „Das Auto steht da.“ Man macht also eine Ersatzprobe.
8 Oder man sucht zum Vergleich ein anderes Bild: „Die Lehrerin ist ein Engel.“ Was besagt die eine Metapher im Unterschied zur anderen? Oft ist es hilfreich, das Gegenwort (Antonym) zu bestimmen: „Die Lehrerin ist herzlos.“
9 Bildhaft Gesagtes kann eine besondere Stimmung oder Bewertung enthalten; der Gegenstand oder das Geschehen können anschaulich vorgestellt werden. Dies zu bemerken und richtig auszudrücken ist die Leistung, die du erbringen sollst.
10 Man spricht von einem Bild, wenn bestimmte Sachverhalte anschaulich dargestellt werden. Bilder können etwas bloß andeuten, aber auch vollständig beschreiben. Der Begriff des Bildes unscharf; er ist ein Sammelbegriff für verschiedene Stilmittel.

Wie war es in der Steinzeit?
1 Aus zwei Quellen beziehen wir unser Wissen über die Steinzeit. Die Archäologen graben und sammeln, was sie im Boden finden; die Ethnologen erforschen Stämme, die heute noch ähnlich wie die Steinzeitmenschen leben.
2 Wir nennen solche Menschen Jäger und Sammler (Wildbeuter). Sie essen das, was die Frauen an Früchten oder Pflanzen sammeln und was die Männer bei der Jagd erbeuten; Eier ergänzen den Speisezettel.
3 Mit dieser Art von Nahrungsbeschaffung kann man nur in kleinen Gruppen von zwanzig bis fünfzig Leuten überleben; man weiß oft nicht, was man am nächsten Tag zu essen hat. Es gibt kaum etwas, was einem gestohlen werden könnte.
4 Das wichtigste Material ist Stein. Mit Steinen kann man Steine bearbeiten, Faustkeile und Klingen herstellen; mit Steinwerkzeugen lassen sich Holz, Knochen, Felle und Sehnen bearbeiten.
5 Einen großen Fortschritt erreichten die Menschen, als sie Feuer erzeugen und aufbewahren konnten. Mit dem Feuer ließen sich Höhlen erwärmen, aber auch Fleisch und Eier auf Steinen braten.
6 Vermutlich gab es in den kleinen Gruppen keinen festen Häuptling. Wenn genügend Nahrung gefunden wurde, hatten die Menschen mehr Freizeit als wir; aber sie wurden kaum über 40 Jahre alt.
7 Sie begruben ihre Toten oft in einer Hockstellung oder legten die Körper in eine bestimmte Himmelsrichtung. Im Jagdzauber schossen sie auf die Bilder von Tieren, die sie erlegen wollten.
8 Wenn eine Warmzeit von einer Eiszeit abgelöst wurde, hatten sie ihre Lebensweise umzustellen; sie wichen dem Eis aus, lernten neue Tierarten kennen und mussten neue essbare Pflanzen finden.
9 Vor etwa 10.000 Jahren wurden im Nahen Osten, etwa in der heutigen Türkei, erstmals Tiere gezüchtet und Gräser als Getreide angebaut. Die Menschen produzierten jetzt ihre Nahrung durch Arbeit selber.
10 Als sie dann auch noch sesshaft wurden, feste Häuser anlegten und schließlich Dörfer bauten, wurde eine neue Lebensform erfunden. Viele Merkmale dieser Kulturstufe bestehen bis heute fort.
11 Infolge verstärkter Arbeitsteilung wurden die Produkte besser; die Fachleute konnten ihre Waren gegen andere eintauschen. Die Menschen wurden insgesamt reicher, der einzelne aber von anderen abhängig.
12 Im Dorf musste das Zusammenleben neu organisiert, Streit um Besitztümer musste geschlichtet werden. Es entstand die Möglichkeit, dass Fremde einem den Besitz stehlen – fast wie bei uns heute.

Theater spielen
1 Die ersten Theater entstanden vor 2500 Jahren in Griechenland. Ein oder zwei Schauspieler sprachen im Wechsel mit einem Chor. Die Bühne war eine planierte Fläche zwischen einigen Hügeln.
2 Das Wort „Theater“ kommt auch aus dem Griechischen; es deutet an, dass etwas zum Schauen da ist. Schaubühne und Schaustück sind Theater; man will den Leuten etwas anschaulich zeigen.
3 Wenn Kinder Theater machen, haben sie sicher Lust daran, sich in einen anderen zu verwandeln; sie spielen ihre Rolle nicht nur, sondern verkörpern sie auch. Ein originelles Kostüm erhöht die Spielfreude.
4 Man kann sich beim Spielen streng an den Text einer Rolle halten, man kann aber auch improvisieren; dann wird man vom vorgestellten Menschentyp, von einer Rolle oder einer Situation ausgehen und sie in ihren Möglichkeiten ausspielen.
5 Wenn man noch keine Routine hat, muss vor den eigentlichen Proben geübt werden, wie man sich bewegt und spricht. Der Ausdruck der Gesichtszüge (die Mimik) und die Gesten, also die Bewegungen vor allem der Hände sagen auch ohne Worte etwas.
6 Man ist nicht gewohnt, so deutlich zu sprechen, dass die Leute einen über einen Abstand von zehn Metern verstehen. Deshalb muss der Spieler auf die deutliche Artikulation der Endsilben achten; er darf sie etwas übertreiben.
7 Die Tonlage, der Fluss und die Stärke einer Stimme zeigen, was im Innern der Figur vorgeht. Die Schauspieler handeln vor allem, indem sie sprechen und sich bewegen, aufeinander zugehen oder sich voneinander abwenden.
8 Die verschiedenen Orte werden durch passende Requisiten und ein Bühnenbild dargestellt; wenn dabei Schwierigkeiten auftauchen, kann man das nicht darstellbare Geschehen berichten lassen; das ist eine alte Technik (Mauerschau).
9 Bei den Proben wird wohl die Lehrperson die Regie führen; sie wird auch organisieren müssen, dass die Spieler effektvoll beleuchtet werden und dass an den richtigen Stellen Musik erklingt.
10 Auf einen Souffleur oder eine Souffleuse kann man nicht verzichten; jeder kann einmal stecken bleiben. Bis zur Generalprobe muss durch Plakate und in der Presse für den Besuch des Stücks geworben werden; dann kann es losgehen.

Beschreiben, was man tun muss
1 Wenn jemand irgendwohin gehen will, aber den Weg nicht kennt, fragt er einen anderen: „Wie komme ich dahin?“ Diese Frage lässt sich unterteilen: In welche Richtung muss ich gehen? Wie weit gehe ich in diese Richtung?
2 Die beiden Teilfragen werden im Wechsel wiederholt beantwortet: Der Weg wird aus vielen Strecken zusammengesetzt. Ein Fremder kann den Weg finden, wenn die Orientierungspunkte leicht zu finden sind.
3 Der Weg ist genau beschrieben, wenn die Orientierungspunkte klar und eindeutig benannt werden. Verständlich ist er beschrieben, wenn man keine Dinge erwähnt, die ein Fremder nicht kennen kann (Pavillon B usw.).
4 Komplizierter wird es, wenn man ein Spiel mit seinen Regeln beschreibt. Zunächst kommt es dabei darauf an, die Fragen zu erfassen, die jemand stellen könnte, der das Spiel nicht kennt.
5 Zu einem Brettspiel können die Fragen lauten: Wie viele Spieler nehmen teil? Welches Zubehör gibt es? Wie stelle ich die Spielsteine auf? Nach welchen Regeln werden sie gezogen? Wer hat gewonnen?
6 Überflüssiges zu sagen vermeidet man, indem man überlegt, welche Fragen selbst ein Anfänger nicht stellen wird: Wie sieht das Brett aus? Das sieht er, wenn er es aufklappt. Was ist ein Würfel? Das sollte er bereits wissen.
7 Es kommt also darauf an, dass man die Fragen eines Neulings beantwortet. Mit Fachbegriffen kann man Erklärungen erheblich abkürzen; oft ist schwer zu entscheiden, welche Fachausdrücke man für verständlich halten darf.
8 Beim Basteln und Kochen lauten die Fragen meistens so: Was brauche ich an Material und Werkzeug? Was mache ich damit (in welcher Reihenfolge)? Wie lange dauert es, bis ich fertig bin? Das sind im Grunde ähnliche Fragen wie beim Brettspiel.
9 Wenn du ein Haustier hältst, kommen Aufgaben auf dich zu: Das Tier muss untergebracht und gefüttert werden; ein krankes Tier muss gepflegt werden; Junge wollen versorgt werden. Die Fragen ergeben sich einfach aus dem Leben eines Tiers.

Attribute
1 Die folgenden Beispielsätze zeigen dir, was ein Attribut ist:
(a) Das Auto steht seit Stunden am Haus.
(b) Das Auto des Arztes steht seit zwei Stunden am Haus, in dem mein Onkel wohnt.

2 Wenn du die beiden Sätze vergleichst, siehst du, wie verschiedene Angaben näher bestimmt werden: Was für ein Auto steht am Haus? Seit wie viel Stunden steht es am Haus? An was für einem Haus steht das Auto seit Stunden?
3 Sachlich gesehen wird durch ein Attribut genauer angegeben, was für ein Ding das ist. Grammatisch gesehen stellt ein Attribut die Erweiterung eines Satzgliedes dar; es ist kein selbstständiges [= selbständiges] Satzglied.
4 Bei der Umstellprobe wird das ganze Satzglied einschließlich des Attributs verschoben:
(b)‘ Seit zwei Stunden / steht / das Auto des Arztes / am Haus,
in dem mein Onkel wohnt.

5 Mit einem Genitivattribut wird im weiten Sinn ausgedrückt, wem etwas gehört:
(c) Das Auto des Arztes / steht am Haus.
(d) Die Tasche meines Bruders / gefällt mir gut.
(e) Die Farbe deiner Haare / verblasst langsam.

6 Wenn ein Adjektiv als Attribut gebraucht wird, bezeichnet es eine sogenannte [so genannte] Eigenschaft:
(f) Das kranke Kaninchen liegt noch auf der Straße.
Das Adjektivattribut wird mit seinem Bezugsnomen dekliniert.
7 Attribute können auch in Satzform gebildet werden:
(g) Das Auto, das dem Arzt gehört, steht am Haus.
Diese Art von Attributen heißt Relativsatz; er gehört zu den Nebensätzen, wird also durch Kommas vom Hauptsatz getrennt.
8 Das Relativpronomen ersetzt das Wort, auf das es sich bezieht:
(g)‘ Das Auto steht am Haus. Das Auto gehört dem Arzt.
Aus dem selbständigen zweiten Satz ist in (7) ein Relativsatz geworden.
9 Es gibt noch weitere Arten von Attributen. Pronomen können als Attribute dazu dienen, das Thema weiter auszubauen:
(h) Der alte Mann stand am Bach; seine Frau war seit zwei Jahren tot. Er hatte ihr langes Leiden noch nicht vergessen.

Eine Figur (einen Menschen) bewerten
1 So wie wir jeden Tag über andere Menschen urteilen, kann auch der Erzähler eine Figur, über die er spricht, bewerten. Wir wollen untersuchen, wie er das macht, damit unser Ohr für Urteile geschärft wird.
2 Diesem Ziel nähern wir uns auf zwei Wegen. Zum einen nehmen wir uns die gleiche Figur wie der Erzähler vor und bewerten sie anders; wir stellen dabei fest, wie leicht man das Bild eines Menschen umformen kann.
3 Dabei tauchen einige erzähltechnische Probleme auf. Wenn man aus den Kyklopen nette Menschen macht, dann kann der Wind, der Odysseus zu ihnen treibt, kein widriger Wind sein; das eine passt einfach nicht zum anderen.
4 Man steht also vor der Aufgabe, so zu erzählen, dass es insgesamt stimmig ist. Im normalen Leben sagt man, man müsse im Sprechen und Handeln glaubwürdig sein; Taten wie Worte sollten zueinander passen.
5 Der zweite Weg zum Ziel ist die grammatische Untersuchung der Sprache. Dabei bemerkt man zunächst, dass es oft ganze Sätze („Satzaussagen“) sind, in denen ein Mensch als gut oder schlecht dargestellt wird.
6 Er hilft den Schwachen; er hat viele Freunde; er kann einen Scherz vertragen… – wer so lebt, den schätzen wir als einen guten oder glücklichen Menschen. Es leuchtet uns ein, dass so zu leben Freude macht.
7 Was für ein Mensch jemand ist, wird mit einem prädikativen Satzadjektiv (Er ist nett.) oder Attribut (der neue Schüler) oder durch einen Gleichsetzungsnominativ (Mein Vater war Holzschuhmacher.) ausgesagt.
8 Durch Vergleiche oder adverbiale Ergänzungen der Art und Weise wird das Handeln charakterisiert. Es gibt jedoch noch eine raffinierte Möglichkeit, jemand zu bewerten, ohne dass es auffällt.
9 Wenn jemand in einer Villa lebt, ist das anders und gilt er als ein anderer, als wenn er in einer Baracke wohnte. „Baracke“ hat als Wort einen unangenehmen Klang; das gleiche Gebäude könnte man milder auch Hütte oder Häuschen nennen.
10 Diese Untersuchungen nehmen wir vor, damit ihr vielleicht ein bisschen selbständiger [= selbstständiger] werdet. Ihr sollt merken, wenn jemand über einen anderen urteilt, und nicht meinen, er spräche bloß reine Tatsachen aus.

Berichten
1 Wenn die Kinder von einem Wandertag nach Hause kommen, werden sie von ihren Eltern gefragt: „Wie war es heute?“ Die Eltern erwarten einen kurzen Bericht von den wichtigsten oder schönsten Ereignissen des Tages.
2 So könnte es zum Beispiel für die Eltern interessant sein, was unternommen worden ist, ob sich das eigene Kind wohlgefühlt [wohl gefühlt] und wie viel Geld es ausgegeben hat; wichtig ist auch, ob alle Kinder wieder gesund zurückgekommen sind.
3 Wenn man einem kranken Klassenkameraden vom Wandertag berichtet, hat dieser vermutlich andere Fragen als die Eltern: Hat man ihn nicht vermisst? Wer hat sich wieder mit Willi geprügelt? Mit wem ist Iris diesmal gegangen?
4 Von einem Wandertag werden meistens ungewöhnliche oder lustige Begebenheiten berichtet; auch die Heldentaten des Berichterstatters werden ins rechte Licht gerückt. Ein solcher Bericht dient nicht ausschließlich der Information.
5 Es gibt auch Berichte, die schriftlich abgefasst werden: Berichte von Unfällen, von Streitigkeiten oder wissenschaftlichen Experimenten. Bei diesen Berichten kommt es auf eine klare sachliche Darstellung des Vorgangs an.
6 In diesen Fällen muss berichtet werden
– alles, was wichtig war,
– aber auch nur das Wichtige;
– dieses in der richtigen Reihenfolge
– und möglichst genau.
Der Leser muss sich ein Urteil über den Vorgang bilden können.
7 Um das Wichtige zu erfassen, muss man die sechs W-Fragen beantworten: Was ist geschehen? Wer hat was getan? Wann und wo ist es geschiehen? Wie ist der Vorgang abgelaufen? Warum ist es so passiert, warum hat er es getan? [was – wer – wo – wann – wie – warum]
8 Wer mündlich berichtet, gebraucht meistens das Perfekt und für den Höhepunkt das Präsens; hieran sieht man, dass solche Berichte mit Erzählungen verwandt sind. Sie dienen auch zur Unterhaltung des Hörers.
9 Schriftliche Berichte werden durchweg im Präteritum abgefasst; man blickt auf den ganzen Vorgang zurück. Sie müssen in den Einzelheiten so genau sein, dass der Leser keine Fragen stellen muss, um sich ein klares Bild machen zu können.
[Kurze Erläuterung: „Was ist geschehen?“ ist die erste Frage, weil damit das Geschehen als ganzes, als Einheit erfasst wird.]

Untersuchen, vergleichen, erklären
1 Man kann Leute befragen, was sie am häufigsten in ihrer Freizeit machen. Die Antworten kann man auswerten, indem man eine Liste anlegt: An der Spitze steht Sport; es folgen die seltener genannten Tätigkeiten.
2 Das Inhaltsverzeichnis des Schülerdudens Grammatik ist eine ähnliche Liste. Sein Aufbau wird durch Schrifttypen und -größen, durch Fettdruck sowie durch Einrücken der Zeilen abgebildet bzw. angedeutet.
3 Wer sich in dieser Ordnung nicht zurechtfindet, kann im Register nachschlagen; die Stichworte sind alphabetisch geordnet und werden durch Schrifttypen markiert: grammatische Begriffe, vorkommende Wörter und erklärte Fremdwörter.
4 Je vielfältiger die Merkmale einer Sache unterschieden werden, desto schwieriger ist es, die Ergebnisse darzustellen. Welche unterschiedlichen Blattformen man kennt, kann man in einem Baumdiagramm zeigen.
5 Dieses Diagramm ähnelt dem Inhaltsverzeichnis des Schülerdudens; an die Stelle der verschiedenen Schrifttypen tritt hier die zunehmende Verzweigung, die wie ein Baum nach oben wächst.
6 Wie sich etwas entwickelt, kann man in einer Liste aufzeichnen und in einem Diagramm darstellen. So kann man messen, wie schnell eine Bohne wächst; diese Werte kann man in der Reihenfolge der Tage in einem Diagramm einzeichnen.
7 Wenn man mehrere Faktoren untersucht, kann man etwas erklären: Wie hoch ist die Aufmerksamkeit im Tagesverlauf, wenn man richtig, falsch oder gar nicht frühstückt? „Richtig“ und „falsch“ sind bereits Ergebnisse der Untersuchung.
8 Diesem Diagramm liegt das einfache Kreuzdiagramm zu Grunde, jedoch um die zeitliche Dimension erweitert. Ein Kreuzdiagramm beruht auf der Kombination zweier Unterscheidungen, etwa: wichtig / unwichtig, dringend / nicht dringend, in einem Kreuz.
9 Mit diesem Diagrammm legt man dann sein Arbeitsprogramm fest: Zuerst muss das erledigt werden, was sowohl wichtig wie dringend ist; am Ende kümmert man sich vielleicht noch um das, was unwichtig ist und nicht drängt.
10 Auch in der Physik werden viele Dinge anhand von Modellen und Schemata erklärt. Durch Abstraktion kommt man vom Bild einer Fahrradlampe zum Modell dieser Lampe oder zum Modell von Sonnen- und Mondfisternissen.
11 In einem Diagramm kann man also Unterschiede klar machen, Entwicklungen darstellen, Zusammenhänge aufzeigen; wenn man Farben für verschiedene Größen nimmt, sind diese leichter zu unterscheiden.

Diktate als  K l a s s e n a r b e i t e n :

Über bildhaftes Sprechen
Wer dichtet, spielt mit der Sprache; oft gelingt es ihm, den Klang und die Betonung der Wörter auszunutzen. Gern verwendet der Dichter auch eine bildhafte Sprache.
Dichter benutzen häufig Vergleiche und Metaphern; je weniger eine Metapher bekannt ist, desto mehr erfreut sich der Dichter daran. Für den Leser sind solche Metaphern nicht immer leicht zu verstehen.
Wenn von Gegenstünden oder Tieren wie von Menschen gesprochen wird, nennt man das eine Personifizierung. Weil Affen uns ähnlich sind, kann man sie leicht personifizieren, um so die Menschen zu kritisieren. Die Affen lernen in der Schule das Fressen und das Gehorchen; um Mensch zu sein, muss man etwas mehr lernen.
Metaphern sind ganz normale Satzglieder; der Begriff sagt etwas darüber, in welchem Sinn ein Wort verwendet wird, aber nicht, welche Aufgabe es im Satz hat. Vergleiche können adverbiale Ergänzungen sein; eine ganze Reihe von Vergleichen wird aber in Nebensätzen entfaltet.
(150 Wörter)

Bildhaftes Sprechen/Wortbildung
Manchmal fällt es einem schwer, mit den gebräuchlichen Wörtern das auszudrücken, was man meint. Dann kommt man vielleicht mit einer der Formen des bildhaften Sprechens weiter.
Wenn man Unbekanntes vorstellt, kann man es mit etwas Bekanntem vergleichen. Oft soll ein Vergleich helfen, dass man sich etwas anschaulich vorzustellen vermag. Wenn durch eine Metapher ein Gegenstand oder ein Tier mit menschlichen Fähigkeiten ausgestattet wird, spricht man von einer Personifizierung. Dadurch wird der Abstand zwischen Ding und Mensch oder Tier und Mensch verringert. Wenn Tiere in die Nähe der Menschen gerückt werden, wird möglicherweise angedeutet, dass Menschen sich wie Tiere verhalten können.
Wenn unbekannte Gegenstände auftauchen oder neue Einrichtungen geschaffen werden, braucht man zusätzliche Wörter. Dafür kann man vorhandene Wörter zusammensetzen oder sie abändern, indem man ein Präfix oder Suffix hinzufügt; manchmal wird auch der Stammvokal geändert. Zur Not übernimmt man einfach ein Wort aus einer fremden Sprache. (150 Wörter)

Märchen lesen
Selbst bei unbekannten Texten ahnen wir, worum es geht. Schon ihre Überschrift oder ein Buchtitel deuten oft bereits an, um was f&¨r eine Art Text es sich handelt. Die verschiedenen Textsorten sind mit jeweils anderer Stimme vorzulesen.
Die nächste Frage lautet: Aus welchen Teilen besteht der Text? Viele Märchen bestehen aus den gleichen Elementen; das wichtigste ist der Held. Meistens kommt die Hauptfigur nicht ohne Helfer aus; oft hat sie einen Gegenspieler. Der Held kann sich an seinen Aufgaben bewähren, weil er ein guter, fleißiger oder hilfsbereiter Mensch ist; manchmal ist er bloß klug. Wenn die Aufgabe trotzdem zu schwer ist, muss er von jemandem besondere Hilfsmittel erhalten.
Die Welt der Märchen ist einfach und klar: Wer gut ist, bewährt sich; wer sich bewährt, wird belohnt. Die Bösen versagen und werden bestraft; wer dagegen schuldlos versagt, bekommt eine neue Aufgabe. – Im wirklichen Leben geht es häufig anders zu.
(150 Wörter)

Wie neue Wörter entstehen
Die einfachste Art, wie man neue Wörter bildet, besteht darin, vorhandene Wörter zusammenzusetzen. So entsteht aus ‚Amt‘ und ‚sozial‘ das Wort ‚Sozialamt‘; dort werden die sozialen Aufgaben einer Gemeinde verwaltet. ‚Amt‘ ist hierbei das Grundwort, ‚sozial‘ wird als Bestimmungswort vorangestellt.
Die zweite Möglichkeit besteht darin, vorhandene Wörter abzuändern. So kann man aus Verben Nomina ableiten (fahren -> Fahrer, Fuhre), aus Adjektiven Verben (andere -> ändern) und so weiter. Dabei kann der Stammvokal geändert werden; entscheidend ist aber die Verwendung von Suffixen. Präfixe werden gebraucht, um die Bedeutung von Verben abzuwandeln (gehen -> angehen, aufgehen, nachgehen usw.).
Am einfachsten ist es, wenn ein Wort je nach dem Zusammenhang in verschiedenen Bedeutungen verwendet werden kann. So gibt es die Krone eines Königs, eines Baumes oder eines Zahns; sogar einer Reihe von Frechheiten kann jemand ‚die Krone aufsetzen‘. Wenn man eine fremde Sprache lernt, muss man solche eigenwilligen Redewendungen im Wörterbuch nachschlagen.
(150 Wörter)

Über Schriftsysteme
Zunächst haben die Menschen miteinander gesprochen; erst mit der Zeit haben sie begonnen, Worte in Zeichen festzuhalten. In den einzelnen Kulturen gibt es unterschiedliche Schriftsysteme, weil diese erfunden werden mussten.
Den Ursprung unserer Schrift bildet die ägyptische Bilderschrift; das Wort „Soldat“ wurde durch das Bild eines Soldaten dargestellt. Das gleiche Bild könnte aber auch verwendet werden, um die Handlung des Kämpfens oder die Eigenschaft Tapferkeit zu bezeichnen.
Die nächste Stufe in der Entwicklung war erreicht, als ein Bild für mehrere Wörter verwendet wurde, die gleich oder ähnlich klangen. Von hier aus war es nur ein Schritt bis zur letzten Stufe, wo jedes Wort als Lautfolge aufgefasst wurde. Einzelnen Lauten wurden feste Zeichen zugeordnet, welche Buchstaben heißen.
Probleme für die Rechtschreibung ergeben sich, weil es mehr Laute als Buchstaben gibt und weil für den gleichen Laut verschiedene Buchstaben oder Buchstabenfolgen stehen (Saal; Stab; Stahl). Die Schreibweise ist manchmal willkürlich festgelegt.
(150 Wörter – zu: Schrift und Rechtschreibung, Kl. 8)

Übungsdiktate für Klasse 5

Man sollte die Angabe „für Kl. 5“ usw. nicht zu eng sehen – man kann diese Diktate hier je nachdem auch in Kl. 6 oder 7 verwenden… – Zur GEBRAUCHSANLEITUNG siehe https://norberto68.wordpress.com/2012/03/08/das-tagliche-ubungsdiktat-idee-gebrauchsanleitung/

Übersicht:
Rechte und Pflichten der Lehrer und Schüler;
Mädchen und Jungen;
Vom Fragen;
Der Satz;
Wörter;
Einen Brief schreiben;
Bereite dich auf eine Klassenarbeit vor!
Lesen und vorlesen;
Erzählung und Nachzählung;
Wortarten;
Adverbiale Ergänzungen;
Ein Buch lesen;
Der eigene Standpunkt;
Rätsel lösen;
Gedichte;
(weitere Möglichkeiten:
Die Handschrift;
eine Bildergeschichte erzählen)

Diktate (aus zwei ÜD) als Klassenarbeiten:
Vom Fragen
Rechte und Pflichten
Vom Gebrauch der Wörter
Bildergeschichten

Rechte und Pflichten der Lehrer und Schüler – ÜD 5/1/
1 In der Schule arbeiten Lehrer und Schüler zusammen. Kinder müssen in Deutschland zehn Jahre lang die Schule besuchen; aber sie haben auch das Recht darauf, etwas zu lernen und in ihren Fähigkeiten gefördert zu werden.
2 Beide Gruppen, Lehrer und Schüler, haben Rechte und Pflichten. Die Lehrer müssen ihren Unterricht vorbereiten und den Schülern Gelegenheit geben, etwas Neues zu lernen; diese müssen mitarbeiten und ihre Aufgaben machen.
3 Zu den Rechten der Schüler gehört es, Fragen zu stellen und manchmal etwas misszuverstehen; dem entspricht die Pflicht der Lehrer, den Schülern beim Lernen zu helfen, sodass diese ihre Fragen beantworten können.
4 Außerdem müssen die Lehrer darauf achten, dass im Unterricht und in den Pausen eine gewisse Ordnung herrscht; diese Ordnung soll uns helfen, in Ruhe zu arbeiten, niemand zu schädigen und keine Einrichtungen der Schule zu zerstören.
5 Wir Menschen leben nur dann in Frieden zusammen, wenn wir uns gegenseitig achten und mit unseren Eigenheiten respektieren. Niemand darf wegen seines Namens und seines Aussehens oder wegen eines Fehlers ausgelacht werden.
6 Wichtig ist, dass sich jeder entschuldigen kann. Der Lehrer soll sich entschuldigen, wenn er einem Schüler Unrecht getan hat; Schüler sollen sich entschuldigen, wenn sie den Unterricht gestört oder jemand beleidigt haben.
7 Zur Pflicht des Lehrers gehört es, die Leistungen der Schüler gerecht zu beurteilen; er darf nicht bloß deshalb eine Leistung als „gut“ beurteilen, weil er einen Schüler oder eine Schülerin gut leiden kann.
8 Umgekehrt kann kein Schüler für sich besondere Aufmerksamkeit und Liebe erwarten. Wer zu Hause vielleicht der einzige Sohn oder die schönste Tochter, also Prinz oder Prinzessin ist, ist in der Klasse einer unter vielen.
9 Die Rechte und Pflichten aller sind im Schulgesetz und in der Hausordnung festgelegt; es ist eine Aufgabe des Klassenlehrers, sie den Schülern im Einzelnen zu erklären und dafür zu sorgen, dass sie beachtet werden.

Mädchen und Jungen
– ÜD
1 Mädchen und Jungen – das ist gelungen –
haben sich gerne zunächst aus der Ferne.
Mit diesem prächtigen Gedicht erkläre ich gern das Verhältnis von Mädchen und Jungen, die so alt sind wie ihr.
2 Ihr Mädchen und Jungen seid dabei, Frauen und Männer zu werden. Das ist ein großes Abenteuer; denn man weiß nicht, was bei dieser Veränderung auf einen zukommt, und man versteht seine Gefühle noch nicht richtig.
3 Wenn man nicht weiß, wie man sich verhalten soll, hält man sich besser etwas zurück. Es ist auch klug, auf andere zu achten: Wie verhalten sich diejenigen, die Bescheid wissen? Man soll vorsichtig sein oder sich an Vorbilder halten.
4 Vorbilder sind die Leute, die für uns darstellen, wie man etwas richtig macht. Die ersten Vorbilder dafür, wie Frauen und Männer miteinander umgehen, sind normalerweise die eigenen Eltern.
5 Besonders weibliche Frauen und auffallend männliche Männer treten in Filmen auf, werden in Erzählungen vorgestellt oder in der Fernsehwerbung aufgeboten. Auch sie bestimmen unser Bild von den Rollen von Mann und Frau.
6 Wenn wir nun die verschiedenen Vorbilder vergleichen, sehen wir zweierlei: Sie stimmen in vielen Punkten nicht überein und manche von ihnen gefallen uns nur zum Teil – das gilt sogar für die Eltern.
7 Wenn man dann nach einem bestimmten Bild zu leben versucht, merkt man außerdem meistens: Das ist anders, als man es sich vorgestellt hat; ferner gefällt anderen Leuten nicht alles, was einem selber als schön erscheint.
8 Das ist auch bei den Erzählungen der Fall, die wir jetzt im Unterricht lesen. Anke findet nicht gut, wie Jürgen sich als „Mann“ aufführt; Oliver wirft Karin und ihren Freundinnen vor, ihn gemein behandelt zu haben.
9 Dabei kommen sich die beiden sicher toll vor: Jürgen fühlt sich als Held, dem nur noch Mustang, Lasso und Revolver fehlen; Karin lacht mit den Mädchen den Dummkopf aus, der auf ihre schönen Augen hereingefallen ist.
10 Jürgen versteht vielleicht, dass Anke darunter leidet, wie er sich als Junge darstellt; wenn er es schaffte, sein eigenes Bild von Mädchen und Jungen dem Bild Ankes anzunähern, wäre er ein bisschen erwachsener geworden.

Vom Fragen
– ÜD
1 „Wer nicht fragt, bleibt dumm.“ Dies singen die Kinder der Sesamstraße. Es lohnt sich, über deren Lied und über das Fragen ein wenig nachzudenken; denn in der Schule geht es darum, Fragen zu stellen und zu beantworten.
2 Eigentlich sollen die Schüler Fragen stellen; sie gehen ja zur Schule, um zu lernen, was sie noch nicht wissen und können. Die Lehrer müssen die Fragen der Schüler beantworten beziehungsweise ihnen helfen, die Antwort zu finden.
3 Oft genug ist es nämlich so, dass die Schüler mit etwas Nachdenken und kleinen Hilfen selber ihre Fragen beantworten können. Sie merken dann: Es ist meistens gar nicht schwer, etwas Neues zu begreifen.
4 Keiner gibt gern zu, dass er dumm oder dümmer als andere ist; deshalb schämen sich manche, vor der Klasse eine Frage zu stellen, wenn sie meinen, andere wüssten die Antwort. Diese Beurteilung des Fragens ist falsch.
5 In Wahrheit ist es ein Zeichen von Intelligenz, wenn man auf eine Frage stößt. Man hat dann nämlich bemerkt, dass man etwas nicht weiß und was man nicht weiß; und ob andere Schüler die richtige Antwort wissen, ist noch nicht erwiesen.
6 Wenn der Lehrer Fragen stellt, will er manchmal damit prüfen, wer aufmerksam war, oder er möchte die Schüler anregen, selber nachzudenken; meistens lenkt er die Schüler in die Richtung, wo die Antwort zu finden ist.
7 Gelegentlich weist ein Lehrer mit seinen Fragen die Schüler absichtlich in eine falsche Richtung. Dies tut er, damit sie grundsätzlich selber denken und nicht einfach wie Schafe zu dem Ziel rennen, das er bezeichnet hat.
8 Manchmal will ein Lehrer auch prüfen, wie viel seine Zöglinge gelernt haben. Dann stellt er Fragen, die oft schwer zu beantworten sind. Wer solche Fragen oder ihre Formulierung nicht versteht, soll es ruhig sagen.
9 Wenn man nicht genau weiß, wer oder was welche Rolle (auch im Satz) spielt, klärt man es ebenfalls durch Fragen: Wer oder was hat es getan? Was hat er getan? Wozu hat er dies gemacht? Wem kommt es zugute?
10 So sieht man, dass Fragen in der Schule verschiedene Aufgaben haben. Man kann mit ihnen etwas Unklares benennen, die Schüler prüfen, sie zum Denken anregen oder einfach um eine Erklärung bitten. Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Der Satz – ÜD 5/4/
1 Ein Text besteht aus Sätzen. Am Ende eines Aussagesatzes senkt man beim Sprechen die Stimme, um die Abgrenzung zu kennzeichnen; beim Schreiben setzt man dort einen Punkt, mindestens aber ein Semikolon.
2 Ein Satz besteht wieder aus mehreren Teilen, welche wir Satzglieder nennen. Man kann die Reihenfolge der Satzglieder vertauschen, ohne dass der Sinn sich wesentlich änderte.
3 Wir untersuchen das an einem Beispiel:
(1) Der kleine Junge spielte zwei Tage lang mit diesem Kamel.
(1)‘ Mit diesem Kamel spielte der kleine Junge zwei Tage lang.
Das Satzglied an der Spitze ist ein wenig hervorgehoben.
4 Satzglieder sind die Wörter oder Wortgruppen, die bei einer Umstellung stets zusammenbleiben. Der Sinn verändert sich bei der Umstellung nicht; das erste und das letzte Satzglied, jedoch auch andere können betont werden. [Im Englischen gilt dagegen: S – P – O!]
5 Du kannst untersuchen, wie man die Satzglieder des Beispiels anordnen kann; du wirst feststellen, dass „spielte“ immer an der zweiten Stelle steht. Diese Stelle ist die Drehscheibe des Satzes.
6 An der zweiten Stelle steht im Satz das Prädikat; im Prädikat (Satzaussage) wird gesagt, was geschieht: spielen, jemand spielte. Zum Prädikat gehört die Angabe im Nominativ, das Subjekt (Satzgegenstand): der kleine Junge.
7 Im Subjekt wird benannt, wer oder was etwas tut, „wer oder was“ geschieht. Prädikat und Subjekt passen in der Zahl (Singular oder Plural) zusammen:
(2) Der kleine Junge — spielte.
(falsch: Der kleine Junge — spielen.)
8 Zum Prädikat müssen oft weitere Angaben gemacht werden, die meistens im Akkusativ oder Dativ stehen:
(3) Die Frau gibt dem Mann [Dativ] ein Messer [Akkusativ].
9 Hier wird also gesagt, wem sie etwas gibt und wen oder was sie ihm gibt. Solche Angaben heißen Objekte. Welche Objekte in einem Satz erforderlich sind, hängt vom Verb ab; Verben wie „regnen“ brauchen kein Objekt.
10 Daneben kann es in jedem Satz weitere Ergänzungen geben, die besagen, wo, wann, warum oder wie etwas geschieht. Sie heißen adverbiale Ergänzungen. Mit ihnen befassen wir uns später.

Wörter – ÜD
1 Ein Wort besteht nicht aus Buchstaben, sondern aus Lauten; wie man Laute in Buchstaben schreibt, muss man lernen; ebenso ist es nicht einfach, aus Buchstaben wieder die richtigen Laute zu formen.
2 Wenn man im Rätsel die Buchstaben A, T, M, E, N findet, könnte man aus ihnen das Nomen „Atmen“ bilden; man kann auch das Verb „atmen“ darin finden. Die Schreibweise (groß/klein) hilft uns, das richtige Wort zu erkennen.
3 Gleichzeitig hilft uns auch die Betonung, eine Lautfolge als Wort zu verstehen. So gibt es im Deutschen kein Verb, das auf der Endsilbe betont wäre; es gibt aber viele Fremdwörter, die endbetont sind („Kultur“).
4 In einem Bilderrätsel weiß man oft nicht, was gemeint ist: ein Chinese, ein Kellner, eine Tasse, der Tee oder der Vorgang des Servierens. Man sieht im Bild vieles, ohne dass eines hervorgehoben würde.
5 Ohne den Chinesen denkt keiner an Tee; Tee wird in einer Tasse serviert, meistens heiß. Den Tee erkennen wir auf dem Bild nur im Zusammenhang eines Vorgangs, also wenn er serviert wird. Wovon ist aber die Rede?
6 In den Sprachen werden für die verschiedenen Gesichtspunkte eigene Wörter gebildet: der Beruf Kellner, das Gerät Tasse, das Getränk oder der Rohstoff Tee, die Handlung servieren, die Eigenschaft heiß, dazu das Volk der Chinesen.
7 Wenn man solche Grundbegriffe kennt, versteht man viele Vorgänge und lernt die passenden Woerter: den Beruf Kellnerin, das Gerät Krug, das Getränk Bier, die Tätigkeit servieren, die Eigenschaft kalt, dazu das Volk der Belgier.
8 Bei Bildern ist auch unklar, ob ein Teich oder See dargestellt ist; ob ein Haus, eine Hütte oder eine Bruchbude zu sehen ist. Es gibt also Wörter für große und kleine Gebilde oder für den guten und schlechten Zustand einer Sache.
9 Es gibt auch noch andere Unterscheidungen: Eine Kuh hat schon einmal gekalbt, ein Rind dagegen noch nicht; der Eber ist männlich, die Sau ist weiblich. Ein Ochse war einmal ein Bulle, der jetzt kastriert ist.
10 Du siehst also, dass in einer Sprache viele Wörter gebraucht werden können; je mehr Grundbegriffe, je mehr Aspekte man unterscheidet und je mehr Wörter man kennt, desto genauer kann man sich ausdrücken.

Einen Brief schreiben – ÜD 5/3/
1 Wenn man einen Brief schreibt, ist das so ähnlich, wie wenn man zu jemandem spricht; aber man ist nicht unmittelbar mit ihm zusammen. Was dieser Unterschied für das Briefeschreiben bedeutet, wollen wir untersuchen.
2 Am besten überlegt man, was man eigentlich will, ehe man zu schreiben beginnt. Man darf aber nicht übersehen, dass vielleicht auch der andere etwas von einem wissen oder bekommen möchte; wer nur sich selber sieht, ist dumm.
3 Wahrscheinlich sieht der andere dich auch anders als du selber – denke an den Unterschied zwischen der 1. und der 3. Person! Erinnerst du dich an Bemerkungen, die anzeigen könnten, was ein anderer von dir hält?
4 Da man mit dem anderen nicht zusammen ist, muss man „das Gespräch“ herstellen. Falls man nicht an Freunde schreibt, stellt man sich vor, indem man Namen und Adresse nennt und das Datum angibt; danach folgt die Anrede.
5 Damit hat das Gespräch begonnen. Zur Einleitung schreibt man am besten etwas Erfreuliches oder etwas, was den anderen vermutlich interessiert; damit zeigt man ihm, dass man an seinem Leben Anteil nimmt.
6 Im Hauptteil des Briefes stellt man dar, was man eigentlich will: was man mitteilen will, um welche Auskunft oder welche Gefälligkeit man bittet. Da der andere nicht fragen kann, muss man sich klar ausdrücken.
7 Damit ist aber nicht gemeint, dass man einfach direkt auf sein Ziel losgeht; oft muss man den anderen für die eigenen Pläne zu gewinnen suchen, Bedenken des Adressaten ausräumen oder zeigen, dass der eigene Wunsch begründet ist.
8 Zur Form des guten Gesprächs gehört auch, dass es ruhig ausklingt und nicht einfach abbricht. Man kann zum Schluss von etwas sprechen, was beide angeht; zumindest sollte man den anderen grüßen, ehe man den Brief unterschreibt.
9 Heute telefoniert man oft, statt einen Brief zu schreiben. Am Telefon fasst man sich normalerweise kurz; aber die Regeln, wie man dort mit dem Zuhörer umgehen soll, sind im Prinzip die gleichen wie beim Schreiben.
10 In den E-mails schreibt man oft, was einem gerade einfällt, oder man kontrolliert den Text nicht mehr, ob er Fehler enthält; das mag so unter Freunden möglich sein, aber geschäftlich und amtlich sollte man „richtig“ schreiben.

Bereite dich auf eine Klassenarbeit vor! – ÜD
1 Wenn du in einer Klassenarbeit eine gute Leistung erzielen willst, darfst du nicht auf deinen Nachbarn oder eigene Geistesblitze vertrauen; du solltest dich sorgfältig auf die Prüfung vorbereiten.
2 Fang‘ eine Woche vorher an,
dann bist du wirklich echt gut dran.
Dieser gereimte Ratschlag ist nicht zu verachten; viele Schüler haben zwar gute Vorsätze, aber immer kommt ihnen etwas dazwischen.
3 Lege also in einem Plan fest, wann du arbeiten wirst! Dazu musst du wissen, wann du Zeit hast und wann nicht: Steht ein Geburtstag bevor? Wann willst du zum Training in den Sportverein gehen?
4 Es sollte dir auch rechtzeitig klar sein, was du alles in der Klassenarbeit können musst. Frage deshalb deinen Lehrer, wenn du es nicht weißt! Rege an, dass ihr eine Übungsarbeit schreibt.
5 Wie sollst du lernen? Lies nicht bloß im Lehrbuch etwas nach, sondern lerne aktiv und auf verschiedenen Wegen: Lege Lernkärtchen an! Schreibe Merksätze auf! Beantworte Prüfungsfragen!
6 Es ist auch sinnvoll, bloß zum Training einen Spickzettel zu verfassen; denn dabei zwingst du dich, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen und den ganzen Lehrstoff zu ordnen. Trainiere auch das Zeitgefühl in der Probearbeit oder bei den Hausaufgaben!
8 Am Tag vor der Klassenarbeit sollst du keinen neuen Stoff mehr lernen müssen; da wiederholst du nur noch und prüfst, ob du deine Zusammenfassungen beherrschst. Kontrolliere auch die Schreibgeräte und was du sonst noch brauchst.
8 Lassse dich vor der Klassenarbeit nicht verrückt machen. Lies zu Beginn die Aufgabenstellung sorgfältig ganz durch; wenn du sie nicht verstehst, fragst du am besten den Lehrer. Erinnere dich, in welchem Zusammenhang ihr das Thema behandelt habt.
9 Ein wichtiger Rat: Zuerst denken, dann schreiben! Notiere, falls das erforderlich ist, Stichworte und ordne sie. Wenn einzelne Teilaufgaben zu bearbeiten sind, fängst du mit solchen an, die du gut lösen kannst.
10 Schreibe präzise zur Aufgabenstellung! Und beiße dich nicht an einem Problem fest, sondern gehe zunächst weiter! Wenn du etwas nicht weißt, verbirg das nicht hinter Geschwätz – ein guter Lehrer durchschaut das sofort.
11 Lies nach Besprechung der Arbeit die Korrektur sorgfältig durch! Versuche die Kritik des Lehrers zu verstehen und nimm seine Ratschläge ernst. Das ist der erste Schritt, um die nächste Arbeit besser zu schreiben.

Lesen und vorlesen – ÜD
1 Wenn man sich mit der Frage befasst, was wir üben sollen, um besser lesen zu lernen, muss man das erste Lesen vom Vorlesen unterscheiden. Einen Text, den man vorliest, sollte man bereits kennen und verstanden haben.
2 Selbst bei einem unbekannten Text ahnen wir aufgrund der Form und der Überschrift, worum es geht. Damit ist zuerst gemeint, um was für eine Art Text es sich handelt: um eine Erzählung, eine Anzeige, einen Lexikonartikel oder etwas anderes.
3 Der Textsorte entsprechend hat der Autor geschrieben: Ereignisse, die für einen „Helden“ wichtig sind, werden spannend erzählt; in einem Lexikonartikel wird etwas sachlich knapp erklärt. Das ergibt jeweils andere Satzmelodien und Sprechweisen.
4 Die nächste Frage lautet: Aus welchen Teilen besteht der Text? Das heißt zum Beispiel: Wo beginnt ein neuer Erzählschritt? Welcher neuen Frage wendet sich der Autor eines Sachbuches zu?
5 Dass die Frage sich ändert oder ein neues Abenteuer erzählt wird, merkt man schnell; es wird oft ausdrücklich gesagt, zusätzlich auch durch einen Absatz im Text oder sogar durch eine Überschrift angekündigt.
6 Wenn ein Teil oder Abschnitt endet, soll man eine Pause machen. Das gilt mit Einschränkungen auch für lange Sätze. Hier muss man beachten, welche Wörter eine Gruppe bilden; dabei hilft einem die Lehre vom Satzbau und den Satzgliedern.
7 Solche Gruppen werden durch die Stimmhöhe und eine kleine Pause markiert. In Texten, die einem gehören, könnte man die Pause durch einen senkrechten Strich, die Betonung durch einen Akzent und die Stimmhöhe durch einen Pfeil markieren.
8 Wenn man sich darauf vorbereitet, einen Text vorzulesen, kann man verschiedene Lesarten ausprobieren. Das geht am besten, wenn man laut liest und sich fragt, welche Lesart zum Text passt; oft sind verschiedene Lesarten möglich.
9 Welche Wörter in einem unbekannten Text vorkommen, kann man ahnen, wenn man das Thema und die Fragestellung kennt. Wenn vom Gartenbau die Rede ist, kann man Wörter wie „Samen, Dünger, graben, ernten“ erwarten.
10 Wenn ein einzelnes Wort unbekannt ist, kann man normalerweise den Text trotzdem ohne weiteres verstehen. Aber ob ein oder mehrere, unbekannte Wörter soll man immer im Wörterbuch nachschlagen.

Erzählung und Nacherzählung
– ÜD 5/6/
1 Der Erzähler weiß etwas Wichtiges oder Interessantes, was einmal geschehen ist; er will dies anschaulich und lebendig darstellen. Die Zeitform des literarischen Erzählens ist das Präteritum (er lebte, er wohnte, er ging…).
2 Wenn man eine Erzählung verstehen will, muss man darauf achten, was die Figuren miteinander zu tun haben, worum es eigentlich geht und in welchen Schritten der Erzähler uns zum Höhepunkt seiner Geschichte führt.
3 So geht es in einer Geschichte Mark Twains darum, wie Tom eine lästige Pflicht durch eine List als ein Vorrecht darstellt; dadurch lässt er nicht nur andere für sich arbeiten, sondern kann auch noch daran verdienen.
4 Nur wer versteht, worum es in einer Erzählung geht, kann sie erzählen oder nacherzählen. Dabei muss man die gleichen Erzählschritte machen, die in der Vorlage zu finden sind; die Zeitform bleibt das Präteritum.
5 Die Nacherzählung wird für einen Leser geschrieben, der die Erzählung nicht kennt; man muss also angeben, wo und wann das Geschehen spielt. Auch müssen die Figuren eingeführt werden; statt bloß von Jim spricht man besser vom Negersklaven Jim.
6 Der Höhepunkt soll breit dargestellt werden; dabei kann die wörtliche Rede verwendet werden, um Äußerungen und Gedanken wiederzugeben. Die anderen Erzählschritte sollen normalerweise kurz dargestellt werden.
7 Nach dem Höhepunkt muss man zügig zum Schluss kommen, sonst wird es für den Zuhörer oder Leser langweilig. Man darf und soll seine eigenen Worte beim Nacherzählen gebrauchen, statt ganze Sätze wörtlich wiederzugeben.
8 Eine Nacherzählung muss also, genau wie eine Erzählung, bedacht und geplant werden; vielleicht notiert man sich vorher Stichworte. Beim Schreiben sollte man darauf achten, dass man nicht die gleichen Ausdrücke ständig wiederholt.
9 Wenn man der Erzählung selber eine Überschrift gibt, soll diese das Thema andeuten; sie darf aber nicht zu viel verraten. Für die Geschichte Mark Twains könnte man als Überschrift „Eine schlaue Idee“ wählen – oder hast du einen besseren Vorschlag?

Wortarten – ÜD
1 Eine Möglichkeit, Wörter zu ordnen, besteht darin, sie nach Wortarten zu sortieren; dies ist nötig, wenn man verstehen will, wie Wörter zu Wortgruppen, zu ganzen Sätzen, zu Äußerungen oder Texten zusammengestellt werden.
2 Die grundlegende Unterscheidung der Wortarten besteht darin, veränderbare Wörter und nichtveränderbare zu trennen. Die Veränderung (Flexion) des Verbs heißt Konjugation; nur ein Verb kann Prädikat des Satzes werden.
3 Die Personalform des Verbs steht in der 1., 2. oder 3. Person sowie im Singular oder Plural (Einzahl/Mehrzahl); in diesen Angaben von Person und Zahl muss das Prädikat immer mit dem Subjekt &¨bereinstimmen.
4 Alle anderen Wörter, die flektiert werden, sind deklinierbar; sie können also in die vier Fälle (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ) gesetzt werden. Eine große Gruppe der Wörter hat ein festes Geschlecht: die Nomina.
5 Die grammatischen Geschlechter sind „männlich, weiblich, keines (= Neutrum)“. So ist „der Baum“ männlich, „die Fabrik“ weiblich, „das Haus“ Neutrum. Die anderen deklinierbaren Wörter können in alle drei Geschlechter gesetzt werden.
6 Das sieht man am Adjektiv „alt“: (a) ein alter Baum; (b) eine alte Fabrik; (c) ein altes Haus. Die Adjektive sind in der großen Restgruppe die einzigen, die normalerweise gesteigert werden können: süß, süßer, am süßesten.
7 Die anderen Wörter, die zwar dekliniert, aber nicht gesteigert werden, sind die Begleiter und Stellvertreter: (d) der Baum; (e) meine Tante;(f) alle Leute; (g) ein Unglück.
8 Den Rest der Wörter nennen wir Partikeln; sie werden nicht flektiert. Wie wichtig die Partikeln sind, merkt man, wenn man versuchsweise einmal auf sie verzichtet; dann bleibt eine ganz primitive Sprache übrig.

Adverbiale Ergänzungen – ÜD
1 Subjekt und Prädikat bilden den Satzkern; dazu kommen normalerweise weitere Angaben, die wir Objekte nennen:
(1) Willi leiht seinem Freund das Fahrrad.
Hier findest du Objekte im Dativ und Akkusativ.
2 Daneben gibt es noch die adverbialen Ergänzungen; wie der Name sagt, gehören sie „zum Verb“. Man kann sie meistens auch als Ergänzungen zum ganzen übrigen Satz auffassen, nicht nur als solche zum Prädikat.
3 Das soll am Beispiel gezeigt werden:
(2) Heute / leiht / Willi seinem Freund das Fahrrad.
Die adverbiale Ergänzung „heute“ gibt an, wann der ganze Vorgang stattfindet; ohne Willi und den Freund gibt es kein Leihen.
4 Man kann am einfachsten vier große Gruppen von adverbialen Ergänzungen unterscheiden; sie geben den Ort, die Zeit, die Art und Weise sowie den Grund einer Handlung oder eines Geschehens an.
5 Man könnte aber auch mehr als vier Gruppen benennen. Wenn man etwa den Grund einer Handlung und ihren Zweck streng unterscheidet, könnte man fünf statt vier Gruppen adverbialer Ergänzungen zählen.
6 An folgendem Beispiel kannst du sehen, wie nah solche Angaben von Grund und Zweck verwandt sind:
(3) Ich kämpfe verbissen, weil ich das Spiel gewinnen will.
(4) Ich kämpfe verbissen, um das Spiel zu gewinnen.
7 In einem fernen Land – im Schloss – im finsteren Wald – in die
weite Welt; diese Ortsangaben eines Märchens schließen aneinander an. Ebenso müssen die Zeitangaben einen Zusammenhang bilden.
8 Wenn wir das als Sprachwissenschaftler betrachten, sehen wir zweierlei: Adverbiale Ergänzungen mehrerer Sätze gehören zusammen und müssen zueinander passen. Dieser Zusammenhang wird als Text entfaltet.
9 In diesen Zusammenhang müssen auch die Subjekte und alle übrigen Satzglieder passen, damit der Text eine Einheit bildet; wenn der Zusammenhang nicht besteht oder mehrfach schwer gestört wird, verstehen wir nichts mehr.
10 Die Ortsangaben oben stammen aus einem Märchen. Wenn der König „aus dem Raumschiff“ käme oder eine Prinzessin „am Computer“ säße, empfänden wir das als störend; vielleicht handelte es sich aber auch um ein modernes Märchen.

Ein Buch lesen
– ÜD
1 Wenn man zur Unterhaltung ein Buch liest, kann man meistens etwas erleben; das kann man auch im Kino oder vor dem Fernseher, aber dort bekommt man die Bilder und Geräusche schon fertig und unabänderlich vorgesetzt.
2 Wenn man ein Buch liest, muss man sich das alles selbst vorstellen; auf die Musik muss man allerdings verzichten. Lesen erfordert Konzentration; aber dafür gewinnt der Leser seine eigene Vorstellung vom Geschehen.
3 Dein Leben ist durch die Pflichten und Termine eines Schülers geregelt; die Helden der Bücher leben dagegen in einer Welt voll großer Gefahren, schwerer Aufgaben und toller Überraschungen.
4 Etwas erleben kann man auch, wenn die Helden es in ihrer Jugend nicht einfach haben; sie können behindert oder arm sein, ihre Eltern sind geschieden, sie selber leben als Fremde im Ausland oder geraten auf die schiefe Bahn.
5 So kann man, wenn man ein Buch liest, an Lebensproblemen teilnehmen, welche man normalerweise nicht so gut und nicht in dieser Fülle kennt; in einer Familie bleiben uns in der Regel viele Probleme erspart.
6 Manche Jugendbücher behandeln ausdrücklich Fragen, denen wir uns selber stellen müssen: Streit mit den Eltern, Ärger mit den Lehrern, Freundschaft oder Feindschaft mit anderen Kindern. Da kann man im Lesen seine Probleme von außen betrachten.
7 Es hat manche Vorteile, sein Leben einmal so zu sehen; man braucht sich nicht zu behaupten, kann Abstand von den eigenen Gefühlen gewinnen und sich so in die Lage der Erwachsenen oder anderer Kinder versetzen.
8 Sogar aus dem schönsten Buch kann man wieder einen Gegenstand des Unterrichts machen. Der Lehrer kann prüfen, wie sorgfältig man den Text gelesen hat; er kann dumme Fragen oder Aufgaben stellen und Noten verteilen.
9 Dann steht man wieder dort, wo man nicht stehen wollte, nämlich vor einem Problem. Darüber könntest du erneut eine Geschichte schreiben: Wie es dir gelingt, den Fallen des Lehrers auszuweichen und dich aus seinen Schlingen zu befreien.

Der eigene Standpunkt – ÜD
1 Als Kleinkinder sind wir naiv, wenn wir unsere Umgebung betrachten: Den weit entfernten Kastanienbaum halten wir für klein, unser Kaninchen kommt uns größer vor. Wir meinen, es sei alles so, wie wir es sehen.
2 Mit der Zeit lernen wir die Größenverhältnisse einschätzen. Es fällt uns aber weiterhin schwer, über Menschen vorsichtig zu urteilen. Vor allem fällt es uns schwer, uns selber mit etwas Abstand zu betrachten.
3 Wenn zwei Menschen gern ihren Gedanken freien Lauf lassen, nennen wir den einen einen Spinner, den anderen phantasiebegabt. Kannst du dir denken, welche dieser Bezeichnungen du für dich selber wähltest?
4 Oder wir sehen, dass der eine offen und ehrlich seine Meinung vertritt, der andere dagegen rücksichtslos auftritt. Dabei tun sie in den Augen eines unbeteiligten Dritten haargenau das Gleiche.
5 Wie kommt es, dass wir die Menschen so unterschiedlich beurteilen? Vermutlich hängt es damit zusammen, dass ich mein Inneres selber spüre, während ich vom anderen nur das Äußere sehe und ausdeute.
6 Ich finde es also vielleicht nur witzig, wenn ich einen Klassenkameraden Dickerchen nenne oder Zwerg. Vermutlich denke ich mir auch nicht viel dabei; ich habe ihn ja schon oft so genannt.
7 Der andere aber kann sich leicht verspottet fühlen; er hört nur das Wort und weiß nicht, was ich mir dabei denke. Erst wenn er weint oder schlägt oder wegrennt, kann ich merken, dass ich etwas falsch gemacht habe.
8 Oft genug merken wir es selbst dann nicht. Wir beschweren uns vielleicht sogar beim Lehrer, dass der andere Streit angefangen hat; er habe uns plötzlich einfach geschlagen oder getreten.
9 In modernen Jugendbüchern lesen wir von Außenseitern, die es schwer haben; wir begreifen dann, wie rücksichtslos Menschen handeln. Wir könnten ihnen eine Ohrfeige geben, so dumm sind sie.
10 Was wir selber tun, scheint etwas anderes zu sein. Doch in allen Religionen wird gelehrt, dass wir uns selber nicht richtig kennen: Wir werden, so heißt es, von einem Fremden gerichtet, der wird Gott genannt.
11 Die Goldene Regel besagt:
„Was du nicht willst, dass man dir tu,
das füg auch keinem andern zu.“
Diese Regel zu verstehen ist leichter, als sie konsequent zu befolgen.

Rätsel lösen – ÜD
1 Was für Haare hatten die alten Germanen? Das ist eine schwierige Frage, aber die Antwort ist einfach: Sie hatten graue Haare. Du merkst, die überraschende Frage war eine Scherzfrage.
2 Man wusste nicht so recht, wonach gefragt war; dabei liegt die Antwort auf der Hand, wenn man sie kennt. Es wurde absichtlich unklar gefragt; das macht den Scherz dieser Frage aus.
3 Warum kann ein Pferd kein Schneider werden? Die Frage ist noch schwerer als die erste; wie sollte ein Pferd eine Nadel anfassen, einem Kunden Maß nehmen oder Rechnungen schreiben können?
4 Ein Pferd kann nicht Schneider werden, weil es das Futter fressen würde. Bei dieser Antwort wird mit der Doppelbedeutung des Wortes „Futter“ gespielt; es liegt ein kleines Sprachspiel vor.
5 Rätsel zu lösen macht den meisten von uns viel Spaß. Das beginnt mit einfachen Scherzfragen; in Labyrinthen muss man Wege suchen und unter vielen Personen soll man den Dieb finden.
6 Warum freuen wir uns, wenn wir ein Rätsel gelöst haben? Unser Geist hat in einem Kampf mit scheinbarem Unsinn die Lösung gefunden, er hat Licht in eine dunkle Angelegenheit gebracht.
7 In Märchen hängt oft viel davon ab, dass man des Rätsels Lösung findet. Die junge Königin muss den Namen „Rumpelstilzchen“ erraten, wenn sie ihr Kind nicht an den Zwerg abgeben will.
8 Hier ist das Rätsel eine Aufgabe, an der sich der Held bewähren muss. Ähnlich war es mit einem anderen Rätsel: Wer geht am Morgen auf vier, am Mittag auf zwei und am Abend auf drei Beinen?
9 Wer das Rätsel nicht löste, wurde der Sage nach von einem Ungeheuer aufgefressen. Ödipus fand aber die Lösung: Ein Kind krabbelt, ein Greis geht am Stock; der Tag ist also das menschliche Leben.
10 Von Salomon wird in der Bibel erzählt, er sei überaus klug gewesen. Einmal hat er einen Fall gelöst, der völlig rätselhaft war. Er hat herausgefunden, wer die Mutter eines Säuglings war.
11 Um dieses Kind hatten sich zwei Frauen gestritten, nachdem ein anderes Kind gestorben war. Salomon entschied, das Kind auf die Frauen aufzuteilen; die falsche Mutter war damit einverstanden, die richtige verzichtete lieber auf ihre Hälfte.
12 Wenn du selber Rätsel herstellen willst, musst du von der Lösung ausgehen. Du gehst dabei so vor, dass du die Spuren vorsichtig verwischst; Andeutungen dürfen noch übrig bleiben: ein Rätsel.

Gedichte – ÜD

1 Gedichte sind Texte, die sich deutlich davon unterscheiden, wie wir normalerweise sprechen. Man kann sie leicht auswendig lernen – vor allem deshalb, weil sie in einem gleichförmigen Takt abgefasst sind.
2 Ein Takt ist eine Gruppe von zwei oder drei Silben, von denen eine betont ist. Mehrere gleiche Takte ergeben einen Vers, der für sich in einer Zeile steht. Eine Strophe besteht aus mehreren Versen, ein Gedicht aus Strophen.
3 Das Gesetz des Taktes schreibt vor, welche Wörter der Dichter wählen kann. So werden „Garten, Apfel, Kinder“ auf der ersten Silbe von zweien betont, „Kamin, das Tor, Hanswurst“ aber auf der zweiten. Der Takt kann auch gestört sein.
4 Als wesentliches Merkmal des Gedichtes neben dem Takt gilt der Reim. Wenn Wörter gleich (oder ähnlich) klingen, reimen sie sich. Durch den Reim werden Wörter bzw. Verse zusätzlich vom Klang her miteinander verbunden.
5 Wenn Silben oder Wörter am Ende von Versen gleich klingen, spricht man vom Endreim; Reime innerhalb eines Verses nennt man Binnenreim. Ein Stabreim liegt vor, wenn Wörter mit dem gleichen Laut in der betonten Silbe beginnen.
6 Welchen Eindruck ein Gedicht macht, hängt auch davon ab, in welchem Tempo es gesprochen wird. Ein hohes Tempo kann Freude, aber auch Unruhe oder Angst des Sprechers anzeigen; wenn jemand ruhig nachdenkt, spricht er dagegen langsam.
7 Der Autor hat das Gedicht ausgedacht und aufgeschrieben; er hat sich eine Figur vorgestellt, der er das Gedicht als Äußerung in den Mund legt. So wird „Herbst auf der Schulbank“ von einem Schulkind gesprochen bzw. gedacht.
8 Wichtig ist auch die Frage, wie das Gedicht aufgebaut ist. In „Der Zauberer Korinthe“ wird zunächst der Zauberer vorgestellt; dann werden drei Beispiele seines Wirkens erzählt, zum Schluss die Hörer direkt angesprochen.
9 Wie ein Gedicht aufgebaut ist, kann man erst richtig ausdrücken, wenn man untersucht, was der Sprecher tut: Er kann Vergangenes erzählen, über ein Erlebnis nachdenken, seine Wünsche äußern und vieles mehr.
10 Es gibt auch Gedichte, deren Verse nicht vom Takt bestimmt sind, sondern von einer festen Anzahl von Hebungen (also betonten Silben) oder überhaupt von der Silbenzahl oder von gar nichts – das muss man im Einzelfall feststellen.

Diktate als  K l a s s e n a r b e i t e n  (auf der Grundlage von zwei bekannten und benannten ÜD):

Vom Fragen

In der Schule sollen die Schüler lernen und ihre Fragen stellen; die Lehrer müssen diese Fragen beantworten oder den Kindern helfen, selber Antworten zu finden. Manche Schüler schämen sich, vor der Klasse etwas zu fragen; sie denken nämlich, die anderen wüssten alle die Lösung und brauchten deshalb nicht zu fragen. Aber dieser Eindruck ist oft falsch.
Ein Satz ist so aufgebaut, dass in ihm mögliche Fragen beantwortet werden. Im Subjekt wird genannt, wer oder was etwas tut. Dann können noch Angaben zum Prädikat gemacht werden, die meistens im Dativ oder Akkusativ stehen; diese Angaben heißen Objekte. Schließlich sind weitere Ergänzungen möglich; in ihnen wird gesagt, wann, wo oder wie etwas geschieht.
Fragen können einen auch in eine falsche Richtung lenken; deshalb soll man sie in aller Ruhe überprüfen.
(130 Wörter)

Rechte und Pflichten

In der Schule haben alle ihre Rechte und Pflichten. Die Lehrer müssen den Schülern Gelegenheit geben, etwas Neues zu lernen. Die Schüler sollen mitarbeiten und ihre Aufgaben machen; sie dürfen nicht den Unterricht stören, indem sie in die Klasse rufen oder sich zu viel mit ihren Nachbarn unterhalten.
Vor allem der Klassenlehrer muss darauf achten, dass man in Ruhe arbeiten kann und dass nichts beschädigt wird. Er soll auch mit der Klasse besprechen, wie Jungen und Mädchen miteinander umgehen können.
Ihr seid jetzt auf dem Weg, euch zu verändern und erwachsen zu werden. Das ist ein großes Abenteuer, weil ihr nicht wisst, was alles auf euch zukommt. Ihr wählt euch Vorbilder und müsst überprüfen, ob wir auch alle damit leben können; so respektiert ihr die anderen Menschen wirklich.
(130 Wörter)

Vom Gebrauch der Wörter

In Gedichten werden Wörter meistens auf andere Weise gebraucht als im täglichen Leben. Häufig werden sie in einem bestimmten Takt gesprochen.
Ein Takt ist eine Gruppe von Silben, von denen eine betont wird. Mehrere gleiche Takte ergeben einen Vers, mehrere Verse eine Strophe. Erst wenn der Takt im Vers wiederholt wird, kann man ihn aus dem Text heraushören.
Wenn Wörter gleich oder ähnlich klingen, spricht man von einem Reim. Reimwörter sind zunächst nur durch ihren Klang miteinander verbunden, nicht durch ihre Bedeutung. Ein guter Dichter findet aber auch sinnvolle Reime, nicht nur solche wie „Wand / fand“.
Wenn man Wortarten bestimmt, kommt es darauf an, wie Wörter als Wörter verwendbar sind: Kann das Wort verschiedene Formen annehmen oder nicht? Welche Veränderungen sind möglich (Zeitstufe – festes Geschlecht – Steigerung)?
(130 Wörter)

Bildergeschichten

Was in einer Bildergeschichte dargestellt wird, ist eher witzig als wichtig. Deswegen muss sie normalerweise zügig erzählt werden.
Meistens ist die Ausgangssituation klar; mit adverbialen Ergänzungen werden die Umstände des Geschehens ausgedrückt. Manchmal muss eine Vorgeschichte erzählt werden; das war zum Beispiel dort der Fall, wo ein Pfadfinder in Uniform auf eine alte Frau zuging, um ihr über die Straße zu helfen.
Genauestens muss man beachten, was sich in einem Bild gegen&¨ber dem vorhergehenden verändert. Wichtig ist dabei das Mienenspiel der Figuren; auch in ihrer Körperhaltung und mit ihren Gesten drücken sie aus, was sie empfinden, sagen oder denken.
Den Höhepunkt des Geschehens muss man breiter erzählen; hier sollte auch die wörtliche Rede verwendet werden. Den Abschluss kann der Gedanke einer Figur oder ein Kommentar des Erzählers bilden.
(130 Wörter)

Das tägliche Übungsdiktat – Idee, Gebrauchsanleitung

1. Die Idee
ist so einfach wie einleuchtend: Richtig schreiben lernt man nur durch Schreiben. Täglich schreiben, aber kein „witziges“ Diktat und keine Ansammlung schwer zu schreibender Wörter [es darf als erwiesen gelten, dass die Orientierung an Rechtschreibschwierigkeiten didaktisch falsch ist – ich erinnere an das Ranschburgsche Phänomen, die Ähnlichkeitshemmung!], sondern einen normalen Text mit den Wörtern, die tatsächlich gebraucht werden (Häufigkeitsverteilung!); als normal gilt das, was in unserem Unterricht vorkommt. Über das Fragen und das Antworten, über Wissen und Unklarheiten spreche ich als Deutsch- oder Klassenlehrer zu Beginn der Klasse 5 ausführlich – warum soll man dann an diesem Thema nicht auch die Rechtschreibung üben?
Ich möchte Ihnen beschreiben, wie ich das tägliche Übungsdiktat handhabe. Die Abkürzung ÜD (Übungsdiktat) gebrauche ich sowohl für ein ganzes Diktat wie für den kleinen Text, der an einem Tag geschrieben wird. So nenne ich ÜD 5/1 das erste Diktat in Klasse 5; ÜD 5/1/1 oder 5/1/2 ist das kleine Übungsdiktat, das wir an einem Tag schreiben. Sie sehen unten an den Beispielen, wie es gemeint ist. Wenn in Diktaten Beispielsätze angeführt werden, werden sie als (1), (2) usw. gezählt; wenn ein Beispiel variiert wird, erhält es einen Strich, also (1)‘, (2)‘ usw.

2. Die Praxis des täglichen Übungsdiktats
Das Übungsdiktat enthält die Theorie des laufenden Unterrichts oder eines kurz behandelten wichtigen Themas. Mit dem neuen Diktat sollte man erst beginnen, wenn bereits einige Stunden der Unterrichtsreihe vorbei sind; sonst wird den Schülern die Theorie zu früh vermittelt. Auch sieht man dann besser, wie viel Zeit man für das Thema haben wird, d.h. in welcher Intensität man es behandeln kann, und in welche Richtung der Unterricht läuft; darauf kann man den Text des Diktats abstimmen.
Angenommen, Sie haben das Diktat entworfen, was machen Sie dann? Sie drucken den Text für jeden Schüler und lochen das Blatt; die Schüler tragen oben rechts das Datum ein und heften das Blatt im Schnellhefter ab. Am ersten Tag wird der ganze Text gelesen, auftauchende Sachfragen werden besprochen. Jeder Schüler überprüft dann zu Hause (Hausaufgabe), welche Wörter für ihn schwierig zu schreiben sind; diese Wörter trägt er in die „Liste der schwierigen Wörter“ ein. Diese Liste ist ein Blatt, das er hinter dem Text von ÜD 5/1 abheftet. Bei jedem neuen Diktat gibt es dann eine neue Liste der schwierigen Wörter.
Der Text des ganzes Diktates besteht aus rund zehn kleinen, in sich sinnvoll geschlossenen Texten von etwa 30 – 35 Wörtern. Von diesen kleinen Texten wird täglich einer diktiert, das Übungsdiktat. Bei meiner Nummerierung bezeichnet die erste Ziffer die Klassenstufe (5, 6, 7), die zweite die Nummer des Diktates im Schuljahr, die dritte die Nummer des täglichen Übungsdiktates.
Am zweiten Tag würde also ÜD 5/1/1 diktiert (zuerst im Ganzen, dann Satz für Satz, dann zur Kontrolle der Text noch einmal wiederholt); danach sollen die Schüler den Diktattext zur Hand nehmen und gegenseitig den gerade geschriebenen Text korrigieren. Ich überprüfe anschließend bei einigen Schülern (ca. 6), wie sorgfältig der Nachbar korrigiert hat. Gleichzeitig sehe ich, welche Fehler vorgekommen sind. Ich halte es so, dass ein Schüler zur Tafel geht und den „Fehler des Tages“ (natürlich in korrigierter Fassung) anschreibt; wir besprechen dann das Problem sowie die entsprechende Regel und suchen einige Beispiele für das regelhafte Phänomen. Jeder trägt dann die Wörter, die er an diesem Tag falsch geschrieben hat, berichtigt in die Liste der schwierigen Wörter ein. [Ich lasse es dabei bewenden; man kann natürlich diese Fehler weiter bearbeiten, etwa eine Liste der Hauptfehler eines ÜD vorlegen und dann von den Schülern korrigieren lassen usw.; man muss dann nur in seinem Text markiert haben, was der (die) Fehler des Tages war(en).] Anschließend lesen wir das nächste Übungsdiktat, an diesem Tag also ÜD 5/1/2, und nennen die Wörter daraus, welche wohl schwer zu schreibensind. Das Ganze dauert etwa 10 bis 15 Minuten.
Am dritten Tag geht es mit ÜD 5/1/2 und der Lektüre von ÜD 5/1/3 weiter. Vor dem Diktat von ÜD 5/1/2 nenne ich kurz den Gedanken von ÜD 5/1/1, wenn 5/1/2 ihn fortsetzt; die Schüler sollen ja nicht bloß Wörter, sondern einen Text schreiben. – Wenn in Klasse 6 das Satzgefüge besprochen und die wesentlichen Regeln der Komma-Setzung behandelt sind, diktiere ich keine Kommas mehr, frage anschließend aber bei jedem Komma, warum es gesetzt wird.
Insgesamt gehen die Schüler ehrlich mit ihren Fehlern um, was dadurch unterstützt wird, dass gerade typische Fehler besprochen werden und kein Fehler als „unmöglich“ hingestellt wird. Man muss aber darauf achten, dass die Schüler ihre Lehrerrolle beim Korrigieren nicht ausnützen und unsauber geschriebene Buchstaben als „Fehler“ anstreichen. Ich stelle immer wieder fest, dass Schüler gern das fremde Diktat benoten; das lasse ich nicht zu, allenfalls eine Angabe der Fehlerzahl.
Wie viele Diktate schafft man pro Jahr? Falls man fünf Wochenstunden Deutsch zur Verfügung hat, schafft man etwa 10 Diktate, wenn man konsequent an der Idee festhält. Es gibt einige wenige Tage, an denen das Übungsdiktat ausfallen darf: die ersten Tage einer fünften Klasse; der letzte Tag vor einer Klassenarbeit; auch an einem Tag mit übermäßig viel organisatorischen Aufgaben könnte man auf das Übungsdiktat verzichten – aber nicht zu oft! Am täglichen Übungsdiktat habe ich auf Wunsch meiner Schüler (Gymnasium) bis zur 7. Klasse einschließlich festgehalten.

3. Was leistet das tägliche Übungsdiktat?
Das tägliche Übungsdiktat hat viele Funktionen: Es ist am Stundenbeginn eine Phase des ruhigen, konzentrierten Schreibens aller Schüler. Häufig gebrauchte Wörter werden hier gesichert; der Wortschatz der Schüler wird aber auch um Ausdrücke erweitert, die in ihrem Alltagsleben selten vorkommen. Ich hoffe ferner, dass meine sprachlichen Formen des Beschreibens und Erklärens von den Schülern übernommen werden.
Bei der Korrektur sollen die Schüler die elementare Technik, Texte zu vergleichen, üben; bei und nach der Korrektur ist es ihnen erlaubt, kurz mit dem Nachbarn zu sprechen und sich so ein wenig zu entspannen.
Auch haben die Schüler im Diktat einen Text, der die Theorie des laufenden Unterrichts darstellt, welche sie vor einer Klassenarbeit leicht wiederholen können. Ebenso wird durch die tägliche Übung das Schreibtempo erhöht: In einer Klassenarbeit in Klasse 6 brauchen die Schüler für 150 Wörter des Diktats einschließlich ihrer Korrektur knapp eine halbe Stunde.
Mit dem täglichen Übungsdiktat ist der Rechtschreibunterricht großenteils in den Deutschunterricht integriert; thematisch kommt noch die Arbeit an Wortfamilien und in der 6. Klasse die Lehre von der Wortbildung hinzu. Die Integration der verschiedenen Arbeitsbereiche und die Organisation der zugehörigen Arbeitsformen bringen es mit sich, dass die einzelne Stunde nicht einem einzigen Lernziel untergeordnet ist.

4. Diktat als Klassenarbeit
In Nordrhein-Westfalen war erlaubt, in Klasse 5 und 6 des Gymnasiums pro Halbjahr ein Diktat als Klassenarbeit zu schreiben; in Klasse 5 durfte dieses Diktat nicht mehr als 130, in Klasse 6 höchstens 150 Wörter umfassen. [Diese Regelung (zwei Diktate pro Schuljahr in Kl. 5 und 6) ist seit dem Schuljahr 2005/06 abgeschafft; jetzt darf in jeder Klassenarbeit eine kurze Überprüfung der Rechtschreibung stattfinden. Ich gehe auf die Hälfte der alten Wörterzahl (ca. 65 – 75) und werde das wohl in Kl. 5 – 7 in jeder zweiten Klassenarbeit praktizieren.]
Aus zwei Diktaten (also etwa ÜD 5/2 und 5/4) baue ich ein als Klassenarbeit anstehendes Diktat zusammen, wodurch für mich die Vorbereitung von Diktaten entfällt. Den Schülern kündige ich an, aus welchen beiden Diktaten der Text der Klassenarbeit zusammengestellt wird; dann kann jeder nicht nur die Diktattexte, sondern auch die gerade für ihn schwierigen Wörter (Liste der schwierigen Wörter!) üben.
In den Klassenarbeiten zeigen die Schüler in hohem Maß Rechtschreibsicherheit; 10 Fehler wären sehr viel, in einer guten 5. Klasse liegt der Durchschnitt anfangs bei 5 – 6, nach einem Jahr bei etwa 3 Fehlern pro Diktat.
Als Beispiele führe ich ÜD 5/2 und 5/4 und eine auf der Kombination der beiden Diktate basierende Klassenarbeit an:

Vom Fragen – ÜD 5/2/
1 „Wer nicht fragt, bleibt dumm.“ Dies singen die Kinder der Sesamstraße. Es lohnt sich, über deren Lied und über das Fragen ein wenig nachzudenken; denn in der Schule geht es darum, Fragen zu stellen und zu beantworten.
2 Eigentlich sollen die Schüler Fragen stellen; sie gehen ja zur Schule, um zu lernen, was sie noch nicht wissen und können. Die Lehrer müssen die Fragen der Schüler beantworten oder ihnen helfen, die Antwort zu finden.
3 Manchmal ist es nämlich so, dass die Schüler mit etwas Nachdenken und kleinen Hilfen selbst ihre Fragen beantworten können. Sie merken dann: Es ist oft gar nicht schwer, Neues zu erkennen.
4 Keiner gibt gern zu, dass er dümmer ist als andere; deshalb schämen sich viele, vor der Klasse eine Frage zu stellen, wenn sie meinen, andere wüssten die Antwort. Diese Beurteilung des Fragens ist falsch.
5 In Wahrheit ist es ein Zeichen von Intelligenz, wenn man auf eine Frage stößt. Man hat dann nämlich bemerkt, dass man etwas nicht weiß und was man nicht weiß; und ob andere Schüler die richtige Antwort wissen, ist noch nicht erwiesen.
6 Wenn der Lehrer Fragen stellt, will er damit vielleicht prüfen, wer aufmerksam war, oder er möchte die Schüler anregen, selbst nachzudenken; meistens lenkt er die Schüler in die Richtung, wo die Antwort zu finden ist.
7 Gelegentlich lenkt ein Lehrer mit seinen Fragen die Schüler absichtlich in eine falsche Richtung. Dies tut er, damit sie grundsätzlich selber denken und nicht einfach wie Schafe zu dem Ziel rennen, auf das er hinweist.
8 Manchmal will ein Lehrer auch prüfen, wie viel seine Schüler gelernt haben. Dann stellt er Fragen, die oft schwer zu beantworten sind. Wer solche Fragen nicht versteht, soll es ruhig sagen.
9 Wenn man nicht genau weiß, wer oder was welche Rolle (auch im Satz) spielt, klärt man es ebenfalls durch Fragen: Wer oder was hat es getan? Wen oder was hat er getan? Wem kommt es zugute?
10 So sieht man, dass Fragen in der Schule verschiedene Aufgaben haben. Man kann mit ihnen etwas Unklares benennen, die Schüler prüfen, sie zum Denken anregen oder einfach um eine Erklärung bitten. Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Der Satz – ÜD 5/4/
1 Ein Text besteht aus Sätzen. Am Ende eines Aussagesatzes senkt man beim Sprechen die Stimme, um die Grenze zu kennzeichnen; beim Schreiben setzt man dort einen Punkt, mindestens ein Semikolon.
2 Ein Satz besteht wieder aus mehreren Teilen, welche wir Satzglieder nennen. Man kann die Reihenfolge der Satzglieder vertauschen, ohne dass der Sinn sich dadurch wesentlich änderte.
3 Wir untersuchen das an einem Beispiel:
(1) Der kleine Junge spielte zwei Tage lang mit diesem Kamel.
(1)‘ Mit diesem Kamel spielte der kleine Junge zwei Tage lang.
Das Satzglied an der Spitze wird ein wenig betont.
4 Satzglieder sind die Wörter oder Wortgruppen, die bei einer Umstellung stets zusammenbleiben. Der Sinn verändert sich bei der Umstellung nicht. [Im Englischen gilt dagegen: S – P – O!] Doch wird auch das letzte Satzglied ein wenig betont.
5 Du kannst untersuchen, wie man die Satzglieder des Beispiels anordnen kann; du wirst feststellen, dass „spielte“ immer an der zweiten Stelle steht. Diese Stelle ist die Drehscheibe des Satzes.
6 An der zweiten Stelle steht im Satz das Prädikat; im Prädikat (Satzaussage) wird gesagt, was geschieht: spielen; jemand spielte. Zum Prädikat gehört eine Angabe im Nominativ, das Subjekt (Satzgegenstand): der kleine Junge.
7 Im Subjekt wird benannt, wer oder was etwas tut, wer oder was geschieht. Prädikat und Subjekt passen in der Zahl (Singular oder Plural) zusammen:
(2) Der kleine Junge – spielte.
(falsch: Der kleine Junge – spielen.)
8 Zum Prädikat können noch weitere Angaben gemacht werden, die meistens im Akkusativ oder Dativ stehen:
(3) Die Frau gibt dem Mann [Dativ] ein Messer [Akkusativ].
9 Hier wird also gesagt, wem sie etwas gibt und wen oder was sie ihm gibt. Solche Angaben heißen Objekte. Welche Objekte in einem Satz erforderlich sind, hängt vom Verb ab; Verben wie „regnen“ brauchen kein Objekt.
10 Daneben kann es in jedem Satz mehrere Ergänzungen geben, die besagen, wo, wann, warum oder wie etwas geschieht. Sie heißen adverbiale Ergänzungen. Mit ihnen befassen wir uns später.

Der Text der Klassenarbeit (Kl. 5) war folgender:

Vom Fragen
In der Schule sollen die Schüler lernen und ihre Fragen stellen; die Lehrer müssen diese Fragen beantworten oder den Kindern helfen, selbst Antworten zu finden. Manche Schüler schämen sich, vor der Klasse etwas zu fragen; sie denken nämlich, die anderen wüssten alle die Lösung und brauchten deshalb nicht zu fragen. Aber dieser Eindruck ist oft falsch.
Ein Satz ist so aufgebaut, dass in ihm mögliche Fragen beantwortet werden. Im Subjekt wird genannt, wer oder was etwas tut. Dann können noch Angaben zum Prädikat gemacht werden, die meistens im Dativ oder Akkusativ stehen; diese Angaben heißen Objekte. Schließlich sind weitere Ergänzungen möglich; in ihnen wird gesagt, wann, wo oder wie etwas geschieht.
Fragen können einen auch in eine falsche Richtung lenken; deshalb soll man sie in aller Ruhe überprüfen.
(130 Wörter)

Arbeitsform: Fehler berichtigen
Eine Möglichkeit, den Lernerfolg außerhalb einer Klassenarbeit oder des erneut geschriebenen Diktats zu überprüfen bzw. die Rechtschreibung zu verbessern, sehe ich darin, die gängigen Fehler des jeweiligen Diktats den Schülern zur Korrektur vorzulegen; dazu muss man jeweils den „Fehler des Tages“ oder die beiden Fehler des Tages notiert haben. Zum ÜD „Einen Brief schreiben“ sieht diese Liste im Schuljahr 2005/06 folgendermaßen aus:

Zu ÜD 5/3 – Wendungen mit mindestens einem Fehler
Aufgabe: Streiche den Fehler an, verbessere ihn in der Zeile darüber!

Verbesserung: _________________________________________________
1) Spaß am Brife schreiben haben

Verbesserung: _________________________________________________
2) einen Unterschid erkennen

Verbesserung: _________________________________________________
3) Er siehd das Reh.

Verbesserung: _________________________________________________
4) Die Vorstellung begint jezt.

Verbesserung: _________________________________________________
5) warscheinlich ein Kölner

Verbesserung: _________________________________________________
6) fals es im Winter schneid

Verbesserung: _________________________________________________
7) dem spielführer follgen

Verbesserung: _________________________________________________
8) Er fast mich an.

Verbesserung: _________________________________________________
9) im Prinziep gewonnen

Verbesserung: _________________________________________________
10) am Untericht interesirt sein

Verbesserung: _________________________________________________
11) etwas erfreuliches sagen

Verbesserung: _________________________________________________
12) eine Gefäligkeit erweisen

Verbesserung: _________________________________________________
13) der adresat des Briefes

Verbesserung: _________________________________________________
14) Bedenken vorher ausreumen

Verbesserung: _________________________________________________
15) nachdenken, ehemann schreibt

Von den 20 Fehlern habe ich _____ selber erkannt.
Auswertung:
Wer alle 20 Fehler richtig erkannt hat, kann mich ab sofort vertreten.
Wer mehr als 17 direkt erkannt hat, kann Deutschlehrer werden.
Wer mehr als 15 erkannt hat, sieht Fehler schon ganz gut.
Wer weniger als 13 erkannt hat, hat nicht genug geübt.

Die Texte der Übungsdiktate für Kl. 5 bis 7 sind jeweils in einem eigenen Artikel in der Kategorie „Übungsdiktatezu finden, s. die Kategorie am rechten Rand! In Kl. 5-7 Übungsdiktate zu schreiben war meine eigene Praxis; danach erfolgte in der Regel an unserer Schule ein Lehrerwechsel, und in Kl. 8 mit dem Schreiben von Übungsdiktaten anzufangen wäre nicht gut gewesen (u.a. Zeitknappheit: nur drei Wochenstunden Deutsch in Kl. 9) – ihren Zweck könnten sie aber auch in Kl. 8 und 9 erfüllen.

Liebe Kollegen,
die Texte der Übungsdiktate sind mit dem Programm „simple text“ von einem Mac 7 auf einen Mac 9 (und jetzt 10.6) übernommen worden – dabei sind die Umlaute aufgelöst und alle ß in ss verwandelt worden. Ich habe diese Metamorphosen rückgängig zu machen versucht, aber dabei einige übersehen. Wenn ihr also so einen Klops findet, diesen bitte im Kommentar genau lokalisieren, damit ich ihn leichter eliminieren kann.
Danke!

P. S. Ich habe die Unterrichtseinheit „Wortbildung“, die m.E. für das Verständnis richtiger Schreibweisen viel leisten kann, unter der Kategorie „Semantik“ hier im Blog norberto68 veröffentlicht.

Vgl. auch http://www.cyberkidz.de/pdf/Projektunterricht-worter-5-7.pdf

Vgl. den Bericht des SPIEGEL über die schwindende Fähigkeit zur Rechtschreibung vom 28. März 2013: Hier wird bestätigt, dass man Schreiben nur durch Schreiben lernt – die Grundidee meiner Praxis des täglichen Übungsdiktats – meiner früheren Praxis, ich bin ja seit knapp sechs Jahren pensioniert.