Aufgabe von Wörterbüchern: unklar

Es ist gar nicht so leicht, zwingend zu erklären, was die Aufgabe eines Wörterbuchs der deutschen Sprache ist: Soll ein Wörterbuch die „richtige“ oder die tatsächliche Schreibweise (und Bedeutung) von Wörtern dokumentieren?

Wenn man sich hierbei auf die tatsächliche Schreibweise festlegt, kommt man in Teufels Küche: Für jedes Wort gibt es viele Schreibweisen, die so stark voneinander abweichen, dass man oft kaum noch das gemeinte Wort erkennt; ich erinnere mich daran, dass am FMG ein Mädchen in der 5. Klasse einmal „vamudlech“ schrieb, womit sie „vermutlich“ meinte, was mir erst nach langem Nachdenken aufging.

Wenn man sich aber dafür entscheidet, ein Wörterbuch solle die richtige Schreibweise festlegen, stellt sich sogleich die Frage: Wer entscheidet denn, was die richtige Schreibweise ist? Im Streit um die letzte Rechtschreibreform und auch danach haben wir gesehen, dass letztlich oft nicht zu klären ist, was „richtig“ ist, und dass dann auch nicht klar ist, wer darüber entscheiden soll, was richtig ist: eine nationale Konferenz (Wer kommt da hinein? Nach welchen Maßstäben entscheidet sie?), eine internationale Konferenz der deutschsprachigen Länder? Ein schönes Beispiel dafür, wie penetrant und beinahe lächerlich der Versuch ist, aufgrund eigener Einsicht in die Sprachgeschichte gegen die tatsächlichen die „richtigen“ Schreibweisen durchsetzen zu wollen, ist „Kleines deutsches Wörterbuch für die Aussprache, Rechtschreibung, Biegung und Ableitung…“ von J. C. Adelung, in fünfter Auflage 1824 von Karl Benjamin Schade bearbeitet: https://archive.org/stream/bub_gb_5jgSAAAAIAAJ#page/n3/mode/2up; es genügt schon, die Artikel der ersten Seiten zu lesen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie unsinnig das Bemühen ist, die eigene Einsicht zum einzigen Maßstab des Richtigen zu machen.

Letztlich wird sich ein Wörterbuch nach dem tatsächlichen Sprachgebrauch und der Schreibweise der halbwegs Kompetenten richten und die schlimmsten Auswüchse zu verhindern suchen – wobei wieder zu fragen ist, wer halbwegs kompetent ist und wann man von schlimmen Auswüchsen sprechen kann. Zu den halbwegs Kompetenten wird man die Schriftsteller und die großen Zeitungen zählen, aber über schlimme Auswüchse kann nur das eigene Sprachgefühl urteilen. So trägt man als jemand, der sich für halbwegs kompetent hält, durch seine Praxis des Sprechens und Schreibens dazu bei, dass die Sprache Deutsch bestehen bleibt.

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Deutsch – sprechen, Aussprache

Aussprache deutscher Wörter – Hilfen online

http://www.dict.cc/ Hier gibt man das deutsche Wort ein und klickt auf „Suche“, dann erscheint das Wort mit seiner englischen (wahlweise andere Sprachen!) Übersetzung (wahlweise weitere Wörter zum Anklicken); wenn man anklickt, bekommt man das Wort und eine Reihe von Ausrücken (jeweils mit engl. Übersetzung) zum Anhören (rechts klicken); es gibt verschiedene Sprecher, die unterschiedlich gut sprechen.

DWDS (http://www.dwds.de); dort stehen in der oberen Reihe drei verschiedene Wörterbücher: 1. das Wörterbuch mit einem Klick zur (guten) Aussprache des Wortes, 2. weitere Beiträge (u.a. Synonyme)

Linguee (http://www.linguee.de) Hier findet man das Wort, mit (guter) Aussprache und engl. Übersetzung; ferner eine Reihe von Texten mit engl. Übersetzung

Leo (http://www.leo.org) Hier findet man das Wort mit englischer oder anderer Übersetzung und jeweiliger Aussprache. Links vom Aussprache-Klick-Zeichen steht ein weiteres Zeichen, mit dem man die Flexion des Wortes anklicken kann (Endungen farbig markiert).

PONS (http://de.pons.com/) Hier sieht man das Wort, mit (öfter eigenwilliger) Aussprache und engl. Übersetzung (viele Wendungen, mit Aussprache) – wenn man Deutsch-Englisch einstellt. Man kann auch Deutsch allein suchen.

https://www.youtube.com/watch?v=0NG4eEcJLj0 (Grundwortschatz 500 Wörter, häufige Sätze, 30 wichtige Verben, konjugiert)

https://www.youtube.com/watch?v=BDcEU_vyFqc (Deutsch für Anfänger, in Redewendungen, mit englischer Übersetzung) – ein Folge von Filmen

 

Laut-Buchstaben-Beziehungen im Deutschen:

http://soundsofspeech.uiowa.edu/german/german.html Phonetik des Deutschen (es wird nicht nur gesprochen, sondern auch bildlich gezeigt, wie und wo die verschiedenen Laute gebildet werden)

http://www.duden.de/hilfe/aussprache (die Laute)

https://de.wikipedia.org/wiki/Aussprache_der_deutschen_Sprache (dito)

http://www.dw.com/popups/pdf/2826353/lektion-04-aussprache-laut-buchstaben-beziehungen-im-deutschen.pdf (dito, übersichtlich)

http://lib.chdu.edu.ua/pdf/metodser/108/26.pdf (dito, übersichtlich)

[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_IPA-Zeichen (Liste IPA, komplex)]

http://www.korrekturen.de/regelwerk/laut-buchstaben-zuordnungen.shtml (Vorbemerkungen mit den Buchstaben; im Einzelnen die Differenzierung: „Laute/Buchstaben“ – die Regeln)

http://verben.de/regelwerk/Regel:1 (dito) (http://verben.de/regelwerk/)

http://deutscheaussprache.com/ (Übung)

http://vs-material.wegerer.at/deutsch/d_lautschule.htm (Material)

http://www.deutsch-lernen-online.net/aussprache (kleine Sammlung)

http://blog.goethe.de/majstersztyk/archives/154-Deutsche-Aussprache.html

 

Vgl. auch https://norberto68.wordpress.com/2016/02/14/alphabetisierung/ (Alphabetisierung)

Deutsche Wörterbücher

Zufällig habe ich ein Verzeichnis der im Internet greifbaren deutschen Wörterbücher gefunden:

http://de.wikisource.org/wiki/W%C3%B6rterb%C3%BCcher, genauer (und eingegrenzt):

http://de.wikisource.org/wiki/W%C3%B6rterb%C3%BCcher#Deutsch

Die Vielzahl der (mir weithin unbekannten) Werke hat mich überrascht. Man muss aber die Frakturschrift lesen können, wenn man die alten Schätze nutzen will.

Ein Beispiel für viele ist der Autor Daniel Sanders:

http://de.wikisource.org/wiki/Daniel_Sanders (Werke Daniel Sanders’)

http://books.google.de/books?id=qXVJAAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false (Wörterbuch 1. Band) = https://archive.org/details/Sanders-Daniel-Woerterbuch-der-Deutschen-Sprache

http://books.google.de/books?id=5HVJAAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false (2. Band, 1. Hälfte) = https://archive.org/details/Sanders-Daniel-Woerterbuch-der-Deutschen-Sprache-Zweiter-Band-1

http://books.google.de/books?id=mHZJAAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false (2. Band, 2. Hälfte) = https://archive.org/details/pt02wrterbuchderde02sanduoft

https://archive.org/stream/wrterbuchder00sanduoft#page/n3/mode/2up (Ergänzungswörterbuch der deutschen Sprache, 1885)

https://books.google.de/books?id=etpIAAAAcAAJ&printsec=frontcover&dq=inauthor:%22Daniel+Sanders%22&hl=de&sa=X&ei=vWU_VdPyFpaxaf3AgMgC&ved=0CDIQ6AEwAQ#v=onepage&q&f=false (Handwörterbuch der deutschen Sprache, 1869)

https://archive.org/stream/wrterbuchdeutsc00sandgoog#page/n15/mode/2up (Wörterbuch deutscher Synonymen, 2. A. 1882)

Deutsche Wörterbücher – Aufbau eines Artikels

Jeder von uns „weiß“ natürlich in seiner Sprechkompetenz, dass ein Wort nicht nur eine Bedeutung hat, sondern ein Bedeutungsspektrum abbildet; aber das theoretisch einzusehen ist gar nicht so einfach – einzusehen und daraus die Konsequenz zu ziehen, dass ein einsprachiges Wörterbuch der eigenen Muttersprache zu verwenden uns großen Nutzen bringen kann.

Was gehört in den Artikel eines einsprachigen deutschen Wörterbuchs? [Für Schüler muss hier erläutert werden, dass der Rechtschreibduden kein „richtiges“ Wörterbuch der deutschen Sprache ist, sondern bei der Rechtschreibung deutscher Wörter (mit Angaben zur Bedeutung mancher Wörter) hilft.] Statt in eine lexikografische Diskussion einzutreten, untersuche ich einfach, was in drei einbändigen Wörterbüchern der deutschen Sprache (Bünting 1996, Duden 1989, Wahrig 2006) zu finden ist. Dabei gilt, dass die folgende Übersicht nur einen Näherungswert besitzt (d.h. die Artikel der drei Wörterbücher sind nicht völlig gleich aufgebaut):

  • Stichwort
  • grammatische Angaben
  • Bedeutungen des Stichworts, geordnet
  • – Markierung des Wortschatzbereichs (Sprachschicht u.Ä.)
  • – Bedeutung/Bedeutungsvariante umschrieben (Definition)
  • – mit Beispiel der Verwendung (Beleg)
  • das Stichwort in Wendungen und Redensarten, geordnet
  • – Bedeutung umschrieben
  • – mit Beispiel der Verwendung
  • Angaben zur Wortgeschichte

Die Verwendung in Redewendungen und Redensarten wird nach verschiedenen Prinzipien geordnet; sie werden entweder den verschiedenen Bedeutungen zugeordnet (Duden), als Bedeutungsvariante aufgeführt (Bünting) oder nach grammatischen Kriterien geordnet (Wahrig).

Wie sich diese Angaben in den verschiedenen Wörterbüchern unterscheiden, zeige ich (stark verkürzt) am Beispiel der Bedeutungen des Stichworts „Haus“:

Büntings „Haus“:

1 Gebäude

2 a) sozialer Familienhintergrund

2 b) ein adeliges Geschlecht

3 Haus und Hof

4 Haus und Herd

5 mit der Tür ins Haus fallen

6 jemandem das Haus verbieten

7 das Haus hüten

8 jemandem das Haus einlaufen, einrennen

9 auf, in etwas zu Hause sein

10 Haus der offenen Tür

Dudens „Haus“:

1. a) Gebäude, das Menschen zum Wohnen dient

1. b) Gebäude, das zu einem bestimmten Zweck errichtet wurde

1. c) Wohnung, Heim, in dem man ständig lebt

2. a) Gesamtheit der Hausbewohner

2. b) Personen, die sich in einem bestimmten Haus (1 b) befinden

3. Dynastie, [Herrscher]geschlecht

4. Person, Mensch

5. a) Tierkreiszeichen in seiner Zuordnung zu einem Planeten

5. b) einer der zwölf feststehenden Abschnitte, in die der Tierkreis eingeteilt ist

(Die Redewendungen sind den jeweiligen Bedeutungsvarianten zugeordnet.)

Wahrigs „Haus“:

1 als Unterkunft oder Arbeitsstätte dienendes Gebäude mittlerer Größe

2.1 Heim

2.2 Insassen eines Gebäudes, Bewohner einer Wohnung

2.3 die wirtschaftliche Gestaltung, das gesellige Leben einer Familie

2.4 Fürstengeschlecht, Dynastie

3.1 Unternehmen, Firma

3.2 deren sämtliche Angestellten

4 Theater-, Konzertsaal, alle anwesenden Zuschauer, Zuhörer

5 Parlament, das Gebäude sowie die Parlamentsmitglieder

6 Gehäuse, Schale

7 jeder der 12 Teile der Himmelskugel

8 Mensch

(Die Redewendungen sind nach grammatischen Merkmalen geordnet.)

Die Wörter der Wortfamilie „Haus“ werden jeweils kurz in eigenen Artikeln erfasst.

 

Wie man sieht, unterscheiden sich die Wörterbücher nach Differenzierung der Bedeutung und Ordnung des Bedeutungsfeldes erheblich; deshalb schaut man am besten in verschiedene Wörterbücher, wenn man etwa bei der Gedichtinterpretation das Bedeutungsspektrum eines Wortes möglichst ganz erschließen will. Hier ein paar Belege dafür, dass ich selber mit dem Wörterbuch arbeite (in meiner Schulzeit wusste ich nicht einmal, dass es neben dem DUDEN Wörterbücher gibt, und im Studium habe ich nicht gelernt, mit ihnen zu arbeiten) und nicht nur didaktisch gut gemeinte Empfehlungen gebe:

https://norberto42.wordpress.com/2014/03/20/mosebach-das-blutbuchenfest-2014-besprechung/

https://norberto42.wordpress.com/2014/03/10/droste-hulshoff-das-spiegelbild-analyse/

https://norberto42.wordpress.com/2013/09/29/kastner-zeitgenossen-haufenweise-analyse-2/

https://norberto42.wordpress.com/2014/01/28/werfel-fremde-sind-wir-auf-der-erde-alle-analyse/

 

Man findet in manchen Wörterbüchern weitere Angaben:

  • Angaben zu Sachgebieten, in denen das Wort verwendet wird; dies kann auch durch Angabe von „Oberbegriffen“ oder der Dornseiff-Bedeutungsgruppen erfolgen
  • Analog werden manchmal, jedoch selten „Unterbegriffe“ genannt oder die Wörter der Wortfamilie aufgezählt
  • Angabe der Häufigkeit der Verwendung innerhalb der Gesamtheit der deutschen Wörter
  • Angabe der Wörter, mit denen zusammen das Wort häufig verwendet wird
  • Angabe der grammatischen Konstruktionen, in denen das Wort verwendet wird
  • Angaben zu Aussprache (umschrieben oder vorgesprochen)
  • Synonyme werden nur in speziellen Wörterbüchern aufgeführt

Wenn ein Artikel so viele Angaben enthält, können „Anfänger“ leicht verwirrt werden und die Übersicht verlieren.

 

Wer sich für die Theorie der Lexikografie interessiert, sei auf folgende Links verwiesen:

http://www.cl.uni-heidelberg.de/courses/archiv/ss06/lexsem/Broscheit.pdf Die Struktur von Wörterbüchern

http://www.cis.uni-muenchen.de/~uli/kurse/ws0708/hist_ocr/material/lexikographie_tei.pdf Neue Konzepte in der Lexikographie

http://www.univie.ac.at/iggerm/archive/files/VO_Scheuringer.pdf Lexikologie (der Oberbegriff zu Lexikografie)

http://www.helsinki.fi/~lenk/mikrostruktur.htm Aufbau von Wörterbuchartikeln

http://193.6.132.75/bauteile.pdf Theorie der einsprachigen Lexikographie: Bauteile und Strukturen von Wörterbüchern

http://wikis.zum.de/dsb/Deutsch/Lernpfad:_Materialgest%C3%BCtztes_Verfassen_eines_informierenden_Textes/Merkmale_eines_Lexikonartikels „Merkmale eines Lexikonartikels“

http://www.studiger.tu-dortmund.de/index.php?title=Internet-Lexikographie (Liste von Wörterbüchern)

https://de.wikipedia.org/wiki/Lexikografie (Artikel: Lexikografie)

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Auf der Basis dieses Artikels habe ich einen kleinen Aufsatz verfasst: Online-Wörterbücher im Vergleich – Internetquellen beurteilen (in: Deutschunterricht 1/2015, S. 30 ff.). Bei einer ruhigen Prüfung ist das DWDS das beste deutsche online-Wörterbuch der Gegenwartssprache. Vgl. die Liste der Wörterbücher am rechten Rand!

Vorrang des Verbs vor dem Substantiv (Nomen) – Beispiel „verraten“

Als allgemeine Stilregel kann gelten, dass das Deutsche den (Neben)Satz statt nominaler Konstruktionen liebt. Warum das so ist, möchte ich am Beispiel der Wörter „verraten – Verrat“ erklären. Ich führe zuerst die Artikel aus dem Bertelsmann-Wörterbuch vor, wie sie im Netz unter http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/services/suche/wbger/index.html zu finden sind, und werte den Befund anschließend aus.

Ver|rat [m. -(e)s; nur Sg.]

1 das Mitteilen von Geheimnissen; die Konstruktionspläne wurden durch militärischen V. bekannt

2 Bruch der Treue, des Vertrauens; V. treiben, üben; V. an der Freundschaft

ver|ra|ten [V.94, hat verraten]

I [mit Akk.]

1 etwas v.

a etwas erzählen, weitersagen (was geheim bleiben soll); ein Geheimnis, einen Plan v.

b preisgeben, nicht mehr vertreten, sich von etwas abwenden (um anderer Dinge willen); seine Überzeugung v.

c auf etwas schließen lassen, erkennen lassen; seine Bemerkungen verrieten eine genaue Kenntnis der Sachlage; ihr Erröten verriet, dass sie sich getroffen fühlte

2 jmdn. v. Verrat an jmdm. begehen, jmdm. die Treue brechen, plötzlich nicht mehr zu jmdm. halten, nicht mehr auf jmds. Seite stehen; wenn das geschieht, bist du verraten und verkauft dann bist du hilflos, ratlos

II [mit Dat. und Akk.] jmdm. etwas v. vertraulich mitteilen, jmdn. von etwas in Kenntnis setzen; kannst du mir v., wie man hier zu Opernkarten kommt?; ich will dir v., wie ich das gemacht habe

III [refl.] sich v. etwas ungewollt mitteilen, merken lassen (was man für sich behalten wollte); sich durch eine Bemerkung, Bewegung v.

Auswertung: Dem Nomen „Verrat“ werden zwei Bedeutungen zuerkannt, dem Verb „verraten“ mindestens vier, in Wahrheit sechs verschiedene Bedeutungen. Das hängt mit der Valenz des Verbs (vgl. http://mmtux.idf.uni-heidelberg.de/ProGram/Valenz/RK_valenz.html) zusammen bzw. damit, dass das Verb mit drei (oder vier?) verschiedenen Valenzen gebraucht werden kann: I (mit dem Akkusativ) etwas verraten, jemanden verraten; II (mit Dativ und Akkusativ) jemandem etwas verraten; III (reflexiv) sich verraten; dazu immer der Nominativ: wer verrät; zusätzlich die Möglichkeit, vier Angaben zu machen: wann, wo, wie und warum jemand etwas oder jemanden verrät. Man kann über die optimale Gliederung der Bedeutungsvarianten natürlich streiten oder noch die Wortgeschichte hinzuziehen – aber sicher ist, dass die Spannweite der Bedeutung beim Verb (und damit in einem ganzen Satz) sowie die Möglichkeit weiterer Angaben größer ist und dass die Valenz des Verbs fordert, dass man genau ausdrückt, was man meint: „Ein Satz ist die Maximalprojektion eines finiten Verbs.“ (Stefan Müller) Dass sich mittels der grammatischen Konstruktion „Satz“ mehr ausdrücken lässt als bei Verwendung einer nominalen Konstruktion mit „Verrat“, liegt auch daran, dass die Satzaussage im neuen Verb eben nicht „verraten“ ist.

Nachtrag: Im elexiko (IDS) http://hypermedia.ids-mannheim.de/pls/elexiko/p4_anzeige.artikel?v_id=139491 werden vier verschiedene Lesarten für „verraten“ vorgestellt; im Valenzwörterbuch des IDS (http://hypermedia2.ids-mannheim.de/evalbu/index.html) fehlt das Verb „verraten“.

Zur Entwicklung der Bedeutung findet man einen Hinweis im Brockhaus’ Konversationslexikon, 14. Auflage (1894-1896), 16. Band, S. 284:

Verrat, nach älterm deutschen Recht in engerm Sinne Treubruch gegen den Lehnsherrn, im weitern das treulose Handeln gegen Personen, denen man zur Treue verpflichtet ist. Im weitern Verlauf der Entwicklung überwog das polit. Moment, Majestätsverbrechen, Hoch- und Landesverrat (s.d.) gewannen besondere strafrechtliche Bedeutung. Sichere Abgrenzung der einzelnen Begriffe findet sich erst im neuern Recht; die Strafbarkeit des Verräters als solchen ist ihm fremd. […]

Im DWDS ist seit kurzem neben der Bedeutung auch die Wortgeschichte nach dem Pfeiferschen Wörterbuch nachzulesen, für „verraten“ also dies:

verraten Vb. ‘Geheimes, nicht für andere Bestimmtes bekanntmachen, die Treue brechen’, abgeschwächt ‘deutlich werden lassen, zeigen’. Das westgerm. Präfixverb ahd. firrātan (um 800), mhd. verrāten, mnd. vorrāden (woraus anord. forrāða), mnl. verrāden, nl. verraden, aengl. forrǣdan ist eine Bildung zu dem unter raten (s. d.) behandelten Verb mit einer Grundbedeutung ‘den Entschluß zu jmds. Verderben fassen, etw. zu seinem Verderben unternehmen’, dann beschränkt auf solche Fälle, in denen dies durch die Angabe geheimzuhaltender Umstände geschieht, so daß ‘Geheimnisse preisgeben’ zum bestimmenden Inhalt wird. Dieser tritt zurück in der übertragenen Anwendung des Verbs im Sinne von ‘erkennen lassen’. Die Bedeutung ‘einen schlechten, falschen Rat geben’ bleibt auf das Mhd. beschränkt. Verrat m. ‘Preisgabe eines Geheimnisses, Zerstörung eines Vertrauensverhältnisses, Treuebruch’ (Ende 17. Jh.); vgl. mhd. verrātgenōӡ ‘Teilnehmer am Verrat’. Verräter m., mhd. verrātære, verræter(e). verräterisch Adj. (15. Jh.). Hochverrat m. ‘Angriff auf die Staatsverfassung, auf die innere Ordnung oder auf die Repräsentanten eines Staates’ (um 1700), Wiedergabe von engl. high treason. Landesverrat m. (18. Jh.).

Lexika und Nachschlagewerke online

Listen von Lexika und Nachschlagewerken im Netz/Internet:

http://www.fh-augsburg.de/informatik/projekte/mebib/fidb/lexika.html

http://www.uni-ulm.de/LiLL/senior-info-mobil/module/Lexika.html

http://www.virtuelleallgemeinbibliothek.de/index.html#sys

http://www.erlangerliste.de/ressourc/lex.html

Verschiedene Schülerlexikahttp://www.schuelerlexikon.de/SID/69f7a3175b37f4b6c984af4787ec57ce/index.php

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm

Das Wörterbuch ist längst online greifbar: http://www.dwb.uni-trier.de/, inzwischen aber auch mit komfortablen Querverweisen ausgestattet. Dieser Link ist ein absolutes MUSS für jeden, der sich intensiver mit Werken deutscher Sprache beschäftigt.

Ich merke es gerade wieder beim Andersen-Märchen von der Suppe aus Wurstspeiler: Was ist ein Wurstspeiler? Was ist ein Speiler? Die beste Erklärung findet man im Grimm’schen Wörterbuch und in den damit kurzgeschlossenen zeitgenössischen Wörterbüchern Adelung und Meyers, dann natürlich auch in den Lexika bei zeno.org: http://www.zeno.org/Zeno/-/Lexika

Lexika des 19. Jahrhunderts

Da es erlaubt ist, 70 Jahre nach dem Tod des Autors Bücher kostenlos zu verwerten, gibt es die großen (Konversations)Lexika des 19. Jahrhunderts (und des frühen 20. Jh.) im Internet, und zwar unter http://www.zeno.org/Zeno/-/Lexika sowie unter http://www.retrobibliothek.de/retrobib/index.html.

Als eine weitere Adresse ist http://www.textlog.de/woerterbuecher.html zu nennen; dort gibt es eine Reihe interessanter Wörtbücher, zum Beispiel das Historische Schlagwörterbuch von 1906.

Diese Lexika zu benutzen ist interessant, wenn man für die Literatur des 19. Jh. herauskriegen will, was man denn damals wusste, z.B. über Onanie und Korrektionsanstalt (für „Frühlings Erwachen“) oder über Lübeck (zu „Buddenbrooks“) usw. Bei zeno.org ist außerdem Adelungs Wörterbuch aus dem späten 18. Jh. reproduziert (die 2. Auflage, siehe auch http://woerterbuchnetz.de/Adelung/), was für die Goethe-Lektüre ein wichtiges Hilfsmittel ist. Vor 20 Jahren wusste ich, dass es den Adelung gibt – aber wo sollte man ihn in Mönchengladbach auftreiben? Heute klickt man mal kurz, dann hat man das Wörterbuch.

Dr. Zettner hat mich darauf hingewiesen, dass es auch Zedlers großes Universallexikon (Mitte des 18. Jh.) im Internet gibt: http://www.zedler-lexikon.de/index.html; ich möchte noch den Krünitz hinzufügen.