Lückentext: Pronomina als Konnektoren

Die Konstruktionsidee ist einfach: einen Text nehmen und alle Pronomen streichen – sei es, dass man sie (wie hier) durch einen Strich ersetzt, sei es, dass man sie einfach schwärzt (dann gibt die Länge des geschwärzten Wortes einen Hinweis auf die Lösung). Die Pronomen sind deshalb für dieses Vorhaben geeignet, weil durch sie (und andere Konnektoren) erst so etwas wie ein Text zustande kommt.
Wenn man den Schülern die Aufgabe erleichtern will, kann man die richtigen Lösungswörter alphabetisch geordnet vorgeben; aber in der Wirklichkeit zeigt sich, dass manchmal mehrere Lösungen möglich sind. – Der didaktische Hinweis muss immer lauten: Lies zuerst den ganzen Text und versuche, den Witz oder Sinn (der Fabel) zu erfassen! Es zeigt sich, dass oft kein Schüler der 6. Klasse des Gymnasiums (unseres berühmten Gymnasiums!) alle Lösungswörter richtig findet resp. einsetzen kann – Fabeln sind nicht so leicht zu verstehen, wie die Lesebuchmacher denken.

Aufgabenstellung:
Setze in den folgenden Fabeln an den Stellen, wo __________ steht, ein passendes Pronomen ein.
[Bestimme zum Schluss Art und Form aller Pronomen (mit Indexziffer)!]

Prometheus und die Menschen
Als Prometheus die Menschen bildete, hängte er ____________ zwei Ranzen um, einen mit den fremden Bosheiten und einen mit den eigenen. ________________ brachte er vorn an, _________________ hängte er hinten fest. Von daher kommt es, dass die Menschen die Bosheiten anderer recht gut wahrnehmen, die eigenen aber nicht dazu sehen.

Die Wanderer und der Rabe

Reisenden, die in Geschäften unterwegs waren, begegnete ein Rabe, der auf einem Auge erblindet war. Als nun ____________ auf den Raben blickten und einer von _____________ zur Umkehr riet – denn das wolle das Erscheinen des Vogels bedeuten -, fiel ______ ein anderer ins Wort: „Wie soll ___________ Rabe uns die Zukunft verkünden können, der nicht einmal, um ____________ entsprechend in Acht zu nehmen, seine eigene Erblindung vorhersah?“

Originalfassungen (Antike Fabeln, Berlin 1999):
Prometheus und die Menschen
Als Prometheus die Menschen bildete, hängte er ihnen zwei Ranzen um, einen mit den fremden Bosheiten und einen mit den eigenen. Den Ranzen mit den fremden Bosheiten brachte er vorn an, den mit den eigenen hängte er hinten fest. Von daher kommt es, dass die Menschen die Bosheiten anderer recht gut wahrnehmen, die eigenen aber nicht dazu sehen.

Die Wanderer und der Rabe
Reisenden, die in Geschäften unterwegs waren, begegnete ein Rabe, der auf einem Auge erblindet war. Als nun jene auf den Raben blickten und einer von ihnen zur Umkehr riet – denn das wolle das Erscheinen des Vogels bedeuten -, fiel ihm ein anderer ins Wort: „Wie soll dieser Rabe uns die Zukunft verkünden können, der nicht einmal, um sich entsprechend in Acht zu nehmen, seine eigene Erblindung vorhersah?“

Der Esel und das Löwenfell
Der Esel, der __________ ein Löwenfell übergeworfen hatte, zog umher und schreckte die anderen Tiere. Dabei erblickte er den Fuchs und versuchte, auch ____________ Furcht einzujagen. Doch __________ hatte kurz vorher des Esels Stimme gehört und sagte zu _________: „____ darfst ruhig wissen, auch _____ hätte Angst vor ______, würde _______ nicht ________ Iah vernommen haben.“

Die Fliegen
In einer Vorratskammer war Honig verschüttet worden. Da kamen die Fliegen herbeigeflogen und kosteten davon, und wegen des angenehm süßen Geschmacks konnten _________ gar nicht mehr aufhören. Dabei klebten _________ Beine fest, sodass ________ außerstande waren, wieder davonzufliegen. Während ________ so erstickten, sagten ______ zueinander: „Wie dumm sind _____ doch, dass ________ um eines kurzen Genusses willen zugrunde gehen müssen.“

Originalfassungen (Antike Fabeln, Berlin 1999):
Der Esel und das Löwenfell
Der Esel, der sich ein Löwenfell übergeworfen hatte, zog umher und schreckte die anderen Tiere. Dabei erblickte er den Fuchs und versuchte, auch ihm Furcht einzujagen. Doch der Fuchs hatte kurz vorher des Esels Stimme gehört und sagte zu diesem: „Du darfst ruhig wissen, auch ich hätte Angst vor dir, würde ich nicht dein Iah vernommen haben.“

Die Fliegen
In einer Vorratskammer war Honig verschüttet worden. Da kamen die Fliegen herbeigeflogen und kosteten davon, und wegen des angenehm süßen Geschmacks konnten sie gar nicht mehr aufhören. Dabei klebten ihre Beine fest, sodass sie außerstande waren, wieder davonzufliegen. Während sie so erstickten, sagten sie zueinander: „Wie dumm sind wir doch, dass wir um eines kurzen Genusses willen zugrunde gehen müssen.“

Die Mäuse und die Katzen
Zwischen den Mäusen und den Katzen herrschte Krieg; dabei erlitten ___________ immerfort Niederlagen. Als sie ______ deshalb zur Beratung versammelt hatten, kamen ___________ zu der Auffassung, dass __________ dieses Missgeschick infolge ________ Anarchie [d.h. weil sie keine Anführer hätten] widerfahre. Darum erwählten sie ___________ aus ihrer Mitte und beriefen sie zu Feldherren. Weil __________ sich von den übrigen sichtbar unterscheiden wollten, machten sie sich Hörner und setzten sie _________ auf. Als nun das nächste Mal eine Schlacht geschlagen wurde, da geschah es, dass die Mäuse wieder unterlagen. Die übrigen nun suchten Zuflucht in __________ Löchern und schlüpften leicht hinein, die Feldherren dagegen fanden ihrer Hörner wegen _________ Eingang, wurden gefangen genommen und verspeist.
(Für diese Fabel hat in der letzten Klassenarbeit ein Schüler der Kl. 6 neun richtige Lösungen gefunden, alle anderen weniger.)

Originalfassung: Antike Fabeln, Berlin 1999
Die Mäuse und die Katzen
Zwischen den Mäusen und den Katzen herrschte Krieg; dabei erlitten die Mäuse immerfort Niederlagen. Als sie sich deshalb zur Beratung versammelt hatten, kamen sie zu der Auffassung, dass ihnen dieses Missgeschick infolge ihrer Anarchie [d.h. weil sie keine Anführer hätten] widerfahre. Darum erwählten sie einige aus ihrer Mitte und beriefen sie zu Feldherren. Weil diese sich von den übrigen sichtbar unterscheiden wollten, machten sie sich Hörner und setzten sie sich auf. Als nun das nächste Mal eine Schlacht geschlagen wurde, da geschah es, dass die Mäuse wieder unterlagen. Die übrigen nun suchten Zuflucht in ihren Löchern und schlüpften leicht hinein, die Feldherren dagegen fanden ihrer Hörner wegen keinen Eingang, wurden gefangen genommen und verspeist.

Der angeberische Fünfkämpfer

Ein Fünfkämpfer, der wegen ______________ Schlappheit bei ______________ Mitbürgern immer nur Spott erntete, reiste einmal ins Ausland. Als _______ nach __________________ Zeit zurückkehrte, hielt er angeberische Reden; er habe, so erzählte _______, in vielen Städten große Taten vollbracht und besonders in Rhodos einen Sprung gemacht, wie ihn noch __________ Olympiasieger vollführt habe. Als Zeugen dafür, sagte _______, werde er die Leute aufbringen, ____________ dabeigewesen seien, und zwar dann, wenn sie einmal herkämen. Da fiel ihm ____________ der Anwesenden ins Wort und sagte: „Aber, lieber Freund, wenn ____________, was du erzähltest, wahr ist, dann bedarfst du ______________ Zeugen; denn hier ist Rhodos, hier kannst __________ springen.“

Bestimmtes, Unbestimmtheit, Text

1. Einen Text hervorbringen heißt, Unbestimmtes näher zu bestimmen. Das möchte ich an zwei Beispielen vorführen:
(1) „Es war einmal eine alte Geiß,
die hatte sieben junge Geißlein (…).
Eines Tages wollte sie in den Wald gehen…“
Am Ende haben sie alle ein großes Abenteuer erlebt, sind gerettet worden und haben den Wolf getötet. Am zitierten Anfang des Märchens sieht man, wie die Situation schrittweise bestimmt wird. In einem Märchen kann allerdings unbestimmt bleiben, wann und wo das alles geschehen ist, wie die alte Geiß hieß, wie aussah usw.
(2) Wer einen Bericht verfasst, soll die sogenannten sechs W-Fragen beantworten, also Unbestimmtheit (offene Fragen) beseitigen:
„Benzinpreis auf neuem Rekordhoch
Die Ölkonzerne erhöhten am Montag die Preise um bis zu vier Cent pro Liter, so dass Superbenzin auf teilweise über 1,16 Euro geklettert ist. (…) Grund für die steigenden Preise ist laut Esso und Aral neben den schon seit Monaten hohen Rohölpreisen der sinkende Eurokurs gegenüber dem Dollar. Die Ölrechnungen der Lieferländer laufen auf Dollar.“ (Rheinische Post vom 27. April 2004)
Zeit, Ereignis, Begründung (Grund?) werden genannt; „die Ölkonzerne“ als Täter werden pauschal genannt und als bekannt vorausgesetzt, später teilweise benannt; Ort ist selbstverständlich Deutschland. – Einiges hiervon ergibt sich aus der Zeitungsausgabe (deutsche Zeitung vom 27.04.2004) selbst.

2. Aus Wörtern wird eine Äußerung oder ein Text, wenn sie nach bestimmten festen Regeln verbunden sind.
Die Fügung von Wörtern zu einem Satz „ist charakterisiert durch drei Arten von syntaktischen Beziehungen zwischen den sprachlichen Zeichen: Interdependenz (Zuordnung), Subordination (Unterordnung) und Koordination (Beiordnung oder Reihung)“ (Walter Jung: Grammatik der deutschen Sprache. 10., neubearbeitete Auflage 1990, S. 45; ich orientiere mich im Folgenden an dieser Grammatik):
a) Die gegenseitige Zuordnung betrifft
– die Vereinbarkeit der Bedeutungen der Wörter,
– die gegenseitige Anpassung der Form von Subjekt und finiter Verbform.
b) Eine Subordination (Unterordnung) besteht (in syntaktischen Verbindungen)
– zwischen dem Prädikat und den Objekten und Adverbialbestimmungen,
– zwischen dem Kern eines Satzglieds und den Attributen,
– zwischen Haupt- und Nebensatz bzw. Nebensätzen verschiedenen Abhängigkeitsgrades.
Die Wörter besitzen die Fähigkeit, sich nach festen Regeln mit anderen zu verbinden; man spricht hier von Fügungspotenz oder Valenz. Unter Valenz wird die Fähigkeit des Verbs verstanden, bestimmte Leerstellen im Satz zu eröffnen, zum Beispiel „geben“: Normal ist, dass gesagt werden muss, wer (Person) wem (Person) was (Ding) gibt; es können Angaben hinzugefügt werden, wann und wo, wie oder warum das geschieht. Wenn der Empfänger oder der Geber nicht genannt ist, empfindet man die Äußerung als unvollständig („Leerstelle“), es sei denn, in einer Situation wäre allen klar, wer etwas gibt und wer etwas bekommt.
Als Mittel, um  im Satz Beziehungen herzustellen, führt W. Jung auf:
– verschiedene Wortarten,
– die Flexion verschiedener Wortarten (Konjugation, Deklination),
– die Satzgliedstellung,
– Satzakzentuierung und Intonation,
– die Kongruenz (von Subjekt und Prädikat, von Attribut und Nomen, bei den Modi).
c) Die Koordination (Beiordnung, Reihung) kann
mit oder ohne Verbindungswörter (Konjunktionen) erfolgen.

3. Außer durch grammatische Determination und Verbindungen kann man Äußerungen beim Sprechen (Schreiben) zusätzlich formal strukturieren,
– indem man zum Beispiel darauf achtet, dass Wörter auch vom Klangbild her zueinander passen (Reim, verschiedene Formen);
– dass sie von der Abfolge der betonten Silben (Takt, Metrum) her eine gleichmäßige Folge ergeben;
– dass man versucht, nach bestimmten Regeln schön oder eindringlich zu sprechen (Rhetorik).
[Solche formale Strukturierung, also eine Überdetermination der Äußerung gegenüber dem „normalen“ Sprechen, liegt oft bei Gedichten vor.]

4. Die deutschen Gedichte bilden wie die meisten Texte ein weites Feld – es können in ihnen verschiedenste Formen der Bestimmtheit, Unbestimmtheit oder Überbestimmtheit miteinander verbunden sein. Gerade die in Gedichten häufig verwendete bildhafte Sprache weist von sich aus Spielräume der Bedeutung (Unbestimmtheit) auf. (Vgl. dazu diesen Aufsatz!)
Eine weitere Quelle von Unbestimmtheit, die von Starke nicht erwähnt wird, ist die Art, wie wir normale Wörter gebrauchen: Je nach dem Zusammenhang wechselt oder changiert ihre Bedeutung, sofern sie nicht als Termini definiert sind. Ein Blick ins Wörterbuch zeigt, welche Bedeutungsbreite ein Wort ungefähr haben kann (meistens ist die Bandbreite noch größer, als das Wörterbuch angibt!). Es muss im Einzelfall geprüft werden, welche Bedeutung gerade hier vorliegt (vorliegen kann).

5. Wie gehen wir mit Unbestimmtheiten im Text um?
Wo ein Äußerung unbestimmt ist, bestimmen wir (ich, du, jeder) als Hörer oder Leser beinahe automatisch die Stelle näher, indem wir stillschweigend die Leerstelle „füllen“; was wir dann hören oder lesen, „steht“ im strengen Sinn nicht da, sondern ist erst von uns hingestellt.
Wohin es führen kann, wenn man eine gegebene Unbestimmtheit beliebig beseitigt, also Leerstellen falsch füllt, zeigt der Märchenschwank „Dr. Allwissend“. Jener später vermeintlich allwissende Doktor, ein armer Bauer namens Krebs, sollte herausfinden, wer Geld gestohlen hat. Beim Essen bei dem Bestohlenen sagte er zu seiner Frau, als der erste Gang aufgetragen wurde: „Grete, das war der erste.“ Damit meinte er den ersten Gang des Essens. Der Bediente verstand den Satz jedoch so: „Das war der erste Dieb.“ Und da er wirklich zu den Dieben gehörte, fühlte er sich entlarvt… Man kann bei den Brüdern Grimm nachlesen, wie Herr Krebs aufgrund solcher Missverständnisse „allwissend“ wurde.
An diesem Beispiel kann man auch erkennen, nach welchen Kriterien man im Alltag Unbestimmtheit auflöst: aus den Gegebenheiten der Gesprächssituation, hier also aus der Situation bei Tisch. Hätte in unserem Beispiel der Bediente den Bauern fragen können, wen oder was er mit „der erste“ meinte? Das können wir zumindest bei einem Gedicht nicht, weil der Sprecher eben eine fiktive Gestalt ist und wir real Existierenden ihn nichts fragen können – selbst der Dichter kann deshalb nach meiner Erkenntnis nicht wirklich wissen, was der fiktive Sprecher meint, er kann es sich höchstens vorstellen, genauso wie wir.

Exkurs: Wer spricht im Gedicht unbestimmt?
Etwas unbestimmt zu lassen sollte in Gedichten primär als Leistungdes „Sprechers“, nicht als sogenanntes Stilmittel des Dichtersbegriffen werden (obwohl der das sicher oft bewusst so gemacht hat –aber er „erschafft“ ja eine fiktive sprechende Person!). So drückt etwaPrometheus in seiner hastigen Rede seine Erregung aus, er spricht infreien Rhythmen; bei der Analyse (suchen und) sagen wir jedoch: WelchenRhythmus hat Goethe im Gedicht „Prometheus“ verwendet? Man kann alsoauch untersuchen, in welchen Gedichten Goethe freie Rhythmen verwendet;aber „Prometheus“ muss man zunächst vom sprechenden Prometheus herverstehen, auch dessen freie Rhythmen.

Links zu Texttheorie / Einheit des Textes:
http://phil.muny.cz/data/NJII_275/Text%20und%20Satz.doc
http://www.lingue.uniba.it/dag/pagine/personale/sasse/sasse_lingua02_unit11.doc
http://www.slm.uni-hamburg.de/ifg1/Personal/Schroeder/Seminarmaterial/WS-06-07/Sem_II/II_Textlinguistik.pdf

 

Textbegriff, Textlinguistik – Gedichte als Texte verstehen

Text
1. Definition
Ein Text ist eine komplex strukturierte, thematisch wie konzeptuell zusammenhängende sprachliche Einheit,
mit der ein Sprecher eine sprachliche Handlung mit erkennbarem kommunikativem Sinn vollzieht.
(A. Linke/M. Nussbaumer/P.R. Portmann: Studienbuch Linguistik. 5. Aufl. 2004, S. 275)
Ingrid Schröder („Textlinguistik“) benennt dazu folgende textkonstitutive Elemente:
1. die Kommunikationssituation (mit Sprecher / Hörer; die Situation; der Handlungsbereich, in dem der Text eingesetzt wird; das Medium der Verbreitung);
2. die Textfunktion;
3. das Thema, die Themenstruktur und die thematische Entfaltung
4. die Kohärenz und die Kohäsion des Textes (sowie die Mittel, die herzustellen)
[die Kohärenz berührt sich mit dem Thema: der Zusammenhang in der Tiefe des Textes, und mit der Textfunktion].
2. Definition
Kommunikation erfolgt „in Äußerungen verschiedenster Größe, die in die Situation und den Kontext eingebettet und über die Satzgrenze hinaus verbunden sind. Wir nennen solche Äußerungen Texte.“
(Harro Gross: Einführung in die Linguistik, München 1998, S. 131)
Die Bezeichnung „Äußerung“ ist für uns hilfreich, weil sie nach dem sprachlichen Handeln des Sprechers fragen lässt und eine Strukturierung der Äußerung auch auf der Ebene des sprachlichen Handelns nahelegt.

Gedichte als Texte
Wenn man prüft, inwiefern man ein Gedicht in dem Sinn als Text verstehen kann, ergibt sich Folgendes:
1. Da Gedichte fiktionale Texte sind, gibt es bei ihnen keinen Handlungsbereich, eine Textfunktion nur mit Einschränkungen [Funktion für den Leser / Hörer].
2. Die Einbettung in einen Kontext ist problematisch – Kontexte werden vom Leser über die Äußerung hinaus hergestellt (die literarische Epoche, die Entstehungszeit, das Leben des Autors, der Gedichttypus).
3. Umso wichtiger ist es, die Äußerung, ihre Struktur und ihr Thema genau zu erfassen.
4. Ein Gedicht ist ein Text, das ein Klanggebilde ist: Die Äußerung wird auch durch gegebene Elemente des Klangs sowie durch den Rhythmus bestimmt; diese müssen zur gesamten Äußerung in Beziehung gesetzt und im Hören bzw. lauten Sprechen „verwirklicht“ werden.
Es gibt keine zwingende und narrensichere Methode, das Thema (die Kohärenz) sicher zu erfassen: „Keine Satzfolge ist davor geschützt, als Text verstanden zu werden.“ (A. Linke u.a.: Studienbuch Linguistik, 2004, S. 277) Umso sorgfältiger muss man die fiktive Kommunikationssituation, das sprachliche Handeln und die thematische Entfaltung und Strukturierung zu bestimmen suchen. Mit dieser Aufgabe befassen wir uns jetzt.

Wodurch wird der Zusammenhang (Kohäsion) auf der Oberfläche des Textes hergestellt?
1. Rein formal durch
– Prowörter, die auf andere Elemente verweisen (Pronomen; Proadverbien, z.B. dort, jetzt; Pronominaladverbien, z.B. womit, wobei);
– durch Konjunktionen;
– durch rückwärts oder vorwärts weisend Ausdrücke (daher, dies / folgende).
2. Die Kohäsion wird durch Übereinstimmung verschiedener Elemente in bestimmten semantischen Merkmalen hergestellt – dazu unten mehr.
3. Die pragmatische Fundierung entfällt bei fiktionalen Texten weithin.

Isotopie ist die Hauptform, wie ein Bedeutungszusammenhang zwischen  den Gliedern eines Textes hergestellt werden kann:
1. Bedeutungsgleichheit von Wendungen (bei wörtlicher Wiederholung);
2. Bedeutungsähnlichkeit (Synonymie: Auto / Wagen);
3. Über- und Unterordnung (Weide / Gehölz / Pflanze);
4. Nebenordnung unter einen Oberbegriff (Apfel, Birne, Pflaume / Obst);
5. Bedeutungsgegensatz (Antonymie: weltlich / heilig);
6. Umschreibung (Paraphrase: Sonnentau / fleischfressende Pflanze)
7. die bereits genannten Prowörter;
8. syntaktische Ellipsen (Prädikat fehlt, das aus dem oder einem vorigen Satz wird als gültig vorausgesetzt).
Im „Studienbuch Linguistik“ wird erklärt, dass die Idee der Isotopie in didaktischer Hinsicht einen guten Zugang zu literarischen Texten eröffnet, weil man so Texte bewusster betrachte; in linguistisch-wissenschaftlicher Hinsicht sei das Konzept problematisch, weil nicht hinreichend scharf.

Schließlich sind die Indikatoren zu nennen:
1. die Artikelformen (unbestimmter / bestimmter Artikel: Der bestimmte Artikel zeigt an, dass über diesen „Gegenstand“ bereits gesprochen worden ist oder dass er in der Situation als bekannt vorausgesetzt wird; so kann in fiktionalen Texten die Situation erst erzeugt werden.);
2. Tempora und Modi des Verbs – sie zeigen, wie der Sprecher Teile seiner Äußerung verstanden wissen will [ein großes Gebiet, auf das hier nur hingewiesen werden kann];
3. Varianten der Wortstellung im Satz, wodurch anzeigt wird, was als „das Neue“ (Rhema) eines Satzes zu verstehen ist;
4. die Intonation – sie muss im gedruckten Gedicht vom Leser hergestellt werden.

Vertextungstypen (Studienbuch Textlinguistik: „Vernetzungsmuster“, S. 269 ff.) und Konnektoren
Neben den durch Konjunktionen hergestellten bekannten Verbindungen (kausal, konditional, auch temporal usw.) sind zu nennen:
1. Spezifizierung: Fortschreiten vom Allgemeinen zum Besonderen;
2. Verallgemeinerung: Fortschreiten vom Besonderen zum allgemeinen;
3. Steigerung (Klimax).

Ingrid Schröder nennt noch verschiedene Arten der thematischen Entfaltung:
* deskriptiv: Teilthemen werden dargestellt und geordnet;
* narrativ: Es wird ein ungewöhnliches Ereignis erzählt, mit Auflösung, möglicherweise mit Bewertung und „Moral“;
* explikativ: Es wird etwas erklärt;
* argumentativ: Es werden Argumente vorgetragen.

Was hier noch nicht berücksichtigt ist, sind Möglichkeiten der Strukturierung eines Themas. „Studienbuch Linguistik“ erwähnt Hauptthema / Subthemen mit Nebenthemen;
ich schlage vor, diese Strukturierung unter dem Stichwort „Aufbau“, welcher eng an das sprachliche Handeln angebunden wird, zu erfassen. Dazu habe ich in diesem Blog einen Aufsatz geschrieben.

Das einzige sonst auftauchende Problem, das sich beim Gedicht nicht stellt, ist die Frage der Textabgrenzung: Das erste Wort und das letzte Wort sind die Grenzen; die Überschrift stammt vom Dichter (manchmal auch aus der Tradition, z.B. bei Goethe: Willkommen und Abschied, so der Titel 1810; „Willkomm“ hieß es 1789, die erste Fassung 1775 war ohne Titel, also ohne Überschrift).
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Das die Situation umgreifende gemeinsame Wissen
ist für jede Kommunikation erforderlich; bei fiktiven Gesprächspartnern muss man es mühsam ermitteln. Man kann hier darauf hinweisen, dass es die Kenntnis von frames (Situationen: was gehört zu einem normalen Bauernhof) und scripts (Handlungsabläufe: was man tut im Bad tut, ehe man zu Bett geht) gibt; dieses Wissen muss man auch beim Sprecher und Hörer voraussetzen – und dann darauf achten, wo vielleicht das normale Wissen unterlaufen oder gestört wird.
http://phil.muny.cz/data/NJII_275/Text%20und%20Satz.doc http://www.lingue.uniba.it/dag/pagine/personale/sasse/sasse_lingua02_unit11.doc
http://www.slm.uni-hamburg.de/ifg1/Personal/Schroeder/Seminarmaterial/WS-06-07/Sem_II/II_Textlinguistik.pdf
Frühere Aufsätze von mir:
http://norberto42.kulando.de/post/2008/11/08/ber-bestimmtes-und-unbestimmtes-gedichte-als-texte-verstehen
http://norberto42.kulando.de/post/2006/12/25/zuerst_den_aufbau_von_gedichten_untersuchen
http://norberto42.kulando.de/post/2007/11/16/text_-_thema_-_koharenz
Am 20. Okt. 2012 geprüfte Links:
http://www-user.uni-bremen.de/~schoenke/tlgl/tlgl.html (Glossar: ausführlich, E. Schoenke)
http://www.glottopedia.de/index.php/Textlinguistik
http://www.teachsam.de/deutsch/d_lingu/txtlin/txtlin_0.htm (Übersicht, „alles“ bietend, daher verwirrend)
http://www.uni-potsdam.de/u/slavistik/vc/rlmprcht/textling/skripte/skr_00.htm (Skripte, 2000)
http://www.huberoliver.de/archive/seminar03/papers.html (Proseminar 2003, papers)
http://hispanoteca.eu/Lexikon%20der%20Linguistik/t/TEXT%20%20%20Deutsche%20Zitate.htm (gute Übersicht, nach Brinker)
http://www.fask.uni-mainz.de/inst/iaspk/Linguistik/Textlinguistik/Textualitaet.html http://santana.uni-muenster.de/Linguistik/user/steiner/semindex/semindex.html (Semantik und Pragmatik – gut!)
http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/index.html (ausführlich)
http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/3163/pdf/Strukturelle_Semantik.pdf (Analyse, vorgeführt an einem Gedicht Benns: Orphische Zellen)