Neue Iglu-Studie: Ergebnisse für das Lesen

Deutsche Grundschüler fallen beim Lesen international zurück“, kann man heute im „Tagesspiegel“ lesen: http://www.tagesspiegel.de/wissen/neue-iglu-studie-deutsche-grundschueler-fallen-beim-lesen-international-zurueck/20670744.html. Das ist das Ergebnis der Iglu-Studie von 2016. Der Beitrag im „Tagesspiegel“ ist sehr informativ. Weiterer Bericht: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/studie-20-prozent-der-viertklaessler-koennen-nicht-richtig-lesen-15325389.html

Das ist sicher einmal das Ergebnis einer Bildungs-Sparpolitik sowie einer ideologischen Aufweichung elementarer Einsichten dessen, was in der Schule geübt werden muss. Es ist aber auch ein Versagen der Eltern: Unsere beiden Töchter konnten lesen, ehe sie in die Schule kamen – und das nicht deshalb, weil wir etwas erzwungen oder gedrillt hätten. Die ältere Tochter hat das Lesen mittels der Beschriftung auf Milchflaschen gelernt (von sich aus, durch Fragen), die jüngere wollte auf einmal nicht mehr die einzige im Haus sein, die nicht lesen kann, und hat es innerhalb zweier Wochen von der älteren gelernt.

Ich sehe oft, wenn ich ins Fitness-Studio gehen, Kinder, die mit ihren Eltern zur logopädischen Betreuung gehen und dort mit Bauklötzen spielen, während die Mutter daneben sitzt: Kann man nicht auch zu Hause mit seinem Kind mit Bauklötzen spielen? Oder im Wartezimmer: Mama starrt auf ihr iPhone, das Kind sitzt isoliert daneben – sie gehen zur Logopädie: Wen wundert es, dass das Kind nicht richtig sprechen kann, wenn Mama lieber mit der Maschine als mit ihrem Kind spricht?

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Eine Rezension schreiben

Zunächst einige Beispiele aus meiner Feder:

https://norberto42.wordpress.com/2017/06/25/p-von-matt-fertig-ist-das-angesicht-gelesen-2/

https://norberto42.wordpress.com/2016/11/05/willemsen-das-hohe-haus-2014-besprechung/

https://also42.wordpress.com/2017/06/23/ch-taylor-das-sprachbegabte-tier-2017-rezension/

http://re-visionen.net/rezension-thomas-steinfeld-herr-der-gespenster/

Was man im Netz unter „Rezension schreiben“ oder „Rezension Aufbau“ findet:

http://www.schreibsuchti.de/2013/03/28/buchrezension-schreiben-so-geht-s-tipps-fuer-aufbau-und-sprache/ (Anleitung, mit Beispiel)

http://www.dr.von-goeler.de/Leitfaden_Buchrezension.pdf (umfangreiche Anleitung)

https://www.textbroker.de/wie-sie-eine-gelungene-rezension-verfassen

http://www.literaturzeitschrift.de/rezension/

https://lehrerfortbildung-bw.de/u_sprachlit/deutsch/gym/bp2004/fb3/02_feld/3_form/1_rezension/1_bspl/ (Anleitung, wie Lehrer ihre Schüler befähigen sollen, Rezensionen zu schreiben – kann man auch unabhängig vom Lehrer durcharbeiten)

Mit Herrn Löhr, dem Eigentümer der Seite re-visionen, konnte ich mich nicht einigen, ob die Ich-Form für eine Rezension angebracht ist (Dr. von Goeler sagt: nicht ausufern lassen!); ich meine, es sei ehrlicher, sich nicht hinter einer scheinbaren Allgemeingültigkeit („man“, „der Leser“) zu verstecken, zumal da man mit seinem Namen für die Rezension geradesteht. Herr Löhr stritt das ohne weitere Begründung ab.

Ich habe daraufhin geprüft, was andere Leute sagen:
https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/deutsch-abitur/artikel/rezension
 (keine Äußerung zur Form)

http://www.fachdidaktik-einecke.de/9c_Meth_Textproduktion/rezension.htm (mit „ich“)

http://www.schreibsuchti.de/2013/03/28/buchrezension-schreiben-so-geht-s-tipps-fuer-aufbau-und-sprache/ („ich“ gebraucht)

https://de.wikipedia.org/wiki/Literaturkritik :

Weit populärer [als fachwissenschaftliche Rezensionen, N.T.] sind jedoch die kleineren publizistischen Formen, die ihren Niederschlag in Fachzeitschriften und vor allem im Feuilleton von Zeitungen und Zeitschriften finden:

  • in Literaturrezensionen, die als essayartige Abhandlungen analog zum literaturwissenschaftlichen Ansatz für ihre noch sehr weitgehende, Quellen kennzeichnende und mehrere Seiten umfassende Analyse eines Werkes jedoch eine literarische Ausformung suchen, meist in zuspitzender Pointierung, bei negativer Bewertung zuweilen sogar als Polemik. Autoren solcher Literaturkritiken machen sich selbst dabei als Person durchaus kenntlich und nutzen für diese Art der Rückschau auf ein literarisches Werk zumeist die Ich-Perspektive.
  • in Literaturrezensionen bzw. Buchbesprechungen, die vergleichsweise knapp den Inhalt eines Werkes nur noch andeuten – ohne z. B. das Ende zu verraten – und dem dann eine etwas ausführlichere Bewertung des Gesamteindrucks anfügen. Sie umfassen in der Regel ein bis drei Normseiten, als Kurzhinweise zuweilen weit weniger. Autoren solcher Literaturkritiken bleiben als Person im Hintergrund. Selbst ihre namentliche Signatur am Ende ihrer Artikel wird bei Zitaten nicht selten unterschlagen und nur noch das sie veröffentlichende Printmedium genannt. Sehr große Verbreitung finden Literaturrezensionen im Internet, wobei hier inzwischen vermehrt auch auf reine Kundenmeinungen abgehoben wird.“

Äußerungen einzelner Fachleute zur Streitfrage:

  • also, Beispiele für subjektive Rezensionen gibt es en masse (Heinrich Böll etwa). Die These Ihres redakteurs ist schon mal literaturhistorisch haltlos“ (Hartmut Finkeldey)
  • Lieber Herr Tholen,das liegt in Ihrem Ermessen und dem Ihrer Redaktion. Es ist in den Feuilletons eher unüblich, aber durchaus manchmal gerechtfertigt. Wenn es für einen privaten Blog ist, dann würde ich so schreiben, wie es Ihnen in der Feder liegt. Wichtig ist, unabhängig von Ich-Form, ohnehin die Argumentation und Begründung.“ (Insa Wilke)
  • Sehr geehrter Herr Tholen, Rezension ist ja ein Sammelbegriff für verschiedene, eher kreative Textsorten, es kommt auf den Kontext an, sowohl auf das besprochene Werk als auch auf das Publikationsorgan, in das sich die Rezension stimmig einfügen (und doch darin etwas Besonderes darstellen) muss. Grundsätzlich ein Ja, auch wenn es eher unüblich ist, daher sollte ein Grund, weshalb ein Ich spricht, erkennbar werden. Sie sollten es (aus dem Werk oder dem Kontext heraus) motivieren (was nicht explizit sein muss und nur für den geübten Leser erkennbar sein kann).“ (Prof. Dr. Stefan Neuhaus)
  • Ich-Texte sind jedenfalls kein Standard. Erste Anregungen zum Thema finden Sie vielleicht schon hier in meiner Kolumne von 2011 zum Thema: https://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13109870/I-wie-Ich.html(Marc Reichwein) [Diese Kolumne ist ausgesprochen geistreich und lesenswert!]

Sachtext zusammenfassen (2. Beispiel: Zeitungsbericht)

30. Mai 2017| 13.20 Uhr (rp-online)

„Paddeln statt Datteln“

Medienkonsum-Studie scheitert an Jugendsprache

Düsseldorf. In den sozialen Netzwerken amüsieren sich viele User über die Präsentation der Blikk-Studie zum übermäßigen Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen. Grund sind darin enthaltene absurde Formulierungen und Bilder. Das zuständige Institut verteidigt sein Konzept.  Von Marcel Romahn

70 Prozent der Kinder im Kita-Alter nutzen das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde am Tag. Konzentrationsprobleme, Hyperaktivität und Einschlafstörungen seien die Folge. Diese beunruhigende Entwicklung zeichnet sich in der Blikk-Studie ab, die am Montag von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Das Thema ist ernst. Doch die Präsentation zur Studie, die vom Fachbereich Medizinökonomie und Gesundheit der Rheinischen Fachhochschule Köln erstellt wurde, provoziert in den sozialen Netzwerken Hohn und Spott. Denn einige Schlagworte und Bilder darin – da sind sich die User auf Facebook und Twitter einig – passen eher in die Kategorie „unfreiwillig komisch“.

Gewollter „Eyecatcher“ 

„Bicken statt Liken“ heißt es auf einer der Präsentationsseiten. Gemeint ist, dass sich Kinder eher draußen in der Natur aufhalten oder Sport machen sollten, anstatt lange Zeit mit dem Smartphone beispielsweise auf Facebook zu surfen. Der Rechtschreibfehler im englischen Wort (eigentlich: biken) führt diesen Leitsatz jedoch ad absurdum. 

Außerdem amüsieren sich viele User über den offenbar vergeblichen Versuch des Instituts, die Jugendsprache in ihre Präsentation einzubinden. „Paddeln statt Datteln“, lautet ein weiterer Schlagsatz. Gemeint ist hier offenbar das Wort „daddeln“ (umgangssprachlich für: Videospiele spielen) und nicht etwa die Frucht. „Was haben die gegen Datteln?“, spottet ein User. 

Auch die Bebilderung der Präsentation, die offenbar eine Bilderbuchfamilie in ihrem Alltag darstellen soll, wirkt in den Augen der Kritiker unrealistisch, komisch und absurd – etwa, wenn eine Familie mit breitem Grinsen beim gemeinsamen Essen oder dicht gedrängt auf der Wohnzimmercouch abgebildet wird. 

Trotz aller Kritik verteidigt das zuständige Institut für Medizinökonomie und Gesundheit der Rheinischen Fachhochschule Köln die Gestaltung der Präsentation. „Es wurden bewusst für die beiden alternativ genannten Aktivitäten zur digitalen Medien-Nutzung ‚Bicken statt Liken‘ und ‚Paddeln statt Datteln‘ falsche Schreibweisen gewählt, um bei der heutigen Informationsflut einen Eyecatcher für die Wahrnehmung unserer Empfehlungen zu generieren“, sagte Vizepräsident Rainer Riedel auf Anfrage unserer Redaktion. 

Da diese Blickfänger jedoch offenbar von der Öffentlichkeit so nicht wahrgenommen wurden, habe man sich nun dazu entschlossen, die Begriffe zu korrigieren. 

 

Meine Zusammenfassung

In der rp-online vom 30. Mai 2017 berichtet Marcel Romahn unter der Überschrift „Paddeln statt Datteln“ über Kritik an der Blikk-Studie über Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen.

Zunächst wird die Studie kurz vorgestellt: Die starke Benutzung von Smartphones führe zu Unruhe und Schlafstörungen der Kinder. Die Präsentation der Studie habe Spott und Hohn in den sozialen Netzwerken hervorgerufen, da sie oft unfreiwillig komisch wirke. An mehreren Beispielen erklärt Romahn, wieso das der Fall ist. Das zuständige Institut habe sich damit verteidigt, dass bewusst falsche Schreibweisen gewählt worden seien, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen; da dies misslungen sei, werde man die missverständlichenBegriffe korrigieren.

Marcel Romahn hat selber eine kurze Zusammenfassung seines Textes an den Anfang gestellt.

Diskussion

  • Diesmal habe ich mich entschlossen, Rohmans Zusammenfassung zu erwähnen, da es sich um eine sachliche Zusammenfassung handelt.
  • Ich habe diese Erwähnung an den Schluss gestellt, weil sie dort den Text gut abschließt; man könnte auch erwägen, sie an den Anfang zu stellen: „Am Anfang des Textes steht eine Zusammenfassung des Artikels.“ Dann kann man natürlich nicht mit „Zunächst…“ fortfahren.
  • Der Beginn der Zusammenfassung ist mit dem Adverb „Zunächst“ markiert.
  • Die Erläuterung der Kritik anhand der Beispiele wird unter dem Sammelbegriff „Beispiele“ zusammengefasst. 
  • Name und Funktion des Vizepräsidenten treten hinter der Institution des Instituts zurück, werden also nicht erwähnt.
  • Ich wechsele zwischen Verben des Sagens plus Indikativ (vorstellen, erklären) und der Wiedergabe des Inhalts in der indirekten Rede (Konjunktiv I).

Sachtext zusammenfassen (Beispiel Zeitungsbericht)

29. Mai 2017 | 13.42 Uhr (rp-online)

Studie zu Medienkonsum

Schon Kleinkinder hängen täglich am Smartphone

Berlin. 70 Prozent der Kinder im Kita-Alter nutzen das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde am Tag. Schon Säuglinge sind hyperaktiv, wenn Mama stets am Tablet hängt. Experten warnen vor den Gefahren – aber auch vor einer einseitigen Diskussion.

Konzentrationsprobleme, Hyperaktivität und Einschlafstörungen schon bei Säuglingen: Ein übermäßiger Medienkonsum gefährdet die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Das geht aus der Blikk-Studie hervor, die am Montag von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), vorgestellt wurde. Bereits Babys unter einem Jahr haben demnach Fütter- und Einschlafstörungen, wenn die Mutter parallel zur Betreuung ihres Kindes digitale Medien nutzt. Zudem benutzen schon 70 Prozent der Kinder im Kita-Alter das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich.

Zwei- bis Fünfjährige sind der Studie zufolge bei regelmäßiger Nutzung von Bildschirmmedien nicht nur zappeliger und haben Konzentrationsstörungen. Bei täglicher Mediennutzung zeigen sich zudem Störungen bei der Sprachentwicklung. Die Kinder sind außerdem oft unruhig und schnell ablenkbar.

Hyperaktiv und unkonzentriert

Auch Kinder ab etwa sieben Jahren und Jugendliche, die mehr als eine Stunde pro Tag an ihrem Smartphone oder Tablet hängen, sind oft hyperaktiv oder unkonzentriert. Sie greifen auch mehr zu süßen Getränken und Süßigkeiten und sind häufiger dick.

In die Studie, aus der Medien schon in den vergangenen Tagen zitiert hatten, wurden zwischen Juni 2016 und Januar 2017 mehr als 5500 Kinder und Jugendliche einbezogen. Grundlage sind die Vorsorgeuntersuchungen, die sogenannten U-Untersuchungen, beim Kinderarzt sowie Elternbefragungen.

In Deutschland gelten mittlerweile rund 600.000 Jugendliche und junge Erwachsene als internetabhängig und zweieinhalb Millionen als problematische Internetnutzer. „Wir müssen die gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung ernst nehmen“, erklärte Mortler. „Kleinkinder brauchen kein Smartphone.“ Sie müssten erst einmal lernen, mit beiden Beinen sicher im realen Leben zu stehen. Es sei daher dringend notwendig, Eltern beim Thema Mediennutzung Orientierung zu geben, forderte die Drogenbeauftragte.

Experten warnen vor einseitiger Diskussion

Die Würzburger Medienpsychologin Astrid Carolus warnte indes vor einer einseitigen Diskussion über die Smartphonenutzung bei Kindern und Jugendlichen. Dass der Umgang mit Smartphones negative Folgen habe, gehe aus der Studie nicht eindeutig hervor, sagte Carolus im Deutschlandfunk. Nachgewiesen worden seien lediglich statistisch signifikante Zusammenhänge, aber keine klare Beziehung zwischen Ursache und Wirkung.

Die Wissenschaftlerin sprach sich gegen Smartphoneverbote für Kinder aus. Diese gingen an der Realität vorbei. Die jungen Menschen wüchsen heute in einer digitalisierten Welt auf und müssten den richtigen Umgang mit den Geräten lernen.

(oko/AFP)

 

Meine Zusammenfassung

In der rp-online vom 29. Mai 2017 wird unter der Überschrift „Studie zu Medienkonsum“ über eine am gleichen Tag veröffentlichte Studie zum Medienkonsum von Kindern berichtet.

Es werden zunächst die gemäß der Blikk-Studie negativen Folgen übermäßiger Mediennutzung für Kinder und Jugendliche referiert: Schlafstörungen, Unruhe, Konzentrationsprobleme, schlechte Essgewohnheiten. Grundlage der Studie seien Befragungen von mehr als 5.500 Kindern und Jugendlichen sowie Elternbefragungen seit Juni 2016. Frau Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, habe auf die Risiken der Digitalisierung hingewiesen. Die Medienpsychologin Carolus habe jedoch vor einer einseitigen Interpretation der Studie gewarnt; es komme darauf an, dass Kinder den richtigen Umgang mit den Medien lernten.

Diskussion:

  • Dass die Studie am gleichen Tag veröffentlicht wurde, ergibt sich aus dem Datum des Artikels und der Datierung „am Montag“, die auf den Bericht in der am folgenden Tag erscheinenden Zeitung zielt.
  • Frage: Sollte man in den Einleitungssatz die Quellenangabe („auf der Grundlage einer Agenturmeldung“) aufnehmen? 
  • Ich habe die einleitenden Zeilen nicht berücksichtigt, weil sie [Ergebnis der voraufgehenden Analyse!] nur einige auffällige Einzelheiten herausheben, um den Leser für den ganzen Artikel zu interessieren. Genauso werden die Zwischenüberschriften und der Untertitel hier [anders als in einer Analyse!] nicht beachtet.
  • Die folgenden drei Absätze habe ich summarisch referiert, weil sie die negativen Auswirkungen (gleiches Thema) auf die verschiedenen Altersstufen darstellen.
  • Der Satz „In Deutschland gelten…“ ist ein Irrläufer, der nicht berücksichtigt wird.
  • Hier und auch im Folgenden zeigt sich, dass einer Zusammenfassung eine Analyse voraufgehen muss: Die letzten drei Absätze sind den unterschiedlichen Bewertungen von Frau Mortler und Frau Carolus gewidmet, man kann sie auf diesen Unterschied hin zusammenfassen.
  • Frau Mortler wird mit ihrer Funktion vorgestellt, weil sie die Studie veranlasst bzw. vorgestellt hat. Bei Frau Carolus sollte man den Beruf „Medienpsychologin“ nennen, weil sie damit als fachlich qualifiziert vorgestellt wird.
  • Fazit: Diese Art von Zeitungsberichten (Bericht über eine gerade veröffentlichte Studie) stellt eigentümliche Anforderungen an eine Zusammenfassung.

Nicht immer nur googeln…

Nicht immer nur googeln…

Tipps von KollegInnen für KollegInnen

– Christian Mantsch

– Ulrike Hemmert

– Eva-Susanne Graffmann

– Renate Kuffart

– Jürgen Spitzlay

Folien des Sammelvortrags vom 18. März 2014 – 5. Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Kirchlichen Hochschulbibliotheken (AGKH) in Bamberg

http://www.pthv.de/fileadmin/user_upload/Bibliothek/Schulungen/Nicht%20immer%20nur%20googeln_2014.pdf

Fairerweise muss ich sagen: Am 6. August 2017 habe ich meine Analyse eines Brentano-Gedichts nach einem Tag allein bei google gefunden.

Texte überarbeiten – ein Beispiel

Ich stelle zunächst den Entwurf „Verpasste Kindheit“ meines amerikanischen Freundes Merrill Lyew vor, der vor gut 40 Jahren mehrere Jahre in Deutschland gelebt hat. Es handelt sich um ein sogenanntes Drabble oder eine Miniaturgeschichte oder Fan Fiktion von genau 100 Wörtern, wenn man den Titel nicht mitzählt. Man führt den Leser in die Irre und am Ende ist die Pointe eine unerwartete Wende. „Vergangen“ ist dann die von mir überarbeitete Version.

 

Verpasste Kindheit 

Bei der Hochschulanmeldung wurde ich zunächst aufgefordert, erst einmal Platz zu nehmen und zu warten.

Kurze Zeit später betrat ein Polizist das Büro und bat mich, ihn auf das Revier zu begleiten, es gäbe dort eine wichtige Angelegenheit zu klären.

Arglos folgte ich dem Polizisten, weil ich mir keiner Schuld bewusst war und hoffte darauf, dass es sich lediglich um ein Missverständnis handeln könnte.

Ein älterer Offizier wühlte in staubigen Akten und zog kurz darauf ein vergilbtes Blatt hervor.

Es war ein Fahndungsplakat mit meinem Konterfei als fünfjähriges Kind.

Als gesuchter Kindesentführer stand unter einem Fahndungsfoto der Name meines Vaters…

 

Erläuterung:

Als Fehler sehe ich den Verstoß gegen die innere Logik der Fahndung an: Wenn jemand aktuell noch gesucht wird, muss das Fahndungsplakat griffbereit sein (im Regal), auch wenn es alt (vergilbt) ist.

Die Überschrift schien mir nicht zum Text zu passen, ich denke eher an „Zeitreise“ o.ä.: dass die Vergangenheit plötzlich gegenwärtig wird. Ich habe „Vergangen“ gewählt, weil das zwischen „Vergangenheit“ und „Vergehen“ (= Verbrechen) changiert.

Die anderen Änderungen betreffen Kleinigkeiten:

 

Vergangen

Im Sekretariat der Hochschule wurde ich gebeten, erst einmal Platz zu nehmen und zu warten. Kurze Zeit später betrat ein Polizist das Büro und forderte mich auf, ihn auf das Revier zu begleiten, es gebe dort eine wichtige Angelegenheit zu klären.

Arglos folgte ich dem Polizisten, weil ich mir keiner Schuld bewusst war; ich nahm an, dass es sich lediglich um ein Missverständnis handelte.

Im Polizeibüro holte ein älterer Wachtmeister eine Akte aus dem Regal und zeigte mir ein vergilbtes Blatt – ein Fahndungsplakat mit meinem Konterfei als fünfjähriges Kind. Unter einem Fahndungsfoto stand der Name des gesuchten Entführers: meines Vaters…

 

Merrill Lyew hat sich für den Titel „Die Anmeldung“ entschieden, weil „Vergangen“ sich so anhöre, als hätte sich der Vater am Kind vergangen. – Die Erzählung beruht auf einer Begebenheit in den USA, wo ein Vater nach der Scheidung sein Kind entführt hatte und untertauchen konnte; erst bei der Immatrikulation des Kindes sind die Behörden auf Unstimmigkeiten gestoßen.

Noch ein Beispiel: Ein Text Merrill Lyews:

Die Erbschaft

Herbert sitzt mit besorgtem Gesichtsausdruck, die zittrigen Hände im weißen Schopf, am Tisch im Esszimmer des kleinen Reihenhauses. Die dunkelblaue, nach Mottenkugeln riechende Jacke hängt an seinem hageren Körper wie ein ausgeleierter Kittel. Er wartet ungeduldig auf seinen Sohn, denn er will das Anliegen schnellstmöglich erledigen.

Günther hastet aus seinem Schlafzimmer zum Wandspiegel in der Diele. Schnell schiebt er seine Krawatte zurecht und glättet noch einmal sein Haar. Heute muss er gut aussehen, denn Susanne wartet auf ihn. Er kann es kaum erwarten. Deshalb schlägt er seinem Vater vor, ihn zuerst in Altenheim zu fahren und dann später noch einmal bei ihm vorbeizukommen. Schweren Herzens erklärt sich Herbert einverstanden, fügt aber mit weicher Stimme hinzu:

„Vergiss es bitte nicht, es ist sehr wichtig.“

Günther hört nur flüchtig hin.

„Ja, ja Vati“ erwidert er gelangweilt. „Ich komme bestimmt, du kennst mich doch. Jetzt müssen wir aber schnell zum Auto.“

Eine leichte Brise weht den Duft von frisch gemähtem Gras durch den Stadtpark. Susanne reagiert mit heftigem Niesen und rot werdenden Augen darauf. Sie wartete bereits auf der Parkbank am Brunnen, wo sie sich verabredet hatten.

„Ich merke schon, Du bist allergisch auf mich“, scherzt Günther als er auf sie zuläuft.

„Das glaube ich auch, du Witzbold.“

Susanne muss erneut niesen.

„Gehen wir ins Kino?“, fragt sie schniefend.

„Es ist ganz in der Nähe.“

„Was wird gezeigt?“

„Das Schloss“, antwortet die Kollegin.

Günther lässt sich kein zweites Mal bitten, trotzdem er in der Schulzeit das Originalwerk lesen musste. Für Susanne hätte er fast alles getan.
Es ist schon fast dunkel als die beiden aus dem Kino kommen.

Wieder zu Hause zieht Günther seine schwarzlackierten Schuhe aus, serviert sich ein Glas Scotch, setzt sich aufs Liegesofa und tastet nach der Fernsehfernbedienung auf dem Tisch dahinter. Da läutet ein Glockenschlag wie von Big Ben, es ist sein Handy.

„Ja, der bin ich“, antwortet Günther dem Anrufer freundlich. Plötzlich schaut er schreckensbleich mit weit geöffneten Augen ins Leere. Er muss heftig schlucken, um den Kloß in seinem Hals hinunterzuwürgen.

„Wie bitte?“, wispert er mit bebenden Lippen. „Wie… wieso tot? Ich …“

Sein vor Schwindel schwankender Blick fällt auf die Aktentasche, in der immer noch die unterschriftlose Erbschaftsurkunde seines Vaters steckt.

Die von mir überarbeitete Fassung:

Die Erbschaft

Herbert sitzt mit besorgtem Gesicht, die zittrigen Hände im weißen Haar, am Tisch im Esszimmer des kleinen Reihenhauses. Eine dunkelblaue, nach Mottenkugeln riechende Jacke hängt an seinem hageren Körper wie ein ausgeleierter Kittel. Er wartet ungeduldig auf seinen Sohn, denn er will sein Vorhaben möglichst bald erledigen.

Günther hastet aus seinem Schlafzimmer zum Wandspiegel in der Diele. Schnell schiebt er die Krawatte zurecht und glättet noch einmal sein Haar. Heute muss er gut aussehen, denn Susanne wartet auf ihn. Er kann es kaum erwarten, bei ihr zu sein. Deshalb schlägt er seinem Vater vor, ihn zuerst ins Altersheim zu bringen und dann später noch einmal bei ihm vorbeizuschauen. Schweren Herzens erklärt sich Herbert einverstanden, fügt aber mit weicher Stimme hinzu: „Vergiss es bitte nicht, es ist sehr wichtig; und vergiss die Tasche nicht!“ Günther hört nur flüchtig hin. „Ja, ja, Vati“, erwidert er unaufmerksam. „Ich komme bestimmt, du kennst mich doch. Jetzt müssen wir aber schnell zum Auto.“

Eine leichte Brise weht den Duft von frisch gemähtem Gras durch den Stadtpark. Susanne reagiert mit heftigem Niesen und geröteten Augen darauf. Sie wartet bereits zehn Minuten auf der Parkbank am Brunnen, wo sie sich treffen wollten.

„Ich merke schon, Du bist allergisch gegen mich“, scherzt Günther, als er auf sie zu geht. „Das glaube ich auch, du Witzbold.“ Susanne muss erneut niesen. „Gehen wir ins Kino“, fragt sie schniefend, „es ist ganz in der Nähe?“ „Was wird gezeigt?“ „Das Schloss“, antwortet die Kollegin. Günther lässt sich kein zweites Mal bitten, obwohl er in der Schulzeit dem Roman nichts abgewinnen konnte. Für Susanne hätte er fast alles getan.

Wieder zu Hause zieht Günther seine schwarzen Lackschuhe aus, serviert sich ein Glas Scotch, setzt sich aufs Liegesofa und tastet nach der Fernsehfernbedienung; er will sich ein wenig entspannen, ehe er zum Vater fährt. Da erklingt ein Glockenschlag wie von Big Ben, es ist sein Handy.

„Ja, der bin ich“, antwortet Günther dem Anrufer freundlich. Dann schaut er schreckensbleich mit weit geöffneten Augen ins Leere. Er muss heftig schlucken, um den Kloß in seinem Hals hinunterzuwürgen. „Wie bitte?“, wispert er mit bebenden Lippen. „Wie… wieso tot? Ich …“

Sein schwankender Blick fällt auf die Aktentasche, in der das Testament steckt, in dem nur noch Datum und Unterschrift seines Vaters fehlen.

Derzeit stört mich noch der Glockenschlag von Big Ben, der ist für ein Handy zu laut. Merrill hat dann meinen Text noch einmal leicht überarbeitet.

Eine Erzählung verstehen – wie geht das?

Zugleich ein Beitrag zur Analyse von Borchert: Das Brot.

Am Beispiel von Borcherts Erzählung „Das Brot“ möchte ich exemplarisch untersuchen, welche Aspekte oder Dimensionen des Verstehens es dabei gibt. Ich beziehe mich auf die Textausgabe http://www.geschichte-projekte-hannover.de/filmundgeschichte/deutschland_nach_1945/ruckblickende-kurzfilme/die-filme-2/das-brot-2.html (Zeilenzählung der Seite, die nach Anklicken des Druckersymbols oben rechts angezeigt wird bzw. beim Ausdrucken vorliegt: 47 Zeilen).

  1. Die Bedeutung von Wörtern muss man kennen oder aus dem Kontext erschließen, damit man den Satz versteht. Der Satz (das Syntagma) ist die erste Dimension des Verstehens. Satz: „als sie mit der Hand über das Bett neben sich fuhr“ (Z. 2 f.); „fahren“ hat laut „Duden. Deutsches Universalwörterbuch“ (7. Aufl.) 11 Hauptbedeutungen, hier passt die Bedeutung 9.b) „[mit einer schnellen Bewegung] über, durch etwas streichen, wischen, eine schnelle Bewegung machen“. Wenn ich diese Bedeutung von „fahren“ kenne oder ahne, verstehe ich den genannten Satz (Wörter kann man also nicht verstehen, man kann nur ihre Bedeutung/en kennen).
  2. Aus den Sätzen in ihrer Abfolge kann man das erzählte Geschehen oder die beschriebene Situation verstehen (Z. 1-6, meistens aus den paradigmatischen Alternativen): wachte sie auf (eine Frau, hat geschlafen) / „Ach so!“ (personal erzählt: ihre Sicht) / in der Küche (vs. Schlafzimmer) / zu still (verlangt eine Erklärung) / das Bett neben sich … leer (hat einen Mann, der fehlt) / „Das war es“ (setzt „Ach so!“ und „zu still“ fort: Sie erklärt sich etwas.) / durch die dunkle Wohnung (bereitet „Licht“ vor) / „In der Küche trafen sie sich.“ (verfrühte Erklärung des Erzählers!) / Die Uhr… (Datierung) / „etwas Weißes“ (bereitet die Lösung vor) / „Sie machte Licht.“ (ermöglicht die Lösung) / „Sie standen sich im Hemd gegenüber. Nachts. Um halb drei. In der Küche“: Das ist die groteske Situation, in die schrittweise eingeführt wird; grotesk deshalb, weil Paare nachts normalerweise nebeneinander im Bett liegen. – Diese groteske Situation wird in zwei Schritten aufgelöst; das ergibt die Struktur der Erzählung (s.u.).
  3. In dieser Situation kann/muss man die Bedeutung von Ereignissen verstehen, d.h. verschiedene Sätze aufeinander beziehen. Beispiel: „Sie sah, dass er sich Brot abgeschnitten hatte.“ (Z. 7, mit nachfolgender Erklärung) <-> „‚Ich dachte, hier wär was’, sagte er und sah in der Küche umher.“ (Z. 11) Was die Frau sieht, widerspricht dem, was der Mann sagt (was sie hört); die Frau „sieht“ also, dass er lügt, was in Z. 17 ausdrücklich gesagt wird.
  4. „‚Ich habe auch was gehört’, antwortete sie…“ (Z. 12) – das ist ein zweideutiger Satz, weil sie damit sein Rumoren (Z. 1 f.) meint, während er das als Bestätigung seiner Lüge auffassen könnte. Der Leser kann diese Zweideutigkeit verstehen, der Mann nicht. – Die Frau wiederholt später ihren Satz (Z. 21), gibt ihm dort aber eine andere Bedeutung, was dem Leser durch die Fortsetzung „aber es war wohl nichts“ und den Erzählerkommentar „Sie kam ihm zu Hilfe (Z. 22) deutlich wird. Der Leser versteht, wie die Frau die groteske Situation entschärft.
  5. In oder aus der Situation der nächtlichen Begegnung und dem Lügen des Mannes ist es denkbar, dass einzelne Wendungen eine tiefere Bedeutung gewinnen. Ich denke dabei an die Wendung, das sie „im Hemd“ standen, was wiederholt gesagt wird (Z. 5, 12, 14). Sie finden beide, dass der jeweils andere im Hemd älter als sonst aussieht – hier wird also die Wahrheit offenbar („So alt wie er war.“, Z. 13), während der lügende Mann die Wahrheit nicht erkennt (vgl. Z. 14 f.). Die Kleidung verbirgt am Tag das wahre Alter, welches „im Hemd“ sichtbar wird.
  6. Der Erzählerkommentar „Sie kam ihm zu Hilfe.“ (Z. 22) hilft dem Leser, das Agieren der Frau zu verstehen.
  7. Die Struktur der Erzählung ist dadurch bestimmt, dass zunächst eine groteske Situation beschrieben wird (s. oben 2.), die dann in zwei Schritten (vgl. 6.) aufgelöst wird: Bis Z. 39 wird erzählt, wie die Frau sich bemüht, in der Nacht mit der Lüge ihres Mannes klarzukommen, und das auch mühsam schafft (er kann essen, sie kann schlafen, Z. 37-39). Dann wird nach einem Zeitsprung (V. 40) erzählt, welche Konsequenzen sie aus seinem heimlichen Brotdiebstahl zieht und wie sie wieder in ein normales Leben kommen.
  8. Welche Themen und Motive in dieser Struktur „arbeiten“, erkennt man am Kontrast Dunkel-Licht und am Wortfeld des Sehens: sehen, ansehen, aufsehen, aussehen. Die Kontraste und das Wortfeld sind miteinander im Zusammenspiel von Wahrheit und Lüge verschränkt, auch wenn sie hier analytisch gesondert untersucht werden: a) Zuerst ist es dunkel in der Wohnung, dann macht sie Licht (Z. 5). Im Licht erkennt man die groteske Situation und sie entdeckt die Lüge ihres Mannes; mit ihr kann sie dann leben, als sie wieder das Licht löscht (Z. 26). Am Abend ist es hell, aber sie geht von der Lampe weg (Z. 42), bis die neue Aufteilung des Brotes als richtig oder begründet von beiden akzeptiert ist – eine Konsequenz ihres Umgangs mit seiner Lüge. Dann setzt sie sich unter die Lampe an den Tisch (Z. 47). b) Die Wendungen des Sehens behandle ich kurz: „Sie sah“ (Z. 7, plus folgende Erklärung) die Wahrheit. Sie sah von dem Teller weg (Z. 10, dem Beweisstück des Diebstahls und der Lüge). Er sah (zur Bestärkung seiner Lüge) in der Küche umher (Z. 11). Sie fand, dass er im Hemd älter aussah als tagsüber (Z. 12 f.: „So alt wie er war.“). Sie sieht ziemlich alt aus, dachte er (Z. 13 f., mit falscher Erklärung). Sie sah ihn nicht an (Z. 17). Er sah sinnlos umher (Z. 19, vgl. Z. 11). Er sah zum Fenster hinaus (Z. 24, vgl. Z. 19). Sie will nicht nach dem Teller (Beweis seiner Lüge) sehen (Z. 25, vgl. Z. 10 und 17). – Als es dunkel ist (Z. 29), wird das Sehen durch das Hören ersetzt (unecht, Z. 34; sie hörte, Z. 37; sie atmete absichtlich tief und regelmäßig, Z. 37 f.). – Am Abend brennt die Lampe, aber sie ging von der Lampe weg (Z. 42, damit er sie bei ihrem Lügen nicht sah). Sie sah, wie er sich tief über den Teller beugte (Z. 44) und nicht aufsah (Z. 44, um sie nicht ansehen zu müssen). Erst nach einer Weile setzte sie sich unter die Lampe, also gut sichtbar ins Licht (Z. 47).
  9. Was wollte der Autor Borchert mit dieser Erzählung „sagen“? Das geht aus der Erzählung nicht hervor; dazu müsste man das Gesamtwerk und Äußerungen des Autors heranziehen.
  10. Was haben die Leser aus dieser Erzählung 1946 und in den folgenden Jahren gehört? Auch das geht nicht aus dem Text hervor; man könnte das Handeln der Frau vorbildlich finden (selbstloser Verzicht zugunsten des geliebten Mannes), man könnte es auch kritisch sehen (Klischee der opferbereiten Frau, Vorrecht des Mannes). Wie die Leser einen Text verstehen, kann man nur durch empirische Untersuchungen herausfinden.

Vgl. auch die Aufgaben zu dieser Kurzgeschichte (https://norberto42.wordpress.com/2016/11/08/aufgaben-zu-wolfgang-borchert-das-brot/), welche man nach dieser Analyse vielleicht überarbeiten müsste.

Weblogs im Zusammenhang mit dem Unterricht

Ich bringe hier einen Vortrag aus dem Jahr 2009, dessen Links größtenteils veraltet sind, als ein Dokument jener Jahre – ich habe es aus dem Cache bei exalead gerettet, nachdem kulando.de im Herbst 2015 ohne Vorwarnung abgeschaltet worden ist:

Für den Hessischen Schulbibliothekstag 2009 (21. März in Hofheim) habe ich einen Vortrag zum Thema „Weblogs im Zusammenhang mit dem Unterricht“ konzipiert. Mangels Interesse ist der Vortrag gestrichen worden – hier ist er:

Standarddefinition: Ein Weblog ist ein Tagebuch.’
Das ist aber nicht ganz richtig, weil damit nur eine mögliche Funktion der Weblogs erfasst wird.

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Ich stelle fest, dass die Wiedergabe des alten Aufsatzes bei blogger.com schöner als bei wordpress.com ist. Hier steht also der ganze Aufsatz: http://norberto42.blogspot.de/2016/03/weblogs-im-zusammenhang-mit-dem.html

Außerdem:

http://www.bib-info.de/fileadmin/media/Dokumente/Kommissionen/Kommission%20f%FCr%20One-Person-Librarians/Checklisten/check18.pdf

http://praxistipps.chip.de/blog-erstellen-mit-blogspot-in-3-minuten-so-gehts-kostenlos_23980 sowie die Suchworte „weblog erstellen“!

Literarische Analyse – Arbeitsphasen

  1. Phase: Erarbeitung
  • Bei Textauszügen: die Ausgangssituation bestimmen, bei ganzen Texten: die Kommunikationssituation erfassen
  • Unklare Begriffe und Sachfragen klären
  • Analyse des Textes „von oben nach unten“ (Liste mit Stichworten und Belegstellen)
  • Systematische Erfassung des Analysierten (Stichworte, Schema, Sätze: Gliederung)
  • Bedeutung dieser Stelle für den Fortgang des Geschehens (bei Textauszügen) bedenken
  1. Phase: schriftliche Darstellung
  • Einleitung in einem Satz: Überblick über das Gesamtwerk (oder Bezug zur Aufgabenstellung)
  • Ausgangssituation [oder: Kommunikationssituation] beschreiben
  • Systematische Analyse, mit Belegen [Falls man „von oben nach unten“ analysiert wie bei der Bearbeitung, muss in jedem Fall eine systematische Zusammenfassung den Abschluss bilden!]
  • Kurze Auswertung oder Zusammenfassung
  • Ausblick in einem Satz (= Bedeutung, s.o.)

Auswertung

Man muss begreifen, dass die Darstellung einer anderen Logik als die Erarbeitung folgt: Bei der Erarbeitung weiß man zu Beginn wenig oder nichts; bei der Darstellung weiß man zu Beginn bereits das Ergebnis und kann es deshalb systematisch darstellen. – Für die erste Phase sollte man sich [geschätzt] ein Drittel der Arbeitszeit lassen; die Feinjustierung muss hier jeder selbst vornehmen.

Es ist allerdings eine Tatsache, dass man im Verlauf der schriftlichen Darstellung (oder bei deren abschließender Lektüre) oft weiter denkt und Dinge versteht, die man zu Beginn der Darstellung noch nicht gesehen hat. Diese neuen Einsichten muss man dann eben mit einem Auslassungszeichen nachtragen und in seinen gegliederten Text einfügen.

 

Unterrichtsreihe zur systematischen Gliederung: https://norberto68.wordpress.com/2013/11/07/unterrichtsreihe-ordnen-gliedern-gliederung-anfertigen/

https://norberto68.wordpress.com/2012/03/07/gliederung-und-aufsatz-verfassen-beispiel-die-judenbuche/ (Beispiel, mit Arbeitsanleitung)

https://norberto68.wordpress.com/2011/02/13/gliederung-von-der-stoffsammlung-zum-aufsatz-beispiele/ (weitere Beispiele)