Über das Korrigieren

Im Schuljahr 2016/17 konnte ich bei einem Nachhilfeschüler erleben, wie eine Korrektur ausfällt, welche eine Kollegin anhand vorgegebener Lösungserwartung (Schönigh) bei einmaliger Lektüre der Schülerarbeit vorgenommen hat: gruselig.

In einem Brief Karl Jaspers‘ an Hannah Arendt (4. Aug. 1929) steht Folgendes: „Die Korrekturen [beim Druck ihrer Dissertation, N.T.] müssen Sie langsam und immer zwei Mal lesen: einmal auf den Sinn und einmal optisch auf Fehler im Druck von Buchstaben und Silben. Das Korrekturlesen ist sehr anstrengend und muß gründlich geschehen.“

Das Bewerten der Leistung ist noch einmal ein gesonderter Arbeitsgang und kann erst in Teilschritten erfolgen, wenn man die ganze Schülerarbeit vor Augen hat – ganz sicher aber nicht bei der ersten Lektüre.

Wenn man alle Schülerarbeiten eines Kurses gelesen und verstanden hat, kann man eventuell sogar genötigt sein, die Lösungserwartung (sowohl eigene wie fremde) zu korrigieren und erst dann alle Arbeiten (neu) zu bewerten. Ich habe einmal meine eigene Lösungserwartung zur Analyse einer politischen Rede Brandts derart umgestoßen.

Fazit: Misstrauen Sie allen, die Ihnen weismachen wollen, sie hätten ein Patentverfahren entdeckt, bei dem man mit einmaliger Lektüre bei der Korrektur auskommt!

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