Verteidigung der Rhetorik / vom Sinn rhetorischer Analyse

Der amerikanische Politikwissenschaftler Bryan Garsten hat 2006 das Buch „Saving Persuasion: A Defense of Rhetoric and Judgement“ geschrieben: Der Anwendung von Rhetorik eignet eine gewisse Künstlichkeit und auch die Tendenz, dass der Sprecher sich „über“ die Hörer stellt (Ungleichheit); dem versuchen die Amerikaner entgegenzuwirken, indem sie ohne Konzept sprechen: Der Redner spricht angeblich aus der Seele und will so die Seele des Hörers erreichen, er will „echt“ wirken.
Vermutlich ist es so, dass im gekonnten Sprechen die Person des Redners mehr als das Programm zählt. Garsten verteidigt auch eine zuspitzende Rhetorik, weil der Politiker es mit Menschen zu tun habe, die eben auch von Leidenschaften bestimmt seien und deren Vernunft an Gefühle gebunden sei. Der ideale Diskurs, wie er von Habermas postuliert wird, erreiche die realen Menschen nicht, auch wenn eine programmatisch geführte Debatte ihre Vorzüge gegenüber den Lebens- und Religionsbekenntnissen amerikanischer Politiker habe.

Hans Blumenberg, der große Metaphernforscher, hat eine „Anthropologische Annäherung an die Aktualität der Rhetorik“ geschrieben; der Hauptsatz der Rhetorik sei das Prinzip des unzureichenden Grundes; dieses gelte für ein Wesen, dem Wesentliches mangelt. Es gehe aber nicht um einen Verzicht auf Begründung, sondern um eine Beratung, die auf einen faktischen Konsens abzielt, der nicht Konsens aufgrund theoretischer Normen ist.
Ich würde ergänzen: Der zweite Hauptsatz der Rhetorik ist das Gebot, die Aufmerksamkeit schnell ermüdender Wesen zu gewinnen, die in einer bunten Welt voller Reize und Appelle leben und zu ihrem Schutz gern „abschalten“. Erst die beiden Grundsätze zusammen lassenverstehen, warum die Werbefachleute die Rhetorik entdeckt haben, warum in der Wirtschaft die Leute rhetorisch geschult werden.

Rhetorik in der Literatur und im Alltag: „Rhetorik“ kann nicht (nur) heißen, eine Liste sogenannter rhetorischer Figuren anzulegen und abzuarbeiten – auch wenn es de facto im Unterricht oft darauf hinausläuft. Rhetorisch versiert sprechen heißt
– gut sprechen (plausibel),
– schön sprechen (angenehm, interessant),
– als erstrebte Konsequenz der beiden Sprechweisen: möglichst wirksam sprechen.
Rhetorische Analyse müsste darauf hinauslaufen zu zeigen,
1. wie Interesse geweckt und erhalten wird;
2. wie Plausibilität (jenseits reiner Sachargumente) erzeugt wird;
3. wie dadurch vermutlich der Rede Erfolg beschieden ist, indem die Hörer zum erwünschten Handeln bewegt, jedenfalls zumindest nicht gelangweilt oder vergrätzt werden (also nicht „abschalten“).
Eine rhetorische Analyse, die im formalen Nachweis von Techniken und Figuren beharrt, kommt nicht ans Ziel.

Das schöne Sprechen findet man auch in Fabeln und Märchen, wo Wortspiele ihr Recht haben. Das ist so im Märchen von „Prinzessin Langnas“, wo „auf der Nase herumtanzen“ und „mit langer Nase abziehen“ an das Zaubermittel der Nasenverlängerung gebunden sind; oder in der Fabel „Der Rinderhirt“, wo dem Zeus zuerst ein Böckchen versprochen wird, wenn der Hirt den Dieb gewahr werde, und dann ein Stier, wenn er dem Dieb entgehe – als nämlich ein Löwe als Dieb entdeckt worden ist.

Vgl. auch die Unterrichtsreihe http://www.lehrer-online.de/rhetorik-im-netz.php?sid=99101943847219472943820342034770!

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Guttenbergs Rücktrittserklärung – Text und Analyse (Beispiel)

„(1) Ich habe in einem sehr freundschaftlichen Gespräch die Frau Bundeskanzlerin informiert, dass ich mich von meinen politischen Ämtern zurückziehen werde, und um meine Entlassung gebeten. Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens. Und ich gehe nicht alleine wegen meiner so fehlerhaften Doktorarbeit, wiewohl ich verstehe, dass dies für große Teile der Wissenschaft ein Anlass wäre. Der Grund liegt im Besonderen in der Frage, ob ich den höchsten Ansprüchen, die ich selbst an meine Verantwortung anlege, noch nachkommen kann.

(2) Ich trage bis zur Stunde Verantwortung in einem fordernden Amt. Verantwortung, die möglichst ungeteilte Konzentration und fehlerfreie Arbeit verlangt – mit Blick auf die größte Bundeswehrreform in der Geschichte, die ich angestoßen habe, und mit Blick auf eine gestärkte Bundeswehr mit großartigen Truppen im Einsatz, die mir engstens ans Herz gewachsen sind. (2) Wenn allerdings, wie in den letzten Wochen geschehen, die öffentliche und mediale Betrachtung fast ausschließlich auf die Person Guttenberg und seine Dissertation statt beispielsweise auf den Tod und die Verwundung von 13 Soldaten abzielt, so findet eine dramatische Verschiebung der Aufmerksamkeit zulasten der mir Anvertrauten statt.

(3) Unter umgekehrten Vorzeichen gilt Gleiches für den Umstand, dass wochenlang meine Maßnahmen bezüglich der „Gorch Fock“ die weltbewegenden Ereignisse in Nordafrika zu überlagern schienen. Wenn es auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person gehen soll, kann ich dies nicht mehr verantworten. (3) Und deswegen ziehe ich, da das Amt, Bundeswehr, die Wissenschaft und die mich tragenden Parteien Schaden zu nehmen drohen, die Konsequenz, die ich auch von anderen verlangt habe und verlangt hätte.

(4) Ich habe wie jeder andere auch zu meinen Schwächen und Fehlern zu stehen. Zu großen und kleinen im politischen Handeln, bis hin zum Schreiben meiner Doktorarbeit. Und mir war immer wichtig, diese vor der Öffentlichkeit nicht zu verbergen. Deswegen habe ich mich aufrichtig bei all jenen entschuldigt, die ich aufgrund meiner Fehler und Versäumnisse verletzt habe. Und ich wiederhole dies auch ausdrücklich heute. Manche mögen sich fragen, weshalb ich erst heute zurücktrete. Zunächst ein möglicherweise für manche unbefriedigender, aber allzu menschlicher Grund.

(5) Wohl niemand wird leicht, geschweige denn leichtfertig, das Amt aufgeben wollen, an dem das ganze Herzblut hängt. Ein Amt, das Verantwortung für viele Menschen und deren Leben beinhaltet. (4) Hinzu kommt der Umstand, dass ich mir für eine Entscheidung dieser Tragweite jenseits der hohen medialen und oppositionellen Taktfrequenz die gebotene Zeit zu nehmen hatte. Zumal Vorgänge in Rede stehen, die Jahre vor meiner Amtsübernahme lagen.

(6) Nachdem dieser Tage viel über Anstand diskutiert wurde, war es für mich gerade eine Frage des Anstandes, zunächst die drei gefallenen Soldaten mit Würde zu Grabe zu tragen und nicht erneut ihr Gedenken durch Debatten über meine Person überlagern zu lassen. Es war auch ein Gebot der Verantwortung gegenüber diesen, ja gegenüber allen Soldaten. Und es gehört sich, ein weitgehend bestelltes Haus zu hinterlassen. Deshalb letzte Woche noch einmal viel Kraft auf den nächsten entscheidenden Reformschritt verwandt wurde, der nun von meinem Nachfolger bestens vorbereitet verabschiedet werden kann. Das Konzept der Reform steht.

(7) (5) Angesichts massiver Vorwürfe bezüglich meiner Glaubwürdigkeit ist mir auch ein aufrichtiges Anliegen, mich an der Klärung der Fragen hinsichtlich meiner Dissertation zu beteiligen: Zum einen gegenüber der Universität Bayreuth, wo ich mit der Bitte um Rücknahme des Doktortitels bereits Konsequenzen gezogen habe. Zum anderen habe ich zugleich Respekt vor all jenen, die die Vorgänge zudem strafrechtlich überprüft sehen wollen. Es würde daher nach meiner Überzeugung im öffentlichen wie in meinem eigenen Interesse liegen, wenn auch die staatsanwaltlichen Ermittlungen etwa bezüglich urheberrechtlicher Fragen nach Aufhebung der parlamentarischen Immunität, sollte dies noch erforderlich sein, zeitnah geführt werden können.

(8) Die enorme Wucht der medialen Betrachtung meiner Person, zu der ich selbst viel beigetragen habe, aber auch die Qualität der Auseinandersetzung bleiben nicht ohne Wirkung auf mich selbst und meine Familie. Es ist bekannt, dass die Mechanismen im politischen und medialen Geschäft zerstörerisch sein können. Wer sich für die Politik entscheidet, darf, wenn dem so ist, kein Mitleid erwarten. Das würde ich auch nicht in Anspruch nehmen. Ich darf auch nicht den Respekt erwarten, mit dem Rücktrittsentscheidungen so häufig entgegen genommen werden.

(9) Nun wird es vielleicht heißen, der Guttenberg ist den Kräften der Politik nicht gewachsen. (6) Das mag sein oder nicht sein. Wenn ich es aber nur wäre, indem ich meinen Charakter veränderte, dann müsste ich gerade deswegen handeln. Ich danke von ganzem Herzen der großen Mehrheit der deutschen Bevölkerung, den vielen Mitgliedern der Union, meinem Parteivorsitzenden und insbesondere den Soldatinnen und Soldaten, die mir bis heute den Rücken stärkten, als Bundesverteidigungsminister nicht zurückzutreten.

(10) Und ich danke besonders der Frau Bundeskanzlerin, für alle erfahrene Unterstützung und ihr großes Vertrauen und Verständnis. Es ist mir aber nicht mehr möglich, den in mich gesetzten Erwartungen mit dem mir notwendigen Maß an Unabhängigkeit in der Verantwortung gerecht zu werden. Insofern gebe ich meinen Gegnern gerne recht, dass ich tatsächlich nicht zum Selbstverteidigungs-, sondern zum Minister der Verteidigung berufen wurde. Abschließend ein Satz, der für einen Politiker ungewöhnlich klingen mag. Ich war immer bereit, zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht. Vielen Dank.“

http://www.sueddeutsche.de/politik/guettenbergs-erklaerung-im-wortlaut-ich-habe-die-grenzen-meiner-kraefte-erreicht-1.1066386 (SZ-online vom 1. März 2011, 10 Absätze gegenüber 12 in der Druckausgabe vom 2. März, S. 5) – Der Text liegt auch in einer Fassung in 6 Absätzen vor: http://www.hna.de/nachrichten/politik/ruecktrittserklaerung-guttenbergs-wortlaut-1143238.html (nach dapd). Ich nummeriere die 10 Absätze der SZ-online und markiere außerdem in blauer Farbe den Beginn der 6 Absätze der dapd-Fassung. Beide Fassungen überzeugen nicht immer; das gilt auch für die 12 Absätze in der SZ vom 2. März.

Sprachlogische Analyse der Rücktrittserklärung Herrn zu Guttenbergs:

In (1) informiert er über den Rücktritt; er bewertet den Rücktritt als schmerzlich; er begründet ihn a) mit der fehlerhaften Doktorarbeit, b) mit Hinweis auf den wichtigeren Grund in seiner Verantwortung.

In (2) erklärt er seine Verantwortung als Minister a) formal (das Amt verlange ungeteilte Konzentration), b) inhaltlich: für die BW-Reform und für die Truppe im Einsatz. Er beklagt eine Verschiebung der öffentlichen und medialen Aufmerksamkeit auf die Person KTG zulasten der Soldaten.

In (3) beklagt er eine analoge Verschiebung beim Thema „Gorch Fock“. Dann zieht er die Schlussfolgerung, dass er „deswegen“ (wegen der Verschiebung der Aufmerksamkeit) zurücktritt. Gleichzeitig nennt er als Grund des Rücktritts die Absicht, Schaden vom Amt des Ministers, von der Bundeswehr, der Wissenschaft und den ihn tragenden Parteien abzuwenden.

In (4) bekennt er sich zu seinen Fehlern und entschuldigt sich. Er referiert die mögliche Frage, warum er erst heute zurücktritt.

Als weniger wichtigen Grund nennt er in (5) die Tatsache, dass er mit seinem Herzen am Amt hängt, und zweitens die Tatsache, dass eine wichtige Entscheidung Zeit braucht.

Dass er diese Zeit gebraucht hat, begründet er in (6) mit der Notwendigkeit, die gefallenen Soldaten in Würde zu begraben, und zweitens mit der Notwendigkeit, dem Nachfolger ein bestelltes Haus zu hinterlassen.

In (7) beteuert er, er möchte zur Klärung der Fragen hinsichtlich seiner Dissertation beitragen.

In (8) gesteht (klagt?) er, dass die Auseinandersetzung in den Medien ihn und seine Familie belastet; er gibt zu, dass er als Politiker kein Mitleid erwarten darf.

In (9) setzt er sich mit dem möglichen Spott auseinander (?), diese Klage zeige, dass er dem politischen Streit nicht gewachsen sei; mit Berufung auf seinen Charakter erträgt er diesen Spott. Er dankt allen seinen Unterstützern.

In (10) dankt er insbesondere der Bundeskanzlerin, die ihn im Amt halten wollte, und begründet noch einmal, dass er wegen „dem mir notwendigen Maß an Unabhängigkeit in der Verantwortung“ das Amt des Verteidigungsministers nicht mehr ausüben kann. Als zweiten Grund nennt er, dass er die Grenzen seiner Kräfte erreicht hat. Er schließt mit einem Dank für die Aufmerksamkeit.

Die Argumentationsstrategie Guttenbergs in dieser Rede:

Es lassen sich zwei oder drei Strategien unterscheiden. Einmal betont er immer wieder die Verantwortung, aus der er sein Amt aufgebe (sechsmal „Verantwortung“, einmal „verantworten“); zweitens stellt er gegenüber dem Vorwurf, bei seiner Dissertation getäuscht oder gepfuscht zu haben, wiederholt seine Ehrlichkeit und seinen Charakter heraus.

a) Mit der positiven Vokabel „Verantwortung“ stellt er sich als den überlegenen integren Herrn des Verfahrens dar (1): Er werde nicht primär wegen seiner fehlerhaften Arbeit aus dem Amt gedrängt, sondern gehe wegen der höchsten Ansprüche, die er selbst an seine Verantwortung stelle.

Die Erklärung dieser Verantwortung gelingt ihm aber nicht: Er könne die „dramatische Verschiebung der Aufmerksamkeit“ auf seine Person (2) zulasten der Soldaten nicht verantworten. Er braucht diese Verschiebung auch nicht zu verantworten; dafür sind die Medien und die Medienmacher verantwortlich. Beziehungsweise er ist doch selber daran schuld, weil er so lange mit der Wahrheit über seine Dissertation hinter dem Berg gehalten hat. Ferner schlägt die Begründung mit dieser Verantwortung fehl, weil völlig unverbunden daneben eine zweite Begründung steht: Schaden von Amt, Bundeswehr, Wissenschaft und Parteien abwenden zu wollen (3). Drittens schlägt die Erklärung fehl, weil Guttenberg zu unbestimmt von Verantwortung spricht: Wofür ist er verantwortlich, und vor wem ist er verantwortlich? Darüber sagt er nichts, er schwafelt nur von Verantwortung (an sich, sozusagen).

Dass Guttenberg ganz hohl von Verantwortung spricht, sieht man besonders deutlich in (6) und (10): Wieso war es ein Gebot der Verantwortung gegenüber allen Soldaten, erst nach dem Begräbnis der gefallenen Soldaten zurückzutreten? Und was ist das notwendige Maß an Unabhängigkeit in der Verantwortung überhaupt? Ich verstehe wirklich nicht, was er mit „Unabhängigkeit in der Verantwortung“ meinen könnte.

b) Die zweite Strategie Guttenbergs besteht darin, angesichts der erwiesenen Täuschungen bei seiner Dissertation seinen Anstand und guten Charakter zu betonen und so indirekt das nachgewiesene Täuschen zu relativieren. Das lässt sich an fünf Stellen zeigen: Erstens behauptet er (zu Unrecht), es sei ihm „immer wichtig“ gewesen, seine Fehler nicht zu verbergen (4). Zweitens unterstreicht er zweimal, wie aufrichtig er etwas getan hat: sich entschuldigen (4), bei der Aufklärung mitwirken (7) – dabei ist zu sagen, dass es kein aufrichtiges Anliegen gibt, sondern höchstens ein tatsächliches oder wirkliches. Drittens betont er, dem fehlender Anstand vorgeworfen worden ist, dass er gerade aus Anstand zuerst die Soldaten in Würde begraben wollte (6). Viertens behauptet er, dass er bei der Aufklärung der Vorwürfe mitwirken wolle (7), was seine Reue und Aufrichtigkeit zeigt. Fünftens stellt er heraus, dass sein Rücktritt bezeuge, dass er seinen Charakter nicht verbiegt, also aufrecht ist (9). Dafür bemüht er einen möglichen Spott, den niemand geäußert hat, als Einleitung: „Nun wird es vielleicht heißen…“ – dagegen streicht er seinen aufrechten Charakter heraus. [Dass Pfuscher insgesamt sich für gut halten, erst recht wenn sie soziale Anerkennung und eine Urkunde bekommen, haben Psychologen nachgewiesen, wie Sebastian Herrmann in der SZ vom 19. März 2011, S. 24 („Der Lügner belügt sich selbst. Wer schummelt, ist von seiner vermeintlichen Leistung überzeugt“), berichtet.]

c) Vielleicht kann man als dritte Strategie den Versuch betrachten, noch im Fallen den Grundstein für ein künftiges Denkmal zu legen: Guttenberg lobt sich und seine Erfolge mehrfach ganz ungeniert. So habe er die größte Reform der BW in der Geschichte (!) angestoßen (2) und könne auf eine gestärkte BW blicken (gestärkt gegenüber welchem anderen Zustand?). Zweitens habe er, wie bereits erwähnt, niemals seine Fehler vor der Öffentlichkeit verborgen (4) – ich erinnere mich noch andere Äußerungen des Herrn („absurder Vorwurf“). Drittens sei der nächste Reformschritt der BW „bestens vorbereitet“ (6), dem Nachfolger hinterlasse er ein weitgehend bestelltes Haus  – der Nachfolger Guttenbergs hat das anders gesehen.

Nicht nur die Bundeskanzlerin (10), sondern auch die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung (9) habe ihm den Rücken gestärkt; wenn er trotzdem zurücktritt, zeigt das nur, wie anständig er ist.

(Zur Sprachlogik von „Verantwortung haben“ siehe https://norberto68.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=1052&action=edit!)

P.S. Dass Guttenberg zu Unrecht behauptet, an der Aufklärung seines Falls interessiert zu sein, sieht man nachträglich auch am Widerspruch seines Anwalts gegen die Veröffentlichung der Untersuchungsberichts der Uni Bayreuth, vgl. auch http://web.de/magazine/nachrichten/deutschland/12552044-sz-karl-theodor-zu-guttenberg-hat-doktorarbeit-absichtlich-abgeschrieben.html#.A1000107! Vgl. auch den Artikel der ftd vom 12. April 2011: Merkels bester Soldat Thomas de Maizière, mit dem schönen Satz: „Guttenbergs Aussage, er hinterlasse ein „bestelltes Haus“, gilt bei Experten längst als Running Gag.“

2. P.S. Nachdem nun die Kanzlerin den Herrn Baron indirekt ermahnt hat, nicht zu kneifen, will er der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts nicht widersprechen; er habe sich nur gegen die vorzeitige Veröffentlichung von Teilergebnissen gewehrt, heißt es jetzt. Mal sehen, was noch kommt. (14. April 2011)

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Eigentlich müssten in der Analyse noch einige Einzelheiten wie der Anlass der Rede, das Publikum, der Ort usw. erwähnt werden – das alles erspare ich mir, weil es ohnehin allen bekannt ist. Meine politischen Stellungnahmen zum Fall findet man in einem anderen Blog, dort evtl. rechts das Suchwort „Guttenberg“ anklicken. Verschiedene Übersichten über die Chronologie der Ereignisse:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article12670387/Der-Fall-Guttenberg-Absturz-eines-Polit-Stars.html

http://www.consolewars.de/userpages/viewentry.php?title=der_fall_guttenbergs__eine_chronologie&bid=138010

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-03/guttenberg-chronologie-plagiatsaffaere

http://content.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/2836526

http://mediacenter.dw-world.de/german/video/#!/86572/Chronologie_der_Plagiatsaff%C3%A4re (mit Film)

http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/TOP-THEMA/CHRONOLOGIE-Tiefer-Fall-nach-beispiellosem-Aufstieg-artikel7602862.php

Rhetorische Analyse – Beispiel

„Natürlich stößt für jeden aufrechten Teenager das von Erwachsenen vermittelte Wissen auf Ablehnung. Da hat es Goethe schwer, da hätten es aber auch Thomas Bernhard und John Updike schwer. Das Leid mit Goethe ist aber größer, weil ihn Lehrer vermitteln, die seit 25 Jahren den gleichen Stoff runterleiern. Schon allein das spricht für mehr zeitgenössische Literatur im Unterricht, hier sind Lehrer gezwungen, sich in eine neue Welt hineinzuarbeiten.“ (Auszug aus einen Aufsatz von Matthias Wulf, Die Welt 27. April 2008: http://www.welt.de/wams_print/article1941874/Es_muss_nicht_immer_Goethe_sein.html)
Wir finden hier einen Kontrast: „Goethe / zeitgenössische Literatur“. Wir finden einen zweiten Kontrast, das Lehrerhandeln betreffend: „den gleichen Stoff runterleiern / sich in eine neue Welt hineinarbeiten“. Diese beiden Kontrastpaare zu finden und zu benennen ist die erste Stufe der rhetorischen Analyse; der erste Kontrast könnte im Sinn des Sprechers eine Bewertung enthalten (das müsste sich aus dem Kontext ergeben), der zweite Kontrast enthält über das negativ besetzte Wort „runterleiern“ eine Bewertung. Diesen Aspekt der implizierten Bewertung zu benennen ist die zweite Stufe der rhetorischen Analyse.

Die dritte Stufe besteht darin, dass man merkt: Mit dem zweiten Kontrastpaar wird die Behandlung von Goethe bzw. der modernen Literatur im Unterricht durch Herrn Wulf bewertet: Dem Unterrichtsgegenstand Goethe wird das lustlose Runterleiern zugeordnet, der modernen Literatur das positive zu wertende Handeln „sich in eine neue Welt hineinarbeiten“. – Erst wenn man dieses sprachliche Handeln des Autors Wulf (bewerten) bemerkt und benennt, hat man die rhetorische Analyse sinnvoll geleistet.

In der Erörterung wäre dann zu prüfen, ob die Zuordnung der beiden Kontrastpaare und damit die Bewertung des Herrn Wulf sachlich begründet ist. Das ist sie nicht – aber das braucht uns jetzt nicht zu interessieren, da wir uns jetzt nicht fürs Erörtern interessieren.