Sprachwandel bei starken deutschen Verben

Listen der starken deutschen Verben:

http://www.dietz-und-daf.de/GD_DkfA/Gramminfo/txt_MI1/AS1-starke%20Verben%20(Alpha).pdf (alphabetisch geordnet, nicht ganz vollständig)

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_starker_Verben_(deutsche_Sprache) (systematisch geordnet)

http://www.duden.de/sites/default/files/downloads/Duden_Die_Grammatik_Starke_und_unregelmaessige_Verben.pdf (Duden-Grammatik, dort ab Nr. 704: alphabetisch geordnet, vollständig)

Am Beispiel der starken Verben kann man erkennen, wie sich ein Sprachwandel vollzieht: Die starken Verben können mit der Zeit zu schwachen Verben werden. Das lässt sich in verschiedenen Stufen beobachten (ich orientiere mich bei den Beispielen an der Einschätzung des Schülerdudens Grammatik, 7. Auflage, Nr. 147):

1. Neben der starken Form des Präteritums gibt es bereits öfter die schwache Form, z. B. schmelzen – er schmolz (schmelzte) – geschmolzen.

2. Neben der starken Form des Präteritums gibt es gleichberechtigt die schwache Form, z.B. wenden – er wandte/wendete – gewandt/gewendet.

3. Neben der schwachen Form gibt es gelegentlich noch die starke Form des Präteritums, z.B. schinden – er schindete (schund) – geschunden (geschindet).

4. Das Präteritum wird regelmäßig in der schwachen Form gebildet, aber das Partizip II wird noch stark gebildet, z.B. salzen – er salzte – gesalzen (bereits auch „gesalzt“); oder spalten – er spaltete – gespalten/gespaltet (bereits die schwache Form gleichwertig).

Man sieht, dass einige der starken Verben dabei sind, zu schwachen Verben zu werden; manchmal kommt die starke Form nur noch in altertümlichen Texten vor, z.B. „hauen – er haute/hieb – gehauen“: Petrus hieb dem Knecht des Hohenpriesters das rechte Ohr ab (Joh 18,10 in der Lutherbibel, festes Sprachgut). Bei Frau Holle gab es alle Tage Gesottenes (statt gesiedetes Fleisch) und Gebratenes; im Märchen der Brüder Grimm hält sich die alte Form.

Manchmal gibt es die starke Form neben der schwachen Form des Präteritums derart, dass sie unterschiedliche Bedeutungen haben, z.B. bewegen – er bewegte (veränderte die Lage von etwas) – er bewog (veranlasste jemanden zu etwas); siehe dazu Schülerduden Grammatik, 7. Aufl., Nr. 44 und 45.

Im Deutschen gibt es noch rund 200 starke Verben, im Englischen nur noch 98 (gegenüber 145 im Mittelenglischen, Ende des Mittelalters: Holger Dambeck im SPIEGEL am 11. Oktober 2007).

https://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/germanistik/lehrende/koepcke_k/1998_k__pcke_starke_und_schwache_verben.pdf

http://othes.univie.ac.at/7277/

https://www.germanistik.uni-mainz.de/files/2015/03/Nuebling_1998c.pdf

http://www.christianlehmann.eu/ling/ling_theo/sprachwandel.php

http://www.wissenschaft.de/archiv/-/journal_content/56/12054/1658044/WAS-WIRD-AUS-UNSERER-SPRACHE%3F/

https://www.academia.edu/3265429/_2010_Sprachwandel_im_Deutschen_in_R._Bergmann_P._Pauly_St._Stricker_Einf%C3%BChrung_in_die_deutsche_Sprachwissenschaft_3._ed._Heidelberg_2001_163-174_4._ed._Heidelberg_2005_164-176_5._ed._2010_325-336?auto=download

Sprachwandel

Was in einer Gesamtschule in Mönchengladbach unter „Sprachwandel“ in Kl. 11 zu lernen ist (die Links dazu habe ich ausgesucht):

Saussure: das sprachliche Zeichen

Das dyadische Zeichenmodell wird zumeist in Verbindung mit den Arbeiten des französischen Sprachwissenschaftlers F. de Saussure (1857-1913) betrachtet… Das (sprachliche) Zeichen setzt sich demnach aus einem Lautbild (Signifikant) und der Vorstellung (Signifikat) zusammen. Es wird somit weitgehend auf seine Bedeutungsfunktion reduziert. Später hat Saussure die beiden Seiten des Zeichens mit neuen Termini belegt (deutsch: das Bezeichnete =Bedeutung und das Bezeichnende). (http://www.spektrum.de/lexikon/kartographie-geomatik/zeichenmodell/5344)

https://www.mediensprache.net/de/basix/semiotik/zeichen/de_saussure.aspx

http://hispanoteca.eu/Lexikon%20der%20Linguistik/z/ZEICHEN%20nach%20Ferdinand%20de%20SAUSSURE.htm

Watzlawick: die fünf Axiome

http://www.paulwatzlawick.de/axiome.html

Paul Watzlawick stellte 5 Grundregeln (pragmatische Axiome) auf, die die menschliche Kommunikation erklären und ihre Paradoxie zeigen:

Man kann nicht nicht kommunizieren

Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt

Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung

Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten

Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

http://www.germanistik-kommprojekt.uni-oldenburg.de/sites/1/1_05.html

1. Axiom “ Man kann nicht nicht kommunizieren“
(Watzlawick 1996,53)
2. Axiom “ Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.“ (Ebd.56)
3. Axiom “ Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt“. (Ebd.61)
4. Axiom “ Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler (verbaler) und analoger (non-verbaler, nicht-sprachlicher) Modalitäten (Ausdrucksmittel).
Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik (Bedeutungslehre).
Analoge Kommunikationen hingegen besitzen dieses semantische Potential, ermangeln aber die für eindeutige Kommunikation erforderliche logische Syntax“. (Ebd.68)
5. Axiom “ Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch (gleichwertig) oder komplementär (ergänzend), je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht“. (Ebd.50-70)

(http://www.conradgiller.de/columbos-regeln/wiki/paul-watzlawick-und-die-5-axiome/)

(Körpersprache: http://www.germanistik-kommprojekt.uni-oldenburg.de/sites/1/1_07.html)

Schulz von Thun: Beziehungsquadrat (Kommunikationsquadrat)

http://www.schulz-von-thun.de/index.php?article_id=71

http://www.germanistik-kommprojekt.uni-oldenburg.de/sites/1/1_06.html

Schulz v.T.: das innere Team

http://www.schulz-von-thun.de/index.php?article_id=93

„Das Innere Team ist ein Persönlichkeitsmodell des Hamburger Psychologen . Die Pluralität des menschlichen Innenlebens wird darin mit der Metapher eines Teams und seines Leiters dargestellt. Das soll die Selbstklärung in zwiespältigen Situationen unterstützen und damit die Voraussetzung für eine klare und authentische Kommunikation nach außen bieten.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Inneres_Team)

http://www.managerseminare.de/Datenbanken_Lexikon/Inneres-Team-nach-Friedemann-Schulz-von-Thun,166

Schulz v.T.: das Wertequadrat (nicht besprochen?)

http://www.schulz-von-thun.de/index.php?article_id=72

https://de.wikipedia.org/wiki/Werte-_und_Entwicklungsquadrat

http://www.philosophicum.de/lh/komm2.htm

Männer- und Frauensprache

http://www.sg.sgkg.de/hilfen/ehe/mannfrau.php

http://www.fem.com/lifestyle/artikel/maennersprache-frauensprache-lass-uns-drueber-reden

http://www.igw.edu/assets/data/Abschlussarbeiten/Frauensprache_Maennersprache_Schuerch_Eveline_2009.pdf (S. 5-15)

Jugendsprache

https://de.wikipedia.org/wiki/Jugendsprache

http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/jugendsprache/

http://hehl-rhoen.de/pdf/lexikon_der_jugendsprache.pdf Lexikon

http://www.ge-duisburg-sued.de/index.php/projekte/jugendsprache dito

Zu „Kiezdeutsch“ gibt es mehrere Dateien von Heike Wiese.

Anglizismen

https://de.wikipedia.org/wiki/Anglizismus (Formen des A.)

http://www.ruhr-uni-bochum.de/sprachwerk/mam/content/_kurzprojekt.pdf

Vgl. insgesamt: http://www.philosophicum.de/lh/kommunikation.htm

Linguistisches Relativitätsprinzip

http://home.edo.tu-dortmund.de/~hoffmann/ABC/Relativitaet.html

http://www.leselupe.de/lw/titel-Sapir-Whorf-Hypothese-54807.htm

http://www.blutner.de/philos/erfahr.html

Besonders möchte ich auf einen Fund hinweisen, der mir selber gelungen ist:

https://archive.org/stream/diedeutschesprac00fisc#page/n3/mode/2up (W. Fischer: Die deutsche Sprache von heute,  2. Aufl. 1919) Hier findet man, was vor 100 Jahren als Sprachwandel beobachtet und wie es erklärt wurde – auch ein Dokument des Sprachwandels.

Allgemeine Theorie des Sprachwandels: http://www.christianlehmann.eu/ling/ling_theo/sprachwandel.php

Dialekte – Zweisprachigkeit – Sprachwandel

Auf diese Aspekte trifft man im Buch „Kleine Sprachgeschichte von Nordrhein-Westfalen“ (Greven Verlag, Köln 2015), das ich eben im Blog norberto42 vorgestellt habe: https://norberto42.wordpress.com/2016/01/04/g-cornelissen-kleine-sprachgeschichte-von-nrw/

Deutsche Sprachgeschichte – Links

Sprachgeschichte:

http://www.home.uni-osnabrueck.de/stroestermut/ringvorlesung_sprachgeschichte.pdf (Grundbegriffe: Folien zu einer Vorlesung, entsprechend knapp)

http://www.christianlehmann.eu/ling/wandel/index.html (Theorie des Sprachwandels, systematisch)

http://www.linguistik-online.uni-kiel.de/sprachwandel/sprachwandel_I.htm (Sprachwandel, knapp)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/prinzipien-der-sprachgeschichte-2742/1 (H. Paul: Prinzipien der Sprachgeschichte, 1920)

Deutsche Sprachgeschichte:

http://www.linse.uni-due.de/linkolon/sprachgeschichte/flash/sprachgeschichtestart.html (knapp)

http://www.linguist.de/Deutsch/gdsmain.html (Jan Wohlgemuth: knapp, aber sehr differenziert)

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprachgeschichte (ausführlich, die Teilabschnitte sind unterschiedlich gut)

http://www.linguistik-online.uni-kiel.de/germanistik_I.htm (Zusammenstellung fremder Materialien; das beste ist von Bünting: http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-10178/index.html)

http://www.stefanjacob.de/Geschichte/Unterseiten/Sprachgeschichte.htm (relativ knappe Übersicht)

http://www.linguistics.ruhr-uni-bochum.de/~strunk/Deutsch/ (Quellentexte, v.a. Althochdeutsch)

http://titus.uni-frankfurt.de/personal/mittmann-dateien/deutsche_sprachgeschichte_13_4.pdf (29 Folien)

http://wwwuser.gwdg.de/~msteinb/kegli/k13/k13loesungen.pdf (skizzenhaft, anspruchsvoll: Aufgaben zu einer Vorlesung/Übung)

http://www.univie.ac.at/iggerm/files/mitschriften/Sprachgeschichte-Ernst-SS11.pdf (Mitschrift einer Vorlesung? Mit wissenschaftsgeschichtlichen Aspekten)

http://www.wifa.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/itvwl-vwl/MIKRO/Lehre/VWL_fuer_Juristen/Borsdorf2011_l.pdf (ABs zu einer Vorlesung?)

http://www.baer-linguistik.de/beitraege/sprachgeschichte.pdf (J. A. Bär: ein Abriss; ähnlich http://www.baer-linguistik.de/sprachgeschichte/germanisch.htm)

https://archive.org/stream/diedeutschespra01behagoog#page/n2/mode/2up (Behagel: Die deutsche Sprache, 2. Aufl. 1902)

https://archive.org/stream/deutschesprachg00kluggoog#page/n7/mode/2up (Kluge: Deutsche Sprachgeschichte, 1920)

http://www.ippsch.de/database/altdeutsch.pdf (P. P. Schweitzer: Altdeutscher Wortschatz. Ein sprachgeschichtliches Wörterbuch)

http://www.mediaevum.de/sprachgeschichte.htm (Links)

http://home.edo.tu-dortmund.de/~hoffmann/Biblios/Sprachgeschich.html (Literaturverzeichnis)

Germanische Sprachgeschichte:

http://www.sprachgeschichte.ag.vu/ (Links)

DDR-Sprache nach 1990

Die sprachlichen Unterschiede betrafen nicht nur die Lexik, sondern auch Grammatik, Phonetik, die Existenz verschiedener Textsorten oder auch die Kommunikationskultur an sich. Was die Lexik betrifft, soll hier die von Fix/Schroder 1997 vorgeschlagene Unterscheidung zwischen DDR-spezifischen und DDR-geprägten Wendungen aufgenommen werden, da sie sich als relevant für den heutigen Sprachgebrauch erweist. DDR-spezifische Wendungen, die fest an staatliche Institutionen gebunden waren – z.B. Lexeme wie Volkspolizist, Unterstufenlehrer, EOS, SERO, Jungpionier usw. – sind nach 1990 relativ schnell verschwunden, da ja auch ihre außersprachlichen Referenten, also die jeweiligen Institutionen nicht mehr existieren. Sie können mittlerweile als archaisiert betrachtet werden. DDR-geprägte Wendungen waren dagegen schwieriger zu vermeiden, da die SprecherInnen sich oft nicht bewusst waren, dass diese Wendung nur für das Gebiet der DDR typisch waren und diese auch keineswegs politisch konnotiert waren. Sie sind politisch und kulturell >unaufälllig< und haben sich daher zum Teil bis heute erhalten. Eingeweihten verrät ihr Gebrauch jedoch sehr schnell die Zugehörigkeit des Sprechers oder der Sprecherin zur jeweiligen deutschen Sprachgemeinschaft.

Der 1990 einsetzende Sprachwandel war für SprachwissenschaftlerInnen ungeheuer interessant. Normalerweise vollziehen sich Sprachwandelprozesses eher langsam und können erst über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte nachgewiesen werden. Der deutsch-deutsche Sprachwandel vollzog sich dagegen mit großer Geschwindigkeit innerhalb von zehn Jahren. Oftmals gab es keine Gelegenheit, die Sprachzeugnisse der DDR zu retten bzw. zu konservieren, da DDR-typische Sprachdaten während der Euphorie der Wendezeit in großem Umfang vernichtet wurden. Ruth Reiher und Antje Baumann (2004) haben den Sprachwandel analysiert und verschiedene Etappen modellhaft dargestellt (Koexistenz > Kontakt/Kollision/Konflikt > Sprachliche Anpassung > Westdeutsch als Gesamtdeutsch). Seit knapp zehn Jahren gilt dieser Sprachwandel als abgeschlossen. Die Ostdeutschen haben aufgrund eines stark gefühlten Anpassungs- und Assimilierungsdrucks die westdeutsche Sprachvariante weitgehend übernommen.

Folgende Sprachwandelprozesse konnten unter anderem beobachtet werden:

  1. Das Verschwinden der DDR-spezifischen Lexik bzw. eine Archaisierung mit einer einhergehenden semantischen Ausbleichung (Abkürzungen und Akronyme wie EOS, EVP, HO, LPG oder SERO können heute nur noch von den wenigsten Sprecherlnnen korrekt entschlüsselt werden).
  2. Desynonymisierung sprachlicher Dubletten zu Gunsten der westdeutschen Variante (ablichten > kopieren, Fahrerlaubnis > Führerschein, Feierabendheim > Seniorenheim, Fortbildung > Weiterbildung, vorfristig > vorzeitig).
  3. Bedeutungswandel einiger Wörter (Wörter wie kollektiv, individualistisch, sozialistisch, kapitalistisch erhielten neue Wertigkeiten für die Sprecher).
  4. Das Verschwinden kompletter Textsorten, die es in dieser Form nur in der DDR gab (Brigadetagebuch, Jugendweiheurkunden, Eingaben, Wettbewerbsverträge usw.).
  5. Modifizierung der Form einiger Textsorten wie Bewerbungsschreiben oder Schülerbeurteilungen.
  6. Der Import westdeutscher Bezeichnungen, die an das Gesellschaftssystem der BRD gebunden sind (Hauptschule, Landesprüfungsamt, Geschäftsführer, Selbsthilfegruppe) und deren Referenten für ostdeutsche Sprecherlnnen komplett neu und fremd waren.
  7. Asymmetrische Verwendung von Regionalismen; so wurden aufgrund des sprachlichen Anpassungsdrucks süddeutsche Regionalismen auch im mittel- und norddeutschen Sprachraum eingeführt, was zu einer großen Verunsicherung der Sprecherlnnen führte. Dies ist nachweisbar anhand der Anfragen bei Sprachberatungsstellen und Leserbriefen aus jenen Jahren (Tischler > Schreiner, Straßenbahn > Tram, Krankenhaus > Spital).
  8. Euphemistische Periphrasen werden zu Gunsten der Grundlexeme aufgegeben: (antifaschistischerSchutzwall > Mauer).
  9. Reduzierung von tautologischen Lexemen auf ihr Grundwort (Eigeninitiative > Initiative, Grundprinzip > Prinzip).
  10. Neuschöpfung vieler Lexeme während der Wende (Wendedatum, -herbst, -periode, -zeit, -hals; Reformprozess, -bewegung, -angebote; Dialogfähigkeit, -bereitschaft; Bürgerbewegungen, -foren, -initiativen; zusammenwachsen, -gehören, -kloppen, -nageln, -wuchern).

 

Peggy Katelhön: Auf den Spuren des Hühnergotts. Deutsch-deutscher Sprachwandel als Thema eines interkulturellen Deutsch-als-Fremdsprache-Unterrichts. In: SIETAR. Journal für interkulturelle Perspektiven 1/2009, S. 3 ff. (hier S. 4 f.)

Neologismen – Sprachwandel

Als Neologismus bezeichnet man ein Wort, das es bisher so in einer Sprache nicht gegeben hat. Welche Neologismen es gibt und wie man das Auftauchen neuer Wörter erklärt, wird hier dokumentiert:

http://www.wortwarte.de/ (umfangreich, aktuell)

http://www.owid.de/docs/neo/wortartikel.jsp

http://www.sprachnudel.de/

http://www.kunst-worte.de/neologismen/

http://www.science-at-home.de/wiki/index.php/Liste_von_Neologismen

http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2009/3706/pdf/sprachwandel_S83_101.pdf (Theorie)

https://de.wikipedia.org/wiki/Neologismus (Theorie)

http://www.euralex.org/elx_proceedings/Euralex1996_2/029_Ulrich%20Busse%20-Neologismen.%20Der%20Versuch%20einer%20Begriffsbestimmung.pdf (Theorie)

http://193.6.132.75/lexikologie/handout11.pdf (Theorie)

https://www.gedichte.com/threads/56933-Neologismen-in-Lyrik-und-Prosa (Theorie)

http://ubm.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2011/2726/pdf/doc.pdf (Diss)

Allgemeiner: s. Sprachwandel

http://www.christianlehmann.eu/ling/wandel/

http://www.christianlehmann.eu/ling/ling_theo/sprachwandel.php

http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/uploads/media/Sprachwandel.pdf (Rudi Keller)

http://wikis.zum.de/zum/Sprachwandel

http://www.fb10.uni-bremen.de/homepages/wildgen/pdf/sprachevolution_und_sprachwandel.pdf (W. Wildgen, im Kontext: Sprachevolution)

http://user.uni-frankfurt.de/~kentner/EinfLing/SprachwandelTut.pdf (T. Grimm, knapp)

http://ling.uni-konstanz.de/pages/allgemein/study/introling06/einf_hist.pdf (Butt/Eulitz/Wiemer: knapp)

http://fakten-uber.de/sprachwandel (sehr knapp)

http://www.linguistik-online.uni-kiel.de/sprachwandel/sprachwandel_I.htm (Uni Kiel: knapp, z.T. unübersichtlich)

Sprachwandel: er befließ sich

In Jakob Wassermanns Roman „Der Fall Maurizius“ (1928, Ausgabe Langen Müller 1981) bin ich zweimal auf die Formel „er befließ sich (S. 324, 432) = „er befleißigte sich“ gestoßen; das starke Präteritum hatte ich noch nie gehört oder gelesen – dabei ist Wassermann nur 69 Jahre älter als ich.

Im canoo-Wörterbuch steht nur die schwache Form von „(sich) befleißigen“; das Grimm’sche Wörterbuch und Adelung kennen das Verb nicht. Bei google findet man gut 30 Belege für „er befließ sich, die aus der Zeit vor 1850 stammen. Im DWDS fand ich dann als Infinitiv die Form sich einer Sache befleißigen/befleißen sich um etw. sehr bemühen angegeben – damit wird klar, dass „befließ“ das starke Präteritum zu „sich befleißen“ ist. Dieses Verb findet man dann auch bei Adelung, aber nicht im DWb.

Wir haben hier einen Fall des Sprachwandels vor uns, der lexikalisch nicht leicht zu fassen ist, weil „befleißen“ als Infintiv (mir) völlig unbekannt ist bzw. war; 1928 muss die Form „er befließ sich“ bereits ein Archaismus gewesen sein.

Adelung, Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, 2. Auflage:

Befleißen, verb. irreg. recipr. Imperf. ich beflíß mich, Supin. beflissen; oder Befleißigen, verb. reg. recipr. Fleiß auf die Erwerbung einer Sache wenden, mit der zweyten Endung des Nennwortes. Sich der Tugend, der Gottesfurcht, eines anständigen Wandels befleißigen. Ich muß mich der Kürze befleißigen. Ingleichen Fleiß auf die Erlernung einer Sache wenden. Sich der Rechtsgelehrsamkeit, der Weltweisheit, der Künste befleißigen. S. hernach Beflissen. Einige, besonders Oberdeutsche Schriftsteller, verbinden dieses Wort oft mit dem Vorworte auf, welche Wortfügung bey dem Opitz mehrmahls vorkommt. Sich auf Künste, auf etwas befleißigen. Allein im Hochdeutschen klingt diese Verbindung alle Mahl ungewöhnlich und widerlich, ob sich gleich das Mittelwort beflissen gar wohl auf diese Art gebrauchen lässet. Ganz richtig wird es dagegen mit dem Infinitiv verbunden. Ich habe mich jederzeit beflissen, eine gute Hand zu schreiben. Er befleißiget sich sehr, eine gute Hand zu schreiben.

Auch im Weigand-Wörterbuch (1909, 5. Aufl.) finden wir das Verb „befleißen“.

P.S. Nachträglich sehe ich, dass auch im Rechtschreibduden u.ä. Wb „befleißen“ aufgeführt wird, direkt über „befleißigen“ – vielleicht hätte ich es auch da gefunden, wenn ich gesucht hätte. Ja, wenn ich gewusst hätte, wonach genau ich suchen musste…

„bezweifeln, ob…“ – Beispiel für Sprachwandel

Dieser Tage wurde ich von einem Kollegen kritisiert, weil ich sinngemäß folgenden Satz formuliert hatte:

(1) Ich bezweifle, ob die Schüler die ganze Bedeutung von „grauen“ kennen.

Richtig müsse es heißen:

(2) Ich bezweifle, dass die Schüler die ganze Bedeutung von „grauen“ kennen.

Ich habe dann in mein Sprachgewissen gehorcht und gehört, dass Satz (2) eigentlich besser und richtig ist; deswegen habe ich Satz (1) korrigiert.

Dann habe ich jedoch nachgeschaut, wie „bezweifeln“ tatsächlich gebraucht wird, und siehe da: Zu „bezweifeln ob“ (mit Anführungszeichen!) meldet google derzeit 183.000 Ergebnisse. „Wortschatz Uni Leipzig“  nennt als Beispiele die Konstruktion mit „dass“ oder ein reines Akkusativobjekt (dem ein dass-Satz entspricht), zählt aber sowohl „dass“ wie „ob“ zu den signifikanten Kookkurenzen des Verbs. Zu „Bezweifeln“ (Substantiv) wird allerdings ein Beispiel mit „ob“ aus dem FOCUS zitiert, wo „Bezweifeln“ versehentlich großgeschrieben und in Wahrheit ein normales Verb ist. Im DWDS findet man mehrheitlich dass-Sätze als Belege, aber auch ob-Sätze.

Zwei Bemerkungen zum Abschluss: 1. Vermutlich kommt der neue Sprachgebrauch (bezweifeln + ob) daher, dass „bezweifeln“ auch im Sinn von „zweifeln“ gebraucht wird, und dort ist die Verwendung eines ob-Satzes immer in Ordnung. 2. Ich selber gebrauche ohne Bedenken „bezweifeln, ob…“, hänge bei strenger Prüfung im Sprachgefühl aber noch an „bezweifeln, dass…“. In mir selber finde ich da ein Zeugnis für den Sprachwandel – „bezweifeln, ob…“ ist längst gängig und damit auch richtig: Der tatsächliche allgemeine Sprachgebrauch ist das einzige Kriterium des Richtigen, auch wenn Deutschlehrer gern ihr eigenes Sprachgefühl beim Gebrauch des Rotstifts befragen. Nur individuelle Abweichungen vom allgemeinen Sprachgebrauch kann man didaktisch „Fehler“ nennen; was individuelle Abweichungen sind, kann man heute leicht mit einem Blick ins Netz feststellen. Das eigene Sprachgefühl zu relativieren fällt einem Lehrer allerdings nicht immer leicht…

resultieren aus – resultieren in

Bisher kannte ich „resultieren“ nur in der Verwendung „resultieren aus …“, bis mir kürzlich in einer Dissertation die Verwendung „resultieren in +Akkusativ“ begegnete. Das war für mich so ungewöhnlich, dass ich intensiver nachgeschaut habe:

1. Von den gedruckten Wörterbüchern (Duden, Wahrig, Paul) kennt nur Duden: Deutsches Universalwörterbuch A – Z (2. Aufl. 1989) die Wendung „resultieren in …“ im Sinn von in etwas seine Wirkung haben; zur Folge haben (ohne Angabe eines Falls); dabei ist mein Wahrig von 2006 (8. Aufl.), Paul von 2002 (10. Aufl.).

2. Wenn man die Suchmaschine als Wörterbuch benutzt, bekommt man für „resultieren in“ über 94.000 Angaben geliefert (google, 16. August 2012), wobei überwiegend der Dativ folgt, ganz selten der Akkusativ.

3. Von den online-Wörterbüchern hat Thefreedictionary folgende Angaben:

1etwas resultiert aus etwas Dat. sich ergeben aus etwas resultieren, Seine Aggressivität resultiert aus seiner Unsicherheit.

2etwas resultiert in etwas Dat. zur Folge haben in etwas resultieren, Unsicherheit resultiert oft in aggressivem Verhalten.

Ähnliche Angabe findet man bei pons.eu; auch der Wortschatz Uni Leipzig kennt „resultieren in“, ohne die Bedeutungen systematisch zu entfalten. Die anderen online-Wörterbücher kennen nur „resultieren aus“.

4. Fazit: Wir beobachten hier einen Sprachwandel, den einige Wörterbücher bereits dokumentieren, andere nicht. Möglicherweise wirkt sich hierbei die Kenntnis und der Gebrauch des englischen „to result“ aus: Das dict.leo.org-Wörterbuch kennt dafür folgende Bedeutungen:

 to result from sth.  aus etw.Dat. resultierenresultierte, resultiert |
 to result from sth.  auf etw.Akk. zurückzuführen sein
 to result in sth.  mit etw.Dat. endenendete, geendet |
 to result in sth.  etw.Akk. ergeben
 to result in sth.  etw.Akk. zur Folge haben
 to result in sth.  zu etw.Dat. führen
 to result in sth.  auf etw.Akk. hinauslaufenlief hinaus, hinausgelaufen |
 to result in sth.  etw.Akk. nach sich ziehenzog, gezogen |

Zentralabitur Deutsch NRW 2012 – 1. Thema Gk

Aufgabenstellung:

1. Analysieren Sie den Artikel … im Hinblick auf die Position des Verfassers. Stellen Sie dabei die zentralen Aussagen dar und untersuchen Sie, mit welchen rhetorischen und sprachlichen Mitteln der Verfasser seine Absicht realisiert.

2. „Darf eine Sprache keine fremden Wörter übernehmen?“ – Erläutern Sie verschiedene Standpunkte in der Debatte zum Thema Sprachwandel und prüfen Sie, wie Gawlittas Position in diese Diskussion einzuordnen ist. Nehmen Sie abschließend Stellung zu Gawlittas Sicht auf den Sprachwandel.

Kommentar:

Laut Lösungserwartung ist es eine selbständige Teilaufgabe, neben der Analyse noch die Position des Verfassers darzustellen. „Stellen Sie dabei die zentralen Aussagen dar …“ ist eine weitere Aufgabe.

Zu untersuchen sind dann die rhetorischen und sprachlichen Mittel des Verfassers; dabei fällt auf, dass „rhetorisch“ in einem weiten Sinn verstanden wird und auch „Art und Weise/Besonderheiten der Argumentation“ umfasst, was ich normalerweise nicht zu den rhetorischen Mitteln zähle.

Die 1. Teilaufgabe ist insgesamt nicht besonders anspruchsvoll, kann angesichts des zugrundeliegenden Textes auch nicht anspruchsvoller sein; immerhin verbirgt sich unter dem Stichwort der rhetorischen Mittel die Aufgabe, die Eigenart des Argumentierens zu untersuchen.

Bei der 2. Teilaufgabe wird auf niedrigerem Niveau weitergearbeitet: Die verschiedenen Standpunkte in der Debatte zum Thema Sprachwandel reduzieren sich wie immer auf die drei Positionen pro / contra / teils-teils, die man in Grundzügen aus dem Unterricht kennen muss (Reproduktion). Eine fundierte Erklärung oder gar mehrere Theorien zur Erklärung des Sprachwandels zu kennen wird nicht eingefordert; es bleibt beim „Diskutieren“ (Schwafeln).

Gawlittas Position in diese Debatte einzuordnen ist nicht schwer; ihn als gemäßigten Sprachpfleger zu betrachten halte ich für sehr gewagt.

„Nehmen Sie abschließend Stellung …“ – da kann man sich für die Position entscheiden, von der man die besten Argumente referiert hat (s.o.); die abschließende Aufgabe wiederholt also i.W. die Teilaufgabe „Erläutern Sie verschiedene Standpunkte …“, nur dass man gelegentlich „Ich denke“ oder „Ich finde“ nebst kausalen Konjunktionen oder Phrasen einflicht.

In der Lösungserwartung zu den zentralen Aussagen fehlt die These, der Ausbau des Wortschatzes müsse als öffentliche Dienstleistung betrachtet werden, also sozusagen von Amts wegen betrieben werden. Deutschtümelnde Formulierungen kann ich in Gawlittas Text nicht erkennen.

Für Schüler: Alle Teilaufgaben erfordern jeweils eine kleine Einleitung und einen Schluss, der dann „reflektierte Schlussfolgerung“ heißt, ohne dass er seinen Charakter als der übliche Schluss eines Aufsatzes verlöre. Die Einleitung zur 2. Teilaufgabe muss von der 1. zur 2. Teilaufgabe überleiten.

Sprachwandel:

(Von den ersten 10 Nennungen bei google sind brauchbar:)

http://wiki.zum.de/Aspekte_des_Sprachwandels_in_der_Gegenwart#Aspekte_des_Sprachwandels_in_der_Gegenwart

http://coral.lili.uni-bielefeld.de/Classes/Summer98/Grundkurs98/Vorlesung/grundkursvorlesung/node4.html (Uni Bielefeld: sehr allgemein, für Schüler nicht brauchbar)

http://www.christianlehmann.eu/ling/ling_theo/index.html?http://www.christianlehmann.eu/ling/ling_theo/sprachwandel.php (linguistische Theorie, für Schüler zu anspruchsvoll)

http://www.fb10.uni-bremen.de/homepages/wildgen/pdf/sprachevolution_und_sprachwandel.pdf (Theorie: Wildgen, für Schüler zu anspruchsvoll)

http://bildungsserver.hamburg.de/sprachwandel/ [umfangreiche Linksammlung zu verschiedenen Aspekten des Sprachwandels, u.a. mit http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/uploads/media/Sprachwandel.pdf (Keller: Sprachwandel)]

Andere Suchwörter: „Sprachwandel pro contra“, „Sprachwandel Sprachverfall“, „Sprachwandel der deutschen Sprache“ u.ä., dort z.T. brauchbar:

http://wwwhomes.uni-bielefeld.de/gjaeger/lehre/ws0708/grundkurs/sprachwandel.html

[Wenn man aber „Kurt Gawlitta“ in der Suchmaschine eingibt, bekommt man viele Texte zum Thema Sprachwandel angeboten, wo er sich (neben anderen) geäußert hat.]