Wortfamilie „ziehen“

Die Arbeit an Wortfamilien kann man sich durch den Rückgriff auf ein Deutsches Wörterbuch vereinfachen, etwa auf http://www.dwds.de/; dort findet man zusätzlich ein Etymologisches Wörterbuch und auch das von den Brüdern Grimm begründete DWB.

Ein besonders fruchtbares Wort ist „ziehen“, wofür das DWDS bereits 18 Bedeutungen angibt (über diese Aufteilung kann man natürlich streiten), dazu eine Reihe davon abgeleiteter Verben, Substantive und Adjektive. Ich halte mich i.W. an den Artikel aus dem DWDS (http://www.dwds.de/?qu=straff%20ziehen), dort ist die Liste noch ausführlicher:

ziehen – Verb (doppeltes Perfekt: hat gezogen/ist gezogen)

1

etw., jmdn. von der Stelle und hinter sich her bewegen hat

übertragen es zieht jmdn. wohin es drängt, lockt jmdn. wohin

2

etw., jmdn. (aus etw.) herausholen, hervorholen hat

3

an etw. ziehen: an etw. zerren, reißen hat

übertragen alle Register ziehen (alle Hebel in Bewegung setzen, alles aufbieten)

4

etw., jmdn. in einer bestimmten Richtung bewegen, in eine bestimmte Lage, Stellung bringen hat

übertragen gegen jmdn. vom Leder ziehen (zu schimpfen beginnen; jmdn. scharf angreifen)

5

einzelne Partien des Gesichts durch ein bestimmtes Mienenspiel verändern hat

6

eine (langgestreckte) Linie herstellen hat

bildlich die Affäre zog immer größere Kreise (verbreitete sich immer mehr)

b

eine Vertiefung graben

einen Graben, viele Furchen ziehen

c

eine Wand ziehen (errichten, mauern)

7

etw. in seine ganze Länge ausdehnen, strecken hat

bildlich der Prozeß müsse künstlich in die Länge gezogen werden (absichtlich verzögert werden)

8

etw. durch Strecken, Dehnen eines Werkstoffs erzeugen hat

bildlich die Spinne zieht Fäden (sondert sie aus ihren Spinndrüsen ab)

umgangssprachlich etw. zieht Fäden, Blasen etw. ist zähflüssig, bildet Fäden, Blasen

9

etw. zieht sich irgendwohin: etw. erstreckt sich irgendwohin hat

übertragen dieses Motiv zieht sich durch den ganzen Roman (geht)

10

etw. einsaugen, aufnehmen hat

bildlich die Pflanzen ziehen Nahrung aus dem Boden

11

Pflanzen anbauen, Tiere züchten hat

übertragen Ich ziehe ihn mir schon noch (ich werde ihn schon noch nach meinem Willen formen)

12

dient oft zur Umschreibung eines Verbalbegriffs; abgeblaßt hat;

in Verbindung mit Substantiven

Nutzen aus etw. ziehen (etw. für sich nützen)

aus etw. einen Schluss auf etw. ziehen aus etw. auf etw. schließen

etw. in Zweifel ziehen etw. bezweifeln

jmdn. ins Vertrauen ziehen (jmdn. in etw. einweihen)

13

sich auf verschiedenartige Weise irgendwohin begeben, fortbewegen ist

a

heimwärts, in die Fremde ziehen

übertragen mancherlei Gedanken zogen durch seinen Kopf (gingen)

b

umgangssprachlich seinen Wohnsitz ändern, umziehen

14 etw. zieht hat

a

ein Gerät arbeitet, funktioniert

b

etw. lässt die nötige Luft durch, hat Zug

15 hat

der Kaffee, Tee zieht (das Kaffee-, Teewasser nimmt das Aroma auf)

16

umgangssprachlich etw., jmd. zieht etw.: jmd. macht Eindruck, hat Erfolg hat

17

umgangssprachlich es zieht (jmdm.), es schmerzt (jmdn.) hat

18

umgangssprachlich es zieht es entsteht Zugluft hat

Dazu

abziehenanziehenaufziehenauseinanderziehenausziehen, beiziehenblankziehenbreitziehendaherziehendahinziehen, davonziehendurchzieheneinziehenentgegenziehenfestziehen, fortziehenglattziehengleichziehengroßziehenherabziehen, heranziehenheraufziehenherausziehenherbeiziehenhereinziehen, herumziehenherunterziehenhervorziehenherziehen, herüberziehenhinabziehenhinaufziehenhinausziehen, hindurchziehenhineinziehenhinterziehenhinziehenhinzuziehen, hinüberziehenhochziehenlangziehenlosziehenmitziehen, nachziehenniederziehenstraffziehenstrammziehenumherziehen, vollziehenvorbeiziehenvorziehenvorüberziehenwegziehen, zurechtziehenzurückziehenzusammenziehenzuziehenüberziehen

(und mit „ziehen“ metaphorisch:) beziehenentziehenerziehenverziehen,

Dazu Wörter mit „Zieh-„ und „-zieher“(s. im Wörterbuch!)

 

Ferner: „Zug“ und Wörter mit „-zug“ (Abzug, Anzug, Antwortzug, Auszug, Bezug, Eilzug usw., Einzug, Nachzug, Rückzug, Verzug, Vorzug – oft in mehreren Bedeutungen!), ferner: „Beziehung, Bezüge, Erziehung, Zögling“

Ferner Adjektive: abzüglich, anzüglich, bezüglich, rückbezüglich, ungezogen, vorzüglich, zuzüglich

Wortfamilien (Beispiel: schließen)

Im Beitrag https://norberto68.wordpress.com/2011/02/22/wortbildung-unterrichtsreihe/ ist im Anschluss an den Schülerduden Grammatik die Wortbildung im Deutschen kurz dargestellt worden. In diesen Zusammenhang gehört auch das Phänomen, welches man mit dem Stichwort „Wortfamilie“ umschreibt. Am Beispiel der Familie „schließen“ möchte ich vorführen, was Wortfamilien sind und wie man das Verständnis des Phänomens zur sprachlichen Bildung nutzen kann. Die Indexzahlen 1, 2, 3 besagen, dass das Verb „schließen“ in drei verschiedenen Bedeutungen gebraucht wird, wie das Nomen „Schloss“ in zwei Bedeutungen gebraucht wird (Schloss an der Tür, Schloss des Königs).

Wortfamilie „schließen“
schließen1 (eine Lücke)
-> Schloss1, Schlosser(ei) — Schließe, Schließer, (Schließfach usw.) — Schlüssel, (Schlüsselbein usw.) — entschlüsseln, verschlüsseln
-> Schloss2, Schlossgarten usw.
schließen2 (beenden) — Schluss, (Schlusslicht usw.) — Abschluss, abschließend, schließlich
schließen3 (folgern) — Schluss, Schlussfolgerung, schlüssig
Wenn man den Anfang betrachtet, sieht man: „schließen“ wird in drei Bedeutungen verwendet; von schließen1 ist durch Änderung des Stammvokals (schließ- zu schloss) das Nomen „Schloss“ abgeleitet, das in zweifacher Bedeutung verwendet wird. Ferner gibt es weitere Abwandlungen des Stammvokals zu u und ü, womit Wörter zu den Verben „schließen2“ und „schließen3“ gebildet werden, aber über „Schlüssel“ und „Verschluss“ auch zu „schließen1„.

Im Folgenden führe ich nur Verben vor, von denen aus wiederum neue Wörter gebildet werden können – die Schwierigkeiten grafischer Gestaltung bei kulando.de lassen mich davon absehen, hier eine vollständige Tabelle darzustellen; solche Tabellen findet man z.B. im Schülerduden „Rechtschreibung und Wortkunde“ im Anhang, bei der Lehre von der Wortbildung unter IV Wortfamilien (= Wortfächer).
abschließen
anschließen (etwas)
anschließen, sich an jemand
aufschließen
ausschließen1 (jemand)
ausschließen2 (etwas)
beischließen
beschließen
einschließen1 (lokal)
einschließen2 (metaphorisch)
entschließen, sich
erschließen1
erschließen2 (von schließen3)
verschließen
verschließen, sich
zusammenschließen (etwas oder sich, also wieder zweifache Verwendung)
zuschließen

Eine schöne Aufgabe ist es, die Familie „fahren“ zu untersuchen; das geht über „abfahren, anfahren, … Fähre, Fährmann, Fuhrmann, … Gefährte“ bis zu „zerfahren“ – oft in Bedeutungen, welche Schüler in Klasse 6 noch nicht kennen (https://norberto68.wordpress.com/2011/02/12/wortfamilie-fahren/); da ist dann Improvisation angesagt. Übungen zur Wortfamilie „fahren“: http://vs-material.wegerer.at/deutsch/pdf_d/wortschatz/miniluek_fahren.pdf

Hinweis: Wortfamilien kann man im canoo-Wörterbuch (begrenzt!) aufrufen; man braucht bei einem Stichwort (z.B. „lehren“) nur „Wortbildung“ anzuklicken (http://www.canoo.net/services/Controller?input=lehren).

Vgl. auch: http://www.helsinki.fi/~lenk/wortfamilie.html Wortfamilie „lenken“

Hier ein Beispiel für eine Wortfamilie zum Wortstamm „wort“: das Wort, wörtlich, wortarm, wortreich, wortkarg, wortlos, der Wortstamm, der Wortakzent, die Wortfamilie, das Wortfeld, der Wortschatz, die Wortgewalt, der Wortführer, die Wortwahl, der Wortwechsel, das Wortgefecht, der Wortbruch, die Antwort, das Widerwort, antworten – und viele weitere mehr (aus http://www.sprachenlernen24-blog.de/tipps-zum-sprachenlernen-wortfamilie/).

Beispiel Wortfamilie „fallen“: abfallen, hinfallen, einfallen, gefallen, überfallen, umfallen, zerfallen, der Fall, der Unglücksfall, die Falle, der Abfall, der Einfall, der Überfall, fällig, der Holzfäller, das Gefälle.

Weitere Beispiele: http://faculty.vassar.edu/vonderem/deutsch_heute/Kapitel08/Wortschatz/wortfamilien.html

http://www.deutschunddeutlich.de/contentLD/GD/GSt95cWortfamilien.pdf

http://www.paedagogik.net/wochenthemen/blut/wortfamilien.html

http://www.thueringen.de/imperia/md/content/tkm/informationen/kompetenztests/2008/deutsch_6_aufgaben_teil_1.pdf (Aufgaben im Kompetenztest Kl. 6 in Thüringen)

http://www.mittelschulvorbereitung.ch/content_new/GD/GSt95cWortfamilien.pdf (nettes Arbeitsblatt, vier Beispiele)

http://vs-material.wegerer.at/deutsch/pdf_d/wortschatz/miniluek_fahren.pdf (Arbeitsblatt, mehrere Beispiele)

Vgl. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Wortstamm

http://web.vu.lt/flf/d.katinas/files/2011/09/Onomasiologie-Semasiologie-paradigmatische-Wortbeziehungen.pdf (theoret. semantischer Hintergrund)

Wortbildung (Unterrichtsreihe)

Diese Unterrichtseinheit ist ein wesentlicher Teil meines Versuchs, den Schülern beizubringen, wie man deutsche Texte richtig schreibt. Daneben gibt es die Übungsdiktate. Die Unterrichtseinheit steht unter „Semantik“, weil Wortbildung mit der Differenzierung oder Neuschaffung von Bedeutungen zusammenhängt.

Die Unterrichtseinheit gehört bei mir in die Klasse 6 (Gymnasium). Sie stützt sich im Wesentlichen auf die Ausführungen im Schülerduden Grammatik (4. Auflage 1998, S.282 ff.; inzwischen gibt es die 5. Auflage, aber in der steht nichts wesentlich Neues) und im Schülerduden „Rechtschreibung und Wortkunde“ (7. Auflage 2005, S. 527 ff.), ein bisschen auch auf den Artikel „Wortfamilien“ in H. Maiworm – W. Menzel: Unser Wortschatz (2. Auflage, S. 319 ff. – noch aus den Beständen meiner älteren Tochter). Ich denke, dass das Verständnis dafür, wie Wörter miteinander verwandt sind, sowohl dem Sinnverständnis wie dem Gefühl für Rechtschreibung dient.
Ich lege hier jetzt einfach meine gespeicherten Arbeitsblätter vor.

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Wortbildung: durch Zusammensetzung

1. Wörter werden so, wie sie sind, zusammengesetzt:
Zimmerpflanze (Zimmer + Pflanze);
steinhart (Stein + hart); sammle acht weitere Beispiele.
2. Wenn das Bestimmungswort ein Verb ist, wird von ihm nur der Wortstamm genommen:
Stechmücke (stech- von „stechen“ + Mücke);
kochfest (koch- von „kochen“ + fest); sammle acht weitere Beispiele.
3. Wenn das Bestimmungswort ein Nomen ist, wird ihm oft eine Endung angehängt, die man Fugenelement nennt:
Mittagsschlaf (Mittag/s + Schlaf);
Bilderrahmen (Bild/er + Rahmen); suche weitere acht Beispiele.
4. Auch mit zusammengesetzten Wörtern kann man weitere Wörter durch Zusammensetzung bilden:
Armbanduhr (Armband + Uhr);
Schnellkochtopf (schnell + Kochtopf); suche weitere acht Beispiele.
5. Wie bestimmt das Bestimmungswort das Grundwort?
a) Es kann den Ort angeben:
Mondlandung: Land auf dem Mond; suche weitere vier Beispiele.
b) Es kann die Zeit angeben:
Tageszeitung: Zeitung, die jeden (Werk)Tag erscheint; suche weitere vier Beispiele.
c) Es kann den Stoff, das Material bezeichnen:
Tonvase: Vase aus Ton; suche weitere vier Beispiele.
d) Es kann den Handelnden, den Urheber bezeichnen:
Vogelgezwitscher: Gezwitscher der Vögel; suche weitere vier Beispiele.
e) Es kann den Besitzer bezeichnen:
Anwaltsbüro: Büro, das einem Anwalt gehört; suche weitere vier Beispiele.
f) Es kann die betroffene Sache bezeichnen:
säurefest: fest gegen Säure; suche vier weitere Beispiele.
g) Es kann einen Vergleich festhalten:
wieselflink: so flink wie ein Wiesel; suche weitere vier Beispiele.
h) Es kann etwas Geschätztes oder Gemessenes bezeichnen:
Kinderschar: eine Schar von Kindern; suche vier weitere Beispiele.
i) Es kann ein Maß bezeichnen:
stundenlang: viele Stunden lang; suche vier weitere Beispiele.
j) Es kann auch eine Bedingung, einen Zweck oder einen Grund nennen:
Notbremse: Bremse, die man nur im Notfall ziehen darf;
Waschmaschine: Maschine zum Waschen;
Freudentränen: Tränen, die man aus Freude vergießt.
Suche jeweils vier weitere Beispiele.
6. Zusammengesetzte Wörter können sich verselbständigen und als ein einziges Wort gelten: Junggeselle, Schornstein…

Hinweis: Wortfamilien kann man im canoo-Wörterbuch (begrenzt!) aufrufen; man braucht bei einem Stichwort (z.B. „lehren“) nur „Wortbildung“ anzuklicken (http://www.canoo.net/services/Controller?input=lehren).

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Wortbildung: durch Ableitung

Neue Wörter können auch von bestehenden Wörtern abgeleitet werden, ohne dass sie mit einem ganzen Wort verbunden werden. Dafür gibt es vier verschiedene Möglichkeiten:
1. Einem Wort wird vorn ein neues Element vorangestellt, das Präfix:
sicher -> unsicher (Präfix un-); fesseln -> entfesseln (Präfix ent-)
2. Einem Wort wird am Ende ein neues Element angehängt, das Suffix:
grün -> grünlich (Suffix -lich); Kind -> Kindchen (Suffix -chen)
3. Das Wort wird in seinem Inneren verändert:
brechen -> Bruch; reiten -> Ritt.
a) Man spricht vom Ablaut, wenn der Vokal des Wortstamms wechselt:
brechen -> Bruch (Wechsel e -> u).
b) Man spricht von Umlaut, wenn der Vokal des Wortstamms sich ändert: Busch -> Gebüsch (Umlaut u -> ü, außerdem Präxix Ge-).
4. Das Wort wird in seiner Wortart, aber nicht in seiner Form verändert: versuchen -> Versuch.
Der Wortstamm „versuch“ (Endung war -en) ist erhalten geblieben.
— Wie du am Beispiel „Busch -> Gebüsch“ siehst, können auch mehrere Verfahren der Ableitung miteinander kombiniert werden.

Aufgaben:
1. Gerade Verben werden durch Präfixe verändert.
Im Deutschen gibt es dabei u.a. die Präfixe be-, ent-, er-, ge-, miss-, ver-, zer- (neben ab-, an-, auf- usw.). Suche für jedes Präfix fünf Beispiele.
Hat das jeweilige Präfix eine bestimmte Bedeutung? Oder ändert sich seine Bedeutung von Verb zu Verb?
2. Auch für Nomen gibt es wichtige Präfixe: Ge-, Miss-, Un-, Ur-.
Suche für jedes Präfix fünf Beispiele.
Hat das jeweilige Präfix eine bestimmte Bedeutung? Oder ändert sich seine Bedeutung von Nomen zu Nomen?
3. Suche jeweils fünf Beispiele für Nomen mit den Suffixen -chen, -lein, -in, -er, wo das Ausgangswort ein Nomen war.
4. Suche jeweils fünf Beispiele für Nomen mit den Suffixen -ung, -er, wo das Ausgangswort ein Verb war.
5. Suche jeweils fünf Beispiele für Nomen mit den Suffixen -heit, -keit, -igkeit, -e, wo das Ausgangswort ein Adjektiv war.
6. Wir könnten noch viele andere Ableitungen durch Suffix nennen. Bleiben wir bei zwei wichtigen Suffixen, mit denen immer Adjektive gebildet werden, nämlich -bar und -los.
Suche jeweils fünf Adjektive mit diesen Suffixen.
Überlege dann, was das Suffix jeweils bedeutet.
7. Für Verben ist -ieren ein typisches Präfix.
Suche möglichst viele (zehn) Beispiele dafür.
Was fällt dir auf?
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Wortbildung: Kurzformen

Zum Schluss soll noch über Wörter gesprochen werden, die wir im Alltag als Abkürzungen bezeichnen:
1. echte Abkürzungen
Diese erkennt man daran, dass sie mit einem ‚Punkt‘ versehen werden, also etwa S. (Seite), Nr. (Nummer), m.E. (meines Erachtens) usw. (und so weiter). Es handelt sich hier nicht um neue Wörter, sondern um eine Vereinfachung des Schreibens; die Menschen sind ein bisschen faul und wollen möglichst wenig schreiben. Wenn wir Abkürzungen lesen, sprechen wir das ganze Wort oder alle Wörter aus.
Hierhin gehören auch international gebrauchte Abkürzungen für Maßeinheiten, bei denen man auf den ‚Punkt‘ verzichtet: m (Meter), g (Gramm), l (Liter) usw.
2. Initial- oder Buchstabenwörter
Das sind Wörter, bei denen von mehreren Wörtern nur die Initialen (Anfangsbuchstaben) übrig geblieben sind. Jeder Buchstabe wird mit seinem ‚Namen‘ gesprochen, es gibt keinen ‚Punkt‘ zur Abkürzung:
UKW (Ultrakurzwelle), GmbH, IQ (Intelligenzquotient) usw.;
U-Boot, IQ-Test, Kfz-Mechaniker usw.
3. Kürzel
Das sind Wörter, bei denen ein Teil einfach weggelassen wird, weil man ihn sowieso kennt; auch hier zeigt sich eine gewisse Faulheit:
Akku (Akkumulator), Uni (Universität), Limo (Limonade) usw.
Biogemüse (biologisch angebautes Gemüse), Ökosystem (ökologisches System), Schokocreme (Schokoloadencreme) usw.
Manche Wörter, die einmal Initialwörter waren, können zu Kürzeln werden und werden dann wie ein ‚richtiges‘ Kürzel gesprochen: TÜV, Ufo usw.
Dazu gehören auch für Wörter, die eine Doppelung von Kürzeln darstellen, wie etwa Kripo (Kriminalpolizei), Schuko-Stecker (Schutzkontakt-Stecker) usw.

So, damit haben einen Überblick über die Art, wie Wörter gebildet werden, gewonnen.
Vielleicht sollten wir zur Übung noch ein paar Wörter in ihre Urbestandteile zerlegen:
Lebensrettungsgesellschaft
Unschuldsvermutung
Fußballanhänger
Torschussmöglichkeit
Unsicherheitsfaktor
Bilderrahmen
todkrank
hundeelend
Wortbildung
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Wortbildung mitttels Suffix -bar

Wir untersuchen eine Reihe von Adjektiven, die auf ´-bar´ enden: dankbar, denkbar, fühlbar, furchtbar, kostbar, sichtbar, spürbar, wunderbar. Wir bilden zuerst eine Redewendung mit jedem Adjektiv und umschreiben seine Bedeutung (in der Wortfamilie bleiben!):
(1) ein dankbares Kind; dankbar ist, wer seinen Dank abstattet.
(2) ____________________________________________
(3) ____________________________________________
(4) ____________________________________________
(5) ________________________________________usw.

Jetzt kommt die große Überraschung:
Du kannst feststellen, dass bei einer Reihe von Adjektiven das Suffix ‚-bar‘ bedeutet: „man kann … (etwas tun)”, nämlich bei
_______________________________________________
Jetzt untersuchen wir, von welchen Wörtern die Adjektive abgeleitet werden:
(1) _____________ + bar -> dankbar
(2) _____________ + bar -> denkbar
(3) _____________ + bar -> fühlbar usw.
Wir können als Regel formulieren:
Wenn aus dem Wortstamm (wessen?) __________________ mit dem Suffix -bar ein Adjektiv gebildet wird, bedeutet dieses: Man kann es tun.
Welches Wort wird eigentlich als ein eigenständiges, nicht mehr
abgeleitetes Wort empfunden? ____________________
Die anderen Adjektive auf -bar sind von _________________
abgeleitet; hier bedeutet -bar so viel wie __________________.
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Wortbildung mittels Suffix -nis

Es gibt eine Reihe Nomina, die auf dem Suffix -nis enden. Im Plural wird das Schluss-s verdoppelt: Zeugnis, Zeugnisse. Erkläre die Bedeutung von zehn Nomina, indem du sie auf das Wort zurückführst, von dem sie abgeleitet sind:

Ärgernis
Bedrängnis ist die Situation, dass man …
Bedürfnis
Begräbnis ist der Vorgang, dass jemand …

Behältnis

Bekenntnis
Besäufnis

Beschwernis
Betrübnis
Bewandtnis
Bündnis
Empfängnis
Ereignis
Ergebnis
Erkenntnis
Erlaubnis
Erlebnis

Empfängnis

Erzeugnis

Fäulnis
Gedächtnis
Gefängnis
Geheimnis

Gelöbnis
Geschehnis
Geständnis
Hemmnis
Hindernis
Kümmernis

Trübnis

Verdammnis
Verderbnis
Verhältnis
Verlöbnis
Vermächtnis
Versäumnis
Verzeichnis, Vorkommnis, Zerwürfnis, Zeugnis

Wichtige Kategorien für die Erklärung sind:
Geschehen – Vorgang – Handlung; Person – Gerät – Einrichtung; Eigenschaft – Zustand; Tätigkeit; Absicht – Zweck – Ergebnis; Ursache – Bedingung; Grund – Folge – Wirkung; Bereich – Ort – Zeitpunkt – Dauer.
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Übungsarbeit zur 1. Klassenarbeit Deutsch

Regeln der Wortbildung; Bedeutung umschreiben – 1 Schulstunde
Aufgabenstellung:
1. Wortfamilie „fahren“:
vorfahren, mitfahren
Fahrer, Beifahrer, Fahrrad
Fähre, Gefährte
Fuhre, Fuhrmann, Fuhrmannsschnaps
Gib die Bedeutung dieser Wörter aus der Wortfamilie „fahren“ an, indem du sie auf „fahren“ oder ein bereits erklärtes Wort der Wortfamilie zurückführst!
2. Suche fünf Verben mit dem Präfix ´ent-´.
Bilde mit jedem der Verben eine Redewendung oder einen Satz!
Gib eine eigentümliche Bedeutung des Präfixes ´ent-´ an!
3. Es gibt Adjektive mit dem Suffix ´-lich´:
bedrohlich, bekömmlich, bläulich, erfreulich, grünlich, kränklich, lächerlich, süßlich, zärtlich.
Teile diese Adjektive nach der Wortart, wovon sie abgeleitet sind, in zwei Gruppen!
Gib an, was das gemeinsame Bedeutungsmerkmal jeder Gruppe ist!
Welches Wort passt eigentlich nicht mehr in seine Gruppe, weil es inzwischen selbständig geworden ist?
4. Gib an, aus welchen Teilen folgende Wörter bestehen:
Aktenordner, Heckenschere, Klassenlehrer, Oberregierungsrat.
5. Man kann die Bedeutung eines Wortes angeben, indem man sie durch ein Wort mit ähnlicher Bedeutung umschreibt.
(1) abschlagen: Wenn ich einen Ast abschlage, dann hacke ich ihn mit einem Beil vom Baum.
Erkläre auf diese Weise die Bedeutung der Wörter
ankommen, aufsagen, beschleunigen, herausfischen.
Achte darauf, wie viel Zeit du brauchst und welche Aufgabenstellung du nicht richtig verstehst!
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1. Klassenarbeit Deutsch – 6 c,                        21.09. 98

Regeln der Wortbildung; Bedeutung umschreiben – 1 Schulstunde
Aufgabenstellung:
1. Wortfamilie „mahlen“:
zermahlen
Mühle, Kaffeemühle, Mühlrad
Müller, Müllerin,
Mehl, mehlig, Mehlspeise, Weizenmehl
Gib die Bedeutung dieser Wörter aus der Wortfamilie „mahlen“ an, indem du sie auf „mahlen“ oder ein bereits erklärtes Wort der Wortfamilie zurückführst!
2. Suche fünf Verben mit dem Präfix ´zer-´ (wie „zermahlen“).
Bilde mit jedem der Verben eine Redewendung oder einen Satz!
Gib die eigentümliche Bedeutung des Präfixes ´zer-´ an!
3. Es gibt Nomina mit dem Suffix ´-er´:
Arbeiter, Besucher, Blinker, Bohrer, Lautsprecher, Lehrer, Reiter, Schalter, Sprecher, Tanker.
Teile diese Nomina nach der Bedeutung der Wörter in zwei Gruppen! Gib an, was das gemeinsame Bedeutungsmerkmal jeder Gruppe ist!
4. Gib exakt an, aus welchen Teilen folgende Wörter bestehen:
Bewegungsablauf, Geburtstag, Häuserreihe, Straßenverkehrsamt.
5. Man kann die Bedeutung eines Wortes angeben, indem man sie durch ein Wort mit ähnlicher Bedeutung umschreibt.
(1) abschlagen: Wenn ich einen Ast abschlage, dann hacke ich ihn mit einem Beil vom Baum.
Erkläre auf diese Weise die Bedeutung der Wörter
„besuchen, erledigen, hinauswerfen, sich verletzen“.
Viel Erfolg!

Ich könnte eine weitere Klassenarbeit veröffentlichen, aber mit dem Veröffentlichen riskiert man ja auch, dass sie so im Ernstfall nicht mehr gebraucht werden kann.

Auch die Lehre von den Wortfamilien gehört in die Lehre von der Wortbildung, vgl. den kleinen Aufsatz https://norberto68.wordpress.com/2011/02/22/wortfamilien-beispiel-schliesen/ bzw. den nächsten Eintrag! Zur Sache vgl.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wortbildung

http://www.canoo.net/services/WordformationRules/ueberblick/index.html

http://www.schneid9.de/sprache/linguistik/ling09.pdf (übersichtlich!)

http://mmtux.idf.uni-heidelberg.de/ProGram/Grammatik/Wortbildung/Wortbildung.htm (schön)

http://www.staff.uni-mainz.de/steinbac/Lehre/Grammatik/Wortbildung.pdf (umfangreich)