Sprachwandel

Was in einer Gesamtschule in Mönchengladbach unter „Sprachwandel“ in Kl. 11 zu lernen ist (die Links dazu habe ich ausgesucht):

Saussure: das sprachliche Zeichen

Das dyadische Zeichenmodell wird zumeist in Verbindung mit den Arbeiten des französischen Sprachwissenschaftlers F. de Saussure (1857-1913) betrachtet… Das (sprachliche) Zeichen setzt sich demnach aus einem Lautbild (Signifikant) und der Vorstellung (Signifikat) zusammen. Es wird somit weitgehend auf seine Bedeutungsfunktion reduziert. Später hat Saussure die beiden Seiten des Zeichens mit neuen Termini belegt (deutsch: das Bezeichnete =Bedeutung und das Bezeichnende). (http://www.spektrum.de/lexikon/kartographie-geomatik/zeichenmodell/5344)

https://www.mediensprache.net/de/basix/semiotik/zeichen/de_saussure.aspx

http://hispanoteca.eu/Lexikon%20der%20Linguistik/z/ZEICHEN%20nach%20Ferdinand%20de%20SAUSSURE.htm

Watzlawick: die fünf Axiome

http://www.paulwatzlawick.de/axiome.html

Paul Watzlawick stellte 5 Grundregeln (pragmatische Axiome) auf, die die menschliche Kommunikation erklären und ihre Paradoxie zeigen:

Man kann nicht nicht kommunizieren

Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt

Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung

Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten

Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

http://www.germanistik-kommprojekt.uni-oldenburg.de/sites/1/1_05.html

1. Axiom “ Man kann nicht nicht kommunizieren“
(Watzlawick 1996,53)
2. Axiom “ Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.“ (Ebd.56)
3. Axiom “ Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt“. (Ebd.61)
4. Axiom “ Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler (verbaler) und analoger (non-verbaler, nicht-sprachlicher) Modalitäten (Ausdrucksmittel).
Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik (Bedeutungslehre).
Analoge Kommunikationen hingegen besitzen dieses semantische Potential, ermangeln aber die für eindeutige Kommunikation erforderliche logische Syntax“. (Ebd.68)
5. Axiom “ Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch (gleichwertig) oder komplementär (ergänzend), je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht“. (Ebd.50-70)

(http://www.conradgiller.de/columbos-regeln/wiki/paul-watzlawick-und-die-5-axiome/)

(Körpersprache: http://www.germanistik-kommprojekt.uni-oldenburg.de/sites/1/1_07.html)

Schulz von Thun: Beziehungsquadrat (Kommunikationsquadrat)

http://www.schulz-von-thun.de/index.php?article_id=71

http://www.germanistik-kommprojekt.uni-oldenburg.de/sites/1/1_06.html

Schulz v.T.: das innere Team

http://www.schulz-von-thun.de/index.php?article_id=93

„Das Innere Team ist ein Persönlichkeitsmodell des Hamburger Psychologen . Die Pluralität des menschlichen Innenlebens wird darin mit der Metapher eines Teams und seines Leiters dargestellt. Das soll die Selbstklärung in zwiespältigen Situationen unterstützen und damit die Voraussetzung für eine klare und authentische Kommunikation nach außen bieten.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Inneres_Team)

http://www.managerseminare.de/Datenbanken_Lexikon/Inneres-Team-nach-Friedemann-Schulz-von-Thun,166

Schulz v.T.: das Wertequadrat (nicht besprochen?)

http://www.schulz-von-thun.de/index.php?article_id=72

https://de.wikipedia.org/wiki/Werte-_und_Entwicklungsquadrat

http://www.philosophicum.de/lh/komm2.htm

Männer- und Frauensprache

http://www.sg.sgkg.de/hilfen/ehe/mannfrau.php

http://www.fem.com/lifestyle/artikel/maennersprache-frauensprache-lass-uns-drueber-reden

http://www.igw.edu/assets/data/Abschlussarbeiten/Frauensprache_Maennersprache_Schuerch_Eveline_2009.pdf (S. 5-15)

Jugendsprache

https://de.wikipedia.org/wiki/Jugendsprache

http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/jugendsprache/

http://hehl-rhoen.de/pdf/lexikon_der_jugendsprache.pdf Lexikon

http://www.ge-duisburg-sued.de/index.php/projekte/jugendsprache dito

Zu „Kiezdeutsch“ gibt es mehrere Dateien von Heike Wiese.

Anglizismen

https://de.wikipedia.org/wiki/Anglizismus (Formen des A.)

http://www.ruhr-uni-bochum.de/sprachwerk/mam/content/_kurzprojekt.pdf

Vgl. insgesamt: http://www.philosophicum.de/lh/kommunikation.htm

Linguistisches Relativitätsprinzip

http://home.edo.tu-dortmund.de/~hoffmann/ABC/Relativitaet.html

http://www.leselupe.de/lw/titel-Sapir-Whorf-Hypothese-54807.htm

http://www.blutner.de/philos/erfahr.html

Besonders möchte ich auf einen Fund hinweisen, der mir selber gelungen ist:

https://archive.org/stream/diedeutschesprac00fisc#page/n3/mode/2up (W. Fischer: Die deutsche Sprache von heute,  2. Aufl. 1919) Hier findet man, was vor 100 Jahren als Sprachwandel beobachtet und wie es erklärt wurde – auch ein Dokument des Sprachwandels.

Allgemeine Theorie des Sprachwandels: http://www.christianlehmann.eu/ling/ling_theo/sprachwandel.php

Wie Flüchtlinge die deutsche Sprache verändern

Schluss eines Kommentars in DIE WELT von Dirk Schümer:

[Die] Für die hiesigen Behörden nächstliegende Maßnahme zum gegenseitigen Verständnis aller Paschtunen, Aramäer, Kurden und Tigriner wäre ganz offensichtlich ein effektiver und schneller Deutschkurs. Aber auch hier gibt es hohe Hürden. Wie will man einem Ankömmling eine komplizierte Schriftsprache vermitteln, der als Erwachsener nie lesen und schreiben erlernte? Oder der unser lateinisches Alphabet erst Buchstabe für Buchstabe kennenlernen muss?

Natürlich gibt es Neugierige und Naturtalente, gerade unter den jüngeren Migranten, die sich Deutsch quasi im Vorbeigehen in wenigen Monaten staunenswert geläufig aneignen. Doch genauso oft hört man von unwilligen Schülern, die jeden Unterricht verweigern und sich offensichtlich damit begnügen, in ihrer neuen europäischen Heimat mit Händen und Füßen notdürftig zu kommunizieren.

Können diese Menschen wohl den Bedarf an qualifizierten Facharbeitern in Deutschland decken? Können sie, auch als hoch qualifizierte Ärzte oder Architekten, jemals ihren Beruf in Mitteleuropa ausüben? Solange jedenfalls die Flüchtlinge den ganzen Tag zusammen mit anderen Migranten weggesperrt werden und die deutsche Bürokratie nicht annähernd genügend Deutschlehrer auftreiben kann, wird sich am Sprachnotstand wenig zum Guten ändern.

„Bad english“ in den Unterkünften

Die mehrsprachige Akademikerin Angela Merkel hat in ihrer erfrischend optimistischen Art bereits vorhergesagt, dass die Erwachsenen sich die deutsche Sprache nun wohl bei den Kindern abschauen müssen, die im Kindergarten oder in der Schule in die neue Heimat hereinwachsen. Leider freilich bestand das Gros der Ankömmlinge lange nicht aus Familien mit Kindern, sondern aus männlichen jungen Erwachsenen. Die Kundigsten kommunizieren in den Unterkünften und bei den Behörden längst im Weltidiom „bad english“. Oft sind es dabei aber auch die deutschen Staatsdiener, die schlechter Englisch sprechen als die neuen Schutzbefohlenen.

In jedem Fall wird sich die deutsche Gesellschaft für die Verständigung zwischen Alt- und Neubürgern über viele Jahre an ein rudimentäres Pidgin gewöhnen müssen, das zwischen arabischen Elementen, etwas Englisch, der jeweiligen Muttersprache und dem komplizierten Deutsch oszillieren dürfte. Wenn schon die genervten Deutschen komplizierte Behörden lieber zu kindischen Kunstwörtern wie „Lageso“ abkürzen oder die Ankömmlinge neudeutsch zu „Refugees“, werden sich die Neubürger aus aller Welt ihre Zunge mit wunderlichen Begriffen wie „Unionsfraktionsvize“ oder „Schultergelenksecksprengung“ sicher nicht brechen. Ein ganz neuer Simpelsprech, wie ihn zwischen Spanisch und amerikanischem Englisch längst die südlichen Staaten der USA erobert hat, wird auch in Deutschlands Schulen und in vielen Behörden Einzug halten.

Das kann – wie das „Kanaksprak“ vieler junger Deutschtürken – durchaus kreativ und exotisch klingen, löst aber keines der deutschen Sprachprobleme im Prozess der Globalisierung. Von den ehrgeizigen Schlussfolgerungen der Pisa-Studie, nach der exzellent ausgebildete Schüler bei uns neben Deutsch fließend Englisch und für den Exportmarkt am besten auch noch Spanisch oder gleich etwas Chinesisch sprechen sollten, müssen wir uns verabschieden.

In Schweden hat man die schulischen Prüfungsniveaus angesichts des sprachlichen Wirrwarrs einer Zuwanderungsgesellschaft bereits senken müssen. Was uns also erwartet, ist keine Sprachenvielfalt, sondern weniger Schriftlichkeit, geringerer Wortschatz – und mehr linguistische Einfalt für alle.

© WeltN24 GmbH 2016

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article154229289/Wie-Fluechtlinge-die-deutsche-Sprache-veraendern.html

Deutsch lernen – Anfänger (A1) – Filme

Diese Seite ist die Fortsetzung von https://norberto68.wordpress.com/2016/01/25/deutsch-lernen-fuer-anfaenger-filme/.

Auf youtube findet man viele Filme fürs Deutschlernen; ich habe versucht, unter „Deutsch lernen A1“ einige brauchbare Reihen zu finden. Es gibt noch wesentlich mehr als die genannten – es kommen immer noch neue hinzu! – und es gibt auch viele Filme zu einzelnen sprachlichen Phänomenen:

https://www.youtube.com/watch?v=ttv2E10oGIM&list=PLBB073C8D40C2B6BA („Deutsch mit Julia“, 12 Lektionen, mit deutschen und englischen Untertiteln) einfach, je ca. 4 min

https://www.youtube.com/watch?v=nd0Y_iIaJns&list=PL9F95AAC2287FD5EB (Lingorilla.com: Deutsch lernen mit Videos, 27 Szenen, dt. Text) 0:03 usw.

https://www.youtube.com/watch?v=rVYtzew43Ms&list=PL474C37D5854F648C („Deutsch lernen“: 46 Folgen, sehr deutliche Artikulation, gelegentlich Untertitel – Spielfilm mit Marsmensch) der Zuschauer soll manchmal sprechen; je ca. 5 min

https://www.youtube.com/watch?v=yhP3OT2hxAE („Deutsch lernen Extra auf Deutsch“, Spielfilm, deutsche Untertitel) 16 Folgen, erste 0:24

https://www.youtube.com/watch?v=LWIvyk1-N2w&list=PLItGc0KMciO6xprnO2MpLaj0pWDuxb_1G (16 Folgen, gespielte Szenen) je ca. 14 min (persische oder arabische Untertitel)

https://www.youtube.com/watch?v=_NXDM9XXhQ4&list=PLcUzsPsw73juQL0te7CzTaY4iSzmlJolq&index=43 (Easy German: Szenen, 42 Folgen, mit dt. Untertiteln) 0:03 usw. – schnell gesprochen

https://www.youtube.com/watch?v=K7Qqj8Irqpo („Deutsch lernen“ im deutschlernerblog – 20 Lektionen, thematisch) deutscher Text, schwierig – je ca. 5 min

https://www.youtube.com/watch?v=llSItEiwhzM („Hallo Deutschschule“: hören –> nachsprechen) 18 Folgen, unterschiedlich lang – anspruchsvoll)

https://www.youtube.com/user/dwlearngerman („Harry gefangen in der Zeit“: eine Serie der Deutschen Welle – weithin auf Englisch)

https://www.youtube.com/watch?v=70bMRqSv8I8&list=PLQtUVCXmaLkezHE8W9bntOR8zMfM7hf5p („Deutsch lernen A1“: 26 Lektionen, sehr systematisch) kürzere Filme, nur deutsche gesprochene Erklärungen – sehr schwer

https://www.youtube.com/watch?v=ew33DGiZvGE („Wir lernen Deutsch im Schlaf“ 1. Tag – engl.-deutsch; Erläuterungen in Englisch, ohne Bilder) 1:05, weitere 12 Folgen

https://www.youtube.com/watch?v=GCTGK0S8CWE&list=PL7SijlHyQmVV-GTYsL4aOz8-USEwbAnCc (Deutsch für syrische Flüchtlinge: syrisch-deutsche Texte, dazu deutsche Wörter, gut gesprochen, ohne Bilder) 20 Videos á 0:03

Dialekte – Zweisprachigkeit – Sprachwandel

Auf diese Aspekte trifft man im Buch „Kleine Sprachgeschichte von Nordrhein-Westfalen“ (Greven Verlag, Köln 2015), das ich eben im Blog norberto42 vorgestellt habe: https://norberto42.wordpress.com/2016/01/04/g-cornelissen-kleine-sprachgeschichte-von-nrw/

Impulse für ein vernünftiges Gespräch

In der Vorlage heißt es zwar Gesprächsimpulse zum Philosophieren mit Kindern, aber es handelt sich in Wahrheit um Impulse für ein vernünftiges Gespräch, auch außerhalb des Philosophieunterrichts:

Impulse zur Intensivierung der inhaltlichen Auseinandersetzung

Nachfragen, um Begriffe, Meinungen und Positionen zu klären:

  • Was meinst du, wenn du … sagst?
  • Kannst du das genauer erklären?
  • Was bedeutet …?
  • Erkläre bitte an einem Beispiel, was du meinst.

Begründungen und konkrete Beispiele einfordern, Voraussetzungen aufdecken:

  • Warum meinst du, dass …?
  • Kannst du dafür einen Grund nennen?
  • Gibt es hierzu ein Beispiel / ein Gegenbeispiel?
  • Welche Voraussetzungen / Bedingungen müssen gegeben sein, damit …?

Aussagen noch einmal zur Diskussion stellen und das Nachdenken über Alternativen anregen:

  • Ist das wirklich so?
  • Gilt das für alle Fälle?
  • Wie verträgt sich das mit …?
  • Gibt es hier nur diese eine Möglichkeit / Meinung / Sichtweise / Lösung?
  • Könnte es auch ganz anders sein?

Konsequenzen und Folgen durchspielen:

  • Wenn das der Fall wäre, müsste dann nicht auch …?
  • Was würde daraus folgen?
  • Können alle diese Folge / Folgerung akzeptieren?

An das Ausgangsproblem erinnern und den Gesprächsstand zusammenfassen:

  • Unser Thema war … Wie passt das dazu?
  • Was haben wir bisher herausgefunden?
  • Wie sind wir zu diesem Punkt gekommen?
  • Was für verschiedene Meinungen haben wir gehört?
  • Welche Fragen wollen wir weiter vertiefen?

Impulse, die das Miteinander des Gesprächs anregen

  • Kannst du X zustimmen? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
  • Haben alle verstanden, was X gesagt hat? Kannst du erklären, was er/sie meint? [Die Vorlage weist hier einen Bruch auf! N.T.]
  • Möchte jemand zu diesem Gedanken etwas sagen? Hat jemand etwas Ähnliches oder ganz anderes gedacht?
  • Wie passt das, was du gesagt hast, zu dem, was X gesagt hat?
  • Wer ist damit einverstanden, wer nicht?

http://steinmair.jimdo.com/app/download/9262733499/2_Leseauftrag.pdf?t=1393780462

in 1/2010 Sachunterricht | www.grundschulunterricht.de, S. 39 (sprachlich minimal von mir überarbeitet, sachlich geringfügig erweitert – es fehlt allerdings der ganze Komplex des Bewertens von Handlungen und Vorschlägen, welche unter dem Stichwort ETHIK ihren Platz in der Philosophie haben und heute oft PRAKTISCHE PHILOSOPHIE heißen. Ich verweise hierfür auf das, was ich im Beitrag „Aufsatzunterricht“ unter „C: Etwas bewerten“ dazu gesagt habe: die Eignung von Vorschlägen zur Lösung einer Aufgabe prüfen sowie ihre Leistung mitsamt Kosten berücksichtigen, die Nebenwirkungen beachten, das Recht / die Pflicht und die Berechtigung prüfen …)

DDR-Sprache nach 1990

Die sprachlichen Unterschiede betrafen nicht nur die Lexik, sondern auch Grammatik, Phonetik, die Existenz verschiedener Textsorten oder auch die Kommunikationskultur an sich. Was die Lexik betrifft, soll hier die von Fix/Schroder 1997 vorgeschlagene Unterscheidung zwischen DDR-spezifischen und DDR-geprägten Wendungen aufgenommen werden, da sie sich als relevant für den heutigen Sprachgebrauch erweist. DDR-spezifische Wendungen, die fest an staatliche Institutionen gebunden waren – z.B. Lexeme wie Volkspolizist, Unterstufenlehrer, EOS, SERO, Jungpionier usw. – sind nach 1990 relativ schnell verschwunden, da ja auch ihre außersprachlichen Referenten, also die jeweiligen Institutionen nicht mehr existieren. Sie können mittlerweile als archaisiert betrachtet werden. DDR-geprägte Wendungen waren dagegen schwieriger zu vermeiden, da die SprecherInnen sich oft nicht bewusst waren, dass diese Wendung nur für das Gebiet der DDR typisch waren und diese auch keineswegs politisch konnotiert waren. Sie sind politisch und kulturell >unaufälllig< und haben sich daher zum Teil bis heute erhalten. Eingeweihten verrät ihr Gebrauch jedoch sehr schnell die Zugehörigkeit des Sprechers oder der Sprecherin zur jeweiligen deutschen Sprachgemeinschaft.

Der 1990 einsetzende Sprachwandel war für SprachwissenschaftlerInnen ungeheuer interessant. Normalerweise vollziehen sich Sprachwandelprozesses eher langsam und können erst über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte nachgewiesen werden. Der deutsch-deutsche Sprachwandel vollzog sich dagegen mit großer Geschwindigkeit innerhalb von zehn Jahren. Oftmals gab es keine Gelegenheit, die Sprachzeugnisse der DDR zu retten bzw. zu konservieren, da DDR-typische Sprachdaten während der Euphorie der Wendezeit in großem Umfang vernichtet wurden. Ruth Reiher und Antje Baumann (2004) haben den Sprachwandel analysiert und verschiedene Etappen modellhaft dargestellt (Koexistenz > Kontakt/Kollision/Konflikt > Sprachliche Anpassung > Westdeutsch als Gesamtdeutsch). Seit knapp zehn Jahren gilt dieser Sprachwandel als abgeschlossen. Die Ostdeutschen haben aufgrund eines stark gefühlten Anpassungs- und Assimilierungsdrucks die westdeutsche Sprachvariante weitgehend übernommen.

Folgende Sprachwandelprozesse konnten unter anderem beobachtet werden:

  1. Das Verschwinden der DDR-spezifischen Lexik bzw. eine Archaisierung mit einer einhergehenden semantischen Ausbleichung (Abkürzungen und Akronyme wie EOS, EVP, HO, LPG oder SERO können heute nur noch von den wenigsten Sprecherlnnen korrekt entschlüsselt werden).
  2. Desynonymisierung sprachlicher Dubletten zu Gunsten der westdeutschen Variante (ablichten > kopieren, Fahrerlaubnis > Führerschein, Feierabendheim > Seniorenheim, Fortbildung > Weiterbildung, vorfristig > vorzeitig).
  3. Bedeutungswandel einiger Wörter (Wörter wie kollektiv, individualistisch, sozialistisch, kapitalistisch erhielten neue Wertigkeiten für die Sprecher).
  4. Das Verschwinden kompletter Textsorten, die es in dieser Form nur in der DDR gab (Brigadetagebuch, Jugendweiheurkunden, Eingaben, Wettbewerbsverträge usw.).
  5. Modifizierung der Form einiger Textsorten wie Bewerbungsschreiben oder Schülerbeurteilungen.
  6. Der Import westdeutscher Bezeichnungen, die an das Gesellschaftssystem der BRD gebunden sind (Hauptschule, Landesprüfungsamt, Geschäftsführer, Selbsthilfegruppe) und deren Referenten für ostdeutsche Sprecherlnnen komplett neu und fremd waren.
  7. Asymmetrische Verwendung von Regionalismen; so wurden aufgrund des sprachlichen Anpassungsdrucks süddeutsche Regionalismen auch im mittel- und norddeutschen Sprachraum eingeführt, was zu einer großen Verunsicherung der Sprecherlnnen führte. Dies ist nachweisbar anhand der Anfragen bei Sprachberatungsstellen und Leserbriefen aus jenen Jahren (Tischler > Schreiner, Straßenbahn > Tram, Krankenhaus > Spital).
  8. Euphemistische Periphrasen werden zu Gunsten der Grundlexeme aufgegeben: (antifaschistischerSchutzwall > Mauer).
  9. Reduzierung von tautologischen Lexemen auf ihr Grundwort (Eigeninitiative > Initiative, Grundprinzip > Prinzip).
  10. Neuschöpfung vieler Lexeme während der Wende (Wendedatum, -herbst, -periode, -zeit, -hals; Reformprozess, -bewegung, -angebote; Dialogfähigkeit, -bereitschaft; Bürgerbewegungen, -foren, -initiativen; zusammenwachsen, -gehören, -kloppen, -nageln, -wuchern).

 

Peggy Katelhön: Auf den Spuren des Hühnergotts. Deutsch-deutscher Sprachwandel als Thema eines interkulturellen Deutsch-als-Fremdsprache-Unterrichts. In: SIETAR. Journal für interkulturelle Perspektiven 1/2009, S. 3 ff. (hier S. 4 f.)

Mit wie wenig Wörtern kann man lügen?

Lügen mit drei Wörtern:

* Tut mir leid!

* Wir melden uns!

* Gut gemacht, Chef!

* Ich dich auch!

* Nur ein Bier.

Lügen mit nur einem Wort:

* Gesundheit!

* Sekunde!

* Schick!

* Gerne!

* Like!

Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern ein Teil von http://www.stern.de/kultur/buecher/die-welt-in-kuriosen-listen-eine-luege-mit-drei-woertern-nur-ein-bier-2110630-61957ee4fd4c939d.html.

Solche Vorlagen kann man nutzen, um Schüler zu eigenen produktiven Arbeiten anzuregen; siehe die anderen Beispiele in dem STERN-Beitrag!

 

Zigeunersauce – politisch nicht korrekt?

Das „Forum für Sinti und Roma“ fordert fünf Lebensmittelkonzerne auf, den Namen „Zigeunersauce“ aus ihrem Sortiment zu verbannen. Der Verein empfinde den Namen als rassistisch. Die Hersteller streiten diesen Vorwurf ab und verweisen auf eine 100-jährige Tradition der Sauce. (Meldung 15. August 2013)

Ich schlage vor, auch die Operette „Der Zigeunerbaron“ in „Der Sinti- und Roma-Baron“ umzubenennen – nein, wirklich, hier treibt der Aberglaube des politisch korrekten Sprechens erneut seltsame Blüten: Als ob sich in der Welt etwas änderte, wenn man nicht mehr von „Zigeunern“ spricht! Als ob sich in der Welt etwas änderte, wenn man solche komischen Sprechblasen wie „Herr Professorin“ (Leipzig) produziert. Das geht demnächst so weit, dass alle als benachteiligt gelten müssen, die nicht benachteiligt sind…

Wortbedeutung

Die Lehre von der Wortbedeutung (Semantik) wird hier theoretisch sowie vor allem in einer Reihe von Arbeitsblättern (Beispiele!) entfaltet (Unterrichtsreihe). Sie ist etwa für die Klasse 7 konzipiert; hier wird ein differenzierter Sprachgebrauch eingeübt – ein Vorübung auch fürs Analysieren und Argumentieren:

Zur Lehre von der Wortbedeutung

„Einen neuen Aufbruch wagen“ – etwas über Worthülsen

So lautet das Motto des Katholikentags 2012, der im Mai in Mannheim stattfindet. Angesichts des langanhaltenden Bremsvorgangs, den Papst Benedikt durchsetzt, ist das Motto objektiv ein Witz.

Mit geht es hier aber primär nicht um den Katholizismus, sondern um die nebulöse Semantik solcher Mottos. Da ist erstens die Verbform „wagen“, ein Infinitiv, der völlig unbestimmt ist: Wer wagt den Aufbruch? Wer will etwas wagen? Zweitens ist die Unbestimmtheit des „Aufbruchs“ bemerkenswert: Wohin soll denn aufgebrochen werden? Nirgendwohin offensichtlich: „Aufbruch“ ist gegenüber „Stillstand“ positiv besetzt, Aufbruch ist besser als Stillstand – Hauptsache man ist in Bewegung (oder auch: in der Bewegung?). Solche leere Positiv-Semantik erzeugt nur ein schönes Gefühl und täuscht darüber hinweg, dass sich nichts ändert; das hat bereits der Mann in Peter Bichsels Erzählung „Ein Tisch ist ein Tisch“ erfahren, als er für alles neue Wörter erfand und sich daran erfreute: Es änderte sich nichts, aber die anderen Leute verstanden ihn nicht mehr – diese Gefahr bedroht auch die unentwegt aufbrechenden Katholiken.

Genauso unbestimmt ist das Attribut „neu“: An welche anderen Aufbrüche denken wohl die Erfinder des Mottos, sofern sie überhaupt daran denken und sich nicht mit der positiven Konnotation von „neu“ begnügen? Wenn man den neuen Aufbruch in eine Reihe anderer Aufbrüche gestellt hätte, dann wäre zu erkennen, welche Qualität der neue Aufbruch haben sollte, in welche Richtung er zielte. Aber das isolierte „neu“ ist nur schön, nichtssagend schön, genau wie ein Aufbruch ohne Ziel.

Die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet: Aufbruch, überall Aufbruch. Häufig ist davon die Rede auf dem Mannheimer Katholikentag. Das Motto des Treffens „Einen neuen Aufbruch wagen“ kommt vielfach zur Sprache. „Wir sehnen uns nach einem Aufbruch zu einer menschlicheren, gerechteren und friedlicheren Welt“, betont etwa der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch. (…) Kirchliche Reformgruppen bezweifeln, dass der Katholikentag wirklich einen Aufbruch bringen wird. Papst Benedikt XVI. dagegen betont in einer Grußbotschaft: „Wahrer Aufbruch besteht im Gehorsam und Vertrauen gegenüber Gott.“ (http://www.noz.de/deutschland-und-welt/politik/64058045/1905-ein-katholikentag)

Schön gesagt, lieber Benedikt, aber was heißt das konkret? Nichts. Oder eben das, was Benedikts Nuntius am 16. Mai beim Empfang der Konrad-Adenauer-Stiftung gesagt hat: Dialog führe zum Streit, aber der mache „alles kaputt“ und sei „der Beginn einer Revolution“ (SZ 18.05.2012, S. 5). Haltet’s Maul, liebe Katholiken, euer römischer Vater weiß, was euch frommt!

Vgl. http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-05/katholikentag-hengsbach-2/seite-1