„kam herbei wie eine Welle“ – ein Vergleich bei Goethe

Und was sich, an jener Stelle,

Nun mit deinem Namen nennt,

Kam herbei, wie eine Welle,

Und so eilt‘s zum Element.

Wie können wir dieses Bild Goethes verstehen? Ist es überhaupt ein Bild, also etwas Unveränderliches, und nicht eher ein kleiner Bericht: Es kam – es eilt? Es handelt sich um die zweite Hälfte der vierten Strophe von „Dauer im Wechsel“ (1803); zu ihrem Verständnis muss man zunächst kurz den Kontext beschreiben. Der Sprecher hat von Beginn an auf verschiedene Formen des Wechsels hingewiesen, dass sich nämlich die Gegebenheiten der Welt dauernd ändern, dass nichts von Bestand ist: Blütenblätter fallen ab, Laub verschwindet, Früchte bleiben nicht hängen, Tal und Fluss bleiben nicht bestehen. Sein zweiter Blick gilt dem Menschen: „Du nun selbst!“ – dein Blick ändert sich, die küssende Lippe und der kletternde Fuß vergehen, ebenso deine Hand – „Alles ist ein andres nun“; „Alles“, das sind die Teile deines Körpers, das bist du selbst im ganzen. Und darauf folgen dann die vier genannten Verse: „Und was sich, an jener Stelle…“.

Das Subjekt der Aussage ist das, „was sich, an jener Stelle, [n]un mit deinem Namen nennt“. Hieran fällt auf, dass nicht vom Du, sondern von einem Es die Rede ist; diesem Es ist ein Name zugeordnet, dein Name. Er wird ihm „nun“ beigelegt, ist aber der Name des früheren Du, das doch vergangen ist. Was gegenwärtig mit diesem Namen bezeichnet wird, befindet sich „an jener Stelle“, die nun den alten Namen trägt. Was kann von diesem Es gesagt werden? Es „kam herbei, wie eine Welle“. Dieser Vergleich erfasst Bestand und unmerkliche Veränderung in einem: Die Welle ist als solche beständig und als solche weiterziehend, und zugleich als Welle nur eine durch eine Energie erzeugte Bewegung des Wassers, die man sieht, die aber nicht selbständig und substanziell ist, auch wenn sie „die Welle“ heißt: Bewegung im Wasser. Und so eilt Es „zum Element“, zum großen Wasser des Ozeans, wo Es im Element verschwindet. Das ist es, was sich mit deinem Namen nennt.

Was zeigt der Vergleich des sich verändernden Menschen mit der Welle? Er dient sicher nicht – wie Schüler in ihrer Hilflosigkeit zu sagen pflegen – dazu, „dass man sich etwas besser vorstellen kann“; die Vorstellungen vom Menschen, der sich ändert, waren zuvor klar genug. Nein, durch den Vergleich lassen sich zwei widersprüchliche Aussagen zusammen denken: Du änderst dich fortwährend, und doch wird dir mit dem gleichen Namen Identität zuerkannt. Das versteht man, wenn man sieht, wie die Welle kommt und weiterzieht, sagt der Sprecher.

Wie Goethe in der fünften Strophe „Dauer im Wechsel“ sichern will, brauchen wir jetzt nicht zu berücksichtigen.

Gedichtvergleich: zwei Fassungen eines Gedichts

Die Idee habe ich von Hilke Schildt: Aus der poetischen Werkstatt. Gedichte in verschiedenen Fassungen, Textheft und Ergänzungsheft 1971 (gibt es noch antiquarisch): Wenn man zwei oder mehrere Fassungen des gleichen Gedichts vergleicht, kann man sehen, wie der Dichter mit der Idee gerungen, das heißt an der Form gefeilt hat, was in der Regel eine Verbesserung, beim alternden Goethe oft nur ein Glättung bedeutet. Aus Schildts Heft und aus eigenen Forschungen kann ich folgende Beispiele nennen:

Goethe: Mayfest (1771/75) https://de.wikisource.org/wiki/Mayfest_(Johann_Wolfgang_von_Goethe) → Mailied https://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/mailied.html

Goethe: Mit einem gemalten Band (zwei Fassungen, in Goethe: Hambuger Ausgabe Bd. 1, S. 25-27)

Goethe: Der König von Thule (zwei Fassungen, HA 1, S. 79 f.)

Goethe: An den Mond (zwei Fassungen, HA 1, S. 128-130)

Goethe: Bundeslied (zwei Fassungen, HA 1, S. 93-95)

Goethe: Auf dem See (1775/89) https://deutschunterlagen.files.wordpress.com/2014/12/goethe-aufm-zucc88richersee-materialien.pdf (beide Fassungen)

Goethe: Im Vorübergehn (vor 1813) https://deutsche-poesie.com/goethe/im-vorubergehn/ → Goethe: Gefunden (1813) https://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/gefunden.html

Goethe: Es schlug mein Herz (1771) → Willkommen und Abschied (1789) http://www.gedichte.co/goe_jw39.html (beide Fassungen)

C. F. Meyer: Rom: Springquell (1860) → Der schöne Brunnen (1864) → Der Brunnen (1865) → Der römische Brunnen (1870) → Der römische Brunnen (1882) https://deutschunterlagen.files.wordpress.com/2014/12/meyer-rocc88mischer-brunnen-6-fassungen.pdf (alle Fassungen)

C. F. Meyer: Der Erntewagen (1860) → Auf Goldgrund (1882/83) https://norberto42.wordpress.com/2012/01/29/c-f-meyer-auf-goldgrund-geschichte-des-textes-analyse/ (alle vier Fassungen)

C. F. Meyer: Abendbild (1870) → Zwei Segel (1882) https://norberto42.wordpress.com/2012/01/29/c-f-meyer-zwei-segel-geschichte-des-textes-analyse/, dazu: Eindoppeltes Leben (1875) https://books.google.de/books?id=JYldDwAAQBAJ&pg=PA11&lpg=PA11&dq=C.+F.+Meyer+%22ein+doppeltes+leben,+zwei+segel%22&source=bl&ots=o92K7jARBu&sig=ACfU3U3EEILFMaNNDYjaNOCViZQec8uVdQ&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwiwpovv0qHwAhWKhf0HHf6-APEQ6AEwAHoECAIQAw#v=onepage&q=C.%20F.%20Meyer%20%22ein%20doppeltes%20leben%2C%20zwei%20segel%22&f=false

C. F. Meyer: Kommet wieder (1869?) https://gedichte.xbib.de/Meyer_gedicht_022.+Kommet+wieder%21.htm → Möwenflug (1881/83) https://www.mumag.de/gedichte/mey_cf14.html

H. Hesse: Knarren eines geknickten Astes (drei Fassungen) https://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/hesse/gedichte.htm

G. Trakl: Herbstseele (August/September 1913) https://www.textlog.de/19468.html (1. Fassung) https://www.textlog.de/17553.html (2. Fass.)

Andreas Thalmayr: Das Wasserzeichen der Poesie, 1985, hat S. 181 ff. drei Fassungen eines Gedichts von Clemens Brentano und von Günter Eich. – In Georg Trakl: Das dichterische Werk, dtv 6001, 1972, werden S. 196 ff. Doppelfassungen vieler Gedichte Trakls aufgeführt.

Herder: Es sah ein Knab ein Röslein stehn (v. 1773 – unklar, wie weit Goethe hier mitgearbeitet hat) https://www.volksliederarchiv.de/es-sah-ein-knab-ein-roeslein-stehn/ → Goethe: Sah ein Knab ein Röslein stehn (1771) https://www.lieder-archiv.de/sah_ein_knab_ein_roeslein_stehn-notenblatt_300360.html

Andere Gedichtformen, die sich zum Vergleich zweier Gedichte eignen, sind die Replik, die Parodie und das Plagiat (s. „Wasserzeichen der Poesie“). Allgemein bekannt und verbreitet ist der Vergleich themengleicher Gedichte. – Vgl. meinen alten Aufsatz https://norberto68.wordpress.com/2012/10/15/gedichtvergleich-mehrere-fassungen-verwandte-gedichte/!

Beobachtungen über die Kunst zu denken

Christian Garve: Einige Beobachtungen über die Kunst zu denken, in: Garve: Versuche über verschiedene Gegenstände aus der Moral, der Litteratur und dem gesellschaftlichen Leben. Zweyter Theil. Breslau 1796, S. 245 ff. [Ich fasse Garves Gedanken kurz zusammen, im Indikativ.]

Dunkel ist die Entstehung der Gedanken in der Meditation. Sie unterliegt dem Willen, lebt aber auch von Eingebungen, die sich von selber unregelmäßig einstellen. Eigene Wahl und fremde Einflüsse bestimmen uns insgesamt.

Erste Abtheilung. (Über Hilfsmittel und Hindernisse des Denkens überhaupt)

1. Sich den Gegenstand lebhaft und ausführlich vorstellen, sich an eigenen Erfahrungen orientieren, das ist die beste Vorbereitung der Meditation.

2. Sich dem Strom der Ideen zu überlassen führt leicht auf Abwege. Müdigkeit verstärkt das Abschweifen, lebhaftes Interesse verhindert es.

3. Es ist schwierig, gerade das, was man denkt, zu sagen; im Aussprechen werden die Ideen leicht verändert. Nur ganz helle Einsichten werden klar ausgesprochen; jede Sprache färbt Ideen auf ihre Weise. Hohe Sprachfähigkeit erleichtert das Denken, Wort und Ausdruck bieten sich dann von selbst dar.

4. Mit Erfolg denkt man, wenn man lange ununterbrochen denken kann (Aufmerksamkeit, Konzentration); Übung hilft hier weiter. – Man soll seine Aufmerksamkeit nur auf eine Sache richten, und zwar so lange, bis man zu einem gewissen Ziel gekommen ist. Wem schnell etwas einfällt, der gibt sich leicht mit ersten Einfällen zufrieden und geht dann zum nächsten Thema über; man sollte üben, auch Durststrecken zu überstehen, statt sich zu zerstreuen.

5. Die Einfälle unterliegen nicht dem Willen; daher verfällt man leicht auf Verschiedenes, ohne es zu Ende zu bringen. – Einer stockenden Meditation kann man aufhelfen, wenn man nah verwandte Themen sich vor Augen führt.

6. Da unser Urteil über den Wert eines Themas schwankt, soll man Themen wählen, die einem wichtig sind; wenn die Lust daran vergeht, soll man sie aus Pflicht weiter verfolgen. Umso mehr ist es erforderlich, sein Thema umsichtig zu wählen. Wenn man dann etwas davon versteht, macht es noch mehr Freude, daran weiterzuarbeiten. „Die Reise zur Wahrheit ist, wie jede andere Reise. Der Weg geht über Sandfelder so gut, wie über grüne Auen; und man muß durch beyde hindurch, wenn man zum Ziele gelangen will.“ Je vortrefflicher das Erreichte ist, desto weniger kaschiert man Schwächen oder Fehler; aber Nebensächliches kann man ruhig unvollendet stehen lassen.

7. Am Anfang der Meditation muss man nicht auf vollkommene Ergebnisse aus sein, da kann man auch regellos denken: „Das gediegenste Gold liegt am tiefsten.“ Im zweiten Durchgang wird man die Ergebnisse der ersten Meditation sichten und ordnen; darauf erst folgt die Zusammenfügung und Rundung der geprüften Teile, schließlich die stilistische Feinarbeit.

8. (noch einmal als 7. gezählt) Vorbereitung der Meditation: sich mit den Gedanken der besten Köpfe vertraut machen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Bei der eigenen Untersuchung stören fremde Gedanken jedoch und verhindern, dass wir unser Eigenes finden.

9. (als 8. gezählt) Zur Vorbereitung gehört auch die gelegentliche Durchsicht unseres eigenen Gedankenvorrats. Man muss also sein Gedächtnis in Anspruch nehmen oder auf Notizen zurückgreifen können. Hier profitiert derjenige, der mit der Geschichte seiner eigenen Philosophie und seines eigenen Lebens bekannt ist. Besser ruft man seine Erfahrungen im stillen Selbstgespräch als mit der Feder in der Hand auf.

10. (als 9. gezählt) Der Anblick der schönen Natur und Bewegung befördern das Denken; im 16. Jahrhundert haben einige Gelehrte zu Pferde an ihren Werken gearbeitet. Ein Aufenthalt im Gebirge regt das Denken besonders an.

Zweyte Abtheilung

Darin geht es um die verschiedenen Methoden des Denkens, die hier nicht mehr berücksichtigt werden. „Ich nenne die erste die Methode des Unterrichts, oder die systematische, die zweyte die Methode der Erfindung, oder die Sokratische, die dritte die historische, die vierte die widerlegende, die fünfte die commentierende, die sechste, die beobachtende.“

https://archive.org/details/versucheberver02garvuoft/page/244/mode/2up (Text)

Frage: Kann man das für die Schule fruchtbar machen?

Einleitung: Wie leitet man einen Aufsatz ein?

Wie kann man einen problemorientierten Aufsatz, also eine in der Schule geforderte Analyse einleiten? Am einfachsten schaut man einmal, wie andere Leute ihre Aufsätze einleiten:
1. „Bei seiner Heimkehr hat Nathan erfahren, dass Recha aus seinem brennenden Haus von einem Tempelherrn gerettet worden ist, den Saladin begnadigt hatte (V. 84 ff.) und der jetzt verschwunden ist. Nathan bedenkt, was das wohl für seine Tochter bedeutet (V. 127 ff.), und vermutet, dass sie „schwärmt“ (V. 140), d.h. dass Kopf und Herz verwirrt sind und von Phantasie bestimmt werden, was Daja ihm bestätigt (V. 140 ff.). Nathan möchte dieses Problem in einem Gespräch klären (V. 155) und seine Tochter vom süßen Wahn zur süßeren Wahrheit führen (V. 161 ff.).“ (Szenenanalyse: Nathan der Weise I 2) Hier wird die Vorgeschichte des Gesprächs, also die Situation der Figuren des Gesprächs beschrieben; damit werden ihre Probleme erklärt, die zu lösen sind.

2. „Lessing hat dieses Sinngedicht am 11. Oktober 1752 in das Stammbuch eines seiner Wittenberger Universitätsbekannten geschrieben. Es wurde 1804 in den Obersächsischen Provinzialblättern veröffentlicht; heute steht es im Anhang der Lieder. Man kann es kaum unter „Anakreontik“ einordnen – es spielt zwischen altkluger Lebensweisheit und ruhiger Selbstbesinnung: ein eindrucksvolles Gedicht. Es greift in Kurzform die drei Aspekte auf, die Schopenhauer 1851 in seinen „Aphorismen zur Lebensweisheit“ reflektiert hat und für deren Formulierung er (offensichtlich zu Unrecht) den Primat beanspruchte: Was einer ist – Was einer hat – Was einer darstellt; bei Lessing werden sie in umgekehrter Reihenfolge bedacht.“ (Analyse von Lessings Gedicht „Ich“) Hier wird der Kontext beschrieben, in dem man das Gedicht verstehen kann (seine Entstehung, die Thematik).

3. „Gibt es eigentlich noch unentschiedene Wähler in den USA? Falls ja, versucht die Republikanische Partei offenbar nicht mehr, sie von den Vorzügen ihres Präsidentschaftskandidaten zu überzeugen; stattdessen…“ (Bericht in der SZ vom 3.11.2020 über die Unterdrückung von Wählerstimmen bei der Wahl in den USA am 4.11.2020) Hier wird mit einer Frage begonnen, die im Kontrast zum Thema hinführt.

4. „Als Jonas eines Morgens aus seinen Träumen erwachte, fand er sich in einer verlassenen Stadt wieder. Die Ursache dieser sozialen Katastrophe erfährt er nicht. So ließe sich sich Thomas Glavinics Roman ‚Die Arbeit der Nacht‘ zusammenfassen.“ (Besprechung eines Fotobandes Corona Nights Hamburg in der SZ vom 3.11.2020) Hier wird in Anspielung auf Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ eine Situation beschrieben/zitiert, die zum Thema des Fotobandes passt (Ähnlichkeit); solche schlauen Einleitungen fallen einem normalerweise nicht ein.

5. „Wenn vom Amazonas-Regenwald die Rede ist, denken die meisten als Erstes an die vielen verschiedenen Tiere und Pflanzen, die dort leben. Und als Zweites an die riesigen Flächen, die dort jedes Jahr abgeholzt werden“, während der Rest des Regenwaldes „als eine Art Paradies, in dem die Natur noch in Ordnung ist“, gilt. (Bericht über das Artensterben im Regenwald in der SZ vom 3.11.2020) Hier wird an eine falsche Vorstellung angeknüpft (Kontrast).

6. „Die Gesellschaft braucht im Umgang mit der Pandemie gute Vorbilder. Sie braucht Menschen, die Vernunft vorleben. Und sie braucht Politiker als Volksvertreter, die beweisen, dass sie sich an die von ihnen beschlossenen und zum Teil sehr harten Beschränkungen ohne Wenn und Aber selbst halten.“ (SZ vom 3.11.2020, Kommentar zur Verschiebung des CDU-Parteitags und der Möglichkeit digitaler Abstimmung) Hier wird dem Kommentar ein Prinzip, ein Maßstab der Beurteilung vorangestellt.

Auswertung: Zum Thema wird hingeleitet, d.h. der Hauptteil wird eingeleitet

  • durch Anknüpfung an etwas Ähnliches
  • durch Gegenüberstellung eines Kontrastes (oder einer falschen Vorstellung)
  • durch einen Bericht über die Vorgeschichte
  • durch eine Erklärung der Problematik (evtl. Vorgeschichte)
  • durch eine Übersicht über den Kontext
  • durch Berufung auf einen Maßstab (bei einem Kommentar).
  • Möglich wäre auch, mit einer Definition des Hauptbegriffs zu beginnen.

Eine Unterrichtsreihe zur Frage, wie man einen Aufsatz gliedert, findest du hier: https://norberto68.wordpress.com/2013/11/07/unterrichtsreihe-ordnen-gliedern-gliederung-anfertigen/

Bodo Friedrich gibt in „Kurze Stilistik. Eine Anleitung für Schüler“ (Berlin 1987) folgende Hinweise für die Gestaltung des Textbeginns (= Einleitung) beim Beschreiben und Erklären:

1. Man kann von Bekanntem ausgehen,

  • indem man einen allgemein bekannten Sachverhalt darstellt (Die Sonne scheint im Osten aufzugehen → die Zeitzonen der Erde)
  • indem man mit einer historischen Darstellung beginnt (= die Vorgeschichte) (Vor der Kolonialzeit lebten die indischen Bauern… → die Republik Indien)
  • indem man mit einer vorgestellten Situation beginnt (Wenn wir vom Ufer eines Teiches ins Wasser schauen… → Fische)

2. Man kann auch von Neuem ausgehen,

  • indem man den „Gegenstand“ einordnet oder gliedert (Es gibt fünf Kontinente auf der Erde, von denen Asien der größte ist → Asien)
  • indem man ihn definiert (Die Anekdote ist eine kurze, kennzeichnende Geschichte)
  • indem man ein Merkmal hervorhebt (Das Pantoffeltierchen lebt vorwiegend… → das Pantoffeltierchen)
  • indem man die Ausgangssituation charakterisiert (Zum Schnitzen benötigt man… → das Schnitzen).

Für die Formen des problemorientierten Schreibens gibt es in diesem von mehreren Verfassern bearbeiteten Buch keine Hinweise, wie man den Text einleiten kann. (Die Formulierungen Friedrichs sind nicht optimal, bei „Asien“ habe ich ihn korrigiert.)

Wenn man meine Hinweise mit denen von Bodo Friedrich vergleicht oder verbindet, bekommt man viele Hinweise darauf, wie man einen Text einleiten kann. Allerdings ist das heute oft kein Problem mehr, weil in der Aufgabenstellung häufig die Struktur des Aufsatzes bereits vorgegeben ist – aus Gründen der Standardisierung, da Aufsätze im Sinn der Vergleichbarkeit nach einem festen Punkteschema bewertet werden: der Tod jeder Kreativität, eine Erziehung zur Unselbständigkeit.

Gedichte für Klasse 5

Ich möchte einige Gedichte nennen, die sich jahrelang in meinem Unterricht bewährt haben – vielleicht auch als Anregung für eine Vertretungsstunde:

James Krüss: Der Zauberer Korinthe

https://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/OA_313811_S167_qd36fk_Gedichtvortrag.pdf

https://text-unlimited.de/wordpress/kaffee-tinte/ (kleine Fehler im Text)

Peter Hacks: Trip, trip, trop

(leider nicht im Netz greifbar)

James Krüss: Höpftbönnöff (aus: Mein Urgroßvater und ich, 1960)

https://books.google.de/books?id=cKqkBwAAQBAJ&pg=PT52&lpg=PT52&dq=%22eine+zeitung+f%C3%BCr+die+Bienen%22&source=bl&ots=pzpJGy6doa&sig=ACfU3U1yk6QoGHjC0fCa2r6N7OMpoA84JQ&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwizy6vugKzoAhVllFwKHQ33AacQ6AEwAHoECAcQAQ#v=onepage&q=%22eine%20zeitung%20f%C3%BCr%20die%20Bienen%22&f=false

Erich Kästner: Die Sache mit den Klößen

https://www.waldorf-ideen-pool.de/Schule/uebergreifend/rhythmischer-teil/gedichte/unterstufengedichte/verschiedene-gedichte-1/die-sache-mit-den-kloessen

Karl Krolow: Schlaflied im Sommer

Nun träumen im Kleefeld die Hasen…

(leider nicht im Netz greifbar)

Wilhelm Busch: Die Freunde

http://www.wilhelm-busch-seiten.de/gedichte/letzt58.html

(Dieses Gedicht diente bei mir oft dazu, ein paar Wochen später Fritz aus den Ferien einen Brief an Ferdinand schreiben zu lassen, in dem er seinem Freund erneut die Freundschaft anbietet.)

James Krüss: Das Feuer

Hörst du, wie die Flammen flüstern…

(leider nicht im Netz direkt greifbar)

Zu Krüss eine Klassenarbeit aus Kl. 5 des Gymnasiums:

Die Gestaltung eines Gedichtes verstehen und elementar beschreiben – eine Schulstunde

Aufgabenstellung:

1. Beschreibe den Aufbau des Gedichtes; beachte dabei, was der Sprecher tut.

2. Das Taktschema der 1. Strophe:

a) Zeichne das Taktschema der 1. Strophe.

b) Wie heißt dieser Takt?

c) Wo sind aufgrund des Taktschemas kleine Pausen beim Sprechen zu machen?

3. Das Taktschema der letzten Strophe:

a) Zeichne das Taktschema der letzten Strophe.

b) Was fällt dir auf, wenn du es mit dem Taktschema der 1. Strophe vergleichst? Wie erklärst du dir den Unterschied?

4. Reime:

a) Wie nennt man die Art des Reimens in den ersten fünf Strophen?

b) Erkläre dort an drei Reimpaaren, welche Beziehung durch den Reim zwischen den Versen gestiftet wird.

5. Zusatzaufgabe (ich weiß nicht, ob ihr dafür noch Zeit habt):

Ganz oft tauchen in diesem Gedicht Stabreime auf.

a) Nenne drei Beispiele dafür.

b) Kannst du beschreiben, wie das stabreimende Sprechen sich anhört (wie es also auf dich wirkt)?

Erläuterungen zu den Versen

4 brodeln: Kochendes Wasser brodelt (wirft Blasen auf).

4 brutzeln: Fleisch brutzelt in einer heißen Pfanne.

6 blecken: sehen lassen (mit „blicken“ verwandt)

9 rauchen: Rauch erzeugen

10 schmauchen: qualmen

Die Adjektive in V. 10 musst du von ihren Ursprungswörtern verstehen.

24 züngeln: (die Bewegung der Zunge machen) auf Flammen u.Ä. übertragen.

Beantworte die Fragen in ganzen Sätzen und nicht so, als ob du mit mir sprächest!

Viel Erfolg (und ein bisschen Freude am Gedicht)!

 

P.S. Um in den Takt einzuführen, könnte man vielleicht auf Morgensterns Gedicht „Der Tanz“ zurückgreifen; das ist so herrlich sinnlos-sinnvoll, dass aufgeweckte Kinder sicher ihre helle Freude daran haben – leider ist es semantisch ein bisschen anspruchsvoller, man muss einiges erklären, was ich hier getan habe.

Warum Rezensionen oft nichts taugen

Oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein in der SZ hoch gelobtes Buch mich total enttäuscht hat, dass ich mich zum Lesen zwingen musste und öfter nicht über Seite 35 hinausgekommen bin. Jetzt habe ich bei Schlegel den Grund dafür gefunden, indem ich die Rezensenten als Leser betrachte:

Wenn wir nur recht viel klassische Leser hätten: einige klassische Schriftsteller, glaube ich, fänden sich noch wohl. Sie lesen viel und vieles; aber wie und was? Wie viele gibt es denn wohl, welche, nachdem der Reitz der Neuheit ganz vorüber ist, zu einer Schrift, die es verdient, immer von Neuem zurückkehren können; nicht um die Zeit zu tödten, noch um Kenntnisse von dieser oder jener Sache zu erwerben, sondern um sich den Eindruck durch die Wiederholung schärfer zu bestimmen und um sich das Beste ganz anzueignen? So lange es daran fehlt, muß ein reifes Urtheil über die geschriebenen Kunstwerke unter die seltensten Seltenheiten gehören.“ Friedrich Schlegel (in: Akkorde Deutscher Classiker über Philosophie des Lebens, Carlsruhe 1818, S. 129 = § 261, http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2006/3129/pdf/AkkordeClassikerPhilo-1818.pdf)

Eine Rezension schreiben

Zunächst einige Beispiele aus meiner Feder:

https://norberto42.wordpress.com/2017/06/25/p-von-matt-fertig-ist-das-angesicht-gelesen-2/

https://norberto42.wordpress.com/2016/11/05/willemsen-das-hohe-haus-2014-besprechung/

https://also42.wordpress.com/2017/06/23/ch-taylor-das-sprachbegabte-tier-2017-rezension/

http://re-visionen.net/rezension-thomas-steinfeld-herr-der-gespenster/

Was man im Netz unter „Rezension schreiben“ oder „Rezension Aufbau“ findet:

http://www.schreibsuchti.de/2013/03/28/buchrezension-schreiben-so-geht-s-tipps-fuer-aufbau-und-sprache/ (Anleitung, mit Beispiel)

http://www.dr.von-goeler.de/Leitfaden_Buchrezension.pdf (umfangreiche Anleitung)

https://www.textbroker.de/wie-sie-eine-gelungene-rezension-verfassen

http://www.literaturzeitschrift.de/rezension/

https://lehrerfortbildung-bw.de/u_sprachlit/deutsch/gym/bp2004/fb3/02_feld/3_form/1_rezension/1_bspl/ (Anleitung, wie Lehrer ihre Schüler befähigen sollen, Rezensionen zu schreiben – kann man auch unabhängig vom Lehrer durcharbeiten)

Mit Herrn Löhr, dem Eigentümer der Seite re-visionen, konnte ich mich nicht einigen, ob die Ich-Form für eine Rezension angebracht ist (Dr. von Goeler sagt: nicht ausufern lassen!); ich meine, es sei ehrlicher, sich nicht hinter einer scheinbaren Allgemeingültigkeit („man“, „der Leser“) zu verstecken, zumal da man mit seinem Namen für die Rezension geradesteht. Herr Löhr stritt das ohne weitere Begründung ab.

Ich habe daraufhin geprüft, was andere Leute sagen:
https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/deutsch-abitur/artikel/rezension
 (keine Äußerung zur Form)

http://www.fachdidaktik-einecke.de/9c_Meth_Textproduktion/rezension.htm (mit „ich“)

http://www.schreibsuchti.de/2013/03/28/buchrezension-schreiben-so-geht-s-tipps-fuer-aufbau-und-sprache/ („ich“ gebraucht)

https://de.wikipedia.org/wiki/Literaturkritik :

Weit populärer [als fachwissenschaftliche Rezensionen, N.T.] sind jedoch die kleineren publizistischen Formen, die ihren Niederschlag in Fachzeitschriften und vor allem im Feuilleton von Zeitungen und Zeitschriften finden:

  • in Literaturrezensionen, die als essayartige Abhandlungen analog zum literaturwissenschaftlichen Ansatz für ihre noch sehr weitgehende, Quellen kennzeichnende und mehrere Seiten umfassende Analyse eines Werkes jedoch eine literarische Ausformung suchen, meist in zuspitzender Pointierung, bei negativer Bewertung zuweilen sogar als Polemik. Autoren solcher Literaturkritiken machen sich selbst dabei als Person durchaus kenntlich und nutzen für diese Art der Rückschau auf ein literarisches Werk zumeist die Ich-Perspektive.
  • in Literaturrezensionen bzw. Buchbesprechungen, die vergleichsweise knapp den Inhalt eines Werkes nur noch andeuten – ohne z. B. das Ende zu verraten – und dem dann eine etwas ausführlichere Bewertung des Gesamteindrucks anfügen. Sie umfassen in der Regel ein bis drei Normseiten, als Kurzhinweise zuweilen weit weniger. Autoren solcher Literaturkritiken bleiben als Person im Hintergrund. Selbst ihre namentliche Signatur am Ende ihrer Artikel wird bei Zitaten nicht selten unterschlagen und nur noch das sie veröffentlichende Printmedium genannt. Sehr große Verbreitung finden Literaturrezensionen im Internet, wobei hier inzwischen vermehrt auch auf reine Kundenmeinungen abgehoben wird.“

Äußerungen einzelner Fachleute zur Streitfrage:

  • also, Beispiele für subjektive Rezensionen gibt es en masse (Heinrich Böll etwa). Die These Ihres redakteurs ist schon mal literaturhistorisch haltlos“ (Hartmut Finkeldey)
  • Lieber Herr Tholen,das liegt in Ihrem Ermessen und dem Ihrer Redaktion. Es ist in den Feuilletons eher unüblich, aber durchaus manchmal gerechtfertigt. Wenn es für einen privaten Blog ist, dann würde ich so schreiben, wie es Ihnen in der Feder liegt. Wichtig ist, unabhängig von Ich-Form, ohnehin die Argumentation und Begründung.“ (Insa Wilke)
  • Sehr geehrter Herr Tholen, Rezension ist ja ein Sammelbegriff für verschiedene, eher kreative Textsorten, es kommt auf den Kontext an, sowohl auf das besprochene Werk als auch auf das Publikationsorgan, in das sich die Rezension stimmig einfügen (und doch darin etwas Besonderes darstellen) muss. Grundsätzlich ein Ja, auch wenn es eher unüblich ist, daher sollte ein Grund, weshalb ein Ich spricht, erkennbar werden. Sie sollten es (aus dem Werk oder dem Kontext heraus) motivieren (was nicht explizit sein muss und nur für den geübten Leser erkennbar sein kann).“ (Prof. Dr. Stefan Neuhaus)
  • Ich-Texte sind jedenfalls kein Standard. Erste Anregungen zum Thema finden Sie vielleicht schon hier in meiner Kolumne von 2011 zum Thema: https://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13109870/I-wie-Ich.html(Marc Reichwein) [Diese Kolumne ist ausgesprochen geistreich und lesenswert!]

Sachtext zusammenfassen (2. Beispiel: Zeitungsbericht)

30. Mai 2017| 13.20 Uhr (rp-online)

„Paddeln statt Datteln“

Medienkonsum-Studie scheitert an Jugendsprache

Düsseldorf. In den sozialen Netzwerken amüsieren sich viele User über die Präsentation der Blikk-Studie zum übermäßigen Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen. Grund sind darin enthaltene absurde Formulierungen und Bilder. Das zuständige Institut verteidigt sein Konzept.  Von Marcel Romahn

70 Prozent der Kinder im Kita-Alter nutzen das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde am Tag. Konzentrationsprobleme, Hyperaktivität und Einschlafstörungen seien die Folge. Diese beunruhigende Entwicklung zeichnet sich in der Blikk-Studie ab, die am Montag von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Das Thema ist ernst. Doch die Präsentation zur Studie, die vom Fachbereich Medizinökonomie und Gesundheit der Rheinischen Fachhochschule Köln erstellt wurde, provoziert in den sozialen Netzwerken Hohn und Spott. Denn einige Schlagworte und Bilder darin – da sind sich die User auf Facebook und Twitter einig – passen eher in die Kategorie „unfreiwillig komisch“.

Gewollter „Eyecatcher“ 

„Bicken statt Liken“ heißt es auf einer der Präsentationsseiten. Gemeint ist, dass sich Kinder eher draußen in der Natur aufhalten oder Sport machen sollten, anstatt lange Zeit mit dem Smartphone beispielsweise auf Facebook zu surfen. Der Rechtschreibfehler im englischen Wort (eigentlich: biken) führt diesen Leitsatz jedoch ad absurdum. 

Außerdem amüsieren sich viele User über den offenbar vergeblichen Versuch des Instituts, die Jugendsprache in ihre Präsentation einzubinden. „Paddeln statt Datteln“, lautet ein weiterer Schlagsatz. Gemeint ist hier offenbar das Wort „daddeln“ (umgangssprachlich für: Videospiele spielen) und nicht etwa die Frucht. „Was haben die gegen Datteln?“, spottet ein User. 

Auch die Bebilderung der Präsentation, die offenbar eine Bilderbuchfamilie in ihrem Alltag darstellen soll, wirkt in den Augen der Kritiker unrealistisch, komisch und absurd – etwa, wenn eine Familie mit breitem Grinsen beim gemeinsamen Essen oder dicht gedrängt auf der Wohnzimmercouch abgebildet wird. 

Trotz aller Kritik verteidigt das zuständige Institut für Medizinökonomie und Gesundheit der Rheinischen Fachhochschule Köln die Gestaltung der Präsentation. „Es wurden bewusst für die beiden alternativ genannten Aktivitäten zur digitalen Medien-Nutzung ‚Bicken statt Liken‘ und ‚Paddeln statt Datteln‘ falsche Schreibweisen gewählt, um bei der heutigen Informationsflut einen Eyecatcher für die Wahrnehmung unserer Empfehlungen zu generieren“, sagte Vizepräsident Rainer Riedel auf Anfrage unserer Redaktion. 

Da diese Blickfänger jedoch offenbar von der Öffentlichkeit so nicht wahrgenommen wurden, habe man sich nun dazu entschlossen, die Begriffe zu korrigieren. 

 

Meine Zusammenfassung

In der rp-online vom 30. Mai 2017 berichtet Marcel Romahn unter der Überschrift „Paddeln statt Datteln“ über Kritik an der Blikk-Studie über Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen.

Zunächst wird die Studie kurz vorgestellt: Die starke Benutzung von Smartphones führe zu Unruhe und Schlafstörungen der Kinder. Die Präsentation der Studie habe Spott und Hohn in den sozialen Netzwerken hervorgerufen, da sie oft unfreiwillig komisch wirke. An mehreren Beispielen erklärt Romahn, wieso das der Fall ist. Das zuständige Institut habe sich damit verteidigt, dass bewusst falsche Schreibweisen gewählt worden seien, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen; da dies misslungen sei, werde man die missverständlichenBegriffe korrigieren.

Marcel Romahn hat selber eine kurze Zusammenfassung seines Textes an den Anfang gestellt.

Diskussion

  • Diesmal habe ich mich entschlossen, Rohmans Zusammenfassung zu erwähnen, da es sich um eine sachliche Zusammenfassung handelt.
  • Ich habe diese Erwähnung an den Schluss gestellt, weil sie dort den Text gut abschließt; man könnte auch erwägen, sie an den Anfang zu stellen: „Am Anfang des Textes steht eine Zusammenfassung des Artikels.“ Dann kann man natürlich nicht mit „Zunächst…“ fortfahren.
  • Der Beginn der Zusammenfassung ist mit dem Adverb „Zunächst“ markiert.
  • Die Erläuterung der Kritik anhand der Beispiele wird unter dem Sammelbegriff „Beispiele“ zusammengefasst. 
  • Name und Funktion des Vizepräsidenten treten hinter der Institution des Instituts zurück, werden also nicht erwähnt.
  • Ich wechsele zwischen Verben des Sagens plus Indikativ (vorstellen, erklären) und der Wiedergabe des Inhalts in der indirekten Rede (Konjunktiv I).

Sachtext zusammenfassen (Beispiel Zeitungsbericht)

29. Mai 2017 | 13.42 Uhr (rp-online)

Studie zu Medienkonsum

Schon Kleinkinder hängen täglich am Smartphone

Berlin. 70 Prozent der Kinder im Kita-Alter nutzen das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde am Tag. Schon Säuglinge sind hyperaktiv, wenn Mama stets am Tablet hängt. Experten warnen vor den Gefahren – aber auch vor einer einseitigen Diskussion.

Konzentrationsprobleme, Hyperaktivität und Einschlafstörungen schon bei Säuglingen: Ein übermäßiger Medienkonsum gefährdet die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Das geht aus der Blikk-Studie hervor, die am Montag von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), vorgestellt wurde. Bereits Babys unter einem Jahr haben demnach Fütter- und Einschlafstörungen, wenn die Mutter parallel zur Betreuung ihres Kindes digitale Medien nutzt. Zudem benutzen schon 70 Prozent der Kinder im Kita-Alter das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich.

Zwei- bis Fünfjährige sind der Studie zufolge bei regelmäßiger Nutzung von Bildschirmmedien nicht nur zappeliger und haben Konzentrationsstörungen. Bei täglicher Mediennutzung zeigen sich zudem Störungen bei der Sprachentwicklung. Die Kinder sind außerdem oft unruhig und schnell ablenkbar.

Hyperaktiv und unkonzentriert

Auch Kinder ab etwa sieben Jahren und Jugendliche, die mehr als eine Stunde pro Tag an ihrem Smartphone oder Tablet hängen, sind oft hyperaktiv oder unkonzentriert. Sie greifen auch mehr zu süßen Getränken und Süßigkeiten und sind häufiger dick.

In die Studie, aus der Medien schon in den vergangenen Tagen zitiert hatten, wurden zwischen Juni 2016 und Januar 2017 mehr als 5500 Kinder und Jugendliche einbezogen. Grundlage sind die Vorsorgeuntersuchungen, die sogenannten U-Untersuchungen, beim Kinderarzt sowie Elternbefragungen.

In Deutschland gelten mittlerweile rund 600.000 Jugendliche und junge Erwachsene als internetabhängig und zweieinhalb Millionen als problematische Internetnutzer. „Wir müssen die gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung ernst nehmen“, erklärte Mortler. „Kleinkinder brauchen kein Smartphone.“ Sie müssten erst einmal lernen, mit beiden Beinen sicher im realen Leben zu stehen. Es sei daher dringend notwendig, Eltern beim Thema Mediennutzung Orientierung zu geben, forderte die Drogenbeauftragte.

Experten warnen vor einseitiger Diskussion

Die Würzburger Medienpsychologin Astrid Carolus warnte indes vor einer einseitigen Diskussion über die Smartphonenutzung bei Kindern und Jugendlichen. Dass der Umgang mit Smartphones negative Folgen habe, gehe aus der Studie nicht eindeutig hervor, sagte Carolus im Deutschlandfunk. Nachgewiesen worden seien lediglich statistisch signifikante Zusammenhänge, aber keine klare Beziehung zwischen Ursache und Wirkung.

Die Wissenschaftlerin sprach sich gegen Smartphoneverbote für Kinder aus. Diese gingen an der Realität vorbei. Die jungen Menschen wüchsen heute in einer digitalisierten Welt auf und müssten den richtigen Umgang mit den Geräten lernen.

(oko/AFP)

 

Meine Zusammenfassung

In der rp-online vom 29. Mai 2017 wird unter der Überschrift „Studie zu Medienkonsum“ über eine am gleichen Tag veröffentlichte Studie zum Medienkonsum von Kindern berichtet.

Es werden zunächst die gemäß der Blikk-Studie negativen Folgen übermäßiger Mediennutzung für Kinder und Jugendliche referiert: Schlafstörungen, Unruhe, Konzentrationsprobleme, schlechte Essgewohnheiten. Grundlage der Studie seien Befragungen von mehr als 5.500 Kindern und Jugendlichen sowie Elternbefragungen seit Juni 2016. Frau Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, habe auf die Risiken der Digitalisierung hingewiesen. Die Medienpsychologin Carolus habe jedoch vor einer einseitigen Interpretation der Studie gewarnt; es komme darauf an, dass Kinder den richtigen Umgang mit den Medien lernten.

Diskussion:

  • Dass die Studie am gleichen Tag veröffentlicht wurde, ergibt sich aus dem Datum des Artikels und der Datierung „am Montag“, die auf den Bericht in der am folgenden Tag erscheinenden Zeitung zielt.
  • Frage: Sollte man in den Einleitungssatz die Quellenangabe („auf der Grundlage einer Agenturmeldung“) aufnehmen? 
  • Ich habe die einleitenden Zeilen nicht berücksichtigt, weil sie [Ergebnis der voraufgehenden Analyse!] nur einige auffällige Einzelheiten herausheben, um den Leser für den ganzen Artikel zu interessieren. Genauso werden die Zwischenüberschriften und der Untertitel hier [anders als in einer Analyse!] nicht beachtet.
  • Die folgenden drei Absätze habe ich summarisch referiert, weil sie die negativen Auswirkungen (gleiches Thema) auf die verschiedenen Altersstufen darstellen.
  • Der Satz „In Deutschland gelten…“ ist ein Irrläufer, der nicht berücksichtigt wird.
  • Hier und auch im Folgenden zeigt sich, dass einer Zusammenfassung eine Analyse voraufgehen muss: Die letzten drei Absätze sind den unterschiedlichen Bewertungen von Frau Mortler und Frau Carolus gewidmet, man kann sie auf diesen Unterschied hin zusammenfassen.
  • Frau Mortler wird mit ihrer Funktion vorgestellt, weil sie die Studie veranlasst bzw. vorgestellt hat. Bei Frau Carolus sollte man den Beruf „Medienpsychologin“ nennen, weil sie damit als fachlich qualifiziert vorgestellt wird.
  • Fazit: Diese Art von Zeitungsberichten (Bericht über eine gerade veröffentlichte Studie) stellt eigentümliche Anforderungen an eine Zusammenfassung.