Einen Sachtext zusammenfassen – Beispiel

Auf der Seite des ISB (http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26704) findet man u.a. folgendes Aufgabenbeispiel: Zusammenfassen eines Sachtexts in Form der Textproduktion (ich verändere die Typografie und kürze Erläuterungen, um anschließend meine Lösung und die vorgegebene Musterlösung zu diskutieren):

Zusammenfassung eines Sachtextes in Form der Textproduktion

Aufgabenstellung: Fasse den Text in eigenen Worten zusammen. Stelle eine vorinformierende Einleitung voran.

Claudia Wolters, Iss das Richtige – aber was?

Wenn Familien mit übergewichtigen Kindern ihre Ernährung umstellen, dann hilft nur eines: alle müssen mitmachen, die Eltern als Vorbilder sowieso und Geschwister auch, als Unterstützer. Alles andere würde das übergewichtige Kind in der eigenen Familie zum Außenseiter machen. Außerdem ist hier ja keine Diät angesagt, die irgendwann anfängt und irgendwann auch wieder aufhört und dann kehrt man zu den alten Gewohnheiten zurück. Im Gegenteil: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist für die ganze Familie sinnvoll und soll ja auch dauerhaft beibehalten werden. Zudem ist in vielen Familien das Problem Übergewicht ein Familienproblem und nicht nur das eines einzelnen Kindes.

Ziel ist es, die Nahrungsauswahl und das Essverhalten dauerhaft so zu verändern, dass ein Gleichgewicht entsteht zwischen dem Energieangebot und der tatsächliche verbrauchten Energie. Weder Kalorienzählen noch FdH (Friss die Hälfte) ist bei Kindern angebracht. Obst, Gemüse und Vollkornprodukte machen satt, vor allem, wenn ausreichend Wasser dazu getrunken wird und die Ballaststoffe dadurch aufquellen können. Schon dadurch essen Kinder insgesamt weniger.

Ein Glas Wasser zu Beginn der Mahlzeit bremst den Hunger. Außerdem sollte gutes und langsames Kauen trainiert werden. Jeden Bissen vor dem Runterschlucken gründlich kauen. Ablenkungen am Tisch sollten vermieden werden, z.B. durch Spielzeuge oder gar durch Fernsehen. Sowieso ist eine gemeinsame Mahlzeit an einem nett gedeckten Tisch die Basis für ein gesundes Ernährungsverhalten.

Überhaupt: eine wichtige Regel beim Essen heißt: höre auf das eigene Sättigungsgefühl und lass Essen stehen, auch wenn der Teller noch nicht leer ist. Vorbei sein sollten die Zeiten, in denen aufgegessen werden muss, was auf den Teller kommt. Kindern sollte zugestanden werden, dass sie das Einschätzen erst noch lernen müssen. Auch wenn die Augen manchmal größer sind als der Appetit. Auch Nachtisch sollte es unabhängig davon geben, ob der Teller leer ist oder nicht. Solche altertümlichen Tischregeln gehören in die Mottenkiste.

[…] „5 am Tag“ ist optimal, was Obst und Gemüse anbelangt. Dabei entspricht eine Portion ungefähr einer Kinderhand voll, am besten dreimal Gemüse und zweimal Obst. Obst und Gemüse sollten ungefähr 35% der kindlichen Ernährung ausmachen. Dadurch ist gewährleistet, dass es ausreichend mit Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen versorgt wird. Zudem sind Obst und Gemüse fast fettfrei und eignen sich hervorragend als kleine Zwischenmahlzeiten. Möhren, Gurken, Kohlrabi, Paprika sind als Rohkost eine lecke Alternative, die auch vielen Kindern schmeckt, z.B. für Gemüsemuffel als kleine bunte Spieße, oder als Gemüsestäbchen mit Dip. Ein Teller mit einer Obst-Blüte aus verschiedenen Obstsorten, Apfel, Banane, Kiwi, Mandarine als Blütenblätter oder was die Jahreszeit gerade hergibt ist eine gerne akzeptierte Zwischenmahlzeit und wirkt am besten, bevor die Frage nach den Süßigkeiten kommt. Lieber gesunde und leichte Zwischenmahlzeiten, als Heißhunger entstehen lassen.

[…]

Da Genuss und seelisches Wohlbefinden nicht zu kurz kommen sollen, sind auch Süßigkeiten in Maßen erlaubt. Gerade hier hängt das Essverhalten aber entscheidend mit der Verfügbarkeit zusammen. Wenn mein Kind weniger Süßes essen soll, aber genau weiß, das ganze Süßigkeitendepot, die Schublade oder der Schrank, ist voll mit verführerischen Leckereien, dann ist es natürlich umso schwerer, weniger davon zu essen. Je weniger im Haus ist, desto einfacher ist der Süßigkeitenkonsum einzuschränken. Einmal am Tag eine Kleinigkeit, einige Gummibärchen oder statt der ganzen Tafel Schokolade nur einige Stückchen, können aber durchaus drin sein. Etwa 10% der täglichen Energie in Form von Süßigkeiten sind akzeptabel. Süßigkeitenkalender können vielleicht helfen und je mehr das Kind zu tun hat, desto unwichtiger werden die Naschereien zwischendurch. Wer tobt, klettert oder intensiv spielt, eine Radtour macht oder angelt, ist weit weg von den Süßigkeitendepots und anderweitig beschäftigt. Langeweile oder fernsehen hingegen sind verführerisch für Knabbern ohne Maß.

Die Lehrer in den Schulen stellen verstärkt fest, dass Süßgetränke wie Eistee oder Limonade zum Standard in der Pausenverpflegung gehören. Obwohl viele Schulen bereits Mineralwasser als Alternative anbieten, bringen etliche Kinder in ihrem Ranzen die süßen Getränke mit. Dabei ist Wasser der beste Durstlöscher, ob in der Schule oder Zuhause. Saftschorlen (im Verhältnis 1:1) oder ungesüßte Tees sind ebenfalls in Ordnung. Limonade, Cola, Eistees oder reine Säfte sind wegen ihres hohen Zuckergehaltes wenig geeignet. Und den Durst löschen sie eigentlich auch nicht, sondern machen nur Lust auf mehr. Kinder haben pro Kilogramm Körpergewicht einen viel höheren Flüssigkeitsbedarf als Erwachsene. Sieben- bis neunjährige sollten mindestens einen Liter pro Tag trinken. Ein Glas der üblichen Süßgetränke hat in etwa den gleichen Energiegehalt wie eine Scheibe Brot. Bei einem Liter dieser Getränke hat das Kind schon einen großen Teil seines Tagesenergiebedarfs gedeckt. Und das ist einfach zuviel.

Beispiel für einen Schreibplan:

1   Essensumstellung der ganzen Familie herbeiführen

2   Wasser vor jeder Mahlzeit trinken

3   Auf langsames Kauen achten

4   Keine Ablenkung beim Essen erlauben

5   Sättigungsgefühl beachten

6   Auf das Gleichgewicht von Energiebedarf und Energieaufnahme achten

7   Gut ein Drittel Obst und Gemüse essen

8   Süßigkeiten in geringen Mengen erlauben

9   Süßigkeiten wegschließen

10 Für Bewegung der Kinder sorgen

11 Mineralwasser statt Süßgetränke anbieten

 

Mein erster Lösungsversuch:

In dem WDR-Beitrag „Iss das Richtige – aber was?“ aus dem Jahr 2004 gibt Claudia Wolters Ratschläge, worauf bei einer gesunden Ernährung übergewichtiger Kinder zu achten ist.

Wichtig sei, dass die ganze Familie ihre Ernährung zusammen mit dem Kind umstellt. Es solle dauerhaft ein Gleichgewicht zwischen Ernährung und Energieverbrauch hergestellt werden; Frau Wolters gibt eine Reihe von Tipps, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Obst und Gemüse sollten mehrmals täglich gegessen werden. Auch Süßigkeiten seien in geringem Umfang erlaubt. Trinken dürfe ein Kind aber nur Wasser, Saftschorle oder ungesüßten Tee.

Diskussion:

  1. a) Wenn man das „Beispiel für einen Schreibplan“ (s.o.) als Musterlösung in Stichworten ansieht, muss man Nr. 2-5 streichen; denn das sind bloß Einzelheiten (gleichwertig mit „nicht Reste aufessen“ oder „nicht zur Strafe Nachtisch entziehen“, welche aber fehlen); das Gleiche gilt für Nr. 9 und 10 sowie für die Angabe „ein Drittel“ in Nr. 7. Nr. 11 ist dagegen (wegen „Mineralwasser“) zu eng gefasst; besser wäre „Wasser oder energiearme Getränke“.
  2. b) In meiner Lösung kann man den letzten Satz als zu sehr in die Einzelheiten gehend kritisieren. Besser ist vermutlich: „Trinken dürfe ein Kind reichlich Wasser oder energiearme Getränke.“

Im Einleitungssatz habe ich neben Autor, Titel und medialem Ort genannt: die Textsorte (gibt Ratschläge) und das Thema (worauf … zu achten ist). Für das Thema gibt es m.E. keine Alternative. Im Hauptteil habe ich genannt

die Bedingung des Gelingens (Familie macht mit)

das Ziel der Umstellung (dauerhaft Gleichgewicht herstellen)

die praktischen Tipps nicht (da „Einzelheiten“) – wesentlich ist die Unterscheidung zwischen Tipps und Grundsätzen

die drei Grundsätze gesunder Ernährung (Obst, Süßigkeiten, Getränke); es fehlt der Grundsatz „Höre auf das eigene Sättigungsgefühl!“.

Ein abschließender Satz ist nicht erforderlich; ein Hinweis auf den umgangssprachlichen Stil gehört nicht in eine Zusammenfassung, sondern in eine Analyse. Frage ist, ob der Begriff „Grundsätze“ in der Zusammenfassung auftauchen darf oder muss (etwa: „Folgende Grundsätze sollten für die gesunde Ernährung gelten:“). Ohne diesen Satz lautet meine endgültige Lösung:

In dem WDR-Beitrag „Iss das Richtige – aber was?“ aus dem Jahr 2004 gibt Claudia Wolters Ratschläge, worauf bei einer gesunden Ernährung übergewichtiger Kinder zu achten ist.

Wichtig sei, dass die ganze Familie ihre Ernährung zusammen mit dem Kind umstellt. Es solle dauerhaft ein Gleichgewicht zwischen Ernährung und Energieverbrauch hergestellt werden; Frau Wolters gibt eine Reihe von Tipps, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Grundsätzlich sollte man auf das eigene Sättigungsgefühl hören. Obst und Gemüse sollten mehrmals täglich gegessen werden. Auch Süßigkeiten seien in geringem Umfang erlaubt. Trinken dürfe ein Kind reichlich Wasser oder energiearme Getränke.

 

Weitere Einsichten:

Es gehört, wenn das eine Aufgabe für Kl. 7 ist, eine Reihe schwieriger Wörter erklärt, z.B. „gehören in die Mottenkiste“, „anbelangen, gewährleisten“ u.a.

Die Fehler im Text müssten korrigiert werden, die Umgangssprache bleibt selbstverständlich erhalten (Stil der Autorin bzw. des Beitrags).

Für die Textsorte „Ratschläge geben“ sind die sprachlichen Handlungen „Tipps geben“ und „Grundsätze aufstellen“ wesentlich.

Referiert werden Inhalte im Konjunktiv I.

Für komplexere Texte kommen weitere sprachliche Handlungen in Betracht: „unterscheiden, aufzählen, einschränken“ usw., siehe meine Überlegungen zur Textanalyse (https://norberto68.wordpress.com/2013/11/07/analyse-theoretischer-texte/), die evtl. erweitert werden müssten: Ein umfangreicher oder komplexer Text kann nicht ohne Textanalyse und die Bezeichnung sprachlich-gedanklicher Handlungen zusammengefasst werden.

Neben der Form der Textproduktion ist auch die Form einer Auflistung als Zusammenfassung möglich, siehe das zweite (resp. erste) Beispiel auf der Seite des ISB.

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Sachtext zusammenfassen (2. Beispiel: Zeitungsbericht)

30. Mai 2017| 13.20 Uhr (rp-online)

„Paddeln statt Datteln“

Medienkonsum-Studie scheitert an Jugendsprache

Düsseldorf. In den sozialen Netzwerken amüsieren sich viele User über die Präsentation der Blikk-Studie zum übermäßigen Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen. Grund sind darin enthaltene absurde Formulierungen und Bilder. Das zuständige Institut verteidigt sein Konzept.  Von Marcel Romahn

70 Prozent der Kinder im Kita-Alter nutzen das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde am Tag. Konzentrationsprobleme, Hyperaktivität und Einschlafstörungen seien die Folge. Diese beunruhigende Entwicklung zeichnet sich in der Blikk-Studie ab, die am Montag von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Das Thema ist ernst. Doch die Präsentation zur Studie, die vom Fachbereich Medizinökonomie und Gesundheit der Rheinischen Fachhochschule Köln erstellt wurde, provoziert in den sozialen Netzwerken Hohn und Spott. Denn einige Schlagworte und Bilder darin – da sind sich die User auf Facebook und Twitter einig – passen eher in die Kategorie „unfreiwillig komisch“.

Gewollter „Eyecatcher“ 

„Bicken statt Liken“ heißt es auf einer der Präsentationsseiten. Gemeint ist, dass sich Kinder eher draußen in der Natur aufhalten oder Sport machen sollten, anstatt lange Zeit mit dem Smartphone beispielsweise auf Facebook zu surfen. Der Rechtschreibfehler im englischen Wort (eigentlich: biken) führt diesen Leitsatz jedoch ad absurdum. 

Außerdem amüsieren sich viele User über den offenbar vergeblichen Versuch des Instituts, die Jugendsprache in ihre Präsentation einzubinden. „Paddeln statt Datteln“, lautet ein weiterer Schlagsatz. Gemeint ist hier offenbar das Wort „daddeln“ (umgangssprachlich für: Videospiele spielen) und nicht etwa die Frucht. „Was haben die gegen Datteln?“, spottet ein User. 

Auch die Bebilderung der Präsentation, die offenbar eine Bilderbuchfamilie in ihrem Alltag darstellen soll, wirkt in den Augen der Kritiker unrealistisch, komisch und absurd – etwa, wenn eine Familie mit breitem Grinsen beim gemeinsamen Essen oder dicht gedrängt auf der Wohnzimmercouch abgebildet wird. 

Trotz aller Kritik verteidigt das zuständige Institut für Medizinökonomie und Gesundheit der Rheinischen Fachhochschule Köln die Gestaltung der Präsentation. „Es wurden bewusst für die beiden alternativ genannten Aktivitäten zur digitalen Medien-Nutzung ‚Bicken statt Liken‘ und ‚Paddeln statt Datteln‘ falsche Schreibweisen gewählt, um bei der heutigen Informationsflut einen Eyecatcher für die Wahrnehmung unserer Empfehlungen zu generieren“, sagte Vizepräsident Rainer Riedel auf Anfrage unserer Redaktion. 

Da diese Blickfänger jedoch offenbar von der Öffentlichkeit so nicht wahrgenommen wurden, habe man sich nun dazu entschlossen, die Begriffe zu korrigieren. 

 

Meine Zusammenfassung

In der rp-online vom 30. Mai 2017 berichtet Marcel Romahn unter der Überschrift „Paddeln statt Datteln“ über Kritik an der Blikk-Studie über Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen.

Zunächst wird die Studie kurz vorgestellt: Die starke Benutzung von Smartphones führe zu Unruhe und Schlafstörungen der Kinder. Die Präsentation der Studie habe Spott und Hohn in den sozialen Netzwerken hervorgerufen, da sie oft unfreiwillig komisch wirke. An mehreren Beispielen erklärt Romahn, wieso das der Fall ist. Das zuständige Institut habe sich damit verteidigt, dass bewusst falsche Schreibweisen gewählt worden seien, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen; da dies misslungen sei, werde man die missverständlichenBegriffe korrigieren.

Marcel Romahn hat selber eine kurze Zusammenfassung seines Textes an den Anfang gestellt.

Diskussion

  • Diesmal habe ich mich entschlossen, Rohmans Zusammenfassung zu erwähnen, da es sich um eine sachliche Zusammenfassung handelt.
  • Ich habe diese Erwähnung an den Schluss gestellt, weil sie dort den Text gut abschließt; man könnte auch erwägen, sie an den Anfang zu stellen: „Am Anfang des Textes steht eine Zusammenfassung des Artikels.“ Dann kann man natürlich nicht mit „Zunächst…“ fortfahren.
  • Der Beginn der Zusammenfassung ist mit dem Adverb „Zunächst“ markiert.
  • Die Erläuterung der Kritik anhand der Beispiele wird unter dem Sammelbegriff „Beispiele“ zusammengefasst. 
  • Name und Funktion des Vizepräsidenten treten hinter der Institution des Instituts zurück, werden also nicht erwähnt.
  • Ich wechsele zwischen Verben des Sagens plus Indikativ (vorstellen, erklären) und der Wiedergabe des Inhalts in der indirekten Rede (Konjunktiv I).

Sachtext zusammenfassen (Beispiel Zeitungsbericht)

29. Mai 2017 | 13.42 Uhr (rp-online)

Studie zu Medienkonsum

Schon Kleinkinder hängen täglich am Smartphone

Berlin. 70 Prozent der Kinder im Kita-Alter nutzen das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde am Tag. Schon Säuglinge sind hyperaktiv, wenn Mama stets am Tablet hängt. Experten warnen vor den Gefahren – aber auch vor einer einseitigen Diskussion.

Konzentrationsprobleme, Hyperaktivität und Einschlafstörungen schon bei Säuglingen: Ein übermäßiger Medienkonsum gefährdet die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Das geht aus der Blikk-Studie hervor, die am Montag von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), vorgestellt wurde. Bereits Babys unter einem Jahr haben demnach Fütter- und Einschlafstörungen, wenn die Mutter parallel zur Betreuung ihres Kindes digitale Medien nutzt. Zudem benutzen schon 70 Prozent der Kinder im Kita-Alter das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich.

Zwei- bis Fünfjährige sind der Studie zufolge bei regelmäßiger Nutzung von Bildschirmmedien nicht nur zappeliger und haben Konzentrationsstörungen. Bei täglicher Mediennutzung zeigen sich zudem Störungen bei der Sprachentwicklung. Die Kinder sind außerdem oft unruhig und schnell ablenkbar.

Hyperaktiv und unkonzentriert

Auch Kinder ab etwa sieben Jahren und Jugendliche, die mehr als eine Stunde pro Tag an ihrem Smartphone oder Tablet hängen, sind oft hyperaktiv oder unkonzentriert. Sie greifen auch mehr zu süßen Getränken und Süßigkeiten und sind häufiger dick.

In die Studie, aus der Medien schon in den vergangenen Tagen zitiert hatten, wurden zwischen Juni 2016 und Januar 2017 mehr als 5500 Kinder und Jugendliche einbezogen. Grundlage sind die Vorsorgeuntersuchungen, die sogenannten U-Untersuchungen, beim Kinderarzt sowie Elternbefragungen.

In Deutschland gelten mittlerweile rund 600.000 Jugendliche und junge Erwachsene als internetabhängig und zweieinhalb Millionen als problematische Internetnutzer. „Wir müssen die gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung ernst nehmen“, erklärte Mortler. „Kleinkinder brauchen kein Smartphone.“ Sie müssten erst einmal lernen, mit beiden Beinen sicher im realen Leben zu stehen. Es sei daher dringend notwendig, Eltern beim Thema Mediennutzung Orientierung zu geben, forderte die Drogenbeauftragte.

Experten warnen vor einseitiger Diskussion

Die Würzburger Medienpsychologin Astrid Carolus warnte indes vor einer einseitigen Diskussion über die Smartphonenutzung bei Kindern und Jugendlichen. Dass der Umgang mit Smartphones negative Folgen habe, gehe aus der Studie nicht eindeutig hervor, sagte Carolus im Deutschlandfunk. Nachgewiesen worden seien lediglich statistisch signifikante Zusammenhänge, aber keine klare Beziehung zwischen Ursache und Wirkung.

Die Wissenschaftlerin sprach sich gegen Smartphoneverbote für Kinder aus. Diese gingen an der Realität vorbei. Die jungen Menschen wüchsen heute in einer digitalisierten Welt auf und müssten den richtigen Umgang mit den Geräten lernen.

(oko/AFP)

 

Meine Zusammenfassung

In der rp-online vom 29. Mai 2017 wird unter der Überschrift „Studie zu Medienkonsum“ über eine am gleichen Tag veröffentlichte Studie zum Medienkonsum von Kindern berichtet.

Es werden zunächst die gemäß der Blikk-Studie negativen Folgen übermäßiger Mediennutzung für Kinder und Jugendliche referiert: Schlafstörungen, Unruhe, Konzentrationsprobleme, schlechte Essgewohnheiten. Grundlage der Studie seien Befragungen von mehr als 5.500 Kindern und Jugendlichen sowie Elternbefragungen seit Juni 2016. Frau Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, habe auf die Risiken der Digitalisierung hingewiesen. Die Medienpsychologin Carolus habe jedoch vor einer einseitigen Interpretation der Studie gewarnt; es komme darauf an, dass Kinder den richtigen Umgang mit den Medien lernten.

Diskussion:

  • Dass die Studie am gleichen Tag veröffentlicht wurde, ergibt sich aus dem Datum des Artikels und der Datierung „am Montag“, die auf den Bericht in der am folgenden Tag erscheinenden Zeitung zielt.
  • Frage: Sollte man in den Einleitungssatz die Quellenangabe („auf der Grundlage einer Agenturmeldung“) aufnehmen? 
  • Ich habe die einleitenden Zeilen nicht berücksichtigt, weil sie [Ergebnis der voraufgehenden Analyse!] nur einige auffällige Einzelheiten herausheben, um den Leser für den ganzen Artikel zu interessieren. Genauso werden die Zwischenüberschriften und der Untertitel hier [anders als in einer Analyse!] nicht beachtet.
  • Die folgenden drei Absätze habe ich summarisch referiert, weil sie die negativen Auswirkungen (gleiches Thema) auf die verschiedenen Altersstufen darstellen.
  • Der Satz „In Deutschland gelten…“ ist ein Irrläufer, der nicht berücksichtigt wird.
  • Hier und auch im Folgenden zeigt sich, dass einer Zusammenfassung eine Analyse voraufgehen muss: Die letzten drei Absätze sind den unterschiedlichen Bewertungen von Frau Mortler und Frau Carolus gewidmet, man kann sie auf diesen Unterschied hin zusammenfassen.
  • Frau Mortler wird mit ihrer Funktion vorgestellt, weil sie die Studie veranlasst bzw. vorgestellt hat. Bei Frau Carolus sollte man den Beruf „Medienpsychologin“ nennen, weil sie damit als fachlich qualifiziert vorgestellt wird.
  • Fazit: Diese Art von Zeitungsberichten (Bericht über eine gerade veröffentlichte Studie) stellt eigentümliche Anforderungen an eine Zusammenfassung.

Einen Erzähltext zusammenfassen – Beispiel

Brüder Grimm: Hänsel und Grethel (1819)1

Aufgabenstellung: Fasse das erzählte Geschehen möglichst knapp zusammen!

1. Versuch:

Die armen Eltern zweier Kinder, Hänsel und Grethel, setzen diese im Wald aus, um selber zu überleben. Die Kinder retten sich in ein Haus, werden aber von der Hausherrin, einer Hexe, ihrer Freiheit beraubt. Es gelingt Grethel, die Hexe zu verbrennen und ihren Bruder zu befreien; mit den Schätzen der Hexe gehen sie nach Hause und leben von da an mit dem Vater frei von Sorgen.

Probleme:

1. Muss die Mutter als treibende Kraft genannt werden?

2. Muss die erste Rettung mit Hilfe der Kieselsteine Hänsels erwähnt werden?

3. Muss die unterschiedliche Behandlung der Kinder durch die Hexe erwähnt werden?

4. Muss der Tod der Mutter erwähnt werden?

Ergebnis: Der Tod der Mutter muss erwähnt werden, weil sonst der falsche Eindruck entsteht, sie lebte noch; dann muss sie auch als treibende Kraft genannt werden.

2. Versuch:

Die armen Eltern zweier Kinder, Hänsel und Grethel, setzen diese auf Betreiben der Mutter im Wald aus, um selber zu überleben. Die Kinder retten sich in ein Haus, werden aber von der Hausherrin, einer Hexe, ihrer Freiheit beraubt. Es gelingt Grethel, die Hexe zu verbrennen und ihren Bruder zu befreien; mit den Schätzen der Hexe gehen sie nach Hause und leben von da an mit ihrem Vater frei von Sorgen, während die Mutter verstorben ist.

3. Versuch:

Die armen Eltern zweier Kinder, Hänsel und Grethel, setzen diese auf Betreiben der Mutter im Wald aus, um selber zu überleben. Einmal kann Hänsel den Weg mit Kieselsteinen markieren und so nach Hause finden; ein zweiter Versuch, dies mit Brotkrumen zu erreichen, scheitert. Die Kinder retten sich jedoch in ein Haus, das von einer Hexe bewohnt wird. Hänsel wird eingesperrt; Grethel muss ihn füttern, damit die Hexe ihn schlachten kann. Es gelingt Grethel, die Hexe zu verbrennen und ihren Bruder zu befreien; mit den Schätzen der Hexe gehen sie nach Hause und leben von da an mit ihrem Vater frei von Sorgen, während die Mutter verstorben ist.

Würdigung:

Der 3. Versuch geht schon zu stark in Richtung einer Nacherzählung; der 2. Versuch stellt das Optimum einer möglichst kurzen Zusammenfassung des erzählten Geschehens dar. Frage: Welche Elemente des erzählten Geschehens sind hierbei berücksichtigt? – Fehlt der Basissatz?

1Text: https://de.wikisource.org/wiki/H%C3%A4nsel_und_Grethel_(1819), die zweite Fassung; Zugang zu allen Fassungen über die Seite https://de.wikisource.org/wiki/H%C3%A4nsel_und_Gretel. (Zugriff April 2017)

Einen Sachtext zusammenfassen – Beispiel 2

Carola Beck: Die Wissenschaft der Bionik. Die Natur als Vorbild der Technik (2010)

[…] Schon Leonardo da Vinci nahm sich im 15. Jahrhundert die Natur zum Vorbild. Der geniale Künstler und Wissenschaftler untersuchte den Flügelschlag von Vögeln und entwarf daraufhin „Schlagflügel“. Da Vinci wird oft als historischer Begründer der Bionik angeführt, da er unter anderem den Vogelflug analysierte und versuchte, seine Erkenntnisse auf Flugmaschinen zu übertragen. Damit sollte es auch dem Menschen möglich sein zu fliegen.

Bisher hatten die Wissenschaftler dies nicht umsetzen können, und auch die Modelle Da Vincis waren noch nicht flugtauglich. Der Weg war jedoch bereitet. Man forschte weiter auf diesem Gebiet, und die Fluggeräte wurden immer weiter ausgebaut. Auch Otto Lilienthal war fasziniert von der Vorstellung, durch die Luft zu gleiten. Er arbeitete ebenfalls mit dem bionischen Ansatz „der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“. Lilienthal unternahm Tausende von Gleitflügen und schaffte es, mit seinen Flugmodellen bis zu 250 Meter weit zu fliegen. Seine Leidenschaft wurde ihm allerdings zum Verhängnis: Er stürzte 1896 bei einem Gleitflug in die Tiefe. Durch starken Aufwind hatte er die Kontrolle über seine Maschine verloren. Lilienthal starb kurz darauf an den Folgen des Sturzes.

Auch moderne Flugzeugkonstrukteure nehmen sich den Vogel zum Beispiel: Im Gleitflug spreizt der Adler seine Flügelspitzen nach außen. Dadurch entstehen an den Flügelspitzen viele kleine Luftwirbel, die den Flug weniger stören. Die Flugzeuge liegen heutzutage durch die hoch gestellten Spitzen an den Flügelenden sicherer in der Luft und verbrauchen weniger Kraftstoff.

Noch ein Tier gab den Konstrukteuren einen entscheidenden Hinweis, auch wenn es sich nicht in den Lüften bewegt: der Hai. Der schnell schwimmende Meeresbewohner hat mikroskopisch feine, in Strömungsrichtung verlaufende Rillen in seiner Haut. Die Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt stellten nach dem Vorbild der Haifischhaut eine Folie her, mit der die Oberfläche moderner Flugzeuge ausgestattet wird. Bis zu drei Prozent des sehr teuren und umweltschädlichen Flugzeugtreibstoffs Kerosin können so eingespart werden. […]

(https://www.helles-koepfchen.de/artikel/1934.html)

(http://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/316034_so_04.pdf gekürzt, mit Lösung)

Aufgabenstellung:

Fasse den Text kurz zusammen. Formuliere einen einleitenden Satz, in dem du den Text identifizierst.

Textzusammenfassung (http://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/316034_so_04.pdf)

In ihrem Text „Die Wissenschaft der Bionik – Die Natur als Vorbild der Technik“, den Carola Beck im Internet-Wissensportal „Helles Köpfchen“ veröffentlichte, informiert die Autorin über die Vorbilder der Natur für den Bau von Flugzeugen.

Bereits im 15. Jahrhundert untersuchte da Vinci das Flugverhalten von Vögeln und versuchte, erste Flugmaschinen zu bauen. Auch der deutsche Forscher Otto Lilienthal entwickelte Flugmodelle, mit denen er bis zu 250 Meter weit gleiten konnte.

Noch heute nehmen sich Forscher die Natur zum Vorbild, um die Flugeigenschaften von Flugzeugen zu verbessern. So konstruieren die Forscher die Flügel vieler Flugzeuge wie Adlerflügel, um einen möglichst sicheren Flug zu ermöglichen. Der Mensch kann sich also auch heute noch die Natur als Vorbild nehmen, um neue oder verbesserte Techniken zu entwickeln.

Meine Lösung

In ihrem Beitrag „Die Wissenschaft der Bionik“ für das Internetportal „Helles Köpfchen“ von 2010 berichtet Carola Beck über Versuche von Menschen, ihren Wunsch, fliegen zu können, zu verwirklichen, indem sie von Vorbildern in der Natur lernen.

Leonardo da Vinci habe den Flügelschlag der Vögel mit seinen „Schlagflügeln“ kopiert. Otto Lilienthal habe sich ebenfalls am Vogelflug orientiert und bis 250 Meter gleiten können. Moderne Konstrukteure hätten in Anlehnung an den Bau von Adlerflügeln die Flügel von Flugzeugen mit hoch gestellten Spitzen ausgestattet; die Oberfläche von Flugzeugen sei heute wie die Haut des Hais mit feinen Längsrillen ausgestattet.

Alternative für den zweiten Absatz (als direkte Fortsetzung des 1. Satzes):

Sie zeigt an vier Beispielen, wie die Menschen im Lauf von Jahrhunderten nach anfänglichen Misserfolgen das Fliegen mit Flugzeugen gelernt und verbessert haben.

Diskussion

  • Da es sich um einen Textauszug handelt, endet meine Zusammenfassung abrupt. Der letzte Satz bei Klett hat nichts mit Becks Text zu tun, er rundet nur die eigene Zusammenfassung ab.
  • Man kann streiten, ob der 2. Absatz bei mir zu sehr in die Einzelheiten geht (→ Alternative).
  • Bei der Textzusammenfassung im Klettbuch (http://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/316034_so_04.pdf) stört der Übergang vom einleitenden Satz („informiert die Autorin“) zur inhaltlichen Zusammenfassung im Indikativ; der Bericht über das sprachliche Handeln („informiert“) muss vom Referat des Inhalts abgegrenzt werden (Konjunktiv I, indirekte Rede).
  • Die zeitliche Gliederung des Textes wird in beiden Lösungen deutlich, wenn auch unterschiedlich markiert.
  • Meine Zusammenfassung (7 bzw. 4 Zeilen) ist deutlich kürzer als die von Klett (9 Zeilen für 23 Zeilen Text). Als Zusammenfassung ziehe ich meine Lösung mit der Alternative vor (4 Zeilen), die Klett-Lösung schwankt zwischen Zusammenfassung und Nacherzählung.

  • Textsorte: informierend, historisch gegliedert (evtl. auch sachlich: anfängliche Misserfolge / spätere Erfolge)

Einen Sachtext zusammenfassen – Beispiel

Einen Sachtext zusammenfassen

Auf der Seite des ISB (http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26704) findet man u.a. folgendes Aufgabenbeispiel: Zusammenfassen eines Sachtexts in Form der Textproduktion (ich verändere die Typografie und kürze Erläuterungen, um anschließend meine Lösung und die vorgegebene Musterlösung zu diskutieren):

Zusammenfassung eines Sachtextes in Form der Textproduktion

Aufgabenstellung: Fasse den Text in eigenen Worten zusammen. Stelle eine vorinformierende Einleitung voran.

Claudia Wolters, Iss das Richtige – aber was?

Wenn Familien mit übergewichtigen Kindern ihre Ernährung umstellen, dann hilft nur eines: alle müssen mitmachen, die Eltern als Vorbilder sowieso und Geschwister auch, als Unterstützer. Alles andere würde das übergewichtige Kind in der eigenen Familie zum Außenseiter machen. Außerdem ist hier ja keine Diät angesagt, die irgendwann anfängt und irgendwann auch wieder aufhört und dann kehrt man zu den alten Gewohnheiten zurück. Im Gegenteil: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist für die ganze Familie sinnvoll und soll ja auch dauerhaft beibehalten werden. Zudem ist in vielen Familien das Problem Übergewicht ein Familienproblem und nicht nur das eines einzelnen Kindes.

Ziel ist es, die Nahrungsauswahl und das Essverhalten dauerhaft so zu verändern, dass ein Gleichgewicht entsteht zwischen dem Energieangebot und der tatsächliche verbrauchten Energie. Weder Kalorienzählen noch FdH (Friss die Hälfte) ist bei Kindern angebracht. Obst, Gemüse und Vollkornprodukte machen satt, vor allem, wenn ausreichend Wasser dazu getrunken wird und die Ballaststoffe dadurch aufquellen können. Schon dadurch essen Kinder insgesamt weniger.

Ein Glas Wasser zu Beginn der Mahlzeit bremst den Hunger. Außerdem sollte gutes und langsames Kauen trainiert werden. Jeden Bissen vor dem Runterschlucken gründlich kauen. Ablenkungen am Tisch sollten vermieden werden, z.B. durch Spielzeuge oder gar durch Fernsehen. Sowieso ist eine gemeinsame Mahlzeit an einem nett gedeckten Tisch die Basis für ein gesundes Ernährungsverhalten.

Überhaupt: eine wichtige Regel beim Essen heißt: höre auf das eigene Sättigungsgefühl und lass Essen stehen, auch wenn der Teller noch nicht leer ist. Vorbei sein sollten die Zeiten, in denen aufgegessen werden muss, was auf den Teller kommt. Kindern sollte zugestanden werden, dass sie das Einschätzen erst noch lernen müssen. Auch wenn die Augen manchmal größer sind als der Appetit. Auch Nachtisch sollte es unabhängig davon geben, ob der Teller leer ist oder nicht. Solche altertümlichen Tischregeln gehören in die Mottenkiste.

[…] „5 am Tag“ ist optimal, was Obst und Gemüse anbelangt. Dabei entspricht eine Portion ungefähr einer Kinderhand voll, am besten dreimal Gemüse und zweimal Obst. Obst und Gemüse sollten ungefähr 35% der kindlichen Ernährung ausmachen. Dadurch ist gewährleistet, dass es ausreichend mit Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen versorgt wird. Zudem sind Obst und Gemüse fast fettfrei und eignen sich hervorragend als kleine Zwischenmahlzeiten. Möhren, Gurken, Kohlrabi, Paprika sind als Rohkost eine lecke Alternative, die auch vielen Kindern schmeckt, z.B. für Gemüsemuffel als kleine bunte Spieße, oder als Gemüsestäbchen mit Dip. Ein Teller mit einer Obst-Blüte aus verschiedenen Obstsorten, Apfel, Banane, Kiwi, Mandarine als Blütenblätter oder was die Jahreszeit gerade hergibt ist eine gerne akzeptierte Zwischenmahlzeit und wirkt am besten, bevor die Frage nach den Süßigkeiten kommt. Lieber gesunde und leichte Zwischenmahlzeiten, als Heißhunger entstehen lassen.

[…] Da Genuss und seelisches Wohlbefinden nicht zu kurz kommen sollen, sind auch Süßigkeiten in Maßen erlaubt. Gerade hier hängt das Essverhalten aber entscheidend mit der Verfügbarkeit zusammen. Wenn mein Kind weniger Süßes essen soll, aber genau weiß, das ganze Süßigkeitendepot, die Schublade oder der Schrank, ist voll mit verführerischen Leckereien, dann ist es natürlich umso schwerer, weniger davon zu essen. Je weniger im Haus ist, desto einfacher ist der Süßigkeitenkonsum einzuschränken. Einmal am Tag eine Kleinigkeit, einige Gummibärchen oder statt der ganzen Tafel Schokolade nur einige Stückchen, können aber durchaus drin sein. Etwa 10% der täglichen Energie in Form von Süßigkeiten sind akzeptabel. Süßigkeitenkalender können vielleicht helfen und je mehr das Kind zu tun hat, desto unwichtiger werden die Naschereien zwischendurch. Wer tobt, klettert oder intensiv spielt, eine Radtour macht oder angelt, ist weit weg von den Süßigkeitendepots und anderweitig beschäftigt. Langeweile oder fernsehen hingegen sind verführerisch für Knabbern ohne Maß.

Die Lehrer in den Schulen stellen verstärkt fest, dass Süßgetränke wie Eistee oder Limonade zum Standard in der Pausenverpflegung gehören. Obwohl viele Schulen bereits Mineralwasser als Alternative anbieten, bringen etliche Kinder in ihrem Ranzen die süßen Getränke mit. Dabei ist Wasser der beste Durstlöscher, ob in der Schule oder Zuhause. Saftschorlen (im Verhältnis 1:1) oder ungesüßte Tees sind ebenfalls in Ordnung. Limonade, Cola, Eistees oder reine Säfte sind wegen ihres hohen Zuckergehaltes wenig geeignet. Und den Durst löschen sie eigentlich auch nicht, sondern machen nur Lust auf mehr. Kinder haben pro Kilogramm Körpergewicht einen viel höheren Flüssigkeitsbedarf als Erwachsene. Sieben- bis neunjährige sollten mindestens einen Liter pro Tag trinken. Ein Glas der üblichen Süßgetränke hat in etwa den gleichen Energiegehalt wie eine Scheibe Brot. Bei einem Liter dieser Getränke hat das Kind schon einen großen Teil seines Tagesenergiebedarfs gedeckt. Und das ist einfach zuviel.

http://www.wdr.de/tv/rundum_gesund/sendungen_2004/20040205/essen_uebergewicht.jhtml

Beispiel für einen Schreibplan

1   Essensumstellung der ganzen Familie herbeiführen

2   Wasser vor jeder Mahlzeit trinken

3   Auf langsames Kauen achten

4   Keine Ablenkung beim Essen erlauben

5   Sättigungsgefühl beachten

6   Auf das Gleichgewicht von Energiebedarf und Energieaufnahme achten

7   Gut ein Drittel Obst und Gemüse essen

8   Süßigkeiten in geringen Mengen erlauben

9   Süßigkeiten wegschließen

10 Für Bewegung der Kinder sorgen

11 Mineralwasser statt Süßgetränke anbieten

 

Mein erster Lösungsversuch:

In dem WDR-Beitrag „Iss das Richtige – aber was?“ aus dem Jahr 2004 gibt Claudia Wolters Ratschläge, worauf bei einer gesunden Ernährung übergewichtiger Kinder zu achten ist.

Wichtig sei, dass die ganze Familie ihre Ernährung zusammen mit dem Kind umstellt. Es solle dauerhaft ein Gleichgewicht zwischen Ernährung und Energieverbrauch hergestellt werden; Frau Wolters gibt eine Reihe von Tipps, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Obst und Gemüse sollten mehrmals täglich gegessen werden. Auch Süßigkeiten seien in geringem Umfang erlaubt. Trinken dürfe ein Kind aber nur Wasser, Saftschorle oder ungesüßten Tee.

Diskussion:

a) Wenn man das „Beispiel für einen Schreibplan“ (s.o.) als Musterlösung in Stichworten ansieht, muss man Nr. 2-5 streichen; denn das sind bloß Einzelheiten (gleichwertig mit „nicht Reste aufessen“ oder „nicht zur Strafe Nachtisch entziehen“, welche aber fehlen); das Gleiche gilt für Nr. 9 und 10 sowie für die Angabe „ein Drittel“ in Nr. 7. Nr. 11 ist dagegen (wegen „Mineralwasser“) zu eng gefasst; besser wäre „Wasser oder energiearme Getränke“.

b) In meiner Lösung kann man den letzten Satz als zu sehr in die Einzelheiten gehend kritisieren. Besser ist vermutlich: „Trinken dürfe ein Kind reichlich Wasser oder energiearme Getränke.“

Im Einleitungssatz habe ich neben Autor, Titel und medialem Ort genannt: die Textsorte (gibt Ratschläge) und das Thema (worauf … zu achten ist). Für das Thema gibt es m.E. keine Alternative. Im Hauptteil habe ich genannt

  • die Bedingung des Gelingens (Familie macht mit)
  • das Ziel der Umstellung (dauerhaft Gleichgewicht herstellen)
  • die praktischen Tipps nicht (da „Einzelheiten“) – wesentlich ist die Unterscheidung zwischen Tipps und Grundsätzen
  • die drei Grundsätze gesunder Ernährung (Obst, Süßigkeiten, Getränke); es fehlt der Grundsatz „Höre auf das eigene Sättigungsgefühl!“.

Ein abschließender Satz ist nicht erforderlich; ein Hinweis auf den umgangssprachlichen Stil gehört nicht in eine Zusammenfassung, sondern in eine Analyse, ebenso der Hinweis darauf, dass es sich um einen gekürzten Text handelt. Frage ist, ob der Begriff „Grundsätze“ in der Zusammenfassung auftauchen darf oder muss (etwa: „Folgende Grundsätze sollten für die gesunde Ernährung gelten:“). Ohne diesen Satz lautet meine endgültige Lösung:

In dem WDR-Beitrag „Iss das Richtige – aber was?“ aus dem Jahr 2004 gibt Claudia Wolters Ratschläge, worauf bei einer gesunden Ernährung übergewichtiger Kinder zu achten ist.

Wichtig sei, dass die ganze Familie ihre Ernährung zusammen mit dem Kind umstellt. Es solle dauerhaft ein Gleichgewicht zwischen Ernährung und Energieverbrauch hergestellt werden; Frau Wolters gibt eine Reihe von Tipps, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Grundsätzlich sollte man auf das eigene Sättigungsgefühl hören. Obst und Gemüse sollten mehrmals täglich gegessen werden. Auch Süßigkeiten seien in geringem Umfang erlaubt. Trinken dürfe ein Kind reichlich Wasser oder energiearme Getränke.
Weitere Einsichten:

  • Es gehört, wenn das eine Aufgabe für Kl. 7 ist, eine Reihe schwieriger Wörter erklärt, z.B. „gehören in die Mottenkiste“, „anbelangen, gewährleisten“ u.a.
  • Die Fehler im Text müssten korrigiert werden, die Umgangssprache bleibt selbstverständlich erhalten (Stil der Autorin bzw. des Beitrags).
  • Für die Textsorte „Ratschläge geben“ sind die sprachlichen Handlungen „Tipps geben“ und „Grundsätze aufstellen“ wesentlich.
  • Referiert werden Inhalte im Konjunktiv I.
  • Für komplexere Texte kommen weitere sprachliche Handlungen in Betracht: „unterscheiden, aufzählen, einschränken“ usw., siehe meine Überlegungen zur Textanalyse (https://norberto68.wordpress.com/2013/11/07/analyse-theoretischer-texte/), die evtl. erweitert werden müssten: Ein umfangreicher oder komplexer Text kann nicht ohne voraufgehende Textanalyse und die Bezeichnung sprachlich-gedanklicher Handlungen zusammengefasst werden.
  • Neben der Form der Textproduktion ist auch die Form einer Auflistung als Zusammenfassung möglich, siehe das zweite (resp. erste) Beispiel auf der Seite des ISB.

Welsh: Die Ohrfeigen – Text und Aufgaben

Renate Welsh

Die Ohrfeigen

 

Der Laden war voll. Ich stand eingekeilt zwischen meiner Großmutter und

dem Rücken eines fremden Mannes. Ich hatte die rosa Schweinsköpfe

gezählt, die von den obersten Fliesen grinsten, die Knöpfe am Mantel der

Frau Krebs, die Fliegenleichen in der Deckenlampe. Ich habe gerade zählen

5 gelernt.

Die Leute hielten ihre Lebensmittelkarten fest in Hand. Jedes Stück Fleisch,

das Frau Krebs abschnitt, betrachteten sie genau. Die Köpfe neigten sich

nach links, wenn sie zum Hackstock ging, nach rechts, wenn sie das Fleisch

auf die Waage legte. Das war für kurze Zeit komisch, aber bald wurde es

10 langweilig. Ich begann leise vor mich hin zu singen:

„Es geht alles vor über,

es geht alles vorbei.

Zuerst geht der Führer

und dann die Partei.“

15 Eine Frau fragte: „Was singst du denn da?“

Ich wiederholte, diesmal lauter: „Es geht alles vorüber …“ Meine

Großmutter packte meine Hand, dass es wehtat. „Aber Renate! Was fällt dir

ein?“ „Warum darf ich nicht singen?“, fragte ich. „Halt den Mund!“ Sie

drückte meine Hand noch fester. So redete sie sonst nie. Wenn wir „Halt den

20 Mund“ sagten, schimpfte sie: „So spricht man nicht.“ Was hatte sie gegen

das Lied? Es kam doch nicht ein einziges von den verbotenen Wörtern vor.

Keine Scheiße und nichts. Warum funkelte sie mich so an? „Der Papa singt

das auch!“, sagte ich laut.

Meine Großmutter holte aus und gab mir zwei Ohrfeigen, eine links und eine

25 rechts. Dann zog sie mich aus dem Geschäft. Sie renkte mir fast den Arm

aus, wie sie mich hinter sich herzog, mitten durch die dicht gedrängten

Menschen. Meine Großmutter, die sonst „Pardon“ sagte, wenn sie an einen

Sessel anstieß! Meine Wangen brannten. „Aber ich …“ „Mund halten!“ Sie

schleifte mich hinter sich her. Zuerst war ich völlig verdattert. Dann rammte

30 ich die Füße in den Boden. „Ich will nicht!“ schrie ich. „Wenn der Papa …“

Sie gab mir wieder zwei Ohrfeigen.

Nun war ich völlig überzeugt, dass sie mich nicht mehr lieb hatte. Ich hatte

es schon lang vermutet. Jetzt wusste ich es. Meine kleine Schwester war

eben herzig und ich nicht. Sie ließ sich immer an der Hand führen und ich

35 nicht. Ich weinte leise vor mich hin. Meine Großmutter hatte diesen Zug um

den Mund, vor dem ich mich fürchtete. Die Hautfalten an ihrem Hals

zitterten.

Als wir heimkamen, ließ sie sich in einen Sessel fallen. „Das Kind nehme

ich nie wieder mit!“, sagte sie zu meiner Tante. „Die bringt uns noch alle ins

40 KZ.“ „Was ist das?“, fragte ich. „Großer Gott!“ Sie drehte mich herum,

stellte mich zwischen ihre Knie und nahm meine beiden Hände in ihre. „Hör

mir gut zu: Solche Dinge darfst du nie wieder sagen. Das ist gefährlich.

Merk dir das. Du willst doch nicht, dass sie deinen Papa einsperren und uns

alle mit?“ „Nein“, sagte ich. Meine Wangen brannten noch immer. Ihr

45 Ehering hatte eine Schramme hinterlassen. Sie holte ein Messer, hielt es

unter fließendes Wasser, drückte die flache Seite auf meine Wange. „Ist

schon gut“, sagte sie. „Ist schon wieder gut.“

Ich verkroch mich unter dem Klavier. Seit meine Mutter vor einem Jahr

gestorben war, spielte meine Großmutter nicht mehr Klavier. Es stand nur

50 da, schwarz und glänzend, und trug die Silberrahmen mit den Fotos meiner

Mutter. Zuerst weinte ich eine Weile, dann spielte ich mit den weißen

Puppen, die niemand sehen konnte. Ich konnte sie selbst nicht sehen. Ich tat

nur so als ob. Meine richtigen Puppen waren bei unserer überstürzten

Abfahrt in Wien geblieben.

55 Plötzlich fiel mir ein, dass ich dieses merkwürdige Wort „KZ“ schon einmal

gehört hatte. Eine Tante hatte es gesagt, die zum Begräbnis meiner Mutter

aus Polen gekommen war. Alle hatten damals geweint, auch die schiefe

Bedienerin aus der Bäckerei und der böse Nachbar mit dem Schnurrbart.

Aber sie hatte anders geweint. Sie hatte gezittert, wenn jemand mit ihr

60 redete. Und als sie das Wort gesagt hatte, hatten die Erwachsenen einander

angesehen mit diesen Erwachsenenblicken. Mich hatten sie aus dem Zimmer

geschickt. Genau so, wie sie mich in den Monaten vorher aus dem Zimmer

geschickt hatten, wenn von Mutters Operation die Rede war. Ich weinte

wieder. Aber diesmal kam niemand und streichelte mich und sagte „Armes

65 Kind“.

An dem Abend wartete ich noch ungeduldiger als sonst, bis mein Großvater

aus dem Büro nach Hause kam. Als er dann endlich da war, setzte ich mich

auf seinen Schoß und verkroch mich in seinem Hausrock. Mein Großvater

hatte immer alle meine Fragen beantwortet. Aber jetzt konnte auch er mich

70 nur hin und her wiegen, als wäre ich noch ein ganz kleines Kind. Er konnte

nicht sagen, dass mein Vater in Gefahr war, weil er meine herzkranke Tante

Gretl versorgte, die Halbjüdin war, und weil er die Familie seines

ehemaligen Sanitätsgehilfen unterstützte, der Kommunist war. „Renaterle“,

sagte er, „das kann ich dir nicht erklären, weil es nicht erklärbar ist. Und es

75 hat gar nichts damit zu tun, dass du noch klein bist, glaub mir.“

 

Aus R. Welsh: Damals war ich vierzehn. Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2005

 

Aufgaben:

  1. Stelle dar, woran man merkt, dass das Geschehen im Zweiten Weltkrieg spiel
  2. „Es geht alles vorüber…“ ist der Refrain eines Schlagers von 1942: „Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, / auf jeden Dezember folgt wieder ein Mai. / Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, / doch zwei die sich lieben, die bleiben sich treu.“ Erkläre kurz, warum man für ein kritisches Lied auf einen Schlager zurückgreift!
  3. Führe den Satz in Zeile 28 und in Zeile 30 zu Ende! Was wollte das Mädchen sagen?

– Z. 28 „Aber ich …“

– Z. 30 „Ich will nicht!“ schrie ich. „Wenn der Papa …“

  1. Erläutere, warum die Großmutter zornig wird und das Kind ohrfeigt! Nimm anschließend Stellung zum Verhalten der Großmutter.
  2. Frau Krebs erzählt abends ihrem Mann von ihrem Erlebnis im Metzgerladen: „Heute Nachmittag kam eine alte Dame in den Laden…“ Führe die Erzählung fort und lass’ dabei deutlich werden, wie Frau Krebs den Vorfall beurteilt! (Beachte dabei, was Frau Krebs nicht erlebt hat und daher nicht weiß.)
  3. Nenne fünf Merkmale einer Kurzgeschichte, die du in dieser Geschichte gefunden hast. Belege diese am Text! [In Wirklichkeit handelt es sich um einen Auszug aus einem Roman; die Ich-Erzählerin ist ziemlich komplex, die Zeitstruktur geht mit deren Erinnerungen deutlich über den einen Tag hinaus.]

 

Erläuterung: Merkmale von Kurzgeschichten

  • Normalerweise besitzt der Text einen geringen Umfang.
  • Der Einstieg ins Geschehen erfolgt meistens unvermittelt, also ohne Einleitung
  • Selten gibt es größere Zeitsprünge; das erzählte Geschehen ist chronologisch geordnet.
  • Die erzählte Zeit ist sehr kurz, entsprechend auch das erzählte Geschehen.
  • Orte und Schauplätze sind häufig nicht benannt.
  • Protagonisten sind einige normale Personen, wir erfahren wenig über ihren Charakter.
  • Es geht häufig um Themen aus dem Alltag.
  • Der Schluss der Kurzgeschichte ist meist offen.
  • Das Ende besteht oft aus einer überraschenden Wendung.
  • Meistens gibt es keinen auktorialen Erzähler, sondern einen neutralen, der auch personal erzählt.
  • Die Bedeutung des Geschehens kann anhand von Symbolen oder Leitmotiven bzw. aus dem erzählten Geschehen erschlossen werden.
  • Der Leser kann das erzählte Geschehen völlig frei selbst beurteilen.

_________________________________________________________

Zu Welsh: Die Ohrfeigen – Übung: Antonyme

Ordne folgenden Wörtern dieser Erzählung das passende Antonym aus der Liste zu:

Großmutter (Z. 1)   ________________________

Fliegenleichen (Z. 4)   ________________________

Lebensmittelkarten (Z. 6)   ________________________

lauter (Z. 16)   ________________________

verboten (Z. 21)   ________________________

vermuten (Z. 33)   ________________________

herzig (Z. 34)   ________________________

Mund (Z. 36)   ________________________

zittern (Z. 37)   ________________________

Sessel (Z. 38)   ________________________

KZ (Z. 40)   ________________________

Ehering (Z. 45)   ________________________

Klavier (Z. 48)   ________________________

weiße (Z. 51)   ________________________

Wien (Z. 54)   ________________________

Polen (Z. 57)   ________________________

Schnurrbart (Z. 58)   ________________________

Büro (Z. 67)   ________________________

wiegen (Z. 70)   ________________________

versorgen (Z. 72)   ________________________

unterstützen (Z. 73)   ________________________

klein (Z. 75)   ________________________

Liste der Antonyme: Stuhl, Tisch, gehorsam, leise, Werkstatt, betreuen, sich röten, Großvater, Regenschirme, ansehen, informieren, Kacheln, dumm, hässlich, Gefängnis, neue, rote Nase, wissen, Augen, Fingernagel, Bayern, München. (Die Antonyme sind nicht immer trennscharf zu unterscheiden, es kann zu Verwechslungen kommen.)

Klausur Sachtextanalyse Kl. 11 NRW

Es geht um eine Beispielklausur für zentrale Klausuren Deutsch, NRW, Analyse eines Sachtextes (https://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/cms/upload/zentrale_klausuren/Beispielklausur_Sachtext_AufgabeL.pdf), auf der Basis eines Textauszuges aus Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation, 2005, S. 35-37.

Obwohl diese Beispielklausur vom Ministerium für Schule und Weiterbildung veröffentlicht wurde, weist sie erhebliche Mängel auf:

  • Aufgabenstellung

Die zweite Aufgabe lautet: „Setzen Sie das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun in Beziehung zu Rosenbergs Ausführungen, indem Sie

– das Modell Schulz von Thuns in seinen Grundzügen darstellen,

– die Tauglichkeit beider Modelle für die Verbesserung der Kommunikation beurteilen.“

Dazu ist Folgendes zu sagen:

  1. Rosenberg liefert überhaupt kein „Modell“ für irgendetwas, sondern operiert mit zwei Unterscheidungen: moralische vs. Werturteile, lebensentfremdende vs. (nicht ausgesprochen: lebensfördernde) Kommunikation. Die Rede vom „Modell“ verdankt sich der Logik der Aufgabenstellung, dass man etwas zu Schulz von Thuns Modell in Beziehung setzen soll; die Bezeichnung ist sachlich unbegründet.
  2. Die Tauglichkeit beider Modelle für die Verbesserung der Kommunikation kann man nicht beurteilen, weil Modelle nichts zur Verbesserung der Kommunikation beitragen können; das kann allenfalls eine Beratung entlang der Kategorien eines Modells – die Aufgabensteller können nicht sagen, was sie sagen wollen.
  3. In einer 100-Minuten-Klausur können Schüler nicht ernsthaft beurteilen (neben der umfangreicheren Arbeit an der 1. Aufgabe!), was die sogenannten Modelle leisten; d.h. sie können reproduzieren, was sie zu Schulz von Thun gelernt haben, aber sie können die Schwächen der Gedanken Rosenbergs nicht durchschauen und damit das „Modell“ nicht angemessen beurteilen. Sie müssen schwafeln, wie wir das vor 50 Jahren auch schon mussten. – Damit kommen wir zum Text Rosenbergs.
  • Der Text
  1. Der Text Rosenbergs ist ein frommes Gelaber in der Nachfolge Erich Fromms: Was Marshall moralische Urteile nennt, hat mit moralischen Urteilen nichts zu tun. So kann man beim besten Willen „Du Idiot!“ (Z. 19) nicht als moralisches Urteil ansehen; außerdem betreffen moralische Urteile nicht Menschen, sondern Handlungsweisen; sie gelten nicht für die Beurteilung (oder gar Verurteilung) anderer, sondern ganz allgemein für Handlungsweisen. Die Beispiele in Z. 22 ff. zeigen, dass es einfach um das Phänomen der Egozentrik geht (vgl. „Bewerten –aus einer anderen Perspektive“, https://norberto68.wordpress.com/2011/02/21/perspektive-bewerten-brief-schreiben-erzahlen/). Und was heißt „unsere Werturteile nicht mittragen“ (Z. 35)? Vermutlich tragen sie die Werturteile mit (= teilen sie), aber sie verhalten sich nicht demgemäß; im praktischen Zusammenleben klingt eine von Rosenberg favorisierte Ausdrucksweise voller Einfühlungsvermögen (Z. 36 f.) eher ironisch als ernst gemeint.
  2. Die Rede von der lebensentfremdenden Kommunikation ist hohles Gerede; dass man Empathie zeigen soll, ist auch ohne solche großen Vokabeln plausibel. Oft ist es jedoch – vor allem in der Öffentlichkeit – besser, anderen nicht zu zeigen, „was in mir vorging“ (Z. 15).
  3. Die Berufung auf eine Arbeit Harveys (Z. 42 ff.) ergibt eine bloße These (ohne Begründung, ohne Beispiele), die für mich nicht plausibel ist, auch wenn sie wiederholt, was Rosenberg vorher gesagt hat. Da wird zwar mit der Bezeichnung Professor und dem Ort Universität Wissenschaft vorgetäuscht, aber nicht dargeboten. Ich wüsste auch gern, welche Gesellschaften das denn sind, „in denen die Menschen in Begriffen von menschlichen Bedürfnissen denken“ (Z. 48 f.)
  • Die Lösungserwartung

Unter 2) steht ein dicker Klopper: Da soll der Schüler die Hauptaussagen (Plural) des Textes wiedergeben; in der Aufgabenstellung wird dagegen gefordert, er solle die Hauptaussage (Singular!) des Textes knapp wiedergeben. Punkte gibt es dann für etwa drei Hauptaussagen: Die Lösungserwartung stimmt mit der Aufgabenstellung nicht überein; Schüler werden systematisch in die Irre geführt (eigentlich eine Schlamperei in der Aufgabenstellung!).

Ich würde auch erwarten, dass ein sehr kluger Schüler vielleicht das Geschwafel entlarvt – aber das darf er nicht, er muss schlau schwätzen…

P.S.

Um das Verquere der Argumentation Rosenbergs zu begreifen, muss man sich verdeutlichen, was moralische Urteile (nach allgemeiner Auffassung, welche Schüler in Kl. 10/11 aber nicht oder nicht klar genug kennen) wirklich sind:

Was sind moralische Urteile?

  • Moralische Urteile: Urteile über das Gute und Rechte des Handelns
  • Moralische Urteile stützen sich auf universelle Grundsätze
  • Moralische Urteile sind verinnerlicht

-> Gefühl der Verpflichtung

-> Gefühl der Schuld bei Verstoß“ (https://home.ph-freiburg.de/mischofr/Lehre/entvss06/entvs7.pdf)

Kennzeichen eines moralischen Urteils

„Gegenüber anderen wertenden Urteilen (zum Beispiel ästhetischen Urteilen) zeichnen sich moralische Urteile nämlich

  • erstens dadurch aus, dass sie sich in Imperative übersetzen lassen: Das moralische Urteil „Töten ist moralisch falsch“ lässt sich auch als Imperativ „Du sollst nicht töten!“ formulieren.
  • Zweitens dadurch, dass sie in irgendeinem Sinne universal sind. Wer ein moralisches Urteil ausspricht stellt sich auf einen moralischen Standpunkt, wie man auch sagen könnte; einen Standpunkt, der über einen persönlichen oder partikularistischen Standpunkt hinausreicht.
  • Drittens haben moralische Urteile „unterordnende Kraft“. Damit ist gemeint, dass moralische Urteile anderen (bewertenden), zum Beispiel ästhetischen, Urteilen gegenüber stets Vorrang genießen.“ (http://www.zellux.net/m.php?sid=62)

Wer es gern etwas ausführlicher nachlesen möchte, sei auf die Präsentation einer Vorlesung verwiesen: http://www.claus-beisbart.de/teaching/wi2011/prac/prac5.ppt, oder auf den Aufsatz http://www.fachverband-ethik.de/fileadmin/daten_bawue/dateien/vortraege_aufsaetze/K._Goergen-Das_moralische_Urteil_._ein_egalitaeres_Modell.pdf

Eine Arbeit über Rosenbergs Theorie gewaltfreier Kommunikation:

http://digibib.hs-nb.de/file/dbhsnb_derivate_0000000366/Diplomarbeit-Schneider-2009.pdf

Ein Seminar zum Thema (Skript): http://gfk-training.com/wp-content/uploads/2011/04/ef-skript-1.1.pdf, und so weiter…

Alle Diplomarbeiten können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Rosenberg ziemlich dummes Zeug redet und begrifflich verworren denkt – betriebsintern darf man das unter Kommunikationsberatern natürlich nicht sagen (und kann man es vermutlich auch nicht denken: in der Schüssel des Begriffssalats herumstochernd), da wird Rosenberg-Sprech eingeübt.

2. P.S.

https://teilenundkommentieren.wordpress.com/2013/03/19/inhaltliche-analyse/ (Paraphrase des Rosenberg-Textes), ähnlich:

http://www.cfg-luis.de/Lehrer/LeistenC/&download=EF-+Sachtext+-+Rosenberg.docx

Den Handlungsverlauf beschreiben?

In der von QUA-Lis NRW entwickelten Deutschklausur, die 2016 zentral für die Qualifikationsphase in NRW vorgeschrieben war, lautete die erste Aufgabe: für den Anfang von Kehlmanns Roman „F“ den Handlungsverlauf strukturiert beschreiben.

Man muss diese Aufgabenstellung sehr genau lesen: Strukturiert soll demnach die eigene Beschreibung sein; nun ist jede chronologische Beschreibung eines Handlungsverlaufs strukturiert: chronologisch strukturiert, das zu leisten ist kein Kunststück. Ich vermute allerdings, dass gemeint war: die Struktur des Handlungsverlaufs beschreiben. Das ist aber beim Anfang des Romans „F“ eher unmöglich; denn wir haben nicht einen Handlungsverlauf, sondern die Erzählung eines Handlungsverlaufs vor uns; also müsste die Struktur der Erzählung untersucht werden.

Nun kommt die Pointe: Die Erzählung ist nicht durch eine zeitliche Abfolge von Handlungen, sondern durch den Blick des Erzählers strukturiert:

  • Zuerst wird das Geschehen aus dem Jahr 1984 zeitlich situiert, indem es als Vorgeschichte eines (noch unbekannten) späteren Geschehens qualifiziert wird.
  • Dann wendet der Erzähler sich einem Ereignis des Jahres 1984 zu, einer Begegnung Martins mit seinem Vater und dessen beiden Söhnen aus einer zweiten Ehe, wobei es beinahe zu einem Unfall gekommen wäre.
  • Dabei blickt der Erzähler abwechselnd auf den Vater bzw. das Geschehen insgesamt oder auf Martin (zuerst sind es zwei Erzählstränge, die dann zusammengeführt werden); der Blick wechselt mehrfach, einmal wird in einer Martin-Passage auch der Blick kurz auf dessen Mutter gerichtet.
  • Zum Schluss blickt der Erzähler (nach einer Auslassung) in die Zukunft und deutet an, wie sich die drei Jungen weiterentwickeln.

Das alles ist aber kein „Handlungsverlauf“, sondern erzähltes Geschehen, das durch den Blick des Erzählers strukturiert wird. Deshalb kann man, um diese Struktur zu erfassen, nicht die Struktur des Handlungsverlaufs beschreiben und erst recht nicht den Handlungsverlauf strukturiert beschreiben!

Warum können die Produzenten dieser zentral gestellten Aufgabe nicht sagen, was die Schüler tun sollen?

  • Haben sie die Struktur des Textes nicht verstanden?
  • Wissen sie vielleicht nicht einmal, dass ein Erzähltext nicht durch Handlungen, sondern durch den Erzähler strukturiert wird?
  • Oder können sie nicht ausdrücken, was sie verstanden haben, vielleicht weil die didaktische Tradition respektive die Deutschlehrer nicht klar genug zwischen Autor – Text – Geschehen – Erzähler unterscheiden (und die sprachlichen Handlungen des Erzählers nicht benennen können)?
  • Haben sie sich vielleicht auf einen Kollegen verlassen, der eine fertige Klausur aus seinem Vorrat hervorkramte und damit allen die Arbeit abnahm, selber eine Klausur zu erarbeiten?

Ich finde es traurig, dass zentral gestellte Aufgaben derart schlampig formuliert sind. Sprachliche Gestaltung der Aufgabenstellung: mangelhaft.

Literarische Analyse – Arbeitsphasen

  1. Phase: Erarbeitung
  • Bei Textauszügen: die Ausgangssituation bestimmen, bei ganzen Texten: die Kommunikationssituation erfassen
  • Unklare Begriffe und Sachfragen klären
  • Analyse des Textes „von oben nach unten“ (Liste mit Stichworten und Belegstellen)
  • Systematische Erfassung des Analysierten (Stichworte, Schema, Sätze: Gliederung)
  • Bedeutung dieser Stelle für den Fortgang des Geschehens (bei Textauszügen) bedenken
  1. Phase: schriftliche Darstellung
  • Einleitung in einem Satz: Überblick über das Gesamtwerk (oder Bezug zur Aufgabenstellung)
  • Ausgangssituation [oder: Kommunikationssituation] beschreiben
  • Systematische Analyse, mit Belegen [Falls man „von oben nach unten“ analysiert wie bei der Bearbeitung, muss in jedem Fall eine systematische Zusammenfassung den Abschluss bilden!]
  • Kurze Auswertung oder Zusammenfassung
  • Ausblick in einem Satz (= Bedeutung, s.o.)

Auswertung

Man muss begreifen, dass die Darstellung einer anderen Logik als die Erarbeitung folgt: Bei der Erarbeitung weiß man zu Beginn wenig oder nichts; bei der Darstellung weiß man zu Beginn bereits das Ergebnis und kann es deshalb systematisch darstellen. – Für die erste Phase sollte man sich [geschätzt] ein Drittel der Arbeitszeit lassen; die Feinjustierung muss hier jeder selbst vornehmen.

Es ist allerdings eine Tatsache, dass man im Verlauf der schriftlichen Darstellung (oder bei deren abschließender Lektüre) oft weiter denkt und Dinge versteht, die man zu Beginn der Darstellung noch nicht gesehen hat. Diese neuen Einsichten muss man dann eben mit einem Auslassungszeichen nachtragen und in seinen gegliederten Text einfügen.

 

Unterrichtsreihe zur systematischen Gliederung: https://norberto68.wordpress.com/2013/11/07/unterrichtsreihe-ordnen-gliedern-gliederung-anfertigen/

https://norberto68.wordpress.com/2012/03/07/gliederung-und-aufsatz-verfassen-beispiel-die-judenbuche/ (Beispiel, mit Arbeitsanleitung)

https://norberto68.wordpress.com/2011/02/13/gliederung-von-der-stoffsammlung-zum-aufsatz-beispiele/ (weitere Beispiele)