Bildungspolitik im Fernsehen

Heute Abend (14. Juni 2017) gegen 23 Uhr im WDR eine Sendung über PISA und die Folgen:

Einerseits angeblich wahnsinniger Leistungsdruck, burn out von Schülern usw., es zähle nur die Statistik und nicht das Kind –

anderseits die Klage, die Leistungsansprüche seien gesunken (z. B. Grundwortschatz nach Klasse 4), die Schulleitungen (und Ministerien) übten Druck auf Lehrer aus, gute Noten zu geben (dabei sind die Eltern vergessen, die nach meiner Erfahrung den größten Druck ausüben) …

diesen offenkundigen Widerspruch bemerken die Autoren der Sendung anscheinend nicht. Oder könnte es sein, dass zwar durchaus Druck (von Seiten der Eltern!) besteht, ihr Kind müsse unbedingt aufs Gymnasium, unbedingt die Eins oder Zwei bekommen (und Druck der Ministerien, bessere Noten im internationalen Vergleich zu erzielen), und dass gleichzeitig die Ansprüche an die Leistungen für Note 1 oder 2 sinken? Dass sich also die Wünsche der Politiker und die Wünsche der Eltern bei den guten Noten treffen, ohne dass für eine gute Schule mit guten Leistungen gesorgt würde? Oder ist das Ganze bloß TV-Geschwätz, weil man für einen Film Probleme braucht und „im Wesentlichen alles normal“ keine Sendung ergibt?

Neue Studie: Abbruch des Studiums

Es gibt eine neue Studie über Studenten, die ihr Studium vorzeitig abbrechen. Es zeigt sich, dass die Schüler des Gymnasiums als Studenten seltener davon betroffen sind als Studenten, die auf anderem Weg ihre Studienberechtigung erworben haben. – Die hohe Quote von 29% Studienabbrechern zeigt, dass die Berechtigung zum Studium nicht auch die Befähigung dazu unbedingt einschließt: Hier ergibt sich eine Aufgabe für die Schulen und für die Bildungspolitik, nicht jedem den Schein „Abitur“ in die Hand zu drücken.

Erfreulich ist jedoch die Tatsache, dass viele der Abbrecher eine Berufsausbildung beginnen; das hätten sie vielleicht auch schon früher tun können – wer weiß, wie viele ehrgeizige Eltern das verhindert haben?

http://www.zeit.de/news/2017-06/01/bildung-der-studienabbrecher—das-nicht-mehr-ganz-unbekannte-wesen-01175608

http://www.sueddeutsche.de/politik/bildung-hohe-schule-des-scheiterns-1.3531348

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/studienabbrecher-wer-schmeisst-hin-und-warum-a-1150226.html

http://www.deutschlandfunk.de/studienabbruch-spaete-berufsausbildung-als-alternative.680.de.html?dram:article_id=387683

https://www.welt.de/politik/deutschland/article165147249/Migranten-scheitern-im-Studium-besonders-oft.html

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/neue-studie-zahl-der-studienabbrecher-steigt-an-15042502.html

Ganztagsschule – Theorie und Praxis

Insgesamt ist der Tagesablauf an einer „echten“ Ganztagsschule rhythmisiert, es gibt also einen Wechsel von Anspannung und Entspannung. Schule wird damit zum Lebensraum, wie deren Befürworter argumentieren. Zudem könnten echte Ganztagsschulen die Chancen gerade von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern verbessern.

In Hessen gibt es vor allem den „Pakt für den Nachmittag“. Pflichtunterricht steht dabei in aller Regel lediglich am Vormittag auf dem Stundenplan, nachmittags gibt es dann Betreuungs- und Freizeitangebote, die freiwillig wahrgenommen werden können. Das Land finanziert diese Schulen bis 14.30 Uhr, danach sind die Schulträger bis 17 Uhr in der Pflicht, die Angebote sicherzustellen. Auch die Eltern müssen einen Beitrag zahlen.

Die Bertelsmann-Studie zeige, dass „von Gleichwertigkeit der Lernchancen nicht einmal im Ansatz die Rede sein kann“, kritisiert Rolf Richter, Vorsitzender des Ganztagsschulverbands. Es fehle an einem verbindlichen Qualitätsrahmen und häufig auch an der Ausstattung mit pädagogischem Personal.

Angebote wie der Pakt für den Nachmittag zielten vor allem auf eine quantitative Ausweitung des Angebots sowie eine Verbesserung der räumlichen Ausstattung. Pädagogische Ziele könnten dabei aus dem Blick geraten. Um die Bildungsgerechtigkeit zu erhöhen, müsse der Ausbau von echten Ganztagsschulen vorangetrieben werden, fordert Richter.

(Ausschnitt aus dem Artikel von Peter Hanack in der FR: „Bertelsmann-Studie: Viel Zeit, aber zu wenig Lehrer“, über Ganztagsschulen in Hessen: http://www.fr-online.de/rhein-main/bertelsmann-studie-viel-zeit–aber-zu-wenig-lehrer,1472796,34163000.html)

Aus dem Artikel geht also hervor, dass sowohl am Personal wie an der Ausstattung der Schulen gespart wird – das gilt massiv auch für NRW. Was im Artikel nicht steht, was ich aber aus vielen Quellen weiß: Viele Lehrer – und zwar in allen Schulformen – sind fachlich oder pädagogisch nicht kompetent; man kann schon froh sein, wenn sie Dienst nach Vorschrift tun und sich nicht in Krankheiten flüchten.

Vgl. http://www.spiegel.de/schulspiegel/ganztagsschulen-ganz-und-gar-nicht-zufriedenstellend-a-1089615.html

http://www.sueddeutsche.de/bildung/schule-die-ganztagsschule-hinkt-den-anspruechen-hinterher-1.2972151

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/neue-studie-mogelpackung-ganztagsschule-14203920.html

https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Presse/imported/downloads/xcms_bst_dms_40015_40016_2.pdf (Studie)

http://www.bertelsmann-stiftung.de/de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/pid/fast-jeder-dritte-schueler-in-deutschland-geht-ganztags-zur-schule/ (Links zur Studie und zu den einzelnen Bundesländern)

Mehrsprachigkeit

Wenn man „Mehrsprachigkeit“ in der Suchmaschine eingibt, wird man überrascht, wie viele Institutionen und Vereine sich mit dem Thema befassen: Mehrsprachigkeit ist eine gesellschaftliche Realität in Deutschland, die auch deshalb zum Problem geworden ist, weil wir es politisch versäumt haben, anders als mit der naiven Forderung „Bitte alle Deutsch lernen – Deutschland ist kein Einwanderungsland!“ darauf zu reagieren. Insofern ist es zu begrüßen, dass Mehrsprachigkeit in der Vorbereitung aufs Abitur 2017/18 in NRW ein verpflichtendes Thema ist.

Ich habe bei google und ixquick jeweils die ersten 50 Links durchgesehen:

http://www.dgs-ev.de/fileadmin/bilder/dgs/pdf-dateien/broschuere_12.pdf (Sprachentwicklung bei Mehrsprachigkeit: wie Kinder mehrere Sprachen erwerben, wie sich Sprachentwicklungsstörungen bei mehrsprachigen Kindern ausdrücken, wie man Kinder im Sprachenerwerb unterstützen kann)

http://www.shlr.ch/media/downloads_sal/brosch%C3%BCre%20mehrsprachig%202012%20web.pdf (ähnlich)

http://www.zeit.de/2015/47/mehrsprachigkeit-kinder-vorteile (Reportage über Berliner Kita)

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/erziehung-kinderleicht-1.2813614 (ähnlich)

https://www.foermig.uni-hamburg.de/pdf-dokumente/spracherwerb.pdf (Spracherwerb zweisprachig aufwachsender Kinder – ausführlich, mit Fazit am Ende jedes Kapitels)

https://www.frankfurt.de/sixcms/media.php/738/Mehrsprachigkeit_2012.pdf (Mehrsprachigkeit: Aktionen und Projekte in der Schule – praktische Anregungen, eher für Lehrer?)

https://de.wikipedia.org/wiki/Mehrsprachigkeit (unausgewogen)

http://www.welt.de/wissenschaft/article13621609/Mehrsprachigkeit-verschafft-geistigen-Vorsprung.html („Wissen“: Mehrsprachigkeit – pauschal: ihre Vorteile)

http://www.welt.de/wissenschaft/article154185581/Wie-Mehrsprachigkeit-unser-Gehirn-veraendert.html („Wissen“: Wie Mehrsprachigkeit unser Gehirn verändert – pauschal: ihre Vorteile)

http://www.tagesspiegel.de/wissen/position-deutschlands-zukunft-ist-mehrsprachig/11183286.html (Plädoyer für Mehrsprachigkeit ->analysieren?)

http://www.nzz.ch/warum-englisch-allein-als-wissenschaftssprache-nicht-genuegt-1.5247130 („Englisch allein als Wissenschaftssprache genügt nicht“: Artikel der NZZ, kann bei Ixquick unter „Anonym öffnen“ geöffnet werden. – Ähnlich: http://www.baukammerberlin.de/2015/01/warum-englisch-allein-als-wissenschaftssprache-nicht-genuegt-vielfalt-statt-einfalt/)

http://paedagogik-news.stangl.eu/233/mehrsprachigkeit-chance-oder-risiko (Mehrsprachigkeit: Chance oder Risiko?)

https://www.bmbf.de/pub/Sprachenvielfalt.pdf (Broschüre des bmbf)

http://www.fmks-online.de/download/FMKS-Ich_kann_viele_Sprachen_lernen.pdf (Broschüre des Vereins fmks: Ich kann viele Sprachen lernen; Plädoyer für Immersion: Die Fremdsprache ist dabei immer mit Aktivitäten und Inhalten verknüpft, die für die Lernenden bedeutungsvoll und interessant sind.)

http://www.verband-binationaler.de/mehrsprachigkeit/ (Verband binationaler Familien und Partnerschaften: mehrere Broschüren)

https://www.vhs-braunschweig.de/vhshdf/dialogwerk/PDF/Praesentation-Kuepelikilinc.pdf (Thesenartig: Mehrsprachigkeit als Schatz, mit der kleinen Raupe Nimmersatt und praktischen Tipps zum Schluss)

http://home.edo.tu-dortmund.de/~hoffmann/ABC/ABC_Zuwand.html (Kleines A-B-C: Migration und Mehrsprachigkeit; viele Artikel, wichtig ist „Bilingualismus“)

http://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs/DJI_Multikulti_Heft2.pdf (Dokumentation einer Tagung 1999 des DJI: Mehrsprachigkeit im multikulturellen Kinderleben)

https://www.testdaf.de/fileadmin/Redakteur/PDF/Forschung-Publikationen/Mehrsprachig_Zimm_Rupp.pdf (Symposion 2012: Mehrsprachig in Wissenschaft und Gesellschaft)

http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D24596.php (Historisches Lexikon der Schweiz: „Mehrsprachigkeit“)

http://europa.eu/pol/mult/index_de.htm (Mehrsprachigkeit in der EU)

http://www.europarl.europa.eu/aboutparliament/de/20150201PVL00013/Mehrsprachigkeit (Mehrsprachigkeit im Europ. Parlament)

http://www.iaf-bremen.de/projekte/mehrsprachigkeit.html (Links: News und Tipps zum Thema Mehrsprachigkeit)

https://www.foermig.uni-hamburg.de/bildungssprache/mehrsprachigkeit.html (Uni Hamburg: Kompetenzzentrum…: Literaturhinweise)

Vgl. auch den Kommentar 

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article154229289/Wie-Fluechtlinge-die-deutsche-Sprache-veraendern.html

Bildungsdefizite

Über „Die erschreckenden Bildungsdefizite junger Deutscher“ berichtet DIE WELT-online vom 11. April 2016 (http://www.welt.de/politik/deutschland/article154187052/Die-erschreckenden-Bildungsdefizite-junger-Deutsch).

Inzwischen erwerben 53% eines Jahrgangs eine Studienberechtigung. Das bedeutet nach Adam Riese und den Regeln der Normalverteilung, dass dabei Leute mit einem IQ unter 100 sind; das kann nicht gut gehen. Unter anderem liest man in diesem Artikel, dass die Zahl der Studienabbrecher stetig steigt.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article154187049/DWO-WI-Ausbildung-Abbruch-ag-1-jpg.html

„Doch nicht nur der starke Zulauf zu den Gymnasien habe die Standards absinken lassen. Problematisch sei auch, dass nicht mehr der Fachunterricht die Lehrpläne dominiere, sondern das neue Leitbild des „kompetenzorientierten Unterrichts“. Komme die fachliche Bildung jedoch zu kurz, flüchteten sich die Schüler in die Geschwätzigkeit, monieren die Experten. Im gesamten Bildungssystem habe sich eine „Kultur des Durchwinkens“ von der Grundschule über das Gymnasium bis zur Universität etabliert.“

Reformierter Stundenplan

In der SZ steht heute, 21. Dezember 2015, als Dekoration bzw. Illustration zu einem Interview mit Hans-Peter Meidinger ein reformierter Stundenplan: Er enthält die Fächer, deren Aufnahme in den Fächerkanon der Schule in den vergangenen Jahren von verschiedenen Leuten vorgeschlagen wurde. Das liest sich dann so:

Montag

  1. Ernährung
  2. Glück
  3. Programmieren
  4. Benehmen
  5. Sexualität und Partnerschaft
  6. Alltagswissen

Dienstag

  1. Selbstverteidung
  2. Schach
  3. Gesundheit
  4. Berufsorientierung
  5. Internetbildung
  6. Leben

Mittwoch

1. … und so geht das weiter, bloß für die dämlichen wissenschaftlichen Fächer wie Erdkunde, Biologie, Mathematik, Deutsch oder auch Musik und Kunst ist im Stundenplan kein Platz mehr. Das kommentierende Interview mit Herrn Meidinger vom Philologenverband ist recht vernünftig.

Abiturnoten 2000 – 2012

Es gibt bei der bpb eine Übersicht über die Entwicklung der Abiturnoten 2000 – 2012:

http://www.bpb.de/fsd/bildungsgrafik5/Abinoten_Laendervergleich.html

(und http://www.ksta.de/politik/diskussion-um-notendurchschnitt-und-bundesland-unterschiede-abitur-ist-laengst-nicht-gleich-abitur,15187246,30928804.html)

Dabei fallen Berlin, Brandenburg und NRW als die Länder auf, in denen es eine massive „Verbesserung“ (der Noten) gibt. Wer allerdings glaubt, der Verbesserung der Noten entspreche gleichermaßen eine Verbesserung der Schüler, dem ist nicht zu helfen. Die Verbesserung der Noten ergibt sich zumindest für NRW einmal aus der Veränderung der Aufgabenformate im Zentralabitur [die Aufgaben sind zumindest in NRW im Fach Deutsch stark vorstrukturiert, sodass die eigenständige Konzeption eines „Aufsatzes“ nicht mehr eingefordert wird], sodann aus einer Veränderung der Benotungspraxis – die lässt sich auch an den Universitäten feststellen, man vergleiche die Studienabschlüsse der Psychologen oder Biologen mit denen der Juristen oder der Maschinenbauer, vgl.

http://www.zeit.de/campus/2013/02/notenvergabe-hochschulen-ungerechtigkeit

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/noteninflation-einser-fuer-alle-12115313.html

http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2627-12.pdf

http://www.zeit.de/2012/48/Hochschule-Notenvergabe

http://www.sueddeutsche.de/bildung/gute-noten-an-hochschulen-warum-die-einser-inflation-nicht-ueberrascht-1.1526490

 

Rätsel für Vertretungsstunden

In Kl. 5 und 6 habe ich in unvorhergesehenen Vertretungsstunden gern die folgenden gereimten Rätsel gestellt: Ich habe die Rätsel vorgelesen (nacheinander, mit Nummer, mehrmals langsam – insgesamt ca. 35 Minuten); die Kinder brauchten nur die Nummer und das Lösungswort zu notieren. Anschließend wurden die Lösungen vorgetragen und diskutiert – diskutiert deshalb, weil einige Rätsel evtl. mehrere Lösungen zulassen (so Nr. 6, wo ich als Lösung den Spiegel sehe, während die Schüler heute natürlich auf digitale Kameras kommen – die müsste man explizit ausschließen). – Wenn jemand eine Lösung nicht findet, bin ich gern bereit, sie mitzuteilen; die Rätselaufgaben wurden von den Kindern gut angenommen. Das Rätselblatt war in einer Klarsichtfolie in meiner Tasche, immer griffbereit.

Hier nun die Rätsel: Rätsel