Eine Erzählung verstehen – wie geht das?

Zugleich ein Beitrag zur Analyse von Borchert: Das Brot.

Am Beispiel von Borcherts Erzählung „Das Brot“ möchte ich exemplarisch untersuchen, welche Aspekte oder Dimensionen des Verstehens es dabei gibt. Ich beziehe mich auf die Textausgabe http://www.geschichte-projekte-hannover.de/filmundgeschichte/deutschland_nach_1945/ruckblickende-kurzfilme/die-filme-2/das-brot-2.html (Zeilenzählung der Seite, die nach Anklicken des Druckersymbols oben rechts angezeigt wird bzw. beim Ausdrucken vorliegt: 47 Zeilen).

  1. Die Bedeutung von Wörtern muss man kennen oder aus dem Kontext erschließen, damit man den Satz versteht. Der Satz (das Syntagma) ist die erste Dimension des Verstehens. Satz: „als sie mit der Hand über das Bett neben sich fuhr“ (Z. 2 f.); „fahren“ hat laut „Duden. Deutsches Universalwörterbuch“ (7. Aufl.) 11 Hauptbedeutungen, hier passt die Bedeutung 9.b) „[mit einer schnellen Bewegung] über, durch etwas streichen, wischen, eine schnelle Bewegung machen“. Wenn ich diese Bedeutung von „fahren“ kenne oder ahne, verstehe ich den genannten Satz (Wörter kann man also nicht verstehen, man kann nur ihre Bedeutung/en kennen).
  2. Aus den Sätzen in ihrer Abfolge kann man das erzählte Geschehen oder die beschriebene Situation verstehen (Z. 1-6, meistens aus den paradigmatischen Alternativen): wachte sie auf (eine Frau, hat geschlafen) / „Ach so!“ (personal erzählt: ihre Sicht) / in der Küche (vs. Schlafzimmer) / zu still (verlangt eine Erklärung) / das Bett neben sich … leer (hat einen Mann, der fehlt) / „Das war es“ (setzt „Ach so!“ und „zu still“ fort: Sie erklärt sich etwas.) / durch die dunkle Wohnung (bereitet „Licht“ vor) / „In der Küche trafen sie sich.“ (verfrühte Erklärung des Erzählers!) / Die Uhr… (Datierung) / „etwas Weißes“ (bereitet die Lösung vor) / „Sie machte Licht.“ (ermöglicht die Lösung) / „Sie standen sich im Hemd gegenüber. Nachts. Um halb drei. In der Küche“: Das ist die groteske Situation, in die schrittweise eingeführt wird; grotesk deshalb, weil Paare nachts normalerweise nebeneinander im Bett liegen. – Diese groteske Situation wird in zwei Schritten aufgelöst; das ergibt die Struktur der Erzählung (s.u.).
  3. In dieser Situation kann/muss man die Bedeutung von Ereignissen verstehen, d.h. verschiedene Sätze aufeinander beziehen. Beispiel: „Sie sah, dass er sich Brot abgeschnitten hatte.“ (Z. 7, mit nachfolgender Erklärung) <-> „‚Ich dachte, hier wär was’, sagte er und sah in der Küche umher.“ (Z. 11) Was die Frau sieht, widerspricht dem, was der Mann sagt (was sie hört); die Frau „sieht“ also, dass er lügt, was in Z. 17 ausdrücklich gesagt wird.
  4. „‚Ich habe auch was gehört’, antwortete sie…“ (Z. 12) – das ist ein zweideutiger Satz, weil sie damit sein Rumoren (Z. 1 f.) meint, während er das als Bestätigung seiner Lüge auffassen könnte. Der Leser kann diese Zweideutigkeit verstehen, der Mann nicht. – Die Frau wiederholt später ihren Satz (Z. 21), gibt ihm dort aber eine andere Bedeutung, was dem Leser durch die Fortsetzung „aber es war wohl nichts“ und den Erzählerkommentar „Sie kam ihm zu Hilfe (Z. 22) deutlich wird. Der Leser versteht, wie die Frau die groteske Situation entschärft.
  5. In oder aus der Situation der nächtlichen Begegnung und dem Lügen des Mannes ist es denkbar, dass einzelne Wendungen eine tiefere Bedeutung gewinnen. Ich denke dabei an die Wendung, das sie „im Hemd“ standen, was wiederholt gesagt wird (Z. 5, 12, 14). Sie finden beide, dass der jeweils andere im Hemd älter als sonst aussieht – hier wird also die Wahrheit offenbar („So alt wie er war.“, Z. 13), während der lügende Mann die Wahrheit nicht erkennt (vgl. Z. 14 f.). Die Kleidung verbirgt am Tag das wahre Alter, welches „im Hemd“ sichtbar wird.
  6. Der Erzählerkommentar „Sie kam ihm zu Hilfe.“ (Z. 22) hilft dem Leser, das Agieren der Frau zu verstehen.
  7. Die Struktur der Erzählung ist dadurch bestimmt, dass zunächst eine groteske Situation beschrieben wird (s. oben 2.), die dann in zwei Schritten (vgl. 6.) aufgelöst wird: Bis Z. 39 wird erzählt, wie die Frau sich bemüht, in der Nacht mit der Lüge ihres Mannes klarzukommen, und das auch mühsam schafft (er kann essen, sie kann schlafen, Z. 37-39). Dann wird nach einem Zeitsprung (V. 40) erzählt, welche Konsequenzen sie aus seinem heimlichen Brotdiebstahl zieht und wie sie wieder in ein normales Leben kommen.
  8. Welche Themen und Motive in dieser Struktur „arbeiten“, erkennt man am Kontrast Dunkel-Licht und am Wortfeld des Sehens: sehen, ansehen, aufsehen, aussehen. Die Kontraste und das Wortfeld sind miteinander im Zusammenspiel von Wahrheit und Lüge verschränkt, auch wenn sie hier analytisch gesondert untersucht werden: a) Zuerst ist es dunkel in der Wohnung, dann macht sie Licht (Z. 5). Im Licht erkennt man die groteske Situation und sie entdeckt die Lüge ihres Mannes; mit ihr kann sie dann leben, als sie wieder das Licht löscht (Z. 26). Am Abend ist es hell, aber sie geht von der Lampe weg (Z. 42), bis die neue Aufteilung des Brotes als richtig oder begründet von beiden akzeptiert ist – eine Konsequenz ihres Umgangs mit seiner Lüge. Dann setzt sie sich unter die Lampe an den Tisch (Z. 47). b) Die Wendungen des Sehens behandle ich kurz: „Sie sah“ (Z. 7, plus folgende Erklärung) die Wahrheit. Sie sah von dem Teller weg (Z. 10, dem Beweisstück des Diebstahls und der Lüge). Er sah (zur Bestärkung seiner Lüge) in der Küche umher (Z. 11). Sie fand, dass er im Hemd älter aussah als tagsüber (Z. 12 f.: „So alt wie er war.“). Sie sieht ziemlich alt aus, dachte er (Z. 13 f., mit falscher Erklärung). Sie sah ihn nicht an (Z. 17). Er sah sinnlos umher (Z. 19, vgl. Z. 11). Er sah zum Fenster hinaus (Z. 24, vgl. Z. 19). Sie will nicht nach dem Teller (Beweis seiner Lüge) sehen (Z. 25, vgl. Z. 10 und 17). – Als es dunkel ist (Z. 29), wird das Sehen durch das Hören ersetzt (unecht, Z. 34; sie hörte, Z. 37; sie atmete absichtlich tief und regelmäßig, Z. 37 f.). – Am Abend brennt die Lampe, aber sie ging von der Lampe weg (Z. 42, damit er sie bei ihrem Lügen nicht sah). Sie sah, wie er sich tief über den Teller beugte (Z. 44) und nicht aufsah (Z. 44, um sie nicht ansehen zu müssen). Erst nach einer Weile setzte sie sich unter die Lampe, also gut sichtbar ins Licht (Z. 47).
  9. Was wollte der Autor Borchert mit dieser Erzählung „sagen“? Das geht aus der Erzählung nicht hervor; dazu müsste man das Gesamtwerk und Äußerungen des Autors heranziehen.
  10. Was haben die Leser aus dieser Erzählung 1946 und in den folgenden Jahren gehört? Auch das geht nicht aus dem Text hervor; man könnte das Handeln der Frau vorbildlich finden (selbstloser Verzicht zugunsten des geliebten Mannes), man könnte es auch kritisch sehen (Klischee der opferbereiten Frau, Vorrecht des Mannes). Wie die Leser einen Text verstehen, kann man nur durch empirische Untersuchungen herausfinden.

Vgl. auch die Aufgaben zu dieser Kurzgeschichte (https://norberto42.wordpress.com/2016/11/08/aufgaben-zu-wolfgang-borchert-das-brot/), welche man nach dieser Analyse vielleicht überarbeiten müsste.

Wortfeld untersuchen, z.B. „fahren“

In der Schule (Grundschule, Sek I) ist es eine beliebte Aufgabe, Wortschatzübungen zu machen und dafür einzelne Wortfelder abzutasten. Dann suchen die Leute im Internet unter „Wortfeld ….“ (z.B. Wortfeld „fahren„, oder Wortfeld „sagen„), mit mehr oder weniger Erfolg (bei den gängigen Verben mit Erfolg, denke ich).

Die einfache Lösung funktioniert aber anders: Das geht man in ein richtiges Wörterbuch, vorzüglich „Wortschatz Uni Leipzig“, und gibt dort fahren ein. Dann schaut man in die beiden Rubriken

– Relationen zu anderen Wörtern,

Dornseiff-Bedeutungsgruppen,

dann hat man das Wortfeld einigermaßen solide aufgelistet. Man kann natürlich nicht alle Bedeutungsgruppen brauchen und in den Bedeutungsgruppen nicht alle Verben, aber man gewinnt den Überblick über ein großes Feld, wo man auswählen kann.

Ergebnisse für unser Beispiel:

Relationen zu anderen Wörtern:

Dornseiff-Bedeutungsgruppen:

Inzwischen hat auch Duden-online die Synonyme ins Programm aufgenommen:

Synonyme zu fahren

(http://www.duden.de/rechtschreibung/fahren)

Wortbedeutung

Die Lehre von der Wortbedeutung (Semantik) wird hier theoretisch sowie vor allem in einer Reihe von Arbeitsblättern (Beispiele!) entfaltet (Unterrichtsreihe). Sie ist etwa für die Klasse 7 konzipiert; hier wird ein differenzierter Sprachgebrauch eingeübt – ein Vorübung auch fürs Analysieren und Argumentieren:

Zur Lehre von der Wortbedeutung

Wortfeld sprechen, sagen, reden

1. Aus der Umgangssprache sollten jedem Schüler des Gymnasiums bekannt sein:
antworten, befehlen, begründen, begrüßen (2), behaupten, belehren, beschreiben, sich beschweren, besprechen (2), bestellen (2), bitten, brüllen, danken (?), diktieren (2), drohen, erklären, erlauben, erläutern, erzählen, flüstern, fordern, fragen, genehmigen, grüßen, heißen, loben, lügen, meckern, nennen, reden, rufen, sagen, schimpfen, schreien, schwätzen, sprechen, tadeln, telefonieren, trösten, unterbrechen, sich unterhalten, unterrichten (2), verbieten, vermuten (?), versprechen, (sich) verteidigen, verurteilen, vorlesen, vorsagen, vorschlagen, vorwerfen, warnen, widersprechen, wiederholen.
[Erläuterung: Eine Klammer mit Fragezeichen hinter einem Verb besagt, dass ich mir nicht sicher bin, ob das Verb wirklich zum Wortfeld des Sprechens gehört. Eine (2) an gleicher Stelle besagt, dass ich zwei Bedeutungen des Verbs kenne.]

Zum Aufbau dieses Wortfeldes – ein Vorschlag von September 2004:

  1. sagen (vor dass-Satz, vor wörtlicher oder indirekter Rede);

– auch im Kontrast zu „nicht sagen“: etwas sagen;

– sprechen (vs. schweigen);

  1. reden (vs. handeln);
  2. Bezeichnung dessen, wie jemand spricht:
  • nach der Lautstärke (oder Höhe) der Stimme;
  • nach der Stimmung, die dabei zum Ausdruck kommt;
  • nach dem Stil (durch Funktion des Sprechens bestimmt);
  • zur Kennzeichnung der Geltung des Gesagten (in der Argumentation);
  • nach dem beim bzw. zum Sprechen benutzten Medium;
  1. Bezeichnung für einen Aspekt der Kommuunikation als solcher;
  2. Versuch, den anderen durch Worte zu etwas zu bewegen;
  3. im Verhältnis der Über- bzw. Unterordnung sprechen;
  4. in der Situation des Belehrens sprechen
  5. Bezeichnungen, die eine Stellungnahme (Urteil) einschließen:
  • dem Sprechen oder Handeln des anderen zustimmen;
  • das Gesagte bzw. das Sprechen kritisieren;
  • Handlungen bzw. Handeln kritisieren;
  1. der Akt der Benennung (Namengebung);
  2. sprachliches Handeln in anderen Situationen [Restkategorie].

2. Beim Abitur sollte jeder Schüler außerdem verstehen:
ablehnen, ableiten (?), absagen, absprechen, abstrahieren (?), abstreiten, abwägen (?), analysieren, analysieren, anbeten, anbieten, anbrüllen, andeuten, anerkennen, anfahren, angeben (2), anklagen, ankündigen, anmelden, anmerken, annehmen (?), anordnen, ansagen, anschreien, anspornen, ansprechen (2), anstacheln, anvertrauen, anweisen, anzeigen (?), anzweifeln, argumentieren, auffordern, aufhetzen, aufklären, aufmuntern, aufsagen, aufschwatzen, auftragen, auftrumpfen, aufwiegeln, aufzählen, ausdrücken, ausführen, ausplaudern, ausrichten, ausrufen, aussagen, ausschließen (?), äußern, aussprechen, beantragen, beanspruchen, sich bedanken, befragen, befürworten, begründen, beichten, beipflichten, bejahen, bejammern, bekanntgeben [oder: bekannt geben], bekannt machen [oder: bekanntmachen] (2), bekennen, (sich) beklagen, belegen (?), beleidigen, bemerken, benachrichtigen, benennen, beraten, berichten, berichtigen, beruhigen (?), besänftigen(?), beschimpfen, beschließen (2), beschuldigen, beschwatzen, beschwichtigen (?), beschwören, bestätigen, bestimmen, bestreiten, bestürmen, beten, beteuern, betteln, beurteilen, beweisen, bewerten, bewundern (?), bezeichnen, beziehen (?), bezeugen, bezweifeln, billigen, brummen, sich brüsten, darlegen, darstellen, dazwischenreden, debattieren, definieren, dementieren, deuten, dichten, diskutieren, drängen (?), durchsagen, eingestehen, einleiten, einlenken (?), einreden (etwas/auf jem.), einweisen (?), einwenden, einwerfen, entgegnen, entscheiden, entschlüpfen, (sich) entschuldigen, erinnern, ermuntern, ermutigen, erörtern, erwähnen, erwidern, exemplifiziren, falsifizieren, faseln, feststellen, fluchen, folgern (?), fordern, formulieren, fortfahren, freisprechen, gebieten, geloben, genehmigen, gestehen, grölen, gutheißen, heißen (2), sich herausreden, herunterrasseln, herunterspielen, hervorheben, hervorstoßen, hetzen, hineinreden, hinterfragen (?), hinweisen, hinzufügen, interpretieren, interviewen, jammern, jauchzen, johlen, jubeln, jubilieren, klagen, klarmachen, klarstellen, klassifizieren, (klatschen (= Klatsch erzählen), kommandieren, kommentieren, kondolieren, konfrontieren, konkretisieren, krächzen, kreischen, kritisieren, kundgeben, lachen (?), lallen, lamentieren, lästern (2), lehren, leugnen, lispeln, lospoltern, sich lossagen, meinen, (sich) melden, missbilligen, mitteilen, moderieren, munkeln, murmeln, nachgeben (?), nachplappern, nachsagen (2), nachsprechen, nebenordnen, negieren, nörgeln, offenbaren, paraphrasieren, plappern, plaudern, postulieren, präzisieren, predigen, preisen, protestieren, quengeln, radebrechen, raten (2), raunen, referieren, reklamieren (?), richtigstellen, schildern, schließen (?), schmeicheln, schwatzen, schwätzen, schwören, seufzen, spezifizieren, spotten, stammeln, staunen, sticheln, stocken, stöhnen, stottern, strukturieren (?), subsumieren, tadeln, tuscheln, übermitteln, überordnen (?), überreden, übertreiben, überzeugen(?), sich unterhalten, unterordnen, sich unterreden, untersagen, unterstellen, unterstreichen, unterteilen (?), unterweisen, urteilen, (sich) verabschieden, verallgemeinern, sich verbitten, verdeutlichen, vergleichen, verheißen, verhören, verifizieren, verkünden, verleugnen, verneinen, versichern, verspotten, sich versprechen, (sich) verständigen, verteidigen (?), verweigern, verweisen (2), verzeihen (?), voraussagen, vorbringen, vorhalten, vorhersagen, vorschreiben, vorstellen, vortragen, vorwerfen, sich weigern, weitersagen, widerlegen, widerrufen, wiedergeben, wimmern, sich wundern, würdigen, zanken (?), zerreden, zitieren, zugeben, zugestehen, zurechtweisen, zurückgeben, zurückweisen, zusagen, zusammenfassen, zustimmen, zutexten, zuweisen (?).

3. Aus der niederen Umgangssprache dürften bekannt sein:
anschnauzen, antippen, aufschwatzen, auspacken, ausspucken, babbeln, bequatschen, beschwatzen, blöken, blubbern, brabbeln, durchkauen, faseln, herummotzen, labern, lallen, mosern, motzen, nuscheln, quaken, quakeln, quasseln, quatschen, ratschen, schleimen, schwafeln, stänkern, tratschen.

4. Ferner (z.T. metaphorisch, z.T. Bildungssprache):
abschließen, abschwören, aufmuntern, bedeuten, beeiden, bellen, beweinen, deklamieren, durchhecheln, flöten, gurren, kundtun, lossprechen, piepsen, radotieren [veraltet], schluchzen(?), wispern.

Anmerkungen:
* Die Einteilung nach „1./2./3./4.“ habe ich rein gefühlsmäßig vorgenommen.
* Manche Verben werden auch metaphorisch verwendet (z.B. „anbeten“).
* Es fehlen die feststehenden Wendungen: einen Antrag stellen, ins Wort fallen, Mut zusprechen usw.; zu bedenken geben, zu verstehen geben, gut zureden usw.
* Manchmal ist schwer zu entscheiden, ob ein Wort (auch) zum Wortfeld des Sprechens gehört, z.B. „ärgern, zanken, überzeugen“ u.a.; viele Tätigkeiten, die mit einem Verb benannt werden, gehen nämlich sprachlich vor sich, während das Verb eher die Tätigkeit als solche, weniger die sprachliche Seite ausdrückt. Diese Verben sind mit einem (?) markiert.
Da Sprechen wesentlich Tätigkeit, Handlung ist, kann es analog wie jede Handlung anheben, beginnnen, kann man damit fortfahren, es fortsetzen und unterbrechen. Wenn solche Verben speziell einen Aspekt des Sprechens bezeichnen, wird ihre Valenz anders: jemand unterbrechen (statt: etwas u.), „fortfahren“ und „hinzufügen“ (absolut, ohne Angaben).

Vgl. auch http://www.mikes-media.com/Download/Material-L/UV-D5-Wortfeld%20sagen.pdf

Wie man die Wörter eines Wortfelds mit Hilfe eines guten Wörterbuchs ermitteln kann, wird hier erklärt (einschließlich Wörterbuch-Link): https://norberto68.wordpress.com/2013/06/07/wortfeld-untersuchen-z-b-fahren/

Wortfeld „essen“ – eine Übung zu Stilebenen

Unter den Suchwörtern „– tafeln – schwelgen – sich gütlich tun“ findet man eine Datei namens „Stilebenen“ (bitte jetzt noch nicht hineinschauen!). Dort werden als Beispiele für das Wortfeld „essen“ folgende Verben genannt:

Nahrungsstoffe aufnehmen, dinieren, sich ernähren, essen, fooden, fressen, futtern, innebuttern, kosten, mampfen, reinhauen, reinschaufeln, schlemmen, schmausen, schmecken, schwelgen, spachteln, speisen, tafeln, sich gütlich tun, verputzen, vertilgen, sich den Bauch vollschlagen

Wir wollen jetzt nicht versuchen, die feinen Bedeutungsunterschiede herauszufinden (dazu kann man ins Wörterbuch schauen), sondern die Verben auf verschiedene Stilebenen zu verteilen.

1. Aufgabe:

Verteile die 23 Verben auf die vier Stilebenen:

* Poetisch

* Gehoben, schriftlich

* Umgangssprachlich, mündlich

* Verpönt (vulgär)

2. Aufgabe:

Ordne die Verben der 2. Stilebene den Kategorien „Fachsprache – Standardsprache – Gehobene Sprache“, die Verben der 3. Stilebene den Kategorien „Jugendsprache – Umgangssprache – Jargon“ zu.

Wenn du beide Aufgaben gelöst hast, kann du ja mal in das Lehrbuch reinschauen (s.o.), auf dessen Seite du die Verben und ihre Zuordnung zu den Stilebenen und Kategorien findest.

Ich will dich hier nicht prüfen, sondern mit Hilfe deiner Kompetenz die Aufteilung im Lehrbuch in Frage stellen. Nach meiner Auffassung soll ein guter Unterricht nicht einfach Verteilung von Verben auf Stilebenen „lehren“, sondern die Problematik und den Sinn einer Unterscheidung von Stilebenen aufzeigen: Hast du genau die Lösung des Lehrbuchs gefunden? Wenn nicht, ist das nicht schlimm, sondern ein Anlass, dass du dich der folgenden Aufgabe zuwendest:

3. Aufgabe:

Prüfe und erörtere die Zuteilung der Kategorien zu den Stilebenen „gehoben“ und „umgangssprachlich“. (Ich finde es jedenfalls problematisch, die Standardsprache dem gehobenen Stil zuzuordnen.)

Zweck der Übung ist es, die Problematik der Zuordnung einzelner Verben zu Stilebenen aufzuzeigen. – – – Zur Information:

Bei Wikipedia findet man unter „Rhetorik“:

Stilhöhen einer Rede

Die antike Stiltheorie unterschied v. a. drei Stilebenen für Reden, die teilweise lose mit den Wirkungsweisen verknüpft wurden. Welche Stilebene wann zu wählen sei, war Gegenstand heftiger Debatten, von denen etwa Ciceros Orator Zeugnis ablegt. Cicero plädiert dafür, die Stilebene je nach dem Gegenstand der Rede zu wählen:

*       genus humile oder subtile: schlichter Stil ähnlich der Alltagssprache, arbeitet besonders mit einfacher Argumentation

*       genus medium oder mixtum: mittlerer bzw. gemischter Stil, typisch etwa für den wissenschaftlichen Vortrag

*       genus grande oder sublime: gehobener bzw. erhabener Stil, steht der dichterischen Sprache  nahe, arbeitet stark mit Affekterzeugung

Die ersten 50 Links bei google mit dem Suchwort „Stilebenen“ ergeben Folgendes:

http://www.litde.com/grundlagen-der-textgestaltung/stilistik/ebenen-der-stilbeschreibung.php

http://www.gottwein.de/Stilistik/Stil02.php

http://www.li-go.de/uebungsansicht/rhetorik/generadicendi.html (mit Übung)

http://www.klett.de/sixcms/media.php/570/SamplePages_Mittelpunkt_Textsortentrainer.698656.pdf

http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/index.html?http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/varietaeten.php

http://www.topos-online.at/html-texte/redestil.htm

http://wboe.oeaw.ac.at/media/51-ukStilistischeMarkierungen.pdf (gut!)

http://www.uni-regensburg.de/Uni/Virtuell/Lektion5neu.pdf

„Stilistik“ und „Rhetorik“ sind die traditionellen Wissenszweige, denen die Frage nach der („richtigen“) Stilebene zugeordnet war. Die neue wissenschaftliche Entwicklung spricht allgemeiner und ohne zu werten von Sprachvarietäten.

Unter dem Stichwort „Sprachvarietäten“ findet man u.a.:

http://www.germsem.uni-kiel.de/hundt/material/2006-WS/P-A2-Reader-007.pdf

http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DocumentServlet?id=10060 (sehr umfangreich)

Hier zeigte sich das Problem des richtigen Suchwortes: „Sprachvarietät“ ist zwar gemeint, aber als Suchwort zu eng; „Varietät“ ist zu weit, da auch in Biologie, Mathematik u.a. gebraucht. So bin ich schließlich auf ‚linguisti* +varietät*‘ gekommen, um Adjektiv/Nomen und Singular/Plural mitzuerfassen. Vermutlich wäre ‚(sprach* OR linguisti*) +varietät‘ am besten.

http://linguistik.suite101.de/article.cfm/dialekt-vs-varietaet–linguistische-definition

http://www.germsem.uni-kiel.de/hundt/material/2006-WS/P-A2-Reader-007.pdf

http://www.online-lexikon.com/index.php?q=sprachvariet%C3%A4t&type=wiki

http://de.wikipedia.org/wiki/Jargon

http://lexikon.power-oldie.com/Kategorie:Linguistische_Varietät

http://www.linguistik-online.uni-kiel.de/germanistik/bockmann/material/diasystem.pdf

http://coli.lili.uni-bielefeld.de/~metzing/gs-linguistik0102/18.12.ppt

http://www.phil.uni-passau.de/fileadmin/group_upload/15/Heinz-PS-Foliensammlung-praesentation.ppt

http://jannisandroutsopoulos.files.wordpress.com/2009/12/jannis_janet_proofs_checked.pdf

http://cornelia.siteware.ch/linguistik/varietaet.html

Und noch zwei Adressen für Österreichisch und Schweizerisch als Varietäten:

http://www.linse.uni-due.de/linse/esel/arbeiten/oesterr_varietaet.html

http://www.idiotikon.ch/Texte/Bickel/NationaleVarietaet.pdf

P.S. Spaßeshalber habe ich mich gerade getestet (kann man, wie ich eben zufällig gefunden habe, unter http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx). Und was habe ich als Ergebnis bekommen? Ich schreibe „wie Theodor Fontane“. Nicht schlecht, finde ich; damit kann ich gut leben. Hoffentlich stört es Fontane nicht. – Zweiter Test (mit einem längeren Text): Ich schreibe „wie Friedrich Nietzsche“. Auch nicht schlecht! Aber wie ist es mit dem Unterschied zwischen Fontane und Nietzsche? Quatsch, keine dummen Fragen! Ich schreibe sehr gut, das ist die Hauptsache. – Am 4. Oktober schreibe ich wie Sigmund Freud – ich bin stolz auf mich. Ich habe den gleichen Text mehrfach eingegeben: Immer wieder kam „wie Sigmund Freud“, es war also kein Zufallsgenerator am Werk.

Wie man die Wörter eines Wortfelds mit Hilfe eines guten Wörterbuchs ermitteln kann, wird hier erklärt (einschließlich Wörterbuch-Link): https://norberto68.wordpress.com/2013/06/07/wortfeld-untersuchen-z-b-fahren/