Wortfeld „essen“ – eine Übung zu Stilebenen

Unter den Suchwörtern „– tafeln – schwelgen – sich gütlich tun“ findet man eine Datei namens „Stilebenen“ (bitte jetzt noch nicht hineinschauen!). Dort werden als Beispiele für das Wortfeld „essen“ folgende Verben genannt:

Nahrungsstoffe aufnehmen, dinieren, sich ernähren, essen, fooden, fressen, futtern, innebuttern, kosten, mampfen, reinhauen, reinschaufeln, schlemmen, schmausen, schmecken, schwelgen, spachteln, speisen, tafeln, sich gütlich tun, verputzen, vertilgen, sich den Bauch vollschlagen

Wir wollen jetzt nicht versuchen, die feinen Bedeutungsunterschiede herauszufinden (dazu kann man ins Wörterbuch schauen), sondern die Verben auf verschiedene Stilebenen zu verteilen.

1. Aufgabe:

Verteile die 23 Verben auf die vier Stilebenen:

* Poetisch

* Gehoben, schriftlich

* Umgangssprachlich, mündlich

* Verpönt (vulgär)

2. Aufgabe:

Ordne die Verben der 2. Stilebene den Kategorien „Fachsprache – Standardsprache – Gehobene Sprache“, die Verben der 3. Stilebene den Kategorien „Jugendsprache – Umgangssprache – Jargon“ zu.

Wenn du beide Aufgaben gelöst hast, kann du ja mal in das Lehrbuch reinschauen (s.o.), auf dessen Seite du die Verben und ihre Zuordnung zu den Stilebenen und Kategorien findest.

Ich will dich hier nicht prüfen, sondern mit Hilfe deiner Kompetenz die Aufteilung im Lehrbuch in Frage stellen. Nach meiner Auffassung soll ein guter Unterricht nicht einfach Verteilung von Verben auf Stilebenen „lehren“, sondern die Problematik und den Sinn einer Unterscheidung von Stilebenen aufzeigen: Hast du genau die Lösung des Lehrbuchs gefunden? Wenn nicht, ist das nicht schlimm, sondern ein Anlass, dass du dich der folgenden Aufgabe zuwendest:

3. Aufgabe:

Prüfe und erörtere die Zuteilung der Kategorien zu den Stilebenen „gehoben“ und „umgangssprachlich“. (Ich finde es jedenfalls problematisch, die Standardsprache dem gehobenen Stil zuzuordnen.)

Zweck der Übung ist es, die Problematik der Zuordnung einzelner Verben zu Stilebenen aufzuzeigen. – – – Zur Information:

Bei Wikipedia findet man unter „Rhetorik“:

Stilhöhen einer Rede

Die antike Stiltheorie unterschied v. a. drei Stilebenen für Reden, die teilweise lose mit den Wirkungsweisen verknüpft wurden. Welche Stilebene wann zu wählen sei, war Gegenstand heftiger Debatten, von denen etwa Ciceros Orator Zeugnis ablegt. Cicero plädiert dafür, die Stilebene je nach dem Gegenstand der Rede zu wählen:

*       genus humile oder subtile: schlichter Stil ähnlich der Alltagssprache, arbeitet besonders mit einfacher Argumentation

*       genus medium oder mixtum: mittlerer bzw. gemischter Stil, typisch etwa für den wissenschaftlichen Vortrag

*       genus grande oder sublime: gehobener bzw. erhabener Stil, steht der dichterischen Sprache  nahe, arbeitet stark mit Affekterzeugung

Die ersten 50 Links bei google mit dem Suchwort „Stilebenen“ ergeben Folgendes:

http://www.litde.com/grundlagen-der-textgestaltung/stilistik/ebenen-der-stilbeschreibung.php

http://www.gottwein.de/Stilistik/Stil02.php

http://www.li-go.de/uebungsansicht/rhetorik/generadicendi.html (mit Übung)

http://www.klett.de/sixcms/media.php/570/SamplePages_Mittelpunkt_Textsortentrainer.698656.pdf

http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/index.html?http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/varietaeten.php

http://www.topos-online.at/html-texte/redestil.htm

http://wboe.oeaw.ac.at/media/51-ukStilistischeMarkierungen.pdf (gut!)

http://www.uni-regensburg.de/Uni/Virtuell/Lektion5neu.pdf

„Stilistik“ und „Rhetorik“ sind die traditionellen Wissenszweige, denen die Frage nach der („richtigen“) Stilebene zugeordnet war. Die neue wissenschaftliche Entwicklung spricht allgemeiner und ohne zu werten von Sprachvarietäten.

Unter dem Stichwort „Sprachvarietäten“ findet man u.a.:

http://www.germsem.uni-kiel.de/hundt/material/2006-WS/P-A2-Reader-007.pdf

http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DocumentServlet?id=10060 (sehr umfangreich)

Hier zeigte sich das Problem des richtigen Suchwortes: „Sprachvarietät“ ist zwar gemeint, aber als Suchwort zu eng; „Varietät“ ist zu weit, da auch in Biologie, Mathematik u.a. gebraucht. So bin ich schließlich auf ‚linguisti* +varietät*‘ gekommen, um Adjektiv/Nomen und Singular/Plural mitzuerfassen. Vermutlich wäre ‚(sprach* OR linguisti*) +varietät‘ am besten.

http://linguistik.suite101.de/article.cfm/dialekt-vs-varietaet–linguistische-definition

http://www.germsem.uni-kiel.de/hundt/material/2006-WS/P-A2-Reader-007.pdf

http://www.online-lexikon.com/index.php?q=sprachvariet%C3%A4t&type=wiki

http://de.wikipedia.org/wiki/Jargon

http://lexikon.power-oldie.com/Kategorie:Linguistische_Varietät

http://www.linguistik-online.uni-kiel.de/germanistik/bockmann/material/diasystem.pdf

http://coli.lili.uni-bielefeld.de/~metzing/gs-linguistik0102/18.12.ppt

http://www.phil.uni-passau.de/fileadmin/group_upload/15/Heinz-PS-Foliensammlung-praesentation.ppt

http://jannisandroutsopoulos.files.wordpress.com/2009/12/jannis_janet_proofs_checked.pdf

http://cornelia.siteware.ch/linguistik/varietaet.html

Und noch zwei Adressen für Österreichisch und Schweizerisch als Varietäten:

http://www.linse.uni-due.de/linse/esel/arbeiten/oesterr_varietaet.html

http://www.idiotikon.ch/Texte/Bickel/NationaleVarietaet.pdf

P.S. Spaßeshalber habe ich mich gerade getestet (kann man, wie ich eben zufällig gefunden habe, unter http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx). Und was habe ich als Ergebnis bekommen? Ich schreibe „wie Theodor Fontane“. Nicht schlecht, finde ich; damit kann ich gut leben. Hoffentlich stört es Fontane nicht. – Zweiter Test (mit einem längeren Text): Ich schreibe „wie Friedrich Nietzsche“. Auch nicht schlecht! Aber wie ist es mit dem Unterschied zwischen Fontane und Nietzsche? Quatsch, keine dummen Fragen! Ich schreibe sehr gut, das ist die Hauptsache. – Am 4. Oktober schreibe ich wie Sigmund Freud – ich bin stolz auf mich. Ich habe den gleichen Text mehrfach eingegeben: Immer wieder kam „wie Sigmund Freud“, es war also kein Zufallsgenerator am Werk.

Wie man die Wörter eines Wortfelds mit Hilfe eines guten Wörterbuchs ermitteln kann, wird hier erklärt (einschließlich Wörterbuch-Link): https://norberto68.wordpress.com/2013/06/07/wortfeld-untersuchen-z-b-fahren/

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