Lehrer werden in Deutschland kaum respektiert

Unter dieser Überschrift referiert der SPIEGEL die Ergebnisse einer internationalen Umfrage, nach der die Lehrer in Deutschland nicht gut abschneiden: http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/weltweite-umfrage-deutsche-lehrer-werden-kaum-respektiert-a-925826.html

Versehentlich hatte ich diesen kleinen Artikel gelöscht, ihn und die Quelle auch über google (cache) nicht wieder gefunden [teoma war, was die Quellensuche angeht, eindeutig besser als google], dann aber in der SPIEGEL-Suche den Bezugsartikel erneut entdeckt. Zugleich habe ich einige andere Berichte und ein Interview über die gleiche Umfrage gefunden:

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/umfrage-lehrer-in-deutschland-geniessen-wenig-ansehen/8881060.html

http://www.20min.ch/schweiz/news/story/26270270 (Interview Urs Moser, kritisch zur Umfrage)

http://www.fnp.de/nachrichten/politik/Umfrage-Ansehen-der-Lehrer-in-Deutschland-schlecht;art160,647151

http://www.welt.de/politik/deutschland/article120587133/Lausiges-Zeugnis-fuer-die-deutschen-Lehrer.html

http://www.20min.ch/schweiz/news/story/16649016

http://www.suedostschweiz.ch/politik/vertrauen-schweizer-schulsystem-sehr-hoch

http://www.bbc.co.uk/news/education-24381946

http://www.theguardian.com/teacher-network/teacher-blog/2013/oct/03/teacher-respect-status-global-survey

http://manilastandardtoday.com/2013/10/04/thanks-teach/

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Stern – Neubauer: Intelligenz – statt einer Besprechung

Elsbeth Stern – Aljoscha Neubauer: Intelligenz. Große Unterschiede und ihre Folgen, 2013

Heute stand in der SZ eine große Besprechung des neuen Buches von Elsbeth Stern und Aljoscha Neubauer, die aber leider online nicht greifbar ist. Ich halte das Buch für bemerkenswert und habe deshalb gesucht, was man dazu finden kann:

Die Autoren haben den Ertrag ihres Buches in zehn Thesen zusammengefasst und diese erläutert (http://www.zeit.de/2013/13/Elsbeth-Stern-Aljoscha-Neubauer-Intelligenz). Ich präsentiere hier die Thesen und bitte, die Erläuterungen selbst nachzulesen: Ein Klick genügt.

Erstens: Wir müssen den besonders intelligenten Nachwuchs fördern, denn wir brauchen ihn.

Zweitens: Intelligenz ist messbar.

Drittens: Intelligenz ist wichtig, andere Fähigkeiten werden überschätzt.

Viertens: Das Zusammenwirken von Genen und Umwelt macht den Unterschied.

Fünftens: Die Bedeutung der Frühförderung wird gleichzeitig überschätzt und unterschätzt.

Sechstens: Die Schule macht den Unterschied.

Siebtens: Die Unterrichtsqualität entscheidet, nicht die schulischen Rahmenbedingungen.

Achtens: Schlaue Kinder brauchen gute Lehrer.

Neuntens: Die Universität braucht die Intelligentesten.

Zehntens: Wir brauchen mehr Intelligenztests.

http://www.rezensions-seite.de/rezensionen/kulturwissenschaft/elsbeth-stern-aljoscha-neubauer-intelligenz/ (kurze Besprechung)

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/2127747/ (Vorstellung in dradio, kritisch)

http://www.educ.ethz.ch/pro/litll/psychologie_heute_2013 (Rezension)

http://www.der-zauberberg.eu/sachbuch/223-intelligenz.html (kritische Rezension)

http://cdvolko.blogspot.de/2013/03/kommentar-zu-wir-brauchen-die-schlauen.html (Kritik der zehn Thesen)

http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/elsbeth-stern-nur-ein-fuenftel-der-schueler-soll-aufs-gymnasium-a-898282.html (Interview mit Elsbeth Stern)

http://www.salzburg.com/nachrichten/gesundheit/wellness/sn/artikel/mehr-als-die-halbe-intelligenz-ist-vererbt-58504/ (Gespräch mit E. Stern, 2013)

http://www.br.de/fernsehen/br-alpha/sendungen/alpha-forum/elsbeth-stern-sendung100.html (Gespräch mit E. Stern, 2011  – sehr ausführlich!)

http://www.psychologiederschule.de/Episode-32-Intelligenz-Unterschiede-in-der-Hardware_Gene_Gehirn_Schulerfolg.php (Film zum Thema)

http://www.educ.ethz.ch/pro/litll (Literatur zum Thema: Links)

Auf die Lehrer kommt es an

Selten hat mir ein Beitrag über Schulprobleme so sehr aus der Seele gesprochen wie Michael Feltens Aufsatz „Auf die Lehrer kommt es an“ (SZ 21. Dezember 2011, S. 2). Der Kernsatz lautet: „Wir brauchen eine Renaissance der Lehrerpersönlichkeit.“ Dazu möchte ich drei Ergänzungen vortragen: 1. Wir brauchen eine bessere Ausbildung der Referendare. Dem steht in NRW die Verkürzung der Referendarzeit auf anderthalb Jahre entgegen; dem steht entgegen, dass Referendare dazu missbraucht werden, Lehrermangel zu kaschieren und Pflichtstunden zu erteilen, statt umfassend ausgebildet zu werden; dem steht weiter entgegen, dass sie ihren Fachleitern meist methodisch überladenes Kunstturnen vorführen müssen, statt zeigen zu dürfen, dass sie das normale Handwerkszeug beherrschen. 2. Wir brauchen für Junglehrer eine Schonfrist von zwei Jahren, in denen ihnen drei Wochenstunden Unterricht erlassen werden, damit sie auch im Ernstfall noch ihren Unterricht didaktisch reflektieren oder mit erfahrenen Kollegen besprechen können. 3. Wir brauchen eine praxisrelevante Fortbildung auch der erfahrenen Kollegen.

Zu dem, was wir nicht brauchen, gehören die ewigen Debatten über selig machende Schulformen und die unermüdliche Neuerfindung garantiert erfolgreicher Methoden, über welche die Schüler hinter dem Rücken der Lehrperson nur lachen. Was wir auch nicht brauchen, ist der Missbrauch von Reformbegriffen zu Zwecken der eigenen politischen Profilierung (z.B. Inklusion). Aber das ist ein neues Thema.

P.S. Ein Beispiel, wieso es auf die Lehrer ankommt, dieser Tage miterlebt: In einem Leistungskurs Deutsch am Gymnasium wird am Freitag eine Klausur geschrieben (Gedichtvergleich); bis Montag der gleichen Woche ist noch kein einziger Gedichtvergleich durchgeführt worden (stattdessen gab es Schülerreferate über Epochen der Literaturgeschichte, natürlich ohne Beispiele, ohne Verstand aus Wörterbüchern und Internetartikeln abgeschrieben). Was sollen da alle Struktur- und Methodendiskussionen, wenn eine junge Kollegin ihre eigene Arbeit nicht organisiert bekommt?

Gerhard Roth: Bildung braucht Persönlichkeit. Wie Lernen gelingt (2011) – Besprechung

Dieses Buch des Neurobiologen G. Roth hat Tanjev Schultz in der SZ vom 10. Juni 2011 unter der Überschrift „Hirnforscher lehrt: Gute Lehrer brauchen keine Hirnforschung“ sehr positiv besprochen. Ich referiere kurz dessen Besprechung:

Bemerkenswert ist die Einsicht, dass der Längsschnitt eines Gehirns noch nicht viel über die an ihm angeblich demonstrierte pädagogische These besagt. Hauptthese Roths sei es, dass es beim Lernen und Lehren auf die Persönlichkeit ankomme, also auf die individuelle Art des Denkens, Fühlens und Wollens wie auf die Bindungs- und Kommunikationsfähigkeit (des Schülers und auch des Lehrers). Das ergibt die fruchtbare oder auch schwierige Konstellation: die Beziehung des Lehrers zu den Kindern. Roth fordert, dass Schüler ihre Lehrer jeden Tag persönlich unter vier Augen sprechen können müssten [eine Utopie – N.T.]. Neben den Inhalten seien drei Faktoren ausschlaggebend: Intelligenz, Motivation und Fleiß [der Schüler, nehme ich an, aber ich würde das auch für die Lehrer sagen, N.T.].

Insgesamt: ein vernünftiges Buch, wo man auch etwas über das Gehirn erfährt, wo aber solide pädagogische Einsichten nicht neurobiologisch begründet werden. Zugleich ein Appell an die Lehrer, stärker zusammenzuarbeiten und von den Vorgängern und Kollegen das zu lernen, was sich bei denen bewährt hat, statt alle Jahre das Rad neu erfinden zu wollen. – Das Buch ist bei Klett-Cotta erschienen und kostet 19,95.