Auf die Lehrer kommt es an

Selten hat mir ein Beitrag über Schulprobleme so sehr aus der Seele gesprochen wie Michael Feltens Aufsatz „Auf die Lehrer kommt es an“ (SZ 21. Dezember 2011, S. 2). Der Kernsatz lautet: „Wir brauchen eine Renaissance der Lehrerpersönlichkeit.“ Dazu möchte ich drei Ergänzungen vortragen: 1. Wir brauchen eine bessere Ausbildung der Referendare. Dem steht in NRW die Verkürzung der Referendarzeit auf anderthalb Jahre entgegen; dem steht entgegen, dass Referendare dazu missbraucht werden, Lehrermangel zu kaschieren und Pflichtstunden zu erteilen, statt umfassend ausgebildet zu werden; dem steht weiter entgegen, dass sie ihren Fachleitern meist methodisch überladenes Kunstturnen vorführen müssen, statt zeigen zu dürfen, dass sie das normale Handwerkszeug beherrschen. 2. Wir brauchen für Junglehrer eine Schonfrist von zwei Jahren, in denen ihnen drei Wochenstunden Unterricht erlassen werden, damit sie auch im Ernstfall noch ihren Unterricht didaktisch reflektieren oder mit erfahrenen Kollegen besprechen können. 3. Wir brauchen eine praxisrelevante Fortbildung auch der erfahrenen Kollegen.

Zu dem, was wir nicht brauchen, gehören die ewigen Debatten über selig machende Schulformen und die unermüdliche Neuerfindung garantiert erfolgreicher Methoden, über welche die Schüler hinter dem Rücken der Lehrperson nur lachen. Was wir auch nicht brauchen, ist der Missbrauch von Reformbegriffen zu Zwecken der eigenen politischen Profilierung (z.B. Inklusion). Aber das ist ein neues Thema.

P.S. Ein Beispiel, wieso es auf die Lehrer ankommt, dieser Tage miterlebt: In einem Leistungskurs Deutsch am Gymnasium wird am Freitag eine Klausur geschrieben (Gedichtvergleich); bis Montag der gleichen Woche ist noch kein einziger Gedichtvergleich durchgeführt worden (stattdessen gab es Schülerreferate über Epochen der Literaturgeschichte, natürlich ohne Beispiele, ohne Verstand aus Wörterbüchern und Internetartikeln abgeschrieben). Was sollen da alle Struktur- und Methodendiskussionen, wenn eine junge Kollegin ihre eigene Arbeit nicht organisiert bekommt?

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2 thoughts on “Auf die Lehrer kommt es an

  1. Habe Ihren Leserbrief in der sz gerne gelesen, nun Ihr Blog gefunden, bei mir verlinkt und auch die Datenbank Gedichte- schönen Dank!
    Gruß von der „Wildgans“.

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