Unterrichtsreihe: ordnen – gliedern – Gliederung anfertigen

Ordnen (eine Gliederung anfertigen)

Dass man seine Gedanken ordnen kann, ist eine für das ganze Leben bedeutsame Fähigkeit; deshalb muss sie sorgfältig erlernt und immer wieder geübt werden. Allen Lehrern leuchtet das ein, nicht aber unbedingt den Schülern in Klasse 8. Deshalb ist unsere erste Aufgabe, ihnen zu dieser Einsicht zu verhelfen: „Ordnung ist das halbe Leben!“

     Das wissen die Schüler auch dann, wenn sie es nicht zugeben; wenn sie einkaufen gehen oder wenn sie eine Sammlung von Musikstücken verwalten, bringen sie Ordnung in die Reihenfolge ihres Tuns oder des Aufbewahrens. Auch andere Leute bringen Ordnung in ihre Sachen, damit wir uns darin zurechtfinden. Als Beispiel nenne ich die Kleinanzeigen in der Samstagszeitung: Wie könnte man in fünf bis zehn Seiten Anzeigen das finden, was man sucht (eine Wohnung, einen Roller, eine Putzfrau), wenn sie nicht geordnet wären? An dieses Wissen kann man anknüpfen, wenn man den Schülern plausibel machen will: Wir müssen unsere Gedanken ordnen, damit unsere Hörer oder Leser sich besser darin zurechtfinden. Das war übrigens bereits in der antiken Rhetorik ein fundierte Einsicht: Die Rede muss eine Ordnung haben (s. „Rhetorik“ in der wikipedia).

     Bereits bei der Zuordnung von Elementen zu einem Oberbegriff (Menge) kann es Schwierigkeiten geben, wie sich nicht nur bei der Definition von „Obst“ zeigt: Das Fischfossil Tiktaalik roseae weist schon typische Anpassungen an das Landleben wie einen beweglichen Kopf, einen stabilen Brustkorb sowie funktionsfähige Schultern, Ellenbogen und Teile von Handgelenken auf. Zu Deutsch: Begriffe kann man deshalb so klar unterscheiden, weil sie von den Ereignissen in der Welt „abstrahiert“ sind.

 

Für die Anforderungen an einen guten Aufsatz habe ich den Merksatz von den vier S gefunden: 
suchen (schauen), sammeln (notieren, mit Belegen),
 sortieren (gliedern), schreiben. 
In dieser Reihenfolge sollen Schüler zu arbeiten lernen; auch die Phasen des Sammelns und Sortierens sollen dokumentiert werden (zu Deutsch: 1. Konzept oder Schmierblatt vorlegen; im Abitur ist es ein Bestandteil der Klausur und wird bei der Seitenzählung vom Lehrer mitgezählt; 2. eine Gliederung anfertigen).

 

Die einzige echte Streitfrage, die es beim Gliedern gibt oder geben kann, lautet: Genügt eine mind map, bietet sie sogar Vorteile, oder sollte man eine ausformulierte Gliederung vorlegen? Für die Ideensammlung genügt eine mind map; um einen Aufsatz zu schreiben, muss man eine Gliederung in Satzform anfertigen. Diese „unmoderne“ These will ich begründen.

     Eine mind map ist eine Sammlung von Stichworten, die durch Striche miteinander verbunden und farblich voneinander unterschieden werden können. Warum genügt das als Vorlage oder Konzept nicht für Schüler, wenn sie einen Aufsatz schreiben sollen?

1. Stichworte regen nur zu Assoziationen an, sind aber keine Gedanken; ein Gedanke wird in einem Satz ausgesprochen – das Stichwort ist nur „ein Satz voller Leerstellen“. Dem Stichwort fehlt das Verb mit seinen Objekten, mit möglichen Adverbialen; man mag sie vielleicht mitdenken oder ahnen, aber sie sind nicht fixiert.

2. In der mind map ist über den Rang und die Reihenfolge der Stichworte nicht entschieden, sie stehen gleichberechtigt nebeneinander. (Wenn eine Schweizer Anleitung fürs mindmapping sagt, man solle mit Oberbegriffen anfangen, dann ist das für Profis vielleicht ein brauchbarer Ratschlag, aber nicht für Schüler: Was die Oberbegriffe sind, müssen sie mühsam herausfinden!) Gliedern heißt, die zentralen Gedanken in Satzform festhalten und den Rang bzw. eine sinnvolle Abfolge dieser Sätze festlegen.

3. Wenn man ganz viel Übung im Gliedern hat, mag man auch mit Stichworten, bei denen man sich etwas denkt, die man einander zuordnet und nummeriert, auskommen – Schüler sind mit einem solchen Verfahren überfordert. Sie müssen ganz solide lernen, Gedanken zu formulieren und zu ordnen. „So entspricht denn ein korrekter Satz stets einem klar gefassten Gedanken.“ (Arthur Brühlmeier: Menschen bilden, 2008, S. 190)

 

Die Materialien, die ich Ihnen anbiete, stammen aus meinem eigenen Unterricht. Die Aufgabenstellungen sollen den Bereichen entstammen, die Schüler kennen; vielleicht fallen Ihnen bessere Themen ein. Eine Musterlösung ist beim Thema gegeben: Was bedeutet Freundschaft für junge Menschen? Bei den anderen Themen gibt es Lösungen, die in meinem Unterricht vorgetragen worden sind – sie sind nur begrenzt musterhaft; sie könnten Ihnen auch dazu dienen, Lösungen anderer Schüler zu diskutieren.

     Daneben gibt es Ratschläge für das Finden von Einleitung und Schluss sowie für die Überleitungen zwischen den einzelnen Hauptgedanken; außerdem habe ich einige Anregungen formuliert, mit welchen Techniken man Ideen finden kann – vielleicht finden oder kennen Sie weitere hilfreiche Techniken. Ich meine jedenfalls, dass sich bestimmte Denkschemata dazu eignen, größere Gedankenkomplexe zu formen, also auch Lücken darin zu füllen.

     Eine Reihe von Gliederungen (zur Überprüfung und Diskussion) finden Sie unter http://www.doktus.de/tagsuche/gliederung.html, aber auch in diesem Blog unter dem Tag gliedern.

 

Die Fähigkeit „Ordnen (eine Gliederung anfertigen)“ ist so wichtig, dass sie eine eigene Unterrichtsreihe erfordert; dass man die zugehörigen Arbeitsblätter nummeriert (oder datiert) und später immer wieder darauf zurückgreift. Das ist am Gymnasium bis zum Abitur erforderlich, wie die Praxis zeigt; mir haben übrigens auch schon ehemalige Schüler berichtet, dass sie auf die Arbeitsblätter unseres Aufsatzunterrichts in Klasse 8-10 noch an der Uni mit Gewinn zurückgreifen. Was will man mehr?

 

1. Ordnung ist das halbe Leben                                            Arbeitsblatt

* Du hast dir alphabetisch notiert, was du einkaufen willst:

Apfelsaft (bei Rewe)

Brötchen (beim Bäcker)

Cola (bei Rewe)

Eier (bei Aldi)

Kartoffeln (bei Aldi)

Nudeln (bei Aldi)

Nutella (bei Rewe)

Schokolade (bei Aldi)

Wenn du die Liste siehst, weißt du, dass die alphabetische Reihenfolge hier nichts nützt; denn

_______________________________________________________________________

_______________________________________________________________________

Du wirst also eine zweite Liste schreiben, in der es nur drei leitende Anweisungen gibt:

1. _____________________

2. _____________________

3. _____________________

 

* Vielleicht hast du eine Sammlung von Musikstücken – nach welchen Gesichtspunkten hast du sie geordnet?

_____________________________________________________________________________________________________________

_____________________________________________________________________________________________________________

 

* Die Kleinanzeigen in der Samstagszeitung, die über viele Seiten gehen, sind geordnet – andernfalls würde man beim Suchen verrückt. Schau in eine Samstagszeitung und notiere die Rubriken der Kleinanzeigen:

____________________________________________________________________________________________________________

____________________________________________________________________________________________________________

Die einzelnen Sparten der Kleinanzeigen sind wieder geordnet, aber nach verschiedenen Gesichtspunkten. So werden die angebotenen Gebrauchtwagen nach ________________ geordnet. Wohnungen werden nach __________________________________ geordnet angeboten; wenn man dagegen im Internet sucht, kann man Wohnungen auch nach den Mietkosten oder nach der Lage sortiert suchen. Die Anzeigen „Bekanntschaften und Heiratswünsche“ sind je nach Zeitung verschieden geordnet; schau möglichst in zwei Zeitungen und notiere die Ordnung dieser Anzeigen:

_____________________________________ / ________________________________

_____________________________________ / ________________________________

_____________________________________ / ________________________________

Sortieren und zuordnen: Ein guter Redner kann…                  Arbeitsblatt

Von einem guten Redner – Lehrer, Schüler, Bundeskanzler, Pastor, Mafiaboss – erwartest du, dass er dir etwas zu sagen hat und dich nicht langweilt. Aber wie macht er das? Wir überlegen am besten einmal, was ein guter Redner tun oder beachten muss:

– Er bleibt beim Thema und schweift nicht ab.

– Er spricht langsam.

– Er macht beim Sprechen Pausen.

– Er setzt Medien (Tafel, Film, OHP…) ein, um etwas anschaulich zu zeigen.

– Er spricht laut und deutlich.

– Er bildet kurze Sätze, die man überblickt.

– Er berücksichtigt auch mögliche Einwände.

– Er kann mit seinem Medium umgehen, macht keinen „Murks“.

– Er schaut seine Zuhörer an und klebt nicht an einem Konzept oder Buch.

– Er baut seinen Vortrag klar und übersichtlich auf.

– Er macht am Anfang klar, worauf er hinaus will.

– Er bewegt den Körper und seine Hände, er steht nicht wie ein Pfahl da.

– Er bildet ganze Sätze und führt Gedanken zu Ende.

– Er rennt nicht wild herum.

– Er argumentiert richtig und macht keine Denkfehler.

– Er macht dir klar, wieso seine Überlegungen für dich wichtig sind.

– Seine Handschrift ist gut lesbar, die Bilder und Skizzen sind verständlich.

– Er hört beizeiten auf und startet „beim Landen“ nicht dreimal durch.

Du weißt als gestresster Zuhörer sicher noch mehr, was ein guter Redner kann, etwa

_______________________________________________________________________

_______________________________________________________________________

_______________________________________________________________________

So. Nun haben wir zwar eine Liste mit Merkmalen des guten Redners; aber wenn du eine Rede überprüfen und einen Redner beraten willst, hilft dir diese Liste noch nicht wirklich, weil da alles wie Kraut und Rüben durcheinander steht. Du musst die Merkmale ordnen, damit du die Liste wirklich brauchen kannst. Daraus ergibt sich die Bitte oder Aufgabe:

Suche übergeordnete Gesichtspunkte zu den Sätzen über den guten Redner,

formuliere sie möglichst in einem ganzen Satz und ordne die einzelnen Aussagen über den guten Redner (Liste oben) diesen Gesichtspunkten zu.

     Da wir schon ´mal beim Thema sind: Wenn du möchtest, kannst du deinem geliebten Deutschlehrer in freundlicher Form sagen, was er beachten sollte, um den Kriterien eines guten Redners gerecht zu werden – noch besser gerecht zu werden als bisher, versteht sich: Das ist die zweite Aufgabe.

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Lösungserwartung:

Ein guter Redner hat geplant, was er sagt:

* Er berücksichtigt auch möglich Einwände.

* Er baut seinen Vortrag klar und übersichtlich auf.

* Er macht am Anfang klar, worauf er hinaus will.

* Er argumentiert richtig und macht keine Denkfehler.

* Er bildet ganze Sätze und führt Gedanken zu Ende.

Ein guter Redner wendet sich den Hörern zu:

* Er schaut seine Zuhörer an und klebt nicht an seinem Konzept oder Buch.

* Er macht dir klar, wieso eine Überlegungen für dich wichtig sind.

Ein guter Redner erleichtert durch die Art, wie er spricht, das Zuhören:

* Er bleibt beim Thema und schweift nicht ab.

* Er spricht langsam.

* Er macht beim Sprechen Pausen.

* Er spricht laut und deutlich.

* Er bewegt den Körper und die Hände, er steht nicht wie ein Pfahl da.

* Er rennt nicht wild herum.

Ein guter Redner setzt Medien gekonnt ein:

* Er setzt Medien ein, um etwas anschaulich zu zeigen.

* Er kann mit dem Medium umgehen, macht keinen „Murks“.

* Seine Handschrift ist lesbar, die Bilder und Sätze sind verständlich.

 

Weitere Anforderungen wären etwa:

* Er macht gelegentlich einen Scherz.

* Er spricht bildhaft und gebraucht Vergleiche.

* Er knüpft an das Vorwissen und di Erfahrungen der Hörer an.

* Er bezieht sich auf aktuelle Probleme.

 

Wenn man die Unterpunkte diese Ordnung noch einmal ordnet, hat man den Hauptteil der Gliederung des Aufsatzes: Was muss ein guter Redner beachten und können.

Sie können auch auf die Vorgabe verzichten und selber mit den Schülern zunächst die Aussagen der Liste „Ein guter Redner kann…“ sammeln, um sie dann zu ordnen.

 

(Arbeitsblatt)      Beispieltext, mit Aufgabenstellung:

Es ist Schülerzeit

Was ist guter Unterricht? Ergebnisse der Schulforschung

Nicht erst seit Veröffentlichung der PISA-Studie wird in Wissenschaft und Schule über die Frage diskutiert, was guten Unterricht ausmacht. Fünf Jahrzehnte Forschung haben mittlerweile eine tragfähige Basis von Wissen über wirksame Lehr- und Lernstrategien hervorgebracht, das jüngst in einer Schriftenreihe der UNECSO (Educational Practices Series) zusammen getragen wurde. Als besonders wirksam haben sich dabei die folgenden Verfahrensweisen erwiesen:

Orientierung über den Lehrstoff geben

Schülerinnen und Schüler müssen wissen, worum es in der Stunde geht, damit sie für wichtige Fragen sensibilisiert werden. Es ist deshalb wichtig, dass sie zu Beginn des Unterrichts einen Überblick darüber erhalten, wie der Lehrstoff strukturiert ist, was er mit den früheren Stunden zu tun hat, was die wichtigsten Aktivitäten und Schritte in der Stunde sind und welche Bedeutung das zu Lernende z.B. für ihr Alltagsleben hat.

An vorhandenem Wissen anknüpfen

Günstig ist es, wenn das bisher Gelernte als Ausgangspunkt für neue Lernprozesse genutzt wird. Lehrkräfte können z.B. Arrangements schaffen, in denen sich die Schülerinnen und Schüler mit ihrem vorhandenen Wissen auseinandersetzen müssen. Förderlich ist es auch, wenn die Lernenden vorbereitende Aufgaben für neue Inhalte in Angriff nehmen.

Aktives Lernen ermöglichen

Für die Schülerinnen und Schüler müssen Arrangements geschaffen werden, die sie herausfordern aktiv zu lernen. Die Bearbeitung von Aufträgen in außerschulischen Einrichtungen kann dazu genauso beitragen wie die gemeinsame Entwicklung und Diskussion alternativer Problemlösungen sowie das Lernen, Beobachten und Erkunden in Projekten. Wichtig ist auch, dass sie häufiger selbst über Lernwege entscheiden und dass sie immer wieder aufgefordert werden, ihre Antworten zu begründen und das Gelernte zu analysieren und zu bewerten.

Das Gelernte häufig anwenden und üben

Zum Ausschärfen und Modellieren von Fähigkeiten müssen Schülerinnen und Schüler das Gelernte in für sie interessanten Anwendungskontexten üben. Übungen müssen vor allem über die Zeit verteilt und bei späteren Aufgaben immer wieder eingestreut werden. Auch die Anwendung des Gelernten in anderen Fächern ist eine sehr nachhaltige Übung.

Schülerinnen und Schüler in Gruppen lernen lassen

Gruppenarbeit hat für Schülerinnen und Schüler viele Vorteile, weil sie näher an die Inhalte herankommen und mehr Chancen haben, ihre Kompetenzen zu erproben. Sie ist vor allem wirksam, wenn Schülerinnen und Schüler die Aufgaben untereinander aufteilen, ihre Lösungsstrategien anderen gegenüber offen legen und erläutern und sich gegenseitig Feedback und tutorielle Hilfe geben.

Das eigene Lernen überwachen

Schülerinnen und Schüler benötigen Strategien, mit denen sie ihr Lernen selbst steuern und kontrollieren können. Sie müssen dabei nicht nur lernen, wie man die eigene Arbeit plant, bei Problemlösungen vorgeht oder mit anderen produktive Gespräche führt, sie brauchen auch häufiger Gelegenheit, das Gelernte mit eigenen Worten zusammenzufassen und regelmäßige Rückblicke auf ihr Lernen durchzuführen.

Lernaktivitäten und -fortschritte analysieren und Rückmeldung geben

Um das Lernen zu unterstützen, müssen sich Lehrkräfte über die Lernschwierigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler genau informieren. Schülerinnen und Schüler brauchen Hinweise, die ihnen helfen, ihre Fehler zu verstehen, sie brauchen Rückmeldungen, um ihre Lernleistungen zu verbessern.

Interesse am Lernen der Schülerinnen und Schüler zeigen

Von besonderer Bedeutung ist ein positives Lernklima. Lehrkräfte müssen an die Fähigkeiten  ihrer Schülerinnen und Schüler glauben, sie müssen Anerkennung zeigen und nach interessanten Aufgabenstellungen suchen. Schülerinnen und Schüler müssen angstfrei Fragen stellen können und Gelegenheit haben, nicht verstandene Inhalte auf unterschiedlichen Wegen zu wiederholen.

All diese Ergebnisse verweisen darauf, dass in einem erfolgreichen Unterricht die Lehrkräfte sich vor allem förderungsorientiert und nicht in erster Linie vermittlungs- und bewertungsorientiert zeigen. In einem guten Unterricht haben die Lehrkräfte Interesse am Weiterkommen der Schülerinnen und Schüler, sie legen viel Wert auf Zuwendung und Unterstützung. Ihr Unterricht ist dabei curricular so ausgerichtet, dass Sinnzusammenhänge entstehen, d.h. dass die Inhalte miteinander vernetzt sind und die Schülerinnen und Schüler immer auch die Anwendung der Inhalte mitlernen.

Hans Haenisch

© forum schule, Landesinstitut für Schule, Soest

   (Zur Sache vgl. http://www.member.uni-oldenburg.de/hilbert.meyer/9290.html 

   http://www.edu.lmu.de/spe/downloads/WasIstGuterUnterricht.pdf

   http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/mathematik/gym/fb1/modul7/unterricht/merkmale/guter_unterricht_2_1.pdf

   http://www.uni-bielefeld.de/psychologie/ae/AE13/HOMEPAGE/DOLLASE/Unterricht_Krefeld.pdf)

Aufgabe:

Lies den Aufsatz Hans Haenischs zweimal durch.

Nenne nach deiner Einsicht die Merkmale guten Unterrichts (in Satzform) und ordne sie nach der Wichtigkeit.

 

(Andere Möglichkeiten, die Merkmale zu ordnen:

– nach dem zeitlichen Verlauf des Unterrichtens?

– nach den Anforderungen an Lehrer / an Schüler / an Arbeitsbedingungen?

– nach der Schwierigkeit, die Merkmale zu verwirklichen?

Gibt es weitere Möglichkeiten, die Merkmale zu ordnen?

Gibt es eine beste Ordnung?)

 

Eine Schülerlösung zur Aufgabe:

1 Es sollte immer ein gutes Lernklima herrschen.

2 Schüler müssen angstfrei Fragen stellen können.

3 Die Lehrer müssen mit den Schülern an interessanten Anwendungskontexten die Fähigkeiten der Schüler üben.

4 Lehrer müssen sich förderungsorientiert zeigen und nicht in erster Linie vermittlungs- und bewertungsorientiert.

5 Schüler brauchen Hinweise, damit sie ihre Fehler verstehen.

6 Die Schüler müssen am Beginn der Stunde einen Überblick über die Stunde erhalten.

7 Lehrer müssen ihre Schüler in Gruppen arbeiten lassen.

 

Zur Bearbeitung der Lösung:

– Ist sie vollständig?

– Ist sie richtig?

– Ist die Reihenfolge der Merkmale angemessen?

– Darf man Merkmale guten Unterrichts mit dem Modalverb „müssen“ umschreiben (statt in einfachen Aussagen, z.B. „2 Schüler können angstfrei Fragen stellen.“)?


 

Beispiel für die Vorbereitung einer Gliederung                                                       Arbeitsblatt

und für den Unterschied zwischen Stichwörtern (mind map) und Sätzen

 

Thema: Freundschaft

Aufgabenstellung:

1. Oberbegriffe suchen und ordnen,

2. den damit jeweils gemeinten Gedanken in einem Satz formulieren.

 

1. Begriffe:

Vertrauen

Hilfsbereitschaft

Zusammenhalt

Respekt

Konflikte

Geborgenheit

Lebensfreude

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   Aufgabe: In Einzelarbeit (!) formulieren die Schüler die mit diesen Begriffengemeinten Gedanken! Sie vergleichen ihre Lösungen und stellen Gemeinsamkeiten undUnterschiede fest.

   (Ziel: sehen, wie unterschiedlich diese Gedanken gefasst werden können!)

   Anschließend vergleichen sie ihre Lösung mit der Lösung Astrids:

2. Gedanken:

Vertrauen ist in der Freundschaft sehr wichtig, um in Problemsituationen alles mit dem Freund oder der Freundin besprechen zu können.

Hilfsbereitschaft ist ein wichtiger Teil einer Freundschaft. Wenn sie fehlt, kann es mit der Freundschaft ganz schnell vorbei sein.

Richtige Freunde halten auch in den schwierigsten Situationen zusammen.

Richtige Freunde respektieren sich gegenseitig, egal für Macken hat was der andere.

Ist man befreundet, so versucht man sich gegenseitig bei der Lösung von Konflikten zu helfen.

Wenn es wirklich Freundschaft ist, die man für den anderen empfindet, fühlt man sich geborgen.

Die Freundschaft fördert die Lebensfreude eines jeden Menschen.

——————————————————————————————-

   Idee zur Weiterarbeit:

   1. Eine vollständige Liste von Sätzen über die Freundschaft anlegen.

   2. Den Sätzen untergeordnete Gedanken oder Sätze zuordnen.

 

Muster einer Gliederung                                                 Arbeitsblatt

Man muss zunächst erfassen, über welche Frage oder welches Thema man zu schreiben hat, zum Beispiel: Worin besteht für einen jungen Menschen im Allgemeinen der Wert einer Freundschaft? – Das Thema lautet also nicht: Worin besteht wahre Freundschaft? Oder: Gibt es heute noch Freundschaft?

     Danach kann man beginnen, seine Ideen zu sammeln, also so zu notieren, wie sie einem einfallen. Man muss überprüfen, ob wirklich alle Ideen zum Thema gehören („Freundschaft kann schwierig sein.“ gehört nicht zur Bedeutung der Freundschaft!).

      Ehe man nun zu schreiben beginnt, macht man sich einen Plan, wie man die Gedanken entwickeln will: Man muss seine Ideen ordnen (d.h. gliedern); gute Ideen dafür beim Thema „Wert der Freundschaft“ sind zum Beispiel die Unterscheidungen: innere / äußere Werte; Wert für einen / für beide Freunde.

      Da ein Aufsatz eine Art Rede an einen prinzipiell unbekannten Leser ist, sollte dieses „Gespräch“ durch den Schreiber eröffnet und abgeschlossen werden; in Einleitung und Schluss gehören keine Gedanken des Hauptteils.          

 

Aufgabenstellung: Untersuche die Frage, worin im Allgemeinen für einen jungen Menschen der Wert einer Freundschaft besteht.

A) Einleitung: Was ist eigentlich Freundschaft?

B) Hauptteil: Untersuche die Frage, worin im Allgemeinen für einen jungen Menschen der Wert einer Freundschaft besteht.

1. Eine Freundschaft dient der Geselligkeit.

– gemeinsam etwas unternehmen;

– einen zuverlässigen Spielkameraden haben;

– sich austauschen können.

2. Eine Freundschaft vermittelt Geborgenheit.

– Man wird vom Freund akzeptiert, geliebt;

– man kann ihm etwas anvertrauen.

3. Eine Freundschaft verhilft zur (Selbst)Erkenntnis.

– sich selbst im anderen kennen lernen;

– aus seinen Fehlern lernen;

– Konflikte offen austragen können.                        

4. Eine Freundschaft bedeutet vielfältige Hilfe.

– direkte Hilfe in Notlagen erfahren;

– mehr Spaß am Leben haben;

– dadurch höhere Leistungen erbringen können.

C) Schluss: Man muss sich darum bemühen, dass die Freundschaft gelingt.

 Frage: Könnte man die Gesichtspunkte 1. bis 4. sinnvoller ordnen?

Technik: Einleitung; Überleitungen; Schluss finden                           Arbeitsblatt

Der Aufsatz ist eine Art Rede an den nicht anwesenden Leser. Er muss zum Thema hingeführt werden: Den Aufsatz kann man einleiten

– durch eine Definition des Hauptbegriffs, also eine Abgrenzung (der Freundschaft von der Kameradschaft);

– dadurch dass man zeigt, wodurch die untersuchte Frage zustande kommt (Ausländer werden angegriffen, ihre Wohnungen werden angezündet. -> Thema: Welche Gründe für den Ausländerhass gibt es?  Oder: Obwohl wir ehrlich sein wollen, gibt es keinen Menschen, der nicht lügt. -> Thema: Warum belügen Menschen einander?).

– Vermeidet bitte die hilflose Wendung „Immer wieder liest man in der Zeitung…“!

      Das einzelne Argument soll so ausgestaltet sein, dass ein Fremder es versteht; der Gedanke muss entfaltet werden. Doch ein Fall, ein Beispiel ist etwas, was man sich besser als eine allgemeine Aussage vorstellen kann! – Eine Reihe von Argumenten wird im Ergebnis zusammengefasst: Ein Freund kann also bei der schwierigen Aufgabe der Selbsterkenntnis helfen.  

      Die verschiedenen Hauptgedanken müssen voneinander abgegrenzt, aber auch miteinander verbunden werden. Grafisch macht man das deutlich, indem man Einleitung und Schluss sowie die Ausführung der einzelnen Hauptgedanken voneinander absetzt (= Absatz). Sprachlich sollte man von einem Gedanken zum nächsten überleiten: „Außerdem… Ebenfalls… Größere Bedeutung hat… Schließlich darf man auch nicht übersehen … Entscheidend jedoch ist…  Ein Freund bereichert einen aber nicht nur geistig; er ist auch ein Spielgefährte, mit dem man seine Freizeit verbringt…“

      Das Gespräch, also den Aufsatz kann man abschließen

– im Sinn eines Ausblicks (Kann man Ausländerhass überwinden?);

– dadurch, dass man die Idee der Untersuchung einschränkt oder in eine andere Richtung lenkt (Freundschaft ist gefährdet./ Es gibt auch viel Engagement für Ausländer./ Gibt es heute noch richtige Freundschaften unter jungen Menschen?);

– durch eine persönliche Bemerkung oder eine Wertung;

– wenn alle Stricke reißen: durch eine Zusammenfassung;

– manchmal auch durch eine für die Einleitung verworfene Idee!

Eigentlich müsste man seinen Entwurf am nächsten Tag überarbeiten. Die Frage ist, ob man sein eigenes Werk so kritisch lesen kann, dass man merkt, was daran schwer zu verstehen ist.

Aufgaben: Überprüft eure bisher geschriebenen Aufsätze unter den Gesichtspunkten dieses Arbeitsblatts! Überarbeitet einen noch nicht so gut gelungenen Aufsatz, indem ihr in die Vorlage stichwortartig Ergänzungen notiert und dann den ganzen Aufsatz neu schreibt!

 

Übung: ein Problem untersuchen                                                   Arbeitsblatt

1. Das Thema lautet: „Untersuche die Frage, wie die Technik im Haushalt hilft.“

Am Beispiel dieser Aufgabe wollen wir prüfen, nach welchen Gesichtspunkten man gesammelte Ideen ordnen kann; also hier z.B.

– nach den Räumen (in der Küche, im Bad, im Keller …);

– nach der Aufgabe (Heizung, Reinigung, Körperpflege …);

– nach der Notwendigkeit (nötig – praktisch – überflüssig);

– nach der historischen Entwicklung (zuerst …, später …);

-> -> weitere Gesichtspunkte sind möglich (wirklich!).

Die Frage ist, welche Möglichkeit sowohl alle deine Ideen erfasst wie auch für die Entwicklung des Gedankengangs günstig ist und zum Thema passt; so ist der Aspekt „nach den Räumen“ zu vordergründig, „nach der Notwendigkeit“ nicht streng auf das Thema bezogen, „nach der historischen Entwicklung“ für euch zu schwierig.

     Wichtig ist, dass man  einen leitenden Gesichtspunkt beim Ordnen durchhält (und allenfalls eine Restkategorie „Sonstiges“ neben anderen anführt).

     Wenn nach den Gründen von etwas gefragt wird („Warum…?“), kann man natürlich nur Gründe suchen; aber auch diese müssen wieder nach verschiedenen Gesichtspunkten sortiert werden.

2. Wenn man wenige (zwei oder drei) Hauptgedanken im Hauptteil hat, kann man oft einen oder mehrere davon noch einmal unterteilen; es gibt meist zu den Oberbegriffen noch Unterbegriffe, denen man wiederum verschiedene Gedanken zuordnen kann, zum Beispiel

 (1.) Die Technik hilft bei der Körperpflege,

 a) die Gesundheit zu erhalten (Zähne putzen, sich waschen…);

 b) die Schönheit zu erhalten oder zu vergrößern (…). 

 Diese Gliederung ist leichter in Form eines Baumes (Baumdiagramm) anzulegen, also „von oben nach unten“ aufteilen und dann einmal um 90° nach links drehen.

3. Man muss auch überlegen, in welcher Reihenfolge man die Hauptgedanken anordnet: Du solltest probeweise mehrere Möglichkeiten durchspielen.

4. Ihr werdet merken, dass man eine gute Gliederungsidee oder entsprechende Schemata auch dazu benutzen kann, Ideen zu finden; es gibt gar nicht viele Schemata, um Ideen zu organisieren.

5. Ich schlage vor, dass folgendes Muster bei der Formulierung der Gliederung verbindlich beachtet werden muss:

– Einleitung und Schluss werden in einem einzigen Satz, nur als Idee skizziert.

– Das Thema steht (in der Gliederung!) noch einmal über dem Hauptteil.

– Die Hauptgedanken des Hauptteils werden als Sätze formuliert, die zugehörigen Ideen können als Stichworte notiert werden.

 

Beispiel für eine ähnliche Untersuchung:                                                            Arbeitsblatt

Untersuche die Frage, aus welchen Gründen man andere Menschen belügt.

Fertige eine Gliederung deiner Gedanken an.

 

Schülerlösung (Duygu):

Untersuche die Frage, aus welchen Gründen man andere Menschen belügt.

A) Einleitung: Aus welchen Gründen belügt man andere Menschen?

B) Hauptteil: Untersuche die Frage, aus welchen Gründen man andere Menschen belügt.

1. Aus Angst belügt man andere Menschen.

– wenn man etwas geklaut hat (Notlüge)

– wenn man von jemandem unter Druck gesetzt wird

2. Es kann auch passieren, dass man eine Person belügt, um sie nicht zu verletzen.

– wenn die Person z.B. ein albernes Aussagen hat

– wenn die Person keine passenden Argumente hat

3. Man belügt eine Person, wenn man diese nicht ausstehen kann.

– wenn man durch die Person belästigt oder genervt wird

4. Wenn man eine Person betrügt, kann es sein, dass man sie belügt.

– lästern

– fremdgehen

5. Man lügt auch, wenn man unter Gruppenzwang steht.

– um der Gruppe anzugehören, sagt man Unwahres über andere oder über Gegenstände

– wenn man von der Gruppe bedroht wird, nichts zu sagen

6. Wenn man unter Druck gesetzt wird, aber keinen Ausweg weiß, erfindet man eine Ausrede.

– wenn man die Hausaufgaben nicht gemacht hat

– wenn man zu spät nach Hause kommt

C) Schluss: Zusammenfassung

 

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Aufgabenstellung:

– Prüfe die Hauptsätze (im Hauptteil), ob es keine Doppelung gibt, ob man sie ergänzen kann, ob die Reihenfolge die beste ist.

– Prüfe die Unterpunkte der Hauptsätze, ob sie klar genug sind und zum Hauptgedanken passen; prüfe, ob dir hier weitere Aspekte einfallen.

– Prüfe Einleitung und Schluss: Der Schluss ist nicht gut, die Einleitung ist falsch. Warum ist das so zu beurteilen?

– Schreibe einen Aufsatz zur Frage, aus welchen Gründen man andere Menschen belügt.

Fertige zuvor eine vollständige Gliederung an!

* Achte bitte bei der Planung darauf, dass du bei den Hauptgedanken nicht dem Fehler verfällst, den gleichen Gedanken mit anderen Worten zu wiederholen.

* Achte auch darauf, dass du die Hauptgedanken klar denkst; also nicht nur: „aus Angst lügen“ und dann unter „Angst“ alles Mögliche fassen, sondern klar denken: „aus Angst vor Strafe lügen“. Die Angst sollte genau bestimmt werden!

* Beim Aufsatz schreibe so, wie du es geplant hast:

1. Einleitung und Schluss im Aufsatz bestehen etwa aus mehreren Sätzen, nicht nur aus einem einzigen wie in der Gliederung – dort wird der Gedanke nur genannt.

2. Berücksichtige alle Aspekte wie geplant. Erkläre jeden Aspekt anhand mindestens eines Beispiels.

3. Achte darauf, dass du von einem Hauptgedanken zum nächsten überleitest, ebenso von der Einleitung zum Hauptteil und von dessen Ende zum Schluss.

 

Eine andere Gliederung zum gleichen Thema:

Untersuche die Frage, warum man andere Menschen belügt.

A) Einleitung: Fast alle Menschen belügen andere.

B) Hauptteil: Untersuche die Frage, warum man andere Menschen belügt.

1. Man belügt andere aus Angst davor, bestraft zu werden.

2. Man belügt andere Menschen, um ein Geheimnis vor ihnen zu bewahren, was sie nichts angeht.

3. Man lügt, weil man sich selbst als besser darstellen will, als man in Wirklichkeit ist („angeben“).

4. Man belügt andere, um sie nicht zu verletzen.

5. Man sagt etwas gegen die eigene Überzeugung, weil man unter dem Druck einer Gruppe steht, welche „Außenseiter“ ausschließt.

6. Man verbreitet Lügen über jemand, um sein Ansehen herabzusetzen und ihm Schaden zuzufügen.

C) Schluss: Kann man überhaupt leben, ohne zu lügen?

 

Vorschlag:

Bearbeite anschließend eines der folgenden Themen:

* Untersuche die Frage, warum viele Leute so gerne Auto fahren.

* Untersuche die Frage, was „das Fernsehen“ für uns bedeutet.

* Untersuche die Frage, nach welchen Kriterien wir unsere Mitmenschen beurteilen.

* Untersuche die Frage, warum die Ermahnungen der Eltern und Lehrer so oft wirkungslos bleiben.

 

 

Ideen finden – Hilfen beim Suchen                                           Arbeitsblatt

Man kann das, was wir über das Verhältnis von Begriffen und von Sätzen wissen, benutzen, wenn man Möglichkeiten der Gliederung sucht.

 

1. Verhältnisse von Begriffen

* Ober- und Unterbegriff:        Blume

                        Sonnenblume – Rose – Tulpe usw.;

* Teile – Ganzes: Keller, Wohnzimmer, Badezimmer … – Haus;

* eine Sache – verschiedene Aspekte: Frankreich – sein Klima, seine Geschichte, seine Bevölkerung usw.;

* alle Formen von Antonymie (Entsprechung oder Gegensatz):

Liebe – Hass; Inland – Ausland; innen – außen; laut – leise; Sonne – Mond; römische – arabische Ziffern; beweisbare – vermutete Gründe;

* Abstufung (und umgekehrt: Steigerung), dabei oft keine eindeutige Abgrenzung: arm – bedürftig – wohlhabend – reich – steinreich; Liebe – Zuneigung – Gleichgültigkeit – Abneigung – Hass.

 

2. Verhältnisse von Sätzen

Zwei miteinander verbundene Sätze können nach den gängigen grammatischen Verbindungen (Konjunktionen) in einem kausalen, einem temporalen oder einem modalen Verhältnis zueinander stehen.

      Vereinfacht formuliert kann man die kausalen Verhältnisse als sachliche Verhältnisse und Handlungszusammenhänge begreifen: Gründe (und Bedingungen) – Geschehen – Folgen, wobei beim Geschehen jemand helfend oder hindernd eingreifen kann. Beispiel:

Gründe eines Streites – Formen des Streites – Folgen des Streites.

      In einem temporalen Verhältnis werden zwei Ereignisse auf einer „Zeitachse“ ohne innere Verbindung einander zugeordnet: zuerst, dann, danach, später, zum Schluss:

Wie Streit anfängt – wie Streit sich entwickelt – wie Streit endet (beendet werden kann). 

      Die im weiten Sinn modalen Aspekte kann man eher zur Ausgestaltung eines Hauptgedankens nutzen:

– vergleichen: Es ergeht ihr so wie…; Anders als sonst üblich…

– die Umstände beschreiben: Sie stritten sich, indem sie sich beschimpften. / Sie diskutierten ernsthaft, ohne dass sie böse wurden. / Sie tauften ihn, indem sie ihn unter Wasser tauchten; dabei sagten sie…

– die Mittel beschreiben: Wenn man dagegen Staub von einem Teppich saugt, fährt man die Bürste ein.

* Achte darauf, welche Schemata dir beim Suchen helfen.

* Achte auch darauf, wie andere Leute ihr Thema gliedern.

Vorschläge für eine Klassenarbeit (Kl. 8)

Anforderungen: eine Frage aus dem Bereich der eigenen Erfahrung durchdenken, die Gedanken gliedern und darstellen

Zeit: zwei Schulstunden


Aufgabenstellung:

Bearbeite  e i n e s  der beiden folgenden Themen:

Untersuche die Frage, warum es so oft zu Spannungen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen kommt.

Untersuche die Frage, was Jugendliche tun, um schön zu sein.

 

Erläuterungen:

1. Die erste Sammlung der Ideen muss (auf einem gesonderten Blatt!) angefertigt und auch abgegeben werden.

2. Ihr sollt dann eine Gliederung nach dem verbindlichen Muster anfertigen.

3. Ihr sollt anschließend den entsprechenden Aufsatz schreiben.

4. Es ist wie üblich erlaubt, den Rechtschreibduden oder ein entsprechendes Buch zu benutzen.

 

Viel Erfolg!

 

Dass die Sammlung der Ideen abgegeben werden soll, dient der Überprüfung,

– ob die Schüler wirklich alle ihre Ideen auch genutzt und keine weiteren ungeprüft eingeschmuggelt haben,

– ob zwischen Sammeln und Schreiben die Leistung des Ordnens erbracht worden ist.

Wenn ein einigermaßen geordneter kurzer Aufsatz entsteht, sollte diese Leistung „ausreichend“ sein. Jeweils eine bessere Notenstufe können ausmachen

– die (geordnete) Fülle der Gedanken im Hauptteil,

– die sprachliche Ausgestaltung der Gedanken,

– die Qualität von Einleitung, Überleitungen und Schluss.

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Lösungen meiner Schüler zu den genannten Aufgabenstellungen:

 

Untersuche die Frage, warum es so oft zu Spannungen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen kommt.

A) Einleitung: Es gibt sehr oft Spannungen zwischen Erwachsenen und Jugendlichen.

B) Hauptteil: Untersuche die Frage, warum es so oft zu Spannungen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen kommt

1) Jugendliche und Erwachsene haben oft verschiedenen Meinungen.

 – Kinder hören nicht

 – Kinder wollen ihren Willen durchsetzen

 – Kinder tun immer das Gegenteil

 – Eltern wollen das Beste für ihre Kinder

 – Kinder müssen etwas mit ihren Eltern unternehmen

2) Die Eltern haben ihre Lebenserfahrungen gemacht und wollen den Kindern helfen.

 – Eltern beschützen ihre Kinder vor Unheil

 – Straftaten vermeiden

C) Schluss: Aber trotzdem brauchen Kinder ihre Eltern.

 

Untersuche die Frage, was Jugendliche tun, um schön zu sein.

A) Einleitung: Fast alle Jugendlichen versuchen in der heutigen Zeit schön zu sein.

B) Hauptteil: Untersuche die Frage, was Jugendliche tun, um schön zu sein.

1. Viele Mädchen schminken sich, weil sie sich dann schöner fühlen.

2. Oft kaufen sich Jugendliche Markenklamotten, obwohl sie ziemlich teuer sind.

3. Jugendliche waschen sich meist öfter als Erwachsene.

4. Auch die Haare sind wichtig, wenn man schön sein will.

5. Viele Jugendliche gehen mit einem Trend, um schön zu sein.

6. Es gibt auch noch andere Möglichkeiten, um schön zu sein, die leider oft teuer sind.

7. Aber man kann sich auch ohne viel Geld schön halten bzw. machen.

C) Schluss: Ist schön sein zu sein das Einzige, was zählt?

 

Klassenarbeit (Kl. 8)                                                                  (2002)

Anforderung: eine Frage aus dem Bereich der eigenen Erfahrung durchdenken, die Gedanken gliedern und darstellen

Zeit: zwei Schulstunden

Aufgabenstellung:

Untersuche die Frage, was Jugendliche tun, um schön zu sein.

(Daneben gab es ein zweites Thema zur Wahl: Warum es zu Spannungen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen kommt.)

Erläuterung:

Die erste Sammlung der Ideen muss auf einem Blatt angefertigt und abgegeben werden.

Ihr sollt eine Gliederung nach dem verbindlichen Muster anfertigen.

Ihr sollt anschließend den entsprechenden Aufsatz schreiben.

 

Evas Lösung

Untersuche die Frage, was Jugendliche tun, um schön zu sein.

A) Einleitung: Warum machen sich Jugendliche schön?

B) Hauptteil: Untersuche die Frage, was Jugendliche tun, um schön zu sein.

1. Jugendliche betreiben Körperpflege, um schön zu sein.

– waschen (Zähne putzen, Gesicht waschen)

– duschen / baden

– Haare waschen

2. Sie bekleiden sich gut, um schön auszusehen.

3. Um schön zu sein, enthaaren sie bestimmte Körperzonen.

– Beine rasieren

– Achseln rasieren

– Augenbrauen zupfen

4. Damit man gut aussieht, schminken sich auch viele.

– Make up

– Wimperntusche / Lidschatten

– Lippenstift / Lippgloss

C) Schluss: Das alles bedeutet aber nicht, dass man es machen muss, um schön zu sein.

 

Untersuche die Frage, was Jugendliche tun, um schön zu sein.

Jugendliche machen sich schick, um in manchen Fällen respektiert zu werden. Die meisten machen dies aber, um bei einem Jungen oder Mädchen einen besseren Eindruck zu machen. Das besonders, wenn sie bestimmte Gefühle für diese Person haben. Im Folgenden möchte ich einige Beispiele aufzählen, was Jugendliche machen, um gut auszusehen.

     Viele Jugendliche betreiben Körperpflege, um schön zu sein. Das Wichtigste, was Jugendliche bei der Körperpflege machen, ist sich waschen. Sich waschen heißt zum Beispiel, dass man sich die Zähne putzt, um keinen Mundgeruch zu haben. Waschen heißt aber auch, dass man sich das Gesicht wäscht, damit die Haut gereinigt wird. Wenn Jugendliche Körperpflege betreiben, heißt das auch, dass sie sich duschen oder baden, damit der ganze Körper gereinigt und von Gerüchen befreit wird. Damit die Hare nicht fettig sind, sondern schön glänzen, wäscht man sie. Denn wenn man fettige Haare hat, sieht das bestimmt nicht gut aus.

     Außer dass sie Körperpflege betreiben, bekleiden sich die Jugendlichen auch gut. Das heißt zum Beispiel, dass sie, wenn sie eingeladen sind, einkaufen gehen, um gut auszusehen, da sie denken, ihre anderen Kleidungsstücke seien nicht schick genug.

     Um schön zu sein, betreiben Jugendliche aber nicht nur Körperflege oder tragen schöne Kleider, sie enthaaren sich auch bestimmte Körperzonen. Mädchen enthaaren sich meist bestimmte Körperzonen; das tritt aber auch auf, dass Jungen sich Körperzonen enthaaren. Bei Mädchen kommt es oft vor, dass sie sich die Beine und Achseln rasieren, weil sie meinen, dass das nicht gut aussieht. Meistens machen sie das im Sommer, da man dort häufig kurze Röcke und ärmellose Tops und T-Shirts trägt. Aber auch Jungen rasieren sich die Beine, da manche meinen, dass ihre Beinbehaarung zu stark sei. Viele Mädchen zupfen auch Augenbrauen, da dies eleganter aussieht; denn zu dicht gewachsene Augenbrauen sehen eben nicht allzu hübsch aus, wenn man eingeladen ist.

     Um all dem den letzten Schliff zu geben, schminken sich viele Mädchen. Sie tragen Make up auf, um die Haut zu glätten, und in manchen Fällen auch, um Pickel abzudecken. Damit die Augen größer und schöner wirken, werden die Wimpern getuscht und die Lider mit Lidschatten bedeckt. Die Lippen werden mit Lippenstift  oder Lippgloss geschminkt, da sie dadurch in den Fällen, bei denen zu kleine Lippen vorliegen, vergrößert und im anderen Fall verkleinert werden. Das alles dient der Verbesserung des optischen Eindrucks.

     Aber das heißt nicht, dass man das alles machen muss, um schön zu sein. Denn manche Menschen sind auch ohne diesen ganzen Aufwand schön oder meinen es jedenfalls. Ich meine, dass dieser ganze Aufwand gar nicht sein muss, damit man schön ist. Die inneren Werte sind doch auch sehr wichtig.


Aufgabe: Prüfe Evas Aufsatz (dessen sprachliche „Fehler“ ich hier korrigiert habe),

– ob er das Thema erfasst,

– ob die Gliederung gut und vollständig ist,

– ob der Aufsatz der Gliederung entspricht,

– ob von einem Absatz zum nächsten gut übergeleitet wird,

– ob die Gedanken entfaltet sind.

Welche Note würdest du als Lehrer für den Aufsatz geben?

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Das Thema ist erfasst, der Aufsatz entspricht der Gliederung; die Überleitungen sind gut, die Gedanken unter den gegebenen Arbeitsbedingungen gut entfaltet. (Einige Schwächen im Ausdruck habe ich hier korrigiert, aber nicht alle.)

Meine Kritik an der Gliederung:

1. „Kleidung“ muss unter 4. behandelt werden, da die anderen drei Aspekte den Körper selbst betreffen.

2. Frisur und Schmuck sollte man zumindest kurz erwähnen.

Ich habe den Aufsatz mit „gut (plus)“ bewertet.

Diese Unterrichtsreihe ist Teil eines Manuskripts (Arbeitsbuch Aufsatzunterricht, der zur Erörterung hinführen soll), das zwei Jahre lang beim Verlag Krapp & Gutknecht gelegen hat, bis ich es wieder zurückgefordert habe. Es beruht auf dem alten Konzept, wie ich es hier entfaltet habe; dieses Konzept ist jetzt um einige Aspekte erweitert worden (Verhältnis von Begriffen; das sprachliche Handeln; begründen und folgern). Vielleicht werde ich weitere dieser Reihen in diesem Blog veröffentlichen.

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