Texte überarbeiten – Tipps und Theorie

Erste Schritte in einem weiten Feld

1. Dass Schüler ihre eigenen Texte kontrollieren und dabei Fehler beseitigen und den Ausdruck verbessern, hat eine lange Tradition in der Schule. Diese Übung ist so selbstverständlich, dass es keines Beleges dafür bedarf. Dabei geht es um eine „Berichtigung“ von Fehlern oder Verstößen gegen Prinzipien des guten Stils; dementsprechend hieß die Aufgabe nach einer Klassenarbeit ja auch Berichtigung. Angeleitet wurde man dazu durch die Korrekturzeichen, die die Lehrperson am Heftrand hinterlassen hatte.

Auch ehe man sein Heft bei einer Klassenarbeit abgab, sollte man den eigenen Text noch einmal durchlesen und vorab schon Fehler und stilistische Schwächen berichtigen.

 

2. Von dieser traditionellen Berichtigung ist das zu unterscheiden, was man heute „Überarbeitung von Texten“ nennt. Diese Arbeitsform ist Schriftstellern, Politikern und sicher auch Geschäftsleuten schon lange bekannt, wurde aber nicht in der Schule praktiziert. Die KMK (Kultusministerkonferenz) hat nun am 4. Dezember 2003 bei der „Vereinbarung über Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss“ Bildungsstandards im Fach Deutsch beschlossen; dort wird unter „3.2 Schreiben“ gefordert, dass die Schüler „einen Schreibprozess eigenverantwortlich gestalten“ können. Zu diesem Prozess gehört es, Texte zu entwerfen, zu schreiben und zu überarbeiten:

Texte überarbeiten

 • Aufbau, Inhalt und Formulierungen eigener Texte hinsichtlich der Aufgabenstellung überprüfen (Schreibsituation, Schreibanlass)

• Strategien zur Überprüfung der sprachlichen Richtigkeit und Rechtschreibung anwenden.

Es folgt abschließend eine Liste „Methoden und Arbeitstechniken“, die dazu dienen, die Fähigkeit des richtigen und selbständigen Schreibens zu sichern. Unmittelbar auf die Überarbeitung sind diese beiden Methoden bezogen:

• Texte inhaltlich und sprachlich überarbeiten: z. B. Textpassagen umstellen, Wirksamkeit und Angemessenheit sprachlicher Gestaltungsmittel prüfen

• Einhaltung orthografischer und grammatischer Normen kontrollieren

Wie Texte im Einzelnen überarbeitet werden sollen, wird nicht weiter ausgeführt.

 

3. Diese Vorgaben der KMK werden von den Bundesländern in den Lehrplänen auf je verschiedene Weise umgesetzt: Einige Bundesländer lassen schon in Kl. 5/6 die Schüler Texte überarbeiten; in Sachsen-Anhalt taucht erst in Kl. 10 (Gymnasium, Einführungsphase) der Schreibprozess als Lerngegenstand auf; in Kl. 11/12 kommen Schreibberatung und Stilarbeit zum „Schreibprozess“ hinzu.

In den am 18.10.2012 von der KMK beschlossenen „Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife“ heißt es unter 2.2.1, dass die Schüler „Schreibstrategien anwenden“ können; dazu gehört auch

* Texte hinsichtlich inhaltlicher, funktionaler und stilistischer Kriterien ergebnisorientiert und im Hinblick auf die Geschlossenheit der Darstellung überarbeiten

* die Stadien ihrer Schreibprozesse und Kompetenzentwicklung dokumentieren und reflektieren.

Das ist, verglichen den Anforderungen an Schüler in der Sek. I von 2003, schon präziser und anspruchsvoller; es muss aber noch in den Curricula der Bundesländer präzisiert werden. Deshalb ist derzeit wichtig(er), was in Schulbüchern und anderswo dazu vermittelt wird, wie man denn Texte überarbeiten kann (was durchweg vor dem 18.10.2012 formuliert worden ist).

 

4. Diesbezügliche praktische Vorschläge/Tipps sehen etwa so aus:

Günther Einecke hat (im Anschluss an Hans Glinz) bereits 2001 in einem Aufsatz seine ESAU-Regel als Eselsbrücke für die Maßnahmen der Textüberarbeitung vorgestellt:

ERGÄNZEN – wo eine Lücke auffällt, ein Wort, ein Satz, ein Abschnitt, ein Gedanke fehlt

STREICHEN – wo etwas überflüssig erscheint

AUSTAUSCHEN – wo ein Wort, Ausdruck, Satz, Textteil, Gedanke  nicht passt

UMSTELLEN – wo die Reihenfolge der Satzglieder, Gliedsätze, Sätze, Gedanken oder Textabschnitte unstimmig ist

Vor allem für Sachtexte nennt er dann (im Anschluss an Schulz von Thun) die vier Verständlichmacher, welche die Lesbarkeit eines Textes erhöhen:

1. EINFACHHEIT        – Gegensatz: Kompliziertheit

2. GLIEDERUNG         – Gegensatz: Unordnung

3. PRÄGNANZ            – Gegensatz: Weitschweifigkeit

4. STIMULANZ           – Gegensatz: keine zusätzlichen Reize

(Autorenmanuskripte – Textüberarbeitung als Form der Sprachbewusstheit, http://www.fachdidaktik-einecke.de/9g_Meine_Publikationen/autorenmskr_textueberarbeitg_s2.htm)

Theorie und Beispiele zur Aufgabe „Texte überarbeiten“ bietet eine von Helmut E. Klein und Sigrid Schöpper-Grabe herausgegebene Handreichung:

Texte überarbeiten – Übungen

  • Überarbeitung fehlerhafter Texte
  • Textkohärenz und -kohäsion / Gliederung von Texten
  • Satzebene – Konnektoren
  • Wortfelder „sagen“ und „machen“
  • Rechtschreibung und Grammatik
  • Kommentierte Linkliste zu Sprachübungen im Internet (S. 32 ff.)

Für die Überarbeitung eines fehlerhaften Textes (Bewerbung um eine Lehrstelle) werden folgende Kategorien vorgegeben: Kommunikativer Rahmen / Formale Aspekte / Inhaltliche Aspekte / Grammatik / Orthographie / Stil.

(Schreibkompetenz fördern: Texte gestalten, überarbeiten, erstellen. Handreichungen und Materialien für den Deutschunterricht an beruflichen Schulen, S. 35 http://www.chancen-erarbeiten.de/fileadmin/webdata/PDFs/110900_IW_Schreibkompetenz_f%C3%B6rdern.pdf)

Im Werner-von-Siemens-Gymnasium in Weißenburg zählen zum Deutsch-Grundwissen für die Jahrgangsstufe 10 vier Arbeitstechniken und Methoden, deren erste „Texte überarbeiten“ ist:

Texte überarbeiten

nach inhaltlichen Kriterien

nach Aufbau und Logik

nach der Verwendung von Zitaten

nach sprachlichen Besonderheiten: Ausdruck, Satzbau, Stil

nach grammatischer Richtigkeit

nach der korrekten Verwendung von Zeichensetzung und Rechtschreibung

(http://www.wvsgym.de/faecher/d/grundwissend/Deutsch10.pdf)

Peter Braun vom Schreibzentrum der Uni Jena nennt eine Reihe von Leitfragen für das Überarbeiten eines Textes auf vier verschiedenen Ebenen:

Auf der inhaltlichen Ebene

Auf der strukturellen Ebene

Auf der Satz-Ebene

Auf der Wort-Ebene

(http://www.schreibenlernen.uni-jena.de/opsismedia/dokumente/Texte+%D0%83berarbeiten.pdf)

Ulf Abraham („Schreibaufgaben in einem kompetenzorientierten Deutschunterricht“) unterscheidet nach Baurmann (2002)

Überarbeitung an der Textoberfläche (Korrekturen, Verbesserungen, Nachträge) / Revisionen, die tiefer in den Text(bauplan) hineinreichen

(Folie 26); beide Formen werden in der Textredaktion zusammengefasst (Folie 27). (http://p112847.typo3server.info/joomla15/index.php?option=com_phocadownload&view=category&download=112:schreibaufgaben-in-einem-kompetenzorientierten-deutschunterricht&id=14:deutsch&Itemid=226)

Ich breche hier die Suche nach praktischen Tipps zur Überarbeitung eines Textes ab. (Auf die zahlreichen Vorschläge, wie man das Überarbeiten didaktisch organisieren kann – Leselupe, Schreibkonferenz u.a. – gehe ich hier nicht ein.) Man findet also viele, auch viele hilfreiche Tipps – aber es wird nicht klar, nach welchen Kriterien diese Hinweise gegeben werden. Man kann mit Ulf Abraham „Oberfläche / Tiefe des Textes“ unterscheiden und der Oberfläche die traditionell korrigierten „Fehler“, der Tiefe „Inhalt und Struktur“ zuordnen, man kann auch mit Glinz und Einecke die Operationen des Überarbeitens benennen: Ein System des Überarbeitens ist nicht zu erkennen; die Tipps beruhen im Wesentlichen auf der praktischen Erfahrung der Autoren als selbst Korrigierende.

 

5. Diesem Mangel möchte ich mit dem folgenden Versuch abhelfen. Ich kann hier aber nur eine Theorieskizze des Überarbeitens bieten; wie man meine Einsichten praktisch umsetzt, ist eine andere Frage. Zweitens kann ich nur ein Ideal umschreiben – was man von Schülern in einer Prüfungssituation erwarten kann, ist ebenfalls eine ganz andere Frage.

 

6. Die für unsere Frage entscheidende Einsicht der Schreibdidaktik besagt, dass einen Text zu verfassen ein Prozess ist, der sogenannte Schreibprozess: „Der Schreibprozess ist ein umfassender kognitiver und psychomotorischer Prozess, der sich in verschiedene Phasen einteilen lässt. In der ersten Phase plant man einen Text – man sammelt Ideen, ordnet sie und macht sich Gedanken über Struktur und Form. Während Phase zwei beschäftigt man sich mit der eigentlichen Formulierung, und in Phase drei überarbeitet man den verfassten Text.
 Demnach sind die drei Phasen des Schreibprozesses

1. Planung, 
2. Formulierung,
 3. Überarbeitung.

Das theoretische Wissen um diese Prozesshaftigkeit von Textproduktion ist im Grunde genommen schon sehr alt und stammt aus der antiken Rhetorik (vgl. Brugger 2004). Die empirische Erforschung von Schreibprozessen ist seit den 1980er Jahren vor allem in der US-amerikanischen Fachliteratur gefordert und auch geleistet worden (…). Die Ergebnisse solcher Forschungen sind inzwischen didaktisch aufbereitet.“ („Schreibforschung“, DiD der Universität Bamberg: http://www.uni-bamberg.de/?id=24538)

Wichtig ist ferner die Unterscheidung zwischen Produkt / Prozess des Schreibens. Mit Ludwig (1997) werden für den Aufsatzunterricht vier Phasen unterschieden:

  • Planung
  • Wissensverarbeitung
  • Formulierung
  • Überarbeitung

Am Ende des Aufsatzes werden Folgerungen für die Didaktik gezogen.

In einem Buch aus dem Verlag Fuchs (S. 131) werden anschaulich fünf Dimensionen benannt, „die im Schreibprozess ineinander greifen“. Ihnen werden dann fünf (Schreib)Kompetenzen zugeordnet:

1. Problemorientierung und Zielsetzungskompetenz

2. Planungsfähigkeit und inhaltliche Kompetenz

3. Textwissen und Strukturierungskompetenz

4. Formulierungsfähigkeit

5. Fähigkeit des Überarbeitens

Diese Kompetenzen legen auch offen, wonach ein Text beurteilt wird.

(http://www.verlag-fuchs.ch/_dokumente/Kapitel6_Schreiben_7_locked.pdf)

Hier liegt die gleiche Liste wie in Bamberg vor, nur um „Problemorientierung und Zielsetzung“ erweitert.

In einem Prüfungsskript des Studienseminars Hamm werden als Phasen des Schreibprozesses identifiziert:

Schreibsituation und Schreibbegründung

Schreibplanung

Schreiben

Bewerten

Überarbeiten

Veröffentlichung

(V. Gummersbach u.a.: Prüfungsskript zum Lernbereich „Schreiben“, S. 8,

http://www.utebelch.de/upload/schreiben.pdf)

Vgl. auch noch http://www.awi.uni-heidelberg.de/study/lehrmaterialien/Schluesselkompetenzen/SLK%20Foliensatz%20Wissenschaftliches%20Schreiben.pdf (über wissenschaftliches Schreiben, S. 18 ff.)

http://www.ph-heidelberg.de/wp/berkemei/Ratter%20Schuelerinnen%20beim%20Schreiben%20beraten.pdf (über Schreibberatung, S. 9 ff.)

http://www.bremer-schreibcoach.uni-bremen.de/cms/index.php?page=wiedereinstieg (Bremer Schreibcoach)

Ich fasse zusammen: Die Überarbeitung eines Textes ist Teil des Schreibprozesses, sie kann während und nach dem Schreiben erfolgen; in der Schule ist eine Überarbeitung nach Abfassung des Textes unerlässlich.

 

7. Ich möchte die unter (4.) oben referierten Aspekte des Überarbeitens systematisch verstehen und ordnen. Soweit ich sehe, gibt es drei mögliche Arten, bei der Überarbeitung vorzugehen: 1. Man durchläuft den ganzen Schreibprozess noch einmal. 2. Man geht bei der Überarbeitung von „oben“ nach „unten“ vor: ganzer Text, Absätze, Sätze, Wörter. 3. Man orientiert sich an der Struktur des Textes, mit der groben Dreiteilung ‚Sache / Struktur / Sprache’. Der dritte Weg scheint mir der sachlich angemessene und beste zu sein. Eine Anreicherung um weitere Aspekte findet man bei teachsam unter „Texte überarbeiten. Überblick“:

LEAD Technologies Inc. V1.01

(http://www.teachsam.de/arb/texte_verfassen/arb_text_verf_3_3_6_2_1.htm)

In die hier bloß nebeneinander gestellten Aspekte möchte ich eine systematische Ordnung bringen.

7.1 Die wichtigen Dimensionen eines Textes erfasst man mit der Triole

Sache   —   Sprache

  Adressatenbezug

Die „Sache“ (Inhalt) gibt es sprachlich formuliert, und zwar im Hinblick auf einen oder mehrere Adressaten: Das ist der Text. In dieses Schema kann man alles einordnen, was oben unter (3.) und (4.) gesagt worden ist. Die Sache kann nach Inhalt / Struktur (Textaufbau, Gliederung) differenziert werden; die Sprache nach den Qualitäten (der Sache / dem Adressaten) angemessen / richtig (nach den Regeln); der Adressatenbezug nach Verständlichkeit / Leserführung. Zur Leserführung gehören etwa die Hinführung zum Thema, ein Überblick und die Zusammenfassung, Vor- und Rückverweise, die Überleitung von einem Absatz zum nächsten, aber auch der Leseanreiz des guten Stils. Der Inhalt muss der Sache nach richtig, vollständig und begründet sein, klar gegliedert (Struktur) und angemessen formuliert (Sprache).

7.2 Die drei Aspekte Sache / Sprache / Adressatenbezug müssen, wie hoffentlich bereits ersichtlich, nicht nacheinander, sondern stets mit- oder ineinander gesehen werden. Mit meinen bescheidenen Mitteln kann ich das hier grafisch nicht darstellen.

7.3 Die Operationen, mit denen man den Text in allen drei Dimensionen (Sache, Sprache, Adressatenbezug) überarbeitet, sind mit den Glinz’schen Operationen ‚ergänzen – weglassen – austauschen – umstellen’ erfasst. Man kann aber auch mit teachsam von Revisionsklassen sprechen (http://www.teachsam.de/arb/texte_verfassen/arb_text_verf_3_3_6_2_2.htm), ohne dass sich dadurch Wesentliches änderte.

7.4 Zu beachten ist noch, dass die Kriterien dessen, was im konkreten Fall als gute Struktur, richtige Hinführung, angemessene Sprache usw. gilt, sich nach der Textsorte richtet, welcher der jeweilige Text angehört, bzw. nach der Funktion, die der Text erfüllen soll: Die Hinführung in einer Reportage geschieht anders als in einem Beschwerdebrief oder einem wissenschaftlichen Aufsatz; als Begründung gilt manchmal ein Beispiel, manchmal eine Statistik nebst Auswertung, manchmal der Verweis auf die relevante Literatur usw.

Die „äußere Form“ muss nicht nur in der Sache korrekt sein, sondern kann je nachdem auch wieder unter dem Adressatenbezug verbessert werden.

7.5 In der Schule sollte die Form der Überarbeitung schrittweise eingeführt und vertieft, letztlich in ihrer ganzen Breite durchexerziert werden. Es genügt nicht mehr, dass Schüler nur lernen, den Stil (Ausdruck, Satzbau) und die sprachliche Richtigkeit (R, Gr, Z) zu überprüfen.

7.6 Was man in einer Prüfungssituation von Schülern erwarten kann, ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt aus dem großen Programm des Überarbeitens. Trotzdem hoffe ich, dass Schüler nicht nur auf ein bestimmtes Prüfungsformat vorbereitet, sondern wirklich zum Überarbeiten von Texten angeleitet werden.

Einen Grund, Texte ernsthaft zu revidieren, hat man am ehesten, wenn Texte veröffentlicht werden; erst diese Situation hat auch mich genötigt, eigene Texte zu überarbeiten.

7.7 Zum Schluss möchte ich noch einige Beispiele nennen, in denen ich größere Überarbeitungen vorgenommen habe – damit man sieht, dass es so etwas tatsächlich gibt:

a) Beispiel einer (großen) Überarbeitung, wo ich umgestellt und gekürzt habe: http://www2.digitale-schule-bayern.de/dsdaten/17/47.html ist der Ausgangstext (Dr. Raabe); meine Überarbeitung steht innerhalb dieses Artikels.

b) Beispiel für die dokumentierte mehrfache Überarbeitung (Erweiterung) eines Textes (der Ausgangstext war in den Augen des Adressaten zu kurz): https://norberto68.wordpress.com/2010/10/18/schlink-der-vorleser-inhaltsangabe-beispiel-fur-technik-des-uberarbeitens.

c) Unter dem Eindruck der Korrektur einer Klausur habe ich meine eigene Lösungserwartung (Analyse einer Rede Willy Brandts) überarbeiten müssen: https://norberto68.wordpress.com/2011/09/25/brandt-rede-zum-moskauer-vertrag-vom-12-august-1970-analyse/.

d) Im Zusammenhang mit der Erarbeitung von „Don Carlos“ habe ich vorliegende Konzepte überarbeitet – einmal eine Inhaltsangabe der Kollegin Bettina Seifert (die mir aber nicht mehr vorliegt), einmal meine eigenen Analysen:

http://norberto42.wordpress.com/2012/03/07/schiller-don-karlos-inhaltsangabe/

http://norberto42.wordpress.com/2012/03/06/schiller-don-karlos-analyse-wichtiger-szenen/

e) Aufgabe, eine Schüleranalyse zu überarbeiten, mit konkreten Arbeitsaufträgen: https://norberto42.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=7130&action=edit&message=6&postpost=v2

f) Beispiel für die sachliche Überarbeitung eines kurzen Textes sind die beiden Beschlüsse der KMK von 2003 und 2012 (s.o. 2. und 3.); ein Beispiel aus meiner Arbeit kann ich nicht nennen, weil man ja die alte Fassung entsorgt, wenn es eine neue gibt. Bücher werden gelegentlich bei einer Neuauflage stärker überarbeitet, meistens wird dabei jedoch der alte Text nur erweitert oder um aktuelle Literaturangaben ergänzt.

g) Andere Beispiele:

http://moodle.zhaw.ch/pluginfile.php/509225/mod_resource/content/1/Handout_29.11.12.pdf

http://u.jimdo.com/www60/o/sb46a568a60c4a83d/download/m601d59425817c44a/1366270647/2012DeutschHS10_Wahl_2.pdf?px-hash=0070abeb2908076abc700836c5a4c5fb3e3e95e3&px-time=1373185719 (Beispiel: Niedersachsen)

http://lehrerfortbildung-bw.de/faecher/deutsch/bs/bej/text/brief/g5/ (Beispiel, Berufsschule BW)

http://www.lehrer-online.de/textrevision.php (Unterrichtsreihe bei lehrer-online, mit Beispielen)

http://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/materialdatenbank/nutzersicht/materialeintrag.php?matId=372&marker= (Aufg. 43: NRW, Kl. 7/8, Aufgabentyp 5)

http://mathdid.ph-gmuend.de/documents/md_2004/md_2004_1_Gubler-Beck_Texte.pdf (Überarbeitung mathemat. Schülertexte)

http://www.maerchen.com/bechstein/die-verzauberte-prinzessin.php (Bechstein: Die verzauberte Prinzessin, Fassung 1847) ->

http://www.labbe.de/lesekorb/index.asp?themaid=74&titelid=219 (Fassung 1856: Bechstein hat sein Märchen überarbeitet)

 

7.8 Ich behalte mir das Recht vor, auch diesen Aufsatz zu überarbeiten; ich könnte mir denken, den Textbegriff stärker zu entfalten oder ein Schema der Dreidimensionalität (zu 7.1) zu entwerfen.

7.9 Meine Suchwörter bei google waren „einen Text überarbeiten“, „Texte überarbeiten“, „Schreibprozess-forschung“; man kann auch „Texte revidieren“ und „Textrevision“ nachschlagen (weniger ergiebig). Die Links wurden am 18. und 19. November 2012 aufgerufen.

Meine bisherigen Darstellungen zum Textbegriff:

https://norberto68.wordpress.com/2011/01/12/text-koharenz-thema/

https://norberto68.wordpress.com/2011/02/13/text-thema-koharenz-textanalyse-3/

https://norberto68.wordpress.com/2011/02/13/textbegriff-textlinguistik-gedichte-als-texte-verstehen/

https://norberto68.wordpress.com/2011/02/14/bestimmtes-unbestimmtheit-text/

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Textbegriff, Textlinguistik – Gedichte als Texte verstehen

Text
1. Definition
Ein Text ist eine komplex strukturierte, thematisch wie konzeptuell zusammenhängende sprachliche Einheit,
mit der ein Sprecher eine sprachliche Handlung mit erkennbarem kommunikativem Sinn vollzieht.
(A. Linke/M. Nussbaumer/P.R. Portmann: Studienbuch Linguistik. 5. Aufl. 2004, S. 275)
Ingrid Schröder („Textlinguistik“) benennt dazu folgende textkonstitutive Elemente:
1. die Kommunikationssituation (mit Sprecher / Hörer; die Situation; der Handlungsbereich, in dem der Text eingesetzt wird; das Medium der Verbreitung);
2. die Textfunktion;
3. das Thema, die Themenstruktur und die thematische Entfaltung
4. die Kohärenz und die Kohäsion des Textes (sowie die Mittel, die herzustellen)
[die Kohärenz berührt sich mit dem Thema: der Zusammenhang in der Tiefe des Textes, und mit der Textfunktion].
2. Definition
Kommunikation erfolgt „in Äußerungen verschiedenster Größe, die in die Situation und den Kontext eingebettet und über die Satzgrenze hinaus verbunden sind. Wir nennen solche Äußerungen Texte.“
(Harro Gross: Einführung in die Linguistik, München 1998, S. 131)
Die Bezeichnung „Äußerung“ ist für uns hilfreich, weil sie nach dem sprachlichen Handeln des Sprechers fragen lässt und eine Strukturierung der Äußerung auch auf der Ebene des sprachlichen Handelns nahelegt.

Gedichte als Texte
Wenn man prüft, inwiefern man ein Gedicht in dem Sinn als Text verstehen kann, ergibt sich Folgendes:
1. Da Gedichte fiktionale Texte sind, gibt es bei ihnen keinen Handlungsbereich, eine Textfunktion nur mit Einschränkungen [Funktion für den Leser / Hörer].
2. Die Einbettung in einen Kontext ist problematisch – Kontexte werden vom Leser über die Äußerung hinaus hergestellt (die literarische Epoche, die Entstehungszeit, das Leben des Autors, der Gedichttypus).
3. Umso wichtiger ist es, die Äußerung, ihre Struktur und ihr Thema genau zu erfassen.
4. Ein Gedicht ist ein Text, das ein Klanggebilde ist: Die Äußerung wird auch durch gegebene Elemente des Klangs sowie durch den Rhythmus bestimmt; diese müssen zur gesamten Äußerung in Beziehung gesetzt und im Hören bzw. lauten Sprechen „verwirklicht“ werden.
Es gibt keine zwingende und narrensichere Methode, das Thema (die Kohärenz) sicher zu erfassen: „Keine Satzfolge ist davor geschützt, als Text verstanden zu werden.“ (A. Linke u.a.: Studienbuch Linguistik, 2004, S. 277) Umso sorgfältiger muss man die fiktive Kommunikationssituation, das sprachliche Handeln und die thematische Entfaltung und Strukturierung zu bestimmen suchen. Mit dieser Aufgabe befassen wir uns jetzt.

Wodurch wird der Zusammenhang (Kohäsion) auf der Oberfläche des Textes hergestellt?
1. Rein formal durch
– Prowörter, die auf andere Elemente verweisen (Pronomen; Proadverbien, z.B. dort, jetzt; Pronominaladverbien, z.B. womit, wobei);
– durch Konjunktionen;
– durch rückwärts oder vorwärts weisend Ausdrücke (daher, dies / folgende).
2. Die Kohäsion wird durch Übereinstimmung verschiedener Elemente in bestimmten semantischen Merkmalen hergestellt – dazu unten mehr.
3. Die pragmatische Fundierung entfällt bei fiktionalen Texten weithin.

Isotopie ist die Hauptform, wie ein Bedeutungszusammenhang zwischen  den Gliedern eines Textes hergestellt werden kann:
1. Bedeutungsgleichheit von Wendungen (bei wörtlicher Wiederholung);
2. Bedeutungsähnlichkeit (Synonymie: Auto / Wagen);
3. Über- und Unterordnung (Weide / Gehölz / Pflanze);
4. Nebenordnung unter einen Oberbegriff (Apfel, Birne, Pflaume / Obst);
5. Bedeutungsgegensatz (Antonymie: weltlich / heilig);
6. Umschreibung (Paraphrase: Sonnentau / fleischfressende Pflanze)
7. die bereits genannten Prowörter;
8. syntaktische Ellipsen (Prädikat fehlt, das aus dem oder einem vorigen Satz wird als gültig vorausgesetzt).
Im „Studienbuch Linguistik“ wird behauptet, dass die Idee der Isotopie in didaktischer Hinsicht einen guten Zugang zu literarischen Texten eröffnet, weil man so Texte bewusster betrachte; in linguistisch-wissenschaftlicher Hinsicht sei das Konzept problematisch, weil nicht hinreichend scharf.

Schließlich sind die Indikatoren zu nennen:
1. die Artikelformen (unbestimmter / bestimmter Artikel: Der bestimmte Artikel zeigt an, dass über diesen „Gegenstand“ bereits gesprochen worden ist oder dass er in der Situation als bekannt vorausgesetzt wird; so kann in fiktionalen Texten die Situation erst erzeugt werden.);
2. Tempora und Modi des Verbs – sie zeigen, wie der Sprecher Teile seiner Äußerung verstanden wissen will [ein großes Gebiet, auf das hier nur hingewiesen werden kann];
3. Varianten der Wortstellung im Satz, wodurch anzeigt wird, was als „das Neue“ (Rhema) eines Satzes zu verstehen ist;
4. die Intonation – sie muss im gedruckten Gedicht vom Leser hergestellt werden.

Vertextungstypen (Studienbuch Textlinguistik: „Vernetzungsmuster“, S. 269 ff.) und Konnektoren
Neben den durch Konjunktionen hergestellten bekannten Verbindungen (kausal, konditional, auch temporal usw.) sind zu nennen:
1. Spezifizierung: Fortschreiten vom Allgemeinen zum Besonderen;
2. Verallgemeinerung: Fortschreiten vom Besonderen zum allgemeinen;
3. Steigerung (Klimax).

[Ingrid Schröder (Uni Hamburg, WS 2006/07) nennt noch verschiedene Arten der thematischen Entfaltung:
* deskriptiv: Teilthemen werden dargestellt und geordnet;
* narrativ: Es wird ein ungewöhnliches Ereignis erzählt, mit Auflösung, möglicherweise mit Bewertung und „Moral“;
* explikativ: Es wird etwas erklärt;
* argumentativ: Es werden Argumente vorgetragen.]

Was hier noch nicht berücksichtigt ist, sind Möglichkeiten der Strukturierung eines Themas. „Studienbuch Linguistik“ erwähnt Hauptthema / Subthemen mit Nebenthemen;
ich schlage vor, diese Strukturierung unter dem Stichwort „Aufbau“, welcher eng an das sprachliche Handeln angebunden wird, zu erfassen. Dazu habe ich in diesem Blog einen Aufsatz geschrieben.

Das einzige sonst auftauchende Problem, das sich beim Gedicht nicht stellt, ist die Frage der Textabgrenzung: Das erste Wort und das letzte Wort sind die Grenzen; die Überschrift stammt vom Dichter (manchmal auch aus der Tradition, z.B. bei Goethe: Willkommen und Abschied, so der Titel 1810; „Willkomm“ hieß es 1789, die erste Fassung 1775 war ohne Titel, also ohne Überschrift).
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Das die Situation umgreifende gemeinsame Wissen
ist für jede Kommunikation erforderlich; bei fiktiven Gesprächspartnern muss man es mühsam ermitteln. Man kann hier darauf hinweisen, dass es die Kenntnis von frames (Situationen: was gehört zu einem normalen Bauernhof) und scripts (Handlungsabläufe: was man tut im Bad tut, ehe man zu Bett geht) gibt; dieses Wissen muss man auch beim Sprecher und Hörer voraussetzen – und dann darauf achten, wo vielleicht das normale Wissen unterlaufen oder gestört wird.
http://phil.muny.cz/data/NJII_275/Text%20und%20Satz.doc http://www.lingue.uniba.it/dag/pagine/personale/sasse/sasse_lingua02_unit11.doc
http://www.slm.uni-hamburg.de/ifg1/Personal/Schroeder/Seminarmaterial/WS-06-07/Sem_II/II_Textlinguistik.pdf
Aufsätze von mir:
https://norberto68.wordpress.com/2011/02/14/bestimmtes-unbestimmtheit-text/
https://norberto68.wordpress.com/2011/01/12/text-koharenz-thema/
Am 20. Okt. 2012 geprüfte Links:
http://www-user.uni-bremen.de/~schoenke/tlgl/tlgl.html (Glossar: ausführlich, E. Schoenke)
http://www.glottopedia.de/index.php/Textlinguistik
http://www.teachsam.de/deutsch/d_lingu/txtlin/txtlin_0.htm (Übersicht, „alles“ bietend, daher verwirrend)
http://www.uni-potsdam.de/u/slavistik/vc/rlmprcht/textling/skripte/skr_00.htm (Skripte, 2000)
http://www.huberoliver.de/archive/seminar03/papers.html (Proseminar 2003, papers)
http://hispanoteca.eu/Lexikon%20der%20Linguistik/t/TEXT%20%20%20Deutsche%20Zitate.htm (gute Übersicht, nach Brinker)
http://www.fask.uni-mainz.de/inst/iaspk/Linguistik/Textlinguistik/Textualitaet.html http://santana.uni-muenster.de/Linguistik/user/steiner/semindex/semindex.html (Semantik und Pragmatik – gut!)
http://www.christianlehmann.eu/ling/elements/index.html (ausführlich)
http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/3163/pdf/Strukturelle_Semantik.pdf (Analyse, vorgeführt an einem Gedicht Benns: Orphische Zellen)