Übungsdiktate Klasse 6

Zur GEBRAUCHSANLEITUNG siehe https://norberto68.wordpress.com/2012/03/08/das-tagliche-ubungsdiktat-idee-gebrauchsanleitung/

Wiederum cum grano salis: Diktate gehören primär zu Themen, nicht zu Klassenstufen:

Erzählungen;
Neue Wörter bilden;
Andersen: Hexenfieber (Jugendbuch, auch für Kl. 7)
Das Satzgefüge und die Konjunktion „dass“;
Elemente von Märchen;
Verben werden konjugiert;
Von der Freundschaft;
Aus einer anderen Perspektive erzählen;
Vergleichen;
Bildhafte Sprache in Gedichten;
Wie war es in der Steinzeit?
Theater spielen;
Beschreiben, was man tun muss;
Attribute;
Eine Figur (einen Menschen) bewerten;
Berichten;
Untersuchen, vergleichen, erklären;

Diktate als Klassenarbeiten:
Über bildhaftes Sprechen
Bildhaftes Sprechen/Wortbildung
Märchen lesen
Wie neue Wörter entstehen
Über Schriftsysteme (zu Kl. 8)

Erzählungen
1 Die Menschen erzählen einander, wenn sie etwas Ungewöhnliches, Merkwürdiges oder Lustiges erlebt haben. Die Hauptfigur ist gewöhnlich der Erzähler selbst; er übertreibt gelegentlich das Ungewöhnliche oder Gefährliche ein bisschen.
2 Es gibt aber auch literarische Erzählungen: Ein Autor denkt sich eine Geschichte aus. Zu Beginn der Erzählung wird normalerweise angedeutet, wer der Held ist sowie wann und wo er gelebt hat.
3 Wenn der Erzähler auf vergangene Ereignisse zurückblickt, kann er beinahe so erzählen, als wäre er allwissend; er kann einzelne Menschen oder Taten bewerten oder andeuten, was sich daraus später noch ergeben wird.
4 Es kann auch aus der Perspektive eines (erfundenen) Ichs erzählt werden, das vom Geschehen überrascht wird, weil es mitten darin steht und alles selber gerade erlebt. Dies bedeutet, dass das Ich nicht wissen kann, was ihm noch alles bevorsteht.
5 Das Tempus des literarischen Erzählens ist normalerweise das Präteritum; mit dem Gebrauch dieser Zeitform wird der Abstand betont, der zwischen dem erzählten Geschehen und dem Zeitpunkt besteht, an dem es „jetzt“ erzählt wird.
6 Wenn erzählt wird, was schon vor den erzählten Ereignissen geschehen ist, gebraucht man das Plusquamperfekt (Ich hatte geweint; ich war gelaufen.). – Wenn man den Zuhörer am Erzählten stärker teilnehmen lassen will, verwendet man das Präsens.
7 Der Held erlebt etwas. Er kann verschiedenen Leuten begegnen, sich mit ihnen anfreunden oder von ihnen betrogen werden; er kann von Ort zu Ort reisen oder im Wald übernachten – wichtig ist, wie er damit fertig wird.
8 Die anderen Figuren können dem Helden (dem Protagonisten) helfen oder ihm Schwierigkeiten bereiten; oft geben sie dem Helden auch nur Gelegenheit, etwas Kluges zu sagen oder sich in Szene zu setzen.
9 Der „Held“ muss aber nicht immer heldenhaft oder vorbildlich handeln. Oft ist es so, dass er unsicher ist, zwiespältig im Fühlen und Handeln, vielleicht sogar ängstlich oder gemein. Er kann also ein ganz normaler Mensch sein.
10 Beim mündlichen Erzählen steuert man meistens schnell auf den Höhepunkt zu; literarische Erzählungen sind oft kunstvoll komponiert und werden durch Beschreibungen, Gedanken oder Gespräche angereichert.

Neue Wörter bilden
1 Es gibt verschiedene Gründe, warum man neue Wörter braucht. Als der Computer erfunden wurde, war das eine Maschine, die es bisher nicht gegeben hatte; mit dem Computer haben wir auch seinen amerikanischen Namen übernommen.
2 Früher kümmerte sich der Bürgermeister auf dem Amt mit seinem Sekretär um die Gemeinde. Mit der Anzahl der öffentlichen Aufgaben wuchs auch die Zahl der Ämter; heute gibt es das Bauamt, das Arbeitsamt, das Gesundheitsamt und andere.
3 Die Wörter für die Ämter werden so gebildet, dass dem Grundwort „Amt“ jeweils ein anderes Wort vorangestellt wird, womit die besondere Aufgabe dieses Amtes bezeichnet wird; das vorangestellte Wort ist das Bestimmungswort.
4 Wenn man die Verbindung der zusammengesetzten Wörter nicht gut aussprechen kann, wird die Fuge zwischen den Wörtern gefüllt: Arbeit + Amt -> Arbeitsamt; der Zusatz ‚s‘ heißt Fugenzeichen.
5 Man kann auch den Stammvokal eines Wortes abwandeln (Ablaut), um neue Wörter (Wortart oder Bedeutung) zu gewinnen: schließen – Schluss – Schlosser. Alle so miteinander verwandten Wörter nennt man eine Wortfamilie.
6 An diesem Beispiel sieht man auch, dass es neben dem Ablaut weitere Möglichkeiten gibt, ein Wort zu verändern: Man hängt vorn oder hinten eine unselbstständige Silbe an und nennt diese dann Vorsilbe (Präfix) oder Nachsilbe (Suffix).
7 Eine Reihe von Suffixen kennzeichnet einen bestimmten Aspekt: lehren -> Lehrer; ‚-er‘ bezeichnet hier den, der etwas tut; warnen -> Warnung; ‚-ung‘ bezeichnet hier einen Vorgang oder sein Ergebnis.
8 Auch durch Präfixe werden neue Wörter gebildet: Wolke -> Gewölk; bellen -> Gebell; treten -> zertreten. Man kann ferner Wörter in verschiedenen Bedeutungen gebrauchen: (a) etwas einweihen; (b) jemand in etwas einweihen.
9 Neue Wörter gewinnt man auch, indem man sie aus anderen Sprachen übernimmt, etwa aus dem Lateinischen oder Englischen; manchmal werden auch ganz neue Wörter erfunden. Wer die Wortbildung versteht, kann Wörter eher richtig schreiben.
10 Zum Schluss soll noch einmal betont werden, dass es nicht für jedes Ding ein Wort oder umgekehrt gibt: Fortgehen ist das Gleiche wie weggehen; aber der Ton in einem Lied ist etwas anderes als der Ton in der Töpferei.

Andersen: Hexenfieber
1 Das Jugendbuch „Hexenfieber“ ist von dem Dänen Leif Esper Andersen verfasst. Das erzählte Geschehen spielt im Mittelalter in Dänemark, und zwar am Limfjord; das erkennt man an dem Ort Skive, der im Roman eine Rolle spielt.
2 Die beiden Hauptfiguren sind Esben, ein Junge von etwa 15 Jahren, und Hans, ein älterer Mann. Der Junge ist aus seinem Heimatort geflohen, weil seine Mutter als Hexe verbrannt worden ist, und findet bei Hans Zuflucht.
3 Bei Hans lernt er, wie man am Fjord leben kann, wie man Fische fängt und schwimmt; er erlebt auch, wie Hans mehrere Kranke behandelt. Esben gewinnt Vertrauen zu Hans und erzählt ihm die Geschichte von der Hinrichtung seiner Mutter.
4 Einen wichtigen Faden (Erzählstrang) bilden die Gespräche, in denen Hans den Jungen darüber belehrt, warum Menschen andere als Hexen verfolgen und wie man mit seiner eigenen Angst umgehen soll und kann.
5 Der Erzähler ist allwissend (auktorial); er kennt sogar die innersten Gefühle der Figuren. Manchmal scheint er sich in die Nähe einer Figur zu stellen; er kann aber zur gleichen Zeit auch bei verschiedenen Personen sein.
6 Das als gerade ablaufend erzählte Geschehen umfasst zunächst etwa eine Woche im Sommer, wobei drei Tage ausgelassen sind (Kap. 1-13). Nach einem Sammelbericht (Kap. 14) wird dann von einem Tag im Spätherbst erzählt, an dem Hans gefangen genommen wird.
7 Das Thema ist die Reifung oder das Erstarken Esbens, der am Ende für sich selbst sorgen kann, der aber auch verstanden hat, warum es zwar keine Hexen gibt, aber die Angst der Menschen vor ihnen und die Verfolgung anderer.
8 Was Esben erklärt bekommt und versteht, bekommen in gewisser Weise auch die Leser erklärt. Der Erzähler gebraucht gern Symbole: An Dingen oder Vorgängen zeigt er, was im Innern der Menschen vorgeht (Rauch, Gewitter).
9 Der Schluss der Buches wird oft von Schülern als unbefriedigend erlebt. Wir können also darüber sprechen, welchen Schluss ihr lieber hättet und wie solche Erwartungen bei euch (vermutlich) zustande kommen.

Das Satzgefüge und die Konjunktion „dass“
1 Bisher haben wir immer einfache Sätze untersucht. Sie bestehen aus Satzgliedern, die bei der Verschiebeprobe erhalten bleiben:
(a) Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt.
(a)‘ An sich selbst denkt der brave Mann zuletzt.

2 In Wirklichkeit sprechen und schreiben wir oft anders; wir verbinden zwei oder mehr Sätze miteinander. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten; die einfache ist die, dass man Sätze nebeneinander stellt.
3 In diesem Fall werden die Sätze oft durch ein kleines Wort miteinander verbunden; solche Bindewörter heißen Konjunktionen.
(b) Hans möchte ins Kino gehen und Klaus will Schach spielen.
Das Bindewort „und“ kann durch ein Komma ersetzt werden.
4 Oft sind Sätze auch so zusammengefügt, dass der eine ein Teil bzw. Satzglied des anderen ist:
(c) Wer ein braver Mann ist, denkt an sich selbst zuletzt.
(c)‘ An sich selbst denkt zuletzt, wer ein braver Mann ist.

5 Der eine Satz heißt Gliedsatz oder Nebensatz, der andere Hauptsatz. Zusammen sind sie ein Satzgefüge. Man fragt: Wer oder was denkt an sich selbst zuletzt? „Wer ein braver Mann ist“ ist das Subjekt des ganzen Satzes.
6 Alle Satzglieder außer dem Prädikat können durch einen Nebensatz gebildet werden:
(d) Peter weiß, was seine Mutter gekocht hat.
Wen oder was weiß Peter? (Objekt oder Angabe)
(e) Die Blätter fallen ab, wenn es Herbst wird.
Wann fallen die Blätter ab? (adverbiale Ergänzung)
7 Von den Nebensätzen gelten folgende Regeln: Die Personalform des Verbs steht normalerweise am Ende des Nebensatzes. Der Nebensatz wird durch ein Komma vom Hauptsatz abgetrennt, der eingeschobene Nebensatz durch zwei Kommas.
8 Das Wort /das/ wird „dass“ geschrieben, wenn es Konjunktion eines Nebensatzes ist; es hat keine inhaltliche Bedeutung. In einem dass-Satz werden Sachverhalte ausgesagt, die jemand meint, sieht, hört und so weiter.
9 Oft werden auch Wendungen wie „die Tatsache, dass…“ oder „der Grund dafür, dass…“ gebraucht. Von der Konjunktion „dass“ ist das Relativpronomen „das“ zu unterscheiden; dieses kann sinngemäß durch „welches“ ersetzt werden.
10 Dann gibt es noch den Artikel: das Haus, das Kind. Und es gibt noch das Demonstrativpronomen: „Das habe ich ja gleich gesagt.“ Hier steht „das“, im Sinn von „es“, für einen ganzen anderen Satz.

Elemente von Märchen
1 In der Überschrift wird angedeutet, dass viele Märchen aus den gleichen Elementen bestehen; wie bei einem Baukasten kann man aus wenigen gleichartigen Elementen ganz verschiedene Gebilde bauen, eben die Märchen.
2 Das wichtigste Element ist der Held oder die Hauptfigur. Oft hat er einen Gegenspieler (Gegner); auch ein Mädchen oder eine Frau kann die Heldin sein. Daneben gibt es weitere Figuren mit verschiedenen Funktionen.
3 Meistens kommt der Held nicht ohne einen oder mehrere Helfer aus; das ist der Fall, wenn er vor einer großen Aufgabe steht – und solche Aufgaben zu lösen ist sozusagen der Hauptberuf des Helden.
4 Er kann sich an seinen Aufgaben bewähren, weil er ein guter, fleißiger oder hilfsbereiter Mensch ist; manchmal ist er klug. Wenn das alles nicht reicht, weil die Aufgabe zu schwer ist, muss er von jemandem besondere Hilfsmittel bekommen.
5 Wer sich im Märchen an einer Aufgabe bewährt, wird grundsätzlich belohnt. Er kann auch mehrere Aufgaben und mehrere Belohnungen bekommen; solche Wiederholungen sind für volkstümliche Erzählungen typisch.
6 Wenn jemand vor einer Aufgabe versagt, kann das verschiedene Gründe haben: Er versagt schuldlos oder unabsichtlich; dann bekommt er eine neue Aufgabe, an der er sich bewähren kann.
7 Wer dagegen aus Bosheit, Faulheit oder Habgier versagt, gilt im Märchen als schlechter Mensch; er gehört bestraft. Er bekommt in der Regel auch nicht die Gelegenheit, sich an einer anderen Aufgabe zu bewähren.
8 Ein wesentliches Element der Märchen ist es, dass manche Figuren über eine zauberhafte Macht verfügen; diese wird von Feen und ihren Kolleginnen zum Guten, von Hexen und ihren Genossen zum Bösen verwendet.
9 In den Märchen ist die Welt ganz einfach und klar aufgebaut: Wer gut ist, bewährt sich; wer sich bewährt, wird belohnt. Die Bösen versagen und werden bestraft. Beides ist im wirklichen Leben oft anders.
10 Vielleicht sind die Märchen trotzdem nicht sinnlos; sie leben von der Freude, dass auch gute Menschen es zu etwas bringen können, und von der Hoffnung, dass es eine ausgleichende Gerechtigkeit gibt.

Verben werden konjugiert

1 Wenn wir mit jemand etwas besprechen, unterscheiden wir zwischen dem Sprecher, dem Angesprochenen und allen anderen: Ich gehe; du gehst; er geht. Diese Formen kommen auch im Plural vor; wir nennen sie die 1., 2. und 3. Person.
2 Es gibt nur eine Wortart, bei der diese Personalformen verwendet werden; das sind die Verben. In der Regel ist es wichtig, wer etwas getan hat oder tun soll; deshalb wird sprachlich zwischen den drei Personen unterschieden.
3 Wenn die Personen markiert werden, wird die Endung eines Verbs verändert; der Wortstamm ‚geh‘ bleibt erhalten. Es gibt Verben, in denen der Wortstamm bei manchen Formen verändert wird: Ich ging nach Hause; ich bin nach Hause gegangen.
4 Mit diesen beiden neuen Formen des Wortstamms werden verschiedene Tempora gebildet; im Beispiel ist es das Präteritum und das Perfekt. Man nennt „gehen; ging; gegangen“ die Stammformen des Verbs.
5 Mit diesen drei Stammformen kann man alle Tempora (Zeitformen oder Zeitstufen) bilden. – Die meisten deutschen Verben bilden ihre Stammformen auf folgende Weise:
(a) sagen; sagte; gesagt;
(b) lachen; lachte; gelacht.

6 Wenn die Stammformen auf diese Art gebildet werden, spricht man von der regelmäßigen oder schwachen Konjugation. Das Präteritum erhält als Tempuszeichen ein ‚t‘, das Partizip II erhält das Präfix ‚ge-‘ [und das Suffix ‚t‘].
7 Die starke Konjugation liegt vor, wenn der Stammvokal des Verbs in den Stammformen geändert wird. Neben diesen beiden Möglichkeiten, ein Verb zu konjugieren, gibt es viele Mischformen; diese interessieren uns jetzt nicht.
8 Neben den Personalformen des Verbs gibt es drei Formen, die nicht nach der Person bestimmt sind; das sind die infiniten Formen Infinitiv, Partizip I und Partizip II:
(c) weinen; weinend; geweint;
(d) gehen; gehend; gegangen.

9 Der Infinitiv ist die Grundform des Verbs; sie steht im Wörterbuch. Mit dem Infintiv kann man eine Menge anfangen:
(e) Wir beschließen, nach Köln zu ziehen.
(e)‘ Wir beschließen, dass wir nach Köln ziehen.

10 Im Beispiel (e) ersetzt die Infinitiv-Phrase einen Nebensatz. Man kann den Infintiv auch wie ein Nomen gebrauchen:
(f) Das regelmäßige Rauchen ist schädlich.
Die wichtigste dritte Möglichkeit zeigt das Beispiel:
(g) Ich muss zu Hause bleiben.
11 Mit dem Partizip I kann das Verb wie ein Adjektiv gebraucht werden; diese Verbform ist also im strengen Sinn ein Adjektiv:
(h) Die blühenden Bäume stimmen mich fröhlich.
(i) Die laufenden Unkosten sind zu hoch.
12 Mit dem Partizip II werden die Tempora Perfekt und Plusquamperfekt, aber auch alle Passivformen gebildet: ich bin gelaufen; er wird verprügelt. Außerdem kann es wie ein Adjektiv gebraucht werden: Das vergangene Schuljahr war ziemlich kurz.

Von der Freundschaft
1 Wenn man in der 6. oder 7. Klasse ist, kann man eine neue Erfahrung machen: Man findet als Mädchen eine Freundin; die Jungen gewinnen ihre Freunde meistens erst später, auch wenn ihnen das jetzt nicht gefallen mag.
2 Spielkameraden hat man schon vorher gehabt, im Kindergarten und in der Grundschule. Oft hat man da auch eine beste Freundin oder einen Freund gehabt; aber diese Kleinkinderfreundschaften waren doch etwas anderes.
3 Mit den Kinderfreunden hat man gespielt, sich gezankt und sich vertragen; dann war es gut. Mit der neuen Freundin ist „man“, oder besser ein Mädchen, in tiefem Vertrauen verbunden; man hat gemeinsam Geheimnisse.
4 Zum ersten Mal begegnet man einem fremden Menschen außerhalb der Familie, um ihm das eigene Innere zu öffnen; dabei bildet sich auch die Persönlichkeit, wenn man sich auf das vertraute fremde Mädchen einlässt. Gerne gehen beide Hand in Hand.
5 Da hat man also ein Du getroffen, das anders ist als ich selbst; dieses Du zu kennen macht einen reicher. Gemeinsam kann man sich gegen Erwachsene abgrenzen und eine eigene Welt schaffen; man kann sich zärtlich umarmen.
6 Man versteht sich, auch ohne viel zu sagen; die Seelen sind miteinander verwandt. Nach außen wird man die Freundin immer verteidigen; im Stillen kann man sie auf etwas hinweisen, was sie falsch gemacht hat.
7 Entscheidend ist, dass man sich durch Kritik nicht angegriffen fühlt; man traut der Freundin keine Berechnung zu. Wichtig ist,
dass nicht verrechnet wird, was man einander gibt; Freundschaft ist eine Art Liebe.
8 Normalerweise wird man sich versöhnen, wenn Streit entstanden ist; das elementare Vertrauen leidet nicht darunter. Wenn eine solche Freundschaft zerbricht, trifft einen das im Herzen, und es bleibt lange Zeit eine Wunde zurück.
9 Bei den Jungen setzen solche Freundschaften ein, zwei Jahre später ein. Sie sind Zeichen dafür, dass man seelisch vom Kind zum Jugendlichen gereift ist. Manchmal bleiben solche Freundschaften Jahre bestehen.

Aus einer anderen Perspektive erzählen
1 Wir leben als Menschen nicht nur neben anderen, sondern auch mit ihnen. Wir können uns in ihre Lage versetzen und die Welt mit ihren Augen sehen; wir können ihren Standpunkt einnehmen.
2 Deshalb können wir auch Erzählungen so umformen, dass wir die Perspektive verändern, in der die Ereignisse gesehen werden. Meistens verändern wir sie so, dass der Standpunkt des unbeteiligten Erzählers aufgegeben wird.
3 Stattdessen nehmen wir den Standpunkt einer am Geschehen beteiligten Person ein. Wir müssen uns dann etwa fragen, wie der Bauer den Betrug erlebt; wir können uns das leicht vorstellen, weil wir solche Vorfälle kennen.
4 Der Bauer ist klüger als seine Frau und merkt sogleich, dass diese vom Studenten betrogen worden ist; er schimpft sie aus und will das ergaunerte Gut dem frechen Studenten wieder abnehmen.
5 Dabei fällt er selber auf den listigen Beträger herein, den er für einen Arbeiter gehalten hat; er erkennt auch dessen zweiten Betrug, gesteht aber vor seiner Frau nicht ein, dass er selber vom Studenten ausgetrickst worden ist.
6 Wir können uns leicht in die Situation eines Menschen versetzen, der nicht dumm ist, aber von einem klügeren hereingelegt wird. Was erfährt und erlebt der Bauer? Wie erlebt er das alles? Das können wir aus seiner Sicht erzählen.
7 Der vorgegebene Text muss gekürzt werden, wenn der Ich-Erzähler etwas nicht weiß oder bemerkt; wenn er aber etwas Wichtiges, Bedrohliches oder Aufregendes erlebt, kann der Text auch erweitert oder gedehnt werden.
8 Was die erzählende Person selber sagt, fühlt, denkt und erlebt, wird in der 1. Person formuliert: „ich“ und „wir“ sind die Personalpronomen der 1. Person; die Pronomen „mein“ und „unser“ zeigen den Besitz an.
9 Von Bedeutung ist, wem und bei welcher Gelegenheit der Bauer die Geschichte erzählt. Einem guten Freund wird er seine Dummheit vielleicht eingestehen, vor anderen sie wohl eher entschuldigen: Wie schlecht doch heutzutage die Studenten sind!
10 Irgendwann, nicht unbedingt zu Beginn muss angedeutet werden, wann das Geschehen sich ereignet hat. Wenn man bedenkt, wem der Bauer seine Geschichte bei welcher Gelegenheit erzählt, wird man leicht den Anfang finden.

Vergleichen
1 Zuerst sollen einige Möglichkeiten vorgestellt werden, wie man verschiedene Größen miteinander vergleichen kann:
(a) Mein Bruder ist so alt wie du, ich bin zwei Jahre älter.
(b) Die Wolken gleichen weißen, zart getuschten Zeichen.

(c) Er sieht aus, als hätte er Kopfschmerzen
2 Du findest hier zuerst die Partikel „wie“, dann den Komparativ des Adjektivs „alt“, anschließend das Verb „gleichen“ und zum Schluss die Satzkonjunktion „als (ob)“ + Konjunktiv II; das sind die wichtigsten Formen des Vergleichens.
3 Zunächst musst du erkennen, was mit wem verglichen wird. Es können Eigenschaften von Dingen, die Dinge oder Personen selber sowie ihre Tätigkeiten miteinander verglichen werden – grammatisch gesprochen: Adjektive, Nomina, Verben, Satzkerne.
4 Wichtig ist, dass du den Grad der Gleichheit bemerkst, der im Vergleich festgehalten ist: Die verglichenen Dinge oder Eigenschaften können als völlig gleich – ziemlich gleich – kaum gleich – ungleich dargestellt sein.
5 Du musst auch verstehen, was der Vergleich leisten soll:
– Wird etwas Unbekanntes vorgestellt oder erklärt?
– Wird etwas bewertet, dass es so gut wie etwas anderes oder besser als etwas anderes ist?
6 Manchmal leistet ein Vergleich nicht viel. Gewählte Vergleiche, wie sie oft in Gedichten zu finden sind, können poetische Kraft besitzen und etwas Schönes oder Besonderes in einer schwebenden Weise ausdrücken.
7 Was hier vom Vergleich gesagt ist, gilt insgesamt auch von der Metapher, die oft nur ein verkürzter Vergleich ist. Man kann auch sagen: Als Metapher wird ein Wort in einem ihm sonst fremden Zusammenhang gebraucht.
8 Hier einige Beispiele für Metaphern:
(d) Da kommt der junge Gott (= der schöne Mann).
(e) Du meckerst den ganzen Tag.
(f) Das Mädchen hatte eine glockenreine Stimme.

9 Bei Vergleichen und Metaphern gibt es ein gewissen Spielraum des Verstehens; dieser Ausdruck „Spielraum“ ist wieder eine Metapher. Wer solche Unschärfen völlig vermeiden will, muss alles wiegen und messen und in Maßzahlen ausdrücken.

Bildhafte Sprache in Gedichten
1 Wer dichtet, spielt mit der Sprache und freut sich, wenn es ihm gelingt, den Klang und die Betonung der Wörter auszunutzen. Oft sucht ein Dichter auch kunstvolle Wendungen und Vergleiche, um etwas eindrucksvoll zu sagen.
2 Wir wollen jetzt verschiedene Formen bildhaften Sprechens kennen lernen [kennenlernen]: den Vergleich, die Metapher, die Personifikation, das Bild. Wir können untersuchen, was mit diesen Formen im Einzelfall ausgedrückt oder angedeutet wird.
3 Wenn man etwas Unbekanntes vorstellt, kann man es mit etwas Bekanntem vergleichen. Oft soll ein Vergleich helfen, dass man sich etwas bildlich vorstellen kann. Wenn aber der Himmel „wie aus blauem Porzellan“ ist, wird er etwas Wunderbares.
4 Wenn man sagt, eine Lehrerin sei für die Klasse eine richtige Mutter, gebraucht man eine Metapher; man meint, sie sei für die Klasse wie eine Mutter. Man kann also die Metapher als verkürzten Vergleich betrachten.
5 Wenn durch eine Metapher ein Gegenstand oder ein Tier in den menschlichen Bereich gerückt wird, spricht man von einer Personifikation: „Das Auto ruht sich aus.“ Dadurch wird der Abstand zwischen Ding und Mensch oder Tier und Mensch verringert.
6 Wenn gesagt wird, dass das Auto sich ausruht, klingt das eher lustig. Ein Eselchen, das nachdenkt, ist uns dadurch vertraut und nahe. Wenn Menschen in die Nähe der Tiere gerückt werden, kann man sie aber auch als unmenschlich kritisieren.
7 Es kommt also darauf an, dass wir spüren, was die bildhafte Ausdrucksweise jeweils leistet. Dazu prüft man, wie die Wendung sich in normaler Sprache anhört: „Das Auto steht da.“ Man macht also eine Ersatzprobe.
8 Oder man sucht zum Vergleich ein anderes Bild: „Die Lehrerin ist ein Engel.“ Was besagt die eine Metapher im Unterschied zur anderen? Oft ist es hilfreich, das Gegenwort (Antonym) zu bestimmen: „Die Lehrerin ist herzlos.“
9 Bildhaft Gesagtes kann eine besondere Stimmung oder Bewertung enthalten; der Gegenstand oder das Geschehen können anschaulich vorgestellt werden. Dies zu bemerken und richtig auszudrücken ist die Leistung, die du erbringen sollst.
10 Man spricht von einem Bild, wenn bestimmte Sachverhalte anschaulich dargestellt werden. Bilder können etwas bloß andeuten, aber auch vollständig beschreiben. Der Begriff des Bildes unscharf; er ist ein Sammelbegriff für verschiedene Stilmittel.

Wie war es in der Steinzeit?
1 Aus zwei Quellen beziehen wir unser Wissen über die Steinzeit. Die Archäologen graben und sammeln, was sie im Boden finden; die Ethnologen erforschen Stämme, die heute noch ähnlich wie die Steinzeitmenschen leben.
2 Wir nennen solche Menschen Jäger und Sammler (Wildbeuter). Sie essen das, was die Frauen an Früchten oder Pflanzen sammeln und was die Männer bei der Jagd erbeuten; Eier ergänzen den Speisezettel.
3 Mit dieser Art von Nahrungsbeschaffung kann man nur in kleinen Gruppen von zwanzig bis fünfzig Leuten überleben; man weiß oft nicht, was man am nächsten Tag zu essen hat. Es gibt kaum etwas, was einem gestohlen werden könnte.
4 Das wichtigste Material ist Stein. Mit Steinen kann man Steine bearbeiten, Faustkeile und Klingen herstellen; mit Steinwerkzeugen lassen sich Holz, Knochen, Felle und Sehnen bearbeiten.
5 Einen großen Fortschritt erreichten die Menschen, als sie Feuer erzeugen und aufbewahren konnten. Mit dem Feuer ließen sich Höhlen erwärmen, aber auch Fleisch und Eier auf Steinen braten.
6 Vermutlich gab es in den kleinen Gruppen keinen festen Häuptling. Wenn genügend Nahrung gefunden wurde, hatten die Menschen mehr Freizeit als wir; aber sie wurden kaum über 40 Jahre alt.
7 Sie begruben ihre Toten oft in einer Hockstellung oder legten die Körper in eine bestimmte Himmelsrichtung. Im Jagdzauber schossen sie auf die Bilder von Tieren, die sie erlegen wollten.
8 Wenn eine Warmzeit von einer Eiszeit abgelöst wurde, hatten sie ihre Lebensweise umzustellen; sie wichen dem Eis aus, lernten neue Tierarten kennen und mussten neue essbare Pflanzen finden.
9 Vor etwa 10.000 Jahren wurden im Nahen Osten, etwa in der heutigen Türkei, erstmals Tiere gezüchtet und Gräser als Getreide angebaut. Die Menschen produzierten jetzt ihre Nahrung durch Arbeit selber.
10 Als sie dann auch noch sesshaft wurden, feste Häuser anlegten und schließlich Dörfer bauten, wurde eine neue Lebensform erfunden. Viele Merkmale dieser Kulturstufe bestehen bis heute fort.
11 Infolge verstärkter Arbeitsteilung wurden die Produkte besser; die Fachleute konnten ihre Waren gegen andere eintauschen. Die Menschen wurden insgesamt reicher, der einzelne aber von anderen abhängig.
12 Im Dorf musste das Zusammenleben neu organisiert, Streit um Besitztümer musste geschlichtet werden. Es entstand die Möglichkeit, dass Fremde einem den Besitz stehlen – fast wie bei uns heute.

Theater spielen
1 Die ersten Theater entstanden vor 2500 Jahren in Griechenland. Ein oder zwei Schauspieler sprachen im Wechsel mit einem Chor. Die Bühne war eine planierte Fläche zwischen einigen Hügeln.
2 Das Wort „Theater“ kommt auch aus dem Griechischen; es deutet an, dass etwas zum Schauen da ist. Schaubühne und Schaustück sind Theater; man will den Leuten etwas anschaulich zeigen.
3 Wenn Kinder Theater machen, haben sie sicher Lust daran, sich in einen anderen zu verwandeln; sie spielen ihre Rolle nicht nur, sondern verkörpern sie auch. Ein originelles Kostüm erhöht die Spielfreude.
4 Man kann sich beim Spielen streng an den Text einer Rolle halten, man kann aber auch improvisieren; dann wird man vom vorgestellten Menschentyp, von einer Rolle oder einer Situation ausgehen und sie in ihren Möglichkeiten ausspielen.
5 Wenn man noch keine Routine hat, muss vor den eigentlichen Proben geübt werden, wie man sich bewegt und spricht. Der Ausdruck der Gesichtszüge (die Mimik) und die Gesten, also die Bewegungen vor allem der Hände sagen auch ohne Worte etwas.
6 Man ist nicht gewohnt, so deutlich zu sprechen, dass die Leute einen über einen Abstand von zehn Metern verstehen. Deshalb muss der Spieler auf die deutliche Artikulation der Endsilben achten; er darf sie etwas übertreiben.
7 Die Tonlage, der Fluss und die Stärke einer Stimme zeigen, was im Innern der Figur vorgeht. Die Schauspieler handeln vor allem, indem sie sprechen und sich bewegen, aufeinander zugehen oder sich voneinander abwenden.
8 Die verschiedenen Orte werden durch passende Requisiten und ein Bühnenbild dargestellt; wenn dabei Schwierigkeiten auftauchen, kann man das nicht darstellbare Geschehen berichten lassen; das ist eine alte Technik (Mauerschau).
9 Bei den Proben wird wohl die Lehrperson die Regie führen; sie wird auch organisieren müssen, dass die Spieler effektvoll beleuchtet werden und dass an den richtigen Stellen Musik erklingt.
10 Auf einen Souffleur oder eine Souffleuse kann man nicht verzichten; jeder kann einmal stecken bleiben. Bis zur Generalprobe muss durch Plakate und in der Presse für den Besuch des Stücks geworben werden; dann kann es losgehen.

Beschreiben, was man tun muss
1 Wenn jemand irgendwohin gehen will, aber den Weg nicht kennt, fragt er einen anderen: „Wie komme ich dahin?“ Diese Frage lässt sich unterteilen: In welche Richtung muss ich gehen? Wie weit gehe ich in diese Richtung?
2 Die beiden Teilfragen werden im Wechsel wiederholt beantwortet: Der Weg wird aus vielen Strecken zusammengesetzt. Ein Fremder kann den Weg finden, wenn die Orientierungspunkte leicht zu finden sind.
3 Der Weg ist genau beschrieben, wenn die Orientierungspunkte klar und eindeutig benannt werden. Verständlich ist er beschrieben, wenn man keine Dinge erwähnt, die ein Fremder nicht kennen kann (Pavillon B usw.).
4 Komplizierter wird es, wenn man ein Spiel mit seinen Regeln beschreibt. Zunächst kommt es dabei darauf an, die Fragen zu erfassen, die jemand stellen könnte, der das Spiel nicht kennt.
5 Zu einem Brettspiel können die Fragen lauten: Wie viele Spieler nehmen teil? Welches Zubehör gibt es? Wie stelle ich die Spielsteine auf? Nach welchen Regeln werden sie gezogen? Wer hat gewonnen?
6 Überflüssiges zu sagen vermeidet man, indem man überlegt, welche Fragen selbst ein Anfänger nicht stellen wird: Wie sieht das Brett aus? Das sieht er, wenn er es aufklappt. Was ist ein Würfel? Das sollte er bereits wissen.
7 Es kommt also darauf an, dass man die Fragen eines Neulings beantwortet. Mit Fachbegriffen kann man Erklärungen erheblich abkürzen; oft ist schwer zu entscheiden, welche Fachausdrücke man für verständlich halten darf.
8 Beim Basteln und Kochen lauten die Fragen meistens so: Was brauche ich an Material und Werkzeug? Was mache ich damit (in welcher Reihenfolge)? Wie lange dauert es, bis ich fertig bin? Das sind im Grunde ähnliche Fragen wie beim Brettspiel.
9 Wenn du ein Haustier hältst, kommen Aufgaben auf dich zu: Das Tier muss untergebracht und gefüttert werden; ein krankes Tier muss gepflegt werden; Junge wollen versorgt werden. Die Fragen ergeben sich einfach aus dem Leben eines Tiers.

Attribute
1 Die folgenden Beispielsätze zeigen dir, was ein Attribut ist:
(a) Das Auto steht seit Stunden am Haus.
(b) Das Auto des Arztes steht seit zwei Stunden am Haus, in dem mein Onkel wohnt.

2 Wenn du die beiden Sätze vergleichst, siehst du, wie verschiedene Angaben näher bestimmt werden: Was für ein Auto steht am Haus? Seit wie viel Stunden steht es am Haus? An was für einem Haus steht das Auto seit Stunden?
3 Sachlich gesehen wird durch ein Attribut genauer angegeben, was für ein Ding das ist. Grammatisch gesehen stellt ein Attribut die Erweiterung eines Satzgliedes dar; es ist kein selbstständiges [= selbständiges] Satzglied.
4 Bei der Umstellprobe wird das ganze Satzglied einschließlich des Attributs verschoben:
(b)‘ Seit zwei Stunden / steht / das Auto des Arztes / am Haus,
in dem mein Onkel wohnt.

5 Mit einem Genitivattribut wird im weiten Sinn ausgedrückt, wem etwas gehört:
(c) Das Auto des Arztes / steht am Haus.
(d) Die Tasche meines Bruders / gefällt mir gut.
(e) Die Farbe deiner Haare / verblasst langsam.

6 Wenn ein Adjektiv als Attribut gebraucht wird, bezeichnet es eine sogenannte [so genannte] Eigenschaft:
(f) Das kranke Kaninchen liegt noch auf der Straße.
Das Adjektivattribut wird mit seinem Bezugsnomen dekliniert.
7 Attribute können auch in Satzform gebildet werden:
(g) Das Auto, das dem Arzt gehört, steht am Haus.
Diese Art von Attributen heißt Relativsatz; er gehört zu den Nebensätzen, wird also durch Kommas vom Hauptsatz getrennt.
8 Das Relativpronomen ersetzt das Wort, auf das es sich bezieht:
(g)‘ Das Auto steht am Haus. Das Auto gehört dem Arzt.
Aus dem selbständigen zweiten Satz ist in (7) ein Relativsatz geworden.
9 Es gibt noch weitere Arten von Attributen. Pronomen können als Attribute dazu dienen, das Thema weiter auszubauen:
(h) Der alte Mann stand am Bach; seine Frau war seit zwei Jahren tot. Er hatte ihr langes Leiden noch nicht vergessen.

Eine Figur (einen Menschen) bewerten
1 So wie wir jeden Tag über andere Menschen urteilen, kann auch der Erzähler eine Figur, über die er spricht, bewerten. Wir wollen untersuchen, wie er das macht, damit unser Ohr für Urteile geschärft wird.
2 Diesem Ziel nähern wir uns auf zwei Wegen. Zum einen nehmen wir uns die gleiche Figur wie der Erzähler vor und bewerten sie anders; wir stellen dabei fest, wie leicht man das Bild eines Menschen umformen kann.
3 Dabei tauchen einige erzähltechnische Probleme auf. Wenn man aus den Kyklopen nette Menschen macht, dann kann der Wind, der Odysseus zu ihnen treibt, kein widriger Wind sein; das eine passt einfach nicht zum anderen.
4 Man steht also vor der Aufgabe, so zu erzählen, dass es insgesamt stimmig ist. Im normalen Leben sagt man, man müsse im Sprechen und Handeln glaubwürdig sein; Taten wie Worte sollten zueinander passen.
5 Der zweite Weg zum Ziel ist die grammatische Untersuchung der Sprache. Dabei bemerkt man zunächst, dass es oft ganze Sätze („Satzaussagen“) sind, in denen ein Mensch als gut oder schlecht dargestellt wird.
6 Er hilft den Schwachen; er hat viele Freunde; er kann einen Scherz vertragen… – wer so lebt, den schätzen wir als einen guten oder glücklichen Menschen. Es leuchtet uns ein, dass so zu leben Freude macht.
7 Was für ein Mensch jemand ist, wird mit einem prädikativen Satzadjektiv (Er ist nett.) oder Attribut (der neue Schüler) oder durch einen Gleichsetzungsnominativ (Mein Vater war Holzschuhmacher.) ausgesagt.
8 Durch Vergleiche oder adverbiale Ergänzungen der Art und Weise wird das Handeln charakterisiert. Es gibt jedoch noch eine raffinierte Möglichkeit, jemand zu bewerten, ohne dass es auffällt.
9 Wenn jemand in einer Villa lebt, ist das anders und gilt er als ein anderer, als wenn er in einer Baracke wohnte. „Baracke“ hat als Wort einen unangenehmen Klang; das gleiche Gebäude könnte man milder auch Hütte oder Häuschen nennen.
10 Diese Untersuchungen nehmen wir vor, damit ihr vielleicht ein bisschen selbständiger [= selbstständiger] werdet. Ihr sollt merken, wenn jemand über einen anderen urteilt, und nicht meinen, er spräche bloß reine Tatsachen aus.

Berichten
1 Wenn die Kinder von einem Wandertag nach Hause kommen, werden sie von ihren Eltern gefragt: „Wie war es heute?“ Die Eltern erwarten einen kurzen Bericht von den wichtigsten oder schönsten Ereignissen des Tages.
2 So könnte es zum Beispiel für die Eltern interessant sein, was unternommen worden ist, ob sich das eigene Kind wohlgefühlt [wohl gefühlt] und wie viel Geld es ausgegeben hat; wichtig ist auch, ob alle Kinder wieder gesund zurückgekommen sind.
3 Wenn man einem kranken Klassenkameraden vom Wandertag berichtet, hat dieser vermutlich andere Fragen als die Eltern: Hat man ihn nicht vermisst? Wer hat sich wieder mit Willi geprügelt? Mit wem ist Iris diesmal gegangen?
4 Von einem Wandertag werden meistens ungewöhnliche oder lustige Begebenheiten berichtet; auch die Heldentaten des Berichterstatters werden ins rechte Licht gerückt. Ein solcher Bericht dient nicht ausschließlich der Information.
5 Es gibt auch Berichte, die schriftlich abgefasst werden: Berichte von Unfällen, von Streitigkeiten oder wissenschaftlichen Experimenten. Bei diesen Berichten kommt es auf eine klare sachliche Darstellung des Vorgangs an.
6 In diesen Fällen muss berichtet werden
– alles, was wichtig war,
– aber auch nur das Wichtige;
– dieses in der richtigen Reihenfolge
– und möglichst genau.
Der Leser muss sich ein Urteil über den Vorgang bilden können.
7 Um das Wichtige zu erfassen, muss man die sechs W-Fragen beantworten: Was ist geschehen? Wer hat was getan? Wann und wo ist es geschiehen? Wie ist der Vorgang abgelaufen? Warum ist es so passiert, warum hat er es getan? [was – wer – wo – wann – wie – warum]
8 Wer mündlich berichtet, gebraucht meistens das Perfekt und für den Höhepunkt das Präsens; hieran sieht man, dass solche Berichte mit Erzählungen verwandt sind. Sie dienen auch zur Unterhaltung des Hörers.
9 Schriftliche Berichte werden durchweg im Präteritum abgefasst; man blickt auf den ganzen Vorgang zurück. Sie müssen in den Einzelheiten so genau sein, dass der Leser keine Fragen stellen muss, um sich ein klares Bild machen zu können.
[Kurze Erläuterung: „Was ist geschehen?“ ist die erste Frage, weil damit das Geschehen als ganzes, als Einheit erfasst wird.]

Untersuchen, vergleichen, erklären
1 Man kann Leute befragen, was sie am häufigsten in ihrer Freizeit machen. Die Antworten kann man auswerten, indem man eine Liste anlegt: An der Spitze steht Sport; es folgen die seltener genannten Tätigkeiten.
2 Das Inhaltsverzeichnis des Schülerdudens Grammatik ist eine ähnliche Liste. Sein Aufbau wird durch Schrifttypen und -größen, durch Fettdruck sowie durch Einrücken der Zeilen abgebildet bzw. angedeutet.
3 Wer sich in dieser Ordnung nicht zurechtfindet, kann im Register nachschlagen; die Stichworte sind alphabetisch geordnet und werden durch Schrifttypen markiert: grammatische Begriffe, vorkommende Wörter und erklärte Fremdwörter.
4 Je vielfältiger die Merkmale einer Sache unterschieden werden, desto schwieriger ist es, die Ergebnisse darzustellen. Welche unterschiedlichen Blattformen man kennt, kann man in einem Baumdiagramm zeigen.
5 Dieses Diagramm ähnelt dem Inhaltsverzeichnis des Schülerdudens; an die Stelle der verschiedenen Schrifttypen tritt hier die zunehmende Verzweigung, die wie ein Baum nach oben wächst.
6 Wie sich etwas entwickelt, kann man in einer Liste aufzeichnen und in einem Diagramm darstellen. So kann man messen, wie schnell eine Bohne wächst; diese Werte kann man in der Reihenfolge der Tage in einem Diagramm einzeichnen.
7 Wenn man mehrere Faktoren untersucht, kann man etwas erklären: Wie hoch ist die Aufmerksamkeit im Tagesverlauf, wenn man richtig, falsch oder gar nicht frühstückt? „Richtig“ und „falsch“ sind bereits Ergebnisse der Untersuchung.
8 Diesem Diagramm liegt das einfache Kreuzdiagramm zu Grunde, jedoch um die zeitliche Dimension erweitert. Ein Kreuzdiagramm beruht auf der Kombination zweier Unterscheidungen, etwa: wichtig / unwichtig, dringend / nicht dringend, in einem Kreuz.
9 Mit diesem Diagrammm legt man dann sein Arbeitsprogramm fest: Zuerst muss das erledigt werden, was sowohl wichtig wie dringend ist; am Ende kümmert man sich vielleicht noch um das, was unwichtig ist und nicht drängt.
10 Auch in der Physik werden viele Dinge anhand von Modellen und Schemata erklärt. Durch Abstraktion kommt man vom Bild einer Fahrradlampe zum Modell dieser Lampe oder zum Modell von Sonnen- und Mondfisternissen.
11 In einem Diagramm kann man also Unterschiede klar machen, Entwicklungen darstellen, Zusammenhänge aufzeigen; wenn man Farben für verschiedene Größen nimmt, sind diese leichter zu unterscheiden.

Diktate als  K l a s s e n a r b e i t e n :

Über bildhaftes Sprechen
Wer dichtet, spielt mit der Sprache; oft gelingt es ihm, den Klang und die Betonung der Wörter auszunutzen. Gern verwendet der Dichter auch eine bildhafte Sprache.
Dichter benutzen häufig Vergleiche und Metaphern; je weniger eine Metapher bekannt ist, desto mehr erfreut sich der Dichter daran. Für den Leser sind solche Metaphern nicht immer leicht zu verstehen.
Wenn von Gegenstünden oder Tieren wie von Menschen gesprochen wird, nennt man das eine Personifizierung. Weil Affen uns ähnlich sind, kann man sie leicht personifizieren, um so die Menschen zu kritisieren. Die Affen lernen in der Schule das Fressen und das Gehorchen; um Mensch zu sein, muss man etwas mehr lernen.
Metaphern sind ganz normale Satzglieder; der Begriff sagt etwas darüber, in welchem Sinn ein Wort verwendet wird, aber nicht, welche Aufgabe es im Satz hat. Vergleiche können adverbiale Ergänzungen sein; eine ganze Reihe von Vergleichen wird aber in Nebensätzen entfaltet.
(150 Wörter)

Bildhaftes Sprechen/Wortbildung
Manchmal fällt es einem schwer, mit den gebräuchlichen Wörtern das auszudrücken, was man meint. Dann kommt man vielleicht mit einer der Formen des bildhaften Sprechens weiter.
Wenn man Unbekanntes vorstellt, kann man es mit etwas Bekanntem vergleichen. Oft soll ein Vergleich helfen, dass man sich etwas anschaulich vorzustellen vermag. Wenn durch eine Metapher ein Gegenstand oder ein Tier mit menschlichen Fähigkeiten ausgestattet wird, spricht man von einer Personifizierung. Dadurch wird der Abstand zwischen Ding und Mensch oder Tier und Mensch verringert. Wenn Tiere in die Nähe der Menschen gerückt werden, wird möglicherweise angedeutet, dass Menschen sich wie Tiere verhalten können.
Wenn unbekannte Gegenstände auftauchen oder neue Einrichtungen geschaffen werden, braucht man zusätzliche Wörter. Dafür kann man vorhandene Wörter zusammensetzen oder sie abändern, indem man ein Präfix oder Suffix hinzufügt; manchmal wird auch der Stammvokal geändert. Zur Not übernimmt man einfach ein Wort aus einer fremden Sprache. (150 Wörter)

Märchen lesen
Selbst bei unbekannten Texten ahnen wir, worum es geht. Schon ihre Überschrift oder ein Buchtitel deuten oft bereits an, um was f&¨r eine Art Text es sich handelt. Die verschiedenen Textsorten sind mit jeweils anderer Stimme vorzulesen.
Die nächste Frage lautet: Aus welchen Teilen besteht der Text? Viele Märchen bestehen aus den gleichen Elementen; das wichtigste ist der Held. Meistens kommt die Hauptfigur nicht ohne Helfer aus; oft hat sie einen Gegenspieler. Der Held kann sich an seinen Aufgaben bewähren, weil er ein guter, fleißiger oder hilfsbereiter Mensch ist; manchmal ist er bloß klug. Wenn die Aufgabe trotzdem zu schwer ist, muss er von jemandem besondere Hilfsmittel erhalten.
Die Welt der Märchen ist einfach und klar: Wer gut ist, bewährt sich; wer sich bewährt, wird belohnt. Die Bösen versagen und werden bestraft; wer dagegen schuldlos versagt, bekommt eine neue Aufgabe. – Im wirklichen Leben geht es häufig anders zu.
(150 Wörter)

Wie neue Wörter entstehen
Die einfachste Art, wie man neue Wörter bildet, besteht darin, vorhandene Wörter zusammenzusetzen. So entsteht aus ‚Amt‘ und ‚sozial‘ das Wort ‚Sozialamt‘; dort werden die sozialen Aufgaben einer Gemeinde verwaltet. ‚Amt‘ ist hierbei das Grundwort, ‚sozial‘ wird als Bestimmungswort vorangestellt.
Die zweite Möglichkeit besteht darin, vorhandene Wörter abzuändern. So kann man aus Verben Nomina ableiten (fahren -> Fahrer, Fuhre), aus Adjektiven Verben (andere -> ändern) und so weiter. Dabei kann der Stammvokal geändert werden; entscheidend ist aber die Verwendung von Suffixen. Präfixe werden gebraucht, um die Bedeutung von Verben abzuwandeln (gehen -> angehen, aufgehen, nachgehen usw.).
Am einfachsten ist es, wenn ein Wort je nach dem Zusammenhang in verschiedenen Bedeutungen verwendet werden kann. So gibt es die Krone eines Königs, eines Baumes oder eines Zahns; sogar einer Reihe von Frechheiten kann jemand ‚die Krone aufsetzen‘. Wenn man eine fremde Sprache lernt, muss man solche eigenwilligen Redewendungen im Wörterbuch nachschlagen.
(150 Wörter)

Über Schriftsysteme
Zunächst haben die Menschen miteinander gesprochen; erst mit der Zeit haben sie begonnen, Worte in Zeichen festzuhalten. In den einzelnen Kulturen gibt es unterschiedliche Schriftsysteme, weil diese erfunden werden mussten.
Den Ursprung unserer Schrift bildet die ägyptische Bilderschrift; das Wort „Soldat“ wurde durch das Bild eines Soldaten dargestellt. Das gleiche Bild könnte aber auch verwendet werden, um die Handlung des Kämpfens oder die Eigenschaft Tapferkeit zu bezeichnen.
Die nächste Stufe in der Entwicklung war erreicht, als ein Bild für mehrere Wörter verwendet wurde, die gleich oder ähnlich klangen. Von hier aus war es nur ein Schritt bis zur letzten Stufe, wo jedes Wort als Lautfolge aufgefasst wurde. Einzelnen Lauten wurden feste Zeichen zugeordnet, welche Buchstaben heißen.
Probleme für die Rechtschreibung ergeben sich, weil es mehr Laute als Buchstaben gibt und weil für den gleichen Laut verschiedene Buchstaben oder Buchstabenfolgen stehen (Saal; Stab; Stahl). Die Schreibweise ist manchmal willkürlich festgelegt.
(150 Wörter – zu: Schrift und Rechtschreibung, Kl. 8)