Übungsdiktate für Klasse 5

Man sollte die Angabe „für Kl. 5“ usw. nicht zu eng sehen – man kann diese Diktate hier je nachdem auch in Kl. 6 oder 7 verwenden… – Zur GEBRAUCHSANLEITUNG siehe https://norberto68.wordpress.com/2012/03/08/das-tagliche-ubungsdiktat-idee-gebrauchsanleitung/

Übersicht:
Rechte und Pflichten der Lehrer und Schüler;
Mädchen und Jungen;
Vom Fragen;
Der Satz;
Wörter;
Einen Brief schreiben;
Bereite dich auf eine Klassenarbeit vor!
Lesen und vorlesen;
Erzählung und Nachzählung;
Wortarten;
Adverbiale Ergänzungen;
Ein Buch lesen;
Der eigene Standpunkt;
Rätsel lösen;
Gedichte;
(weitere Möglichkeiten:
Die Handschrift;
eine Bildergeschichte erzählen)

Diktate (aus zwei ÜD) als Klassenarbeiten:
Vom Fragen
Rechte und Pflichten
Vom Gebrauch der Wörter
Bildergeschichten

Rechte und Pflichten der Lehrer und Schüler – ÜD 5/1/
1 In der Schule arbeiten Lehrer und Schüler zusammen. Kinder müssen in Deutschland zehn Jahre lang die Schule besuchen; aber sie haben auch das Recht darauf, etwas zu lernen und in ihren Fähigkeiten gefördert zu werden.
2 Beide Gruppen, Lehrer und Schüler, haben Rechte und Pflichten. Die Lehrer müssen ihren Unterricht vorbereiten und den Schülern Gelegenheit geben, etwas Neues zu lernen; diese müssen mitarbeiten und ihre Aufgaben machen.
3 Zu den Rechten der Schüler gehört es, Fragen zu stellen und manchmal etwas misszuverstehen; dem entspricht die Pflicht der Lehrer, den Schülern beim Lernen zu helfen, sodass diese ihre Fragen beantworten können.
4 Außerdem müssen die Lehrer darauf achten, dass im Unterricht und in den Pausen eine gewisse Ordnung herrscht; diese Ordnung soll uns helfen, in Ruhe zu arbeiten, niemand zu schädigen und keine Einrichtungen der Schule zu zerstören.
5 Wir Menschen leben nur dann in Frieden zusammen, wenn wir uns gegenseitig achten und mit unseren Eigenheiten respektieren. Niemand darf wegen seines Namens und seines Aussehens oder wegen eines Fehlers ausgelacht werden.
6 Wichtig ist, dass sich jeder entschuldigen kann. Der Lehrer soll sich entschuldigen, wenn er einem Schüler Unrecht getan hat; Schüler sollen sich entschuldigen, wenn sie den Unterricht gestört oder jemand beleidigt haben.
7 Zur Pflicht des Lehrers gehört es, die Leistungen der Schüler gerecht zu beurteilen; er darf nicht bloß deshalb eine Leistung als „gut“ beurteilen, weil er einen Schüler oder eine Schülerin gut leiden kann.
8 Umgekehrt kann kein Schüler für sich besondere Aufmerksamkeit und Liebe erwarten. Wer zu Hause vielleicht der einzige Sohn oder die schönste Tochter, also Prinz oder Prinzessin ist, ist in der Klasse einer unter vielen.
9 Die Rechte und Pflichten aller sind im Schulgesetz und in der Hausordnung festgelegt; es ist eine Aufgabe des Klassenlehrers, sie den Schülern im Einzelnen zu erklären und dafür zu sorgen, dass sie beachtet werden.

Mädchen und Jungen
– ÜD
1 Mädchen und Jungen – das ist gelungen –
haben sich gerne zunächst aus der Ferne.
Mit diesem prächtigen Gedicht erkläre ich gern das Verhältnis von Mädchen und Jungen, die so alt sind wie ihr.
2 Ihr Mädchen und Jungen seid dabei, Frauen und Männer zu werden. Das ist ein großes Abenteuer; denn man weiß nicht, was bei dieser Veränderung auf einen zukommt, und man versteht seine Gefühle noch nicht richtig.
3 Wenn man nicht weiß, wie man sich verhalten soll, hält man sich besser etwas zurück. Es ist auch klug, auf andere zu achten: Wie verhalten sich diejenigen, die Bescheid wissen? Man soll vorsichtig sein oder sich an Vorbilder halten.
4 Vorbilder sind die Leute, die für uns darstellen, wie man etwas richtig macht. Die ersten Vorbilder dafür, wie Frauen und Männer miteinander umgehen, sind normalerweise die eigenen Eltern.
5 Besonders weibliche Frauen und auffallend männliche Männer treten in Filmen auf, werden in Erzählungen vorgestellt oder in der Fernsehwerbung aufgeboten. Auch sie bestimmen unser Bild von den Rollen von Mann und Frau.
6 Wenn wir nun die verschiedenen Vorbilder vergleichen, sehen wir zweierlei: Sie stimmen in vielen Punkten nicht überein und manche von ihnen gefallen uns nur zum Teil – das gilt sogar für die Eltern.
7 Wenn man dann nach einem bestimmten Bild zu leben versucht, merkt man außerdem meistens: Das ist anders, als man es sich vorgestellt hat; ferner gefällt anderen Leuten nicht alles, was einem selber als schön erscheint.
8 Das ist auch bei den Erzählungen der Fall, die wir jetzt im Unterricht lesen. Anke findet nicht gut, wie Jürgen sich als „Mann“ aufführt; Oliver wirft Karin und ihren Freundinnen vor, ihn gemein behandelt zu haben.
9 Dabei kommen sich die beiden sicher toll vor: Jürgen fühlt sich als Held, dem nur noch Mustang, Lasso und Revolver fehlen; Karin lacht mit den Mädchen den Dummkopf aus, der auf ihre schönen Augen hereingefallen ist.
10 Jürgen versteht vielleicht, dass Anke darunter leidet, wie er sich als Junge darstellt; wenn er es schaffte, sein eigenes Bild von Mädchen und Jungen dem Bild Ankes anzunähern, wäre er ein bisschen erwachsener geworden.

Vom Fragen
– ÜD
1 „Wer nicht fragt, bleibt dumm.“ Dies singen die Kinder der Sesamstraße. Es lohnt sich, über deren Lied und über das Fragen ein wenig nachzudenken; denn in der Schule geht es darum, Fragen zu stellen und zu beantworten.
2 Eigentlich sollen die Schüler Fragen stellen; sie gehen ja zur Schule, um zu lernen, was sie noch nicht wissen und können. Die Lehrer müssen die Fragen der Schüler beantworten beziehungsweise ihnen helfen, die Antwort zu finden.
3 Oft genug ist es nämlich so, dass die Schüler mit etwas Nachdenken und kleinen Hilfen selber ihre Fragen beantworten können. Sie merken dann: Es ist meistens gar nicht schwer, etwas Neues zu begreifen.
4 Keiner gibt gern zu, dass er dumm oder dümmer als andere ist; deshalb schämen sich manche, vor der Klasse eine Frage zu stellen, wenn sie meinen, andere wüssten die Antwort. Diese Beurteilung des Fragens ist falsch.
5 In Wahrheit ist es ein Zeichen von Intelligenz, wenn man auf eine Frage stößt. Man hat dann nämlich bemerkt, dass man etwas nicht weiß und was man nicht weiß; und ob andere Schüler die richtige Antwort wissen, ist noch nicht erwiesen.
6 Wenn der Lehrer Fragen stellt, will er manchmal damit prüfen, wer aufmerksam war, oder er möchte die Schüler anregen, selber nachzudenken; meistens lenkt er die Schüler in die Richtung, wo die Antwort zu finden ist.
7 Gelegentlich weist ein Lehrer mit seinen Fragen die Schüler absichtlich in eine falsche Richtung. Dies tut er, damit sie grundsätzlich selber denken und nicht einfach wie Schafe zu dem Ziel rennen, das er bezeichnet hat.
8 Manchmal will ein Lehrer auch prüfen, wie viel seine Zöglinge gelernt haben. Dann stellt er Fragen, die oft schwer zu beantworten sind. Wer solche Fragen oder ihre Formulierung nicht versteht, soll es ruhig sagen.
9 Wenn man nicht genau weiß, wer oder was welche Rolle (auch im Satz) spielt, klärt man es ebenfalls durch Fragen: Wer oder was hat es getan? Was hat er getan? Wozu hat er dies gemacht? Wem kommt es zugute?
10 So sieht man, dass Fragen in der Schule verschiedene Aufgaben haben. Man kann mit ihnen etwas Unklares benennen, die Schüler prüfen, sie zum Denken anregen oder einfach um eine Erklärung bitten. Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Der Satz – ÜD 5/4/
1 Ein Text besteht aus Sätzen. Am Ende eines Aussagesatzes senkt man beim Sprechen die Stimme, um die Abgrenzung zu kennzeichnen; beim Schreiben setzt man dort einen Punkt, mindestens aber ein Semikolon.
2 Ein Satz besteht wieder aus mehreren Teilen, welche wir Satzglieder nennen. Man kann die Reihenfolge der Satzglieder vertauschen, ohne dass der Sinn sich wesentlich änderte.
3 Wir untersuchen das an einem Beispiel:
(1) Der kleine Junge spielte zwei Tage lang mit diesem Kamel.
(1)‘ Mit diesem Kamel spielte der kleine Junge zwei Tage lang.
Das Satzglied an der Spitze ist ein wenig hervorgehoben.
4 Satzglieder sind die Wörter oder Wortgruppen, die bei einer Umstellung stets zusammenbleiben. Der Sinn verändert sich bei der Umstellung nicht; das erste und das letzte Satzglied, jedoch auch andere können betont werden. [Im Englischen gilt dagegen: S – P – O!]
5 Du kannst untersuchen, wie man die Satzglieder des Beispiels anordnen kann; du wirst feststellen, dass „spielte“ immer an der zweiten Stelle steht. Diese Stelle ist die Drehscheibe des Satzes.
6 An der zweiten Stelle steht im Satz das Prädikat; im Prädikat (Satzaussage) wird gesagt, was geschieht: spielen, jemand spielte. Zum Prädikat gehört die Angabe im Nominativ, das Subjekt (Satzgegenstand): der kleine Junge.
7 Im Subjekt wird benannt, wer oder was etwas tut, „wer oder was“ geschieht. Prädikat und Subjekt passen in der Zahl (Singular oder Plural) zusammen:
(2) Der kleine Junge — spielte.
(falsch: Der kleine Junge — spielen.)
8 Zum Prädikat müssen oft weitere Angaben gemacht werden, die meistens im Akkusativ oder Dativ stehen:
(3) Die Frau gibt dem Mann [Dativ] ein Messer [Akkusativ].
9 Hier wird also gesagt, wem sie etwas gibt und wen oder was sie ihm gibt. Solche Angaben heißen Objekte. Welche Objekte in einem Satz erforderlich sind, hängt vom Verb ab; Verben wie „regnen“ brauchen kein Objekt.
10 Daneben kann es in jedem Satz weitere Ergänzungen geben, die besagen, wo, wann, warum oder wie etwas geschieht. Sie heißen adverbiale Ergänzungen. Mit ihnen befassen wir uns später.

Wörter – ÜD
1 Ein Wort besteht nicht aus Buchstaben, sondern aus Lauten; wie man Laute in Buchstaben schreibt, muss man lernen; ebenso ist es nicht einfach, aus Buchstaben wieder die richtigen Laute zu formen.
2 Wenn man im Rätsel die Buchstaben A, T, M, E, N findet, könnte man aus ihnen das Nomen „Atmen“ bilden; man kann auch das Verb „atmen“ darin finden. Die Schreibweise (groß/klein) hilft uns, das richtige Wort zu erkennen.
3 Gleichzeitig hilft uns auch die Betonung, eine Lautfolge als Wort zu verstehen. So gibt es im Deutschen kein Verb, das auf der Endsilbe betont wäre; es gibt aber viele Fremdwörter, die endbetont sind („Kultur“).
4 In einem Bilderrätsel weiß man oft nicht, was gemeint ist: ein Chinese, ein Kellner, eine Tasse, der Tee oder der Vorgang des Servierens. Man sieht im Bild vieles, ohne dass eines hervorgehoben würde.
5 Ohne den Chinesen denkt keiner an Tee; Tee wird in einer Tasse serviert, meistens heiß. Den Tee erkennen wir auf dem Bild nur im Zusammenhang eines Vorgangs, also wenn er serviert wird. Wovon ist aber die Rede?
6 In den Sprachen werden für die verschiedenen Gesichtspunkte eigene Wörter gebildet: der Beruf Kellner, das Gerät Tasse, das Getränk oder der Rohstoff Tee, die Handlung servieren, die Eigenschaft heiß, dazu das Volk der Chinesen.
7 Wenn man solche Grundbegriffe kennt, versteht man viele Vorgänge und lernt die passenden Woerter: den Beruf Kellnerin, das Gerät Krug, das Getränk Bier, die Tätigkeit servieren, die Eigenschaft kalt, dazu das Volk der Belgier.
8 Bei Bildern ist auch unklar, ob ein Teich oder See dargestellt ist; ob ein Haus, eine Hütte oder eine Bruchbude zu sehen ist. Es gibt also Wörter für große und kleine Gebilde oder für den guten und schlechten Zustand einer Sache.
9 Es gibt auch noch andere Unterscheidungen: Eine Kuh hat schon einmal gekalbt, ein Rind dagegen noch nicht; der Eber ist männlich, die Sau ist weiblich. Ein Ochse war einmal ein Bulle, der jetzt kastriert ist.
10 Du siehst also, dass in einer Sprache viele Wörter gebraucht werden können; je mehr Grundbegriffe, je mehr Aspekte man unterscheidet und je mehr Wörter man kennt, desto genauer kann man sich ausdrücken.

Einen Brief schreiben – ÜD 5/3/
1 Wenn man einen Brief schreibt, ist das so ähnlich, wie wenn man zu jemandem spricht; aber man ist nicht unmittelbar mit ihm zusammen. Was dieser Unterschied für das Briefeschreiben bedeutet, wollen wir untersuchen.
2 Am besten überlegt man, was man eigentlich will, ehe man zu schreiben beginnt. Man darf aber nicht übersehen, dass vielleicht auch der andere etwas von einem wissen oder bekommen möchte; wer nur sich selber sieht, ist dumm.
3 Wahrscheinlich sieht der andere dich auch anders als du selber – denke an den Unterschied zwischen der 1. und der 3. Person! Erinnerst du dich an Bemerkungen, die anzeigen könnten, was ein anderer von dir hält?
4 Da man mit dem anderen nicht zusammen ist, muss man „das Gespräch“ herstellen. Falls man nicht an Freunde schreibt, stellt man sich vor, indem man Namen und Adresse nennt und das Datum angibt; danach folgt die Anrede.
5 Damit hat das Gespräch begonnen. Zur Einleitung schreibt man am besten etwas Erfreuliches oder etwas, was den anderen vermutlich interessiert; damit zeigt man ihm, dass man an seinem Leben Anteil nimmt.
6 Im Hauptteil des Briefes stellt man dar, was man eigentlich will: was man mitteilen will, um welche Auskunft oder welche Gefälligkeit man bittet. Da der andere nicht fragen kann, muss man sich klar ausdrücken.
7 Damit ist aber nicht gemeint, dass man einfach direkt auf sein Ziel losgeht; oft muss man den anderen für die eigenen Pläne zu gewinnen suchen, Bedenken des Adressaten ausräumen oder zeigen, dass der eigene Wunsch begründet ist.
8 Zur Form des guten Gesprächs gehört auch, dass es ruhig ausklingt und nicht einfach abbricht. Man kann zum Schluss von etwas sprechen, was beide angeht; zumindest sollte man den anderen grüßen, ehe man den Brief unterschreibt.
9 Heute telefoniert man oft, statt einen Brief zu schreiben. Am Telefon fasst man sich normalerweise kurz; aber die Regeln, wie man dort mit dem Zuhörer umgehen soll, sind im Prinzip die gleichen wie beim Schreiben.
10 In den E-Mails schreibt man oft, was einem gerade einfällt, oder man kontrolliert den Text nicht mehr, ob er Fehler enthält; das mag so unter Freunden möglich sein, aber geschäftlich und amtlich sollte man „richtig“ schreiben.

Bereite dich auf eine Klassenarbeit vor! – ÜD
1 Wenn du in einer Klassenarbeit eine gute Leistung erzielen willst, darfst du nicht auf deinen Nachbarn oder eigene Geistesblitze vertrauen; du solltest dich sorgfältig auf die Prüfung vorbereiten.
2 Fang‘ eine Woche vorher an,
dann bist du wirklich echt gut dran.
Dieser gereimte Ratschlag ist nicht zu verachten; viele Schüler haben zwar gute Vorsätze, aber immer kommt ihnen etwas dazwischen.
3 Lege also in einem Plan fest, wann du arbeiten wirst! Dazu musst du wissen, wann du Zeit hast und wann nicht: Steht ein Geburtstag bevor? Wann willst du zum Training in den Sportverein gehen?
4 Es sollte dir auch rechtzeitig klar sein, was du alles in der Klassenarbeit können musst. Frage deshalb deinen Lehrer, wenn du es nicht weißt! Rege an, dass ihr eine Übungsarbeit schreibt.
5 Wie sollst du lernen? Lies nicht bloß im Lehrbuch etwas nach, sondern lerne aktiv und auf verschiedenen Wegen: Lege Lernkärtchen an! Schreibe Merksätze auf! Beantworte Prüfungsfragen!
6 Es ist auch sinnvoll, bloß zum Training einen Spickzettel zu verfassen; denn dabei zwingst du dich, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen und den ganzen Lehrstoff zu ordnen. Trainiere auch das Zeitgefühl in der Probearbeit oder bei den Hausaufgaben!
8 Am Tag vor der Klassenarbeit sollst du keinen neuen Stoff mehr lernen müssen; da wiederholst du nur noch und prüfst, ob du deine Zusammenfassungen beherrschst. Kontrolliere auch die Schreibgeräte und was du sonst noch brauchst.
8 Lasse dich vor der Klassenarbeit nicht verrückt machen. Lies zu Beginn die Aufgabenstellung sorgfältig ganz durch; wenn du sie nicht verstehst, fragst du am besten den Lehrer. Erinnere dich, in welchem Zusammenhang ihr das Thema behandelt habt.
9 Ein wichtiger Rat: Zuerst denken, dann schreiben! Notiere, falls das erforderlich ist, Stichworte und ordne sie. Wenn einzelne Teilaufgaben zu bearbeiten sind, fängst du mit solchen an, die du gut lösen kannst.
10 Schreibe präzise zur Aufgabenstellung! Und beiße dich nicht an einem Problem fest, sondern gehe zunächst weiter! Wenn du etwas nicht weißt, verbirg das nicht hinter Geschwätz – ein guter Lehrer durchschaut das sofort.
11 Lies nach Besprechung der Arbeit die Korrektur sorgfältig durch! Versuche die Kritik des Lehrers zu verstehen und nimm seine Ratschläge ernst. Das ist der erste Schritt, um die nächste Arbeit besser zu schreiben.

Lesen und vorlesen – ÜD
1 Wenn man sich mit der Frage befasst, was wir üben sollen, um besser lesen zu lernen, muss man das erste Lesen vom Vorlesen unterscheiden. Einen Text, den man vorliest, sollte man bereits kennen und verstanden haben.
2 Selbst bei einem unbekannten Text ahnen wir aufgrund der Form und der Überschrift, worum es geht. Damit ist zuerst gemeint, um was für eine Art Text es sich handelt: um eine Erzählung, eine Anzeige, einen Lexikonartikel oder etwas anderes.
3 Der Textsorte entsprechend hat der Autor geschrieben: Ereignisse, die für einen „Helden“ wichtig sind, werden spannend erzählt; in einem Lexikonartikel wird etwas sachlich knapp erklärt. Das ergibt jeweils andere Satzmelodien und Sprechweisen.
4 Die nächste Frage lautet: Aus welchen Teilen besteht der Text? Das heißt zum Beispiel: Wo beginnt ein neuer Erzählschritt? Welcher neuen Frage wendet sich der Autor eines Sachbuches zu?
5 Dass die Frage sich ändert oder ein neues Abenteuer erzählt wird, merkt man schnell; es wird oft ausdrücklich gesagt, zusätzlich auch durch einen Absatz im Text oder sogar durch eine Überschrift angekündigt.
6 Wenn ein Teil oder Abschnitt endet, soll man eine Pause machen. Das gilt mit Einschränkungen auch für lange Sätze. Hier muss man beachten, welche Wörter eine Gruppe bilden; dabei hilft einem die Lehre vom Satzbau und den Satzgliedern.
7 Solche Gruppen werden durch die Stimmhöhe und eine kleine Pause markiert. In Texten, die einem gehören, könnte man die Pause durch einen senkrechten Strich, die Betonung durch einen Akzent und die Stimmhöhe durch einen Pfeil markieren.
8 Wenn man sich darauf vorbereitet, einen Text vorzulesen, kann man verschiedene Lesarten ausprobieren. Das geht am besten, wenn man laut liest und sich fragt, welche Lesart zum Text passt; oft sind verschiedene Lesarten möglich.
9 Welche Wörter in einem unbekannten Text vorkommen, kann man ahnen, wenn man das Thema und die Fragestellung kennt. Wenn vom Gartenbau die Rede ist, kann man Wörter wie „Samen, Dünger, graben, ernten“ erwarten.
10 Wenn ein einzelnes Wort unbekannt ist, kann man normalerweise den Text trotzdem ohne weiteres verstehen. Aber ob ein oder mehrere, unbekannte Wörter soll man immer im Wörterbuch nachschlagen.

Erzählung und Nacherzählung
– ÜD 5/6/
1 Der Erzähler weiß etwas Wichtiges oder Interessantes, was einmal geschehen ist; er will dies anschaulich und lebendig darstellen. Die Zeitform des literarischen Erzählens ist das Präteritum (er lebte, er wohnte, er ging…).
2 Wenn man eine Erzählung verstehen will, muss man darauf achten, was die Figuren miteinander zu tun haben, worum es eigentlich geht und in welchen Schritten der Erzähler uns zum Höhepunkt seiner Geschichte führt.
3 So geht es in einer Geschichte Mark Twains darum, wie Tom eine lästige Pflicht durch eine List als ein Vorrecht darstellt; dadurch lässt er nicht nur andere für sich arbeiten, sondern kann auch noch daran verdienen.
4 Nur wer versteht, worum es in einer Erzählung geht, kann sie erzählen oder nacherzählen. Dabei muss man die gleichen Erzählschritte machen, die in der Vorlage zu finden sind; die Zeitform bleibt das Präteritum.
5 Die Nacherzählung wird für einen Leser geschrieben, der die Erzählung nicht kennt; man muss also angeben, wo und wann das Geschehen spielt. Auch müssen die Figuren eingeführt werden; statt bloß von Jim spricht man besser vom Negersklaven Jim.
6 Der Höhepunkt soll breit dargestellt werden; dabei kann die wörtliche Rede verwendet werden, um Äußerungen und Gedanken wiederzugeben. Die anderen Erzählschritte sollen normalerweise kurz dargestellt werden.
7 Nach dem Höhepunkt muss man zügig zum Schluss kommen, sonst wird es für den Zuhörer oder Leser langweilig. Man darf und soll seine eigenen Worte beim Nacherzählen gebrauchen, statt ganze Sätze wörtlich wiederzugeben.
8 Eine Nacherzählung muss also, genau wie eine Erzählung, bedacht und geplant werden; vielleicht notiert man sich vorher Stichworte. Beim Schreiben sollte man darauf achten, dass man nicht die gleichen Ausdrücke ständig wiederholt.
9 Wenn man der Erzählung selber eine Überschrift gibt, soll diese das Thema andeuten; sie darf aber nicht zu viel verraten. Für die Geschichte Mark Twains könnte man als Überschrift „Eine schlaue Idee“ wählen – oder hast du einen besseren Vorschlag?

Wortarten – ÜD
1 Eine Möglichkeit, Wörter zu ordnen, besteht darin, sie nach Wortarten zu sortieren; dies ist nötig, wenn man verstehen will, wie Wörter zu Wortgruppen, zu ganzen Sätzen, zu Äußerungen oder Texten zusammengestellt werden.
2 Die grundlegende Unterscheidung der Wortarten besteht darin, veränderbare Wörter und nichtveränderbare zu trennen. Die Veränderung (Flexion) des Verbs heißt Konjugation; nur ein Verb kann Prädikat des Satzes werden.
3 Die Personalform des Verbs steht in der 1., 2. oder 3. Person sowie im Singular oder Plural (Einzahl/Mehrzahl); in diesen Angaben von Person und Zahl muss das Prädikat immer mit dem Subjekt übereinstimmen.
4 Alle anderen Wörter, die flektiert werden, sind deklinierbar; sie können also in die vier Fälle (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ) gesetzt werden. Eine große Gruppe der Wörter hat ein festes Geschlecht: die Nomina.
5 Die grammatischen Geschlechter sind „männlich, weiblich, keines (= Neutrum)“. So ist „der Baum“ männlich, „die Fabrik“ weiblich, „das Haus“ Neutrum. Die anderen deklinierbaren Wörter können in alle drei Geschlechter gesetzt werden.
6 Das sieht man am Adjektiv „alt“: (a) ein alter Baum; (b) eine alte Fabrik; (c) ein altes Haus. Die Adjektive sind in der großen Restgruppe die einzigen, die normalerweise gesteigert werden können: süß, süßer, am süßesten.
7 Die anderen Wörter, die zwar dekliniert, aber nicht gesteigert werden, sind die Begleiter und Stellvertreter: (d) der Baum; (e) meine Tante;(f) alle Leute; (g) ein Unglück.
8 Den Rest der Wörter nennen wir Partikeln; sie werden nicht flektiert. Wie wichtig die Partikeln sind, merkt man, wenn man versuchsweise einmal auf sie verzichtet; dann bleibt eine ganz primitive Sprache übrig.

Adverbiale Ergänzungen – ÜD
1 Subjekt und Prädikat bilden den Satzkern; dazu kommen normalerweise weitere Angaben, die wir Objekte nennen:
(1) Willi leiht seinem Freund das Fahrrad.
Hier findest du Objekte im Dativ und Akkusativ.
2 Daneben gibt es noch die adverbialen Ergänzungen; wie der Name sagt, gehören sie „zum Verb“. Man kann sie meistens auch als Ergänzungen zum ganzen übrigen Satz auffassen, nicht nur als solche zum Prädikat.
3 Das soll am Beispiel gezeigt werden:
(2) Heute / leiht / Willi seinem Freund das Fahrrad.
Die adverbiale Ergänzung „heute“ gibt an, wann der ganze Vorgang stattfindet; ohne Willi und den Freund gibt es kein Leihen.
4 Man kann am einfachsten vier große Gruppen von adverbialen Ergänzungen unterscheiden; sie geben den Ort, die Zeit, die Art und Weise sowie den Grund einer Handlung oder eines Geschehens an.
5 Man könnte aber auch mehr als vier Gruppen benennen. Wenn man etwa den Grund einer Handlung und ihren Zweck streng unterscheidet, könnte man fünf statt vier Gruppen adverbialer Ergänzungen zählen.
6 An folgendem Beispiel kannst du sehen, wie nah solche Angaben von Grund und Zweck verwandt sind:
(3) Ich kämpfe verbissen, weil ich das Spiel gewinnen will.
(4) Ich kämpfe verbissen, um das Spiel zu gewinnen.
7 In einem fernen Land – im Schloss – im finsteren Wald – in die
weite Welt; diese Ortsangaben eines Märchens schließen aneinander an. Ebenso müssen die Zeitangaben einen Zusammenhang bilden.
8 Wenn wir das als Sprachwissenschaftler betrachten, sehen wir zweierlei: Adverbiale Ergänzungen mehrerer Sätze gehören zusammen und müssen zueinander passen. Dieser Zusammenhang wird als Text entfaltet.
9 In diesen Zusammenhang müssen auch die Subjekte und alle übrigen Satzglieder passen, damit der Text eine Einheit bildet; wenn der Zusammenhang nicht besteht oder mehrfach schwer gestört wird, verstehen wir nichts mehr.
10 Die Ortsangaben oben stammen aus einem Märchen. Wenn der König „aus dem Raumschiff“ käme oder eine Prinzessin „am Computer“ säße, empfänden wir das als störend; vielleicht handelte es sich aber auch um ein modernes Märchen.

Ein Buch lesen
– ÜD
1 Wenn man zur Unterhaltung ein Buch liest, kann man meistens etwas erleben; das kann man auch im Kino oder vor dem Fernseher, aber dort bekommt man die Bilder und Geräusche schon fertig und unabänderlich vorgesetzt.
2 Wenn man ein Buch liest, muss man sich das alles selbst vorstellen; auf die Musik muss man allerdings verzichten. Lesen erfordert Konzentration; aber dafür gewinnt der Leser seine eigene Vorstellung vom Geschehen.
3 Dein Leben ist durch die Pflichten und Termine eines Schülers geregelt; die Helden der Bücher leben dagegen in einer Welt voll großer Gefahren, schwerer Aufgaben und toller Überraschungen.
4 Etwas erleben kann man auch, wenn die Helden es in ihrer Jugend nicht einfach haben; sie können behindert oder arm sein, ihre Eltern sind geschieden, sie selber leben als Fremde im Ausland oder geraten auf die schiefe Bahn.
5 So kann man, wenn man ein Buch liest, an Lebensproblemen teilnehmen, welche man normalerweise nicht so gut und nicht in dieser Fülle kennt; in einer Familie bleiben uns in der Regel viele Probleme erspart.
6 Manche Jugendbücher behandeln ausdrücklich Fragen, denen wir uns selber stellen müssen: Streit mit den Eltern, Ärger mit den Lehrern, Freundschaft oder Feindschaft mit anderen Kindern. Da kann man im Lesen seine Probleme von außen betrachten.
7 Es hat manche Vorteile, sein Leben einmal so zu sehen; man braucht sich nicht zu behaupten, kann Abstand von den eigenen Gefühlen gewinnen und sich so in die Lage der Erwachsenen oder anderer Kinder versetzen.
8 Sogar aus dem schönsten Buch kann man wieder einen Gegenstand des Unterrichts machen. Der Lehrer kann prüfen, wie sorgfältig man den Text gelesen hat; er kann dumme Fragen oder Aufgaben stellen und Noten verteilen.
9 Dann steht man wieder dort, wo man nicht stehen wollte, nämlich vor einem Problem. Darüber könntest du erneut eine Geschichte schreiben: Wie es dir gelingt, den Fallen des Lehrers auszuweichen und dich aus seinen Schlingen zu befreien.

Der eigene Standpunkt – ÜD
1 Als Kleinkinder sind wir naiv, wenn wir unsere Umgebung betrachten: Den weit entfernten Kastanienbaum halten wir für klein, unser Kaninchen kommt uns größer vor. Wir meinen, es sei alles so, wie wir es sehen.
2 Mit der Zeit lernen wir die Größenverhältnisse einschätzen. Es fällt uns aber weiterhin schwer, über Menschen vorsichtig zu urteilen. Vor allem fällt es uns schwer, uns selber mit etwas Abstand zu betrachten.
3 Wenn zwei Menschen gern ihren Gedanken freien Lauf lassen, nennen wir den einen einen Spinner, den anderen phantasiebegabt. Kannst du dir denken, welche dieser Bezeichnungen du für dich selber wähltest?
4 Oder wir sehen, dass der eine offen und ehrlich seine Meinung vertritt, der andere dagegen rücksichtslos auftritt. Dabei tun sie in den Augen eines unbeteiligten Dritten haargenau das Gleiche.
5 Wie kommt es, dass wir die Menschen so unterschiedlich beurteilen? Vermutlich hängt es damit zusammen, dass ich mein Inneres selber spüre, während ich vom anderen nur das Äußere sehe und ausdeute.
6 Ich finde es also vielleicht nur witzig, wenn ich einen Klassenkameraden Dickerchen nenne oder Zwerg. Vermutlich denke ich mir auch nicht viel dabei; ich habe ihn ja schon oft so genannt.
7 Der andere aber kann sich leicht verspottet fühlen; er hört nur das Wort und weiß nicht, was ich mir dabei denke. Erst wenn er weint oder schlägt oder wegrennt, kann ich merken, dass ich etwas falsch gemacht habe.
8 Oft genug merken wir es selbst dann nicht. Wir beschweren uns vielleicht sogar beim Lehrer, dass der andere Streit angefangen hat; er habe uns plötzlich einfach geschlagen oder getreten.
9 In modernen Jugendbüchern lesen wir von Außenseitern, die es schwer haben; wir begreifen dann, wie rücksichtslos Menschen handeln. Wir könnten ihnen eine Ohrfeige geben, so dumm sind sie.
10 Was wir selber tun, scheint etwas anderes zu sein. Doch in allen Religionen wird gelehrt, dass wir uns selber nicht richtig kennen: Wir werden, so heißt es, von einem Fremden gerichtet, der wird Gott genannt.
11 Die Goldene Regel besagt:
„Was du nicht willst, dass man dir tu,
das füg auch keinem andern zu.“
Diese Regel zu verstehen ist leichter, als sie konsequent zu befolgen.

Rätsel lösen – ÜD
1 Was für Haare hatten die alten Germanen? Das ist eine schwierige Frage, aber die Antwort ist einfach: Sie hatten graue Haare. Du merkst, die überraschende Frage war eine Scherzfrage.
2 Man wusste nicht so recht, wonach gefragt war; dabei liegt die Antwort auf der Hand, wenn man sie kennt. Es wurde absichtlich unklar gefragt; das macht den Scherz dieser Frage aus.
3 Warum kann ein Pferd kein Schneider werden? Die Frage ist noch schwerer als die erste; wie sollte ein Pferd eine Nadel anfassen, einem Kunden Maß nehmen oder Rechnungen schreiben können?
4 Ein Pferd kann nicht Schneider werden, weil es das Futter fressen würde. Bei dieser Antwort wird mit der Doppelbedeutung des Wortes „Futter“ gespielt; es liegt ein kleines Sprachspiel vor.
5 Rätsel zu lösen macht den meisten von uns viel Spaß. Das beginnt mit einfachen Scherzfragen; in Labyrinthen muss man Wege suchen und unter vielen Personen soll man den Dieb finden.
6 Warum freuen wir uns, wenn wir ein Rätsel gelöst haben? Unser Geist hat in einem Kampf mit scheinbarem Unsinn die Lösung gefunden, er hat Licht in eine dunkle Angelegenheit gebracht.
7 In Märchen hängt oft viel davon ab, dass man des Rätsels Lösung findet. Die junge Königin muss den Namen „Rumpelstilzchen“ erraten, wenn sie ihr Kind nicht an den Zwerg abgeben will.
8 Hier ist das Rätsel eine Aufgabe, an der sich der Held bewähren muss. Ähnlich war es mit einem anderen Rätsel: Wer geht am Morgen auf vier, am Mittag auf zwei und am Abend auf drei Beinen?
9 Wer das Rätsel nicht löste, wurde der Sage nach von einem Ungeheuer aufgefressen. Ödipus fand aber die Lösung: Ein Kind krabbelt, ein Greis geht am Stock; der Tag ist also das menschliche Leben.
10 Von Salomon wird in der Bibel erzählt, er sei überaus klug gewesen. Einmal hat er einen Fall gelöst, der völlig rätselhaft war. Er hat herausgefunden, wer die Mutter eines Säuglings war.
11 Um dieses Kind hatten sich zwei Frauen gestritten, nachdem ein anderes Kind gestorben war. Salomon entschied, das Kind auf die Frauen aufzuteilen; die falsche Mutter war damit einverstanden, die richtige verzichtete lieber auf ihre Hälfte.
12 Wenn du selber Rätsel herstellen willst, musst du von der Lösung ausgehen. Du gehst dabei so vor, dass du die Spuren vorsichtig verwischst; Andeutungen dürfen noch übrig bleiben: ein Rätsel.

Gedichte – ÜD

1 Gedichte sind Texte, die sich deutlich davon unterscheiden, wie wir normalerweise sprechen. Man kann sie leicht auswendig lernen – vor allem deshalb, weil sie in einem gleichförmigen Takt abgefasst sind.
2 Ein Takt ist eine Gruppe von zwei oder drei Silben, von denen eine betont ist. Mehrere gleiche Takte ergeben einen Vers, der für sich in einer Zeile steht. Eine Strophe besteht aus mehreren Versen, ein Gedicht aus Strophen.
3 Das Gesetz des Taktes schreibt vor, welche Wörter der Dichter wählen kann. So werden „Garten, Apfel, Kinder“ auf der ersten Silbe von zweien betont, „Kamin, das Tor, Hanswurst“ aber auf der zweiten. Der Takt kann auch gestört sein.
4 Als wesentliches Merkmal des Gedichtes neben dem Takt gilt der Reim. Wenn Wörter gleich (oder ähnlich) klingen, reimen sie sich. Durch den Reim werden Wörter bzw. Verse zusätzlich vom Klang her miteinander verbunden.
5 Wenn Silben oder Wörter am Ende von Versen gleich klingen, spricht man vom Endreim; Reime innerhalb eines Verses nennt man Binnenreim. Ein Stabreim liegt vor, wenn Wörter mit dem gleichen Laut in der betonten Silbe beginnen.
6 Welchen Eindruck ein Gedicht macht, hängt auch davon ab, in welchem Tempo es gesprochen wird. Ein hohes Tempo kann Freude, aber auch Unruhe oder Angst des Sprechers anzeigen; wenn jemand ruhig nachdenkt, spricht er dagegen langsam.
7 Der Autor hat das Gedicht ausgedacht und aufgeschrieben; er hat sich eine Figur vorgestellt, der er das Gedicht als Äußerung in den Mund legt. So wird „Herbst auf der Schulbank“ von einem Schulkind gesprochen bzw. gedacht.
8 Wichtig ist auch die Frage, wie das Gedicht aufgebaut ist. In „Der Zauberer Korinthe“ wird zunächst der Zauberer vorgestellt; dann werden drei Beispiele seines Wirkens erzählt, zum Schluss die Hörer direkt angesprochen.
9 Wie ein Gedicht aufgebaut ist, kann man erst richtig ausdrücken, wenn man untersucht, was der Sprecher tut: Er kann Vergangenes erzählen, über ein Erlebnis nachdenken, seine Wünsche äußern und vieles mehr.
10 Es gibt auch Gedichte, deren Verse nicht vom Takt bestimmt sind, sondern von einer festen Anzahl von Hebungen (also betonten Silben) oder überhaupt von der Silbenzahl oder von gar nichts – das muss man im Einzelfall feststellen.

Diktate als  K l a s s e n a r b e i t e n  (auf der Grundlage von zwei bekannten und benannten ÜD):

Vom Fragen

In der Schule sollen die Schüler lernen und ihre Fragen stellen; die Lehrer müssen diese Fragen beantworten oder den Kindern helfen, selber Antworten zu finden. Manche Schüler schämen sich, vor der Klasse etwas zu fragen; sie denken nämlich, die anderen wüssten alle die Lösung und brauchten deshalb nicht zu fragen. Aber dieser Eindruck ist oft falsch.
Ein Satz ist so aufgebaut, dass in ihm mögliche Fragen beantwortet werden. Im Subjekt wird genannt, wer oder was etwas tut. Dann können noch Angaben zum Prädikat gemacht werden, die meistens im Dativ oder Akkusativ stehen; diese Angaben heißen Objekte. Schließlich sind weitere Ergänzungen möglich; in ihnen wird gesagt, wann, wo oder wie etwas geschieht.
Fragen können einen auch in eine falsche Richtung lenken; deshalb soll man sie in aller Ruhe überprüfen.
(130 Wörter)

Rechte und Pflichten

In der Schule haben alle ihre Rechte und Pflichten. Die Lehrer müssen den Schülern Gelegenheit geben, etwas Neues zu lernen. Die Schüler sollen mitarbeiten und ihre Aufgaben machen; sie dürfen nicht den Unterricht stören, indem sie in die Klasse rufen oder sich zu viel mit ihren Nachbarn unterhalten.
Vor allem der Klassenlehrer muss darauf achten, dass man in Ruhe arbeiten kann und dass nichts beschädigt wird. Er soll auch mit der Klasse besprechen, wie Jungen und Mädchen miteinander umgehen können.
Ihr seid jetzt auf dem Weg, euch zu verändern und erwachsen zu werden. Das ist ein großes Abenteuer, weil ihr nicht wisst, was alles auf euch zukommt. Ihr wählt euch Vorbilder und müsst überprüfen, ob wir auch alle damit leben können; so respektiert ihr die anderen Menschen wirklich.
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Vom Gebrauch der Wörter

In Gedichten werden Wörter meistens auf andere Weise gebraucht als im täglichen Leben. Häufig werden sie in einem bestimmten Takt gesprochen.
Ein Takt ist eine Gruppe von Silben, von denen eine betont wird. Mehrere gleiche Takte ergeben einen Vers, mehrere Verse eine Strophe. Erst wenn der Takt im Vers wiederholt wird, kann man ihn aus dem Text heraushören.
Wenn Wörter gleich oder ähnlich klingen, spricht man von einem Reim. Reimwörter sind zunächst nur durch ihren Klang miteinander verbunden, nicht durch ihre Bedeutung. Ein guter Dichter findet aber auch sinnvolle Reime, nicht nur solche wie „Wand / fand“.
Wenn man Wortarten bestimmt, kommt es darauf an, wie Wörter als Wörter verwendbar sind: Kann das Wort verschiedene Formen annehmen oder nicht? Welche Veränderungen sind möglich (Zeitstufe – festes Geschlecht – Steigerung)?
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Bildergeschichten

Was in einer Bildergeschichte dargestellt wird, ist eher witzig als wichtig. Deswegen muss sie normalerweise zügig erzählt werden.
Meistens ist die Ausgangssituation klar; mit adverbialen Ergänzungen werden die Umstände des Geschehens ausgedrückt. Manchmal muss eine Vorgeschichte erzählt werden; das war zum Beispiel dort der Fall, wo ein Pfadfinder in Uniform auf eine alte Frau zuging, um ihr über die Straße zu helfen.
Genauestens muss man beachten, was sich in einem Bild gegen&¨ber dem vorhergehenden verändert. Wichtig ist dabei das Mienenspiel der Figuren; auch in ihrer Körperhaltung und mit ihren Gesten drücken sie aus, was sie empfinden, sagen oder denken.
Den Höhepunkt des Geschehens muss man breiter erzählen; hier sollte auch die wörtliche Rede verwendet werden. Den Abschluss kann der Gedanke einer Figur oder ein Kommentar des Erzählers bilden.
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