Verein deutsche Sprache

Dieser Tage bin ich dem „Verein deutsche Sprache“ beigetreten; über dessen Ziele und Aktivitäten kann man sich auf der Seite des Vereins informieren: http://vds-ev.de/ (Der Verein verfolgt das Ziel, die deutsche Sprache als eigenständige Kultursprache zu erhalten und zu fördern. […] Er will bewirken, dass Deutsch als vollwertige Wissenschaftssprache erhalten bleibt und als Arbeitssprache in internationalen Organisationen den ihr gebührenden Rang erhält.)

Mit 30 Euro (falls man abbuchen lässt, sonst 35,-) ist der Jahresbeitrag nicht hoch. Vielleicht wäre das auch etwas für dich, lieber Leser, diesem Verein beizutreten?

Daneben gibt es die Gesellschaft für deutsche Sprache (http://gfds.de/).

Aufgabe von Wörterbüchern: unklar

Es ist gar nicht so leicht, zwingend zu erklären, was die Aufgabe eines Wörterbuchs der deutschen Sprache ist: Soll ein Wörterbuch die „richtige“ oder die tatsächliche Schreibweise (und Bedeutung) von Wörtern dokumentieren?

Wenn man sich hierbei auf die tatsächliche Schreibweise festlegt, kommt man in Teufels Küche: Für jedes Wort gibt es viele Schreibweisen, die so stark voneinander abweichen, dass man oft kaum noch das gemeinte Wort erkennt; ich erinnere mich daran, dass am FMG ein Mädchen in der 5. Klasse einmal „vamudlech“ schrieb, womit sie „vermutlich“ meinte, was mir erst nach langem Nachdenken aufging.

Wenn man sich aber dafür entscheidet, ein Wörterbuch solle die richtige Schreibweise festlegen, stellt sich sogleich die Frage: Wer entscheidet denn, was die richtige Schreibweise ist? Im Streit um die letzte Rechtschreibreform und auch danach haben wir gesehen, dass letztlich oft nicht zu klären ist, was „richtig“ ist, und dass dann auch nicht klar ist, wer darüber entscheiden soll, was richtig ist: eine nationale Konferenz (Wer kommt da hinein? Nach welchen Maßstäben entscheidet sie?), eine internationale Konferenz der deutschsprachigen Länder? Ein schönes Beispiel dafür, wie penetrant und beinahe lächerlich der Versuch ist, aufgrund eigener Einsicht in die Sprachgeschichte gegen die tatsächlichen die „richtigen“ Schreibweisen durchsetzen zu wollen, ist „Kleines deutsches Wörterbuch für die Aussprache, Rechtschreibung, Biegung und Ableitung…“ von J. C. Adelung, in fünfter Auflage 1824 von Karl Benjamin Schade bearbeitet: https://archive.org/stream/bub_gb_5jgSAAAAIAAJ#page/n3/mode/2up; es genügt schon, die Artikel der ersten Seiten zu lesen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie unsinnig das Bemühen ist, die eigene Einsicht zum einzigen Maßstab des Richtigen zu machen.

Letztlich wird sich ein Wörterbuch nach dem tatsächlichen Sprachgebrauch und der Schreibweise der halbwegs Kompetenten richten und die schlimmsten Auswüchse zu verhindern suchen – wobei wieder zu fragen ist, wer halbwegs kompetent ist und wann man von schlimmen Auswüchsen sprechen kann. Zu den halbwegs Kompetenten wird man die Schriftsteller und die großen Zeitungen zählen, aber über schlimme Auswüchse kann nur das eigene Sprachgefühl urteilen. So trägt man als jemand, der sich für halbwegs kompetent hält, durch seine Praxis des Sprechens und Schreibens dazu bei, dass die Sprache Deutsch bestehen bleibt.

Denkfehler bei zusammengesetztem Substantiv

„Hertha BSC könnte sich mit mindestens einem Punkgewinn gegen Darmstadt in der Tabelle vor Dortmund schieben.“ (www.kicker.de, 21.12.2016)

Hier sieht man schön, welche Schwierigkeiten der Umgang mit zusammengesetzten Hauptwörtern macht: „Punktgewinn“ ist aus „Gewinn“ und „Punkt“ zusammengesetzt; ein Punktgewinn ist der Gewinn eines Punktes (oder mehrerer Punkte). Das Grundwort ist also „Gewinn“: Ein Punktgewinn ist ein Gewinn. Das Bestimmungswort ist „Punkt“; damit wird angegeben, was denn gewonnen wird (vgl. https://norberto68.wordpress.com/2011/02/22/wortbildung-unterrichtsreihe/).

Gemeint war in dem Satz aus kicker.de, dass Hertha BSC mit Gewinn mindestens eines Punktes , also mit einem Unentschieden gegen Darmstadt, in der Tabelle an Dortmund vorbeiziehen könnte. Aber das steht da nicht, es wird durch „mindestens“ ausgeschlossen: Mindestens einen Punkt müsste die Hertha gewinnen. Richtig wäre es also, von einem Gewinnpunkt zu sprechen, also „Punkt“ zum Grundwort und „Gewinn“ zum Bestimmungswort zu machen. Hertha hat übrigens das Spiel und damit drei Punkte gewonnen.

Diesen Fehler, sich bei einem zusammengesetzten Substantiv gedanklich auf das Bestimmungs- statt auf das Grundwort zu beziehen, findet man übrigens häufig. Vgl. den älteren Beitrag https://norberto68.wordpress.com/2015/10/26/psychosomatische-klinikbetten-adjektiv-als-attribut/!

Welsh: Die Ohrfeigen – Text und Aufgaben

Renate Welsh

Die Ohrfeigen

 

Der Laden war voll. Ich stand eingekeilt zwischen meiner Großmutter und

dem Rücken eines fremden Mannes. Ich hatte die rosa Schweinsköpfe

gezählt, die von den obersten Fliesen grinsten, die Knöpfe am Mantel der

Frau Krebs, die Fliegenleichen in der Deckenlampe. Ich habe gerade zählen

5 gelernt.

Die Leute hielten ihre Lebensmittelkarten fest in Hand. Jedes Stück Fleisch,

das Frau Krebs abschnitt, betrachteten sie genau. Die Köpfe neigten sich

nach links, wenn sie zum Hackstock ging, nach rechts, wenn sie das Fleisch

auf die Waage legte. Das war für kurze Zeit komisch, aber bald wurde es

10 langweilig. Ich begann leise vor mich hin zu singen:

„Es geht alles vor über,

es geht alles vorbei.

Zuerst geht der Führer

und dann die Partei.“

15 Eine Frau fragte: „Was singst du denn da?“

Ich wiederholte, diesmal lauter: „Es geht alles vorüber …“ Meine

Großmutter packte meine Hand, dass es wehtat. „Aber Renate! Was fällt dir

ein?“ „Warum darf ich nicht singen?“, fragte ich. „Halt den Mund!“ Sie

drückte meine Hand noch fester. So redete sie sonst nie. Wenn wir „Halt den

20 Mund“ sagten, schimpfte sie: „So spricht man nicht.“ Was hatte sie gegen

das Lied? Es kam doch nicht ein einziges von den verbotenen Wörtern vor.

Keine Scheiße und nichts. Warum funkelte sie mich so an? „Der Papa singt

das auch!“, sagte ich laut.

Meine Großmutter holte aus und gab mir zwei Ohrfeigen, eine links und eine

25 rechts. Dann zog sie mich aus dem Geschäft. Sie renkte mir fast den Arm

aus, wie sie mich hinter sich herzog, mitten durch die dicht gedrängten

Menschen. Meine Großmutter, die sonst „Pardon“ sagte, wenn sie an einen

Sessel anstieß! Meine Wangen brannten. „Aber ich …“ „Mund halten!“ Sie

schleifte mich hinter sich her. Zuerst war ich völlig verdattert. Dann rammte

30 ich die Füße in den Boden. „Ich will nicht!“ schrie ich. „Wenn der Papa …“

Sie gab mir wieder zwei Ohrfeigen.

Nun war ich völlig überzeugt, dass sie mich nicht mehr lieb hatte. Ich hatte

es schon lang vermutet. Jetzt wusste ich es. Meine kleine Schwester war

eben herzig und ich nicht. Sie ließ sich immer an der Hand führen und ich

35 nicht. Ich weinte leise vor mich hin. Meine Großmutter hatte diesen Zug um

den Mund, vor dem ich mich fürchtete. Die Hautfalten an ihrem Hals

zitterten.

Als wir heimkamen, ließ sie sich in einen Sessel fallen. „Das Kind nehme

ich nie wieder mit!“, sagte sie zu meiner Tante. „Die bringt uns noch alle ins

40 KZ.“ „Was ist das?“, fragte ich. „Großer Gott!“ Sie drehte mich herum,

stellte mich zwischen ihre Knie und nahm meine beiden Hände in ihre. „Hör

mir gut zu: Solche Dinge darfst du nie wieder sagen. Das ist gefährlich.

Merk dir das. Du willst doch nicht, dass sie deinen Papa einsperren und uns

alle mit?“ „Nein“, sagte ich. Meine Wangen brannten noch immer. Ihr

45 Ehering hatte eine Schramme hinterlassen. Sie holte ein Messer, hielt es

unter fließendes Wasser, drückte die flache Seite auf meine Wange. „Ist

schon gut“, sagte sie. „Ist schon wieder gut.“

Ich verkroch mich unter dem Klavier. Seit meine Mutter vor einem Jahr

gestorben war, spielte meine Großmutter nicht mehr Klavier. Es stand nur

50 da, schwarz und glänzend, und trug die Silberrahmen mit den Fotos meiner

Mutter. Zuerst weinte ich eine Weile, dann spielte ich mit den weißen

Puppen, die niemand sehen konnte. Ich konnte sie selbst nicht sehen. Ich tat

nur so als ob. Meine richtigen Puppen waren bei unserer überstürzten

Abfahrt in Wien geblieben.

55 Plötzlich fiel mir ein, dass ich dieses merkwürdige Wort „KZ“ schon einmal

gehört hatte. Eine Tante hatte es gesagt, die zum Begräbnis meiner Mutter

aus Polen gekommen war. Alle hatten damals geweint, auch die schiefe

Bedienerin aus der Bäckerei und der böse Nachbar mit dem Schnurrbart.

Aber sie hatte anders geweint. Sie hatte gezittert, wenn jemand mit ihr

60 redete. Und als sie das Wort gesagt hatte, hatten die Erwachsenen einander

angesehen mit diesen Erwachsenenblicken. Mich hatten sie aus dem Zimmer

geschickt. Genau so, wie sie mich in den Monaten vorher aus dem Zimmer

geschickt hatten, wenn von Mutters Operation die Rede war. Ich weinte

wieder. Aber diesmal kam niemand und streichelte mich und sagte „Armes

65 Kind“.

An dem Abend wartete ich noch ungeduldiger als sonst, bis mein Großvater

aus dem Büro nach Hause kam. Als er dann endlich da war, setzte ich mich

auf seinen Schoß und verkroch mich in seinem Hausrock. Mein Großvater

hatte immer alle meine Fragen beantwortet. Aber jetzt konnte auch er mich

70 nur hin und her wiegen, als wäre ich noch ein ganz kleines Kind. Er konnte

nicht sagen, dass mein Vater in Gefahr war, weil er meine herzkranke Tante

Gretl versorgte, die Halbjüdin war, und weil er die Familie seines

ehemaligen Sanitätsgehilfen unterstützte, der Kommunist war. „Renaterle“,

sagte er, „das kann ich dir nicht erklären, weil es nicht erklärbar ist. Und es

75 hat gar nichts damit zu tun, dass du noch klein bist, glaub mir.“

 

Aus R. Welsh: Damals war ich vierzehn. Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2005

 

Aufgaben:

  1. Stelle dar, woran man merkt, dass das Geschehen im Zweiten Weltkrieg spiel
  2. „Es geht alles vorüber…“ ist der Refrain eines Schlagers von 1942: „Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, / auf jeden Dezember folgt wieder ein Mai. / Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, / doch zwei die sich lieben, die bleiben sich treu.“ Erkläre kurz, warum man für ein kritisches Lied auf einen Schlager zurückgreift!
  3. Führe den Satz in Zeile 28 und in Zeile 30 zu Ende! Was wollte das Mädchen sagen?

– Z. 28 „Aber ich …“

– Z. 30 „Ich will nicht!“ schrie ich. „Wenn der Papa …“

  1. Erläutere, warum die Großmutter zornig wird und das Kind ohrfeigt! Nimm anschließend Stellung zum Verhalten der Großmutter.
  2. Frau Krebs erzählt abends ihrem Mann von ihrem Erlebnis im Metzgerladen: „Heute Nachmittag kam eine alte Dame in den Laden…“ Führe die Erzählung fort und lass’ dabei deutlich werden, wie Frau Krebs den Vorfall beurteilt! (Beachte dabei, was Frau Krebs nicht erlebt hat und daher nicht weiß.)
  3. Nenne fünf Merkmale einer Kurzgeschichte, die du in dieser Geschichte gefunden hast. Belege diese am Text! [In Wirklichkeit handelt es sich um einen Auszug aus einem Roman; die Ich-Erzählerin ist ziemlich komplex, die Zeitstruktur geht mit deren Erinnerungen deutlich über den einen Tag hinaus.]

 

Erläuterung: Merkmale von Kurzgeschichten

  • Normalerweise besitzt der Text einen geringen Umfang.
  • Der Einstieg ins Geschehen erfolgt meistens unvermittelt, also ohne Einleitung
  • Selten gibt es größere Zeitsprünge; das erzählte Geschehen ist chronologisch geordnet.
  • Die erzählte Zeit ist sehr kurz, entsprechend auch das erzählte Geschehen.
  • Orte und Schauplätze sind häufig nicht benannt.
  • Protagonisten sind einige normale Personen, wir erfahren wenig über ihren Charakter.
  • Es geht häufig um Themen aus dem Alltag.
  • Der Schluss der Kurzgeschichte ist meist offen.
  • Das Ende besteht oft aus einer überraschenden Wendung.
  • Meistens gibt es keinen auktorialen Erzähler, sondern einen neutralen, der auch personal erzählt.
  • Die Bedeutung des Geschehens kann anhand von Symbolen oder Leitmotiven bzw. aus dem erzählten Geschehen erschlossen werden.
  • Der Leser kann das erzählte Geschehen völlig frei selbst beurteilen.

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Zu Welsh: Die Ohrfeigen – Übung: Antonyme

Ordne folgenden Wörtern dieser Erzählung das passende Antonym aus der Liste zu:

Großmutter (Z. 1)   ________________________

Fliegenleichen (Z. 4)   ________________________

Lebensmittelkarten (Z. 6)   ________________________

lauter (Z. 16)   ________________________

verboten (Z. 21)   ________________________

vermuten (Z. 33)   ________________________

herzig (Z. 34)   ________________________

Mund (Z. 36)   ________________________

zittern (Z. 37)   ________________________

Sessel (Z. 38)   ________________________

KZ (Z. 40)   ________________________

Ehering (Z. 45)   ________________________

Klavier (Z. 48)   ________________________

weiße (Z. 51)   ________________________

Wien (Z. 54)   ________________________

Polen (Z. 57)   ________________________

Schnurrbart (Z. 58)   ________________________

Büro (Z. 67)   ________________________

wiegen (Z. 70)   ________________________

versorgen (Z. 72)   ________________________

unterstützen (Z. 73)   ________________________

klein (Z. 75)   ________________________

Liste der Antonyme: Stuhl, Tisch, gehorsam, leise, Werkstatt, betreuen, sich röten, Großvater, Regenschirme, ansehen, informieren, Kacheln, dumm, hässlich, Gefängnis, neue, rote Nase, wissen, Augen, Fingernagel, Bayern, München. (Die Antonyme sind nicht immer trennscharf zu unterscheiden, es kann zu Verwechslungen kommen.)

Symbol und Motiv in Kurzgeschichten

Es gilt als Grundsatz, dass in Kurzgeschichten der Erzähler sich mit Erklärungen und seiner Bewertung des Geschehens zurückhält und dass der Leser die Bedeutung des Geschehens anhand von (Metaphern,) Symbolen oder Leitmotiven erschließen muss. Nun besteht das Problem natürlich darin, dass es im Text an den Wörtern keine Kärtchen gibt, auf denen „Metapher“, „Symbol“ oder „Leitmotiv“ stände – dass so etwas vorliegt, muss man als Leser selber sehen oder spüren.

Dabei besteht dann die Gefahr, dass man auf der Suche nach Symbolen oder Motiven zu spinnen beginnt und in jeder Einzelheit eine tiefere Bedeutung zu finden vermeint. Ich habe das exemplarisch für Bölls Erzählung „Wanderer, kommst du nach Spa…“ nachgewiesen (https://norberto42.wordpress.com/2009/09/01/boo-wanderer-kommst-du-nach-spa-analyse/), wo sogar der grünen Wandfarbe eine Hoffnungsbedeutung zuerkannt wurde (siehe am Ende meiner Analyse). Nein, „Bedeutung“ muss in das Ganze des erzählten Geschehens passen und darf nicht isolierten Einzelheiten angehängt werden.

Ich möchte an einigen Beispielen zeigen, wie sich solche „tiefere“ Bedeutung im/aus dem Kontext ergibt:

  1. In Borcherts Kurzgeschichte „Das Brot“ begegnen sich die Eheleute „im Hemd“ in der Küche und damit im Licht; dreimal wird „im Hemd“ vom Erzähler erwähnt, was zeigt, dass er darauf Wert legt: Beide erkennen im Licht, wie alt der Partner „im Hemd“ wirklich ist; wenn man im Hemd vor dem anderen steht, kann man nichts mehr durch Kleidung und Frisur beschönigen, dann zeigt sich die Wahrheit des Menschen. – „Sie fühlte, wie die Kälte der Fliesen langsam an ihr hochkroch.“ Diese Kälte ist m.E. nicht nur eine Kälte der Fliesen, sondern auch eine Kälte in der Beziehung der Eheleute, als die Frau entdeckt, dass ihr Mann sie belügt. Der erklärende Satz folgt unmittelbar auf die zweite Erwähnung der kalten Fliesen: „Sie sah ihn nicht an, weil sie nicht ertragen konnte, dass er log.“ Mit seinem Lügen stellt er sie Liebe in Frage; das spürt sie als Kälte, die an ihr emporkriecht. – Für das Verhältnis von Wahrheit und Lüge steht in dieser Erzählung symbolisch vermutlich auch das Licht, das die Frau in der Küche anmacht und schließlich ausmacht, um nicht nach dem Teller – dem Beweis des Lügens – sehen zu müssen. Auch am nächsten Abend, als sie ihrem Mann vier statt der üblichen drei Scheiben Brot anbietet und selber dafür lügt, sie könne das Brot nicht vertragen, rückt sie zuerst von der Lampe weg (damit er nicht ihr Gesicht sieht) und kehrt erst nach einer Weile unter die Lampe zurück; dass dies erwähnt wird, fällt im Zusammenhang von Licht-Dunkel und Wahrheit-Lüge auf. „Licht“ und „im Hemd stehen“ sind dieser Erzählung also Symbole.
  2. In Schnurres Erzählung „Jenö war mein Freund“ ist die Igeljagd und das Braten der Igel am offenen Feuer ein Leitmotiv; es steht für das naturnahe „wilde“ Leben der Zigeuner, von dem der Ich-Erzähler als Junge fasziniert war: „Jenö war mein Freund.“
  3. In Brambachs Erzählung „Känsterle“ hat vielleicht das trübe Licht auf dem Dachboden symbolische Bedeutung: In dieses Trübe wird Herr Känsterle von seiner Frau hineingezwungen, durch das ihm aufgezwungene Amt des Nikolaus. Ob man dem das Glitzern in den Augen Herrn Hansmanns entgegenstellen darf? Vielleicht ist das Glitzern nur das Zeichen des Verstehens und des Einverständnisses, das sich ja auch aus seiner Frage ergibt: „Mein lieber Känsterle, ist das alles?“ Sicher scheint mir der letzte Satz der Erzählung sowohl eine gegenständliche wie auch eine symbolische Bedeutung zu haben: „Ein kalter Wind zieht durch die Stube.“ Die Fenster sind zertrümmert, es zieht durch sie. Aber auch die von Frau Känsterle erbaute und zerstörte heile Familienwelt liegt in Trümmern, weil ihr Mann den Terror der Hausfrau nicht mehr ertragen konnte und zugeschlagen hat. Da weht jetzt auch nur noch ein kalter Wind.

Fazit: In den drei Beispielen haben wir Motive (im Hemd stehen, die Igel) und Symbole (Licht, Kälte, kalter Wind) gefunden, wobei „im Hemd“ auch zu den Symbolen gezählt werden kann. Eine Metapher haben wir bisher nicht gefunden – allerdings ist die Abgrenzung der Metapher vom Symbol auch nicht immer einfach. Vielleicht haben Metaphern aber auch eine zu geringe Reichweite, als dass sie die Bedeutung einer ganzen Erzählung tragen könnten.

Metapher: https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/deutsch-abitur/artikel/metapher

Symbol: https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/deutsch-abitur/artikel/symbol

Motiv (literatur): https://de.wikipedia.org/wiki/Motiv_(Literatur)

Als Leitmotiv bezeichnet man in der Literatur

  • eine einprägsame und im gleichen Wortlaut wiederkehrende Aussage
  • oder eine thematische Einheit,

die der Gliederung des Erzählten und oft der Repräsentation der Handlung bzw. der Entwicklung der Protagonisten eines literarischen Werkes dient.

Van der Steenhoven unterscheidet „situationelle“ und „textliche“ Leitmotive. Textliche Leitmotive wiederholen Wörter oder größere Texteinheiten, situationelle Leitmotive dagegen Handlungen oder Situationen. […] Ein Beispiel für ein textliches Leitmotiv wäre die Wiederholung der Wendung „Ein weites Feld“ in Theodor Fontanes Roman Effi Briest. […]

Ein Beispiel in der Literatur für die Technik des Leitmotivs stellen die Zahnprobleme der Protagonisten als wiederkehrendes Symbol für den Verfall der Familie Buddenbrook im gleichnamigen Roman von Thomas Mann dar. (https://de.wikipedia.org/wiki/Leitmotiv)

Brambach: Känsterle – Aufgaben, Analyse

Überprüfe, was wirklich im Text steht:

  1. Streiche die falschen Sätze mit Bleistift durch;
  2. notiere zu den richtigen Sätzen die passende Textstelle (Zeilenangabe).

 

Sätze:

Das erzählte Geschehen spielt zwei Wochen vor dem Nikolaustag.

Das erzählte Geschehen spielt an einem Abend.

Känsterle zieht sich auf dem Speicher (Dachboden) um.

Familie Weckhammer besitzt ein vollständiges Nikolauskostüm.

Als er gestürzt ist, bleibt Känsterle lange liegen.

Als seine Frau verschiedene Reparaturen vorschlägt, hört Känsterle nicht zu.

Der „Held“ der Erzählung heißt Wallfried.

Frau Känsterle heißt mit Vornamen Elfriede.

Känsterle soll im Frühjahr Fenster anstreichen.

Im Fernsehen wird ein Fußballspiel gezeigt.

Känsterle stolpert als Nikolaus und fällt die Treppe hinunter.

Herr Hansmann wird Känsterle als Vorbild vorgehalten.

Känsterle ist schließlich so wütend, dass er seine Frau schlägt.

Er stopft Prospekte in seine Stiefel.

Seine Frau hat Geschirr gespült.

Sie hat unter anderem Coca-Cola und Äpfel gekauft.

Herr Hansmann hat Verständnis für Känsterles Zorn.

Die Nachbarn hören Lärm und kommen ins Treppenhaus.

Die Kinder freuen sich, dass auch die Eltern einmal Streit haben.

Herr Weckhammer ist kürzlich verstorben.

Känsterle will nicht für die Kinder Nikolaus spielen.

Das Nikolauskostüm ist Känsterle viel zu groß.

Frau Känsterle hat die Nikolausgeschenke eingekauft, ohne ihren Mann zu fragen.

 

Lösung

Richtige Sätze:

Das erzählte Geschehen spielt an einem Abend. (Zeile 1)

Der „Held“ der Erzählung heißt Wallfried. (1)

Känsterles Frau hat Geschirr gespült. (3 f.)

Känsterle soll im Frühjahr Fenster anstreichen. (6 f.)

Herr Hansmann wird Känsterle als Vorbild vorgehalten. (13 f.)

Herr Weckhammer ist kürzlich verstorben. (16 f.)

Familie Weckhammer besitzt ein vollständiges Nikolauskostüm. (20 ff.)

Känsterle will nicht für die Kinder Nikolaus spielen. (25 f.)

Frau Känsterle hat die Nikolausgeschenke eingekauft, ohne ihren Mann zu fragen. (29 f.)

Das Nikolauskostüm ist Känsterle viel zu groß. (33 ff.)

Känsterle zieht sich auf dem Speicher (Dachboden) um. (36 ff.)

Känsterle stolpert als Nikolaus und fällt die Treppe hinunter. (41 ff.)

Känsterle ist schließlich so wütend, dass er seine Frau schlägt. (49)

Die Nachbarn hören Lärm und kommen ins Treppenhaus. (54 ff.)

Herr Hansmann hat Verständnis für Känsterles Zorn. (57 ff.)

 

Falsche Sätze:

Im Fernsehen wird ein Fußballspiel gezeigt.

Als seine Frau verschiedene Reparaturen vorschlägt, hört Känsterle nicht zu. (Dieser Satz könnte wegen Z. 9 auch als richtig gelten.)

Das erzählte Geschehen spielt zwei Wochen vor dem Nikolaustag.

Frau Känsterle heißt mit Vornamen Elfriede.

Sie hat unter anderem Coca-Cola und Äpfel gekauft.

Känsterle stopft Prospekte in seine Stiefel.

Als er gestürzt ist, bleibt Känsterle lange liegen.

Die Kinder freuen sich, dass auch die Eltern einmal Streit haben.


Übung zum Wortschatz (Antonyme) – zu Brambach: Känsterle

Wenn man schreibt und ein Wort wählt, hat man viele andere nicht schreiben wollen. Vor dem Hintergrund des Gegenteils (eines nicht gewählten Gegenwortes, eines Antonyms) wird die Bedeutung eines Wortes erst richtig klar. – Oft gibt es mehrere mögliche Antonyme; oft wird erst im Kontext klar, welches Antonym wirklich passt.

 

Aufgabe: Suche zu aufgelisteten Substantiven der Erzählung Brambachs das im Kontext passende Antonym und schreibe es auf. Beginne mit den Antonymen, bei denen du dir sicher bist, dass sie passen:

der einfache Arbeiter: ______________________

Feierabend   ______________________

Buben   _______________________

Küche   ________________________

Frühjahr   ________________________

Parterre   ________________________

Ferien   ________________________

Schwarz   ________________________

Herzschlag   ________________________

Witwe   _________________________

Nikolauskostüm   __________________________

Redner   __________________________

Kopf   __________________________

Konsum   __________________________

trübes Licht   __________________________

Dachboden   __________________________

Stiefel   __________________________

Sack   __________________________

Backpfeife   __________________________

Scherben   __________________________

Türen   __________________________

 

Liste der möglichen Antonyme:

Weiß, Hintern, Beutel, Anzug, Mädchen, Geschirr, Ehefrau, Fenster, Arbeitszeit, ein geübter Redner, Keller, Wohnzimmer, Feinkostgeschäft, Herbst, Handwerker, Obergeschoss, Handschuhe, Zärtlichkeit, Unfall, strahlende Helle, Wochenende

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Analyse

Welche Merkmale einer Kurzgeschichte findest du in Brambachs Erzählung „Känsterle“?

Ich finde folgende Merkmale:

  • Die Erzählung besitzt mit 59 Zeilen einen geringen Umfang.
  • Der Einstieg ins Geschehen ist unvermittelt, ein Mann sitzt vor dem Fernseher; nur die Angabe „ein einfacher Schlosser“ (Z. 1) kann als eine Art Einleitung angesehen werden, weil der Mann damit kurz vorgestellt wird.
  • Wir finden einen Zeitsprung (Z. 31). Das Geschehen spielt zunächst an einem Abend, zwei Tage vor dem Nikolausfest (Z. 15): ein Gespräch zwischen den Eheleuten Känsterle. Nicht erzählt wird, wie Känsterle das Kostüm abholt und wie er auf den Dachboden steigt. Dann wird wieder erzählt, wie Känsterle sich dort als Nikolaus ankleidet und handelt (Z. 31 ff.), wahrscheinlich einen Tag später, am Vorabend des Nikolaustages (5. Dezember); es ist nämlich unwahrscheinlich, dass der Nikolaus erst am Abend des 6. Dezember den Kindern etwas bringen soll. Die beiden Ereignisse werden der Reihe nach erzählt.
  • Das Gespräch der Eheleute dauert höchstens 3-5 Minuten; die Nikolausaktion und das Zertrümmern der Einrichtung dauern etwa 15-30 Minuten. Die Dauer des erzählten Geschehens ist also ziemlich kurz.
  • Von den Charakteren ist nur bekannt, dass sie Schlosser und Hausfrau sind; die Frau erweist sich als sehr herrisch gegenüber ihrem Mann; sie gibt ihm dauernd Befehle oder Aufträge (Z. 3; Z. 6 ff.; Z. 11; Herr Hansmann als Vorbild,  Z. 13 f.; sie erteilt ihm den Auftrag, das Kostüm zu holen, ohne ihn zu fragen, Z. 22 f.; sie hat schon entschieden, dass er den Nikolaus spielt, wieder ohne ihn zu fragen, Z. 28 ff.).
  • Schauplatz des Geschehens ist die Wohnung der Eheleute Känsterle (Z. 1 ff.), der Dachboden (Z. 31 ff.), das Treppenhaus und der Flur in einem Mehrfamilienhaus (Z. 54 ff.). Wo das Haus steht, wird nicht gesagt.
  • Thema ist das Verhältnis der Eheleute Känsterle und die Herrschsucht der Frau (s.o. zu „Charaktere“), die ihn zur Verzweiflung treibt.
  • Die Eheleute sind kleine Leute, also ganz normale Personen.
  • Der Schluss ist offen – es wird nicht einmal angedeutet, wie es nach dem Zornesausbruch Känsterles und der Verwüstung der Wohnung weitergeht, ob die beiden sich also versöhnen oder nicht.
  • Der letzte Satz hat vermutlich eine symbolische Bedeutung; der kalte Wind (Z. 59) zeigt nämlich auch an, wie die Stimmung der Personen ist.
  • Gelegentlich werden Känsterles Empfindungen und Gedanken berichtet, da wird also auktorial erzählt (evtl. der Kommentar „Wo denn sonst?“, Z. 2; „hilflos“, Z. 25; sein Gemüt verdüstert sich, Z. 31; evtl. „In Känsterles Ohner trillert’s“,  Z. 44; er fühlt sich elend, Z. 58); insgesamt wird neutral erzählt, also aus der Perspektive eines unbeteiligten Beobachters.
  • Die Bedeutung des Geschehens kann man aus dem Auftreten Rosas (s.o.) und dem Einverständnis Herrn Hansmanns mit Känsterles Wutausbruch (Z. 57 f., vgl. dagegen die Sicht der Frau, Z. 13 f.!) als Frage erschlossen werden: Wie muss man miteinander umgehen, wenn man in Frieden leben will?
  • Der Erzähler bewertet das Geschehen nicht; der Leser ist also völlig frei, ob er den Wutausbruch Känsterles versteht und billigt oder den Mann als unbeherrscht verurteilt.

„Faust“ in EinFach Deutsch – ein grausames Spiel

Heute hatte ich Gelegenheit zu sehen, wie die Gretchentragödie in „EinFach Deutsch“ verschandelt wird:

Szene „Straße“ wird auf 14 Verse reduziert (V. 2605 ff.).

Aus Szene „Abend“ (V. 2678 ff.) werden sechs Verse angehängt.

Aus Szene „Abend“ (V. 2783 ff.) wird Gretchens Monolog vor dem Kästchen (22 Verse) präsentiert.

Aus Szene „Garten“ (V. 3073 ff.) sind die Elemente ‚Marthe-Mephisto’, aber weithin auch Gretchens Bericht von der Sorge um das Schwesterchen (V. 3125 ff.) gestrichen.

Fazit: Von 600 Versen sind circa drei Viertel gestrichen, darunter die Schlüsselszene V. 2687 ff. (Fausts Monolog in Gretchens Zimmer) und das Lied vom König in Thule; die Figuren Mephisto und Marthe fehlen völlig – es ist einfach unfassbar!

Was Frau Löhrmann allein nicht schafft: das Gymnasium demolieren, das bringt EinFach Deutsch zum Abschluss – und zwar an der Marienschule in Mönchengladbach, dem heimlichen Elitegymnasium der Stadt.

Ich schlage als nächste Stufe der Reduktion des „Faust“ resp. der Gretchentragödie vor:

  • Faust lernt Gretchen kennen
  • Sie verlieben sich ineinander
  • Gretchen wird schwanger, tötet ihr Kind und wird wahnsinnig
  • Faust kann sie nicht retten und verlässt sie.

Diesen Kurztext kann eigentlich jeder verstehen, sodass dann auch jeder in NRW Abitur machen kann. Nur – was fangen wir mit solchen „Abiturienten“ an? Und was hat diese Boulevard-Kurzmeldung mit Goethes „Faust“ zu tun? Auch nicht viel weniger als die ‚EinFach Deutsch‘-Kurzfassung!

Leichte Sprache

Texte in Leichter Sprache oder Einfacher Sprache werden für Menschen, die Informationen in Alltagssprache nur schwer verstehen können, geschrieben.

Die Leichte Sprache

  • verzichtet auf Fremdwörter, Fachwörter und lange Sätze. Wenn Fach- oder Fremdwörter verwendet werden, müssen diese erklärt werden.
  • Die Ausdrucksweise ist leicht verständlich.
  • Das Layout ist einfach gestaltet.

Viele Menschen, die Bücher in leichter und einfacher Sprache lesen, haben neben der Leseschwäche auch häufig körperliche Einschränkungen. Daher werden Texte in Leichter Sprache in größerer Schrift und auf dickerem Papier gefertigt. Bilder helfen Texte zu verstehen, aber nur wenn sie zum Text passen. – Es gibt inzwischen den Versuch, Märchen in Leichte Sprache zu übertragen, damit Kinder und Menschen mit Leseschwierigkeiten sie verstehen können: https://www.ndr.de/fernsehen/service/leichte_sprache/Maerchen-in-Leichter-Sprache,maerchenleichtesprache100.html

Die Zielgruppe der Texte in leichter und einfacher Sprache sind Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen über eine geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen; Menschen mit Einschränkungen, Menschen, denen es schwerfällt, sich mit einem Text länger zu beschäftigen, und auch die, die Deutsch als Fremdsprache lernen wollen.
Leichte Sprache ist von vielen Bürgerinnen und Bürgern besser zu verstehen und erleichtert ihnen den Zugang zu Informationen und Literatur, damit sie selbständig am öffentlichen Leben teilhaben können.

(Text aus dem 2. Link, von mir korrigiert)

https://de.wikipedia.org/wiki/Leichte_Sprache

https://www.berlin.de/stadtbibliothek-friedrichshain-kreuzberg/bibliotheken/bezirkszentralbibliothek-frankfurter-allee/veranstaltungen-und-projekte/artikel.81026.php (mit Downloads)

http://www1.wdr.de/hilfe/leichte-sprache/regeln-100.html (WDR: Was ist Leichte Sprache?)

http://www.komm-auf-tour.de/projekt/beschreibung/leichte-sprache/ weitere Links

http://abc-projekt.de/leichte-sprache/ (Info mit Beispielen)

http://www.mj.niedersachsen.de/startseite/leichte_sprache/pilotprojekt_leichte_sprache/pilotprojekt-leichte-sprache-in-der-niedersaechsischen-justiz-123609.html (Info mit jurist. Beispielen, die aber nicht rechtsgültig sind)

http://www.ndr.de/fernsehen/service/leichte_sprache/Nachrichten-in-Leichter-Sprache,nachrichtenleichtesprache100.html (Beispiel)

http://www.inklusion-in-sachsen.de/de/in-leichter-sprache/index.php (Beispiel)

https://www.aktion-mensch.de/leichte-sprache/magazin/projekte_leichte_sprache.html (Magazin)

http://research.uni-leipzig.de/leisa/de/ (Forschungsprojekt)

http://www.deutschlandradiokultur.de/philosoph-konrad-paul-liessmann-ueber-die-grenzen-der.976.de.html?dram:article_id=371368 (kurze kritische Erörterung)

Unter „Projekt Leichte Sprache“ findet man weitere Links.

Andreas Baumert: Leichte Sprache – Einfache Sprache. Literaturrecherche – Interpretation – Entwicklung, Hannover 2016, kann unter http://www.recherche-und-text.de/texte/es.html heruntergeladen werden.

W. Schnurre: Jenö war mein Freund – der zeitgeschichtliche Hintergrund

(Ich beziehe mich auf den Ausdruck von http://archive.mu.ac.in/arts/ling_lang/german/New%20admission%20German.pdf, S. 4-6, der bei mir 114 Zeilen umfasst. Der Text weist mehrere Schreibfehler auf; richtig ist „aus“ Z. 32, „Backenbart“ Z. 44, „Lehm“ Z. 84, „da“ Z. 104.)

Das erzählte Geschehen spielt gegen Ende des 2. Weltkriegs in Deutschland – man lernte in der Schule nichts Vernünftiges mehr (Z. 69 f. – entweder weil viele Lehrer als Soldaten eingezogen waren oder wegen des Übermaßes an Kriegspropaganda). Das sieht man auch am „Blockwart“ (Z. 95: https://de.wikipedia.org/wiki/Blockleiter), an „Kreisleitung“ (der NSdAP, Z. 95), am Einsatz von SA und SS bei der Verhaftung und Ermordung der Zigeuner (Z. 106 ff.); „später“ (Z. 94), also nach dem Kriegsende, kam vieles vom Nazitreiben ans Licht, „damals“ (Z. 113) wussten manche Leute, v.a. die Kinder nicht Bescheid, was mit den verhafteten Zigeunern passierte (vgl. Z. 108 ff. – nur die Alten wussten es).

Die Zigeuner (vgl. Z. 23 f. und später) hatten auch vor der Nazizeit einen schlechten Ruf; notiere, was du hierzu findest:

  • Jenös Kleidung (Z. 6)
  • Jenös Geruch (Z. 6 f., 30)
  • seine Essgewohnheiten (Z. 11 f., 14, 75 ff.)
  • Rauchen (Z. 17-19)
  • Geschicklichkeit (43-45; 50 ff.; 63 ff.)
  • Schulbesuch (Z. 69)
  • Begriff von Eigentum (34 -> 42; 98-104)
  • Sprache (Z. 92)

Die Lebensweise der Zigeuner findest du in Z. 6 f., Z. 68 und Z. 75 ff. erwähnt, die Besonderheit der Oma Z. 71 ff.

Dieser fremden Lebensweise entsprechen die Bedenken des Vaters (Z. 23) gegen die Freundschaft seines Sohnes mit einem Zigeunerjungen, vor allem wegen der Reaktion der anderen, der „Leute“ (Z. 26, 94 f.). Der Vater hat schließlich Verständnis sowohl für die Freundschaft wie für die andere Lebensweise und trotzt dem, was die Leute sagen und denken; notiere dazu Stichworte nach der Darstellung in Zeile

  • 27 f.
  • 31-33
  • 36-39
  • 96 f.

Heute gilt es als nicht korrekt, wenn man von Zigeunern spricht, heute soll man „Sinti und Roma“ sagen – dadurch ändert sich aber eigentlich nichts. Vgl. auch https://www.helles-koepfchen.de/zigeuner-oder-sinti-und-roma.html u.a. (z.B. http://www.gfbv.it/3dossier/sinti-rom/de/rom-de.html)

In der Datei http://luimartin.altervista.org/Schnurre%20W.pdf, S. 6 ff., findest du Text und Materialien für den Unterricht; der Text ist offenbar für italienische Schüler aufbereitet. – Du siehst, Schnurres Kurzgeschichte erfreut sich internationaler Beliebtheit.