Lernen durch Lehren

Die Maschendraht-Community ist aus dem Seminar „Fachdidaktik des Informatikunterrichts“ an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg heraus entstanden. Sie bietet eine Plattform auf der sich Interessierte rund um das Thema Bildung und Web2.0-Anwendungen vernetzen können. Dort sind Informationen zu den einzelnen Web2.0-Tools gesammelt und auch für Neulinge aufbereitet. Ein großer Forumsbereich lädt dazu ein, Probleme und Fragen zu diskutieren, sowie Projekte zu starten und durchzuführen. Der Link dazu ist: http://maschendraht.mixxt.de
Das erste Projekt der Community ist, die Unterrichtsmethode „Lernen durch Lehren“ weiter zu verbreiten und zu diskutieren. In diesem Zusammenhang sind bereits diverse Kurzfilme und Unterrichtsmaterialien entstanden und im Internet bereitgestellt worden. Studenten haben darüber hinaus Kontakt zu einer Schulklasse hergestellt und werden dort LdL live erleben und darüber berichten.

Zur Verbreitung der Diskussion wird im nächsten Schritt eine Blogparade durchgeführt. Dazu wurden alle bloggenden Lehrer aufgerufen zwischen dem 15.01. – 05.02. 2009 auf ihren Blogs einen Eintrag zu verfassen und zu veröffentlichen. Ausführliche Informationen zum Thema LdL hat die Community in einem Online-Magazin zusammengetragen: http://my-miki.com/#/maschendraht—das-miki. Alle Beiträge sollten auf dem Blog der Community (http://lernendurchlehren.blogspot.com) gesammelt werden. – Vgl. auch http://www.ldl.de/usicht/methode.htmhttp://wiki.zum.de/Lernen_durch_Lehrenhttp://www.ldl.de/material/aufsatz/warum-ldl.pdf (theoretischer Kontext); http://www.bildungsstudio.de/geuting/bildungsstudio/inhalt/9.%20arbeiten_von_studierenden/docendo_discimus_Alexa.pdf (Erfahrungsbericht mit Evaluation); u.a.

Diese Aktion von Studenten aus Ludwigsburg lässt mich auf das genannte Prinzip zu sprechen kommen.
Für mich selbst kann ich nur bestätigen, dass ich vieles gelernt habe, weil ich die Schüler etwas lehren wollte: das Passiv und die Passivvarianten; Modalität im Deutschen; Aufbau eines Textes; sprachliches Handeln; Argumentationsanalyse… Auch Dinge, die ich „konnte“, habe ich als Lehrender vertieft zu verstehen gelernt: Den „Don Carlos“ hatte ich mit einem Leistungskurs besprochen; hatte bei lehrer-online eine U-Reihe ins Netz gestellt; und als ich dann für Krapp & Gutknecht das Arbeitsheft zu „Don Karlos“ gemacht habe, habe ich wiederum einiges entdeckt, was mir bis dato unbekannt war (das Verhältnis von I 5 zu V 11 zum Beispiel; die Säkularisierung des Opfertodes).
Noch etwas: Lernen durch Lehren braucht Zeit, wie ich für mich feststelle: Man findet im ersten Durchgang (Lehrgang) noch nicht das, was man im zweiten erkennt… Das könnte man an meinem Fortschritt in der Methode der Gedichtanalyse untersuchen (in diesem Blog in der Kategorie „Methodisches“, dort von unten nach oben, also dem Lauf der Jahre folgend, beobachten, wie ich sukzessive zur Einsicht gekommen bin, dass man zuerst „den Aufbau“ untersuchen und diesen als kommunikatives fiktionales Geschehen begreifen muss). Erst in diesem Jahr bin ich in der Arbeit an der „Lyrik 1945 – 1960“ zu folgendem Dreischritt gekommen:
Ein Gedicht ist ein Text,
und zwar ein fiktionaler Text,
und das als überstrukturiertes Klanggebilde (oft mit unterbestimmten Elementen), dessen zentrales Element der Vers ist.

Für Schüler mag dieses Prinzip „Lernen durch Lehren“ auch gelten – die Frage ist nur, wie man es dort anwenden oder umsetzen kann:
a) Normale „Referate“ taugen nicht so viel, wie man unterstellt; denn die Schüler schreiben entweder etwas mehr oder weniger unverstanden ab, oder sie lernen selber wirklich etwas oder sogar viel, können dann aber nicht mehr einschätzen, wie „dumm“ ihre Mitschüler sind, und reden über deren Köpfe hinweg.
b) Mit einem einmaligen Referat ist es nicht getan – siehe meine Bemerkung, dass es langer Zeit bedarf: Man könnte auch von Nachhaltigkeit des Lehrens/Lernens sprechen. Heinz Bongers, ein ehemaliger Kollege, erzählt, er sei als Schüler in Mathe richtig gut geworden, weil er Nachhilfe erteilt habe.
c) Ein Fall: In einer b-Klasse des FMG verstanden die Schüler überhaupt nicht, dass sie auch von Mitschülern etwas lernen können; vielleicht ist das eine verbreitete Einstellung? Dann wäre die Methode „Lernen durch Lehren“ als Unterrichtsprinzip gescheitert.

Zu diesem Fall muss ich einiges erklären:
– Am Franz-Meyers-Gymnasium am Stadtrand von MG (Stadtrand ist wichtig!) gibt es einen „bilingualen“ Zweig, wo die Schüler ab Kl. 5 verstärkt in Englisch unterricht werden. In den b-Zweig gehen teilweise die besseren Schüler (wegen der höheren Anforderungen und Chancen), teilweise Kinder von Eltern, die ihre Kinder für besser halten oder das Ansehen des b-Zweiges genießen wollen.
– In diesem b-Zweig hatte ich einmal eine Klasse in Deutsch zu unterrichten, worin sich auffällig viele Kinder überkandidelter Eltern tummelten; die Kinder verstanden weithin überhaupt nicht, dass ich Olga gelegentlich bat, einer Mitschülerin etwas zu erklären, oder dass ich ihnen sagte, wenn sie an meinen Erklärungen verzweifelten: „Lass es dir von Robin erklären!“ Sie meinten, ich drückte mich vor meinen Aufgaben – schließlich sei der Lehrer dazu da, den Kindern etwas beizubringen. Dass Kinder elementar selber lernen, also etwas suchen können/wollen, statt dass der Lehrer ihnen „etwas beibringt“, verstanden besagte b-Kinder nicht.
– Randbemerkung: Als ich diese b-Klasse abgegeben habe, war ich heilfroh. Es gab jedoch auch andere b-Klassen, etwa jene von 1998, deren Klassenlehrer ich vier Jahre war und von der ich mich unter Tränen getrennt habe. Aber lassen wir die Problematik von b-Klassen am Stadtrand auf sich beruhen.

P. S. Wenn man älter wird, hat man bereits so viele allein seligmachende Methoden gesehen, dass man nicht mehr glaubt, es gebe eine solche. In MG grassiert gerade das kooperative Lernen (Norm Green, kanadischer Heilsweg) – mit jeder Methode treten Leute in die Öffentlichkeit, die unter dem Schirm dieser Methode Karriere machen wollen. Das ist weiter nicht schlimm, vielleicht aber der tiefere Sinn der Neuerung. Aber ein Ausweg aus den pädagogischen Sümpfen? „Jedem, der’s glaubt…“

Bei Herrn Rau gibt es eine intensive Diskussion des Themas: http://www.herr-rau.de/wordpress/2009/01/lernen-durch-lehren.htm#comments

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