Zentralabitur Deutsch NRW – gültige Operatoren

Unter den Stichworten „Abitur.nrw 2008“ und „Deutsch. Übersicht über die Operatoren“ kann man die für das Abitur 2008 gültigen Operatoren als pdf-Datei herunterladen. Diese Operatoren sind sowohl nach ihrer Klarheit wie nach ihrer Menge noch reformierbar; ich unterbreite hier meine Überlegungen zu den Operatoren, welche darauf hinauslaufen, die Zahl der Operatoren zu reduzieren (sowie einige anders zu gewichten) und so für mehr Klarheit zu sorgen.

Zu den Operatoren im Anforderungsbereich I
1. Immer, wenn etwas „strukturiert“ dargestellt werden soll, ist die Ebene der Reproduktion verlassen; nach diesem Kriterium gehören „beschreiben“ und „zusammenfassen“ nicht in den Bereich I.
2. „in eigenen Worten“ ist eine Anforderung, die nicht kontrollierbar oder bewertbar ist; sie umschreibt vornehm die Erlaubnis zu labern.

Zu den Operatoren im Anforderungsbereich II
1. „erschließen“ sollte man streichen, wenn es nichts anderes sagt als „untersuchen“.
2. „einordnen“ ist eine Leistung, die höhere Anforderungen als das definierte „deuten“ stellt, weil beim Einordnen die Ebene des Textes überschritten wird; nur durch die Beschränkung auf „eine“ (Aussage usw.) ist die Einordnung in den Bereich II zu rechtfertigen.
3. Etwas „durch zusätzliche Informationen veranschaulichen“ kann man nicht mehr „erklären“ nennen; „erklären“ ist von dem hier definierten „erläutern“ zu unterscheiden.
4. „in Beziehung setzen“ ist derart verwaschen, dass man es streichen soll; wenn man etwas sinnvoll zu anderem in Beziehung setzen kann, kann man dies durch die drei gegebenen Operatoren einfordern.

Zu den Operatoren im Anforderungsbereich III
1. Elemente können keine Intention haben (zu „deuten“), nur Personen können Intentionen verfolgen.
2. Was hier „deuten“ heißt, ist eigentlich die Aufgabe des Analysierens: Elemente benennen und in einen Erklärungszusammenhang bringen. – Was zu „deuten“ gesagt wird, ist Geschwafel; ich verzichte auf ein Zitat!
3. „deuten“ (= interpretieren) heißt: einen Bezug zu außertextuellen Größen herstellen.
4. Wie mit Bezug auf Fachwissen etwas „selbstständig“ beurteilt werden kann, ist mir nicht ganz klar; ich würde „kompetent“ oder „umfassend“ für sinnvollere Bestimmungen halten.
5. Dass sich Wertmaßstäbe „aus ausgewiesenen Normen und Werten ableiten“ lassen sollen, ist eine naive Annahme. Solche Formulierungen halten sich nur durch ihre Verschwommenheit: Wann sind denn Normen und Werte durch wen und vor welchem Maßstab ausgewiesen? [Wenn sich einer auf den Koran oder das AT beruft, um Frauen steinigen zu dürfen, hat er eine ausgewiesene Norm!]
6. „(kritisch) Stellung nehmen“ ist gleich „beurteilen“; ersatzlos streichen!
7. Wieso „begründen“ in den Bereich III gehört, verstehe ich nicht; ich würde es Bereich II zuordnen: „erläutern“ und „einordnen“ sind höherwertige Leistungen!
8. „sich auseinandersetzen mit“ ist gleich „beurteilen“ und demnach zu streichen.
9. „prüfen, überprüfen“ ist eine Variante des Beurteilens. (?)
10. Dass man beim Operator „entwerfen“ die notwendigen Entscheidungen und Arbeitsschritte benennen soll, kann man eigens in der Aufgabenstellung sagen – das behält sowieso niemand. Dann kommt man mit dem einen Operator „gestalten“ aus.
11. Die bei diesem genannte Bestimmung „nach ausgewiesenen Kriterien“ ist genauso schwammig wie beim Operator „bewerten“; solange man nicht klärt, wann etwas „ausgewiesen“ ist (der Stand der Wissenschaft vor 20 Jahren als Kriterium?), sollte man auf solche Bestimmungen verzichten und sie etwa durch „(nachvollziehbar) begründet“ ersetzen.

Nachtrag: Bemerkung zu einigen Unterscheidungen (12. August 08)
Die Unterscheidung „analysieren/interpretieren“ wird aufgehoben;
der Unterschied „erklären/erläutern“ wird geleugnet und per definitionem beseitigt;
der nicht vorhandene Unterschied „beurteilen/bewerten“ wird per definitionem eingeführt.
Dies ist bzw. war die für das Abitur 2008 geltende Regelung. Muss sie so gelten?
1. Am Unterschied „analysieren/interpretieren“ könnte man leicht festhalten; einen Text interpretieren heißt letztlich, seine Bedeutung für… aufzuzeigen, Bedeutung für uns, bei alten Texten: Bedeutung für die Gegenwart.
2. Dass „erläutern“ gleich „erklären“ sein soll, ist ein Witz: Wenn man etwas richtig erklärt hat, aber der Partner es mangels Kompetenz oder Aufmerksamkeit nicht verstanden hat, dann muss man das noch einmal erläutern, also „durch zusätzliche Informationen und Beispiele veranschaulichen“.
Dass man durch Beispiele im strengen Sinn nichts erklären kann, ist so klar wie dicke Tinte. Darüber, was erklären heißt, gibt es seit 60 Jahren große Diskussionen in der Wissenschaftstheorie; selbst ein Blick in den Schülerduden Philosophie bringt einem schon nahe, dass „erklären“ ein Fachbegriff geworden ist – leider blicken die Operator-Definierer nicht in den Schülerduden Philosophie, noch weniger in dickere Wörterbücher wie „Metzler Philosophie Lexikon“ oder „Enzyklopädie Philosophie“. Nein, das sind „Fachleute“, von denen jeder an einem bestimmten Operator hängt, und dann kriegen alle Recht, und die Operatoren werden als gleich definiert.
3. Wozu das führt, zeigen die Operatoren im Anforderungsbereich III. Da werden „beurteilen, bewerten, (kritisch) Stellung nehmen“ unterschieden, obgleich das sachlich immer das Gleiche ist. Nein, sagen die Definierer,
beurteilen geschieht ohne,
bewerten verbunden mit der Offenlegung begründeter eigener Wertmaßstäbe,
und Stellung nehmen heißt, nach kritischer Prüfung und sorgfältiger Abwägung seine Einschätzung zu formulieren – braucht man beim Beurteilen und Bewerten nicht kritisch zu prüfen und sorgfältig abzuwägen?
Dann gibt es auch noch „sich auseinandersetzen mit“ und „prüfen, überprüfen“ – aber wie man fünf verschiedene Leistungen des kritischen Prüfens unterscheiden will, kann mir keiner erklären. In der Mitte dieser fünf Operatoren steht dann noch „begründen“, freilich leicht deplatziert, wie man sich denken kann.
So einen Quatsch kann man nur erklären, wenn man davon ausgeht, dass von den verschiedenen Definierern jeder Recht bekommt und an seinem Lieblingsoperator festhalten darf, statt dass man einmal überlegte, was das sachlich heißt, was man so beschließt.

Zum Begriff des Erklärens als sprachlicher Handlung:
http://norberto42.kulando.de/post/2006/01/05/aufsatzunterricht_kl_8_-_10
http://www.bloghof.net/studioD/archive/2008/01/15/1ihsliz1ogm3k.htm

Ein Beitrag zur Wissenschaft von den Operatoren: Welche Operatoren außer denen von NRW gibt es im Fach Deutsch noch in Deutschland?
http://download.bildung.hessen.de/unterricht/lernarchiv/sek_ii/deutsch/abiturpruefung/operatoren_deutsch.pdf (Hessen)
http://www.hamburg.de/servlet/contentblob/326072/abitur-deutsch/data.pdf (Hamburg, teilweise von NRW abgeschrieben)
http://www.bildung-brandenburg.de/fileadmin/bbs/unterricht_und_pruefungen/pruefungen/abitur/epa/pdf/epadeu.pdf  (EPA Deutsch:die Mutter aller Operatoren!)
http://lehrplan.lernnetz.de/intranet1/links/materials/1194271377.pdf (Fachanforderung D Abitur)
http://www.bbs-jever.de/faecher/deutsch.htm (dort ein Link zu den Operatoren Deutsch in Niedersachsen, die denen von NRW ähneln, mehr aber auch nicht!)

Übersicht (von dort aus weiterklicken!): http://www.teachsam.de/arb/operatoren/Operatoren_D/arb_op_d_0.htm

Eine Übersicht über die 2009 und 2010 tatsächlich verwendeten Operatoren im Zentralabitur Deutsch NRW finden Sie unter https://norberto68.wordpress.com/2011/04/03/operatoren-des-zentralabiturs-deutsch-nrw/.

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