Impulse für ein vernünftiges Gespräch

In der Vorlage heißt es zwar Gesprächsimpulse zum Philosophieren mit Kindern, aber es handelt sich in Wahrheit um Impulse für ein vernünftiges Gespräch, auch außerhalb des Philosophieunterrichts:

Impulse zur Intensivierung der inhaltlichen Auseinandersetzung

Nachfragen, um Begriffe, Meinungen und Positionen zu klären:

  • Was meinst du, wenn du … sagst?
  • Kannst du das genauer erklären?
  • Was bedeutet …?
  • Erkläre bitte an einem Beispiel, was du meinst.

Begründungen und konkrete Beispiele einfordern, Voraussetzungen aufdecken:

  • Warum meinst du, dass …?
  • Kannst du dafür einen Grund nennen?
  • Gibt es hierzu ein Beispiel / ein Gegenbeispiel?
  • Welche Voraussetzungen / Bedingungen müssen gegeben sein, damit …?

Aussagen noch einmal zur Diskussion stellen und das Nachdenken über Alternativen anregen:

  • Ist das wirklich so?
  • Gilt das für alle Fälle?
  • Wie verträgt sich das mit …?
  • Gibt es hier nur diese eine Möglichkeit / Meinung / Sichtweise / Lösung?
  • Könnte es auch ganz anders sein?

Konsequenzen und Folgen durchspielen:

  • Wenn das der Fall wäre, müsste dann nicht auch …?
  • Was würde daraus folgen?
  • Können alle diese Folge / Folgerung akzeptieren?

An das Ausgangsproblem erinnern und den Gesprächsstand zusammenfassen:

  • Unser Thema war … Wie passt das dazu?
  • Was haben wir bisher herausgefunden?
  • Wie sind wir zu diesem Punkt gekommen?
  • Was für verschiedene Meinungen haben wir gehört?
  • Welche Fragen wollen wir weiter vertiefen?

Impulse, die das Miteinander des Gesprächs anregen

  • Kannst du X zustimmen? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
  • Haben alle verstanden, was X gesagt hat? Kannst du erklären, was er/sie meint? [Die Vorlage weist hier einen Bruch auf! N.T.]
  • Möchte jemand zu diesem Gedanken etwas sagen? Hat jemand etwas Ähnliches oder ganz anderes gedacht?
  • Wie passt das, was du gesagt hast, zu dem, was X gesagt hat?
  • Wer ist damit einverstanden, wer nicht?

http://steinmair.jimdo.com/app/download/9262733499/2_Leseauftrag.pdf?t=1393780462

in 1/2010 Sachunterricht | www.grundschulunterricht.de, S. 39 (sprachlich minimal von mir überarbeitet, sachlich geringfügig erweitert – es fehlt allerdings der ganze Komplex des Bewertens von Handlungen und Vorschlägen, welche unter dem Stichwort ETHIK ihren Platz in der Philosophie haben und heute oft PRAKTISCHE PHILOSOPHIE heißen. Ich verweise hierfür auf das, was ich im Beitrag „Aufsatzunterricht“ unter „C: Etwas bewerten“ dazu gesagt habe: die Eignung von Vorschlägen zur Lösung einer Aufgabe prüfen sowie ihre Leistung mitsamt Kosten berücksichtigen, die Nebenwirkungen beachten, das Recht / die Pflicht und die Berechtigung prüfen …)

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Unterrichtsgespräch oder Unterricht als Gespräch?

Das Gespräch zwischen Sokrates und dem Sklaven Menon (Platon: Menon 81 c ff.) gilt als Mutter der Theorie des fragend-entwickelnden Unterrichtsgesprächs. Der Sklave Menon „weiß“, ohne es selbst zu wissen, was eine Quadratwurzel ist; des Sokrates Kunst besteht darin, dieses „Wissen“ durch geschicktes Fragen aus Menon hervorzulocken.

In Wirklichkeit hat Menon natürlich nichts verstanden, sondern nur gelenkt richtige Wörter und Sätze gesagt. Das fragend-entwickelnde Unterrichtsgespräch, sofern es nur auf die Produktion richtiger Wörter und Sätze aus ist, führt zu keinen anderen Ergebnissen als des Sokrates Menon-Gespräch.

Etwas anderes ist ein Unterrichtsgespräch, sofern es Gespräch ist, also Dialog. In einem solchen Gespräch geht es um einen Austausch von Argumenten, um gegenseitige Prüfung von Gründen, Positionen und Perspektiven. In einem solchen Gespräch kann die jeweilige Einsicht, auch die des Lehrers, überholt werden – wenn auch der normalerweise gegebene „Wissensvorsprung“ des Lehrers nicht geleugnet werden soll. In einem solchen Gespräch ist es kontraproduktiv, wenn jemand verlangt, man müsse auch „eine andere Meinung gelten lassen“ und sich mit dieser Toleranz-Forderung dem Ringen um Einsicht entzieht (http://norberto42.kulando.de/post/2009/02/13/eine-andere-meinung-gelten-lassen). „Ich verwandle mich im Verlauf der Geschichte eines Dialogs, an dem ich teilnehme, indem ich durch die in dessen Geschichte waltende innere Notwendigkeit dazu herausgefordert werde, einen bestimmten Stand zu behaupten und eine Perspektive auszuleuchten, die mir vorher nicht begegnete Sachen erschließt. So erweist sich der Dialog als Übergang von einem Stande zum nächsten, als Aufsteigen auf einer Leiter.“ (Friedrich Kaulbach: Einführung in die Metaphysik, 1972, S. 95)

Schüler, die nur auf ihre Note statt auf die Sache aus sind, und Lehrer, die nur auf Abspulen eines Pensums statt auf die Sache aus sind, führen kein Gepräch, auch wenn sie ein „Unterrichtsgespräch“ vorführen. Lehrer, die bereits vorher wissen, dass sie Recht haben, und Schüler, die bereits vorher wissen, dass man ihre Meinung gelten lassen soll, führen kein Gespräch miteinander.