Welsh: Die Ohrfeigen – Text und Aufgaben

Renate Welsh

Die Ohrfeigen

 

Der Laden war voll. Ich stand eingekeilt zwischen meiner Großmutter und

dem Rücken eines fremden Mannes. Ich hatte die rosa Schweinsköpfe

gezählt, die von den obersten Fliesen grinsten, die Knöpfe am Mantel der

Frau Krebs, die Fliegenleichen in der Deckenlampe. Ich habe gerade zählen

5 gelernt.

Die Leute hielten ihre Lebensmittelkarten fest in Hand. Jedes Stück Fleisch,

das Frau Krebs abschnitt, betrachteten sie genau. Die Köpfe neigten sich

nach links, wenn sie zum Hackstock ging, nach rechts, wenn sie das Fleisch

auf die Waage legte. Das war für kurze Zeit komisch, aber bald wurde es

10 langweilig. Ich begann leise vor mich hin zu singen:

„Es geht alles vor über,

es geht alles vorbei.

Zuerst geht der Führer

und dann die Partei.“

15 Eine Frau fragte: „Was singst du denn da?“

Ich wiederholte, diesmal lauter: „Es geht alles vorüber …“ Meine

Großmutter packte meine Hand, dass es wehtat. „Aber Renate! Was fällt dir

ein?“ „Warum darf ich nicht singen?“, fragte ich. „Halt den Mund!“ Sie

drückte meine Hand noch fester. So redete sie sonst nie. Wenn wir „Halt den

20 Mund“ sagten, schimpfte sie: „So spricht man nicht.“ Was hatte sie gegen

das Lied? Es kam doch nicht ein einziges von den verbotenen Wörtern vor.

Keine Scheiße und nichts. Warum funkelte sie mich so an? „Der Papa singt

das auch!“, sagte ich laut.

Meine Großmutter holte aus und gab mir zwei Ohrfeigen, eine links und eine

25 rechts. Dann zog sie mich aus dem Geschäft. Sie renkte mir fast den Arm

aus, wie sie mich hinter sich herzog, mitten durch die dicht gedrängten

Menschen. Meine Großmutter, die sonst „Pardon“ sagte, wenn sie an einen

Sessel anstieß! Meine Wangen brannten. „Aber ich …“ „Mund halten!“ Sie

schleifte mich hinter sich her. Zuerst war ich völlig verdattert. Dann rammte

30 ich die Füße in den Boden. „Ich will nicht!“ schrie ich. „Wenn der Papa …“

Sie gab mir wieder zwei Ohrfeigen.

Nun war ich völlig überzeugt, dass sie mich nicht mehr lieb hatte. Ich hatte

es schon lang vermutet. Jetzt wusste ich es. Meine kleine Schwester war

eben herzig und ich nicht. Sie ließ sich immer an der Hand führen und ich

35 nicht. Ich weinte leise vor mich hin. Meine Großmutter hatte diesen Zug um

den Mund, vor dem ich mich fürchtete. Die Hautfalten an ihrem Hals

zitterten.

Als wir heimkamen, ließ sie sich in einen Sessel fallen. „Das Kind nehme

ich nie wieder mit!“, sagte sie zu meiner Tante. „Die bringt uns noch alle ins

40 KZ.“ „Was ist das?“, fragte ich. „Großer Gott!“ Sie drehte mich herum,

stellte mich zwischen ihre Knie und nahm meine beiden Hände in ihre. „Hör

mir gut zu: Solche Dinge darfst du nie wieder sagen. Das ist gefährlich.

Merk dir das. Du willst doch nicht, dass sie deinen Papa einsperren und uns

alle mit?“ „Nein“, sagte ich. Meine Wangen brannten noch immer. Ihr

45 Ehering hatte eine Schramme hinterlassen. Sie holte ein Messer, hielt es

unter fließendes Wasser, drückte die flache Seite auf meine Wange. „Ist

schon gut“, sagte sie. „Ist schon wieder gut.“

Ich verkroch mich unter dem Klavier. Seit meine Mutter vor einem Jahr

gestorben war, spielte meine Großmutter nicht mehr Klavier. Es stand nur

50 da, schwarz und glänzend, und trug die Silberrahmen mit den Fotos meiner

Mutter. Zuerst weinte ich eine Weile, dann spielte ich mit den weißen

Puppen, die niemand sehen konnte. Ich konnte sie selbst nicht sehen. Ich tat

nur so als ob. Meine richtigen Puppen waren bei unserer überstürzten

Abfahrt in Wien geblieben.

55 Plötzlich fiel mir ein, dass ich dieses merkwürdige Wort „KZ“ schon einmal

gehört hatte. Eine Tante hatte es gesagt, die zum Begräbnis meiner Mutter

aus Polen gekommen war. Alle hatten damals geweint, auch die schiefe

Bedienerin aus der Bäckerei und der böse Nachbar mit dem Schnurrbart.

Aber sie hatte anders geweint. Sie hatte gezittert, wenn jemand mit ihr

60 redete. Und als sie das Wort gesagt hatte, hatten die Erwachsenen einander

angesehen mit diesen Erwachsenenblicken. Mich hatten sie aus dem Zimmer

geschickt. Genau so, wie sie mich in den Monaten vorher aus dem Zimmer

geschickt hatten, wenn von Mutters Operation die Rede war. Ich weinte

wieder. Aber diesmal kam niemand und streichelte mich und sagte „Armes

65 Kind“.

An dem Abend wartete ich noch ungeduldiger als sonst, bis mein Großvater

aus dem Büro nach Hause kam. Als er dann endlich da war, setzte ich mich

auf seinen Schoß und verkroch mich in seinem Hausrock. Mein Großvater

hatte immer alle meine Fragen beantwortet. Aber jetzt konnte auch er mich

70 nur hin und her wiegen, als wäre ich noch ein ganz kleines Kind. Er konnte

nicht sagen, dass mein Vater in Gefahr war, weil er meine herzkranke Tante

Gretl versorgte, die Halbjüdin war, und weil er die Familie seines

ehemaligen Sanitätsgehilfen unterstützte, der Kommunist war. „Renaterle“,

sagte er, „das kann ich dir nicht erklären, weil es nicht erklärbar ist. Und es

75 hat gar nichts damit zu tun, dass du noch klein bist, glaub mir.“

 

Aus R. Welsh: Damals war ich vierzehn. Ravensburg: Ravensburger Buchverlag 2005

 

Aufgaben:

  1. Stelle dar, woran man merkt, dass das Geschehen im Zweiten Weltkrieg spiel
  2. „Es geht alles vorüber…“ ist der Refrain eines Schlagers von 1942: „Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, / auf jeden Dezember folgt wieder ein Mai. / Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, / doch zwei die sich lieben, die bleiben sich treu.“ Erkläre kurz, warum man für ein kritisches Lied auf einen Schlager zurückgreift!
  3. Führe den Satz in Zeile 28 und in Zeile 30 zu Ende! Was wollte das Mädchen sagen?

– Z. 28 „Aber ich …“

– Z. 30 „Ich will nicht!“ schrie ich. „Wenn der Papa …“

  1. Erläutere, warum die Großmutter zornig wird und das Kind ohrfeigt! Nimm anschließend Stellung zum Verhalten der Großmutter.
  2. Frau Krebs erzählt abends ihrem Mann von ihrem Erlebnis im Metzgerladen: „Heute Nachmittag kam eine alte Dame in den Laden…“ Führe die Erzählung fort und lass’ dabei deutlich werden, wie Frau Krebs den Vorfall beurteilt! (Beachte dabei, was Frau Krebs nicht erlebt hat und daher nicht weiß.)
  3. Nenne fünf Merkmale einer Kurzgeschichte, die du in dieser Geschichte gefunden hast. Belege diese am Text! [In Wirklichkeit handelt es sich um einen Auszug aus einem Roman; die Ich-Erzählerin ist ziemlich komplex, die Zeitstruktur geht mit deren Erinnerungen deutlich über den einen Tag hinaus.]

 

Erläuterung: Merkmale von Kurzgeschichten

  • Normalerweise besitzt der Text einen geringen Umfang.
  • Der Einstieg ins Geschehen erfolgt meistens unvermittelt, also ohne Einleitung
  • Selten gibt es größere Zeitsprünge; das erzählte Geschehen ist chronologisch geordnet.
  • Die erzählte Zeit ist sehr kurz, entsprechend auch das erzählte Geschehen.
  • Orte und Schauplätze sind häufig nicht benannt.
  • Protagonisten sind einige normale Personen, wir erfahren wenig über ihren Charakter.
  • Es geht häufig um Themen aus dem Alltag.
  • Der Schluss der Kurzgeschichte ist meist offen.
  • Das Ende besteht oft aus einer überraschenden Wendung.
  • Meistens gibt es keinen auktorialen Erzähler, sondern einen neutralen, der auch personal erzählt.
  • Die Bedeutung des Geschehens kann anhand von Symbolen oder Leitmotiven bzw. aus dem erzählten Geschehen erschlossen werden.
  • Der Leser kann das erzählte Geschehen völlig frei selbst beurteilen.

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Zu Welsh: Die Ohrfeigen – Übung: Antonyme

Ordne folgenden Wörtern dieser Erzählung das passende Antonym aus der Liste zu:

Großmutter (Z. 1)   ________________________

Fliegenleichen (Z. 4)   ________________________

Lebensmittelkarten (Z. 6)   ________________________

lauter (Z. 16)   ________________________

verboten (Z. 21)   ________________________

vermuten (Z. 33)   ________________________

herzig (Z. 34)   ________________________

Mund (Z. 36)   ________________________

zittern (Z. 37)   ________________________

Sessel (Z. 38)   ________________________

KZ (Z. 40)   ________________________

Ehering (Z. 45)   ________________________

Klavier (Z. 48)   ________________________

weiße (Z. 51)   ________________________

Wien (Z. 54)   ________________________

Polen (Z. 57)   ________________________

Schnurrbart (Z. 58)   ________________________

Büro (Z. 67)   ________________________

wiegen (Z. 70)   ________________________

versorgen (Z. 72)   ________________________

unterstützen (Z. 73)   ________________________

klein (Z. 75)   ________________________

Liste der Antonyme: Stuhl, Tisch, gehorsam, leise, Werkstatt, betreuen, sich röten, Großvater, Regenschirme, ansehen, informieren, Kacheln, dumm, hässlich, Gefängnis, neue, rote Nase, wissen, Augen, Fingernagel, Bayern, München. (Die Antonyme sind nicht immer trennscharf zu unterscheiden, es kann zu Verwechslungen kommen.)

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Brambach: Känsterle – Aufgaben, Analyse

Überprüfe, was wirklich im Text steht:

  1. Streiche die falschen Sätze mit Bleistift durch;
  2. notiere zu den richtigen Sätzen die passende Textstelle (Zeilenangabe).

 

Sätze:

Das erzählte Geschehen spielt zwei Wochen vor dem Nikolaustag.

Das erzählte Geschehen spielt an einem Abend.

Känsterle zieht sich auf dem Speicher (Dachboden) um.

Familie Weckhammer besitzt ein vollständiges Nikolauskostüm.

Als er gestürzt ist, bleibt Känsterle lange liegen.

Als seine Frau verschiedene Reparaturen vorschlägt, hört Känsterle nicht zu.

Der „Held“ der Erzählung heißt Wallfried.

Frau Känsterle heißt mit Vornamen Elfriede.

Känsterle soll im Frühjahr Fenster anstreichen.

Im Fernsehen wird ein Fußballspiel gezeigt.

Känsterle stolpert als Nikolaus und fällt die Treppe hinunter.

Herr Hansmann wird Känsterle als Vorbild vorgehalten.

Känsterle ist schließlich so wütend, dass er seine Frau schlägt.

Er stopft Prospekte in seine Stiefel.

Seine Frau hat Geschirr gespült.

Sie hat unter anderem Coca-Cola und Äpfel gekauft.

Herr Hansmann hat Verständnis für Känsterles Zorn.

Die Nachbarn hören Lärm und kommen ins Treppenhaus.

Die Kinder freuen sich, dass auch die Eltern einmal Streit haben.

Herr Weckhammer ist kürzlich verstorben.

Känsterle will nicht für die Kinder Nikolaus spielen.

Das Nikolauskostüm ist Känsterle viel zu groß.

Frau Känsterle hat die Nikolausgeschenke eingekauft, ohne ihren Mann zu fragen.

 

Lösung

Richtige Sätze:

Das erzählte Geschehen spielt an einem Abend. (Zeile 1)

Der „Held“ der Erzählung heißt Wallfried. (1)

Känsterles Frau hat Geschirr gespült. (3 f.)

Känsterle soll im Frühjahr Fenster anstreichen. (6 f.)

Herr Hansmann wird Känsterle als Vorbild vorgehalten. (13 f.)

Herr Weckhammer ist kürzlich verstorben. (16 f.)

Familie Weckhammer besitzt ein vollständiges Nikolauskostüm. (20 ff.)

Känsterle will nicht für die Kinder Nikolaus spielen. (25 f.)

Frau Känsterle hat die Nikolausgeschenke eingekauft, ohne ihren Mann zu fragen. (29 f.)

Das Nikolauskostüm ist Känsterle viel zu groß. (33 ff.)

Känsterle zieht sich auf dem Speicher (Dachboden) um. (36 ff.)

Känsterle stolpert als Nikolaus und fällt die Treppe hinunter. (41 ff.)

Känsterle ist schließlich so wütend, dass er seine Frau schlägt. (49)

Die Nachbarn hören Lärm und kommen ins Treppenhaus. (54 ff.)

Herr Hansmann hat Verständnis für Känsterles Zorn. (57 ff.)

 

Falsche Sätze:

Im Fernsehen wird ein Fußballspiel gezeigt.

Als seine Frau verschiedene Reparaturen vorschlägt, hört Känsterle nicht zu. (Dieser Satz könnte wegen Z. 9 auch als richtig gelten.)

Das erzählte Geschehen spielt zwei Wochen vor dem Nikolaustag.

Frau Känsterle heißt mit Vornamen Elfriede.

Sie hat unter anderem Coca-Cola und Äpfel gekauft.

Känsterle stopft Prospekte in seine Stiefel.

Als er gestürzt ist, bleibt Känsterle lange liegen.

Die Kinder freuen sich, dass auch die Eltern einmal Streit haben.


Übung zum Wortschatz (Antonyme) – zu Brambach: Känsterle

Wenn man schreibt und ein Wort wählt, hat man viele andere nicht schreiben wollen. Vor dem Hintergrund des Gegenteils (eines nicht gewählten Gegenwortes, eines Antonyms) wird die Bedeutung eines Wortes erst richtig klar. – Oft gibt es mehrere mögliche Antonyme; oft wird erst im Kontext klar, welches Antonym wirklich passt.

 

Aufgabe: Suche zu aufgelisteten Substantiven der Erzählung Brambachs das im Kontext passende Antonym und schreibe es auf. Beginne mit den Antonymen, bei denen du dir sicher bist, dass sie passen:

der einfache Arbeiter: ______________________

Feierabend   ______________________

Buben   _______________________

Küche   ________________________

Frühjahr   ________________________

Parterre   ________________________

Ferien   ________________________

Schwarz   ________________________

Herzschlag   ________________________

Witwe   _________________________

Nikolauskostüm   __________________________

Redner   __________________________

Kopf   __________________________

Konsum   __________________________

trübes Licht   __________________________

Dachboden   __________________________

Stiefel   __________________________

Sack   __________________________

Backpfeife   __________________________

Scherben   __________________________

Türen   __________________________

 

Liste der möglichen Antonyme:

Weiß, Hintern, Beutel, Anzug, Mädchen, Geschirr, Ehefrau, Fenster, Arbeitszeit, ein geübter Redner, Keller, Wohnzimmer, Feinkostgeschäft, Herbst, Handwerker, Obergeschoss, Handschuhe, Zärtlichkeit, Unfall, strahlende Helle, Wochenende

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Analyse

Welche Merkmale einer Kurzgeschichte findest du in Brambachs Erzählung „Känsterle“?

Ich finde folgende Merkmale:

  • Die Erzählung besitzt mit 59 Zeilen einen geringen Umfang.
  • Der Einstieg ins Geschehen ist unvermittelt, ein Mann sitzt vor dem Fernseher; nur die Angabe „ein einfacher Schlosser“ (Z. 1) kann als eine Art Einleitung angesehen werden, weil der Mann damit kurz vorgestellt wird.
  • Wir finden einen Zeitsprung (Z. 31). Das Geschehen spielt zunächst an einem Abend, zwei Tage vor dem Nikolausfest (Z. 15): ein Gespräch zwischen den Eheleuten Känsterle. Nicht erzählt wird, wie Känsterle das Kostüm abholt und wie er auf den Dachboden steigt. Dann wird wieder erzählt, wie Känsterle sich dort als Nikolaus ankleidet und handelt (Z. 31 ff.), wahrscheinlich einen Tag später, am Vorabend des Nikolaustages (5. Dezember); es ist nämlich unwahrscheinlich, dass der Nikolaus erst am Abend des 6. Dezember den Kindern etwas bringen soll. Die beiden Ereignisse werden der Reihe nach erzählt.
  • Das Gespräch der Eheleute dauert höchstens 3-5 Minuten; die Nikolausaktion und das Zertrümmern der Einrichtung dauern etwa 15-30 Minuten. Die Dauer des erzählten Geschehens ist also ziemlich kurz.
  • Von den Charakteren ist nur bekannt, dass sie Schlosser und Hausfrau sind; die Frau erweist sich als sehr herrisch gegenüber ihrem Mann; sie gibt ihm dauernd Befehle oder Aufträge (Z. 3; Z. 6 ff.; Z. 11; Herr Hansmann als Vorbild,  Z. 13 f.; sie erteilt ihm den Auftrag, das Kostüm zu holen, ohne ihn zu fragen, Z. 22 f.; sie hat schon entschieden, dass er den Nikolaus spielt, wieder ohne ihn zu fragen, Z. 28 ff.).
  • Schauplatz des Geschehens ist die Wohnung der Eheleute Känsterle (Z. 1 ff.), der Dachboden (Z. 31 ff.), das Treppenhaus und der Flur in einem Mehrfamilienhaus (Z. 54 ff.). Wo das Haus steht, wird nicht gesagt.
  • Thema ist das Verhältnis der Eheleute Känsterle und die Herrschsucht der Frau (s.o. zu „Charaktere“), die ihn zur Verzweiflung treibt.
  • Die Eheleute sind kleine Leute, also ganz normale Personen.
  • Der Schluss ist offen – es wird nicht einmal angedeutet, wie es nach dem Zornesausbruch Känsterles und der Verwüstung der Wohnung weitergeht, ob die beiden sich also versöhnen oder nicht.
  • Der letzte Satz hat vermutlich eine symbolische Bedeutung; der kalte Wind (Z. 59) zeigt nämlich auch an, wie die Stimmung der Personen ist.
  • Gelegentlich werden Känsterles Empfindungen und Gedanken berichtet, da wird also auktorial erzählt (evtl. der Kommentar „Wo denn sonst?“, Z. 2; „hilflos“, Z. 25; sein Gemüt verdüstert sich, Z. 31; evtl. „In Känsterles Ohner trillert’s“,  Z. 44; er fühlt sich elend, Z. 58); insgesamt wird neutral erzählt, also aus der Perspektive eines unbeteiligten Beobachters.
  • Die Bedeutung des Geschehens kann man aus dem Auftreten Rosas (s.o.) und dem Einverständnis Herrn Hansmanns mit Känsterles Wutausbruch (Z. 57 f., vgl. dagegen die Sicht der Frau, Z. 13 f.!) als Frage erschlossen werden: Wie muss man miteinander umgehen, wenn man in Frieden leben will?
  • Der Erzähler bewertet das Geschehen nicht; der Leser ist also völlig frei, ob er den Wutausbruch Känsterles versteht und billigt oder den Mann als unbeherrscht verurteilt.