Missbrauch der Literatur

oder Das Todeszucken der Philosophiedidaktik

Dieses Zucken konnte ich in dem Heft „Leselust“ der Zeitschrift „Ethik & Unterricht“ (1/2008)beobachten. Ich gehe von Hans-Peter Mahnkes Aufsatz „Denk mal! – Kulturelle Prägung durch Denkmäler“ aus (S. 30 f.). Dieser Aufsatz legt es dem Lehrer nahe, von Heinrich Böll: Wanderer, kommst du nach Spa… (veröffentlicht 1950) auszugehen, also den Text vorzulesen (ab Kl. 9). „Der Aspekt der Geschichte, dem hier nachgegangen werden soll, ist die Prägung von Menschen durch die ‚künstlerische Gestaltung’ der Schule mit Kulturdenkmälern oder – etwas allgemeiner – durch den Schulbau als Denkmal.“ (S. 30).
Mahnke empfiehlt, die Sprache auf die von Böll ( – falsch, vom Erzähler!) immer wieder genannten Ausstattungsstücke zu bringen und dann zu fragen, ob die eigene Schule ähnlich ausgestattet ist. Diese Betrachtung läuft der Erzählung Bölls einfach zuwider; Mahnke missbraucht einen Text und vergewaltigt das, was man Bölls Intention nennen könnte. Ich beziehe ich in meiner kurzen Begründung auf eine Ausgabe von Bölls Erzählungen (dtv 437, 1967 = 1974, S. 35-43) unter dem Titel „Wanderer, kommst du nach Spa…“.

Der Erzähler kommt als schwer Verwundeter in seine eigene Schule, die als Lazarett in einer brennenden Stadt eingerichtet ist. Zur Einrichtung dieses humanistischen Gymnasiums zählen (summarisch gesprochen) Werke der Kunstgeschichte, der deutschen Heldenverehrung und des arischen Rasseglaubens; aber alle diese „Werke“ lassen den Erzähler kalt; er erkennt sie nur mit den Augen, nicht mit dem Gefühl (S. 37). „Mein Herz sagte mir nichts.“ (S. 40) „Mir kam das alles so kalt und gleichgültig vor. Als hätten sie mich durch das Museum einer Totenstadt getragen, durch eine Welt, die mir ebenso gleichgültig wie fremd war…“ (S. 41; der Erzähler erwähnt sogar Flüche und Hass angesichts der dumpfgetönten Wände, S. 40) Das Herz meldet sich erstmals zu Wort, als der Erzähler den in seiner eigenen Handschrift geschriebenen Spruch erkennt (damals geschrieben, „in diesem verzweifelten Leben, das erst drei Monate zurücklag“, S. 42): „Wanderer, kommst du nach Spa…“
Um zur Richtung etwas zu sagen, in die der Blick des Lesers gelenkt wird, möchte ich erstens auf den Schluss der Erzählung hinweisen: Auf dem OP erkennt der Verwundete in dem helfenden Feuerwehrmann den alten Birgeler, den früheren Hausmeister, bei dem man hatte Milch trinken und auch verbotenerweise eine Zigarette rauchen können (S. 41). Und der letzte Satz lautet dann: „‚Milch’, sagte ich leise…“ (S. 43) Milch (statt des von Birgeler gereichten Wassers, S. 38) und Birgelers Menschlichkeit, das ist das einzige, woran der Verwundete noch hängt. Die Einrichtung der Schule gehört ins tote Museum.
Den zweiten Hinweis auf die Blickrichtung gibt die Tatsache, dass der berühmte Spruch vom Sinn des tapferen, todesbreiten Kämpfens nicht zu Ende geschrieben worden ist. Diese Tatsache wird auch dadurch bedeutsam, dass der Ich-Erzähler vom „Krieg in den Bilderbüchern“ und von einem künftigen Kriegerdenkmal spricht, auf dem auch sein Name stehen würde (S. 39 f.); und im Schulkalender stände hinter seinem Namen: „zog von der Schule ins Feld und fiel für…“. Und dann der Satz: „Aber ich wußte noch nicht wofür (…)“ (S.40). Das Kriegerdenkmal, das er in seiner Schule wieder gesehen hat (S. 36), war ein Konfektionskriegerdenkmal, nichts Auffallendes; „sie bekamen sie aus irgendeiner Zentrale“ (S. 40).
Also nicht das Bildungssystem hat „aus irgendeiner Zentrale“ die Schüler „auch mithilfe einer Schulausstattung“ in den Tod geführt, wie Mahnke sagt (S. 30); aus der Zentrale kamen die Kriegerdenkmäler, und die Bildung war verstaubter Kram des humanistischen Gymnasiums – „ich glaube nicht, dass sie diese Kerle in den anderen Schulen auf den Fluren an die Wand stellen“ (S. 38). Wie man aus Bölls Erzählung etwas über die Prägung von Menschen durch die Gestaltung der Schule herausfinden will, ist angesichts des Textes rätselhaft; pointiert wird aber das humanistische Gymnasium angegriffen.

Ein solch rätselhafter Umgang mit Texten wird von den Herausgebern im Editorial (S. 1) ausdrücklich verteidigt; sie berufen sich auf einen Essay Pierre Bayards, welcher behauptet, dass Leser sich selten für die Geschichten anderer interessieren, dass man sich im Grunde immer nur selbst lesen könne und deshalb beim Lesen nur auf die noch unfertigen eigenen Geschichten stoße. Dagegen habe ich als Deutschlehrer versucht, die Schüler wie hier (oben) auf Textsignale hinzuweisen, die den Leser in eine Richtung weisen, wo man nicht nur das eigene Ego sieht; in die Richtung, die der Erzähler vorgibt – wobei freilich noch nicht bestimmt ist, was man dort sieht. Wieso man mit dem von den Herausgebern verteidigten blinden Lesen sich fremde Erzählungen zu eigen macht (statt sie zu missbrauchen), verstehe ich sowieso nicht.
Das Zweite, was deutliche Kritik verdient, ist die Tatsache, dass ein so unerleuchtetes Lesen – Hauptsache: kreativ! (S. 1) – dem Unterricht im Fach Praktische Philosophie dienen soll. Wenn Praktische Philosophie nicht mehr leistet, dann lasst uns das Fach in Gottes Namen, vielmehr um der Ehrlichkeit willen abschaffen! Dann betreiben vermutlich Religionslehre, Pädagogik, Philosophie und Deutsch allesamt nur das Gleiche: in irgendwelchen Texten herumstochern, anhand irgendwelcher Texte labern und schwatzen, um dort das angeblich Eigene der Schüler herauszufinden. Einen Dreck findet ihr heraus – ihr schlagt die Zeit tot; und dafür braucht man keine vier Fächer, dafür genügt ein einziges.
Vielleicht könnte man zumindest im Fach Deutsch versuchen, die Schüler richtig lesen zu lehren? Also auch auf Signale zu achten, die dem eigenen Verstehen rätselhaft sind? Und die Sprache der rätselhaften Signale entziffern zu lernen? Und dafür nicht schon Musils Fliegenpapier in Kl. 7 zu verbrennen, wie Herr Schöffel vorschlägt (S. 22 f.)?

Die Leute sind übrigens durchaus an Geschichten interessiert, die nicht ihre eigenen sind – es müssen nur die richtigen Geschichten sein: http://logos.kulando.de/post/2008/03/12/das_leben_der_margaret_b_jones

weismachen

Das Wort „weismachen“ bedeutete ursprünglich: jemanden belehren, also ihn weise machen; weismachen geschah mit dem Mund, es war ein Mundwerk.
Nun hat das Volk gemerkt, dass die hochgelehrten Herren (Damen hatten damals nichts zu sagen, jedenfalls nicht öffentlich) mit ihren klugen Worten oft nichts sagen, ja, die Leute sogar nur an der Nase herumführen wollen. Auch wenn es sehr klug klingt, kann man mit dem Mundwerk leeres Stroh dreschen, ohne dass dabei Körner oder sonst Genießbares herauskäme. Dadurch änderte sich der Klang des Wortes, es gewann seine heutige Bedeutung.
Diesen Vorgang nennt man Bedeutungswandel; in unserem Fall hat sich eine normale Bedeutung in eine negative gewandelt (pejorative Bedeutung). Bedeutungswandel kann in vielfacher Form erfolgen; aber jetzt interessiert uns nur dieser eine Fall: Man verkaufe das Volk nicht für dumm!

Damoklesschwert

Damokles, ein Höfling, war am Hofe des Tyrannen Dionysius eingeladen. Dort bestaunte er das wunderbare Fest, genoss das köstliche Abendessen und beneidete die Adeligen um ihre Macht.
„Wie gut du es hast“, wandte sich Damokles an seinen Gastgeber. „Und wie ich dich um dieses reiche Leben beneide.“
„Wenn du magst, kannst du dieses Leben gerne einen Tag lang ausprobieren“, schlug Dionysius vor. „Dann kannst du viel besser beurteilen, wie ich lebe.“
Damokles war begeistert von dieser Idee. So führte man ihn an den Hof des Palastes. Er wurde in Parfum gebadet, anschließend durfte er sich auf einem goldenen Stuhl niederlassen, der mit Edelsteinen eingefasst war. Dann servierte man ihm die köstlichsten Speisen.
Doch plötzlich wurde Damokles unruhig. Er starrte zur Decke und sah, dass direkt über ihm ein scharfes Schwert hing. Es war an einem dünnen Pferdehaar an der Decke aufgehängt und drohte, jeden Moment auf ihn hernieder zu stürzen.
Von diesem Augenblick an hatte Damokles keinen Appetit mehr. Er war unruhig, fürchtete um sein Leben und konnte keine Sekunde an diesem Platz mehr genießen.
„Wie hat dir deine Rolle in meiner Haut gefallen?“, wollte der Tyrann am nächsten Tag wissen. „Hast du gesehen, welches Schicksal mich umgibt?“ „Ja“, flüsterte der Höfling. Dann beeilte er sich fortzukommen.
Denn wer in ständiger Angst lebt, kann sich über das das kleinste Vergnügen nicht freuen.
http://www.labbe.de/mellvil/index_nd.asp?themaid=12&titelid=10 (minimal bearbeitet)

Die Geschichte trägt Züge einer Fabel, wie nicht nur die (schlecht passende) „Moral“ am Schluss zeigt.
Sie ist eine der Geschichten zur Beruhigung des Volkes: Damokles repräsentiert alle kleinen Leute, welche die Adeligen um ihre Macht, ihren Reichtum, ihre Vorrechte beneiden. Ihm wird in einer Lektion am eigenen Leib vorgeführt, wie des Dionysius Reichtum und Position gefährdet ist: Dem Tyrannen droht täglich ein Attentat, ein Aufstand, der Verlust von Reichtum und Leben. Er sieht ein, dass in der Haut des Dionysius zu leben eine Qual ist und dass er mit seinem eigenen Leben zufrieden sein kann; denn Damokles‘ Leben ist in seiner Art besser als das des Dionysius.

Was lernen wir aus dieser Geschichte? Wie leicht man den Armen klarmachen kann, dass Armsein für die Armen genau das Richtige ist, wie ja auch der spanische König in Peter Bichsels Geschichte „Amerika gibt es nicht“ meinte.
Erster Vorschlag, um dem reichen Dionysius zu helfen: Er verzichtet auf seine hervorgehobene Stellung und wird Einsiedler oder etwas Ähnliches: Methode des Buddha.
Zweiter Vorschlag: Er nimmt von seinem Reichtum nur so viel mit, wie er unbedingt für die beiden nächsten Jahre zum Leben braucht, erlernt ein Handwerk und lebt dann von seiner Hände Arbeit; die Diktatur wandelt er durch kluge Maßnahmen in eine Demokratie um: Kombination der Methode des Schwaben in Hebels Erzählung „Kannitverstan“ und der Beendigung der Diktatur in Spanien, Südafrika usw. – mit vielen Problemen verbunden!
Dritter Vorschlag: Er fährt nach Mexiko. Nairobi oder Kalkutta und lebt dort einen Tag in den Slums; er verdient seinen Unterhalt, indem er auf den Müllkippen nach brauchbaren Resten in den Abfällen der Reichen sucht. Dann fragt man man den Dionysius, wie ihm das Leben als Armer gefällt: Methode der Simone Weil (+ 1943, Selbstmord), des Charles de Foucauld (+ 1958, ermordet)

Was lernen wir aus meinen drei Vorschlägen? Womit man zufrieden sein kann, ist eine Frage der Perspektive. Ich möchte niemanden zur Unzufriedenheit reizen; aber man sollte sich auch nicht mit erbaulichen Geschichten zur Zufriedenheit verführen lassen, wenn einem die Lebensmittel fehlen.

Was habe ich gelernt? Dass vom „Damoklesschwert“ heute nicht in dieser engen Bedeutung gesprochen wird.
* „Doch Vorsicht: Das Schwert des Damokles schwebt über deinem Kopf – das heißt, dass die Glückssträhne bald zu Ende sein kann. (…) Man kann sich also nie sicher sein, dass alles gut weiterläuft – und spricht deshalb auch heute noch vom Damoklesschwert, dass über den Köpfen der Menschen schwebt.“ (geolino)
* Die Redensart geht auf eine Erzählung Ciceros zurück: Einst rühmte Damokles, ein Höfling des Tyrannen von Syrakus (Dionys der Ältere 405-367), seinen König als den glücklichsten aller Sterblichen. Dieser wollte ihm eine Lehre über das wirklich gefahrvolle Leben eines Mächtigen erteilen und bot ihm das vermeintliche Glück an. (…) Daher wurde das „Damoklesschwert“ sprichwörtlich für die im Glück stets drohende Gefahr! (blueprints)

Sich seine Lehrer suchen

Dass man sich seine Lehrer selber suchen muss, habe ich erst spät verstanden; dieser Tage habe ich aber wieder einmal erfahren, wie richtig die Forderung ist: „Suche dir deine Lehrer selber!“

Der Sinn dieser Forderung ist mir aus der Lektüre Nietzsches aufgegangen (Morgenröte, 1881): „In der Jugend nimmt man seine Lehrer und Wegweiser aus der Gegenwart und aus den Kreisen, auf welche wir gerade stoßen: wir haben die gedankenlose Zuversicht, daß die Gegenwart Lehrer haben müsse, die für uns mehr als für jeden anderen taugen, und daß wir sie finden müssen, ohne viel zu suchen. Für diese Kinderei muß man später hartes Lösegeld zahlen: man muß seine Lehrer an sich abbüßen. Dann geht man wohl nach den rechten Wegweisern suchen in der ganzen Welt herum, die Vorwelt eingerechnet, – aber es ist vielleicht zu spät. Und schlimmstenfalls entdecken wir, daß sie lebten, als wir jung waren, – und daß wir uns damals vergriffen.“ (Nr. 495)
Dieses Abbüßen habe ich am eigenen Leib erlebt: Beginn des Zweitstudiums mit 30, auf den Tag genau – zur Korrektur einer verfehlten Berufsentscheidung, die unter dem Einfluss von Mutter / Pastor / „Gott“ / Religionslehrer zustande gekommen war. Ich danke X dafür, mich zu diesem Korrekturschritt ermutigt zu haben.

Dieser Tage ist mir erneut aufgegangen, wie wichtig es ist, sich nach den richtigen Lehrern umzuschauen. Ich habe W. Schmidt: Grundfragen der deutschen Grammatik, 4. Aufl. 1973, mit Begeisterung gelesen, habe manches daraus gelernt, habe mir dann H. Brinkmann: Die deutsche Sprache, 2. Aufl. 1971, gekauft (ein Klassiker, auf den Schmidt sich bezieht, wenn auch nur auf die 1. Auflage 1962) – und ich frage mich: Warum habe ich das alles in meinem Zweitstudium ab 1972 nicht gefunden? Dabei habe ich in Aachen am Lehrstuhl Glinz „Linguistik“ studiert!
Zum Teil weiß ich, warum ich diese großen Bücher-Lehrer damals nicht gefunden habe: 1. Das Zweitstudium lief nebenher, vormittags musste ich als Lehrer arbeiten; 2. die Tutoren in Aachen waren Studenten: Bremerich und Albert Esser, und die beiden konnten mir das offensichtlich nicht nahebringen – konnten mir nicht zeigen, dass es da spannende Fragen zu klären gibt. Na, und ich wollte halt auch nur meine Verpflichtungen erfüllen und schnell durchkommen, war meistens noch eifriger als viele meiner Kommilitonen, die zum Studieren nicht von Mönchengladbach nach Aachen fahren mussten und sich freuten, wenn eine Veranstaltung ausfiel.

Gelegentlich finde ich heute in den Kommentaren zu meinen Beiträgen bei kulando.de oder bei wordpress.com Schüler, die einen Lehrer suchen – aber sie sind selten; viele wollen nur einen guten Text lesen, viele wollen bloß abschreiben. Deshalb möchte ich Carolin lobend hervorheben, die wirklich einen Lehrer sucht – den Nachnamen verrate ich nicht, aber ich finde das toll, Caro, wie du zu lernen versuchst!

Literarisches Schreiben – Anleitung

Hier lernt man angeblich das literarische Schreiben: http://www.christian-von-kamp.de/Literatur/DiedreiSaeulendesliterarischenSchreibens.pdf

Weitere (kleinere) Beiträge:

https://www.lmz-bw.de/fileadmin/user_upload/Medienbildung_MCO/fileadmin/bibliothek/krier_kreatives/krier_kreatives.pdf (Renate Krier)

https://www.uni-due.de/imperia/md/content/prodaz/kreatives_schreiben.pdf

http://www.3b-infotainment.de/unterricht/schreiben1.htm

http://www.schriftsteller-werden.de/kreatives-schreiben/wie-du-einen-roman-schreibst-die-schneeflocken-methode-1/

(http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/Produkt/index.shtml Klaus Dautel)

http://upload-magazin.de/blog/749-kreatives-schreiben-1-garantiert-texte-erstellen-dank-clustering/

http://m.schuelerlexikon.de/deu_abi2011/Kreatives_Schreiben_Einfuehrung.htm (Lexikon)

http://www.theaterwerkstatt-heidelberg.de/uploadverzeichnisse/downloads/Kreatives_Schreiben_M_Falkenberg.pdf (eine Arbeit über kreatives Schreiben)

http://www.lehrerfreund.de/schule/1s/kreatives-schreiben/2405 (Linkliste)

https://de.wikibooks.org/wiki/Literarisches_Schreiben

http://www.berlinerzimmer.de/eliteratur/kreativesschreiben.htm

http://www.anleitung-zum-schreiben.de/schreiben-lernen/literarisches-schreiben/

http://iak-talente.de/werkzeuge/ (da muss man zahlen)

http://www.taniakonnerth.de/kreatives-schreiben/ (dito);

und natürlich die Beiträge meiner Kategorie https://norberto68.wordpress.com/category/schreiben-produktiv/

Es gibt ganz viele Kurse und viele Bücher und Lutz von Werder, der allein viele Bücher schreibt…

Produktiv: Gedichte schreiben à la Enzensberger

Gelegentlich schreibt (resp. schrieb) Enzensberger Gedichte nach folgendem Muster (die Strophengrenzen markiere ich durch Kursivschrift, anders geht es hier nicht):

Innenleben

Es schmilzt uns es blutet es lacht uns im Leibe

Wir tragen es auf der Zunge

Wir schütten es aus

Wir machen ihm Luft

Wir grüßen von ihm

Wir essen es in Aspik

Es ist steinern es ist weich

golden hart brennend gespickt

halb leicht tief gut oder schwer

gebraten gebrochen erweitert verfettet

Wir bringen etwas darüber und tragen etwas darunter

Wir legen die Hand darauf

Wir schließen etwas darin ein

Wir drücken etwas daran

Wir nehmen uns etwas dazu

Wir hängen es an etwas hin

Es hat Klappen Blätter und Damen

Es hat Fehler Schläge Gründe Beutel und Gruben

Anfälle Kammern und Lüste

Wir lassen uns etwas daran wachsen

und etwas darein schneiden

und etwas daran greifen

Ein Stein fällt uns davon herunter

Wir machen eine Mördergrube daraus

Wir haben es auf dem rechten Fleck

Es dürfte nicht schwer sein, nach diesem Schema auch Schüler Gedichte schreiben zu lassen: Redewendungen zu einem bestimmten Stichwort sammeln und geordnet aufreihen. Ich gebe aber zu, dass ich nicht der erste bin, der diese Idee hatte: https://deutschunterlagen.files.wordpress.com/2014/12/enzensberger-innenleben-artmann-herz.pdf

Diese Sammlung kann man auch für lingustische Untersuchungen nutzen (Wörterbucharbeit, sich notfalls aus dem Wörterbuch weitere Anregungen für Redewendungen holen…); vgl. auch Enzensbergers Gedichte „Unterschrift“, Einführung in die Handelskorrespondenz“, „Wunschkonzert“ oder „Lied von denen auf die alles zutrifft und die alles schon wissen“.

Vgl. Enzensbergers „Einladung zu einem Poesie-Automaten“

Namen der Wochentage

Erklärung nach Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Aufl. 2002:

Die Wochentage wurden in der Antike mit den Namen der Planeten benannt, die mit denen der zugeordneten Götter übereinstimmten. Von den Germanen wurde diese Namengebung übernommen, wobei aber entsprechende einheimische Götter eingesetzt wurden.

Sonntag, mittelhochdeutsch sunne(n)tac, suntac, althochdeutsch sunnuntag – übersetzt aus lat. dies solis, dieses wiederum aus griech. heméra helíou. Die Lehnübersetzung ist alt (vor dem 4. Jh.), weil im 4.Jh. der christliche Name dominicus dies (Tag des Herrn, wird zu franz. dimanche) eingeführt wurde. [Sonntag war in Rom der erste Wochentag! Bei uns ist seit dem 1. Januar 1976 der Montag als erster Wochentag amtlich festgelegt.]

Montag, mhd. mantac, eine Lehnübersetzung aus lat. dies lunae (Tag des Mondes bzw. der Luna), das seinerseits aus griech. hemera selenes übersetzt ist.

Dienstag, lat. dies martis; mit dem römischen Gott Mars wurde der german. Gott *Teiwa gleichgesetzt. Dazu gehört altnord. tysdagr, ahd. ziestag. Stattdessen wurde am Niederrhein mittelniederdt. dingesdach, dinsedach gebraucht, nach einem germanischen Gott Mars Thingsus, von dem aber sonst nichts bekannt ist.

Mittwoch, ahd. mittitag, mhd. mitt(en)tac, mittertag; wenn man mit dem Sonntag zu zählen beginnt, ist der Mittwoch der vierte (mittlere) Tag.

Donnerstag, im Lat. dem Jupiter geweiht (Iovis dies), der durch den Donner- und Wettergott Donar ersetzt wurde; ahd. donarestag, mhd. donerstac, dunrestac.

Freitag, mhd. vritac, ahd. fri(j)atag; eine Nachbildung des lateinischen Veneris dies, wobei Venus der germanischen Freia gleichgesetzt wurde.

Samstag, mhd. sam(e)ztac, ahd. sambaztag,samiztag. Entlehnt aus dem lat. sabbatum, das auf dem hebr. schabbat beruht. Der Samstag ist der einzige Tag, in dessen Name kein germanischer Gott auftaucht. Vielmehr ist mit Saterdag das lat. Saturni dies entlehnt; außerdem ist mit Sonnabend eine germanische Bezeichnung eingeführt.

Sonnabend, mhd. sun(nen)abent, ahd. sunnunaband, sunnunabund; eigentlich „Vorabend des Sonntags“, so im östlichen Mittel- und in Norddeutschland.

Das Pfeifer’sche Wörterbuch („Etymologisches Wörterbuch des Deutschen“) können Sie mit seinen Erklärungen im DWDS finden.

http://www.uni-bielefeld.de/lili/personen/useelbach/STUD/wochentage.pdf Namen der Wochentage und Monate (u.a.)

http://www.wissen-info.de/kalender/wochentage.php Wochentage

http://www.ura-linda.de/buecher/wochentag2.pdf Wochentagsnamen im germanischen Vergleich (Vorlesung 2002, solide)

http://www.nornirsaett.de/gottliche-wochentage/ „Göttliche Wochtentage“ – sehr ausführlich!

http://www.kms16.at/html/wochentage.htm (mit Ausflug in andere Sprachen)

http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/7sprv/woche.htm (dito, sehr ausführlich)

http://www.zeno.org/Goetzinger-1885/A/Wochentage Reallexicon der Dt. Altertümer, 1885

http://www.stupidedia.org/stupi/Wochentag mehr oder weniger witzige Pseudoerklärung

Deutsche Sprachgeschichte – Links

Sprachgeschichte:

http://www.home.uni-osnabrueck.de/stroestermut/ringvorlesung_sprachgeschichte.pdf (Grundbegriffe: Folien zu einer Vorlesung, entsprechend knapp)

http://www.christianlehmann.eu/ling/wandel/index.html (Theorie des Sprachwandels, systematisch)

http://www.linguistik-online.uni-kiel.de/sprachwandel/sprachwandel_I.htm (Sprachwandel, knapp)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/prinzipien-der-sprachgeschichte-2742/1 (H. Paul: Prinzipien der Sprachgeschichte, 1920)

Deutsche Sprachgeschichte:

http://www.linse.uni-due.de/linkolon/sprachgeschichte/flash/sprachgeschichtestart.html (knapp)

http://www.linguist.de/Deutsch/gdsmain.html (Jan Wohlgemuth: knapp, aber sehr differenziert)

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprachgeschichte (ausführlich, die Teilabschnitte sind unterschiedlich gut)

http://www.linguistik-online.uni-kiel.de/germanistik_I.htm (Zusammenstellung fremder Materialien; das beste ist von Bünting: http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-10178/index.html)

http://www.stefanjacob.de/Geschichte/Unterseiten/Sprachgeschichte.htm (relativ knappe Übersicht)

http://www.linguistics.ruhr-uni-bochum.de/~strunk/Deutsch/ (Quellentexte, v.a. Althochdeutsch)

http://titus.uni-frankfurt.de/personal/mittmann-dateien/deutsche_sprachgeschichte_13_4.pdf (29 Folien)

http://wwwuser.gwdg.de/~msteinb/kegli/k13/k13loesungen.pdf (skizzenhaft, anspruchsvoll: Aufgaben zu einer Vorlesung/Übung)

http://www.univie.ac.at/iggerm/files/mitschriften/Sprachgeschichte-Ernst-SS11.pdf (Mitschrift einer Vorlesung? Mit wissenschaftsgeschichtlichen Aspekten)

http://www.wifa.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/itvwl-vwl/MIKRO/Lehre/VWL_fuer_Juristen/Borsdorf2011_l.pdf (ABs zu einer Vorlesung?)

http://www.baer-linguistik.de/beitraege/sprachgeschichte.pdf (J. A. Bär: ein Abriss; ähnlich http://www.baer-linguistik.de/sprachgeschichte/germanisch.htm)

https://archive.org/stream/diedeutschespra01behagoog#page/n2/mode/2up (Behagel: Die deutsche Sprache, 2. Aufl. 1902)

https://archive.org/stream/deutschesprachg00kluggoog#page/n7/mode/2up (Kluge: Deutsche Sprachgeschichte, 1920)

http://www.ippsch.de/database/altdeutsch.pdf (P. P. Schweitzer: Altdeutscher Wortschatz. Ein sprachgeschichtliches Wörterbuch)

http://www.mediaevum.de/sprachgeschichte.htm (Links)

http://home.edo.tu-dortmund.de/~hoffmann/Biblios/Sprachgeschich.html (Literaturverzeichnis)

Germanische Sprachgeschichte:

http://www.sprachgeschichte.ag.vu/ (Links)

Burnout bei Kindern?

Der Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort hat ein Buch „Burnout-Kids – Wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert“ (München 2015) geschrieben und steht deshalb bevorzugt als Gesprächspartner zur Verfügung; der Deutschlandfunkt hat sich des Themas angenommen:

http://www.deutschlandradiokultur.de/burnout-bei-schuelern-erschoepfte-gesellschaft-erschoepfte.970.de.html?dram:article_id=320628

http://www.deutschlandradiokultur.de/burnout-bei-kindern-die-symptome-der-erschoepfung-sind.1008.de.html?dram:article_id=313018

http://www.deutschlandfunk.de/leistungsdruck-bei-schuelern-schulpsychologen-werden-immer.680.de.html?dram:article_id=306316 (mit weiteren Links)

Eignungstest für Lehrer

Wie ein Blick in die Presse zeigt, gibt es bereits Eignungstests für den Lehrerberuf, und zwar gleich mehrfach:

http://www.welt.de/wissenschaft/article9157394/Haetten-Sie-das-Zeug-zum-Muster-Lehrer.html (BW)

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article108634759/Gute-Lehrer-duerfen-kein-Zufall-sein.html

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/lehrer-test-casting-im-klassenraum-a-838190.html (Passau)

http://www.sueddeutsche.de/bayern/eignungstest-fuer-angehende-lehrer-paedagogen-parcours-in-passau-1.1796363

http://diepresse.com/home/bildung/universitaet/3863392/Aufnahmetest-fur-Lehrer_Durchfallen-ist-unmoglich (Österreich)

http://www.hr-online.de/website/radio/hr1/index.jsp?rubrik=67249&key=standard_document_52109259

http://www.sueddeutsche.de/bildung/lehramtsstudium-aussuchen-statt-ausbrennen-1.2467149

Und das sagen die Leute dazu:

http://www.sueddeutsche.de/bildung/ihr-forum-brauchen-wir-eignungstests-fuer-lehrer-1.2469186

Die Vielzahl der Bemühungen an verschiedenen Orten und in mehreren Ländern zeigt, dass es offensichtlich nötig ist, dass angehende Lehrer sich prüfen und beraten lassen, ob sie für den Beruf geeignet sind – die Realität zeigt ja, dass viele als Lehrer eingestellte Mitmenschen eben nicht für den Beruf taugen. Zu ihrem Nutzen und zu dem ihrer Schüler hätte man besser vorher genauer auf ihre Eignung geschaut.

Ich würde gerne den Gedanken ausweiten und fragen, ob man nicht auch die künftigen Schulleiter und die betroffenen Minister und Staatssekretäre auf ihre Eignung prüfen sollte bzw. müsste – bisher werden politisch relevante Ämter ja nach anderen Kriterien als dem der Eignung vergeben, z.B. nach Beziehungen (neudeutsch Vernetzung), nach dem Regionalproporz, früher dem Konfessionsproporz, in Parteien nach dem Flügelproporz…

Praktische Hilfen (Test, Beratung) bieten

https://www.zlb.uni-freiburg.de/derlehrerberuf (mit vielen Links)

http://www.km.bayern.de/lehrer/lehrerausbildung/eignungstests.html

http://www.bw-cct.de/selbsttest.php

http://www.cct-germany.de/

http://bildungswissenschaften.uni-saarland.de/personal/jacobs/diagnostik/tests/free/beil.htm

http://www.vbe.de/angebote/potsdamer-lehrerstudie/fit-fuer-den-lehrerberuf.html

http://www.uni-marburg.de/fb21/studium/studiengaenge/la-egl/studium/studienanforderungen/testzumlehrerberuf

http://www.studienwahltest.de/62,1,1003,lehraemter.html u.a.

Das passende Suchwort ist „Eignungstest für den Lehrerberuf“.