Was ist der Plot?

Es „ist mit dem Begriff Plot erzählerisch strukturierte Handlung gemeint. Auch der Plot besteht also nur aus den Teilen der Handlung, die erzählt werden. Anders als die Fabel ist der Plot aber nicht nur eine Reihe erzählter Ereignisse, sondern er beinhaltet gleichzeitig deren gleichermaßen kausale wie kunstvolle (mit künstlerischen Mitteln gestaltete) Verknüpfung. Einen Plot gibt es also (zumindest in diesem Sinne) nur dort, wo Handlung mit einer bestimmten Wirkungsabsicht so gestaltet wird, dass eine kausale Ereigniskette entsteht (kausal = Ursache – Wirkung bzw. Aktion – Reaktion).“ (https://lektorphilipp.wordpress.com/tag/literaturwissenschaft/)

Links zur Klärung des Begriffs „Plot“:

http://www.fernuni-hagen.de/EUROL/termini/welcome.html?page=/EUROL/termini/9130.htm (Definition, Abgrenzung von story)

https://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/epik/histdisc.htm (ähnlich: die Begriffe)

http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/hilfsmittel/glossar.asp?letter=H (Definition: „histoire“ als Leitbegriff)

http://www.db-thueringen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-2063/4._Narratolog_sche_Konzepte.pdf (Zusammenhängende Darstellung: Narratologische Konzepte von Erzählung)

http://www.literaturjournal.de/2012/08/22/handlungsstrukturen/ (Typen von Handlungsstrukturen)

http://de.wikipedia.org/wiki/Handlung_%28Erz%C3%A4hlkunst%29 (Typen von Handlungsstrukturen, Nähe zum Begriff „Motiv“)

http://de.wikibooks.org/wiki/Literarisches_Schreiben (dort: Fach IV, Typen)

http://www.rossipotti.de/inhalt/literaturlexikon/sachbegriffe/plot.html

http://wortwuchs.net/plot/

http://www.dsfo.de/dsfopedia/index.php/Plot (fürs Schreiben)

http://www.hyperwriting.de/loader.php?pid=259 (fürs Schreiben)

Didaktik: Literatur für Jugendliche von 12 – 19

Auf der Website http://de.literaryframework.eu/home.html gibt es einen „Referenzrahmen Literatur“, der so vorgestellt wird:

Diese Website richtet sich an Deutschlehrkräfte und andere Interessierte, die sich mit dem Literaturunterricht der Sekundarstufen (für Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren) in Europa beschäftigen.

Unser Referenzrahmen Literatur beschreibt im Kontext der Sekundarbildung Niveaus der literarischen Entwicklung. Wir unterscheiden:

Er beinhaltet:

  • Übersichten literarischer Kompetenzniveaus von Schüler/Innen
  • Übersichten der Eigenschaften, die Bücher für bestimmte Niveaus auszeichnen
  • für jedes Niveau eine Liste mit Buchempfehlungen
  • Übersichten didaktischer Hilfestellungen in der Zone der nächsten Entwicklung, die eine literarische Entfaltung der Schüler und Schülerinnen fördern
  • Didaktische Analysen empfohlener Texte (Buch-Scans)

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Dieser Rahmen ist für sechs europäische Länder erarbeitet worden – ich kann allen Kollegen nur empfehlen, sich mit diesem Rahmen zu beschäftigen und von ihm anregen zu lassen.

Studie ICILS: Computer- und informationsbezogene Kompetenzen

Am Freitag, 21. November 2014, berichtete die SZ unter der Überschrift „Alte Schule. Achtklässler liegen mit ihren Computer-Kompetenzen international nur im Mittelfeld“ (I. Alwardt und R. Preuss, S. 5) über Ergebnisse der Studie Icils 2013. Für mich der entscheidende Satz: „Nur 1,5 Prozent der deutschen Achtklässler erreichen die höchste Kompetenzstufe, das heißt, sie finden sich allein in der digitalen Welt zurecht und können Inhalte eigenständig kritisch hinterfragen.“

Als Gründe werden genannt:

  • die mangelnde Ausbildung vieler Lehrer im Umgang mit den neuen Techniken,
  • die magere Ausstattung vieler Schulen (im Klassenraum kommen durchschnittlich über 11 Schüler auf einen Computer),
  • das Design des Lehrplans (Schattendasein des Fachs Informatik).

Nun bezweifle ich, dass man im Fach Informatik die Kompetenzen der höchsten Stufe erlernt: Da lernt man, wie die Maschine Computer funktioniert, aber nicht, wie man mit ihr arbeitet – aber das ist wieder eine andere Frage. Elementarer scheint mir, dass man in allen Fächern den Wissenserwerb und den kritischen Umgang mit den eigenen Meinungen, mit dem Wissen des Lehrers und der Lehrbücher trainieren könnte [keine einzige Klasse hat zunächst verstanden, wenn ich einen Fehler ausdrücklich als „ein schöner Fehler!“ gelobt habe – schön deshalb, weil man an ihm exemplarisch zeigen konnte, wo und warum das Verstehen in die Irre ging]; viel zu oft sind Lehrer jedoch froh, wenn Schüler überhaupt „etwas“ lernen, wenn sie überhaupt „Ergebnisse“ vorweisen [wozu auch didaktische Moden und die Verherrlichung der Gruppenarbeit beitragen], und seien sie auch durch „copy & paste“ beschafft und dementsprechend unverstanden. Aber wer will das den Lehrern verdenken, wenn sie 25-30 Kinder vor sich haben (inzwischen auch noch die Inklusionskinder, und zwar ohne ausreichende Unterstützung durch Fachleute!) und wissen: Die nächste Klassenarbeit kommt bestimmt? Viele Lehrer kommen selber nicht über „coppy & paste“ hinaus, muss man ehrlicherweise zugestehen… was auch eine Frage der Bezahlung (und der Stundenzahl) und der Berufswahl ist – warum sollten Spitzenkräfte als Lehrer bei einem Gehalt von A 12 oder A 13 mit 25 Wochenstunden in die Schule gehen?

Studie ICILS

http://www.bmbf.de/de/17893.php Bericht

http://ifs-dortmund.de/assets/files/icils2013/ICILS_2013_Berichtsband.pdf (Berichtband)

http://www.bmbf.de/de/25291.php (Kurzfassung)

https://kw.uni-paderborn.de/institute-einrichtungen/institut-fuer-erziehungswissenschaft/arbeitsbereiche/prof-dr-birgit-eickelmann/forschung/projekt-icils-2013/ (Projektbeschreibung)

http://ifs-dortmund.de/icils2013-projektbeschreibung.html (Projektbeschreibung) IEA

http://ifs-dortmund.de/icils-cil.html (die Computer- und informationsbezogenen Kompetenzen)

http://www.iea-dpc.de/de/studien/aktuelle-studien/icils-2013.html

Presseberichte (Auswahl)

http://www.tagesspiegel.de/wissen/icils-studie-zu-it-kompetenzen-von-schuelern-deutsche-achtklaessler-im-digitalen-mittelfeld/11005980.html

http://www.wiwo.de/erfolg/campus-mba/icils-studie-maedchen-koennen-besser-mit-dem-internet-umgehen/11007346.html

http://www.deutschlandfunk.de/icils-studie-deutsche-schueler-bei-computerkompetenz-im.680.de.html?dram:article_id=303841 (Interview Brinkmann/Bos)

http://www.stern.de/familie/kinder/icils-studie-lehrer-beschweren-sich-ueber-mittelalterliche-ausstattung-der-schulen-2154340.html

http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/iclis-studie-zu-computer-faehigkeiten-deutschland-hinkt-hinterher-a-1004079.html

http://www.bildungsspiegel.de/bildungsnews/news/2770-internationale-bildungsstudie-icils-misst-computerkompetenzen.html

http://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2014-11/digitale-medien-unterricht-schule (Interview Eickelmann)

https://www.freitag.de/autoren/heinz777/abgehaengt-schon-in-der-schule (mit Diskussion der Leser)

http://www.die-stadtredaktion.de/2014/11/rubriken/gesellschaft/bildung/icils-studie-die-copy-und-paste-nation/

http://www.news4teachers.de/2014/11/der-icils-schreck-deutsche-schueler-bei-computer-kompetenzen-international-nur-im-mittelfeld/ (mit Diskussion von Lehrern)

http://www.pnn.de/politik/912542/

http://sciencefiles.org/2014/11/20/arbeitsdrohnen-und-anleiter-noch-ein-leistungstest-bei-schulern/#comments (ein Blog)

http://2headz.ch/blog/studie-icils-2013-nicht-auf-die-haufigkeit-kommt-es-an/ (ein Blog)

http://www.kmk.org/presse-und-aktuelles/meldung/icils-2013-bewertet-computer-und-informationsbezogene-kompetenzen-der-schuelerinnen-und-schueler-in.html (KMK)

Dabei neue Medien entdeckt:

http://www.bildungsspiegel.de/

http://www.news4teachers.de/

Arbeitszeugnis: die Sprache des Bewertens

Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts hat wieder die Bedeutung der Formulierungen in Arbeitszeugnissen ins Bewusstsein gerufen: Eine Angestellte war mit ihrer Beurteilung durch den bisherigen Arbeitgeber nicht zufrieden; sie ist mit ihrer Klage in letzter Instanz gescheitert.

Beurteilungen (Bewertungen) in Arbeitszeugnissen sollen sowohl wohlwollend formuliert wie wahr sein – das ist eine letztlich unlösbare Aufgabe; weil die Aufgabe nicht lösbar ist, nehmen die Arbeitgeber zu Formulierungen Zuflucht, die schön („wohlwollend“) klingen, aber etwas anderes besagen. Wie das gemacht wird, kann man an folgenden Beispielen studieren:

http://arbeits-abc.de/formulierungen-im-arbeitszeugnis-und-ihre-bedeutung/ (Formulierungen zu den einzelnen Notenstufen)

http://www.arbeitszeugnisgenerator.de/ (Generator für Formulierungen zu einzelnen Notenstufen)

http://www.arbeitszeugnisse.de/arbeitszeugnis-formulierungen/geheimcode/beispiele-fuer-formulierungen/ (40 Formulierungen entschlüsselt)

http://www.stern.de/wirtschaft/job/arbeitszeugnis-was-hinter-den-formulierungen-wirklich-steckt-1656703.html (ab S. 2: Beispiele und Erläuterungen)

http://www.arbeitszeugnisse.de/arbeitszeugnis-formulierungen/geheimcode/formulierungen/ (die Verschlüsselungstechniken)

 

Solche Feinheiten der Bewertung sollten auch Schüler kennen; das Arbeitszeugnis ist etwas, das später für sie wichtig sein wird – wichtiger vermutlich als die politischen Reden, an denen man sonst eventuell die Sprache des Bewertens untersucht; wichtiger auch als die Sprache der Werbung, die nur Positives kennt und die man ohnehin leichter durchschaut.

Eine schöne produktive Übung: Positive Selbstdarstellung (etwa in Heiratsanzeigen) in ihrer negativen Wahrheit ausdrücken (umformulieren).

Weihnachten – neue Unterrichtseinheit

Bei lehrer-online ist heute eine neue Unterrichtseinheit von mir erschienen: Weihnachten hat viele Gesichter.

Sie ist für den Unterricht in den Fächern Religionslehre, praktische Philosophie (Ehtik) und Deutsch in der Sekundarstufe I konzipiert, für ca. 5-6 Stunden. Sie tritt neben die Einheit Pfingsten – die Gründung des Christentums, auch in diesem Jahr erschienen. Im kommenden Jahr erscheinen noch UE zu Ostern, Himmelfahrt und Fronleichnam.

 

Gedichtanalyse – verfehlte Aufgabenstellung (Beispiel)

Dieser Tage erreichte mich ein Hilferuf per mail: „Vielleicht können Sie mir helfen. Ich muss für die Schule (ich besuche die 10. Klasse einer bayrischen Realschule) herausfinden, in welcher Epoche das Gedicht ‚Gemeinsam’ von Rose Ausländer geschrieben wurde und an welchen Merkmalen man dies erkennt. Für Nachkriegsliteratur war es meines Erachtens schon zu spät, ebenso für die Moderne. Aber für die Literatur der Gegenwart passen die Merkmale nicht. Bitte können Sie mir helfen. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.“

Da ich das Gedicht nicht kannte, habe ich es im Netz gesucht und gefunden: http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/frauenarchiv/gedicht/gedichte/auslaender_gemeinsam.html Dort ist auch gleich im Titel die Entstehungszeit angegeben: 1977/79. Aber welche Epoche ist das?

Ich habe mich um eine kurze Analyse und eine Antwort für die Fragestellerin J. aus Bayern bemüht:

„reimlos;

Bedeutung des Zeilenschnitts;

Widerspruch der geteilten/ungeteilten Welt: die ungeteilte als Hoffnung, die geteilte als Erfahrung, mit der Mahnung ‘Vergesset nicht’ und der Beschwörung der Gemeinsamkeit -> verweist evtl. auf Zeit des Kalten Krieges, der NATO-Nachrüstung (gegen russische SS20-Raketen) in den 70er Jahren“.

An formalen Merkmalen kann ich keine Epoche erkennen, höchstens eine Datierung „nach Brecht“ vornehmen. Ohne die Zeitangabe im Titel würde ich aber auch keine bestimmte Entstehungszeit erkennen können – erst mit dieser Zeitangabe kann ich einen potenziellen zeitgeschichtlichen Hintergrund des Gedichtes benennen. Wegen der großen Harmlosigkeit der Gemeinsamkeiten bzw. der traditionellen Vorstellungen (gemeinsam reisen, Berge besteigen, Himbeeren pflücken, sich von den vier Winden tragen lassen) könnte ich noch auf eine Frau aus der Friedensbewegung als Verfasserin tippen.

So, und jetzt meine Frage an die verehrte Kollegin aus Bayern, Lehrerin an der Realschule (ich unterstelle einmal, dass es eine Kollegin ist): Was soll die Aufgabenstellung leisten (an Merkmalen des Gedichts eine „Epoche“ erkennen – welche denn?) und wie sollen die armen Schüler dafür eine vernünftige Antwort finden? Die Aufgabenstellung taugt nur dafür, dass man (und frau) ab sofort weiß: Eine solche Aufgabenstellung ist dämlich; anhand dieser Aufgabenstellung und der Verzweiflung der Schüler angesichts der Aufgabenstellung kann man den Schülern nur zeigen, dass diese Aufgabenstellung verfehlt ist. Auch das ist eine Einsicht.

Mein Gott, den es vermutlich nicht gibt, wenn ich in der mail schon lese: Merkmale der Nachkriegsliteratur, Merkmale der Gegenwartsliteratur – wozu müssen die armen Würstchen in der 10. Klasse Wörter für solche „Merkmale“ auswendig lernen? Wie wäre es, wenn sie stattdessen Freude an Gedichten fänden und sie verständen, eventuell auch als naiv verwerfen könnten?

Inklusion: „Inklusive Missverständnisse“

Unter diesem Titel hat der emeritierte Professor für Sonderpädagogik Otto Speck einen wichtigen Aufsatz geschrieben (SZ vom 21.10.2014, S. 12). Die Pointe ist die, dass dem deutschen „Gesetz zu dem Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ (2008) ein Missverständnis zugrunde liegt: Dort wird Inklusion als Abschaffung der Sonderschulen verstanden; der englische Ausdruck „general education system“ wurde jedoch fälschlich mit dem deutschen Begriff der „allgemeinen Schulen“ (im Unterschied zu Sonderschulen) gleichgesetzt. Dem UN-Text mit der Forderung, alle Kinder am general education system teilnehmen zu lassen, liegt jedoch die Tatsache zugrunde, dass ca 25.000.000 Kinder im Primärschulalter mit Behinderung überhaupt keine Schule besuchen (und nicht: dass sie in Sonderschulen gefördert werden). Das bestehende deutsche Bildungssystem mit seinen Förderschulen könne also formal durchaus als ein „inklusives“ angesehen werden.

Die Improvisation von Inklusion, wie sie derzeit betrieben wird, führe bloß zu Benachteiligung der betroffenen Kinder. Ein pädagogisch substanziell ausgebautes System schulischer Inklusion (als Normalfall, mit einigen Sonderschulen) koste mehr als doppelt so viel wie das Förderschulsystem – von diesen Mehrkosten wolle aber noch niemand so recht etwas wissen.

Der Hebel sei beim „Ausbau eines hochwertigen gemeinsamen Unterrichts an den Regelschulen“ anzusetzen; erst dadurch lasse sich die Förderschulbesuchsquote spürbar senken.

(Otto Speck hat das Buch „Schulische Inklusion – Rhetorik und Realität“ geschrieben, das 2011 in 2. Auflage erschienen ist.)

P.S. Vor zwei Wochen hörte ich von einem Fall, dass ein Kind blind und taub ist, in einem Rollstuhl sitzt und eine Magensonde hat – die Eltern haben durch Klage erreicht, dass dieses Kind in die Grundschule aufgenommen wird. Aber die Grundschule hat keinen Betreuer für dieses Kind bekommen: Was macht die Lehrerin mit diesem Kind (neben den 20 oder 25 anderen, die sie auch zu betreuen hat)? 15.03.15

Sammlungen digitalisierter Bücher

In den letzten Tagen habe ich versucht, die deutschen Märchensammlungen des 19. Jahrhunderts zu finden, und zwar die Titel wie auch die Texte. Die Texte sind nämlich sämtlich gemeinfrei und fast immer im Internet digitalisiert greifbar. Ich habe dann versucht, außer meiner Standardquelle archive.org weitere Quellen digitalisierter Texte (neben zeno.org und gutenberg.de, die ich als bekannt voraussetze) zu finden. Das ist dabei herausgekommen:

https://archive.org

http://onlinebooks.library.upenn.edu

https://openlibrary.org/

http://www.digitalisiertedrucke.de/

http://www.hs-augsburg.de/~harsch/augustana.html

http://oaister.worldcat.org/advancedsearch

http://www.europeana.eu/portal/

http://www.deutschestextarchiv.de/ (Titel und Text im Korpus)

http://books.google.com/

Und hier sind einige wichtige Linksammlungen für ähnliche Quellen:

http://www.kisc.meiji.ac.jp/~mmandel/recherche/digitalisierung.html (Links)

http://www.hs-augsburg.de/mebib/opac/eldoc.html (Links)

http://de.wikisource.org/wiki/Digitale_Sammlungen (Links)

Wer weitere gute Seiten weiß, möge sie mir bitte mitteilen, per Kommentar hier oder per mail an norbert tiefstrich tholen ät web.de.

Leseförderung für gute Schüler – Idee

Bei meiner Beschäftigung mit deutschen Märchen und den entsprechenden Sammlungen kam mir eine Idee: Man könnte mit Schülern, die gut lesen können, einfache Texte in Fraktur-Schrift lesen.

Die Fraktur war bis nach 1900 die dominierende Schrift in Deutschland, und viele der heute digitalisierten Texte gibt es nur in Fraktur zu lesen. Damit Schüler jetzt oder später im Studium diesen großen Schatz nutzen können, könnten sie ganz nebenher lernen, in Fraktur gesetzte Texte zu lesen.

Ich habe einmal eine kurze Liste möglicher Texte für Schüler der Klassen 5/6 zusammengestellt:

Kinder- und Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Grimm, hrsg. durch Herman Grimm: Kleine Ausgabe 1890 https://archive.org/stream/kinderundhausmr07grimgoog#page/n6/mode/2up

Deutsche Märchen seit Grimm. Hrsg. von Paul Zaunert (1917) https://archive.org/stream/deutschemrchen00zaun#page/n9/mode/2up (Inhaltsverzeichnis: S. 413 ff.)

Schwänke aus aller Welt. Hrsg. von Oskar Dähnhardt https://archive.org/stream/bub_gb_SUg9AAAAYAAJ#page/n3/mode/2up

Deutsche Sagen. Hrsg. von den Brüdern Grimm (1816) https://archive.org/stream/Grimm-Jacob-und-Wilhelm-Deutsche-Sagen/GrimmJacobUndWilhelm-DeutscheSagen1816500S.ScanFraktur#page/n0/mode/2up (Inhalt S. XXVII)

Deutsche Sagen und Märchen. Hrsg. von Johann Wilhelm Wolf (1845) https://archive.org/stream/deutschemrchenu00wolfgoog#page/n12/mode/2up

J. W. Wolf: Niederländische Sagen (1843) http://www.zeno.org/M%C3%A4rchen/M/Niederlande/Johann+Wilhelm+Wolf%3A+Niederl%C3%A4ndische+Sagen

Rheinlands Sagen, Geschichten und Legenden. Hrsg. von Alfred Reumont, 1837 https://archive.org/stream/rheinlandssagen00reumgoog#page/n14/mode/2up (können natürlich durch die Sagen anderer Landschaften ersetzt werden!)

Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer. Von Karl Knortz, 1871 https://archive.org/stream/mrchenundsagend01knorgoog#page/n8/mode/2up

Das könnte im Zug einer inneren Differenzierung geschehen, aber auch evtl. in einer AG oder einem ähnlichen Angebot. Falls die Deutschlehrer nicht Fraktur lesen können: Grimm und Wolf gibt es auch in lateinischer Schrift, die kann man parallel lesen, dann lernt man, Fraktur zu lesen.

Die Suche nach digitalisierten Texten geht prima über https://archive.org.

Wer ähnliche Suchfunktionen kennt, sollte sie mir per Kommentar oder per mail mitteilen: norbert tiefstrich tholen ät web.de.

“Zigeunerin” – die Suchfunktion bei zeno.org

Dieser Tage las ich Bechsteins Märchen „Star und Badewännlein“ (in: Deutsches Märchenbuch, 1857). Darin erweist sich zum Schluss, dass eine Zigeunerin [darf man heute nicht mehr sagen, aber so steht es im Text] die Königstochter als kleines Kind gestohlen hatte; sie wird (zu Recht, denkt der biedere Märchenleser) vom Bruder der Geraubten getötet, indem er ihr sein Schwert durch die Ohren stößt; der Star singt zum Schluss:

„Der Zigeunerin tun die Ohren so weh,

Sie wird keine Kinder stehlen mehr!“

Als ich das las, fragte ich mich: Welches Bild gibt die Zigeunerin in der deutschen Literatur ab, und wie ist es zu diesem Bild gekommen? Die zweite Frage ist vermutlich schwer zu beantworten, die erste heute nicht mehr. Bei zeno.org gibt es eine Suchfunktion, da kann man „Nur in Literatur“ anklicken und sich zeigen lassen, in welchen Zusammenhängen (Texten) das Wort „Zigeunerin“ in der dort gespeicherten deutschen Literatur auftaucht. Ich drucke hier nur drei Beispiele ab:

 

Ludwig Ausbacher: Wie die sieben Schwaben von einer Zigeunerin sich wahrsagen lassen (aus: Ein Volksbüchlein, 1878/79)

Die sieben Schwaben hatten aber auf dem Wege dahin noch viele Abenteuer zu bestehen, woran sicher die Zigeunerin schuld war, die alte Hex’. Die saß nämlich außerhalb Kriegshaber an einer Staude am Weg, und kochte ein wunderliches Zeug durch einander. – Knöpfle sind’s einmal nicht, sagte der Knöpfleschwab, als er in den Kessel hinein guckte; und der Blitzschwab meinte gar, er sehe auf der schwarzbraunen Brüh statt Pfeffer und Schmalz, Mausdreck und Krötenaugen schwimmen, so daß es ihm fast den Magen im Leibe umkehrte. Der Spiegelschwab aber ging auf die Zigeunerin zu, und sagte: Alte Trampel! du mußt mir wahrsagen. Die besah ihm die Hand, und sagte:

Wer Weiberjoch auf sich muß tragen,

Hat wol von großer Noth zu sagen.

Die Blitzhex redet wahr, sagte der Spiegelschwab, und schob den Gelbfüßler hin. Dem lugte sie auch in die Hand, und sagte:

Einem, der ist übermannt,

Dem ist das Fliehen keine Schand’.

Die stichelt auf meine Stiefele, dachte er, und sie weiß, daß ich laufen kann. Da die beiden Gesellen mit der Wahrsagerin zufrieden zu sein schienen, so folgten auch die andern. Und zum Seehasen sagte sie:

Ein Ding man leget manchem vor,

Wenn man es thät, der wär ein Thor.

Zum Knöpfleschwaben sagte sie:

Was man erspart an seinem Mund,

Das frißt die Katze oder Hund.

Zum Nestelschwaben sagte sie:

Den Esel kennt man an den Ohren,

An der Red’ Weise und Thoren.

Zum Allgäuer sagte sie:

Der Wagen wird nicht wohl geführt,

Wenn Ochsen ungleich angeschirrt.

Bygost! sagte der Allgäuer, das hab’ ich selber schon oft erfahren, wenn ich hab’ Mist ausgeführt. Die Hex’ sieht einem, wägerle! durch das Herz. Der Blitzschwab aber, der tiefer in den Hafen geguckt, wollte mit der Heidin nichts zu schaffen haben, sondern stieß ihr vielmehr den Kessel um und ins Feuer, so daß dieses mit Prasseln auseinander gefahren und ausgeloschen ist. Die Zigeunerin aber, voller Zorn, rief ihm mit schätternder Stimme nach:

Jungfrau Lieb’ ist fahrend Hab’,

Heut »Herzliebster«, morgen »Schabab«.

Und so konnten denn die sieben Schwaben ihrem Schicksal nicht entgehen.

 

Ferdinand von Saar: Die Zigeunerin (1888)

 

Drängende Hast in wilder Geberde,

Gabe heischend mit thierischem Laut,

Steht sie vor mir, wie entwachsen der Erde,

Daß es in tiefster Seele mir graut.

 

Aus dem Antlitz mit grellem Funkeln

Schauen die Augen voll Gier und Trutz,

Um die Glieder, die schlanken, dunkeln,

Hängt es in Lumpen, starrend von Schmutz.

 

Doch so gewahr’ ich strotzende Brüste,

Feingeformt wie die schmale Hand,

Und durch die Hülle, die lose, wüste,

Dämmert der Hüfte schwellender Rand. –

 

Daß er zuletzt noch mit dir versöhne,

Brauner Unhold, verfehmtes Weib,

Weisest du achtlos in seiner Schöne

Sieghaften Zaubers den Menschenleib!

 

Hermann von Lingg: Die Zigeunerin (1905)

 

Sechzehn Jahr alt ist die kleine

Sittah, die Zigeunerin.

Wild wie sie tanzt keine, keine

Schwingt wie sie das Tamburin.

 

Kauernd an der alten Mauer

Vor des Mohrenkönigs Tor

Fand ich sie im Fieberschauer,

Und ich hob sie sanft empor.

 

Fliehe, sprach sie, geh vorüber,

Tödlich ist mein Fieberhauch!

Kind, erwidert’ ich, am Fieber,

Ach, am schlimmsten leid’ ich auch:

 

Liebe heißt es, dies verzehrend

Heiße Fieber; doch gesund

Küsse, mir nicht länger wehrend,

Küsse mich dein roter Mund. –

 

Die gleiche Suchfunktion bietet http://gutenberg.spiegel.de/; dort muss man nur darauf achten, dass man nicht beim SPIEGEL sucht, sondern die untere Suchfunktion von gutenberg.de erwischt; in den genannten Texten ist das gesuchte Wort dann gelb markiert. Die Suche bei gutenberg.spiegel.de bringt aber mehr Arbeit als die bei zeno.org, weil bei gutenberg.de auch zahlreiche ausländische Titel gespeichert sind und in die Suche einbezogen werden; wer sich also speziell für deutsche Literatur interessiert, muss die Ergebnisse dort stärker filtern – wer sich jedoch auch für ausländische Literatur (in deutscher Übersetzung!) interessiert, ist bei gutenberg.de besser aufgehoben. Aber auch bei zeno.org werden ausländische Werke der Weltliteratur präsentiert – filtern muss man je nach Suchauftrag also immer. Um auf die Zigeunerin zurückzukommen: Vielleicht ist die Frage nach dem Bild der Zigeunerin in der deutschen Literatur zu eng gestellt, vielleicht muss man die europäische Literatur beachten, wenn man ein vollständiges Bild erhalten will? Aber in Schule und Hochschule haben auch eingeengte Fragestellungen ihr Recht – man muss dann nur wissen, dass die Frage eng gestellt ist. Was praktisch nicht klappt, ist der Versuch, etwa die Verwendung des Wortes “Zigeunerin” bei Goethe zu untersuchen: a) Man weiß nicht, ob der ganze Goethe zum Suchen bereitgestellt wird; b) es gibt viele Nieten, bei denen irgendwie die Wörter “Goethe” und “Zigeunerin” zusammen vorkommen, ohne dass Goethe der Autor wäre.

Ich habe einen Test vorgenommen: “intellektuelle Redlichkeit” bei Nietzsche erforschen. Das Ergebnis war bei zeno.org.philosophie: “Nietzsche +Redlichkeit” 8 Ergebnisse, alle nicht von Nietzsche; “intellektuelle Redlichkeit” 19 Ergebnisse, davon 2 von Nietzsche. Bei gutenberg.de: “Redlichkeit +Nietzsche” 106 Ergebniss; “intellektuelle Redlichkeit” 116 Ergebnisse, davon die meisten nicht von Nietzsche; “intellektuelle Redlichkeit +Nietzsche” 36 Ergebnisse, davon 14 von Nietzsche. Fazit: In diesem Fall war gutenberg.de weitaus ergiebiger als zeno.org.

Eine ähnliche Suchfunktion gibt es bei http://www.deutschestextarchiv.de/.

Mit diesen Suchfunktionen gibt es also einige Möglichkeiten, bestimmte Themen (Stichwörter) in der gemeinfreien deutschen Literatur bis ins frühe 20. Jahrhundert zu untersuchen – man braucht nur etwas Geschick und Sitzfleisch sowie die Fähigkeit, gefundene Belege systematisch zu ordnen.