Sammlungen digitalisierter Bücher

In den letzten Tagen habe ich versucht, die deutschen Märchensammlungen des 19. Jahrhunderts zu finden, und zwar die Titel wie auch die Texte. Die Texte sind nämlich sämtlich gemeinfrei und fast immer im Internet digitalisiert greifbar. Ich habe dann versucht, außer meiner Standardquelle archive.org weitere Quellen digitalisierter Texte (neben zeno.org und gutenberg.de, die ich als bekannt voraussetze) zu finden. Das ist dabei herausgekommen:

https://archive.org

http://onlinebooks.library.upenn.edu

https://openlibrary.org/

http://www.digitalisiertedrucke.de/

http://www.hs-augsburg.de/~harsch/augustana.html

http://oaister.worldcat.org/advancedsearch

http://www.europeana.eu/portal/

http://www.deutschestextarchiv.de/ (Titel und Text im Korpus)

http://books.google.com/

Und hier sind einige wichtige Linksammlungen für ähnliche Quellen:

http://www.kisc.meiji.ac.jp/~mmandel/recherche/digitalisierung.html (Links)

http://www.hs-augsburg.de/mebib/opac/eldoc.html (Links)

http://de.wikisource.org/wiki/Digitale_Sammlungen (Links)

Wer weitere gute Seiten weiß, möge sie mir bitte mitteilen, per Kommentar hier oder per mail an norbert tiefstrich tholen ät web.de.

Leseförderung für gute Schüler – Idee

Bei meiner Beschäftigung mit deutschen Märchen und den entsprechenden Sammlungen kam mir eine Idee: Man könnte mit Schülern, die gut lesen können, einfache Texte in Fraktur-Schrift lesen.

Die Fraktur war bis nach 1900 die dominierende Schrift in Deutschland, und viele der heute digitalisierten Texte gibt es nur in Fraktur zu lesen. Damit Schüler jetzt oder später im Studium diesen großen Schatz nutzen können, könnten sie ganz nebenher lernen, in Fraktur gesetzte Texte zu lesen.

Ich habe einmal eine kurze Liste möglicher Texte für Schüler der Klassen 5/6 zusammengestellt:

Kinder- und Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Grimm, hrsg. durch Herman Grimm: Kleine Ausgabe 1890 https://archive.org/stream/kinderundhausmr07grimgoog#page/n6/mode/2up

Deutsche Märchen seit Grimm. Hrsg. von Paul Zaunert (1917) https://archive.org/stream/deutschemrchen00zaun#page/n9/mode/2up (Inhaltsverzeichnis: S. 413 ff.)

Schwänke aus aller Welt. Hrsg. von Oskar Dähnhardt https://archive.org/stream/bub_gb_SUg9AAAAYAAJ#page/n3/mode/2up

Deutsche Sagen. Hrsg. von den Brüdern Grimm (1816) https://archive.org/stream/Grimm-Jacob-und-Wilhelm-Deutsche-Sagen/GrimmJacobUndWilhelm-DeutscheSagen1816500S.ScanFraktur#page/n0/mode/2up (Inhalt S. XXVII)

Deutsche Sagen und Märchen. Hrsg. von Johann Wilhelm Wolf (1845) https://archive.org/stream/deutschemrchenu00wolfgoog#page/n12/mode/2up

J. W. Wolf: Niederländische Sagen (1843) http://www.zeno.org/M%C3%A4rchen/M/Niederlande/Johann+Wilhelm+Wolf%3A+Niederl%C3%A4ndische+Sagen

Rheinlands Sagen, Geschichten und Legenden. Hrsg. von Alfred Reumont, 1837 https://archive.org/stream/rheinlandssagen00reumgoog#page/n14/mode/2up (können natürlich durch die Sagen anderer Landschaften ersetzt werden!)

Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer. Von Karl Knortz, 1871 https://archive.org/stream/mrchenundsagend01knorgoog#page/n8/mode/2up

Das könnte im Zug einer inneren Differenzierung geschehen, aber auch evtl. in einer AG oder einem ähnlichen Angebot. Falls die Deutschlehrer nicht Fraktur lesen können: Grimm und Wolf gibt es auch in lateinischer Schrift, die kann man parallel lesen, dann lernt man, Fraktur zu lesen.

Die Suche nach digitalisierten Texten geht prima über https://archive.org.

Wer ähnliche Suchfunktionen kennt, sollte sie mir per Kommentar oder per mail mitteilen: norbert tiefstrich tholen ät web.de.

“Zigeunerin” – die Suchfunktion bei zeno.org

Dieser Tage las ich Bechsteins Märchen „Star und Badewännlein“ (in: Deutsches Märchenbuch, 1857). Darin erweist sich zum Schluss, dass eine Zigeunerin [darf man heute nicht mehr sagen, aber so steht es im Text] die Königstochter als kleines Kind gestohlen hatte; sie wird (zu Recht, denkt der biedere Märchenleser) vom Bruder der Geraubten getötet, indem er ihr sein Schwert durch die Ohren stößt; der Star singt zum Schluss:

„Der Zigeunerin tun die Ohren so weh,

Sie wird keine Kinder stehlen mehr!“

Als ich das las, fragte ich mich: Welches Bild gibt die Zigeunerin in der deutschen Literatur ab, und wie ist es zu diesem Bild gekommen? Die zweite Frage ist vermutlich schwer zu beantworten, die erste heute nicht mehr. Bei zeno.org gibt es eine Suchfunktion, da kann man „Nur in Literatur“ anklicken und sich zeigen lassen, in welchen Zusammenhängen (Texten) das Wort „Zigeunerin“ in der dort gespeicherten deutschen Literatur auftaucht. Ich drucke hier nur drei Beispiele ab:

 

Ludwig Ausbacher: Wie die sieben Schwaben von einer Zigeunerin sich wahrsagen lassen (aus: Ein Volksbüchlein, 1878/79)

Die sieben Schwaben hatten aber auf dem Wege dahin noch viele Abenteuer zu bestehen, woran sicher die Zigeunerin schuld war, die alte Hex’. Die saß nämlich außerhalb Kriegshaber an einer Staude am Weg, und kochte ein wunderliches Zeug durch einander. – Knöpfle sind’s einmal nicht, sagte der Knöpfleschwab, als er in den Kessel hinein guckte; und der Blitzschwab meinte gar, er sehe auf der schwarzbraunen Brüh statt Pfeffer und Schmalz, Mausdreck und Krötenaugen schwimmen, so daß es ihm fast den Magen im Leibe umkehrte. Der Spiegelschwab aber ging auf die Zigeunerin zu, und sagte: Alte Trampel! du mußt mir wahrsagen. Die besah ihm die Hand, und sagte:

Wer Weiberjoch auf sich muß tragen,

Hat wol von großer Noth zu sagen.

Die Blitzhex redet wahr, sagte der Spiegelschwab, und schob den Gelbfüßler hin. Dem lugte sie auch in die Hand, und sagte:

Einem, der ist übermannt,

Dem ist das Fliehen keine Schand’.

Die stichelt auf meine Stiefele, dachte er, und sie weiß, daß ich laufen kann. Da die beiden Gesellen mit der Wahrsagerin zufrieden zu sein schienen, so folgten auch die andern. Und zum Seehasen sagte sie:

Ein Ding man leget manchem vor,

Wenn man es thät, der wär ein Thor.

Zum Knöpfleschwaben sagte sie:

Was man erspart an seinem Mund,

Das frißt die Katze oder Hund.

Zum Nestelschwaben sagte sie:

Den Esel kennt man an den Ohren,

An der Red’ Weise und Thoren.

Zum Allgäuer sagte sie:

Der Wagen wird nicht wohl geführt,

Wenn Ochsen ungleich angeschirrt.

Bygost! sagte der Allgäuer, das hab’ ich selber schon oft erfahren, wenn ich hab’ Mist ausgeführt. Die Hex’ sieht einem, wägerle! durch das Herz. Der Blitzschwab aber, der tiefer in den Hafen geguckt, wollte mit der Heidin nichts zu schaffen haben, sondern stieß ihr vielmehr den Kessel um und ins Feuer, so daß dieses mit Prasseln auseinander gefahren und ausgeloschen ist. Die Zigeunerin aber, voller Zorn, rief ihm mit schätternder Stimme nach:

Jungfrau Lieb’ ist fahrend Hab’,

Heut »Herzliebster«, morgen »Schabab«.

Und so konnten denn die sieben Schwaben ihrem Schicksal nicht entgehen.

 

Ferdinand von Saar: Die Zigeunerin (1888)

 

Drängende Hast in wilder Geberde,

Gabe heischend mit thierischem Laut,

Steht sie vor mir, wie entwachsen der Erde,

Daß es in tiefster Seele mir graut.

 

Aus dem Antlitz mit grellem Funkeln

Schauen die Augen voll Gier und Trutz,

Um die Glieder, die schlanken, dunkeln,

Hängt es in Lumpen, starrend von Schmutz.

 

Doch so gewahr’ ich strotzende Brüste,

Feingeformt wie die schmale Hand,

Und durch die Hülle, die lose, wüste,

Dämmert der Hüfte schwellender Rand. –

 

Daß er zuletzt noch mit dir versöhne,

Brauner Unhold, verfehmtes Weib,

Weisest du achtlos in seiner Schöne

Sieghaften Zaubers den Menschenleib!

 

Hermann von Lingg: Die Zigeunerin (1905)

 

Sechzehn Jahr alt ist die kleine

Sittah, die Zigeunerin.

Wild wie sie tanzt keine, keine

Schwingt wie sie das Tamburin.

 

Kauernd an der alten Mauer

Vor des Mohrenkönigs Tor

Fand ich sie im Fieberschauer,

Und ich hob sie sanft empor.

 

Fliehe, sprach sie, geh vorüber,

Tödlich ist mein Fieberhauch!

Kind, erwidert’ ich, am Fieber,

Ach, am schlimmsten leid’ ich auch:

 

Liebe heißt es, dies verzehrend

Heiße Fieber; doch gesund

Küsse, mir nicht länger wehrend,

Küsse mich dein roter Mund. –

 

Die gleiche Suchfunktion bietet http://gutenberg.spiegel.de/; dort muss man nur darauf achten, dass man nicht beim SPIEGEL sucht, sondern die untere Suchfunktion von gutenberg.de erwischt; in den genannten Texten ist das gesuchte Wort dann gelb markiert. Die Suche bei gutenberg.spiegel.de bringt aber mehr Arbeit als die bei zeno.org, weil bei gutenberg.de auch zahlreiche ausländische Titel gespeichert sind und in die Suche einbezogen werden; wer sich also speziell für deutsche Literatur interessiert, muss die Ergebnisse dort stärker filtern – wer sich jedoch auch für ausländische Literatur (in deutscher Übersetzung!) interessiert, ist bei gutenberg.de besser aufgehoben. Aber auch bei zeno.org werden ausländische Werke der Weltliteratur präsentiert – filtern muss man je nach Suchauftrag also immer. Um auf die Zigeunerin zurückzukommen: Vielleicht ist die Frage nach dem Bild der Zigeunerin in der deutschen Literatur zu eng gestellt, vielleicht muss man die europäische Literatur beachten, wenn man ein vollständiges Bild erhalten will? Aber in Schule und Hochschule haben auch eingeengte Fragestellungen ihr Recht – man muss dann nur wissen, dass die Frage eng gestellt ist. Was praktisch nicht klappt, ist der Versuch, etwa die Verwendung des Wortes “Zigeunerin” bei Goethe zu untersuchen: a) Man weiß nicht, ob der ganze Goethe zum Suchen bereitgestellt wird; b) es gibt viele Nieten, bei denen irgendwie die Wörter “Goethe” und “Zigeunerin” zusammen vorkommen, ohne dass Goethe der Autor wäre.

Ich habe einen Test vorgenommen: “intellektuelle Redlichkeit” bei Nietzsche erforschen. Das Ergebnis war bei zeno.org.philosophie: “Nietzsche +Redlichkeit” 8 Ergebnisse, alle nicht von Nietzsche; “intellektuelle Redlichkeit” 19 Ergebnisse, davon 2 von Nietzsche. Bei gutenberg.de: “Redlichkeit +Nietzsche” 106 Ergebniss; “intellektuelle Redlichkeit” 116 Ergebnisse, davon die meisten nicht von Nietzsche; “intellektuelle Redlichkeit +Nietzsche” 36 Ergebnisse, davon 14 von Nietzsche. Fazit: In diesem Fall war gutenberg.de weitaus ergiebiger als zeno.org.

Eine ähnliche Suchfunktion gibt es bei http://www.deutschestextarchiv.de/.

Mit diesen Suchfunktionen gibt es also einige Möglichkeiten, bestimmte Themen (Stichwörter) in der gemeinfreien deutschen Literatur bis ins frühe 20. Jahrhundert zu untersuchen – man braucht nur etwas Geschick und Sitzfleisch sowie die Fähigkeit, gefundene Belege systematisch zu ordnen.

Der Nominativ ist der Genitiv sein Tod – grammatische Kompetenz beim FOCUS

FOCUS ONLINE veröffentlichte am 17.09. um 14:59 h einen Artikel mit der Überschrift „Papst Franziskus: Petrus’ Nachfolger und Stellvertreter Jesus Christus auf Erden“.

„Petrus’“ [statt Petri] geht wegen des Apostrophs an, aber „Jesus Christus“ [statt: Jesu Christi] als Genitiv ist peinlich. Das habe ich dem FOCUS schriftlich mitgeteilt und dann gefragt: „Hat Ihr Redakteur nie am Religionsunterricht teilgenommen?“ Darauf bekam ich vom Leserservive des FOCUS die Antwort:

„Ihr Einwand scheint berechtigt, ‚Jesus Christus’ ist in diesem Fall jedoch grammatikalisch korrekt. Der Genitiv ‚Jesu Christi’ ist ein aus dem Lateinischen übernommener Genitiv. Im heutigen Zeitalter ist es aber durchaus berechtigt, den deutschen zweiten Fall zu benutzen – Religionsunterricht hin oder her.“

Darauf habe ich auf den Duden und Wahrig hingewiesen, die beide als Genitiv nur „Jesu Christi“ kennen (vgl. auch http://www.canoo.net/inflection/jesus:N:Person:M und http://www.canoo.net/inflection/christus:N:Person:M); darauf hat der Leserservice nicht mehr geantwortet.

Der Vorgang zeigt mehreres:

  1. Ich habe falsch gefragt; ich hätte nicht nach der Teilnahme am Religionsunterricht, sondern nach der Benutzung des Dudens und der Korrektur von Artikeln im FOCUS fragen müssen. („Jesu Christi“ hat übrigens bei google am 20.09. ungefähr 766.000 Ergebnisse – trotz FOCUS.)
  2. Beim FOCUS schämt man sich anscheinend, dümmliche Antworten im Leserservice mit dem Namen zu unterzeichnen; man belässt es bei „Leserservice“ als Unterschrift.
  3.  Die Berufung auf das heutige Zeitalter lässt drei Interpretationen zu:

He, du nix verstehen Deutsch? Dann musstu lesen der FOCUS, das helft dich.

Neuer Physiologus – eine Enzyklopädie

Zufällig bin ich heute beim Stichwort „Spiegelbild“ auf den Neuen Physilogus gestoßen. So stellt er sich selbst vor:

Enzyklopädie der Erfahrungen

Dieser Neue Physiologus
(nicht der erste, aber der neueste)
erklärt Mensch und Welt
sowie deren Beziehungen endlich (vorläufig) richtig.

Was in anderen Enzyklopädien
oft fehlt, ungenügend oder gar falsch bestimmt ist –
Sie finden es auf diesen Seiten
anschaulich erklärt, ausführlich beschrieben und sinnreich geordnet – vollkommen unparteiisch: […]

… aller Versuche, die Welt zu verstehen, –
wird mit dem gleichen Respekt gedacht.

In der Tradition des ehrwürdigen Pierre Bayle werden
mehrfache Verstehensversuche (“Definitionen”) neben-/nacheinander notiert,
anders als bei Bayle aber kommentarlos;
so soll der Anschein vermieden werden, hier solle der Skepsis Vorschub geleistet werden.

Wissen ist ein Prozeß, Enzyklopädien sind also immer vorläufig:
mit Korrekturen ist jederzeit zu rechnen.

Die Definitionen sind weitgehend an Erfahrung orientiert
(“eine gewisse zarte Empirie…”), ohne daß aber die Imagination,
die “feeische Führerin” (Poe), vernachlässigt würde. —

Und hier die Adresse, es lohnt sich, einmal hineinzuschauen: http://www.physiologus.de/phy-frm.htm

Prozente, Politik und Pannen: Betreuungsgeld-Studie falsch gerechnet

Eine peinliche Panne ist dem Forschungsverbund DJI/TU Dortmund (http://www.dji.de/index.php?id=20) unterlaufen: In der Betreuungsgeld-Studie, die vor drei Tagen veröffentlicht wurde, bzw. in deren Zusammenfassung haben die „Forscher“ zwei Prozentzahlen addiert, die man nicht addieren darf.

 

So fing es an:

„In der Studie nannten von jenen Eltern, die keine Berufsausbildung oder einen Hauptschulabschluss haben, 54 Prozent das Betreuungsgeld als Grund dafür, dass sie ihre Kleinkinder nicht in eine Kita schicken. Bei Familien mit mittlerer Reife reduziert sich dieser Anteil auf 14 Prozent, bei Akademikern auf 8 Prozent. Von den Familien mit Migrationshintergrund, die keine Betreuung für ihr Kleinkind wünschten, führten 25 Prozent das Betreuungsgeld als Begründung an. Bei deutschstämmigen Familien lag dieser Anteil nur bei 13 Prozent.“ (Hamburger Abendblatt: Studie: Betreuungsgeld setzt für Eltern falsche Anreize, 28.07.14, mit Quellenangabe dpa) so noch am 31.07. 10:00

Es gab zwar methodische Bedenken, die Stefan Sell geäußert hatte:

„Das Betreuungsgeld hält Migrantenfamilien davon ab, ihre Kinder in eine Kita zu schicken – zu diesem Schluss kommt eine Studie des Deutschen Jugendinstituts. Dabei seien die Daten nicht überprüfbar, kritisiert der Ökonom Stefan Sell.

Der Direktor des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik der Hochschule Koblenz (IBUS), Stefan Sell, hält die jüngst vom Deutschen Jugendinstitut veröffentlichten Studienergebnisse zum Betreuungsgeld für nicht nachvollziehbar.“ (Deutschlandradiokultur, Interview zum Betreuungsgeld, Beitrag vom 28.07.2014)

Aber alle Welt verkündete: 54%… SPD-Politiker sahen sich direkt in ihrer Kritik am Betreuungsgeld bestätigt… Das Ergebnis war ja auch ausgesprochen „prekär“: „In der Studie nannten von jenen Eltern, die keine Berufsausbildung oder nur einen Hauptschulabschluss haben, 54 Prozent das Betreuungsgeld als Grund dafür, dass sie ihre Kleinkinder nicht in eine Kita schicken. Bei Familien mit mittlerer Reife reduziert sich dieser Anteil auf 14 Prozent, bei Akademikern gar auf acht Prozent.“ (Focus, 29.07.2014, 07:33)

 

Dann meldete die SZ am 30. Juli 2014 (S. 5): „Fehler in der Betreuungsgeld-Studie“: 22,6% der Hauptschulabsolventen und 31,2 der Befragten ohne Schulabschluss hatten angegeben, wegen der 100 Euro ihr(e) Kind(er) nicht in die Kita schicken zu wollen; die beiden Zahlen hatten die Forscher addiert! (Man merkt, wie sich politischer Wille und mathematische Unfähigkeit miteinander verbinden.) Die SZ korrigierte ihren Bericht vom 28. Juli im Internet nachträglich:

„Wir haben den Text am 29. Juli 2014 in zwei Punkten korrigiert. In der ersten Version des Textes kam nicht deutlich heraus, dass die Uni Dortmund und das DJI ihre Elternbefragung bereits vor Einführung des Betreuungsgelds unternommen hatten. Außerdem fand sich darin eine falsche Zahl, die allerdings aus der Zusammenfassung der Studie durch das DJI und die Uni Dortmund übernommen worden und durch einen Rechenfehler zustande gekommen war. Nur knapp 27 Prozent – und nicht, wie zuerst dargelegt 54 Prozent – der Eltern ohne Berufsausbildung oder mit niedrigem Bildungsabschluss, haben demnach angegeben, wegen des Betreuungsgeldes auf staatliche Betreuung ihrer Kleinkinder verzichten zu wollen.“

 

So eine mathematische Panne lässt einen zweifeln, ob auch sonst die „statistischen Zahlen“ des Forschungsverbundes DJI/TUDO und ähnlich interessierter Institute wohl immer stimmen (ich erinnere an die 5,8mal größere Chance der Akademikerkinder, ein Gymnasium zu besuchen!). Ich möchte hier nicht für oder gegen das Betreuungsgeld sprechen, sondern nur zeigen, wie schwach manchmal (oder meistens?) die Zahlen sind, mit denen Politik gemacht wird. (13.00 Uhr)

 

P.S. http://www1.wdr.de/themen/infokompakt/nachrichten/nrwkompakt/nrwkompakt30438.html

http://www.freiewelt.net/betreuungsgeld-studie-als-polit-mediales-debakel-10038104/

http://www.presseportal.de/pm/59019/2796572/neues-deutschland-tu-dortmund-unbekannte-leiteten-studie-ueber-betreuungsgeld-an-die-oeffentlichkeit/rss

http://kleinewelt.xobor.de/blog-e24744-Falsche-Zahlen-und-unsinnige-Argumente-gegen-das-Betreuungsgeld.html

https://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/jenseits-der-graeben (Der FREITAG hat wie die meisten Blätter noch nichts gemerkt!)

http://ssl.br.de/nachrichten/ig-betreuungsgeld-bildung-100.html (So ist es richtig.) (15.35 h)

Neologismen – Sprachwandel

Als Neologismus bezeichnet man ein Wort, das es bisher so in einer Sprache nicht gegeben hat. Welche Neologismen es gibt und wie man das Auftauchen neuer Wörter erklärt, wird hier dokumentiert:

http://www.wortwarte.de/ (umfangreich, aktuell)

http://www.owid.de/docs/neo/wortartikel.jsp

http://www.sprachnudel.de/

http://www.kunst-worte.de/neologismen/

http://www.science-at-home.de/wiki/index.php/Liste_von_Neologismen

http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2009/3706/pdf/sprachwandel_S83_101.pdf (Theorie)

https://de.wikipedia.org/wiki/Neologismus (Theorie)

http://www.euralex.org/elx_proceedings/Euralex1996_2/029_Ulrich%20Busse%20-Neologismen.%20Der%20Versuch%20einer%20Begriffsbestimmung.pdf (Theorie)

http://193.6.132.75/lexikologie/handout11.pdf (Theorie)

https://www.gedichte.com/threads/56933-Neologismen-in-Lyrik-und-Prosa (Theorie)

http://ubm.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2011/2726/pdf/doc.pdf (Diss)

Allgemeiner: s. Sprachwandel

http://www.christianlehmann.eu/ling/wandel/

http://www.christianlehmann.eu/ling/ling_theo/sprachwandel.php

http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/uploads/media/Sprachwandel.pdf (Rudi Keller)

http://wikis.zum.de/zum/Sprachwandel

http://www.fb10.uni-bremen.de/homepages/wildgen/pdf/sprachevolution_und_sprachwandel.pdf (W. Wildgen, im Kontext: Sprachevolution)

http://user.uni-frankfurt.de/~kentner/EinfLing/SprachwandelTut.pdf (T. Grimm, knapp)

http://ling.uni-konstanz.de/pages/allgemein/study/introling06/einf_hist.pdf (Butt/Eulitz/Wiemer: knapp)

http://fakten-uber.de/sprachwandel (sehr knapp)

http://www.linguistik-online.uni-kiel.de/sprachwandel/sprachwandel_I.htm (Uni Kiel: knapp, z.T. unübersichtlich)