Kreuzgang – Kreuzweg: Arbitrarität (Beliebigkeit)

Durch einen Fehler in einem der Deutschlehrbücher für Ausländer von Rena Thormann  bin ich erneut auf die Beliebigkeit (Arbitrarität) der sprachlichen Zeichen (de Saussure) gestoßen: Frau Thormann verwechselt Kreuzgang und Kreuzweg, also –gang und –weg, was ja beides mit dem Gehen zu tun hat; der Kreuzweg Jesu könnte in der Tat „Kreuzgang“ heißen (wie Frau Thormann meint), der Kreuzgang in einem Kloster ebenso „Kreuzweg“, aber sie heißen nun mal nicht so, das ist mehr oder weniger zufällig der Fall. [Den Kreuzgang gibt es seit dem 13. Jh.: Im Innenhof der Klöster fanden Prozessionen statt, bei denen ein Kreuz vorangetragen wurde; das Wort wurde später von der Prozession auf den Ort der Prozession übertragen (Kluge). Zur Herkunft von „Kreuzweg“ habe ich nichts gefunden: Der Kreuzweg ist einmal eine Kreuzung von Wegen, sie sehen aus wie ein Kreuz; dann ist im religiösen Sprachgebrauch der Weg Jesu zum Kreuz gemeint (bzw. bildliche Darstellungen dieses Weges in 14 Stationen), vgl. http://cms.vivat.de/themenwelten/jahreskreis/fastenzeit/kreuzweg-bedeutung.html und https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzweg; http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/heilige-staetten/ch/62363f1a1412fa15e258429a9e99f213/ sowie das Stichwort „via dolorosa“: https://de.wikipedia.org/wiki/Via_Dolorosa; http://www.biblewalks.com/Sites/ViaDolorosa.html; http://www.deutschlandradiokultur.de/archaeologie-ich-laufe-die-falsche-via-dolorosa-mit-inbrunst.1278.de.html?dram:article_id=282658]

Ähnliches gilt für den Ausweg und den Ausgang, bei „Ausgang“ wenigstens in der wörtlichen Bedeutung: ‚Hier ist der Ausgang der Halle.’ Da hätte man auch sagen können: ‚Hier ist der Ausweg der Halle.’ In der übertragenen Bedeutung ginge das nicht, weil es ja das Verb „ausgehen“ im Sinn von „enden“ gibt und dem dann das Substantiv „Ausgang“ als „Ende, Ergebnis“ (Ausgang der Debatte, des Krieges, des Experiments) entspricht.

Der Umweg könnte auch „Umgang“ heißen, aber der Umgang wiederum nicht „Umweg“, weil es dazu das Verb „umgehen (mit jem.)“ gibt; dieses Verb gibt es auch in der Bedeutung „einem Hindernis ausweichen und dann den Weg fortsetzen: das Hindernis umgehen“; dieses Verb wird jedoch anders betont (umgéhen) und bildet auch ein anderes Partizip II („umgangen“ statt „umgegangen“).

Welche weiteren Beispiele gibt es hier? Rundweg – Rundgang, Schleichweg – Schleichgang, Seitenweg – Seitengang, Abweg(e) – Abgang; gibt es Hauptweg – Hauptgang (dies nur im Zusammenhang mit Essen)? Ja, beim Essen gibt es verschiedene Gänge, aber nicht verschiedene Wege, wie das Auto auch nur Gänge hat. Wer weiß noch andere Beispiele?

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Lügenpresse

Mehrere online-Wörterbücher kennen das Wort „Lügenpresse“ nicht (DWDS, owid), das Grimm’sche Wörterbuch natürlich auch nicht, genau wie das Deutsche Universalwörterbuch von Duden (7. Aufl. 2014) – wohl aber pons und Wortschatz Uni Leipzig. PONS gibt folgende Bedeutung an: „(politischer Kampfbegriff:) Presseerzeugnisse bzw. Medien, welche bei der Berichterstattung die Wahrheit bewusst verdrehen“.

Der älteste mir bekannte Beleg für „Lügenpresse“ ist Döblins Roman „November 1918“, und zwar der 4. Band „Karl und Rosa“ (1949; Ausgabe dtv 1389, 1978, S. 305, im Kapitel „6. Januar: Der Revolutionsausschuß konstituiert sich“): „ – revolutionäre Stoßtrupps gingen gegen die Zeitungsgebäude von Scherl, Mosse und Ullstein vor, Bewegungen, die keiner dirigierte und die zunächst einmal die Lügenpresse zum Verstummen bringen sollten – “ ; ähnlich ist S. 469 von der Verlogenheit dieser stupiden und bezahlten Journalistik die Rede. Hier bezeichnet Lügenpresse die konservative bürgerlich-nationale Presse, die auf der Seite von Kaiser-Militär-Kapital-Krieg stand bzw. gestanden hatte.

Vgl. http://www.tagesspiegel.de/kultur/comics/der-beeinflussungsapparat-in-der-medienmaschine/13899516.html (Tagesspiegel, 21.07.2016)

W. von Humboldt: Die Sprache als Weltsicht

1836 erschien posthum Wilhelm von Humboldts Schrift „Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluß auf die geistige Entwickelung des Menschengeschlechts“ (http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10904366_00005.html oder https://archive.org/stream/bub_gb_dV4SAAAAIAAJ#page/n7/mode/2up). Daraus wird im diesbezüglichen EinFach-Deutsch-Heft über Spracherwerb usw. ein Textauszug mit der Überschrift „Die Sprache als Weltsicht (1830-1835)“ von knapp 45 Zeilen ohne exakte Quellenangabe präsentiert.

Der Gedanke Humboldts beruht darauf,

  1. dass das Wort nicht ein „Abdruck des Gegenstandes an sich“, sondern von dessen Bild in unserer Seele sei,
  2. dass jede Wahrnehmung subjektiv, also an den eigenen Standpunkt gebunden sei,
  3. dass auf eine Sprache die Subjektivität einer Nation einwirke und deren eigentümliche Weltsicht bestimme,
  4. dass wir in einer Welt von Lauten leben, um die Welt der Gegenstände aufzunehmen und zu bearbeiten.

Der Mensch lebe also im Kreis seiner Sprache, aus dem er nur heraustreten könne, wenn er in den Kreis einer anderen Sprache eintritt; das Erlernen einer neuen Sprache sollte demgemäß „die Gewinnung eines neuen Standpunkts in der bisherigen Weltsicht sein“ – zugleich schränkt Humboldt ein, dass dieser Standpunktwechsel nur begrenzt möglich sei, da man sich von der eigenen Sprache resp. Weltsicht nie ganz lösen könne.

Würdigung:

Wilhelm von Humboldt wendet hier die Kantische Philosophie auf die Sprache als Werkzeug der Erkenntnis an. Die Pointe dabei ist, dass er einem „Volk“ (Nationalbewusstsein zu Beginn des 19. Jh.!) „eine gleichartige Subjektivität“ wie dem Individuum zusprechen muss, um eine an die (National)Sprache gebundene eigentümliche Weltsicht vertreten zu können.

Diese Annahme ist problematisch, da wir innerhalb der einen Sprache Dialekte und Soziolekte unterscheiden können – und zudem verschiedene Sprachebenen oder -niveaus, die auch an unterschiedliche soziale Schichten gebunden sind (z.B. „verscheiden – sterben – verrecken“; oder „Antlitz – Gesicht – Fresse“). Die Vorstellung der „Subjektivität einer Nation“ ist ein Kind des im frühen 19. Jahrhundert blühenden Nationalbewusstseins, dem wir nicht nur die Sammlung deutscher Volkslieder und Märchen oder die Freiheitskämpfe gegen Napoleon und das Aufkommen der Germanistik verdanken, sondern später auch viele andere üble Dinge…

Die Belege oder Beispiele im Heft EinFach Deutsch, die Humboldts Theorie stützen sollen, sind ohnehin fragwürdig: Ob ein Engländer heute bei „earn money“ noch an das selbständige Wachsen der Früchte bis zur Ernte denkt, darf bezweifelt werden, und auch „Nasenloch“ ist längst ein fester Begriff, also ein einziges Wort geworden – kein Deutscher denkt mehr an ein richtiges Loch, und kein Spanier meint, er habe in der Nase ein Fenster. Solche Bilder verblassen und werden zu schlichten Namen, die so wenig „bedeuten“ wie die Vornamen Norbert („der im Norden Glänzende“) oder Theodor („Geschenk Gottes“), die nur noch eine Person bezeichnen und identifizieren,

Zu Humboldts Theorie: S.J. Schmidt: Denken und Sprechen bei Wilhelm von Humboldt (http://www.gleichsatz.de/b-u-t/trad/humb2.html); O.F. Bollnow: Die Sprache als Weltsicht (http://www.gleichsatz.de/b-u-t/spdk/boll1.html).

Wir wollen zum Schluss dem Herausgeber des EinFach-Deutsch-Heftes unseren Respekt erweisen: Er reduziert knapp 500 Seiten Humboldt auf gut 44 Zeilen. Im Ernst – wieso muss man 45 Zeilen Humboldt (ohne Beschreibung des Kontextes!) lesen (mit zwei unklaren Stellen: Der Satz „Diese Ausdrücke überschreiten auf keine Weise das Maß der einfachen Wahrheit“ ist nicht verständlich, unklar ist auch die Vorstellung „die Gewinnung eines neuen Standpunkts in der bisherigen Weltsicht“; ich verzichte hier auf eine Begründung für meine These der Unklarheit), wenn man das Ganze mit eigenen Worten in 10-20 Zeilen sagen kann? Ob die Schüler durch die Lektüre der Humboldt-Zeilen wohl Anteil an der klassischen deutschen Bildung gewinnen?

Wortfamilie „ziehen“

Die Arbeit an Wortfamilien kann man sich durch den Rückgriff auf ein Deutsches Wörterbuch vereinfachen, etwa auf http://www.dwds.de/; dort findet man zusätzlich ein Etymologisches Wörterbuch und auch das von den Brüdern Grimm begründete DWB.

Ein besonders fruchtbares Wort ist „ziehen“, wofür das DWDS bereits 18 Bedeutungen angibt (über diese Aufteilung kann man natürlich streiten), dazu eine Reihe davon abgeleiteter Verben, Substantive und Adjektive. Ich halte mich i.W. an den Artikel aus dem DWDS (http://www.dwds.de/?qu=straff%20ziehen), dort ist die Liste noch ausführlicher:

ziehen – Verb (doppeltes Perfekt: hat gezogen/ist gezogen)

1

etw., jmdn. von der Stelle und hinter sich her bewegen hat

übertragen es zieht jmdn. wohin es drängt, lockt jmdn. wohin

2

etw., jmdn. (aus etw.) herausholen, hervorholen hat

3

an etw. ziehen: an etw. zerren, reißen hat

übertragen alle Register ziehen (alle Hebel in Bewegung setzen, alles aufbieten)

4

etw., jmdn. in einer bestimmten Richtung bewegen, in eine bestimmte Lage, Stellung bringen hat

übertragen gegen jmdn. vom Leder ziehen (zu schimpfen beginnen; jmdn. scharf angreifen)

5

einzelne Partien des Gesichts durch ein bestimmtes Mienenspiel verändern hat

6

eine (langgestreckte) Linie herstellen hat

bildlich die Affäre zog immer größere Kreise (verbreitete sich immer mehr)

b

eine Vertiefung graben

einen Graben, viele Furchen ziehen

c

eine Wand ziehen (errichten, mauern)

7

etw. in seine ganze Länge ausdehnen, strecken hat

bildlich der Prozeß müsse künstlich in die Länge gezogen werden (absichtlich verzögert werden)

8

etw. durch Strecken, Dehnen eines Werkstoffs erzeugen hat

bildlich die Spinne zieht Fäden (sondert sie aus ihren Spinndrüsen ab)

umgangssprachlich etw. zieht Fäden, Blasen etw. ist zähflüssig, bildet Fäden, Blasen

9

etw. zieht sich irgendwohin: etw. erstreckt sich irgendwohin hat

übertragen dieses Motiv zieht sich durch den ganzen Roman (geht)

10

etw. einsaugen, aufnehmen hat

bildlich die Pflanzen ziehen Nahrung aus dem Boden

11

Pflanzen anbauen, Tiere züchten hat

übertragen Ich ziehe ihn mir schon noch (ich werde ihn schon noch nach meinem Willen formen)

12

dient oft zur Umschreibung eines Verbalbegriffs; abgeblaßt hat;

in Verbindung mit Substantiven

Nutzen aus etw. ziehen (etw. für sich nützen)

aus etw. einen Schluss auf etw. ziehen aus etw. auf etw. schließen

etw. in Zweifel ziehen etw. bezweifeln

jmdn. ins Vertrauen ziehen (jmdn. in etw. einweihen)

13

sich auf verschiedenartige Weise irgendwohin begeben, fortbewegen ist

a

heimwärts, in die Fremde ziehen

übertragen mancherlei Gedanken zogen durch seinen Kopf (gingen)

b

umgangssprachlich seinen Wohnsitz ändern, umziehen

14 etw. zieht hat

a

ein Gerät arbeitet, funktioniert

b

etw. lässt die nötige Luft durch, hat Zug

15 hat

der Kaffee, Tee zieht (das Kaffee-, Teewasser nimmt das Aroma auf)

16

umgangssprachlich etw., jmd. zieht etw.: jmd. macht Eindruck, hat Erfolg hat

17

umgangssprachlich es zieht (jmdm.), es schmerzt (jmdn.) hat

18

umgangssprachlich es zieht es entsteht Zugluft hat

Dazu

abziehenanziehenaufziehenauseinanderziehenausziehen, beiziehenblankziehenbreitziehendaherziehendahinziehen, davonziehendurchzieheneinziehenentgegenziehenfestziehen, fortziehenglattziehengleichziehengroßziehenherabziehen, heranziehenheraufziehenherausziehenherbeiziehenhereinziehen, herumziehenherunterziehenhervorziehenherziehen, herüberziehenhinabziehenhinaufziehenhinausziehen, hindurchziehenhineinziehenhinterziehenhinziehenhinzuziehen, hinüberziehenhochziehenlangziehenlosziehenmitziehen, nachziehenniederziehenstraffziehenstrammziehenumherziehen, vollziehenvorbeiziehenvorziehenvorüberziehenwegziehen, zurechtziehenzurückziehenzusammenziehenzuziehenüberziehen

(und mit „ziehen“ metaphorisch:) beziehenentziehenerziehenverziehen,

Dazu Wörter mit „Zieh-„ und „-zieher“(s. im Wörterbuch!)

Ferner: „Zug“ und Wörter mit „-zug“ (Abzug, Anzug, Antwortzug, Auszug, Bezug, Eilzug usw., Einzug, Nachzug, Rückzug, Verzug, Vorzug – oft in mehreren Bedeutungen!), ferner: „Beziehung, Bezüge, Erziehung, Zögling“

Ferner Adjektive: abzüglich, anzüglich, bezüglich, rückbezüglich, ungezogen, vorzüglich, zuzüglich

https://archive.org/details/diewortfamiliend00lieb/page/16 (Wörterbuch: Deutsche Wortfamilien)

Grundwortschatz – Listen

http://www.gut1.de/grundwortschatz/grundwortschatz_500.html

http://deutschlernen-blog.de/blog/2008/01/10/grundwortschatz-die-500-wichtigsten-woerter/ (mehrere Listen, eine mit engl. Übersetzung)

http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/faecher/sprachen/deutsch/Grundschule/2011_11_25_GWS_1_WEB.pdf (Wörter, mit method. Vorschlägen)

http://www.isb.bayern.de/download/1353/neuerungen-deutschlp-gs-07-01-12.pdf (dito, für Bayern)

http://www.hamburg.de/contentblob/4323100/data/neuer-inhalt.pdf (Basiswortschatz GS Hamburg, auch fürs Schreiben)

http://media.goethe.de/ins/gr/ath/B1_Wortschatz.pdf Wortschatzlisten B1

http://udel.edu/~weiher/Grundwortschatz.html (Grundwortschatz für ZDaF, mit passenden Äußerungen)

http://deutsch-als-fremdsprache-grammatik.de/Wortkarteien/wortkarteien.html (Karteien für 1.-3. Klasse)

https://de.wiktionary.org/wiki/Verzeichnis:Deutsch/Grundwortschatz

http://www.bildwoerterbuch.com/ (Bildwörterbuch, 17 Themen, 6000 Wörter)

http://www.hamsterkiste.de/ (Material Kl. 1-6)

http://wikis.zum.de/daf/Arbeitsbl%C3%A4tter_f%C3%BCr_DaF (Arbeitsblätter DaF)

http://www.languageguide.org/deutsch/vokabeln/ (Grundwortschatz, mit Aussprache)

https://www.goethe.de/de/spr/ueb/vok.html Vokabeltrainer-App des Goethe-Instituts

Zur Problematik solcher Listen: http://www.uni-jena.de/unijenamedia/Downloads/faculties/phil/inst_auslgerm/Mitarbeiter/Funk/GENFWortschatzFeld1.pdf

Siehe auch https://norberto68.wordpress.com/2016/02/14/alphabetisierung/!

Alte Redewendungen – heutige und ursprüngliche Bedeutung

Böses im ________________ führen

sich aus dem _________________ machen

______________ im Sattel sitzen

jemanden im _________________ lassen

die _________________ aufheben

für jemanden eine _________________ brechen

sich aufs hohe _______________ setzen

jemanden in ___________________ bringen

sich die ___________________ verdienen

mit offenem __________________ kämpfen

für jemanden in die ____________________ springen

jemand in die ________________________ weisen

sich für eine Reise ____________________

jemand aus dem _____________________ heben

Das ist ______________- und stichfest.

Du findest hier 15 sprachliche Wendungen, deren Ursprung in der Ritterzeit liegt. Ursprünglich waren sie wörtlich gemeint, heute werden sie nur im übertragenen Sinn gebraucht. Aufgabenstellung:

  1. Setze die folgenden Silben so zusammen, dass sie als Wörter in die Lücken passen (achte auf erforderliche Großschreibung): bre, che, de, fel, fest, har, hieb, ken, lan, nisch, ren, ross, rüs, sat, schil, schran, sier, spo, staub, stich, ta, tel, ten, vi, ze.
  2. Erkläre die heutige Bedeutung der Redewendungen.
  3. Erkläre, was die Redewendungen ursprünglich bedeutet haben (greife evtl. auf ein etymologisches, historisches oder allgemeines Wörterbuch zurück!).

Deutsch lernen – Anfänger (A1) – Filme

Diese Seite ist die Fortsetzung von https://norberto68.wordpress.com/2016/01/25/deutsch-lernen-fuer-anfaenger-filme/.

Auf youtube findet man viele Filme fürs Deutschlernen; ich habe versucht, unter „Deutsch lernen A1“ einige brauchbare Reihen zu finden. Es gibt noch wesentlich mehr als die genannten – es kommen immer noch neue hinzu! – und es gibt auch viele Filme zu einzelnen sprachlichen Phänomenen:

https://www.youtube.com/watch?v=ttv2E10oGIM&list=PLBB073C8D40C2B6BA („Deutsch mit Julia“, 12 Lektionen, mit deutschen und englischen Untertiteln) einfach, je ca. 4 min

https://www.youtube.com/watch?v=nd0Y_iIaJns&list=PL9F95AAC2287FD5EB (Lingorilla.com: Deutsch lernen mit Videos, 27 Szenen, dt. Text) 0:03 usw.

https://www.youtube.com/watch?v=rVYtzew43Ms&list=PL474C37D5854F648C („Deutsch lernen“: 46 Folgen, sehr deutliche Artikulation, gelegentlich Untertitel – Spielfilm mit Marsmensch) der Zuschauer soll manchmal sprechen; je ca. 5 min

https://www.youtube.com/watch?v=yhP3OT2hxAE („Deutsch lernen Extra auf Deutsch“, Spielfilm, deutsche Untertitel) 16 Folgen, erste 0:24

https://www.youtube.com/watch?v=LWIvyk1-N2w&list=PLItGc0KMciO6xprnO2MpLaj0pWDuxb_1G (16 Folgen, gespielte Szenen) je ca. 14 min (persische oder arabische Untertitel)

https://www.youtube.com/watch?v=_NXDM9XXhQ4&list=PLcUzsPsw73juQL0te7CzTaY4iSzmlJolq&index=43 (Easy German: Szenen, 42 Folgen, mit dt. Untertiteln) 0:03 usw. – schnell gesprochen

https://www.youtube.com/watch?v=K7Qqj8Irqpo („Deutsch lernen“ im deutschlernerblog – 20 Lektionen, thematisch) deutscher Text, schwierig – je ca. 5 min

https://www.youtube.com/watch?v=llSItEiwhzM („Hallo Deutschschule“: hören –> nachsprechen) 18 Folgen, unterschiedlich lang – anspruchsvoll)

https://www.youtube.com/user/dwlearngerman („Harry gefangen in der Zeit“: eine Serie der Deutschen Welle – weithin auf Englisch)

https://www.youtube.com/watch?v=70bMRqSv8I8&list=PLQtUVCXmaLkezHE8W9bntOR8zMfM7hf5p („Deutsch lernen A1“: 26 Lektionen, sehr systematisch) kürzere Filme, nur deutsche gesprochene Erklärungen – sehr schwer

https://www.youtube.com/watch?v=ew33DGiZvGE („Wir lernen Deutsch im Schlaf“ 1. Tag – engl.-deutsch; Erläuterungen in Englisch, ohne Bilder) 1:05, weitere 12 Folgen

https://www.youtube.com/watch?v=GCTGK0S8CWE&list=PL7SijlHyQmVV-GTYsL4aOz8-USEwbAnCc (Deutsch für syrische Flüchtlinge: syrisch-deutsche Texte, dazu deutsche Wörter, gut gesprochen, ohne Bilder) 20 Videos á 0:03

Deutsch lernen für Anfänger – Filme

Hier stelle ich Filme (auf youtube) vor, die für Anfänger gedacht sind (unter dem Suchwort „Deutsch lernen“ gefunden):

https://www.youtube.com/watch?v=amzEtQeroGw&list=PLcUzsPsw73jvRnkh0xvaQfBGpwSe8_-5D (Deutsch für Kinder und Anfänger bei Andrea Thionville – 26 Lektionen, mit deutschen Untertiteln) je 2 – 4 min, sehr einfach

https://www.youtube.com/watch?v=aaRHqlEvx_U (die Farben, mit Kinderliedern) 0:20

https://www.youtube.com/watch?v=-UXpLiKmryc (das Obst, mit Kinderliedern) 0:28

https://www.youtube.com/watch?v=GnI-10RPZQU (Tiere – dt. Untertitel) 0:30

https://www.youtube.com/watch?v=rU2jfPh-XPU (Tiere und Tiergeräusche – dt. Untertitel) 1:17

https://www.youtube.com/watch?v=0NG4eEcJLj0 (Grundwortschatz 500 Wörter, häufige Sätze, 30 Verben konjugiert) 1:17

https://www.youtube.com/watch?v=zZAWygYoN30 („Learn German“, 19 Lektionen – mit deutschem Text und englischen Erklärungen, systematisch) je 6’ – 8’

https://www.youtube.com/watch?v=p86-sakvFyU (Deutsch für Anfänger, Untertitel in mehreren Sprachen) 0:40

https://www.youtube.com/watch?v=amzEtQeroGw&list=PLDZfkRisuQu4K67JXRtTI2vHW8_xupOzA („lernen deutsch“ – ca. 60 Lektionen, mit Untertiteln, von Rali Hristova – mit den Filmen von A. Thionville und anderen)

Suchwort „Deutsch für Kinder“:

https://www.youtube.com/watch?v=Q_6QzHc2PPA Das ABC-Lied (38’)

https://www.youtube.com/watch?v=GL1W2b_zExM&list=PLDLDTefrQrlcHg6AytJAhsgfyzjPlEgcz (Das ABC) Reihe: Deutsch lernen für Kinder

https://www.youtube.com/watch?v=80i9KwH2mRc&list=PLU6oUZlKAyKt2WfUlP4O5djlAJklglOPR (Vorstell-Lied)

https://www.youtube.com/watch?v=v1NkN93nmbY (sich vorstellen – syr. Unterschriften)

https://www.youtube.com/watch?v=Gjcpw7TzUco (Zahlen 1-12)

https://www.youtube.com/watch?v=qIGBan6NIl0 (Zahlen 1-20)

https://www.youtube.com/watch?v=KFY-1kaIJ1E (Zahlen 1-100)

https://www.youtube.com/watch?v=lxwsCnrX_T8 (Farben) Reihe Yleekids

https://www.youtube.com/watch?v=Ma2Ttxxx8cY (Tiere)

https://www.youtube.com/watch?v=a9vCjDJSQ_0&feature=iv&src_vid=qIGBan6NIl0&annotation_id=annotation_767793 (Tiere)

https://www.youtube.com/user/4kidsLernvideos (die ganze Reihe 4Kids)

https://www.youtube.com/watch?v=AmcSU9OdOHA Bleistift (4Kids)

https://www.youtube.com/watch?v=YnTu3C2C9Zs&list=PLGrEZ1XZh-B-vtMo6Ng6leN8gofTPmFiV (Farben 4Kides)

https://www.youtube.com/watch?v=hxUJXwKuSQE (Spielzeuge 4Kids)

https://www.youtube.com/watch?v=a7c98cqSOTY (Lebensmittel – Gemüsesorten 4Kids)

https://www.youtube.com/watch?v=fH56xH2mA5c (Haushaltsgegenstände) Reihe 4Kids

https://www.youtube.com/watch?v=CDghvDvSix0 („Wir lernen Deutsch“, 1)

https://www.youtube.com/watch?v=TnKIuy3dEt0 (W.l.D., 2)

https://www.youtube.com/watch?v=GRgjcji2AVM (W.l.D., 3)

https://www.youtube.com/watch?v=pybS1fw5aiw (W.l.D., 4)

https://www.youtube.com/channel/UC5ZnpdkQIit8TWhGVDiDnQQ (Hallo Deutschschule, 1)

https://www.youtube.com/watch?v=X72CldADgrE (H.D., 2)

https://www.youtube.com/watch?v=2yZkGI-8yCY (H.D., 3 usw.)

Vgl. den nächsten Beitrag, die Fortsetzung dieser Seite!

lattenstramm – ein Neologismus?

Aufgrund einer Frage meiner Tochter Eva, woher der Ausdruck „lattenstramm“ komme, den ich noch nie gehört hatte, habe ich mich ans Suchen gemacht: In deutschen Wörterbüchern habe ich das Wort nicht gefunden. Meine eigenen Überlegungen berühren zwei Punkte:

  1. die Wortbildung

Dazu habe ich nach kurzem Suchen (Aspekt: Steigerung oder Verstärkung) das Beste in Walter Jung: Grammatik der deutschen Sprache, 10. Aufl. 1990, gefunden, und zwar unter „Wortbildung des Adjektivs“ (Die Zusammensetzung, Nr. 1021 ff.): „Das Bestimmungswort kann der Verstärkung dienen, ohne daß es in einem begrifflich durchsichtigen Verhältnis zum Grundwort steht: blitzdumm, hundemüde, kreuzbrav, steinreich, blutarm.“ (Nr. 1025) Als eine ähnliche Bildung sehe ich „lattenstramm“ an.

  1. die Bedeutung

Das Grundwort „stramm“ hat nichts mit Trunkenheit zu tun; laut DWDS hat es fünf Bedeutungsvarianten: etwas, besonders den Körper, fest umschließen; nicht schlaff, nicht locker, straff; kräftig gebaut; energisch, forsch; gehörig, tüchtig. (http://www.dwds.de/?qu=stramm) Von hier, d.h. von der fünften Bedeutung aus kommt man vielleicht weiter, wenn man bedenkt, dass es im Deutschen (mindestens) rund hundert Bezeichnungen für Formen der Trunkenheit gibt (http://www.taz.de/!5038485/), dass den Deutschen also anscheinend die Trunkenheit besonders vertraut ist und dass sie besonders gern an Trunkenheit denken: „stramm = gehörig, tüchtig“ hat dann eben schnell den Unterton „gehörig betrunken“. Diese Bedeutung wird durch das (sinnfreie) Bestimmungs- und Verstärkungswort „latten-“ gesteigert: völlig betrunken, total besoffen.

  1. Vielleicht wird meine Überlegung dadurch untermauert, dass „lattenstramm“ einer bestimmten Sprachschicht angehört und anscheinend vor allem von jungen Leuten, auch Studenten („Ajax Lattenstramm“ als lustige Verballhornung von „Ajax Amsterdam“: Vereinsname studentischer Fußballclubs in Göttingen und Passau) und in der BILD (z.B. http://www.bild.de/leute/2007/internetklatsch-gibson-anonyme-alkoholiker-treffen-betrunken-1957316.bild.html) gebraucht wird. Seit wann das Wort gebraucht wird, weiß ich nicht.
  2. Wenn jemand eine bessere Erklärung weiß, bitte ich darum, diese in einem Kommentar darzustellen.

P.S. Zur deutschen Tradition des Saufens seit der Zeit der Germanen:

„Zum Getränk dient eine Flüssigkeit aus Gerste oder Weizen, zu einer gewissen Weinähnlichkeit vergoren: die dem Ufer Nächsten erhandeln auch Wein. Die Speisen sind einfach, wildes Obst, frisches Wildbret oder geronnene Milch: ohne besondere Zubereitung, ohne Gaumenkitzel vertreiben sie den Hunger. Gegen Durst herrscht nicht dieselbe Mäßigung. Wenn man ihrer Trunkenheit freien Lauf lässt, indem man ihnen gewährt, wie viel sie begehren, werden sie nicht weniger leicht durch ihre Laster als durch Waffen besiegt werden.“ (Tacitus: Germania, Kap. 23 http://www.latein-imperium.de/include.php?path=content&contentid=104)

Ich verweise noch auf Heinrich Manns Satire „Der Untertan“, in der von Diederich Heßling erzählt wird, wie er bei den Neuteutonen zum „Mann“ wurde: „Er sah sich in einen großen Kreis von Menschen versetzt, deren keiner ihm etwas tat oder etwas anderes von ihm verlangte, als daß er trinke. Voll Dankbarkeit und Wohlwollen erhob er gegen jeden, der ihn dazu anregte, sein Glas. Das Trinken und Nichttrinken, das Sitzen, Stehen, Sprechen oder Singen hing meistens nicht von ihm selbst ab. Alles ward laut kommandiert, und wenn man es richtig befolgte, lebte man mit sich und der Welt im Frieden. […] Das Bier! Der Alkohol! Da saß man und konnte immer noch mehr davon haben, das Bier war nicht wie kokette Weiber, sondern treu und gemütlich. Beim Bier brauchte man nicht zu handeln, nichts zu wollen und zu erreichen, wie bei den Weibern. Alles kam von selbst. Man schluckte: und da hatte man es schon zu etwas gebracht, fühlte sich auf die Höhen des Lebens befördert und war ein freier Mann, innerlich frei.“ (Ausgabe Fischer Taschenbuch 13640, 1996, S. 31 und 34)

Etwas seriöser wird das Verhältnis der Deutschen zum Bier in Neil MacGregors „Deutschland. Erinnerungen einer Nation“ (2015, 10. Kapitel) dargestellt. Vgl. auch noch

https://de.wikipedia.org/wiki/Bier_in_Deutschland

http://www.brauer-bund.de/bier-ist-deutschland/tag-des-deutschen-bieres.html („Bier ist Deutschland“)