Mit wie wenig Wörtern kann man lügen?

Lügen mit drei Wörtern:

* Tut mir leid!

* Wir melden uns!

* Gut gemacht, Chef!

* Ich dich auch!

* Nur ein Bier.

Lügen mit nur einem Wort:

* Gesundheit!

* Sekunde!

* Schick!

* Gerne!

* Like!

Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern ein Teil von http://www.stern.de/kultur/buecher/die-welt-in-kuriosen-listen-eine-luege-mit-drei-woertern-nur-ein-bier-2110630-61957ee4fd4c939d.html.

Solche Vorlagen kann man nutzen, um Schüler zu eigenen produktiven Arbeiten anzuregen; siehe die anderen Beispiele in dem STERN-Beitrag!

 

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Satire (Beispiel): Wörterbuch des FMG

Dieses Wörterbuch ist vor vielleicht 20 Jahren in einer guten Kl. 11 des FMG (Mönchengladbach-Giesenkirchen) entstanden. Die hier vorgestellten 26 Stichworte stellen nur eine Auswahl dar – ein Beispiel dafür, wie auch ein Wörterbuch als Satire fungieren kann, und als Beispiel dafür, wie man mit den 26 Buchstaben produktiv arbeiten kann (das ABC). An diesem Wörterbuch merkt man aber auch, dass eine Satire zeitbezogen ist: Die Hauptschule im Nachbargebäude des FMG gibt es nicht mehr, seit ein paar Wochen wird es von einer Grundschule genutzt. In der Bibliothek darf man sich seit geraumer Zeit ganz legal aufhalten, auch wenn man kein Interesse für Bücher oder Medien besitzt, das Raucherzimmer ist abgeschafft und die Wortspiele um den Namen Josef Tholen versteht kein Schüler mehr, weil ich inzwischen sechs Jahre pensioniert bin… Selbst der witzige Eintrag zum Stichwort Computer hat seinen Reiz ein bisschen verloren: Längst sind Computer keine rätselhaften Gebilde mehr. Sic transit gloria satirae – aber schön war sie doch. (Meinen Aufsatz über das Satirenschreiben finden Sie hier.)

Aufputschmittel in Form von Bonbons, Gummibärchen und Kaffee geben sie erst den Schülern die Kraft, mehrstündige Klausuren durchzustehen
Bibliothek Aufenthaltsraum mit schärfsten Sicherheitsvorkehrungen, der vereinzelt als Leseraum missbraucht wird
Computer das kleine runde Loch auf der Vorderseite ist zum Anwerfen, denn wo soll man sonst die Kurbel ´reinstecken?
Direktor der Ti-Rex, nach anderer Darstellung ein aus dem Zirkus übernommenes Leitwesen, das dem Lehrkörper Aufgaben zuteilt und versucht, ein geordnetes Chaos zu schaffen
Elternsprechtag Tage in einer Schule, an denen die Eltern über die Missetaten ihrer Kinder und die Lehrer über deren Sensibilität aufgeklärt werden
FMG eine beschauliche Landakademie, die sich nur in einem Punkt von einer Irrenanstalt unterscheidet: in der Telefonnummer
Großhirn zu Gunsten des Kleinhirns der Schüler auf Eis gelegt
Hauptschule Einrichtung, die die Gymnasiasten zum Lernen animiert, weil sie hoffen, niemals dort zu landen; deren Schüler sind allerdings sehr schlagfertig
Inkompetenz ein äußerst seltenes Phänomen, das meist durch Äußerungen wie „Da fehlt mir dann doch der situative Kontext.“ seitens der Schüler sowie „Das bringt uns zu weit vom Thema ab.“ seitens der Lehrer kaschiert wird
Josef außer Marias Ehegatte ist uns keiner bekannt; gut, dass Norbert nicht so heißt, denn Josef Tholen klingt irgendwie unpassend
Klassenarbeit eine Leistungsüberprüfung, bei der die SchülerInnen gemeinsam versuchen, das Beste aus ihrer Arbeit zu machen
Lehrer sind wie Babys; sie glauben, durch Schreien alles zu erreichen
Müdigkeit ein Phänomen, das die Schüler nach der dritten Stunde schlagartig verlässt, um sich zu Beginn der vierten unversehens wieder einzustellen
Note willkürlich eingesetzte Zahl zur Beurteilung der Leistung, welche doch vom Ermessen des Lehrers abhängt
Ordnungsdienst eine Elitetruppe ständig wechselnder Besetzung, die, mit gefürchteten Universalwaffen (so genannten Zangen ) ausgerüstet, untätig auf dem Schulhof patrouilliert
PFS das PFerielle Syndrom. Die schwierigste Zeit für die Lehrer ist die letzte Woche vor jedem Ferienbeginn; denn dann erreicht die Wissbegierde der Schüler ihren Höhepunkt, sodass die Lehrer kaum noch mithalten können
Quartal plötzlich auftauchender Termin, an dem manche Schüler erstaunt feststellen, dass es in der Schule auch Noten für nicht erbrachte Leistungen gibt
Raucherzimmer das zweite Lehrerzimmer, ein Luftkurort; denn fast alle Lehrer mit Atemwegsproblemen suchen hier Zuflucht
SV die Schülervertretung, deren Mitgliedschaft zu erlangen das Bestreben jedes Schülers ist; wer sich einen Platz erkämpft hat – leider nimmt auch in der Schule die Korruption immer mehr zu -, genießt hohes Ansehen, schulische Vorteile und satte Diäten
Toilette in vielfacher Hinsicht am meisten benutzte Räume in einer Schule (Hausaufgaben abschreiben, rauchen etc.); besticht durch ihre Sauberkeit. (Dazu kann man nur sagen: Hoffentlich sieht es bald überall so aus!)
Unterricht eine lästige Randerscheinung der Schule, die ständig die Pausen für 45 min. unterbricht
Verspätung ein heiliges Ritual, das zu Beginn einer jeden Stunde aufs Neue zelebriert wird
würfeln beliebtes Mittel der Lehrer, die Noten festzustellen
Xanthippe Synonym für Lehrerin
y-Achse mathematisches Gebilde, das seit Ewigkeit nach oben strebt und doch nicht von der Stelle kommt; Metapher des schulischen Lernens
Zusammenarbeit bei Gruppenarbeit verboten, wird jedoch in Klassenarbeiten und Klausuren oft geflissentlich übersehen

Schreiben nach Bildern

Schreiben nach Bildern gilt heute als eine Technik kreativen Schreibens. Diese Technik ist mindestens über 200 Jahre alt. Bereits Kleists Stück „Der zerbrochene Krug“ geht auf einen Kupferstich von Le Veau (1782) zurück, der nach einem Gemälde von Debucourt angefertigt war. Kleist beschloss, mit seinen Freunden Ludwig Wieland und Heinrich Zschokke einen poetischen Wettbewerb auszutragen. „Zschokkes naiv-sentimentale Erzählung erfaßt das Genrehafte der Szene, Wielands Satire ihr moralisches Thema und Kleists Lustspiel die forensische Belebtheit der Figuren.“ (Hannelore Schlaffer: Deutsche Literatur in Bildern. Klassik und Romatik, 1770-1830. Stuttgart 1986, S. 101)

Als frühestes Beispiel eines nach einer Bilderfolge entstandenen Werks ist Christoph Friedrich Bretzners „Das Leben eines Lüderlichen“ nach den Stichen von Chodowiecki und Hogarth (1774) anzusehen. (a.a.O.)

Fabelanfänge fortsetzen, Fabeln schreiben

Fabeln gelten oft als Erzählungen für Kinder; die Praxis zeigt, dass selbst Schüler in Kl. 11 sich oft schwertun, einfache antike Fabeln exakt zu erfassen. – Die folgende Übung steht unter dem Sternzeichen der Ersatzprobe: Erst wenn man eine andere Lösung erwägt, kann man die vorgegebene Lösung in ihrer Eigenart würdigen. Hinter der folgenden Aufgabenstellung steht eine bestimmte Theorie der Fabel: dass es nämlich in Fabeln darum, über richtiges/falsches Handeln zu entscheiden.

 

Aufgabenstellung:

Suche zu erkennen, welcher Fall vorliegt (was zur Entscheidung steht), und ergänze den gegebenen Anfang im Sinn (d)einer Lösung:

 

* Als ein Esel die Zikaden singen hörte, freute er sich über ihre schönen Stimmen, und, sie um ihr Talent beneidend, sagte er: “Wovon lebt ihr nur, dass ihr so schön singt?” “Vom Tau”, gaben sie zur Antwort.

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(it 187, S. 113)

 

* Beim Begräbnis eines seiner Bekannten sagte ein Arzt zu denen, die jenem das letzte Geleit gaben: “Wahrhaftig! Wenn dieser Mensch keinen Wein getrunken und Spülungen gebraucht hätte, wäre er nicht gestorben.”

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(Schöne Fabeln des Altertums, 1955, S. 28)

Man kann diese Aufgabenstellung damit vergleichen, dass man Märchenanfänge oder die Anfänge von Kurzgeschichten fortsetzen lässt.

Balladen in Kl. 7 – über didaktische Fiktionen

In Klasse 7 liest man am Gymnasium gern Balladen, vor allem deshalb, weil sie in den Arbeitsbüchern stehen und weil man das immer so gemacht hat. [Ich habe öfter in Klasse 11 eine U-Reihe „Balladen“, beginnend mit „Lenore“, gehalten, das nur am Rande gesagt.] Was sollen die Schüler an Balladen lernen, wozu sollen sie Balladen lesen?
Die Eigenart der Gedichtform Ballade ist, wenn Goethe Recht hat, eine Verbindung epischer, lyrischer und dramatischer Momente; diese Eigenart sollte man vielleicht auch herausarbeiten, das wäre keine schlechte Idee. Die lyrischen Elemente könnte man kurz berühren, falls man in Kl. 5/6 Gedichte gelesen hat, und den Akzent stärker auf die dramatischen Elemente setzen.

Was macht Cornelsens „Deutschbuch (Neue Ausgabe) 7“ daraus? Dieses Buch ist von lauter erfahrenen Didaktikern gemacht, in der Preisklasse Fachleiter. Zu Möricke: Die traurige Krönung, sollen die Schüler mal eben ein Filmdrehbuch schreiben (S. 235); dafür dürfen sie Goethe: Der Zauberlehrling, in ein szenisches Spiel umsetzen, am besten als Schwarzlichttheater (S. 239), und so geht das voller didaktischer Fantasie weiter; variatio delectat, aber – mal ganz praktisch gefragt – bereitet man so die Schüler auf eine Klassenarbeit vor? Und wozu sollen die Schüler Drehbücher schreiben können (wenn sie es denn können)?

Dagegen setze ich jetzt die Realität. Ich habe mit einem normalen Schüler aus Klasse 7 Goethe: Der Zauberlehrling, bearbeitet; er musste (das war die von seinem Lehrer gestellte Hausaufgabe) zu jeder Strophe notieren, wie der Zauberlehrling sich fühlt. Wir haben Strophe für Strophe besprochen und sind dabei auf eine Menge schwer verständlicher Wörter und Wendungen gestoßen, die ich hier festhalte:
Goethe: „Der Zauberlehrling“ – Erläuterungen zu Vers
4 nach meinem Willen: es spricht der Zauberlehrling;
6 merkt ich: merkte ich mir;
6 Brauch: wie er das gewöhnlich gemacht hat;
9 walle: gehe (heute noch: Wallfahrt);
10 manche Strecke: (unbestimmt:) Wege
11 zum Zwecke: du dem von mir gewollten Zweck (ein Bad zu nehmen)
16 nimm die Lumpenhüllen: unklar, vermutlich: ziehe dich an;
22 Wassertopf: siehe Vers 29!
29 läuft zum Ufer: damals gab es keine Wasserleitung;
30 wahrlich: tatsächlich, wirklich (vgl. „seht“, V. 29);
32 mit raschem Gusse: mit dem rasch geholten Wasser;
34 Becken schwillt: das Wasser im Becken steigt, schwillt an;
39 f. deiner Gaben vollgemessen: Wort und Genitivkonstruktion sind ungebräuchlich; etwa: das Maß deiner Gaben ist voll;
42 das Wort: das Zauberwort fürs Aufhören;
49 hundert Flüsse: vieles, was fließt („Fluss des Wassers“);
52 lassen: zulassen;
57 Ausgeburt: (Schimpfwort:) als wäre jemand nicht von oder aus einer menschlichen Mutter geboren;
59 Schwelle: früher Fußbodenbalken einer Zimmertür (heute: bei Eisenbahnschienen)
61 verrucht: verbrecherisch, verworfen (achtlos gegenüber dem, was heilig ist) – hat nichts mit „riechen“ zu tun, sondern kommt vom mhd. Verb „ruochen“ (sich um etwas kümmern, Sorge tragen);
65 f. (etwa) Willst du es am Ende gar nicht sein lassen?
74 Schärfe (des Beiles): das scharfe Beil;
75 brav: gut;
84 hohe Mächte: starke Geister(mächte)
93 die Anführungszeichen: Jetzt spricht der Meister;
95 Seid‘s: er spricht zwei Besen an.
Dann haben wir über die Gefühle des Zauberlehrlings gesprochen, die treffenden Wörter gesucht und schriftlich festgehalten, schließlich noch „wallen“ im Etymolog. Wörterbuch nachgeschlagen – meine Erklärung zu „verrucht“ war in der mündlichen Erklärung übrigens falsch, ich hatte es gefühlsmäßig von „riechen“ abgeleitet (analog: im Geruch der Heiligkeit stehen). Abschließend haben wir das sinnvolle Lesen geübt. – Dafür haben wir insgesamt rund 65 Minuten gebraucht, im Einzelunterricht.

Von den Schwierigkeiten, die ein normaler Schüler mit der Ballade hat, ist im Arbeitsbuch von Cornelsen nicht die Rede; sie sind auch in der Planung dort nicht vorgesehen – da erfasst man gleich die ganze Ballade mit einem Sprichwort (zusammen zwei Probleme: Doppelt genäht hält besser!) und begibt sich dann an die wirkungsvolle Inszenierung mit Schwarzlicht. Da kann ich nur fragen: In welcher Welt leben eigentlich die Lehrbuchmacher? Wann haben sie zum letzten Mal mit einem lebendigen Schüler gesprochen (und nicht nur über Zauber-Schau-Stunden von Referendaren gebrütet)?
Ich empfehle die Lektüre des Interviews mit Oliver Bierhoff, Manager der Fußball-Nationalmannschaft (also nicht der Schülermannschaft!), in der SZ vom 17. Nov. 2007. Dort sagt Bierhoff u.a.:
1. „Wir müssen unsere jungen Spieler auf intelligente Weise mehr belasten und noch mehr fordern.“ [Adverbial: auf intelligente Weise]
2. (Über das Training in Italien, Spanien, England:) „Dort trainieren sie mit hoher Intensität, bis die geübten Dinge zur Gewohnheit werden.“
3. „Du musst eben bereit sein, mit Hingabe solche Basics zu üben. (…) Das ist langweilig, aber: Repetition ist the mother of skills, wie das so schön heißt.“
Von Bierhoff lernen heißt siegen lernen; wir sollten die Lehrbuchmacher, die teilweise vermutlich auch die Abituraufgabenmacher sind, einmal zu Bierhoff schicken, damit sie endlich von ihren didaktischen Fiktionen lassen und sich auf normale Schüler einstellen! Das Lehrbuch hilft an dieser Stelle „wahrlich“ keinem jungen Kollegen, vernünftigen Untericht zu machen.
Vielleicht hängen die utopische Didaktik der Lehrbücher und die Tatsache, dass sich „unten“ nichts oder nur wenig ändert, zusammen?

Kleiner Nachtrag zu den Vorschlägen, was man produzieren kann:
Aus Goethes „Erlkönig“ soll ein kleines Hörspiel gemacht werden (S. 240), wobei natürlich „Nacht und Wind“ vertont werden müssen – dabei liegt die Dramatik (anders als bei „Der Knabe im Moor“) nicht in den Geräuschen als solchen, sondern in der Wahrnehmung des Erlkönigs [wie man „Nacht“ vertont, ist mir ohnehin unklar]; das macht aber nichts, es soll ja ein Hörspiel gemacht werden, und dazu müssen dann „auch die Geräusche, die das Pferd macht,“ in die Darstellung einbezogen werden – von solchen Geräuschen ist im Text aber nicht die Rede, die werden um des Hörspiels willen erfunden, auch wenn sie bedeutungslos sind!
Wenn ich Schüler wäre, würde ich hierzu sagen: „Das Pferd furzt.“ Dann wäre die Stunde gelaufen.
Von den realen Schwierigkeiten des Verstehens („bergen, dich warten, nächtlicher Reihn, grausen“; den Ort des Geschehens identifizieren) ist im Lehrbuch wieder nicht die Rede. Sollte man die Schüler nicht eher ein deutsches Wörterbuch benutzen als ein Hörspiel produzieren lassen?

Parodieren, Parodie schreiben (mit Beispielen)

Man parodiert etwas, wenn einem bestimmte Inhalte in ihren spezifischen Ausformungen zum Hals heraus hängen. So wird durch den frommen, aber genervten Kirchenbesucher „Großer Gott, wir loben dich…“ umgeformt in „Großer Gott von Lobberich…“ [für Ortsunkundige: Lobberich ist ein Dorf am Niederrhein]. Oder in unserer Familie haben wir ein Weihnachtslied umgeformt (weil ich das fromme Gedudel nicht mehr hören konnte):
„Die redlichen Hirten stehn kniend davor,
hoch oben pupst jubelnd der Engelein Chor.“
Das geht auch bei Schlagern prima: „Der Junge mit dem Hund von Monika…“, „Es hängt ein Büstenhalter an der Wand…“ (Parodie von „Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand“) bzw. „Es hängt ein Autoreifen an der Wand“.
So haben Eichendorff und Herwegh schon Goethes „Nachtgesang“ parodiert, so kann man Benn und Bloch wegen ihrer sprachlichen Besonderheiten leicht parodieren. Brecht hat mit „Großer Dankchoral“ das Te Deum parodiert, die ganze „Hauspostille“ ist ein Parodie kirchlicher Formen und Riten.
Vor gut zehn Jahren stand in der ZEIT eine Parodie der Warnungen vor Drogensucht, in der berichtet wurde, wie eine Frau nach Waschmitteln süchtig wurde, und vor dieser Waschmittel-Sucht gewarnt wurde.

Weil es so schön ist, ein Beispiel, das ich in der Schule gelernt habe:

„Ich bin klein,
mein Herz ist rein,
ich schlaf allein –
muss das sein?“
(von Christina, die so ihre Oma aus Ratheim zitierte)

Idee: im Deutsch- oder Literaturunterricht Parodien schreiben

Beispiele einer Parodie der wikipedia:

http://www.stupidedia.org/stupi/Hauptseite

http://de.uncyclopedia.org/wiki/Hauptseite

http://kamelopedia.mormo.org/index.php/Kamelopedia:Hauptseite

(vgl. http://www.netzeitung.de/internet/917817.html)

Ich würde übrigens eine Parodie als Sonderform der Satire betrachten, wobei die Kritik durch die Nachahmung bestimmter Merkmale der Form der kritisierten Vorlage (meist mit einer Trivialisierung oder „Verblödung“ des Inhalts verbunden) geübt wird.

Fortsetzung 2013 (weitere Beispiele, Theorie der Parodie):

http://www.fernuni-hagen.de/EUROL/termini/welcome.html?page=/EUROL/termini/6231.htm

Kästner: Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn? (-> Goethe: Mignon)

Kästner: Der Handstand auf der Loreley (-> Heine: Ich weiß nicht, was soll es bedeuten)

http://www.erlangerliste.de/parodie/lenore.html (große Sammlung)

http://de.wikisource.org/wiki/Parodien (Sammlung von Beispielen)

http://www.litipedia.de/artikel/parodie (Definition)

http://www.erlangerliste.de/vorlesung/parodieII2.html (Theorie)

(vgl. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Parodie)

60. Geburtstag eines Nachbarn

Engel:

Rainer, lieb’ Geburtstagskind,

nein, wie schnell die Zeit verrinnt.

Will nicht in meinen Kopf hinein:

60 sollst du jetzt schon sein?!

Hast dich wahrlich gut gehalten,

zählst noch lang nicht zu den Alten.

Jeder sieht es offenbar,

du wirst sicher 100 Jahr.

Teufel:

Rainer, du Geburtstagskind –

ach, die Zeit verrinnt geschwind!

60 Jahre sind vertan,

und das sieht man dir auch an.

Die Jugend nennt dich altes Eisen,

das Gegenteil willst du beweisen.

So kriegst du noch ’ne Menge Trouble,

bevor du abgibst deine Gabel.

Engel:

Das Antlitz männlich und apart,

es macht dich reif und wirkt doch zart.

Kühn die Nase, scharf der Blick,

stolz das Haupt auf dem Genick;

im Gesicht noch straffe Haut,

überm Ohr dezent ergraut.

Teufel:

Dein Gesicht beherrscht der Zinken,

nach dem Klo sieht man dich hinken;

und die vielen Krähenfüß’

wirken wirklich nicht mehr süß!

Runzelig wird das Gesicht,

in die Knochen zieht die Gicht!

Engel:

Den Frau’n gefällst du nach wie vor,

attraktiv von Zeh’ bis Ohr,

wie sie auch zu lieben scheinen

den Elan in deinen Beinen.

Teufel:

Auch frische Farb’ am grauen Schopf

macht lange keinen jungen Kopf.

Das Rückgrad sich verbiegen tut,

man sieht’s genau: Dir geht’s nicht gut!

Engel:

Du meidest allzu viel Promille,

den Wein genießt du in der Stille;

nichts entgeht dem wachen Ohr,

alles trägst du mit Humor.

Teufel:

Du verträgst kaum noch Promille

brauchst zum Lesen eine Brille.

Kaum ein Laut dringt mehr ganz vor

an das langsam taube Ohr.

Engel:

Was jeder wünscht, ist dir beschieden:

ein trautes Heim in Glück und Frieden.

Teufel:

Täglich flippst du dreimal aus,

sehnst dich nach dem Irrenhaus.

Engel:

Auch ziemlich sexy sollst du sein:

Die Gattin springt als Zeugin ein.

Im Liebesleben emsig, fleißig,

gerade so, als wärst du 30!

Teufel:

In der Liebe kein Verlangen –

deine Gattin muss schon bangen.

So nähert sich mit Vehemenz

das Ende männlicher Potenz.

Engel:

Richte deinen Lebenssinn

ruhig auf die Zukunft hin!

60 ist doch noch kein Alter,

du bist frisch noch wie der Walter.

Sollst dich langsam vorbereiten

auf den Frühling, deinen zweiten.

Teufel:

60 bist du, sechs mal zehn!

Kannst bald nicht mehr richtig geh’n.

Frühling wird’s, doch dir wird kälter,

täglich wirst du alt und älter.
Langsam nähert sich dein End’,

Zeit wird’s für dein Testament.

Engel:

Hier beim 60er Gelage,

heut’ an deinem Jubeltage,

wünschen alle deine Gäste

dir von Herzen nur das Beste.

Teufel:

Alle, die hier mit dir trauern,

voller Falschheit dich bedauern,

heucheln Freundschaft, währenddessen

saufen sie und wollen fressen!

Engel:

Bleibe froh und glaub getrost

an die Zukunft: Rainer, Prost!!

Teufel:

Bleibt auch dir nur noch der Trost

in der Flasche: Alter, Prost!!

(Vorlage ursprünglich hier, dann http://www.festpark.de/g306.html, g242 und ähnliche; von mir ein bisschen gekürzt und sprachlich leicht überarbeitet), vgl. auch http://norberto42.gedicht-zum-60.-70.-75.-80.-85.-90.-geburtstag und die „Rede zum Geburtstag“!

P.S. Dieser Tage hatte ich eine Idee für eine Rede zum 60. Geburtstag: „60 ist eine runde Sache, wie man auf der Uhr sehen kann: In 60 Minuten geht der Zeiger einmal rund.“ Das Runde kann man dann auf den Gratulanten zuschneidern: Du hast alles erlebt, warst Enkel und Sohn (Tochter), hast Kinder und Enkel (evtl.) …“ Man kann das Verhältnis Minuten/Stunde auch für gute Wünsche nutzen: „Die erste Stunde ist um (60 min), die zweite kriegst du nur teilweise: Wir wünschen dir … Und du wirst wissen, dass jede einzelne neue ‚Minute‘ kostbar ist und wirst dafür dankbar sein, vielleicht sogar für die ‚Sekunden‘, die Momente unscheinbaren Glücks …“

Gedicht zum 60., 70., 80., 90. Geburtstag

Wilhelm Busch
Im Herbst des Lebens
leicht überarbeitet zum 4. Januar 2009

Der schöne Sommer ging von hinnen,
der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
so manches feine Festgewand.

Sie webten zu des Tages Feier
mit kunstgeübter Beineschar
ganz allerliebste Elfenschleier
als Schmuck für Wiese, Haupt und Haar.

Ja, tausend feine Silberfäden
gaben den Augen sie zum Spiel,
die ziehen sanft dahin und schweben
ans unbewusst bestimmte Ziel.

Sie reichen bis ins Kinderland,
als Eicken deine Heimat war,
und heut’ verknüpft ein zartes Band
dich mit der ganzen Gästeschar.

Das Gedicht eignet sich besonders gut für Leute mit grauen Haaren: Silberfäden… In der letzten Strophe wird man „Eicken“ durch den jeweils passenden Ort ersetzen.