Mehrsprachigkeit

Wenn man „Mehrsprachigkeit“ in der Suchmaschine eingibt, wird man überrascht, wie viele Institutionen und Vereine sich mit dem Thema befassen: Mehrsprachigkeit ist eine gesellschaftliche Realität in Deutschland, die auch deshalb zum Problem geworden ist, weil wir es politisch versäumt haben, anders als mit der naiven Forderung „Bitte alle Deutsch lernen – Deutschland ist kein Einwanderungsland!“ darauf zu reagieren. Insofern ist es zu begrüßen, dass Mehrsprachigkeit in der Vorbereitung aufs Abitur 2017/18 in NRW ein verpflichtendes Thema ist.

Ich habe bei google und ixquick jeweils die ersten 50 Links durchgesehen:

http://www.dgs-ev.de/fileadmin/bilder/dgs/pdf-dateien/broschuere_12.pdf (Sprachentwicklung bei Mehrsprachigkeit: wie Kinder mehrere Sprachen erwerben, wie sich Sprachentwicklungsstörungen bei mehrsprachigen Kindern ausdrücken, wie man Kinder im Sprachenerwerb unterstützen kann)

http://www.shlr.ch/media/downloads_sal/brosch%C3%BCre%20mehrsprachig%202012%20web.pdf (ähnlich)

http://www.zeit.de/2015/47/mehrsprachigkeit-kinder-vorteile (Reportage über Berliner Kita)

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/erziehung-kinderleicht-1.2813614 (ähnlich)

https://www.foermig.uni-hamburg.de/pdf-dokumente/spracherwerb.pdf (Spracherwerb zweisprachig aufwachsender Kinder – ausführlich, mit Fazit am Ende jedes Kapitels)

https://www.frankfurt.de/sixcms/media.php/738/Mehrsprachigkeit_2012.pdf (Mehrsprachigkeit: Aktionen und Projekte in der Schule – praktische Anregungen, eher für Lehrer?)

https://de.wikipedia.org/wiki/Mehrsprachigkeit (unausgewogen)

http://www.welt.de/wissenschaft/article13621609/Mehrsprachigkeit-verschafft-geistigen-Vorsprung.html („Wissen“: Mehrsprachigkeit – pauschal: ihre Vorteile)

http://www.welt.de/wissenschaft/article154185581/Wie-Mehrsprachigkeit-unser-Gehirn-veraendert.html („Wissen“: Wie Mehrsprachigkeit unser Gehirn verändert – pauschal: ihre Vorteile)

http://www.tagesspiegel.de/wissen/position-deutschlands-zukunft-ist-mehrsprachig/11183286.html (Plädoyer für Mehrsprachigkeit ->analysieren?)

http://www.nzz.ch/warum-englisch-allein-als-wissenschaftssprache-nicht-genuegt-1.5247130 („Englisch allein als Wissenschaftssprache genügt nicht“: Artikel der NZZ, kann bei Ixquick unter „Anonym öffnen“ geöffnet werden. – Ähnlich: http://www.baukammerberlin.de/2015/01/warum-englisch-allein-als-wissenschaftssprache-nicht-genuegt-vielfalt-statt-einfalt/)

http://paedagogik-news.stangl.eu/233/mehrsprachigkeit-chance-oder-risiko (Mehrsprachigkeit: Chance oder Risiko?)

https://www.bmbf.de/pub/Sprachenvielfalt.pdf (Broschüre des bmbf)

http://www.fmks-online.de/download/FMKS-Ich_kann_viele_Sprachen_lernen.pdf (Broschüre des Vereins fmks: Ich kann viele Sprachen lernen; Plädoyer für Immersion: Die Fremdsprache ist dabei immer mit Aktivitäten und Inhalten verknüpft, die für die Lernenden bedeutungsvoll und interessant sind.)

http://www.verband-binationaler.de/mehrsprachigkeit/ (Verband binationaler Familien und Partnerschaften: mehrere Broschüren)

https://www.vhs-braunschweig.de/vhshdf/dialogwerk/PDF/Praesentation-Kuepelikilinc.pdf (Thesenartig: Mehrsprachigkeit als Schatz, mit der kleinen Raupe Nimmersatt und praktischen Tipps zum Schluss)

http://home.edo.tu-dortmund.de/~hoffmann/ABC/ABC_Zuwand.html (Kleines A-B-C: Migration und Mehrsprachigkeit; viele Artikel, wichtig ist „Bilingualismus“)

http://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs/DJI_Multikulti_Heft2.pdf (Dokumentation einer Tagung 1999 des DJI: Mehrsprachigkeit im multikulturellen Kinderleben)

https://www.testdaf.de/fileadmin/Redakteur/PDF/Forschung-Publikationen/Mehrsprachig_Zimm_Rupp.pdf (Symposion 2012: Mehrsprachig in Wissenschaft und Gesellschaft)

http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D24596.php (Historisches Lexikon der Schweiz: „Mehrsprachigkeit“)

http://europa.eu/pol/mult/index_de.htm (Mehrsprachigkeit in der EU)

http://www.europarl.europa.eu/aboutparliament/de/20150201PVL00013/Mehrsprachigkeit (Mehrsprachigkeit im Europ. Parlament)

http://www.iaf-bremen.de/projekte/mehrsprachigkeit.html (Links: News und Tipps zum Thema Mehrsprachigkeit)

https://www.foermig.uni-hamburg.de/bildungssprache/mehrsprachigkeit.html (Uni Hamburg: Kompetenzzentrum…: Literaturhinweise)

Vgl. auch den Kommentar 

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article154229289/Wie-Fluechtlinge-die-deutsche-Sprache-veraendern.html

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Wortfamilie „ziehen“

Die Arbeit an Wortfamilien kann man sich durch den Rückgriff auf ein Deutsches Wörterbuch vereinfachen, etwa auf http://www.dwds.de/; dort findet man zusätzlich ein Etymologisches Wörterbuch und auch das von den Brüdern Grimm begründete DWB.

Ein besonders fruchtbares Wort ist „ziehen“, wofür das DWDS bereits 18 Bedeutungen angibt (über diese Aufteilung kann man natürlich streiten), dazu eine Reihe davon abgeleiteter Verben, Substantive und Adjektive. Ich halte mich i.W. an den Artikel aus dem DWDS (http://www.dwds.de/?qu=straff%20ziehen), dort ist die Liste noch ausführlicher:

ziehen – Verb (doppeltes Perfekt: hat gezogen/ist gezogen)

1

etw., jmdn. von der Stelle und hinter sich her bewegen hat

übertragen es zieht jmdn. wohin es drängt, lockt jmdn. wohin

2

etw., jmdn. (aus etw.) herausholen, hervorholen hat

3

an etw. ziehen: an etw. zerren, reißen hat

übertragen alle Register ziehen (alle Hebel in Bewegung setzen, alles aufbieten)

4

etw., jmdn. in einer bestimmten Richtung bewegen, in eine bestimmte Lage, Stellung bringen hat

übertragen gegen jmdn. vom Leder ziehen (zu schimpfen beginnen; jmdn. scharf angreifen)

5

einzelne Partien des Gesichts durch ein bestimmtes Mienenspiel verändern hat

6

eine (langgestreckte) Linie herstellen hat

bildlich die Affäre zog immer größere Kreise (verbreitete sich immer mehr)

b

eine Vertiefung graben

einen Graben, viele Furchen ziehen

c

eine Wand ziehen (errichten, mauern)

7

etw. in seine ganze Länge ausdehnen, strecken hat

bildlich der Prozeß müsse künstlich in die Länge gezogen werden (absichtlich verzögert werden)

8

etw. durch Strecken, Dehnen eines Werkstoffs erzeugen hat

bildlich die Spinne zieht Fäden (sondert sie aus ihren Spinndrüsen ab)

umgangssprachlich etw. zieht Fäden, Blasen etw. ist zähflüssig, bildet Fäden, Blasen

9

etw. zieht sich irgendwohin: etw. erstreckt sich irgendwohin hat

übertragen dieses Motiv zieht sich durch den ganzen Roman (geht)

10

etw. einsaugen, aufnehmen hat

bildlich die Pflanzen ziehen Nahrung aus dem Boden

11

Pflanzen anbauen, Tiere züchten hat

übertragen Ich ziehe ihn mir schon noch (ich werde ihn schon noch nach meinem Willen formen)

12

dient oft zur Umschreibung eines Verbalbegriffs; abgeblaßt hat;

in Verbindung mit Substantiven

Nutzen aus etw. ziehen (etw. für sich nützen)

aus etw. einen Schluss auf etw. ziehen aus etw. auf etw. schließen

etw. in Zweifel ziehen etw. bezweifeln

jmdn. ins Vertrauen ziehen (jmdn. in etw. einweihen)

13

sich auf verschiedenartige Weise irgendwohin begeben, fortbewegen ist

a

heimwärts, in die Fremde ziehen

übertragen mancherlei Gedanken zogen durch seinen Kopf (gingen)

b

umgangssprachlich seinen Wohnsitz ändern, umziehen

14 etw. zieht hat

a

ein Gerät arbeitet, funktioniert

b

etw. lässt die nötige Luft durch, hat Zug

15 hat

der Kaffee, Tee zieht (das Kaffee-, Teewasser nimmt das Aroma auf)

16

umgangssprachlich etw., jmd. zieht etw.: jmd. macht Eindruck, hat Erfolg hat

17

umgangssprachlich es zieht (jmdm.), es schmerzt (jmdn.) hat

18

umgangssprachlich es zieht es entsteht Zugluft hat

Dazu

abziehenanziehenaufziehenauseinanderziehenausziehen, beiziehenblankziehenbreitziehendaherziehendahinziehen, davonziehendurchzieheneinziehenentgegenziehenfestziehen, fortziehenglattziehengleichziehengroßziehenherabziehen, heranziehenheraufziehenherausziehenherbeiziehenhereinziehen, herumziehenherunterziehenhervorziehenherziehen, herüberziehenhinabziehenhinaufziehenhinausziehen, hindurchziehenhineinziehenhinterziehenhinziehenhinzuziehen, hinüberziehenhochziehenlangziehenlosziehenmitziehen, nachziehenniederziehenstraffziehenstrammziehenumherziehen, vollziehenvorbeiziehenvorziehenvorüberziehenwegziehen, zurechtziehenzurückziehenzusammenziehenzuziehenüberziehen

(und mit „ziehen“ metaphorisch:) beziehenentziehenerziehenverziehen,

Dazu Wörter mit „Zieh-„ und „-zieher“(s. im Wörterbuch!)

Ferner: „Zug“ und Wörter mit „-zug“ (Abzug, Anzug, Antwortzug, Auszug, Bezug, Eilzug usw., Einzug, Nachzug, Rückzug, Verzug, Vorzug – oft in mehreren Bedeutungen!), ferner: „Beziehung, Bezüge, Erziehung, Zögling“

Ferner Adjektive: abzüglich, anzüglich, bezüglich, rückbezüglich, ungezogen, vorzüglich, zuzüglich

https://archive.org/details/diewortfamiliend00lieb/page/16 (Wörterbuch: Deutsche Wortfamilien)

Blog philoso42.wordpress.com umbenannt

Guten Tag,

ich möchte alle Interessenten kurz darauf hinweisen, dass ich mein Blog philoso42.wordpress.com umbenannt habe: https://also42.wordpress.com/ Damit wird der alte (abgeschaltete) Blog-Titel von kulando.de wieder aufgenommen (also.kulando.de).

P.S. Übrigens war Ixquick die erste Suchmaschine, die die neue Seite (am 21.12.15, vormittags) gefunden hatte; am Nachmittag des gleichen Tages haben https://serioussearch.de/ und https://duckduckgo.com/ die neue Seite erfasst, am Abend http://www.semager.de/ und Metager (von Yahoo), am späten Abend auch Bing und https://www.qwant.com/. Am Nachmittag des 22. Dezember reagieren google.de und hulbee.com zwar nicht auf „also42“, aber auf Artikel im neu benannten Blog; info.com reagiert erst am Abend entsprechend. Am Vormittag des 23.12. zeigen google.de und info.com „also42“, nur hulbee.com noch nicht. – Dies war ein kleiner Test der wichtigsten Suchmaschinen. Der Fairness halber muss ich hinzufügen, dass neue Artikel von mir am schnellsten bei google zu finden sind.

P.S. Wenn man heute (9. Januar 2016) z.B. ‚Hannah Arendt also42‘ eingibt, liefert google mit weitem Abstand die besten Ergebnisse.

Abiturnoten 2000 – 2012

Es gibt bei der bpb eine Übersicht über die Entwicklung der Abiturnoten 2000 – 2012:

http://www.bpb.de/fsd/bildungsgrafik5/Abinoten_Laendervergleich.html

(und http://www.ksta.de/politik/diskussion-um-notendurchschnitt-und-bundesland-unterschiede-abitur-ist-laengst-nicht-gleich-abitur,15187246,30928804.html)

Dabei fallen Berlin, Brandenburg und NRW als die Länder auf, in denen es eine massive „Verbesserung“ (der Noten) gibt. Wer allerdings glaubt, der Verbesserung der Noten entspreche gleichermaßen eine Verbesserung der Schüler, dem ist nicht zu helfen. Die Verbesserung der Noten ergibt sich zumindest für NRW einmal aus der Veränderung der Aufgabenformate im Zentralabitur [die Aufgaben sind zumindest in NRW im Fach Deutsch stark vorstrukturiert, sodass die eigenständige Konzeption eines „Aufsatzes“ nicht mehr eingefordert wird], sodann aus einer Veränderung der Benotungspraxis – die lässt sich auch an den Universitäten feststellen, man vergleiche die Studienabschlüsse der Psychologen oder Biologen mit denen der Juristen oder der Maschinenbauer, vgl.

http://www.zeit.de/campus/2013/02/notenvergabe-hochschulen-ungerechtigkeit

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/noteninflation-einser-fuer-alle-12115313.html

http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2627-12.pdf

http://www.zeit.de/2012/48/Hochschule-Notenvergabe

http://www.sueddeutsche.de/bildung/gute-noten-an-hochschulen-warum-die-einser-inflation-nicht-ueberrascht-1.1526490

 

weismachen

Das Wort „weismachen“ bedeutete ursprünglich: jemanden belehren, also ihn weise machen; weismachen geschah mit dem Mund, es war ein Mundwerk.
Nun hat das Volk gemerkt, dass die hochgelehrten Herren (Damen hatten damals nichts zu sagen, jedenfalls nicht öffentlich) mit ihren klugen Worten oft nichts sagen, ja, die Leute sogar nur an der Nase herumführen wollen. Auch wenn es sehr klug klingt, kann man mit dem Mundwerk leeres Stroh dreschen, ohne dass dabei Körner oder sonst Genießbares herauskäme. Dadurch änderte sich der Klang des Wortes, es gewann seine heutige Bedeutung.
Diesen Vorgang nennt man Bedeutungswandel; in unserem Fall hat sich eine normale Bedeutung in eine negative gewandelt (pejorative Bedeutung). Bedeutungswandel kann in vielfacher Form erfolgen; aber jetzt interessiert uns nur dieser eine Fall: Man verkaufe das Volk nicht für dumm!

Interpretationen: richtig / falsch ?

Zu den Binsenwahrheiten der Deutschlehrer und Interpreten mit dem großen Herzen gehört der Satz, bei einer Interpretation gebe es keine falschen Lösungen, sondern nur Lösungen. Konkret liest sich das etwa so:

„Außerdem sollten wir nun versuchen, die einzelnen Worte in einen Zusammenhang zu bringen und für uns selbst zu interpretieren.

Dabei gibt es kein richtig oder falsch. Denn wenn wir anhand unserer Gedichtanalyse etwas belegen, kann unsere Interpretation auch von der Meinung andere Menschen abweichen. Wichtig ist, dass wir ein stimmiges Gesamtbild schaffen.“ (http://wortwuchs.net/gedichtanalyse/)

Wenig später gibt es auf der gleichen Seite „Hinweise zum Aufbau der Gedichtanalyse“; dann benennt der Autor Jonas Geldschläger „Fehlerquellen bei der Gedichtanalyse“ und unterscheidet dabei viermal „Richtig / Falsch“. Auch wenn es also angeblich keine falsche Interpretation gibt, kann man doch einiges falsch machen.

Vielleicht gibt es aber auch falsche Interpretationen. Ich nenne dafür zwei Beispiele:

  1. Goethes Gedicht „Dauer im Wechsel“ beginnt so: „Hielte diesen frühen Segen / Ach nur eine Stunde fest! / Aber vollen Blütenregen / Schüttelt schon der laue West.“ In einer Klassenarbeit hat eine fromme Schülerin im frühen Segen die Taufe erkannt, was sachlich einfach falsch ist. Durch das „Aber“ in V. 3 sind die beiden Sätze miteinander im Sinn des Gegensatzes verbunden; der volle Blütenregen ist also die Tatsache, dass der frühe Segen keinen Bestand hat: Die Blütenfülle ist der frühe Segen. Im frühen Segen die Taufe zu erkennen ist eine bloße Assoziation zu einer Wortgruppe, die durch die Grammatik des Textes (Zusammenhang zweier Sätze) nicht gedeckt ist.
  2. „Wanderer, kommst du nach Spa…“ ist eine Erzählung Heinrich Bölls. Der Titel ist eindeutig ein verkürztes Zitat Schillers: „Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest / uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.“ Damit ist innerhalb der Überschrift und in der Erzählung „Spa…“ eindeutig als das verstümmelte Wort „Sparta“ zu verstehen; Deutungen des Fragments als Bezeichnung des belgischen Ortes Spa haben innerhalb des Schillerzitats keinen sachlichen Grund, sind also eindeutig falsch, auch wenn manche „Interpreten“ in ihren Assoziationen diesem Einfall huldigen (vgl. etwa http://de.wikipedia.org/wiki/Wanderer,_kommst_du_nach_Spa%E2%80%A6, dort die Diskussion).

In beiden Fällen kommt der Fehler dadurch zustande, dass ein Element aus seinem Zusammenhang gelöst und isoliert „gedeutet“ wird, was natürlich zum Spinnen führt.

Dass bei der Deutung eines ganzen Werkes mit Recht Unterschiede auftauchen können, je nachdem in welchen größeren Zusammenhang man es stellt, soll damit nicht bestritten werden; das ist bloß eine Konsequenz meiner Argumentation, dass man Elemente sinnvoll nur in ihrem Zusammenhang versteht. Den einzigen großen Zusammenhang eines Werkes gibt es jedoch nicht, bzw. wenn es ihn gibt, kann ihn keiner überblicken – es wäre die Weltgeschichte.

Inklusion: „Inklusive Missverständnisse“

Unter diesem Titel hat der emeritierte Professor für Sonderpädagogik Otto Speck einen wichtigen Aufsatz geschrieben (SZ vom 21.10.2014, S. 12). Die Pointe ist die, dass dem deutschen „Gesetz zu dem Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ (2008) ein Missverständnis zugrunde liegt: Dort wird Inklusion als Abschaffung der Sonderschulen verstanden; der englische Ausdruck „general education system“ wurde jedoch fälschlich mit dem deutschen Begriff der „allgemeinen Schulen“ (im Unterschied zu Sonderschulen) gleichgesetzt. Dem UN-Text mit der Forderung, alle Kinder am general education system teilnehmen zu lassen, liegt jedoch die Tatsache zugrunde, dass ca 25.000.000 Kinder im Primärschulalter mit Behinderung überhaupt keine Schule besuchen (und nicht: dass sie in Sonderschulen gefördert werden). Das bestehende deutsche Bildungssystem mit seinen Förderschulen könne also formal durchaus als ein „inklusives“ angesehen werden.

Die Improvisation von Inklusion, wie sie derzeit betrieben wird, führe bloß zu Benachteiligung der betroffenen Kinder. Ein pädagogisch substanziell ausgebautes System schulischer Inklusion (als Normalfall, mit einigen Sonderschulen) koste mehr als doppelt so viel wie das Förderschulsystem – von diesen Mehrkosten wolle aber noch niemand so recht etwas wissen.

Der Hebel sei beim „Ausbau eines hochwertigen gemeinsamen Unterrichts an den Regelschulen“ anzusetzen; erst dadurch lasse sich die Förderschulbesuchsquote spürbar senken.

(Otto Speck hat das Buch „Schulische Inklusion – Rhetorik und Realität“ geschrieben, das 2011 in 2. Auflage erschienen ist.)

P.S. Vor zwei Wochen hörte ich von einem Fall, dass ein Kind blind und taub ist, in einem Rollstuhl sitzt und eine Magensonde hat – die Eltern haben durch Klage erreicht, dass dieses Kind in die Grundschule aufgenommen wird. Aber die Grundschule hat keinen Betreuer für dieses Kind bekommen: Was macht die Lehrerin mit diesem Kind (neben den 20 oder 25 anderen, die sie auch zu betreuen hat)? 15.03.15

Pädagogische Arroganz: moderne Sexualpädagogik

Im Feuilleton der SZ steht heute (24.04.14) ein großer Aufsatz Christian Webers über das, was moderne Sexualpädagogik den Kindern anderer Leute zumutet („Was Sie noch nie über Sex wissen wollten“). Die Beispiele stammen weitgehend aus dem Buch „Sexualpädagogik der Vielfalt“ von Elisabeth Tuider u.a. (Beltz/Juventa 2012). Da sollen 15-jährige Schüler einen Puff für alle konzipieren und Siebtklässler sollen diskutieren, ob Sadomasochismus und Fetischismus eigentlich nur sexuelle Vorlieben oder auch Identitätsbausteine sind. 13-jährige sollen öffentlich vor dem Plenum ihr „erstes Mal“ in einer frei gewählten künstlerischen Form vortragen; dazu sollen sie Kärtchen ziehen: „Das erste Mal ein Kondom überziehen, das erste Mal ein Tampon einführen, das erste Mal Analverkehr.“ Und der Sexualpädagoge Uwe Sielert hat bereits 2002 öffentlich (Informationsdienst der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) erklärt, Ziel dekonstruktiver Sexualpädagogik sei es, „Heterosexualität, Generativität und Kernfamilie zu ‚entnaturalisieren’“ und die Jugendlichen in ihrer Geschlechtsidentität zu verunsichern, zu verwirren.

Es ist erschreckend und unverschämt, wie diese Apostel der sexuellen Vielfalt ihre privaten Wertungen den Kindern anderer Leute als verbindlichen Lernstoff vorsetzen. Zweifellos handelt es sich hier um normative Fragen; richtig ist es, gegenüber Menschen anderer Einstellung tolerant zu sein; falsch ist, die eigenen Normen fremden Kindern im Unterricht als die einzig richtigen zu vermitteln. Was Sielert, Tuider und ihre Gesinnungsgenossen anrichten, ist an Arroganz nicht zu überbieten und hat nichts mit der Toleranz zu tun, zu der Schule erziehen soll.

Rückblick 2013

Die 25 in diesem Jahr am häufigsten angeklickten Beiträge waren:

Wie schreibt man einen Leserbrief? (mit Beispielen) 47,139
Märchenanfänge fortsetzen, Märchen schreiben (mit Beispiel) 13,417
Wortfamilie “fahren”, weitere Beispiele 11,035
Bildhafte Sprache in Gedichten – Unterrichtsreihe in Klasse 6 8,873
Inhaltsangabe (mit Beispielen) 8,249
Satiren schreiben (mit Beispielen) 7,317
Alliteration, Stabreim (Beispiele) 6,785
Wortfamilien (Beispiel: schließen) 4,290
Leserbriefe – Beispiele 3,901
Lautmalerei (Onomatopoesie) – Beispiele 3,629
Übungsdiktate Klasse 7 3,404
Tagebuch schreiben, Tagebucheintrag verfassen 3,232
Alte Rechtschreibung – Regeln und Wörterbuch (Wörterliste) 3,036
Otto Wels: Rede vom 23. März 1933 vor dem Reichstag 2,806
Was sind Sinnabschnitte eines Textes? 2,655
Zentralabitur Deutsch NRW 2012 – 2. Thema Lk 2,437
Vollverb / Hilfsverb: haben, sein, werden 2,007
Gedichtanalyse, Gedichte analysieren – Überblick: meine Aufsätze (mit Beispielen) 1,993
Zentralabitur Deutsch NRW 2012 – 1. Thema Gk 1,906
Zentralabitur Deutsch NRW 2012 – 1. Thema Lk 1,711
Deutsch, deutsche Sprache lernen: Aufgaben und Übungen (Grammatik und mehr) 1,619
Zentralabitur Deutsch NRW 2011 – Lk 1,424
Das tägliche Übungsdiktat – Idee, Gebrauchsanleitung 1,409
Rhythmus eines Gedichts (Beispiel Goethe: Gefunden) 1,337
berichten, Bericht schreiben (mit Klassenarbeit) 1,318

Man sieht, dass sowohl Themen der Sek I wie der Sek II gefragt waren, wobei in der Spitze allerdings die Themen der Sek I dominieren.

https://norberto68.wordpress.de/2013/annual-report/

Lehrer werden in Deutschland kaum respektiert

Unter dieser Überschrift referiert der SPIEGEL die Ergebnisse einer internationalen Umfrage, nach der die Lehrer in Deutschland nicht gut abschneiden: http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/weltweite-umfrage-deutsche-lehrer-werden-kaum-respektiert-a-925826.html

Versehentlich hatte ich diesen kleinen Artikel gelöscht, ihn und die Quelle auch über google (cache) nicht wieder gefunden [teoma war, was die Quellensuche angeht, eindeutig besser als google], dann aber in der SPIEGEL-Suche den Bezugsartikel erneut entdeckt. Zugleich habe ich einige andere Berichte und ein Interview über die gleiche Umfrage gefunden:

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/umfrage-lehrer-in-deutschland-geniessen-wenig-ansehen/8881060.html

http://www.20min.ch/schweiz/news/story/26270270 (Interview Urs Moser, kritisch zur Umfrage)

http://www.fnp.de/nachrichten/politik/Umfrage-Ansehen-der-Lehrer-in-Deutschland-schlecht;art160,647151

http://www.welt.de/politik/deutschland/article120587133/Lausiges-Zeugnis-fuer-die-deutschen-Lehrer.html

http://www.20min.ch/schweiz/news/story/16649016

http://www.suedostschweiz.ch/politik/vertrauen-schweizer-schulsystem-sehr-hoch

http://www.bbc.co.uk/news/education-24381946

http://www.theguardian.com/teacher-network/teacher-blog/2013/oct/03/teacher-respect-status-global-survey

http://manilastandardtoday.com/2013/10/04/thanks-teach/