Semantik und Konstruktion von „warnen“

In der „Morgenlage“ des Tagesspiegels steht heute (4.3.2020): „Zuvor hatte der Geschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer, davor gewarnt, keine falschen Hoffnungen zu wecken.“ Gemeint ist, dass Herr Grosse-Brömer davor warnte, falsche Hoffnungen zu wecken (er sagte also, man solle sie nicht wecken).

Im Verb „warnen“ ist die Negation („nicht tun“!) impliziert, wie im „empfehlen“ die Negation fehlt („tun“!); dabei hat schon Gustav Wustmann vor über 100 Jahren auf diesen Fehler hingewiesen. Auch im Rundfunk hört man den gleichen Fehler oft – vom Fehlen des Konjunktivs, dem falschen Gebrauch von „weil“ oder dem falschen Gebrauch des Partizips Präsens („schuld sei das fehlende Vertrauen“ – nein, schuld sei das Fehlen des Vertrauens; das fehlende Vertrauen gibt es nicht, deshalb kann es auch nicht schuld sein) gar nicht zu sprechen!