Zitiertechnik, Regeln des Zitierens

A) Indirekte Zitate

Indirekte Zitate sind eine bloß sinngemäße Übernahme oder Kürzung einer Textpassage. Man setzt keine Anführungs- und Schlusszeichen. Am Ende der sinngemäßen Übernahme weist ein Klammerzusatz mit „vgl.“ (vgl. S. 21) darauf hin, wo die Textstelle im Ausgangstext wörtlich zu finden ist.

Beispiel: Redluff ist erleichtert, diese Probe bestanden zu haben (vgl. Z. 103 f.).

Häufig ist die indirekte Rede, d.h. Konjunktiv I, zu verwenden. [Der Schülerduden Grammatik lässt aber bei dass- und ob-Sätzen sowie nach einem Fragewort auch den Indikativ zu, siehe dort Nr. 102!]

Beispiel: Enfield erklärt Utterson, dass Hyde nicht leicht zu beschreiben sei (S. 23).

Wenn man den Text mit eigenen Worten paraphrasiert (umschreibt), genügt es, diese Zusammenfassung mit einem Verweis auf den Text zu legen (vgl. Kap. I und II).

B) Direkte Zitate

  1. Kurzbelege: Der Bote soll uns zwar die Nachricht bringen, wird aber durch die Gier der Menschen nach Luxus („ihre Wohnstätten nehmen kein Ende“, Z. 13; „und wieder ein Palast“, Z. 19) daran gehindert.

Kurzbelege sind Wörter oder Wortgruppen, die systematisch aus verschiedenen Text­abschnitten gesucht wurden und dasselbe Phänomen belegen.

  1. Nachgestelltes Zitat: Der erste Teil macht dem Leser klar, dass er der Empfänger der äußerst wichtigen Botschaft sein soll: „gerade Dir hat der Kaiser (…) eine Botschaft gesendet“ (Z. 3 f.).

Das Zitat ist eine syntaktisch zusammenhängende, im ganzen unveränderte Über­nahme aus dem Original. Auslassungen müssen durch (…) gekennzeichnet werden. Beim nachgestellten Zitat wird erst eine Erklärung oder Deutung geliefert; sie wird dann mit dem Zitat nachgewiesen.

  1. Vorangestelltes Zitat: „Du aber (…) erträumst sie Dir, wenn der Abend kommt.“ (Z. 23) Dies ist ein Bild, mit dem Kafka auf das Lebensende verweist.

Beim vorangestellten Zitat wird zuerst eine Textstelle angeführt und dann erläutert.

  1. Eingebautes Zitat: Der Bote, der als „ein kräftiger, ein unermüdlicher Mann“ (Z. 12 f.) dargestellt wird, kann nichts ausrichten.

Beim eingebauten Zitat wird die Textstelle in einen erklärenden Satz passend einge­fügt. 

  1. Grammatisch angepasstes Zitat: Wir alle können uns zu „de[n] Einzelnen, de[n] jämmerlichen Untertanen“ (Z. 1 f.) rechnen.

Wenn ein Zitat grammatisch verändert wird – z.B. andere Flexionsendungen -, müs­sen die Änderungen mit [ ] eingeklammert werden. – Besser wäre es vielleicht, den eigenen Satz so zu verändern, dass die Form des Originals passt, oder z.B. nur die Einzelwörter zitierend einzubauen: Wir alle können uns zu den „Einzelnen“, den „jämmerlichen Untertanen“ (Z. 1 f.) rechnen. 

  1. Verkürzung/Auslassung: Da begegnen sich „zwei Männer [Utterson und Lanyon, N.T.], die einer an des andern Gesellschaft (…) Freude empfanden“ und „alte Freunde“ sind (S. 15).

Wenn man ein Zitat kürzt, markiert man dies durch runde Klammern und drei Punkte – manchen Leuten genügen drei Punkte. Eckige Klammern nimmt man, um eigene Erklärungen oder grammatische Anpassungen zu markieren. Eine hinzugefügte Erklärung signiert man mit seinem Namen oder seinen Initialen.

  1. Zitat in Klammern: Jekyll verschreckt dadurch seinen Vetter („aber dieser kurze Blick hatte genügt. Eilig machten sie kehrt…“, S. 50), so dass er sich noch mehr Sorgen macht: „Gott vergib uns!“ (S. 51)

Es ist nicht schön, aber möglich, Zitate in Klammern einzufügen, wenn der Gedankengang nicht durch einen neuen Satz unterbrochen werden soll. Für die Seitenangabe genügt dann ein Komma.

Beachte: Das Zitat ist die wörtliche Übernahme von Formulierungen anderer Autoren und von Erkenntnissen und Forschungsergebnissen aus fremden Quellen. Die Sorgfalt gilt dem Urheberschutz.

  • Anführungszeichen für das Zitat „xxx“ – Wenn das Zitat ein vollständiger Satz ist, kommt das Zitatende-Zeichen hinter den Punkt am Satzschluss; wörtliche Rede im Zitat erhält halbe Anführungszeichen „sagte: ,xxx’ yyy“.
  • Stellenangabe in Klammern, hinter das Zitat (S. 16, Z. 4)
  • Man schreibt nie „Zitat“, sondern zitiert eben durch „…“; „Zitat“ sagt man, wenn man mündlich etwas zitiert, weil man dann ja keine Anführungs- und Schlusszeichen machen kann (deutet man heute aber teilweise durch Winken mit zwei Fingern an).
  • Keine Fragmente als Zitate in den eigenen Text einstreuen, sondern grammatisch korrekt in den Satz einbauen!
  • Keine Doppelungen (in eigenen Worten und zusätzlich als Zitat)!
  • Zwischen S., Z., f. oder ff. und den Ziffern ist jeweils etwas – eine Leertaste – Platz frei.
  • Versumbrüche werden durch Schrägstriche markiert:

Beispiel: „Das Leben lehrt uns, weniger mit uns / Und andern strenge sein; du lernst es auch“ (V. 1654/55).

C) Funktion (Sinn) von Zitaten

Durch Zitate weist man nach, dass man sich in seinen Erklärungen, seiner Interpretation wirklich an den Text hält und nicht fabuliert. Das zitierte Textbeispiel wird mit dem Fachbegriff (z.B. Metapher) oder als sprachlicher Akt (z.B. die Frage; die Grübelei; der Vorwurf; …) benannt und im Textzusammenhang erklärt bzw. erläutert. Die Faustregel lautet: Zitieren – benennen – erklären

  1. Unverbundenes Zitat als Beleg

Das Zitat wird in runder Klammer als Beleg an die eigene Aussage angehängt. Dies ist die übliche Form bei handschriftlichen Klausuren.

Beispiel:

Redluff hat Angst davor, entdeckt zu werden („Wovor habe ich denn eigentlich Angst, verdammte Einbildung, wer soll mich denn schon erkennen?“ Z. 35 f.).

  1. Zitat am Ende einer Beweisführung

Grundordnung: Behauptung – Begründung – Zitat als Beleg

Mögliche sprachliche Anbindungen:

Diese Sicht wird gestützt durch …

Das wird deutlich an …

Als Beleg dient die folgende Textstelle …

… denn im Text wird angeführt, dass …

Beispiel:

Redluff ist nervös. Dies wird daran deutlich, dass „seine Finger kalt und schweißig“ (Z. 33 f.) sind.

  1. Zitat als Ausgangspunkt einer Erklärung/Interpretation

Das Zitat steht am Anfang der Gedankenführung.

Grundordnung: Zitat – Folgerung / Auswertung / Deutung

Mögliche sprachliche Anbindungen:

Der Textstelle ist zu entnehmen …

Daran erkennt man, dass …

Die Aussage deutet auf … hin

Beispiel:

„Aber er spürte nur zu genau, dass er in ihr nicht eintauchen konnte, dass er wie ein Kork auf dem Wasser tanzte, abgestoßen und weitergetrieben.“ (Z. 36 ff.). Dieser Textstelle ist zu entnehmen, dass sich Redluff in der Menschenmenge unwohl und fremd fühlt.

Quellen dieser Regeln, wörtlich übernommen, korrigiert und ergänzt:

http://www.digitale-schule-bayern.de/dsdaten/586/663.pdf

http://www.lehrerfreund.de/medien/deutschunterricht/zitiertechnik-regeln-v2.pdf

http://www.fachdidaktik-einecke.de/9c_Meth_Textproduktion/zitat_arguminterpret_form_9_13.htm

und natürlich mein alter Beitrag https://norberto68.wordpress.com/2010/10/18/zitieren-zitiertechnik/

Geprüft und aus unterschiedlichen Gründen nicht verwendet:

http://wikis.zum.de/zum/Zitieren

http://www.teachsam.de/arb/zit_woertl_reg.htm

http://www.teachsam.de/arb/zit_kurzinfo.htm

http://www.thg-radevormwald.de/wp_thg/wp-content/uploads/2011/06/Bibliographieren_Zitieren_Methodentraining.pdf

http://www.carolinum.net/files/caronet/files/redaktion_all/Fachschaften/Deutsch/Materialien/Zitiertechnik.pdf

https://www.wissenschaftliches-arbeiten.org/zitieren/direkte-und-indirekte-zitate.html

http://www.fh-potsdam.de/fileadmin/user_upload/bibliothek/Dokumente/Skripte/FB3/MaBau-Zitieren_2011.pdf

http://www.ub.uni-frankfurt.de/musik/tfm/zitate/zitieren.html

https://ilias.uni-konstanz.de/ilias/goto_ilias_uni_pg_1401_268.html

P.S. Das Problem, wie man Literaturangaben macht und wie man die benutzte Literatur verwaltet, muss gesondert behandelt werden.

Advertisements

2 thoughts on “Zitiertechnik, Regeln des Zitierens

  1. Hallo Norberto68,

    ich habe durch Zufall Ihren Blog gefunden und ich möchte Ihnen sagen, dass ich Ihre Kommentare, Zusammenfassungen, Extrakte und Aufsätze zur Deutschen Sprache hervorragend finde. Ich will Ihnen danken für Ihre Zeit und Mühe und wie sauber und rein Sie das alles zusammentragen.

    Vielen Dank und machen Sie weiter so…

    Ruth Reinhardt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s