Der Nominativ ist der Genitiv sein Tod – grammatische Kompetenz beim FOCUS

FOCUS ONLINE veröffentlichte am 17.09. um 14:59 h einen Artikel mit der Überschrift „Papst Franziskus: Petrus‘ Nachfolger und Stellvertreter Jesus Christus auf Erden“.

„Petrus’“ [statt Petri] geht wegen des Apostrophs an, aber „Jesus Christus“ [statt: Jesu Christi] als Genitiv ist peinlich. Das habe ich dem FOCUS schriftlich mitgeteilt und dann gefragt: „Hat Ihr Redakteur nie am Religionsunterricht teilgenommen?“ Darauf bekam ich vom Leserservive des FOCUS die Antwort:

„Ihr Einwand scheint berechtigt, ‚Jesus Christus’ ist in diesem Fall jedoch grammatikalisch korrekt. Der Genitiv ‚Jesu Christi’ ist ein aus dem Lateinischen übernommener Genitiv. Im heutigen Zeitalter ist es aber durchaus berechtigt, den deutschen zweiten Fall zu benutzen – Religionsunterricht hin oder her.“

Darauf habe ich auf den Duden und Wahrig hingewiesen, die beide als Genitiv nur „Jesu Christi“ kennen (vgl. auch http://www.canoo.net/inflection/jesus:N:Person:M und http://www.canoo.net/inflection/christus:N:Person:M); darauf hat der Leserservice nicht mehr geantwortet.

Der Vorgang zeigt mehreres:

  1. Ich habe falsch gefragt; ich hätte nicht nach der Teilnahme am Religionsunterricht, sondern nach der Benutzung des Dudens und der Korrektur von Artikeln im FOCUS fragen müssen. („Jesu Christi“ hat übrigens bei google am 20.09. ungefähr 766.000 Ergebnisse – trotz FOCUS.)
  2. Beim FOCUS schämt man sich anscheinend, dümmliche Antworten im Leserservice mit dem Namen zu unterzeichnen; man belässt es bei „Leserservice“ als Unterschrift.
  3.  Die Berufung auf das heutige Zeitalter lässt drei Interpretationen zu:

He, du nix verstehen Deutsch? Dann musstu lesen der FOCUS, das helft dich.

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