Gedichtverfilmung im Unterricht? – Beispiele

Es ist „modern“, im Deutsch- oder Literaturunterricht Gedichte zu verfilmen – ein Unterfangen, was fast unmöglich ist. Dass es meistens scheitert, möchte ich an einigen Beispielen der Verfilmung von Tucholskys „Augen in der Großstadt“ zeigen:

https://www.youtube.com/watch?v=XQGJIKGq5xw (schulische Gedichtverfilmung – erst um 2:10 geht der Trottel los; auf die Millionen Gesichter wartet man vergebens…)

https://www.youtube.com/watch?v=xBFLmHbYWLY (dito – auch dieser Mensch geht erst um 1:30 zur Arbeit los – endlos gedehnt)

https://www.youtube.com/watch?v=mraK07HP7f8 (mit Musik und Bildern unterlegt – wozu?)

https://www.youtube.com/watch?v=pSslryaurvY (wo sind die Gesichter?)

https://www.youtube.com/watch?v=xtpehXF5mRI (dito)

https://www.youtube.com/watch?v=Ap89sYXSAB8 (dito – man sieht weder den Gang zur Arbeit noch fremde Gesichter)

https://www.youtube.com/watch?v=c8PTNGGizNM (dito – etwas besser)

https://www.youtube.com/watch?v=SmX_8mNDq5k (dito)

https://www.youtube.com/watch?v=qWXB2YxGSss (dito)

https://www.youtube.com/watch?v=BrBa7qSH7Mk (dito – gute Bilder!)

(Ein anderes Beispiel für die völlig willkürliche Verfilmung eines Gedichts ist https://www.youtube.com/watch?v=LRLJ86TGM9o, wo ich mich frage, was dieser Film mit dem Gedicht der Droste zu tun hat – dazu ist der Text miserabel gesprochen: Sprechen können sie nicht und filmen auch nicht.)

Man muss sich immer fragen: Welchen Zweck haben die Bilder, die man dem Gedicht unterlegt? Was leistet die Musik im Hintergrund? Was ist daran „mehr“ und besser als ein gut gesprochener Vortrag? als ein gut gesungenes Lied? Und was ist daran weniger – wie kann man also zum Beispiel die Frage „Was war das?“ im Bild zeigen? Oder die Abwägung „Es kann ein Feind sein, es kann ein Freund sein…“? Oder die Antwort des Sprechers „Von der großen Menschheit ein Stück!“? Ich nehme an, dass man so etwas überhaupt nicht im Bild zeigen kann, dass man also Gedichte wesentlich nicht verfilmen kann (mit bloßen Bahnhofssituationen hat man ja Tucholskys Gedicht nicht erfasst!). Sollte man nicht lieber das Sprechen und Singen üben, als auch noch zusätzlich das Filmen zu probieren, wenn man schon nicht gut sprechen und singen kann?

Was Sprechen und Singen leisten können, möchte ich an einigen Beispielen vorführen. Mit den folgenden vier Vorträgen kann man sich auseinandersetzen – sie sind nicht alle perfekt; im eigenen Sprechen und Hören muss man erproben, wie das Gedicht zu sprechen ist:

http://www.rezitator.de/gdt/621/ (Lutz Görner)

https://www.youtube.com/watch?v=5NoQXxO9D0w (Melanie Wirtz)

https://www.youtube.com/watch?v=kIBEXBY2NlU (Carsten Striepe)

https://www.youtube.com/watch?v=C3xox-p4pyo (?)

Hier noch einige Vorträge, in denen das Gedicht gesungen wird. Mit deren Professionalität kann man in der Schule nicht mithalten – die Frage wäre, ob man sie nicht nachahmen kann:

https://www.youtube.com/watch?v=dvVQFkeFkio (gesungen: Dorine Niezing – gut!)

https://www.youtube.com/watch?v=CBMhUFakd4U (gesungen: E. D. Smid – gut!)

https://www.youtube.com/watch?v=yxsiiQjFKv8 (gesungen: J. Tabatabai, gut)

https://www.youtube.com/watch?v=vFOGXNg40d8 (gesungen: P. Beysens, gut)

https://www.youtube.com/watch?v=h1yh0jxsaZA (gesungen: Kapelle Vorwärts)

Eine moderne Form des Sprechgesangs ist das Rappen; aber auch diese Technik muss eingeübt werden (Mark Greif – Kevin Vennemann: Rappen lernen, 2012, Suhrkamp; oder rapschool-nrw):

https://www.youtube.com/watch?v=QtJteL5aP1A (rap-ähnlich, interessant)

https://www.youtube.com/watch?v=5xJhJGQZ8vQ (rap-ähnlich, schwach)

Alte Lebensweisheit: Schuster, bleib‘ bei deinen Leisten!

Übertragen: Schüler, übe deine Fähigkeiten und füge dem, was du nicht kannst, nicht noch Weiteres hinzu, was du auch nicht kannst!

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