Zentralabitur Deutsch NRW 2013 – Lk, 2. Thema

2. Thema: Analyse und Vergleich zweier Gedichte

1. Hofmannswaldau: Wo sind die stunden, analysieren (einschließlich Epochenzugehörigkeit).

2. Chamisso: Lebe wohl, analysieren; Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Gedichte „in der Gestaltung des Motivs der Vergänglichkeit der Liebe“ untersuchen; die Eigenart des romantischen Gedichts „Lebewohl“ herausarbeiten.

A) Die Aufgabenstellung ist eher normal. Bei der 2. Aufgabe wird stark gelenkt; die dritte Teilaufgabe (nach dem Gedichtvergleich) gehörte mit der ersten verbunden. Hofmannswaldaus Gedicht ist sprachlich deutlich schwieriger als das zweite.

B) Lösungserwartung: Dass im Gedicht Hofmannswaldaus ein Gedankengang vorliegt (im Sinn von: Anfangsthese -> Conclusio), kann ich nicht erkennen; es liegt ein Wechsel von eigenen Erfahrungen und verallgemeinerten Aussagen vor. (Grammatikfehler: ‚Anfangsthese wird … in einer Conclusio zusammengeführt.’)

Ist die Frage in der 1. Str. wirklich eine rhetorische Frage? Ist sie nicht eher die verzweifelte Frage eines Verlassenen? Kann sich Metaphorik aus der Parallelsetzung von Begriffen ergeben?

Sicher liegt bei Hofmannswaldau keine verallgemeinerte Aussage über die Instabilität des irdischen Daseins vor, sondern eine konkretisierte über die der Liebe. Auch eine Relativierung des carpe-diem-Motivs anzunehmen ist problematisch: So etwas findet man nur, wenn man es partout sucht: „Suche noch was Barockes!“ Was man an den Haaren herbeizieht, kann nicht als Fund gelten.

Bei Chamisso sehe ich die Schwalbe nicht als Symbol, sondern als Index des Herbstes. Dass in diesem Gedicht carpe-diem-mäßig gefordert wird, Glück im gegenwärtigen Erleben zu suchen, beruht auf Phantasie (= auf dem Versuch, Äpfel mit Birnen zu vergleichen). Die dritte Erwartung (Beispiel) ist nichts anderes als die erste (häufige Erfahrung), nur anders formuliert.

Dass bei Chamisso romantische Naturmetaphorik vorliegt, bezweifle ich: Die Metaphorik der Jahreszeiten ist in allen Epochen zu finden. Dass einfache Sprache und gleichförmige Strophen Merkmal romantischer Lyrik sind, bezweifle ich ebenfalls; und dass die Illusion ewiger Liebe für romantische Lyrik typisch sei, bestreite ich auch (Mörike: Peregrina; Eichendorff: Zwielicht).

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