Nach einem Schema produktiv schreiben

Es ist für jeden, nicht nur für Schüler, eine Anregung, nach einem Schema zu schreiben – wir tun das ja auch bei Aufsätzen (oder die Juristen bei der Bearbeitung ihrer Fälle).

Für das produktive Schreiben ist nicht nur die A-B-C-Methode gut (also zu jedem Buchstaben mindestens ein Stichwort suchen, s.u.), auch andere Schemata eignen sich dafür. So habe ich einmal Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus genutzt, um zwischen dem ersten und dem siebten Hauptsatz fünf neue Sätze einzuschieben und so einen Traktat über die Schule und meinen wenig geliebten ehemaligen Schulleiter zu schreiben, und das in einer Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Schule: http://norberto42.kulando.de/post/2007/03/08/tractatus_logico-scholasticus Man kann die sieben Hauptsätze (bzw. die ersten sechs – den siebten wird man als Einsiedler stehen lassen!) beliebig nach der Dezimalklassifizierung ausweiten; wenn man einmal im Schreiben ist, fällt einem immer Neues ein …

Auch Typisierungen kann man nach einem Schema schreiben, Märchenanfänge kann man unter Verwendung fester Elemente oder Strukturen fortsetzen…

Ein Wörterbuch zu schreiben ist eine anregende Aufgabe; denn durch den Zwang, passende Stichwörter zu finden, sucht man intensiver und breiter als ohne diese Nötigung. Auf der homepage unserer Schule (http://www.fmg-mg.de, aber auch hier) findet man unter Fächer / Deutsch / Tholen zum Beispiel ein satirisches Wörterbuch der Schule; das SZ-Magazin stellte im Jahresrückblick 2004 die entscheidenden Ereignisse in Stichwörtern, alphabetisch geordnet, vor… Es handelt sich um die gleiche Idee wie beim Spiel Stadt-Land-Fluss. Als Anregung gebe ich eine Liste wieder:

Abc der Etikette [für den Umgang mit Adligen]

Anrede: Je unbedeutender der Titel, desto protziger die Anrede.
Butler: …
Cocktailparty: …
Degeneration
Exil-Könige
Froschkönige
Gotha
Handkuss
Intellektuelle
Jagd
Kleidung
Liebesdienst
Mandatsträger
Name-Dropping
Oxford
Per Du?
Q wie „Kwien“
Rache
Sport
Tischmanieren
Unworte
Verwandtschaft
Wallfahrten
Xenophobie
York
Zu spät
(SZ Magazin No. 15 – 9.4. 1998)

Auch Jahresrückblicke werden in Form von Wörterbüchern gemacht. So war das SZ-Magazin vom 30.12. 2005 wieder ein Jahresrückblick in Form eines Lexikons:
A 380
Alice
Andamanen und Nikobaren
Audienz
Auflaufkinder
Baby 81
Benedikt XVI.
usw. – es gibt beinahe kein Thema, das sich nicht als Wörterbuch behandeln ließe: eine anregende Aufgabe.

Oft werden Kinderbücher nach der A-B-C-Methode geschrieben, etwa Tierbücher. Bertolt Brecht hat ein 25-Strophen-Gedicht „Alfabet“ geschrieben (das J fehlt):

Adolf Hitler, dem sein Bart

Ist von ganz besondrer Art.

Kinder, da ist etwas faul;

Ein so kleiner Bart und ein so großes Maul.

usw.

Vgl. auch die Wörterbücher unter

http://web.archive.org/web/20081107175200/http://www.karsten-mekelburg.de/teufel/wdt_008.htm bzw. 

http://www.ats-group.net/woerterbuecher/woerterbuch-satirisch.html

Advertisements