Schule: kindgemäß oder infantil?

„Kindern muss man vor allem eines beibringen: Grenzen. Erst sie gewährleisten, über den Schutz nach außen, eine intakte Persönlichkeit. Diese Erziehung wird von einer immer indiskreter werdenden Öffentlichkeit rückgängig gemacht.

Unter ‚infantil’ wird jeder etwas anderes verstehen; einigen aber kann man sich vielleicht auf Zuschreibungen, die sich im Umkehrschluss aus denen ergeben, die Neil Postman vor dreißig Jahren für erwachsenes Verhalten vorgenommen hat: die ‚Fähigkeit zur Selbstbeherrschung und zum Aufschub unmittelbarer Bedürfnisbefriedigung, ein differenziertes Vermögen, begrifflich und logisch zu denken, ein besonderes Interesse sowohl für die historische Kontinuität als auch für die Zukunft, die Wertschätzung von Vernunft und gesellschaftlicher Gliederung.’“ (Auszug aus Edo Reents: Aus Kindern werden Leute. Die infantile Gesellschaft, FAZ 03.11.2012 = http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/die-infantile-gesellschaft-aus-leuten-werden-kinder-11947625.html)

Am besten liest man den ganzen Artikel von Edo Reents. Aber es ist schon ein guter Anfang, wenn man über die zitierten Sätze nachdenkt: Was heißt das für den Erziehungsstil, den wir als Lehrer in der Schule pflegen sollten? Müssen wir wirklich jedes Kind fortwährend trinken und zum Klo rennen lassen (und das vielleicht sogar selber vormachen)? Müssen wir jede Verspätung als selbstverständlich hinnehmen, jede dumme Ausrede gelten lassen? Können wir vernünftigen Widerspruch und quer gedachte Fragen zulassen? Und ist uns selber klar: Ich bin für etwas verantwortlich, ich bin der Chef (und weder Mama noch Freundin noch große Schwester der Kinder)?

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