Zentralabitur Deutsch NRW 2012 – 1. Thema Lk

1. Thema (Zimmer / Herder)

Aufgabenstellung:

1. Analysieren Sie den Textauszug … im Hinblick auf den Aufbau, die Ausführungen zum kindlichen Sprachgebrauch und die Leserführung.

2. Stellen Sie die Fragestellung und die Grundgedanken von Herders … dar. Erläutern Sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Zimmers Überlegungen zum Spracherwerb und Herders Theorie der Sprachentstehung. Berücksichtigen Sie dabei auch die Funktionen, die beide Autoren den ‚Merkmalen’ zuschreiben.

Kommentar:

Die Aufgabenstellung der 1. Teilaufgabe ist problematisch, indem sie den Aufbau neben die inhaltlichen „Ausführungen“ stellt – als ob man den Aufbau ohne „Inhalt“ darstellen könnte, als ob Aufbau etwas anderes als die gedankliche Organisation des Inhalts wäre! Vielleicht ist auch „Leserführung“ nicht allen Schülern klar (der Begriff fehlt im Register von „Texte, Themen und Strukturen“!), obwohl sie zu untersuchen sinnvoll ist; normalerweise spricht man von Leserführung beim Aufbau von Zeitungsseiten. Die Aufgabenstellung der 2. Teilaufgabe organisiert den Aufsatz vorab deutlich und auch gut.

In der Lösungserwartung fehlt beim Aufbau der (4.) Aspekt: Anlass der Überdehnung; was „Erklärung der Benennungen“ heißt, wäre richtiger als Erklärung der Überdehnung zu bezeichnen. Ob man von einem Ausprobieren der Begriffsgrenzen sprechen sollte, bezweifle ich.

Die „Ausführungen zum kindlichen Spracherwerb“ müssten eigentlich den Aufbau des Textes inhaltlich repräsentieren – andernfalls sind sie nur als willkürliche Auswahl oder Reorganisation zu bezeichnen.

Die 2. Teilaufgabe setzt eine gute Behandlung von Herders Aufsatz [ketzerische Frage: Wozu sollen Schüler solche Theorien des 18. Jh. eigentlich kennen?] im Unterricht voraus, verlangt dann aber zunächst nur deren Reproduktion; die eigentliche Leistung ist der Vergleich mit Zimmermanns Ausführungen, wobei die ungleiche Punkteverteilung (zweimal 6 / 3) belegt, dass man mit dem vorgegebenen Punkteraster nicht immer auskommt – das bezeugt auch die Tatsache, dass es diesmal für den Schluss keine Punkte gibt.

Dass für den Vergleich der „Merkmale“ Herders Text den Schülern vorgelegt wird (was die zu lesende Textmenge deutlich ausweitet), bezeugt, dass diese Unteraufgabe eigentlich zu kleinkariert gestellt ist bzw. dass eine so intensive Kenntnis des Herder’schen Textes nicht erwartet wird – aber das Stichwort „Merkmale“ ist so schön, weil es auch bei Zimmer auftaucht, da konnte ein gelehrter Aufgabenkonstrukteur nicht widerstehen.

Fazit: Stark vorstrukturierende und daher nicht ganz saubere Aufgabenstellung, unkonventionelle Verwendung des Begriffs „Leserführung“.

Leserführung:

http://www.eisy.eu/leserfuehrung-uebernehmen-durch-struktur/ (anderer Begriff als in der Klausur)

http://huffmann-business.de/leserfuhrung/ (ebenfalls anders)

http://www.uni-koeln.de/phil-fak/evtheol/studium/dokumente/kg/Feedbackbogen%20Hausarbeit%20K2.pdf (ebenso!)

Vgl. auch. http://www.teachsam.de/deutsch/glossar_deu_l.htm#Leserf%FChrung

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