Einen Essay schreiben – wie geht das?

Diese Überlegungen habe ich vor mehreren Jahren nach dem Versuch, im Fach Philosophie Essays schreiben zu lassen, angestellt.

Was muss man tun? Zuerst nachdenken und nachschlagen!
1. Wie denkt man nach?
Man sucht Fälle, Beispiele; man denkt sich Fälle aus; man prüft,
„was man so sagt“. Man spricht mit anderen Leuten (wie Celia).
Zweiter Schritt: Man verallgemeinert, sucht das Gleiche.
Dritter Schritt: Man differenziert, unterscheidet im Gleichen das bloß Ähnliche:
* politische Freiheit : Freiheit des Staatsbürgers, formuliert als Katalog der Grundrechte;
* wirtschaftliche Freiheit : Berufswahl und Geschäftsgründung;
* persönliche Freiheit : Stärke gegenüber Konformitätsdruck;
* metaphysische Freiheit : moralische Verantwortung;
* gibt es weitere Aspekte? bessere Einteilungen?
Viertens: Man vergisst nicht, was man bereits eingesehen hat, dass nämlich die Kinderdefinition („Ich kann tun, was ich will“) nur die Umschreibung der Wildbahn ist, pubertäre Allmachtsphantasie, und dass es Freiheit in der menschlichen Gemeinschaft nur in der Form des Rechts (in der Rechtsgemeinschaft) gibt.
2. Wo schlägt man nach?
Im Fachwörterbuch schlägt man nach, notfalls im Brockhaus oder im Internet. Beachte unser Beispiel „Herrschaft“: Es gibt Wörterbücher verschiedener Art!
Dann sortiert man das, was man aus der Literatur brauchen kann. Thema beachten!
Dann prüft man das, was man liest, und sucht es zu verstehen:
– Was denke ich mir dabei? Welche Beispiele gibt es dafür? S.o.!
– Welche anderen Wörter könnte man für die zentralen Begriffe einsetzen? Warum werden die anderen Begriffe nicht gebraucht?
– Welche Begriffe müsste man einsetzen, damit das Gegenteil gesagt würde? Welche Folgerungen wären daraus zu ziehen?
– Stimmt das alles auch? Passt es zu meinen Einsichten?
3. Den Gedankengang, den man dann entwickelt (Gliederung), muss man später erstens prüfen, zweitens überblicken, drittens überarbeiten, also noch dreimal lesen. Dann bemerkt man: „Diese Definition ist probeweise eingesetzt; später sehe ich, dass ich sie nicht halten kann.“ Das sage ich dann aber auch deutlich! Ich bin also der erste Analytiker meiner eigenen Überlegungen.
4. Das alles braucht Zeit; unter Zeitdruck schreibe ich zwar Wörter und Sätze, aber keinen philosophischen Essay. – Das Geheimnis des guten Essays besteht darin, dass oft an ihm gefeilt worden ist, sodass er ganz leicht wirkt, als wäre er einfach bloß heruntergeschrieben.

Als Beispiel eines philosophischen Essays möchte ich meinen Aufsatz „Wo bleibt die Zeit?“ vom 24. Mai 2006 nennen. Regeln und Anleitungen: http://von-wachter.de/lehre/anleitung.htm

Ein weiteres Beispiel wäre mein Aufsatz „Warum der Tod kein absolutes Skandalon ist“, ebenfalls gegliedert und schön mit Anmerkungen verziert: http://norberto42-4.blog.de/?tag=Tod

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