Einen Aufsatz schreiben – das Problem dabei

Über den Untersschied von mündlicher und schriftlicher Kommunikation

Einen Aufsatz schreiben heißt: mit jemandem indirekt kommunizieren. Aus unserer Erfahrung kennen wir zunächst nur die direkte Kommunikation: Man ist mit anderen zusammen, spricht über dies und jenes, hört den Tonfall des Partners, sieht ihn lächeln oder die Stirn runzeln…
Wir können einen Aufsatz trotzdem vom Gespräch her verstehen. Dort sind (zwei) Menschen in einer Situation zusammen; im Gespräch wird gefragt, auf Fragen geantwortet, Einwände werden vorgetragen, es wird erzählt oder argumentiert. Man kann auch das Thema wechseln, einen Witz machen, an vorhergehende Gespräche anknüpfen, das Gespräch unterbrechen, Rückfragen stellen usw. Ein Aufsatz unterscheidet sich in der Regel darin vom Gespräch,
a) dass der Leser den Autor nicht hört oder sieht,
b) dass in eine Richtung über ein Thema gesprochen wird,
c) dass kein bestimmter Leser angesprochen wird.
Deshalb muss der Autor so schreiben, dass diese Einschränkungen die Kommunikation nicht verhindern. Er muss sowohl sein Thema als auch das Vorwissen und die Interessen des Lesers beachten. Er muss also vorab das Thema festlegen und dann
* die Kommunikation eröffnen;
* das Ziel in klar abgegrenzten Schritten ansteuern und dabei
*- Rückfragen überflüssig machen,
*— indem er die Voraussetzungen seiner Gedanken deutlich macht;
*— indem er das Ziel immer im Auge behält,
*— Zusammenhänge eindeutig herstellt und
*— das Verständnis durch Verweise und Zusammenfassungen erleichtert;
*- mögliche Einwände beachten,
*— indem er sie durch Argumente überflüssig macht
*— oder sie eigens aufgreift und bespricht;
*- den Leser bei der Stange halten
*— durch die Klarheit der Darstellung (siehe oben) sowie
*— durch kleine Scherze und rhetorische Kunst;
* die Kommunikation beenden.
Wenn die schriftliche Kommunikation so viele Probleme mit sich bringt, wozu ist sie dann gut? Sie macht Kommunikation zu einem beliebigen Zeitpunkt mit jemandem möglich, der nicht da ist; sie hilft uns ferner, eigene Gedanken zu klären.

In den drei schräg fett gedruckten Aufgaben des Autors siehst du bereits die drei Teile eines Aufsatzes: Einleitung, Hauptteil und Schluss.

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