Buchners Kompendium deutsche Literatur

(Informationen – Texte – Interpretationen) ist ganz frisch erschienen, erarbeitet von Hans Gerd Rötzer, Gerhard C. Krischker und Klaus Will. Die einzelnen Kapitel des 316 Seiten starken Buches sind folgendermaßen aufgebaut (ich orientiere mich am Beispiel „Klassik“, es gibt Abweichungen in anderen Kapiteln):

Überblick + Autoren und Werke (2 Seiten); Texte und Interpretationen (13 Seiten, 7 Beispiele: Faust, Grenzen der Menschheit, Iphigenie auf Tauris, Wilhelm Meister; Don Carlos, Der Handschuh, Maria Stuart); Sachwörter (2 Seiten: Ballade, Bildungsroman, Die drei Einheiten, Exposition usw.); Ausblicke (1 Seite, Oskar Maria Graf über den Schillertag 1905); Stichpunkte (1 Spalte, Fortsetzung des Überblicks); Anregungen und Fragen (1 Spalte).

Die Interpretation zu „Grenzen der Menschheit“ ist hervorragend, es ist die von http://logos.kulando.de (71 Zeilen, ohne genaue Angabe der Seite); die Interpretation zu „Don Carlos“ (Posas Rede resp. Dialog mit dem König aus III,10 wird mit 67 Versen arg verkürzt wiedergegeben – die Rede Posas in III,10 ist allenfalls Ausdruck der Aufklärung, „Klassik“ ist dagegen die Rede des Don Carlos in V,11) ist mit zehn Zeilen nicht nur ausgesprochen kurz, sondern auch sachlich problematisch, um nicht zu sagen falsch: Der Held des Dramas ist letztlich Don Carlos, nicht Posa! Eine bessere Interpretation des Stücks findet man unter https://norberto42.wordpress.com/tag/don-karlos/.

Das Unternehmen des Verlags C. C. Buchner ist von der Idee her (Texte mit Erklärungen verbinden, um Literaturgeschichte vorzustellen) reizvoll und gut, mit 316 Seiten aber deutlich zu eng begrenzt; um „Don Carlos“ in 10 Zeilen interpretieren zu können, muss man ihn schon sehr gut kennen. Der Aufbau der einzelnen Kapitel ist gelungen, die Unterscheidung Überblick / Stichpunkte überzeugt mich aber nicht. Das Sachregister (S. 307 f.) hilft einem, sich in den über die Kapitel verstreuten „Sachwörter[n]“ (= literaturwissenschaftliche Begriffe) zurechtzufinden; warum man jedoch literaturwissenschaftliche Begriffe nicht auch so benennt, bleibt mir ein Rätsel.

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