Jens Bisky: Heiß umkämpft

Warum es besser wäre, wenn Bildungsdebatten nicht mit Glücksversprechen belastet würden

Unter dieser Überschrift/Untertitel steht ein Aufsatz Biskys in der SZ vom 9. August 2011. Bisky stellt darin Heinz Budes Essay „Bildungspanik. Was unsere Gesellschaft spaltet“ (Hanser, 2011) als lesenswert vor. Ich fand den Aufsatz bemerkenswert und möchte ihn kurz referieren, wenn ich auch nicht immer ganz klar zwischen Biskys Referat und seiner Meinung  unterscheiden kann:

Es gebe in der Bildungsdiskussion zwei Gruppen, das aufgeklärte Milieu, das sich über die Selektivität des Bildungssystems errege, und die bildungsbestrebten Eltern, die für ihre Kinder ein Maximum an Bildung(serfolg) herausholen wollten. Bude nun konzediert, dass Bildung auf Arbeit am Ich und Horizonterweiterung hinauslaufe, weise aber auch darauf hin, dass mit ihr Statusunterschiede markiert und Positionen erkämpft werden. Durch die Demokratisierung der Bildung sei die Situation für alle verschärft worden: für die, die nicht Abitur machen, aber auch für die Abiturienten, unter denen die „Distinktionskämpfe“ zugenommen hätten. Am Beispiel Japans sehe man, dass ein Bildungs-Auswahlsystem den Druck von oben nach unten weitergibt.

„Man lernt aus dem japanischen Beispiel, dass Bildungspolitik mehr beachten muss als Strukturen und Schultypen: Zu Bildungsanstrengungen gehört der Zweifel, ob sie sich nun wirklich auszahlen werden, und weitere Anstrengungen, den Zweifel zu beruhigen.“ Gerade die Bildungsbefissenen seien für die Überhitzung des Bildungssystems verantwortlich. Außerdem dürfe man die Abgehängten nicht aus den Augen verlieren. Unerlässlich für alle Beteiligten sei das Bewusstsein, „dass es um einen sozialen Kampfplatz geht, auf dem nicht immer die feinsten und fairsten Turnierregeln gelten“. Die „progressive“ Kombination von Humboldt missbrauchenden Phrasen mit technokratischen Steuerungsphantasien sei jedenfalls von Übel.

Bude meint, dass die demografische Entwicklung (weniger Jugendliche relativ zu den Älteren) die Situation auf dem Bildungsmarkt entspannen werde: weniger Leute = weniger Konkurrenzdruck. Das hält Bisky für unrealistisch. Statt dessen solle man bedenken, dass Bildungsabschlüsse „Zugänge ermöglichen, aber nicht den Status sichern“. Und dann folgt der beste Satz: „Und nur zu schön wäre es, wenn Bildungsdebatten nicht fortlaufend mit Glücks- und Sinnversprechen und Harmonieverheißungen belastet würden.“ Bisky empfiehlt, das Buch zu lesen, weil man dann den Blick dafür gewinne, neben den berechtigten eigenen Interessen auch die Belange der anderen zu berücksichtigen.

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