1. G8-Abitur in Bayern (2011): Murks

Die SZ meldete am 3. Juni 2011:

„Am Mittwoch dieser Woche – am letzten Arbeitstag vor der Rückgabe der Arbeiten – ging bei den Direktoren der Gymnasien im Freistaat ein Schreiben vom Ministerium ein: Die Anforderungen würden korrigiert, die Schulleiter möchten ihre Oberstufenbetreuer doch bitten, die Arbeiten erneut zu prüfen und neue Mitteilungen an die Schüler zu schreiben. Aus „nicht bestanden“ wurde in vielen Fällen „bestanden“ – die Betroffenen dürften Luftsprünge gemacht haben.

Bisher mussten in zwei von drei Kernfächern – Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache – fünf Punkte erreicht werden – also die glatte Note 4. Jetzt (und in Zukunft) genügt es, wenn der Prüfling in einem Kernfach mindestens fünf Punkte hat. In einem weiteren Kernfach muss er mindestens vier Punkte erreichen. Das Ministerium weicht damit von seiner härteren Gangart ab und schwenkt auf eine Linie ein, die in anderen Bundesländern verfolgt wird und die den allgemeinen Richtlinien der Kultusministerkonferenz entspricht. Die Korrektur bedeutet zwar nur eine Senkung des Niveaus um ein Drittel einer Note, scheint aber doch etliche Schüler gerettet zu haben, wie aus verschiedenen Schulen zu hören ist. Denn gerade Deutsch und Mathe sind die schweren Fächer, in denen jetzt wieder jeder Abitur schreiben muss, und für die die Vorbereitungszeit nach Meinung vieler Lehrer zu kurz war.“

(http://www.sueddeutsche.de/bayern/abitur-des-ersten-g-jahrgangs-aus-nicht-bestanden-wird-bestanden-1.1104942)

Das Faktum des Nachbesserns bzw. die Notwendigkeit des Nachbesserns zeigt die Wurstigkeit, mit der „Reformen“ von den Landesregierungen aller Parteien im Schulbereich durchgeführt werden – hier das G8 in Bayern und seine offenbar ungenügende Vorbereitung. Es kommt offenbar längst nicht mehr darauf an, was Schüler können müssen, um studierfähig zu sein – es kommt darauf an, potenzielle Wähler bei der Stange zu halten, indem Anforderungen (berechtigt oder unberechtigt) gesenkt werden. Vgl. den Kommentar vom 6. Juni in der SZ (Steinfeld)! In Kiel war es nicht besser, da wurden die Mathe-Noten des Abiturs 2011 nachträglich einfach angehoben. Jetzt sollen die Lehrpläne überarbeitet werden – konnte man nicht vorher vernünftige Lehrpläne ausarbeiten? (Oder man denke an NRW: Kopfnoten eingeführt und bald wieder abgeschafft…)

Was Cora Stephan zu Angela Merkel sagt, zielt in die gleiche Richtung:

http://www.fr-online.de/kultur/literatur/die-wahre-tina/-/1472266/8101250/-/index.html

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/lesart/1403452/

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article12583083/Ist-Angela-Merkel-ein-Irrtum-oder-Honeckers-Rache.html und weitere Rezensionen.

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