Unterrichtsreihe „Handschrift“

Handschrift – eine kleine Unterrichtsreihe
1. Ziel: Handschriften auf Lesbarkeit (bzw. „schwierige Stellen“) überprüfen; folgenden Text schreiben (und daran die Schwächen bei jedem zeigen):
Als Gaby vor Wut zitterte, hat Yvonne frech gelogen. Sie kann ihre großen, ja selbst die kleinen Fehler nicht zugeben.
2. Ziel: Fachbegriffe der Schriftbeschreibung dabei einführen (AB)
3. Ziel: Schrift verlangsamen: den Ausgangssatz noch einmal schreiben, dabei bei jedem zweiten Buchstaben die Farbe wechseln
4. Ziel: Druckschrift nach AB Pelikan üben: Abc der Städte usw.;
5. dabei auf die Schreibbewegung achten: Wie weicht der einzelne Schüler von der empfohlenen Bewegung und Linienführung ab? Warum?
6. Ziel: Majuskeln üben (wie 3.)
7. Ziel: Alternativen für die jeweilige Handschrift suchen: Schulausgangsschrift
bzw. Vereinfachte Ausgangsschrift (AB der Firma Pelikan!):
– Initialen des eigenen Namens (besonders schön, groß, farbig)
– Abc von Wörtern mit den empfohlenen Buchstabenverbindungen
8. kurze Texte (Gedichte?) schön gestaltet schreiben.

Anmerkungen:
1. Weitere Vorschläge findet man in den beiden empfohlenen Heften der Arbeitsgemeinschaft Schreiberziehung. Material gibt es bei Firma „Pelikan“!
2. Es wäre zu prüfen, ob und wie eine Zusammenarbeit mit dem Kunstunterricht möglich ist: Schreibübung in verschiedenen Schriftformen.
3. Auch in der Klasse 10 besteht die Bereitschaft, über die eigene Handschrift nachzudenken, nicht nur in Klasse 5.
4. Voraussetzung eines sinnvollen Unterrichts ist die Bereitschaft, die eigene Handschrift kritisch zu betrachten bzw. betrachten zu lassen; das gilt auch für den Lehrer! Das heißt: notfalls die eigene Handschrift verbessern, d.h. ändern!
5. Es gilt für alle Lehrer und Fächer:
* sauber schreiben;
* den Text übersichtlich auf der Tafel oder dem Blatt verteilen;
* möglichst keine Abkürzungen erfinden (+ statt „und“ usw.).
Und last not least
sollten wir nicht meinen, mit einer Unterrichtsreihe von zwei Wochen Dauer hätten wir die Probleme für die nächsten acht Jahre gelöst.

Fachbegriffe und Probleme
1. Fachbegriffe:
Abstände – Raum zwischen den Buchstaben und den Wörtern;
Deckstrich – Teil von Buchstaben, wo die Bewegung hin- und zurückgeführt worden ist, so dass der erste Teil überdeckt ist;
Drehrichtung – Linksdrehung (bei u ) und Rechtsdrehung ( g );
Grundformen
– bei Schreibschriften: Ecke, Arkade, Oval, Girlande, Acht, Schleife;
– bei Druckschriften: Gerade, Kreis/Oval, Halbkreis/-oval;
Kreuzungspunkt – Schnittpunkt von Linien;
Luftsprung – Schreibgerät vom Papier abheben, um schwierige Verbindungsstriche nicht ausführen zu müssen;
Mittelband – Schreibraum der meisten Buchstaben;
Ober- und Unterlänge – Teile der Buchstaben außerhalb des Mittelbandes;
Schräglage – Abweichung von der geraden Schrift.
2. Die Lesbarkeit wird beeinträchtigt durch
– Verkürzung der Ober- und Unterlängen;
– zu geringen Zeilenabstand;
– Buchstabenverbindungen, die selber „Form annehmen“;
– Angleichung der Buchstabenformen, sodass sie untereinander zu verwechseln sind;
– übertriebene Schräglage;
– zu kleine oder zu große Schriftzüge;
– zu enge oder zu weite Buchstabenabstände;
– Überzeichnung der Ober- und Unterlängen;
– starke Lageschwankungen innerhalb eines Wortes;
– Auflösung der Buchstabenform.
Finden wir weitere Faktoren, die hier nicht aufgeführt sind?
Wie beurteilst du deine eigene Handschrift?
Solltest du einzelne Buchstaben anders schreiben (üben)?
Passt dein Schreibgerät zu deiner Handschrift?
Solltest du vielleicht die Schrift wechseln?
Wird deine Schrift besser, wenn du etwas langsamer schreibst?

Die Handschrift – Übungsdiktat
1 Wenn man etwas schreibt, soll es wieder gelesen werden; man muss also so schreiben, dass der Text wieder mühelos gelesen werden kann. Daraus ergibt sich das Problem der Handschrift.
2 Dieses Problem hat verschiedene Wurzeln. Es gibt zunächst mehrere Schriftformen: die Druckschrift und verschiedene kursive Schrift-formen; was man nicht zu schreiben gelernt hat, kann man nicht gut lesen.
3 Die Handschrift ist auch dadurch bestimmt, dass man sich in ihr selbst darstellt. Außerdem neigt man dazu, Buchstaben abzuschleifen oder an andere Buchstaben anzugleichen; so vereinfacht man die eigene Handschrift.
4 Man muss also bewusst darauf achten, dass die eigene Schrift auch für andere lesbar bleibt. Dafür ist wichtig, dass man alle drei Schreibräume nutzt, das Mittelband sowie die Ober- und Unterlängen.
5 Die verschiedenen Abstände soll man aufeinander abstimmen: Die Abstände zwischen den Buchstaben sollen deutlich kleiner als die zwischen den Wörtern sein; auch die Zeilen müssen genügend Abstand voneinander haben.
6 Schnörkel können die Buchstaben verformen oder sich verselbst-ständigen. Einzelne Grundformen des Schreibens können im Lauf der Zeit untergehen, wenn man etwa auch m und n mit Girlanden statt Arkaden schreibt.
7 Auch werden leicht die Schleifen verkleinert oder bei b oder g in einem Deckstrich aufgelöst. Beide Fehler kann man abstellen, indem man bewusst die kränkelnde Form oder Drehrichtung übt.
8 Manche Schreiber gleichen verschiedene Buchstaben zu stark einander an (k – K; a – d; h – k; U – O; o – a). Gerade beim h nimmt man sich oft nicht die Zeit, den linken Deckstrich sauber auszuführen.
9 Man muss sich also die Zeit nehmen, leserlich zu schreiben. Man darf ruhig verschiedene Schriftformen (Vereinfachte Ausgangsschrift und Lateinische Schrift) miteinander kombinieren oder für Großbuchstaben die Druckschrift wählen.
10 Diese muss man ohnehin beherrschen, um Formulare und Anträge auszufüllen; damit soll den Eigenheiten der Handschriften ausgewichen werden. Auch ausschließlich Majuskeln (Großbuchstaben) zu schreiben dient diesem Ziel.

Diktat als Klassenarbeit:
Die Handschrift
Wenn man etwas schreibt, soll es später wieder gelesen werden; dementsprechend muss man schreiben. Man neigt jedoch dazu, Buchstaben abzuschleifen oder an andere Buchstaben anzugleichen; so vereinfacht man die Schriftformen.
Damit die eigene Schrift lesbar bleibt, muss man alle drei Schreibräume nutzen, Mittelband, Ober- und Unterlängen. Auch sollte man die verschiedenen Abstände aufeinander abstimmen; Abstände zwischen Buchstaben sollen deutlich kleiner als die zwischen Wörtern sein; zwischen den einzelnen Zeilen muss noch Freiraum bestehen. Schnörkel können die Buchstaben verformen. Grundformen des Schreibens gehen im Lauf der Zeit unter, wenn man Girlanden statt Arkaden malt.
Man muss sich also Zeit nehmen und sich darum bemühen, leserlich zu schreiben. Die Druckschrift sollte man verwenden, wenn man Formulare und Anträge auszufüllen hat; mit „Name“ ist dabei immer der Familienname gemeint.
Wer dichtet, spielt mit der Sprache. Aber wer schreibt, kann auf kunstvolle Verzierungen verzichten; denn was man schreibt, wird dadurch nicht eindrucksvoller.
(150 Wörter)

P.S. Einen Beitrag zur Anatomie der Buchstaben findet man hier, mit Links zur Typografie.

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