Tractatus logico-scholasticus

„Diese Überlegungen wird vielleicht nur der verstehen, der die Gedanken, die darin ausgedrückt sind – oder doch ähnliche Gedanken – schon einmal selbst gedacht hat.“ (Ludwig Wittgenstein)

1 Die Welt ist alles, was der Fall ist.
1.1 Alles ist ziemlich viel.
1.2 Lüge und Wahrheit, Recht und Unrecht, das ist der Fall.
1.3 Alles kann nicht mit einfachen Kategorien erfasst werden.
1.4 Wir denken in einfachen Kategorien
1.5 Daher können wir die Welt nicht begreifen.

2 Die Schule ist ein Abbild der Welt.
2.1 Ein Abbild ist dem Original wesentlich ähnlich.
2.2 Diese Ähnlichkeit nennt man Isomorphie (Isomorfie).
2.3 Die wesentlichen Aussagen gelten gleichermaßen vom Original wie vom isomorfen Abbild.
2.4 Daher gibt es in der Schule ziemlich viel.
2.5 Daher hat niemand über die Schule den Überblick; das heißt, niemand kann sie begreifen.

3 Ein Mathematiker kann nicht Schulleiter sein.
3.1 Ein Mathematiker begreift, was er denkt.
3.2 Ein Mathematiker denkt die Folgerungen aus Axiomen.
3.3 Die Schule kann man nicht begreifen.
3.4 Daher kann ein Mathematiker nicht Schulleiter sein.
3.5 Daher ist ein Schulleiter, der Mathematiker war, nicht mehr Mathematiker.

4 Der Schulleiter ist ein Politiker.
4.1 Ein Politiker ist ein Mensch, der Ziele verwirklichen will.
4.2 Die Ziele eines Politikers können sachliche oder persönliche sein.
4.3 Nur wer sachliche Ziele verfolgt, ist ein guter Politiker.
4.31 Diese These hat Max Weber aufgestellt.
4.32 Wer das Abitur hat, sollte Max Weber kennen.
4.33 Jeder Schulleiter hat das Abitur.
4.34 Jeder Schulleiter sollte Max Weber kennen.
4.35 Nicht jeder Schulleiter kennt, was er kennen sollte.
4.36 Auch was Schulleiter nicht kennen, kann richtig sein.
4.37 Jeder Schulleiter ist ein Fall für sich.
4.38 Jeder Schulleiter gehört zur Welt.
4.39 Über die Welt ist bereits das Wesentliche gesagt.
4.4 Es ist schwer zu sagen, was ein sachliches und was ein persönliches Ziel ist.
4.5 Da Irren menschlich ist, neigen Menschen zur Verwechslung von sachlichen und persönlichen Zielen.

5 Ein Politiker muss dicke Bretter bohren.
5.1 Auch diese These hat Max Weber aufgestellt.
5.2 Dicke Bretter bohren kann nur, wer Geduld hat.
5.3 Bohren ist nicht Hobeln.
5.4 Wer dicke Bretter bohrt, tut etwas beinahe Unbegreifliches.
5.5 Gott ist unbegreiflich.
5.6 Nicht jeder, der Unbegreifliches tut, ist Gott.
5.7 Mancher, der Unbegreifliches tut, hält sich für Gott.

6 In einer Festschrift kann man nicht nur sagen, was wahr ist.
6.1 Eine Festschrift erscheint anlässlich eines Festes.
6.2 Bei einem Fest soll ein Ereignis gefeiert werden.
6.3 Zum Feiern gehört eine feierliche Stimmung.
6.4 Die Wahrheit zerstört meistens feierliche Stimmungen.
6.5 Viele Menschen können die Wahrheit nicht vertragen.
6.6 Wenn man sich selbst lobt, braucht man nichts zu beweisen.
6.7 Dass unsere Schule die beste ist, war schon immer so, ist so und wird immer so sein.
6.8 Was immer war, ist und sein wird, ist Ewig-Göttliches.
6.9 Das Göttliche ist unbegreiflich und unaussprechlich.

7 Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.

(Dieser Tractatus ist in einer anderen Fassung in der Chronik „Franz-Meyers-Gymnasium Giesenkirchen 1975 – 2000“ veröffentlicht worden. Als Autor behalte ich mir vor, ihn nach Bedarf zu ändern.)

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