Operatoren des Zentralabiturs Deutsch NRW

Auf einer Seite des Schulministeriums NRW (http://www.standardsicherung.nrw.de/abitur-gost/fach.php?fach=1) kann man die gültige „Operatorenübersicht“ herunterladen. Wenn man die im Zentralabitur Deutsch NRW 2009 und 2010 tatsächlich verwendeten Operatoren (Arbeitsanweisungen) untersucht, kommt man zu dem mehr oder weniger überraschenden Ergebnis, dass viele der offiziellen Operatoren überhaupt nicht verwendet, dafür aber einige neue benutzt (erfunden) wurden. Ich habe einmal eine Strichliste über die verwendeten Operatoren geführt – mit aller Vorsicht, denn manchmal läuft z.B. eine Anweisung auf „Vergleichen Sie“ hinaus, ohne dass das Wort explizit benutzt würde. Mit dieser Einschränkung ergibt sich folgendes Bild der in den beiden letzten Jahren verwendeten Operatoren:

analysieren 12-mal

erörtern 1-mal

formulieren 1-mal

darstellen 7-mal

zusammenfassen (den Inhalt) 3-mal

untersuchen 2-mal, erschließen 2-mal (die beiden sind gleichwertig)

einordnen 1-mal

vergleichen 11-mal (Zählung problematisch, s.o.)

erläutern 2-mal, erklären 2-mal (die beiden sind gleichwertig)

in Beziehung setzen 1-mal

Stellung nehmen 1-mal

prüfen 6-mal.

Folgende Operatoren wurden zusätzlich benutzt: „Berücksichtigen Sie dabei (meist formale oder argumentative Aspekte); formulieren Sie mit eigenen Worten; gehen Sie dabei auch auf … ein; … indem Sie herausarbeiten.“ Eine Einschränkung oder Akzentuierung stellte die Wendung „im Hinblick auf (untersuchen, analysieren)“ 9-mal dar; wie die Lösungserwartungen zeigen, ist diese Wendung aber nicht wörtlich zu verstehen – d.h. es wird meistens eine „normale“ Analyse und dann zusätzlich diese besondere Akzentuierung verlangt: also Vorsicht bei dieser Wendung! „mit Ihren eigenen Worten formulieren“ ist übrigens ein Gummioperator (früher in Religionslehre, Philosophie und Pädagogik beliebt), der dem korrigierenden Lehrer alle Freiheit lässt: Was heißt denn „mit den eigenen Worten formulieren“ – heißt das, die Worte des Textes nicht verwenden dürfen? Und selbst wenn einer ziemlichen Quark schreibt und dann sagt, das seien eben seine eigenen Worte – hat er dann die Aufgaben nicht doch „richtig“ gelöst?

Nicht verwendet wurden in den beiden letzten Jahren die Operatoren „verfassen, nennen, beschreiben, wiedergeben [ersetzt durch „mit eigenen Worten formulieren“], deuten, beurteilen, bewerten, begründen, sich auseinandersetzen mit, entwerfen, gestalten“.

Für Schüler (und damit für den Unterricht) wichtig: Die Lösungserwartungen zeigen, dass jeder der beiden Aufgabenteile nach dem klassischen Schema „Einleitung, Hauptteil, Schluss“ aufgebaut sein muss; für Einleitung und Schluss gibt es zusammen mindestens 6 von 30-42 Punkten, manchmal mehr. Der Schluss wird in den Lösungserwartungen zwar hochtrabend umschrieben („Der Prüfling deutet als…, formuliert eine reflektierte Schlussfolgerung“), ist aber der alte bewährte „Schluss“ eines Aufsatzes. Die Einleitung des 2. Aufgabenteils kann/soll als Überleitung vom 1. zum 2. Thema ausgearbeitet werden.

Ob ich noch etwas zur Angemessenheit der Lösungserwartungen (im Hinblick auf die Aufgabenstellung oder die Punkteverteilung), weiß ich noch nicht. Zur Kritik an der Operatorenliste vgl. diesen Aufsatz! Vgl. auch meine Kritik der Aufgabenstellung.

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