Deutsches Gestammel

Überschrift einer „Meldung“ bei web.de heute: Keine Pornos sind verdächtig Die Leute dort (resp. ein Rechtsanwalt) meinten jedoch: „Keine Pornos (auf dem PC) zu haben ist verdächtig.“ Sie sagen freilich etwas ganz anderes, nämlich dass keine Pornos wessen auch immer verdächtig sind. [Inzwischen ist die Überschrift übrigens korrigiert worden, N.T.]

Ein anderer Akt des Stammelns wird von n-tv.de (6. April 2011) vollbracht: „Nach dem Schiffbruch eines Flüchtlingsbootes vor Lampedusa befürchten italienische Rettungsmannschaften zahlreiche Tote.“ Nein, sie befürchten, dass es zahlreiche Tote gegeben hat oder dass viele Flüchtlinge umgekommen sind – Tote (Menschen, Dinge) kann man nicht befürchten, wohl aber Schlimmes, ein Unglück, eine Katastrophe, eine Inflation (Vorgänge, Ereignisse). Man muss aber zugeben, dass inzwischen viele Nachrichtenagenturen von befürchteten Toten sprechen, wie ja auch viele keinen „richtigen“ weil-Satz mehr bilden („weil“ als Nebensatzkonjunktion).

Solches Gestammel findet man inzwischen auch in den Nachrichten des wdr; gelegentlich merke ich mir Beispiele, vergesse sie dann aber wieder. Meistens geht es nach dem Strickmuster: „Fehlendes Geld ist die Ursache für …“ Aber fehlendes Geld ist ein Nichts, es kann keine Ursache sein (denn „Von nix kütt nix!“); gemeint ist die Tatsache, dass Geld fehlt – zu einem dass-Satz reicht die Sprachkompetenz vieler Nachrichtenredakteure jedoch nicht (mehr), und zu einem regelkonformen weil-Satz oft auch nicht. Das ist so, weil die deutsche Sprache ist so schwer.

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