Sprachwandel (am Beispiel von Verben)

Wenn man älter wird, merkt man, wie sich die Sprache geändert hat; da gibt es auf einmal nicht nur Kids und Events, auch wenn die Einführung dieser englischen Wörter „keinen Sinn macht“ und eigentlich überflüssig ist; da verändert sich der Gebrauch der Nebensatzkonjunktion „weil“ derart, dass sie gleichbedeutend mit „denn“ Hauptsätze einleitet oder als ein allgemeiner kausaler Konnektor (vielleicht auch nur als Pausenzeichen, also als bedeutungsloser Konnektor?) verwendet wird („weil -“ + neuer Satz); da verändern sich auch die Verbformen.

Das kann man mit einem Blick in den Schülerduden Grammatik (4. Auflage, 1998) feststellen, in der Tabelle der unregelmäßigen Verben (Nr. 147). Unregelmäßige Verben sind solche, die (vereinfacht gesagt) das Präteritum nicht nach dem Muster „lachen – ich lachte“, sondern nach dem Muster „gehen – ich ging“ bilden. In dieser Tabelle gibt es zwei Hinweise auf eine Abweichung in der Bildung des Präteritums von der alten Regel:

* Mit Hinweis auf den Abschnitt Nr. 44 werden Verben aufgezählt, bei denen unterschiedslos die alte starke neben der neuen regelmäßigen Form verwendet wird: backen („buk“ nur noch in Klammer, die Form ist dabei auszusterben), gären, glimmen, klimmen, melken, salzen, saugen, schallen, schinden, sieden (dem kann selbst ich als Deutschlehrer die Form „sott“ nicht zuordnen; ich kenne „Gesottenes“ nur aus dem Märchen), stecken, stieben (die neue Form „stiebte“ empfinde ich noch als Regelverstoß), triefen, weben.
Es werden auch einige Verben aufgeführt, bei denen nur im Partizip II diese Doppelung möglich ist: salzen, spalten, verderben.

* Mit Hinweis auf den Abschnitt Nr. 45 werden Verben genannt, bei denen mit der regelmäßigen Form eine andere Bedeutung als mit der unregelmäßigen verbunden ist: backen, bewegen, bleichen, erschrecken, hängen, hauen, (pflegen,) quellen, schaffen, scheren, schleifen, schmelzen, schwellen, senden, (wachsen,) weichen, wenden wiegen. [Die beiden Verben „pflegen“ und „wachsen“ werden nicht in Nr. 45 genannt, weisen aber ebenfalls zwei Bedeutungen auf.]
Wenn man den Bedeutungsunterschied erfassen will, muss man auf die Valenz in den beiden Verwendungen achten:
jemanden bewegen – etwas bewegen;
(selber) bleichen [bleich werden] – etwas bleichen [bleich machen] usw. – im Artikel „bewegte – bewog“ habe ich diese Bedeutungsdifferenz bereits aufgezeigt.

Die in Nr. 44 genannten Veränderungen kann man als bloße Vereinfachung der Sprache ansehen, als Angleichung an die regelmäßige Formbildung (das Unregelmäßige muss man eigens lernen; lernen ist anstrengend); die in Nr. 45 genannten Veränderungen kann man als semantische Differenzierung betrachten.
Gegen den Schülerduden Grammatik würde ich nach meinem Sprachgefühl „stecken“ auch zu Nr. 45 zählen: etwas in etwas stecken (Präteritum: steckte); selber in etwas stecken (Präteritum: stak/steckte).

Vgl. auch das Stichwort Neologismus in der Suchmaske!

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