Perspektive: bewerten, Brief schreiben, erzählen

„Perspektive“ zu kennen und zu würdigen ist unerlässlich, wenn man die Welt der Menschen, ja der Lebewesen überhaupt verstehen will. Ich erkläre an einem Beispiel, wieso das der Fall ist.

In einer von den Brüdern Grimm gesammelten Geschichte [ich gebe zu, ich habe mich mit der Herkunft dieser Erzählung nicht befasst] mit dem Titel „Der alte Großvater und der Enkel“ (http://gutenberg.spiegel.de/grimm/maerchen/enkel.htm) wird vom Geschick eines alten Mannes erzählt: Der Großvater klackert also bei Tisch. Was er sich dazu denkt, kann man nur vermuten; man kann es auch die Schüler vermuten lassen: „Ich kann doch nichts dafür, ich bin so schwach.“ Man kann die Schüler auch vermuten lassen, was die Schwiegertochter dazu denkt, die ja den Schmutz beseitigen muss: „Er könnte sich etwas besser benehmen, er macht mir nur Arbeit.“ Bei der Schwiegertochter sagt der Erzähler sogleich, wie sie zusammen mit ihrem Mann das Klackern empfindet: Sie ekeln sich davor.
Die Geschichte ist eine der ganz großen Erzählungen der Weltliteratur, obwohl sie in meiner Ausgabe (it 113, S. 73 f.) nur 21 Zeilen umfasst – also bitte unbedingt lesen, wenn man sie nicht kennt! Sie endet jedenfalls so, dass Sohn und Schwiegertochter den Alten aussperren und ihm eine unzerbrechliche Holzschüssel „für ein paar Heller“ kaufen; damit ist das Problem der Verschmutzung für sie erledigt. Sie gewinnen erst eine neue Sicht des Vorgangs – eine Sicht auch auf den alten Mann, ja eine Einsicht in seine Sicht des Vorgangs, als ihr kleiner Sohn einen Holztrog bastelt; „daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin“ – aus Holztrögen fressen sonst die Tiere. Die Eltern können in dieser noch fiktiven, also erst vorgestellten Situation [für Philosophen: Stichwort „Imagination“!] begreifen, was ihre Lösung des Schmutzproblems für den betroffenen Großvater bedeutet; sie haben seine Perspektive eingenommen und als potenziell selbst Betroffene bewertet. Sie haben die Perspektive gewechselt.

Was ist die Perspektive? Sie ist eine Sicht oder Sichtweise, welche durch den Standpunkt und die Blickrichtung bestimmt wird; vom eigenen Standpunkt her hat sie ihr Recht, aber – menschlich gesehen – eben auch ihr Unrecht, sofern sie die Perspektive des anderen nicht beachtet. Moralisch-menschlich wird das in der Goldenen Regel erfasst; strategisch (im Schach, im Krieg wie in der Politik) wird man dafür oft mit einer Niederlage bestraft. Das meint Hondrich so ähnlich, wenn er vom „Lehrmeister Krieg“ spricht.
Perspektiven zu erkennen, zu würdigen, zu wechseln, dazu gibt es im Deutschunterricht viele Übungen.

Ich stelle hier drei Aspekte vor, in denen im Deutschuntericht die Perspektive die leitende Kategorie ist:
bewerten, einen Brief schreiben, erzählen

1. Bewerten – aus einer anderen Perspektive
Dass Perspektive ein Zentralbegriff des Deutschunterrichtes ist, sollte klar sein; ebenso ist klar, dass Bewerten an eine Perspektive gebunden ist (wer es noch nicht weiß, sollte Nietzsche lesen).
In der Praxis zeigt sich, dass es selbst Schülern in Klasse 8 oder 9 nicht leicht fällt, den gleichen Sachverhalt in einer anderen Perspektive zu denken bzw. zu sagen!

Perspektive und Bewertung
Je nachdem, ob ich mich selber sehe oder ob ein anderer mich anschaut, kommt ein anderes Bild zustande, wird derselbe Mensch oder dieselbe Eigenschaft anders gesehen und bewertet:

Ich (1. Person) bin……………………….Er (oder: Sie, 3. Person) ist
— phantasiebegabt;……………………… — ein Spinner;
bin betroffen, ja empört;……………… — ?
bin äußerst sensibel;…………………… — ?
bin ganz schlank;………………………… — ?
habe eine starke Figur;……………….. — ?
liebe gutes Essen;………………………. — ?
sage zu einem Schnaps nicht Nein; — ?
habe beim Schreiben Ideen;………… — er schweift dauernd ab;
verliere meine Karriere nicht aus dem Auge; — ?
habe einen gesunden Schlaf;……….. — ?

Ich bin sparsam                                    — er ist ein Geizkragen;
Ich _____________________________ — er ist starrsinnig;
Ich _____________________________ — er hat keine eigene Meinung;
Ich _____________________________ — er ist ein Modeaffe;
Ich _____________________________ — sie ist eine Quasselstrippe;
Ich _____________________________ — sie ist ein taktloser Mensch;
Ich _____________________________ — sie ist völlig unmusikalisch;
Ich _____________________________ — sie hat seit zehn Jahren kein Buch mehr angefasst;
Ich _____________________________ — er ist ein faules Schwein;
Ich _____________________________ — er ist völlig unzuverlässig;
Ich _____________________________ — er redet mal so, mal so;
Ich _____________________________ — er kennt nur sich selber;
Ich _____________________________ — er „knatscht“ den ganzen Tag;

Suche weitere Beispiele! (Quelle: altes LDB 10, S. 182 f. – dessen Quelle ist Bertrand Russell)


2. Einen Brief schreiben

Einen Brief schreiben, das übe ich bereits in Klasse 5. Die Kinder sollen lernen, eigene Wünsche vorzutragen, aber auch die Anliegen und die Perspektive des Empfängers zu bedenken. Praktisch läuft das oft darauf hinaus, dass die Schüler ihre Klassenlehrerin aus der Grundschulzeit zum Tag der offenen Tür am Gymnasium einladen.

Vorüberlegungen
Drei Fragen muss man geklärt haben, ehe man zu schreiben beginnt:
1. Was will ich?
2. Was will der andere (was interessiert ihn)?
3. In welchem Verhältnis stehen wir zueinander?
Wenn diese drei Fragen beantwortet sind, kann man überlegen, wie man den Brief aufbaut: Wie fange ich an? Wie sage ich das, was ich eigentlich will? Wie höre ich auf?
Folgende Einzelheiten könnte man dazu bedenken:
A) Wie fange ich an?
– Ich stelle mich vor (mit Datum, Adresse).
– Welche Anrede nehme ich (wie herzlich)?
– Warum habe ich mich an den Adressaten erinnert?
– Warum schreibe ich jetzt? Wann hatten wir zuletzt Kontakt?
– Muss ich mich nach ihm erkundigen?
– Musste ich etwas für ihn erledigen oder besorgen?
– Ist für ihn wichtig, wie es mir geht?
– Sind meine Pläne für ihn interessant?
B) Wie sage ich das, was ich eigentlich will?
– Wie offen bzw. wie direkt kann ich sprechen?
– In welcher Reihenfolge trage ich meine Gedanken vor?
– Was muss im Einzelnen erklärt oder begründet werden?
– Mit welchen Einwänden oder Bedenken sollte ich rechnen?
– Welche Worte (höflich – grob) wähle ich?
(Beachte diese Frage, wenn du den Brief überarbeitest!
Manchmal ist es auch besser, wenn man etwas verschweigt oder
auf sich beruhen lässt – man muss nicht alles aussprechen!)
C) Wie höre ich auf?
– Soll ich von meinen Plänen oder von Bekannten sprechen?
– Besteht Aussicht auf ein Treffen, das ich nennen kann?
– Welche guten Wünsche sollte ich äußern?
– Wie herzlich soll oder darf ich grüßen?
Unterschrift

Drei Dinge sind noch zu ergänzen:
* Hier ist der Gesprächspartner immer „der andere“ genannt, auch wenn man an Tante Ilse schreibt oder an die Großeltern.
* Der Hauptteil kommt hier in unseren Überlegungen knapp weg, aber nicht weil er unwichtig wäre, sondern weil man oft nicht genug beachtet, wie wichtig die Einleitung und der Schluss sind; die hier genannten Fragen müssen nicht alle beantwortet werden – sie sind als ein Katalog gedacht, anhand dessen man prüfen kann, ob man nichts Wichtiges vergessen hat. (Wer kennt weitere Fragen für den Katalog?)
* Was hier vom Briefschreiben gesagt ist, gilt grundsätzlich auch vom Telefonieren und für jede Art von Kontakt – also dann, wenn man in ein Gespräch eintritt (oberste Regel):
-> Denke nicht nur daran, was du selber erreichen möchtest, sondern beachte auch den anderen: was er weiß, was ihn interessiert, wie er dein Auftreten empfindet!
Eine Seite mit Links zum Thema ist hier!

Einen Brief schreiben – Übungsdiktat
1 Wenn man einen Brief schreibt, ist das so ähnlich, wie wenn man zu jemand spricht; aber man ist nicht unmittelbar mit ihm zusammen. Was dieser Unterschied für das Briefeschreiben bedeutet, wollen wir untersuchen.
2 Am besten überlegt man, was man eigentlich will, ehe man zu schreiben beginnt. Man darf aber nicht übersehen, dass vielleicht auch der andere etwas von einem wissen oder bekommen möchte; wer nur sich selber sieht, ist dumm.
3 Wahrscheinlich sieht der andere dich auch anders als du selber – denke an den Unterschied zwischen der 1. und der 3. Person! Erinnerst du dich an Bemerkungen, die anzeigen, was der andere von dir hält?
4 Da man mit dem anderen nicht zusammen ist, muss man „das Gespräch“ herstellen. Falls man nicht an Freunde schreibt, stellt man sich vor, indem man Namen und Adresse nennt und das Datum angibt; danach folgt die Anrede.
5 Nun kann das Gespräch beginnen. Zur Einleitung schreibt man am besten etwas Erfreuliches oder etwas, was den anderen vermutlich interessiert; so zeigt man ihm, dass man an seinem Leben Anteil nimmt.
6 Im Hauptteil des Briefes stellt man dar, was man eigentlich will: was man mitteilen will, um welche Auskunft oder welche Gefälligkeit man bittet. Da der andere nicht fragen kann, muss man sich klar ausdrücken.
7 Damit ist aber nicht gemeint, dass man einfach direkt auf sein Ziel losgeht; oft muss man den anderen für die eigenen Pläne zu gewinnen suchen, Bedenken des Adressaten ausräumen oder zeigen, dass der eigene Wunsch begründet ist.
8 Zur Form des guten Gesprächs gehört auch, dass es ruhig ausklingt und nicht zusammenbricht. Man kann zum Schluss von etwas sprechen, was beide angeht; zumindest sollte man den anderen grüßen, ehe man den Brief unterschreibt.
9 Heute telefoniert man oft, statt einen Brief zu schreiben. Am Telefon fasst man sich normalerweise kurz; aber die Regeln, wie man dort mit dem Zuhörer umgehen soll, sind im Prinzip die gleichen wie beim Schreiben.

* Ein Brief an eine F i r m a oder ein A m t ist an eine Institution gerichtet; auch dort sollte man höflich schreiben, weil der Leser ein Mensch ist, mit dem man gut auszukommen suchen sollte.

Klassenarbeit
Einen Brief schreiben; in Literatur produktiv eingreifen; Bedeutung der Perspektive (1./3. Person) kennen – eine Schulstunde

1. Aufgabe zu „Die Freunde“ von Wilhelm Busch:
Am Tag des Diebstahls gehen den beteiligten Personen allerlei Gedanken durch den Kopf.
Bilde jeweils zu den folgenden Gedanken einer Person eine passende Aussage der genannten anderen Person (in der Ich-Perspektive) und schreibe sie hier auf:
(1) Ferdinand denkt (zu Vers 8-10): „Käthchen nutzt uns aus.“
Käthchen denkt: ____________________________________________________
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________
(2) Ferdinand denkt (V. 18-22: „Fritz hat mich im Stich gelassen.“)
Fritz denkt: _______________________________________________________
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________
(3) Schramm denkt (zu Vers 26-28): „Da habe ich den Dieb gerecht bestraft.“
Ferdinand denkt:
___________________________________________________
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________
(4) Ferdinand denkt (zu V. 33 f.): „Fritz ist ein mieser Verräter.“
Käthchen denkt: ____________________________________________________
____________________________________________________________________
____________________________________________________________________
2. Aufgabe:
In den Oktoberferien ist Fritz verreist; er hat über die Birnengeschichte noch einmal nachgedacht und möchte die alte Freundschaft mit Ferdinand wiederherstellen. Am 14. Oktober, dem vorletzten Ferientag, schreibt Fritz aus Trier einen Brief an Ferdinand.
Schreibe diesen Brief!
(Überlege, ob du dir vorher einige Stichworte notieren willst!)
Viel Erfolg!

3. Aus einer anderen Perspektive erzählen
Perspektive ist ein Zentralbegriff der Literaturwissenschaft; Perspektiven in ihrer Eigenart zu erfassen ist eine Leistung, die man auch im praktischen Leben erbringen muss. Die Aufgabe, eine vorgegebene Erzählung aus einer anderen Perspektive neu zu erzählen, setzt voraus, dass die Erzählung ebenso wie die neue Perspektive erfasst ist: eine große Leistung. Ich arbeite mit dieser Aufgabenstellung am Ende von Kl. 6 oder in Klasse 7.
Aus einer anderen Perspektive erzählen
Wie man aus einer anderen Perspektive erzählen kann, wurde im Anschluss an die Erzählung „Neben dem blauen Seepferdchen“ (Unterwegs 7) untersucht.
Der Junge (oder das blinde Mädchen) als der neue Erzähler (mit Ich-Perspektive)
1. weiß nicht alles, was bisher geschehen ist (d.h. die Vorgeschichte), und ist infolgedessen über manche Ereignisse überrascht [Ob das Mädchen wohl seine Schwester war?], vielleicht weiß er aber mehr als andere Figuren; manche Dinge versteht er aufgrund seiner Vorkenntnisse nicht (warum das blinde Mädchen an der Hand zum Nichtschwimmerbecken geführt wird);
2. nimmt wegen seiner Interessen nicht alles wahr, was gerade geschieht;
3. erlebt (empfindet) das, was er vom Geschehen wahrnimmt, auf seine Weise:
— er freut sich über bestimmte Dinge, ist stolz auf seine Leistungen usw.;
— er ärgert sich über einiges, ist davon betroffen, gekränkt…
— manche Dinge sind ihm gleichgültig, die für andere wichtig sind (tauchen);
4. er hofft und befürchtet von dem, was auf ihn zukommt, vielleicht etwas anderes als andere Figuren; der Junge verspricht sich von seinem Tauchvorhaben, dass er damit auf das Mädchen Eindruck macht.
5. Von großer Bedeutung ist sodann die Situation, in der jemand etwas erzählt. „Der geheilte Patient“ (Hebel) wird seine Enkelkinder lustig belehren, wie viel er gefressen hat, ehe er durch vernünftige Lebensweise gesund geworden ist; an seinem 80. Geburtstag kann er mit dieser Geschichte seinen Freunden erklären, wie er durch den klugen Arzt und dessen medizinischen „Trick“ zur Vernunft gebracht worden ist; jetzt hat er Distanz von seiner früheren Dummheit. – Er selber wird eine andere Sprache als der Arzt in dessen Antwortbrief sprechen.
Die Erzählsituation wird in einer Rahmenerzählung entfaltet; diese kann, aber muss nicht in der Ich-Perspektive des neuen Erzählers dargestellt werden.
6. Grundsätzlich spricht jemand ausführlich von dem, was für ihn wichtig ist, aber wenig davon, was ihn nicht interessiert (Begriff der Zeitstruktur!).
7. Wörtliche Rede, die man aus der Vorlage übernimmt, muss wörtlich übernommen werden; durch jede Änderung signalisiert man, dass die neue Figur etwas anderes gehört hat als der alte Erzähler. – Man kann sinngemäß auch neue wörtliche Rede einfügen.

Kontrollfragen (Idee von Jan Feiter):
1. Ist der alte Text sachlich richtig erfasst und beachtet?
2. Der neue Ich-Erzähler und seine Perspektive:
a) technisch: Ist das, was er erlebt, zusammenhängend erzählt?
Ist die Ich-Perspektive durchgehalten?
Passen wörtliche und indirekte Rede zu ihm?
b) Entspricht das von ihm „Erlebte“ dem neuen Ich-Erzähler? Ist also „echt“ und glaubhaft erzählt? Sind die richtigen Stellen gestrichen bzw. erweitert?
3. Der kommunikative Aspekt: Es wird etwas einem Zuhörer erzählt.
a) Sind die Situation, in der erzählt wird, und das Verhältnis zum Zuhörer (auch sprachlich) erfasst?
b) Passt die Selbstdarstellung des Erzählers?
c) Wird auch sprachlich intensiv (zum Miterleben!) erzählt?

(Erzählungen, in denen eine große Differenz zwischen den Figuren besteht, eignen sich besonders für diese Aufgabe; dazu gehören Schelmengeschichten. in denen ein Depp ausgenommen wird; dazu gehören auch viele Erzählungen von J.P. Hebel, wenn man das „Merke“ zum Schluss oder zu Beginn streicht.)

Aus einer anderen Perspektive erzählen – Übungsdiktat
1 Wir leben als Menschen nicht nur neben anderen, sondern mit ihnen zusammen; wir können uns sogar in ihre Lage versetzen, um die Welt mit ihren Augen zu sehen, welche nicht immer das Gleiche wie wir erblicken.
2 Deshalb können wir auch Erzählungen umformen, indem wir die Perspektive verändern, in der die Ereignisse gesehen werden. Wir fragen also etwa, wie der Junge die Szene im Schwimmbad erlebt. Was will er dem Mädchen zeigen?
3 Wir wissen von dem Jungen so viel, wie uns der Erzähler von ihm mitgeteilt hat. Auch von dem Mädchen wissen wir einiges; wir können feststellen, dass sie den Angebereien des Jungen zurückhaltend gegenübersteht.
4 Wir müssen uns also zunächst fragen, was die neue Erzählerfigur bemerkt hat, wie sie die Ereignisse versteht und was sie dabei empfindet; das meiste davon kann man dem Text entnehmen, manches muss man (vorsichtig) ergänzen.
5 Von Bedeutung ist zweitens die Erzählsituation. Wenn also der geheilte Patient aus Hebels Erzählung diese Geschichte seinen Enkeln erzählt, will er vermutlich etwas Lustiges darbieten, aber seine Enkel auch über die richtige Lebensweise belehren.
6 Wenn er dagegen die Geschichte anlässlich seines 80. Geburtstages erzählt, will er eher darstellen, wie schnell er die List des Arztes begriffen und dann konsequent sein Leben verändert hat – besser als manche seiner Zuhörer vielleicht?
7 Hier ist auch der Begriff der Distanz zu klären: Wenn ich etwas erzähle, erst recht etwas lange Vergangenes erzähle, kann ich davon Abstand haben; ich erlebe meine Leiden nicht mehr und durchschaue auch meine alten Dummheiten.
8 Die Leiden sind vergangen, meine Dummheiten habe ich überwunden – ich habe davon Abstand, ich bin ein anderer geworden; nur deshalb kann ich sie heiter und entspannt erzählen, nur deshalb kann ich meine Zuhörer auch mit solchen Geschichten unterhalten.
9 Es ist natürlich auch denkbar, dass kurz nach einem Ereignis eine Person diese Distanz noch nicht gefunden hat, sondern eher sich bei jemandem beschweren oder sich über etwas beklagen will; das hängt von der Erzählsituation ab.
10 Was die erzählende Person selber sagt, fühlt, denkt und erlebt, wird in der 1. Person formuliert: „Ich“, „wir“, „mein“ und „unser“ sind die Pronomen der 1. Person; für die Bezeichnung anderer Figuren kann man die Demonstrativpronomina verwenden.

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