Aphorismen zu einem Gespräch (Interview) verbinden

Gespräch mit Jean de la Bruyère

Obwohl Sie schon lange tot sind, Herr de la Bruyère, sind Sie zu einem Gespräch mit mir bereit. Beginnen möchte ich mit einer Frage, die uns oft bewegt: Was ist der Grund, dass wir einen anderen Menschen lieben? [1]
„Solange die Liebe währt, lebt sie aus sich selbst, und oft entflammt sie gerade an dem, was sie eigentlich auslöschen müsste: an Launen, Kälte, Trennung und Eifersucht. Die Freundschaft dagegen braucht Nachhilfe; sie vergeht, wenn ihr sorgsame Pflege, Vertrauen und Gefälligkeit fehlen.“
Und wie beginnt dieses sonderbare Gefühl: Liebe?
„Anfang und Ende der Liebe fühlen wir an der Verlegenheit, die uns befällt, wenn wir mit dem geliebten Menschen allein sind.“
Zumindest für einen von Zweien ist es schrecklich, wenn die Liebe endet. Wie kann man diesen Verlust der Seligkeit überstehen? [2]
„Zu vermissen, was man liebt, ist noch ein Glück – verglichen mit dem Zwang, mit dem leben zu müssen, was man hasst.“
Sie scheinen in dieser Hinsicht böse Erfahrungen gemacht zu haben. Sind Sie ein Pessimist, was das Zusammenleben der Menschen betrifft?
„Die Menschen können einander selten leiden und sind kaum geneigt, sich gegenseitig zu loben – nichts gefällt ihnen und nichts stellt sie zufrieden; denn ihre eigenen Gedanken beschäftigen sie so sehr, dass für die Ideen anderer kein Raum mehr bleibt.“
Dann müsste man annehmen, dass die Menschen einen starken Selbstbezug und einen ausgeprägten Willen besitzen.
„Es gibt wirklich Menschen, von denen man sagen kann, dass der Tod weniger ihren letzten Willen offenbart, als dass er ihnen mit dem Leben die Unentschlossenheit und Unbeständigkeit nimmt.“
Eigene Gedanken der Menschen – gibt es die überhaupt? Sind die Leute eher dumm und dumpf?
„Verstand ist längst nicht so selten zu finden wie Leute, die ihr eigenes Talent zu nutzen wissen oder sich fremde Klugheit zunutze machen, um damit etwas Gescheites anzufangen.“
Und doch kommen viele Leute trotz ihres Verstandes nicht weiter, sagen Sie.
„Die meisten Menschen sind eher einer einzigen großen Anstrengung fähig, um ihre Pläne zu verwirklichen, als langer Ausdauer. Trägheit oder Unbeständigkeit bringen sie um die Früchte der verheißungsvollsten Anfänge. Oft lassen sie sich von anderen überflügeln, welche später angefangen haben und langsam, aber stetig vorgehen.“
Vielleicht wollen wir auch nur viel erleben und schätzen nicht das Glück, eine Aufgabe zu meistern? – Ich möchte noch einmal darauf zurückkommen, wie wir miteinander umgehen. Wenn man mit einem anderen ins Gespräch kommen will, mit dem Autor eines Buches oder einem quicklebendigen Zeitgenossen, worauf muss man dann achten, damit ein Gespräch zustande kommt?
„Die Kunst, gut zu unterhalten, besteht viel weniger darin, dass man selbst besonders geistreich ist, als dass man anderen dazu verhilft, es zu sein. Wer nach einer Unterredung mit uns zufrieden mit sich und seinen Talenten fortgeht, der ist auch von uns ganz eingenommen. Die Menschen lieben es nicht, andere zu bewundern; sie wollen selber gefallen.“
Geht es den Menschen also gar nicht nicht darum, die Wahrheit zu finden?
„In der Unterhaltung wird kühn drauflos geschwatzt, oft nur aus Eitelkeit oder zum Zeitvertreib, selten mit genügender Aufmerksamkeit. Man ist weit davon entfernt, gemeinsam die Wahrheit zu finden – man hat sich ja noch nicht einmal darauf geeinigt, welche man sucht!“
Ja, wozu unterhalten wir uns denn überhaupt mit anderen? Sollte man da nicht besser einfach schweigen?
„Wenn man bedenkt, wie langweilig, leer und kindisch die Unterhaltung gewöhnlich ist, so müsste man sich schämen, mitzureden oder zuzuhören, und man würde sich vielleicht ewiges Stillschweigen auferlegen, was aber im täglichen Leben noch schlimmer wäre als das dumme Gerede.“
Ganz konkret gefragt, was haben die Leute dann von einer so oberflächlichen Unterhaltung?
„Mit fünf oder sechs Fachausdrücken und weiter nichts gibt man sich für einen Kenner von Musik, Malerei, Baukunst und guter Tafel aus. Man bildet sich ein, beim Hören, Sehen und Speisen einen größeren Genuss zu haben als andere. Man möchte seinesgleichen imponieren und betrügt sich selbst.“
Imponiert uns die Anerkennung durch unsere Mitmenschen wirklich so stark, wie Sie hier andeuten, Herr de la Bruyère?
„Nicht in uns selbst suchen wir unser Glück, sondern in der Meinung unserer Mitmenschen, obgleich wir nur zu gut wissen, wie schmeichlerisch, unaufrichtig, ungerecht, neidisch, launenhaft und missgünstig sie sind. Unglaublich, aber wahr!“
Unser Glück erkennen und finden, dazu gibt es doch genügend Anregungen oder Anleitungen.
„Wer selbst ein Hohlkopf ist, dem nützt auch aller Reichtum an Geist nichts, den er anderswo finden könnte. Ein solcher Mensch hat keine eigenen Gedanken und ist auch nicht fähig, aus dem Wissen anderer Nutzen zu ziehen.“
Und wie äußert sich diese Dummheit?
„Unverbesserlich, wie die Leute sind, kritisieren sie den Vortrag des Predigers und das Buch des Philosophen, werden aber weder Christen noch vernünftige Leute.“
Und Sie meinen, selbst die gläubigen Christen wären da nicht zumindest subjektiv in einer besseren Lage, wenn ihnen Gottes Wort verkündet wird?
„In der Kirche scheint es gleichsam zwei Stände zu geben, die sie miteinander teilen müssen: einen, der rücksichtslos und ohne Umschweife die ganze Wahrheit verkündet, und den anderen, der sie eifrig anhört, den Vortrag genießt, lobt und bewundert, aber dadurch weder besser noch schlechter wird.“
Das verstehe ich in der Sache, ehrlich gesagt, nicht.
„Der Mensch ist als Lügner geboren. Die Wahrheit ist einfach und schlicht, er aber verlangt nach Aufputz und gleißendem Schein. Man braucht nur das Volk zu betrachten: Es entstellt, dichtet hinzu und übertreibt, weil es ungebildet und töricht ist.“
Die Wahrheit müsste doch aus sich selbst überzeugen, wenn man einem Philosophen wie Spinoza Glauben schenken kann.
„Vernunft und Gerechtigkeit können ohne äußeren Prunk weder überzeugen noch einschüchtern. Der Mensch ist zwar mit Geist begabt, doch müssen Auge und Ohr ihn leiten.“
Sind also alle Versuche, andere Menschen zu lehren, zu führen, anzuleiten überflüssig, weil schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt?
„Auch wenn es wahr wäre, was manche behaupten, dass die Erziehung dem Menschen weder einen anderen Charakter noch andere Anlagen gibt, dass sie an seinem innersten Wesen nichts ändert und nur die Oberfläche berührt: Auch dann würde ich doch nie müde zu behaupten, dass Erziehung nicht unnütz ist.“
Was könnte man denn trotz aller menschlicher Schwäche lernen?
„Es gibt eine Reihe gängiger Redensarten, die man bei Bedarf aus dem Vorrat entnimmt und die dazu dienen, sich gegenseitig Glück zu wünschen, wenn die Gelegenheit es erfordert. Obwohl sie oft ohne Herzlichkeit ausgesprochen und ohne Dankbarkeit angehört werden, darf man sie nicht fortlassen, weil sie wenigstens eine Andeutung der Freundschaft sind – des Besten, was die Welt zu bieten hat. Die Menschen scheinen ja übereingekommen zu sein, sich mit dem bloßen Schein zu begnügen, da sie in Wahrheit nicht aufeinander zählen können.“
Das ist herzlich wenig; was könnte man außerdem noch lernen?
„Es ist bäurische Art, mit saurer Miene zu schenken. Kraft und Selbstüberwindung erfordert nur der Entschluss zu geben. Was kostet es, ein Lächeln hinzuzufügen?“
Gaben auszutauschen ist wahrlich eine Art, menschlich miteinander umzugehen. Was soll man beim Schenken beachten?
„Lädt man Freunde zum Essen ein oder zu einem Fest, macht man ihnen Geschenke, und bei jedem anderen Vergnügen, das man ihnen bereitet, kann man entweder großen Aufwand treiben oder sich nach ihrem Geschmack richten. Das Letztere ist vorzuziehen.“
Vielleicht sind die Menschen also doch nicht so selbstbezogen, wenn sie einander Wünsche erfüllen?
„Das Einfachste und Nächstliegende ist ein abschlägiger Bescheid, und nur aus Berechnung erfüllt man eine Bitte.“
Ich muss nun wirklich die Frage stellen, die Kant lange nach Ihnen als die philosophische Grundfrage deklariert hat: Was ist der Mensch?
„Kinder sind trotzig, überheblich, jähzornig, neidisch, selbstsüchtig, faul, leichtsinnig, schüchtern, unmäßig, sind Lügner und Heuchler. Sie lachen und weinen leicht, Kleinigkeiten versetzen sie in maßlose Freude und bitteres Leid. Sie wollen nicht, dass man ihnen Böses antut, fügen es aber gerne anderen zu: Sie sind eben schon Menschen!“
Das erinnert mich an ein Gedicht von Wilhelm Busch, worin ein Vater seinem Sohn erklärt, wie brutal Affen miteinander umgehen, und der Sohn dann ganz unschuldig fragt: ‘Sind Affen denn auch Leute?‘ – Wie kann man sich vor solchen ‚Kindern‘ vorsehen?
„In der Verschlagenheit hat man einen großen Schritt vorwärts getan, wenn man sich den Anschein zu geben weiß, als sei man eben nicht der Klügste.“
Das alles ist ziemlich deprimierend – wozu mühe ich mich dann ein ganzes Leben lang ab – wozu bin ich auf Erden, um eine alte Katechismusfrage zu zitieren?
„Wer müsste nicht erkennen, wie überflüssig er selber trotz seltenster Talente und größter Verdienste ist, wenn er bedenkt, dass er sterbend eine Welt verlässt, die ihn nicht vermisst und wo sich so viele finden, die ihn ersetzen möchten?“
Ich befürchte, da haben Sie Recht, Herr de la Bruyère, auch wenn Ihre Einsicht schwer zu ertragen ist. Wir erfahren diese ‚Über-flüssigkeit‘ heute eher, wenn jemand aus dem Beruf ausscheidet, als bei seinem Tod; aber sie lässt sich nicht leugnen. Und was für andere gilt, warum sollte dies für uns selber nicht gelten? Vielen Dank für das Gespräch, Monsieur!

Die Fragen stellte Norbert Tholen am 31. Juli und 1. August 1999. Man könnte einige Fragen ein bisschen anders formulieren: [1] Was unterscheidet Freundschaft von Liebe? [2] Gibt es etwas Schlimmereres als den Verlust der Geliebten, des Geliebten?
Die Antworten stammen aus den Aphorismen des Herrn de la Bruyère (ausgewählt und übersetzt von G. von Schuckmann, Vandenhoeck & Ruprecht 1968), welcher in Meyers großem Taschenlexikon unter „La Bruyère, Jean de“ (1645 – 1696), zu finden ist.

Die Idee dieses Spiels, das ich mit Jeans Aphorismen gespielt habe, beruht
1. auf der Einsicht, dass man eine „theoretische“ (und damit kontextlos gebotene) Äußerung als Antwort auf eine Frage versteht, wie im ersten Beitrag nachzulesen ist;
2. auf der Annahme, dass die Äußerungen eines Menschen, die er in einem Buch zusammengestellt hat, auch (unter dem Stichwort „Autor“ miteinander zusammenhängen – welchen Zusammenhang man als „Gespräch“ herstellen kann.

Ich habe das Spiel in meinem Nietzsche-Buch („Kennen Sie Nietzsche?“ dtv 1997) exerziert. Schüler tun sich schwer, solche Zusammenhänge herzustellen, vielleicht aus deswegen, weil sie die Aphorismen nicht selber ausgesucht haben; man sollte diese vorher besprechen und dann den Schülern die Möglichkeit geben, etwa 3 von 20 auszulassen.

Zu der gerade beschriebenen Aufgabe hier eine Sammlung von Nietzsche-Aphorismen:

Aphorismen aus F. Nietzsche: Morgenröte (1881)
Aufgabenstellung: Verbinden Sie die Aphorismen zu einem Gespräch mit Nietzsche – Sie dürfen dabei drei Aphorismen auslassen (und natürlich die Reihenfolge der Aphorismen verändern – am besten ordnen zuerst Sie die Texte thematisch):

„Alle Dinge, die lange leben, werden allmählich so mit Vernunft
durchtränkt, daß ihre Abkunft aus der Unvernunft dadurch unwahrscheinlich wird. Klingt nicht fast jede genaue Geschichte einer Entstehung für das Gefühl paradox und frevelhaft? Widerspricht der gute Historiker im Grunde nicht fortwährend?“ (Nr. 1)

„Das große Ergebnis der bisherigen Menschen ist, daß wir nicht mehr beständige Furcht vor wilden Tieren, vor Barbaren, vor Göttern und vor unseren Träumen zu haben brauchen.“ (Nr. 5)

„Überall, wo die Uralten ein Wort hinstellten, da glaubten sie eine Entdeckung gemacht zu haben. Wie anders stand es in Wahrheit! – sie hatten an ein Problem gerührt, und indem sie wähnten, es gelöst zu haben, hatten sie ein Hemmnis der Lösung geschaffen. – Jetzt muß man bei jeder Erkenntnis über steinharte verewigte Worte stolpern, und wird dabei eher ein Bein brechen als ein Wort.“ (Nr. 47)

„Die Kehrseite des christlichen Mitleidens am Leiden des Nächsten ist die tiefe Beargwöhnung aller Freude des Nächsten, seiner Freude an allem, was er will und kann.“ (Nr. 80)

„Ehemals suchte man zu beweisen, daß es keinen Gott gebe, – heute zeigt man, wie der Glaube, daß es einen Gott gebe, entstehen konnte und wodurch dieser Glaube seine Schwere und Wichtigkeit erhalten hat: dadurch wird ein Gegenbeweis, daß es keinen Gott gebe, überflüssig.“ (Nr. 95, 1. Teil)

„Wir ziehen immer noch die Folgerungen von Urteilen, die wir für falsch halten, von Lehren, an die wir nicht mehr glauben, – durch unsere Gefühle.“ (Nr. 99)

„‚Was ist das eigentlich, was ich tue? Und was will gerade ich damit?‘ – das ist die Frage der Wahrheit, welche bei unserer jetzigen Art von Bildung nicht gelehrt und folglich nicht gefragt wird, für sie gibt es keine Zeit.“ (Nr. 196, Anfang)

„Viele große innere Erfahrungen haben und auf und über ihnen mit einem geistigen Auge ruhen – das macht die Menschen der Kultur, welche ihrem Volk den Rang geben.“ (Nr. 198, 1. Teil)

„Versuchen wir den Spiegel an sich zu betrachten, so entdecken wir endlich nichts als Dinge auf ihm. Wollen wir die Dinge fassen, so kommen wir zuletzt wieder auf nichts als auf den Spiegel.
– Dies ist die allgemeinste Geschichte der Erkenntnis.“ (Nr. 242)

„Wir drücken unsere Gedanken immer mit den Worten aus, die uns zur Hand sind. Oder um meinen ganzen Verdacht auszudrücken: wir haben in jedem Momente eben nur den Gedanken, für welchen uns die Worte zur Hand sind, die ihn ungefähr auszudrücken vermögen.“
(Nr. 257)

„Einer war durch seinen ungeratenen und boshaften Sohn den ganzen Tag so gequält worden, daß er ihn abends erschlug und aufatmend zur übrigen Familie sagte: ‚So! nun können wir ruhig schlafen!‘ – Was wissen wir, wozu uns Umstände treiben könnten!“ (Nr. 336)

„Es ist eine gut bewiesene Sache, daß die Menschen aus dem Mutterleibe hervorgehen: trotzdem lassen erwachsene Kinder, die neben ihrer Mutter stehen, die Hypothese als sehr ungereimt erscheinen; sie hat den Augenschein gegen sich.“ (Nr. 340)

„Aus feuchten trüben Tagen, Einsamkeit, lieblosen Worten an uns wachsen Schlüsse auf wie Pilze: sie sind eines Morgens da, wir wissen nicht woher, und sehen sich grau und griesgrämig nach uns um. Wehe dem Denker, der nicht der Gärtner, sondern nur der Boden seiner Gewächse ist!“ (Nr. 382)

„Weil etwas für uns durchsichtig geworden ist, meinen wir, es könne uns nunmehr keinen Widerstand leisten, – und sind dann erstaunt, daß wir hindurchsehen und doch nicht hindurchkönnen! Es ist dies dieselbe Torheit und dasselbe Erstaunen, in welches die Fliege vor jedem Glasfenster gerät.“ (Nr. 444)

„Ein Buch wie dieses ist nicht zum Durchlesen und Vorlesen sondern zum Aufschlagen, namentlich im Spazierengehen und auf Reisen; man muß den Kopf hinein- und immer wieder hinausstecken können und nichts Gewohntes um sich finden.“ (Nr. 454)

„So wie man uns jetzt erzieht, bekommen wir zuerst eine zweite Natur: und wir haben sie, wenn die Welt uns reif, mündig, brauchbar nennt. Einige wenige sind Schlangen genug, um diese Haut eines Tages abzustoßen: dann, wenn unter ihrer Hülle ihre erste Natur reif geworden ist. Bei den meisten vertrocknet der Keim davon.“ (Nr. 455)

„In der Jugend nimmt man seine Lehrer und Wegweiser aus der Gegenwart und aus den Kreisen, auf welche wir gerade stoßen: wir haben die gedankenlose Zuversicht, daß die Gegenwart Lehrer haben müsse, die für uns mehr als für jeden anderen taugen, und daß wir sie finden müssen, ohne viel zu suchen. Für diese Kinderei muß man später hartes Lösegeld zahlen: man muß seine Lehrer an sich abbüßen. Dann geht man wohl nach den rechten Wegweisern suchen in der ganzen Welt herum, die Vorwelt eingerechnet, – aber es ist vielleicht zu spät. Und schlimmstenfalls entdecken wir, daß sie lebten, als wir jung waren, – und daß wir uns damals vergriffen.“ (Nr. 495)

„Bei allem, was ein Mensch sichtbar werden läßt, kann man fragen: was soll es verbergen? Wovon soll es den Blick ablenken? Welches Vorurteil soll es erregen? Und dann noch: bis wie weit geht die Feinheit dieser Verstellung?“ (Nr. 523)

„Wie gut klingen schlechte Musik und schlechte Gründe, wenn man auf einen Feind losmarschiert!“ (Nr. 557)

„Auch große Geister haben nur ihre fünf Finger breite Erfahrung – gleich daneben hört ihr Nachdenken auf: und es beginnt ihr unendlicher leerer Raum und ihre Dummheit.“ (Nr. 564)

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